Das wird die Woche, die wird

Die Basketball-WM der Frauen beginnt, dazu Formel 1 in Monza und der Abschluss der Diamond League in Brüssel.

 

WM im Hauruck-Verfahren

 

Heim-Weltmeisterschaft in Berlin ab Freitag, das wird sicher ein Freudenfest fürs Frauen-Basketball. Leider mit einem sehr starken Makel: Denn das Turnier wird im Hauruck-Verfahren durchgeprügelt, ich kann es nicht anders sagen. Bereits 9 Tage nach dem ersten Tipp-off wird die neue Titelträgerin feststehen. Das bedeutet, dass die Weltmeisterinnen innerhalb von nur 9 Tagen mindestens 6 Partien austragen müssen. Eine absurde Terminhatz, die einzig und allein der amerikanischen Profiliga WNBA geschuldet ist. Länger als für gut zwei Wochen will diese den Spielbetrieb nicht ruhen lassen. Wo, das muss ich gleichzeitig zugeben, die Spielerinnen mittlerweile sehr gut verdienen mit stark steigender Tendenz; so viel wie vielleicht in keiner anderen Mansnchaftssportart (gefährlichstes Halbwissen, was weiß ich über Volleyball in der Türkei?).

Die Leidtragenden sind die Spielerinnen, die diesen Irrsinn mitmachen müssen. Großen Widerstand gegen das egomanische Auftreten der WNBA hat es meines Wissens nicht gegeben: Die Funktionäre des Weltverbandes haben sich schlicht und ergreifend erpressen lassen, damit die besten Spielerinnen der Welt (von denen eben sehr viele in den Staaten engagiert sind) auch dabei sind. Dass Verband und Liga damit ihrem Turnier aber vielleicht sogar eher schaden als nutzen (weil es schlicht und ergreifend unmöglich ist, in so kurzer Zeit regelmäßig Höchstleistungen zu zeigen + akute Verletzungsgefahr wg Überbelastung), steht auf einem anderen Blatt. Ich frage mich ernsthaft, welchen Schaden die WNBA genommen hätte, wenn das Turnier eine Woche länger gedauert hätte (in der ja auch eine Woche länger Werbung für die Profiliga gemacht worden wäre).

Ändern lässt sich das nun nicht mehr, und so blicke ich zum Sportlichen. Haushohe Favoritinnen sind natürlich die USA (zuletzt fünfmal Weltmeisterin), die ein mit Stars gespicktes Team in die deutsche Hauptstadt schicken. Allerdings hat die vielleicht beste Spielerin der Welt, Aja Wilson, noch kurzfristig die Teilnahme abgesagt. Dennoch wird das Team zweifelsohne begeistern – und zwar nicht nur die seit College-Zeiten so gehypte Caitlin Clark, sondern vor allem auch Ausnahme-Könnerinnen wie Napheesa Collier, Kahleah Copper und Angel Reese.

Hinter den USA sehen die Experten (zu denen ich mich bei aller Begeisterung für Frauen-Basketball nicht anmaße dazuzugehören) vor allem drei Herausforderinnen, die  höchstwahrscheinlich die restlichen Medaillen unter sich ausmachen: Australien, Belgien und Frankreich. Die Aussies erreichten bei den vergangenen acht WMs siebenmal das Halbfinale, Belgien ist amtierender Eruopameister und gespickt mit Top-Spielerinnen (Emma Meesemann), und die Französinnen begeisterten zuletzt beim Olympischen Turnier zu Hause in Paris und Lille, wo sie die Silbemedaille eroberten (knappe Final-Niederlage gegen die USA).

 

Deutsche mit Verletzungspech

 

Ob die deutsche Spielerinnen in diesen Medaillenkampf eingreifen können, erscheint mir doch zweifelhaft. Ausgerechnet vorm Heimturnier sind einige Stars angeschlagen oder müssen gar komplett passen wie die überragende und vielleicht beste Akteurin, Satou Sabally (Gehirnerschütterung). Ob ihre Schwester Nyara fit wird, ist noch nicht sicher, im Vollbesitz ihrer Kräfte wird sie bestimmt nicht sein. Ähnliches gilt für Leonie Fiebich, die gerade von einer Verletzung zurückgekommen ist. Trotzdem erscheint mir das Team absolut wettbewerbsfähig unter anderem mit den WNBA-Profis Frida Buehner und Luisa Geiselsöder an der Spitze.
Der Aufschwung der deutschen Basketballerinnen ist unverkennbar; natürlich nicht ganz so spektakulär wie der der Männer-Weltmeister und -Europameister, aber wer hätte noch vor 10 Jahren gedacht, dass die Frauen bei großen Turnieren nicht nur regelmäßig dabei sind (waren sie zuvor häufig nämlich nicht), sondern auch erfolgreich spielen. Wie eben bei Olympia, als sie sich völlig überraschend in der Vorrunde gegen Belgien und Japan durchsetzten, ehe sie etwas unglücklich im Viertelfinale an Frankreich scheiterten. Nyara Sabally und Leonie Fiebich triumphierten zudem 2024 in der WNBA mit New York Liberty, das haben bisher bei den Männern (in der NBA, versteht sich …) auch nur eine Handvoll Profis geschafft.

