Natürlich ist es übertrieben, von einem „Wunder“ zu sprechen, dass die deutschen Basketball-Frauen das Halbfinale der Heim-Weltmeisterschaft erreicht haben. Aber mal ehrlich: Wer hätte ernsthaft geglaubt, dass sie sich am Donnerstagabend in der ausverkauften Halle am Berliner Ostbahnhof so souverän gegen die Europameisterinnen aus Belgien durchsetzen würden? Dass sie dieses Viertelfinale von Beginn an dominieren würden und die Partie souverän nach Hause spielen würden? Ich nicht, und die meisten Experten dieser Sportart auch nicht.
Aber im deutschen Basketball scheint nichts mehr unmöglich zu sein, spätestens seit dem WM-Triumph der Männer 2023 und dem Olympiasieg der 3×3-Frauen ein Jahr später. Keine Hürde ist zu hoch, als dass sie bewältigt werden könnte.
Und so waren die mehr als 11.000 Zuschauer mit einer gewissen Erwartungshaltung und noch mehr Hoffnung zur Viertelfinal-Partie gekommen. Sie wurden nicht enttäuscht, sondern sahen ein von Beginn an extrem konzentriertes Team. Bei dem die Star-Spielerin Leonie Fiebich plötzlich auch die Dreier versenkte (3 von 4 Versuchen im ersten Viertel). Bei dem Nyara Sabally mit ihrem unbändigen Kampfgeist unter dem Korb auffiel (9 Rebounds in der 1. Hälfte). Aber einzelne Spielerinnen herauszuheben, wäre wirklich unfair. Jede einzelne trug zu diese Erfolg bei gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner aus Belgien. Dem Land, in dem Frauen-Basketball eine ungleich höhere Bedeutung hat als hierzulande. Die „Katzen“ sind eine eigenständige Marke bei unseren westlichen Nachbarn, 1000 Schlachtenbummler waren mit nach Berlin gekommen. Spielerinnen wie Emma Meesemans und Julie Allmand sind auf dem Kontinent das Nonplusultra. Zu denen deutsche Spielerinnen wie die hauptberufliche Lehrerin Alexandra Wilke bisher aufgeschaut haben.
Doch gegen Deutschland stachen die Trümpfe nicht wie gewohnt, obwohl Meesemans die Deutschinnen mit ihren am Ende 29 Zählern oft vor unlösbare Probleme stellte. Doch sie war oft alleingestellt, ja isoliert, weil der Rest nicht wie gewünscht ins Rollen kam. Die Taktik des deutschen Trainers Olaf Lange ging auf, und in der Offensive verteilte sich das Körbemachen auf mehrere Schultern. Am Ende punkteten gleich sechs deutsche Frauen zweistellig. Auch als die Belgierinnen zu Beginn des vierten Viertels mit einem energischen Zwischenspurt den Rückstand von 18 auf 10 Punkten reduzierten, behielt das deutsche Team die Ruhe, und kurze Zeit später stand der Halbfinal-Einzug fest.
Der eben bei aller Überraschung natürlich nicht völlig aus dem heiteren Himmel kam. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist atemberaubend; ich kann mich noch an gar nicht so lange vergangene Zeiten erinnern, da war allein eine WM-Qualifikation völlig utopisch. Spätestens nach der grandiosen Olympia-Qualifikation Anfang 2024 in der „Hölle von Belem“ auswärts gegen Brasilien und ein fanatisches Publikum sind auch die deutschen Frauen im Basketball eine Größe. Ein halbes Dutzend von ihnen spielt mittlerweile in der WNBA, der mit Abstand besten Liga der Welt. Bei Olympia selbst gewannen sie dann in der Vorrunde gegen Belgien und scheiterten erst in einem lange ausgeglichenen Viertelfinale an den gastgebenden Französinnen.
Die sind am Samstag der Halbfinal-Gegner, und die Aufgabe scheint wieder fast aussichtslos. Denn die Französinnen sind noch schneller als die Belgierinnen, noch kombinationssicherer, vor allem aber körperlich noch viel stärker. Doch der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen, und so wäre ein weiterer Erfolg zwar eine Überraschung, aber sicher kein Wunder. Erst ein Endspielsieg gegen die USA …
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