Die Frauen haben also einen guten Teil zur Basketball-Begeisterung im Land beigetragen. Die Vorrunden-Partien des Teams in der Halle am Ostbahnhof sind schon längst ausverkauft wie überhaupt das Turnier sehr hohen Anklang findet. Es war eine tolle Idee der Veranstalter, dass sie dieses komprimierte Turnier komplett in Berlin stattfinden lassen. Gespielt wird also in der Halle am Ostbahnhof (mittlerweile schimpft sie sich, glaube ich, Uber-Arena) sowie in der altehrwürdigen Max-Schmeling-Halle.

 

Das Format

 

16 Teams haben sich qualifiziert, die von Freitag an in vier Vorrundengruppen je 3 Partien austragen (bis einschließlich Montag, also immerhin je ein Ruhetag, da wäre doch noch was gegangen in Sachen Komprimierung, liebe WNBA). Die Gruppensiegerinnen qualifizieren sich direkt fürs Viertelfinale, die Zweiten und Dritten tragen überkreuz noch eine Zwischenrunde aus. Die 4 Viertelfinali finden am 10. September statt (Donnerstag), Halbfinale und Finalspiele folgen am Wochenende (12./13. September). Diesen Zeitplan sollte man mal Fußballspielern zumuten.
Deutschland trifft zunächst auf Spanien (Fr., 17:45), es folgen die Partien gegen Japan (Sa., 18:00) und Mali (Mo., 17:50). Als Gruppensieger würde das Team im Viertelfinale auf einen Zwischenrundensieger treffen, als Zweiter oder Dritter auf den Dritten oder Zweiten der Gruppe B (Frankreich, Ungarn, Südkorea, Nigeria). Das Viertelfinale ist also auf jeden Fall drin, danach muss man einfach weitersehen.

Zu sehen sind die Partien mit deutscher Beteiligung und ausgesuchte K.-o.-Spiele bei Pro7 und Sat.1 respektive deren Live-Streams. Ansonsten auch per VPN sich internationale Sender suchen …

 

Antonellis Heimspiel

 

Der Große Preis von Italien in Monza ist eigentlich eine Ferrari-Angelegenheit. Doch diesmal werden im Autodromo bestimmt viele Azzurri zumindest verschämt auch ihrem Landsmann Kimi Antonelli die Daumen drücken, der mit seinem Mercedes drauf und dran ist, dass er die Fahrer-WM gewinnt  (er wäre der erste Italiener seit * (na???). Dabei wird Wehmut aufkommen, dass Antonelli nicht für die Scuderia fährt.
Die ganz große Überlegenheit der McLarens ist zwar dahin (die Konkurrenz hat spätestens die Sommerpause zum Aufholen genutzt), aber mittlerweile hat Antonelli in der WM-Wertung einen komfortablen Vorsprung. 59 Punkte sind es schon auf den Teamgefährten George Russell und Lewis Hamilton im Ferrari, das sind schon mehr als 2 Siege (für den gibt es 25 Zähler) und gleichzeitigem Ausfall. Andererseits ist die Saison noch lang, Monza ist gerade der 13. und 24 WM-Läufen, es wird also gerade die 2. Hälfte eingeläutet, die gerade zum Ende eine unfassbare Terminhatz wird mit 5 Läufen innerhalb von nur 6 Wochenenden.

* Ich musste auch nachschauen: Es war Alberto Ascari 1953 (!), dazwischen unter anderem 3 Finnen, 2 Deutsche und sogar 2 Österreicher.

 

Leichtathletik-Weltklasse in Brüssel

 

Schon traditionell ist das Meeting in der belgischen Hauptstadt der Abschluss der Diamond League. Benannt nach Ivo van Damme, einen früheren Weltklasse-Läufer über die Mittelstrecke, der viel zu früh verstorben ist. Gleich über 2 Tage erstreckt sich das Programm, weil jede der 40 Disziplinen zu ihrem Recht kommt. Die versammelte Weltklasse wird am Start sein, sehr spannend wird das Kräftemessen der Eurpameister mit der Welt-Elite. Ob allerdings das Meeting von Zürich mit 2 Weltrekorden getoppt werden kann, steht in den Sternen (zumal die Wetteraussichten mit Regen nicht ideal sind). In Form sind die Damen und Herren jedenfalls, spektakuläre und spannende Wettbewerbe sind quasi garantiert, vielleicht mit den Höhepunkten Stabhochsprung der Männer (Duplantis vs Karalis) und 800 Meter der Frauen (Werro vs Bol).

 

Und sonst?

 

  • Volleyball: Die EM der Frauen geht in die entscheidende Phase. Heute der Abschluss des Achtelfinals, wo unter anderem das deutsche Team gegen Belgien sich durchaus Chancen ausrechnen darf, obwohl die Vorrunde mit Platz 4 nicht nach Wunsch lief. Bei einem Sieg würden die Deutschinnen höchstwahrscheinlich erneut auf Co-Gastgeberin Türkei treffen, gegen die sie sich in der Vorrunde achtbar schlugen, letztlich aber sich beugen mussten auch wegen der absolut grandiosen Türkin Vargas.
  • Pokal: Borussia Dortmund und Titelverteidiger FC Bayern komplettieren die 1. Runde mit ihren Partien bei HEBC Hamburg (Dienstag im Volksparkstadion) und in Osnabrück (Mittwoch). Alles andere als Siege der Bundesligisten wäre eine Sensation.
  • Bundesliga: Der 2. Spieltag am Wochenende. Sogenanntes Topspiel ist die Begegnung von Aufsteiger Schalke 04 gegen Titelverteidiger FC Bayern (Sa., 17:30).. Die Münchner sind nach dem 5:1 gegen Stuttgart schon Tabellenführer, ein hoher Erfolg würde einen Start-Ziel-Sieg in Richtung Titel schon ziemlich wahrscheinlich machen.
    Stuttgart will die (erwartete) Pleite in München am Freitag zu Hause gegen den 1. FC Köln wieder wettmachen. Borussia Dortmund ist in Hoffenheim gefordert.
  • Internationale Ligen, England: Meister Arsenal ist mit 2 Siegen in die Saison gestartet, genauso wie der Londoner Stadtrivale FC Chelsea. am Sonntag (17:30) treffen die Teams im Emirates Stadium aufeinander, eine echte Standort-Bestimmung.
    Spanien: Schon der 4. Spieltag, und noch sind Barca und Real ohne Punktverlust. Die Madrilenen streben bei Betis Sevilla den 4. Erfolg an (Fr., 20:30), die Katalanen müssen zum FC Valencia.
  • Basketball: Saisoneröffnung des FC Bayern am Sonntag im BMW-Park (Rudi Sedlmaier-Halle). Neben der Teampräsentation gibt es ein Testspiel gegen Brose Bamberg, es ist eine Art Ablösepartie für Trainer Anton Gavel, der von Bamberg nach München wechselte. Als Basketball-Fan bin ich live vor Ort, nur deshalb erwähne ich das Ereignis …

 

Warum ich Sport so liebe

„Weltklasse in Zürich!“ Unter diesem Titel laden die Veranstalter jedes Jahr die besten Leichtathleten der Welt ins ehrwürdige und mittlerweile modernisierte Stadion am Letzigrund. Geboten werden dann gut zwei Stunden Spitzensport vom Feinsten. Zig Weltrekorde und Bestleistungen Bestleistungen wurden und werden aufgestellt, begleitet von einem fantastischen Publikum, fachkundig und begeisterungsfähig.

Es war also einiges zu erhoffen am Donnerstagabend, aber alle hohen Erwartungen wurden noch übertroffen. Begünstigt durch nahezu perfektes Leichtathletik-Wetter: warm, aber nicht zu heiß, und nur ein ganz leichtes Lüftchen wehte, das niemanden irritierte. Es ist mir unmöglich, all die grandiosen Lesitungen zu benennen, ich will mich auf die tollsten Wettbewerbe beschränken.

 

Ein Sturmlauf, der die Grenzen verschiebt

 

Als Alison dos Santos über 400 Meter Hürden durch die 2. Kurve stürmte, da konnte man schon erahnen, dass etwas Außergewöhnliches geschehen würde. Der Brasilianer hatte da nämlich bereits die Vorgabe von Karsten Warholm egalisiert, seines Zeichens Weltrekordler und blendend in Form. Dos Santos hielt auf der Zielgeraden nicht nur den Vorsprung auf den Norweger, sondern er baute ihn aus. Als die Zeit stehenblieb, erstarrte das Stadion förmlich vor Erstaunen, bevor es vor Jubel explodierte. 45,80 Sekunden, vermeldete die Anzeigentafel, und sie blieb standhaft. Neuer Weltrekord, die vermeintlich unüberbietbare Zeit, die eben dieser Warholm 2021 bei Olympia aufgestellt hatte (45,90), war damit Geschichte. 45,80 Sekunden, mit dieser Zeit wäre ein deutscher Athlet Fünfter in der 400-Meter-Jahreswertung – ohne Hürden, versteht sich.

 

Stabhochsprung-Duell in luftiger Höhe

 

Bisher galten die 6 Meter für die Stabhochspringer als Um und Auf; eine Marke, die auch die Besten ihrer Zunft nicht alltäglich bewältigen würden. Spätestens seit diesem Jahr gilt das nur noch bedingt, denn neben dem unfassbaren Mondo Duplantis, für den die 6 Meter nur der lockere Auftakthüpfer eines Wettbewerbes sind, schafft auch der Grieche Emmanouil Karalis diese Höhe mit fast schon bestürzender Regelmäßigkeit.
Was die beiden aber am Donnerstagabend ablieferten, hatte die Leichtathletik-Welt noch nicht gesehen. Der eine legte jenseits der 6 Meter vor, der andere erhöhte, während der jeweils andere die Höhe ausließ.: 6,10 Meter (Karalis), 6,15 (Duplantis), 6,20 (Karalis/persönliche Betleistung) und 6,25 (Duplantis). Das Tolle daran. Alle Höhen nahmen die beiden im ersten Versuch – und zwar ziemlich klar.
Bei der neuen Weltrekord-Marke von 6,32 trafen sich die beiden wieder. Für Karalis war das noch (!) ein wenig zu hoch, er lächelte. Auch Duplantis riss dreimal, aber er ärgerte sich maßlos und kickte die herabfallende Stange wütend weg. Duplantis und Wut, das waren bisher zwei Begriffe, die nur schwer zueinanderpassten. Offenbar geht dem Schweden die neue Konkurrenz bei all gespielter Lockerheit doch etwas an die Nieren.

 

Der verblüffende Weltrekord

 

Dass Maran Russell verdammt schnell über die Hürden ist, das musste man angesichts der Vorleistung 12,14 Sekunden, mit der sie zu den 100 Meter Hürden antrat. Dass sie aber als erste Frau der Welt die Marke von 12,10 Sekunden unterbieten würde, das überraschte kolossal. Wie der Blitz war die US-Amerikanerin aus den Startblöcken gesprungen und nahm die 10 Hindernisse, als würden diese gar nicht im Weg stehen. Mehr als erstaunliche 12,09 Sekunden standen am Ende zu Buche, damit siegte sie sogar nur relativ knapp vor der bisherigen Rekord-Inhaberin Tobi Amusan aus Nigeria (12,23). Sogar die 12-Sekunden-Marke scheint nicht mehr völlig außer Reichweite, vielleicht bei einem ganz leichten Schiebewind.

 

Werro siegt und siegt und siegt …

 

Schön, dass die Schweizer Zuschauer einer Lokal-Matadorin zujubeln durften. Audrey Werro, der aufkommende 800-Meter-Star der Szene, wurde allen Erwartungen gerecht und siegte erneut. In einem fulminanten Rennen steigerte sie sich auf 1:53,70 Minuten und distanzierte abermals die holländische Ausnahme-Läuferin Femke Bol-Broeders, die ihren erst vor einer Woche aufgestellten natinalen Rekord auf nunmehr 1:54,71 verbesserte.
Ich weiß nicht, welche der beiden Athletinnen ich mehr bewundern soll (in der Hoffnung, dass alle sauber sind): die erst 22 Jahre alte Schweizerin, die sich nach und nach den vermeinlich unantastbaren 1:53,28 der Jarmilla Kratochvilova nähert (aufgestellt in Doping-verseuchten Zeiten). Oder nicht doch Femke Bol, die nach sagenhaften Jahren über 400 Meter (Hürden) erst in diesem Jahr der für sie völlig neuen 800-Meter-Strecke zugewendet hat und bereits in unfassbaren Dimensionen läuft. Mit ihrer Zeit ist sie bereits Neunte in der ewigen Weltrangliste.
Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte Kratochvilovas Weltrekord (aufgestellt 1983 in München) spätestens nächstes Jahr fallen. Nur welche der Ausnahmeläuferinnen am Ende die neue Weltrekord-Halterin ist, das escheint offen, denn Potenzial nach oben scheinen Werro und Bol noch zu haben. Nicht zu vergessen übrigens die in Zürich fehlende EM-Zweite Keely Hodgkinson (hinter Werro, vor Bol) , die nächstes Jahr bestimmt wieder angreifen wird.

 

Und sonst?

  • Eine Weltjahresbestleistung stellte Julien Alfred mit 10,70 Sekunden über 100 Meter auf; die Olympiasiegerin siegte zeitgleich vor Melissa Jefferson-Wooden – und das bei 0,7 Meter/Sekunde Gegenwind
  • Rumesh Tharanga Pathirage schleuderte den Speer auf 92,07 Meter und damit etwa anderthalb Meter weiter als der in Zürich fehlende Europameister Julian Weber.
  • Kenneth Bednarek (USA) brauchte über 200 Meter nur 19,62 Sekunden (WJB).
  • Ann Cockrell stellte über 400 Meter Hürden ebenfalls eine in diesem Jahr noch nie gelaufene Zeit auf (52,13 Sekunden). Pech hatte in diesem Rennen Europameisterin Emma Zapletalova, die gleichauf mit Cockrell in die vorletzte Hürde trat und alle Siegchancen einbüßte.
  • Emmanouel Wanyonyi aus Kenia schließlich setzte seine Siegesserie über 800 Meter fort in 1:41,76 Minuten (WJB), ganz knapp vor dem Algerier Djamel Sedjati.

Das wird die Woche, die wird

Die Bundesliga beginnt am Freitag, bei den US Open wird in dieser Woche die Mixed-Konkurrenz den Appetizer fürs letzte Grand-Slam-turnier geben, und die besten Leichtathleten der Welt treffen sich am Donnerstag bei Traditions-Meeting in Zürich.

 

Große Überraschung: Bayern wird Meister

 

Laut einer der Herberger-Weisheiten (der Ball ist rund, das Spiel hat 90 Minuten/nona) ist Fußball deshalb so spannend, weil die Zuschauer nicht wissen, wie es ausgeht. So gesehen dürfte 64. Saison der Fußball-Bundesliga keinen Menschen interessieren, denn die Meisterschaftsfrage ist entschieden. Wer will ernsthaft dagegen wetten* oder auch nur argumentieren, dass die Bayern am Ende erneut die Nase vorn haben, die Frage ist allein, ob sie den Titel schon im März fixieren oder dank außergewöhnlichen Umständen erst im April oder gar mai.

* Die Quote liegt etwa bei 1,15. Wer also 100 Euro auf die Bayern setzt, bekommt satte 115 zurück. Wau!

Los gehts am Freitag, wenn die Münchner den VfB Stuttgart empfangen (20:30). Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Überraschung, wenn überhaupt reizt höchstens die Frage, ob der Sieg hoch genug ist, damit der FCB auch nach Ende des 1. Spieltags schon von der Tabellenspitze grüßt; wie vergangenes Jahr, als die Kompany-Elf mit 6:0 gegen Leipzig triumphierte und die Führung ncht mehr abgeben sollte.

Viele Augen werden am Wochenende auf den grunderneuterten BVB gerichtet sein. Die Dortmunder bestreiten im Westfalenstadion gegen den HSV das erste Topspiel der Saison (Sa., 18:30).

Mal sehen, ob ich in der Woche noch zu einer ausführlichen Bundesliga-Vorschau aufraffe mit einer eingehenden Analyse aller 18 Teams. Tendenz eher ja, aber ich will nix versprechen.

 

Mixed-Wettbewerb in New York prominent besetzt

 

Wie im vergangenen Jahr wird der Titel schon vor dem offiziellen Start der US Open ausgetragen. Das ruft prominente TennsispielerInnen auf den Plan, die sonst die gemischte Konkurrenz (eh nur noch bei den Grand Slams) meiden. Das vom Namen her attraktivste Doppel ist zweifellos das Paar Serena Williams/Carlos Alcáraz. Allerdings auch sehr umstritten: Serena Williams ist auf einer Comebacktour nach jahrelanger Pause, Alcáraz hat seit April wegen einer hartnäckigen Handverletzung nicht mehr an offiziellen Turnieren teilgenommen. Mehr als ein Einspielen für den Einzelwettbewerb ab nächsten Sonntag wird es für den Spanier also nicht geben.

16 Teams werden an zwei Tagen am Start sein: 14 stehen schon fest, darunter die Titelverteidiger Sara Errani/Andrea Vavassori aus Italien. Alexander Zverev an der Seite von Doppelspezialistin Tayler Townsend ist der einzige Deutsche im Bewerb. Erwartet werden darf nach den Erfahrungen 2025 durchaus attraktiver Sport, wo allerdings die letzte Ernsthaftigkeit fehlen dürfte (eher eine verschärfte Trainingseinheit, die aber Profis und Zuschauern höllisch Spaß macht). Genau das richtige Entrée für die wirklich wichtigen Einzel- und Doppelkonkurrenzen, das vom Publikum dankbar angenommen wird.

 

Die Meisterschaft von Zürich

 

Der Letzigrund ist nach wie vor die wichtigste Station der Diamond League. Dementsprechend prominent ist das Starterfeld am Donnerstag, wenn die versammelte Weltspitze um den Sieg in den verschiedenen Lauf-, Sprung-, und Wurfdisziplinen kämpft. Ein Erfolg in Zürich schmückt immer noch jeden sportlichen Lebenslauf. Ob dann auch die angestrebten Rekorde geschafft werden, steht auf einem anderen Blatt. Da muss doch vieles zusammenkommen, an erster Stelle gutes Leichtathletik-Wetter herrschen, die Vorhersage für Donnerstag ist allerdings nicht allzu günstig.

Die Schweizer hoffen natürlich auf ihre nationalen Heroen, angeführt von 800-Meter-Europameisterin Audrey Werro und Multitalent Simon Ehammer, der im Weitsprung starten wird. Doch jeder der Wettbewerbe ist sehenswert, auf die Zuschauer warten gut 2 Stunden beste Leichtathletik-Unterhaltung, zu sehen unter anderem im ARD-Sportschau-Stream oder per VPN via SRF.

 

Und sonst?

 

  • Europacup: Die Rückspiele der letzten Qualifikationsrunde in den drei Wettbewerben Champions-, Europa- und Conference League, bevor es Mitte September mit den 36er-ligen ernst wird. Der SC Freiburg hat nach dem 3:1 in Motherwell das Ticket für die Conference League fast sicher. Ebenso Celtic Glasgow jenes für die Chmapions League, denn der LASK wird im Rückspiel das 0:3 nicht mehr drehen (sach ich einfach mal). Besser sieht es für den österreichischen Konkurrenten Red Bull Salzburg in der Europa League nach dem 1:0 bei Mjällby aus. In der Conference League kämpfen die Wiener Clubs mit unterschiedlichen Aussichten ums Weiterkommen. Gut sieht es für Rapid aus (2:2 bei den Hearts of Midliothian), eher schlecht für die Austria (0:2 bei Sporting Braga). Ansonsten ein schönes Sammelsurium von Partien mit Teams, dessen Herkunft immer wieder nette Ratespiele ergeben (wo würdet ihr zum Beispiel den KS Egnatioa oder St. Truiden oder den FC Iberia verorten?)
  • Internationale Ligen: Die wichtigsten haben jetzt alle den Spielbetrieb aufgenommen. Im England lautet der Schlager des 2. Spieltages Aston Villa vs FC Arsenal (allerdings erst am 31. August).
    In Italien erwartet die SSC Neapel das Überraschungsteam von Como, das unter Anleitung von Trainer Cesc Fabregas als Vierter die Champions League erreicht hat.
    Ein Duell zumindest großer Namen ist immer wieder die Partie in La Liga zwischen dem FC Sevilla vs Atlético, wobei die Andalusier in zuletzt  längst nicht mehr so stark waren in der Zehner-Jahren, als sie fast Seriensieger in der Europa League waren.
  • Deutscher Fußball: Für mich natürlich der Top-Schlager ist das Spiel Sechzig gegen Landshut (So., 14 Uhr), wo ich dank meiner Dauerkarte live vor Ort im Grünwalder Stadion sein werde. Ich werde berichten …
  • Handball: Auch hier beginnt die Männer-Bundesliga. Meister SC Magdeburg hat mit der partie beim VfL Gummersbach gleich einen echten Prüfstein (Sonntag, 15 Uhr). Die Bördestädter gelten erneut als klarer Titel-Favorit vor dem offenbar wiedererstarkten THW Kiel.
  • Basketball: 2 weitere Spieltage in der WM-Qualifikation der Männer. Deutschland kann mit Siegen gegen Holland (Do., 20:00) und in Polen (So., 14:45) dem Turnier in Katar 2027 sehr nahekommen. Es fehlen zwar die nicht ganz fitten NBA-Stars Franz Wagner und Isaiah Hartenstein, dennnoch dürfte die Truppe um Kapitän Dennis Schröder stark genug sein für 2 Siege.
    Die Frauen testen für die Heim-WM im September. Am Donnerstag empfängt das deutsche Team die Türkei. Leider ohne die Schwestern Satou und Nyara Sabally und wohl auch Leonie Fiebich, die auch für die WM passen müssen.
  • Motorrad. Nach längerer Sommerpause gibt es WM Läufe in Aragon in allen Klassen. In de MotoGP sind die Aprilias von WM-Leader Jorge Martin und Marco Bezecchi das Maß aller Dinge. Gleich 6 Spanier und 5 Italiener sind in den Top 12 zu finden. Einzig der Drittplatzierte Ai Ogura kann in diese südeuropäische Phalanx einbrechen.
  • Volleyball: Die Frauen-WM findet in gleich vier Ländern statt. Das deutsche Team hat eine schwere Gruppe erwischt und bestreitet die partien in der Türkei. Nach der Auftaktniederlage gegen Slowenien sind Lettland, Ungarn, Co-Gastgeber Tprkei und Polen die weiteren Gegner. Fürs Achtelfinale ist mindestens Platz 4 notwendig.

Tolle Leichtathletik-Woche mit einigen Tücken

Die ganze Palette des Sommer-Sports. Der Sonntag erinnerte im besten Sinne an einen Olympia-Tag: Die ARD übertrug von 9 bis 23 Uhr, als Schwimmer und Leichtathleten und Turner ihre Europameister kürten, Reiter und Gymnastinnen Weltmeister, dazu noch Cyclssics in Hamburg und Zweitliga-Fußball.

Unmöglich, alles zu gucken. Für mich noch unmöglicher, hier auch nur ansatzweise auf alles einzugehen, was in dieser Woche so geschah. Mehr denn je gilt: Mut zur Lücke. Im ersten Teil will ich mich auf die Leichtathletik beschränken, sonst wird es uferlos.

 

Leichtathleten feiern ein Sportfest mit Tücken

 

Eine Woche kämpften Europas Beste um Titel und Medaillen. Leider in einem Rahmen, der nicht immer dem Wert des Ereignisses entsprach. Eine recht kleine Arena irgendwo am Rand von Birmingham im Nirwana (Berichten zufolge nur die viertgrößte Arena der Stadt). Schwierig zu erreichen, gesalzene Eintrittspreise von teilweise mehr als 100 Pfund pro Veranstaltungstag, weswegen die angeblich so Leichtathletik-besessenen Briten vor allem an den ersten Tagen einen Bogen machten, teilweise war die Atmosphäre vergleichbar mit der eines Betriebssportfests.
Was die Sportler nicht verdient hatten, zumal die Gastgeber durchaus ablieferten und am Ende immerhin 19 Medaillen holten, 9 davon aus Gold.

 

Mein Höhepunkt der Titelkämpfe

 

Ich hatte mir ja vor Titelkämpfen den 800-Meter-Lauf der Frauen rausgepickt, und meine Erwartungen wurden erfüllt, nein sogar übererfüllt. In einem begeisternden Temporennen setzte sich die Schweizer Aufsteigerin Audrey Werro knapp vor der Einheimischen Keely Hodkinson und der holländischen Umsteigerin Femke Broeders-Bol durch. Werro feierte einen Start-Ziel-Sieg, ihre Zeit von 1:54,81 Minuten ist außergewöhnlich für ein Großereignis: weil eben ohne Tempomacherin erzielt, wie sie etwa bei Diamond-League-Meetings gang und gäbe sind.
Gar nicht so kleiner Wermutstropfen. Vielleicht (wahrscheinlich?) hätte Werro im Finale gar nicht dabei sein dürfen, weil sie im Halbfinale stürzte und nur wegen einer vermeintlichen Behinderung ins Finale gehievt wurde. Da haben die Kampfrichter mehr als ein Auge zugedrückt (um des Spektakels willen?). Gerade in den Mittelstreckenrennen gehören kleine Schubser und Hakeleien schlicht dazu, ohne dass eingegriffen wird. An der außergewöhnlichen Klasse der Schweizerin besteht allerdings nicht der geringste Zweifel.

 

Das Abschneiden der Deutschen

 

Insgesamt 21 Medaillen sammelten die AthletInnen. Eine hervorragende Bilanz, obwohl nicht alle Träume in Erfüllung gingen (Weitspringerin Malaika Mihambo wurde in einem windgeprägten Finale nur Fünfte, sie blieb nur sechs Zentimeter hinter der Siegerin; auch Robert Farken blieb über 1500 Meter weit hinter den Erwartungen). Auffällig, dass die Läufer den Anschluss zumindest an die europäische Spitze gefunden haben: egal ob Sprinter Owen Ansah* (Bronze 100, Gold 200 Meter), Hürdenspezialist Emil Ageykum (Silber über 400 Meter hinter dem unantastbaren Weltrekordler Karsten Warholm und die 3000-Meter-Hindernisläufer Frederik Ruppert und Karl Bebendorf, die Gold und Bronze eroberten.
Auch die WerferInnen trugen zur tollen Bilanz bei, teils erwartet (Gold für Julian Weber mit dem Speer, Silber für Merlin Hummel mit dem Hammer), teils völlig überraschend (Silber für die Speerwerferin Julia Ulbricht, die schon aus allen Kadern geflogen war).
Auch die Mehrkämpfer „lieferten“. In einem mehr als komplizierten Wettbewerb, beeinträchtigt durch abnorme Hitze und einem katastrophalen Ablauf im Stabhochsprung, siegt Weltmeister Leo Neugebauer offenbar nach Aufbieten letzter Kräfte knapp vor Nikolaus Kaul, ebenfalls ein Weltmeister übrigens.

Die Leistungen der heimischen Spitzensportler werden ja gerne als Spiegelbild der gesamten Gesellschaft herangezogen, was ich reichlich absurd finde. Weil jeder, der Spitzensport auf diesem Niveau betreibt, absolut außergewöhnlich ist, egal ob er letztlich eine Medaille gewinnt oder knapp verfehlt. So galt das insgesamt trostlose Abschneiden der Fußballer bei der WM als Symbol, dass in diesem Land nix vorangeht (und was wäre gewesen, wenn das verdammte Tor von Tah gegen Paraguay gezählt hätte?). Wenn ich mir jetzt die Leichtathleten (und auch die Schwimmer in Paris, die Reiter in Aachen oder gar die sagenhafte Gymnastin Darja Varfolomeev ansehe), dann würde das im Umkehrschluss bedeuten, das „wir“ doch noch liefern können. Wie gesagt, ich halte davon relativ wenig: Gerade die Leichtathleten erzählen doch sehr vielschichtige Geschichten. Erfreulich, wie viele junge Menschen mit Migrationshintergrund es ganz an die Spitze geschafft haben. Integration ist also möglich, wenn alle Beteiligten dazu bereit sind.

 

Der Fall Owen Ansah

 

Ein deutscher Sprinter, der zwei Medaillen bei einem Großereignis holt, das hätte noch vor drei Jahren wohl niemand für möglich gehalten. Und doch hinterlässt das Auftreten des Owen Ansah nicht vorbehaltlose Freude, zumindest nicht bei denen, die etwas weiter als von 12 Uhr bis mittags schauen. Ich habe vorher hinter Ansah ja ein Sternchen gesetzt (den sogenannten Asterisk). Das besagt in Ergebnislisten meist nichts Gutes, etwa beim Slalomläufer, der an einem Tor eingefädelt hat und früher oder später aus der Wertung fliegt.
Die Wettkämpfe in Birmingham absolvierte Ansah anstandslos, ja fantastisch. Gerade sein Final-Lauf über 200 Meter geriet zur Demonstration, erstmals blieb ein Deutscher unter der 20-Sekunden-Marke, zu starker Rückenwind verhindert allerdings die Aufnahme in die Rekordbücher.

Aber wie ein Elefant im Raum stand da die verweigerte Dopingprobe vom 9. Juli, als ihn ein Kontrolleur antraf, aber wieder unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. Ansah erhielt ja nur ein vorläufiges Startrecht; sollte das Sportgericht (oder letztinstanzlich der Sportgerichtshof CAS) befinden, dass der Sprinter ohne wichtigen Grund verweigerte (laut eigener Aussage musste Ansah einen Flug zu einem Wettkampf in Mongte Carlo erwischen), droht ihm nicht nur eine Sperre von bis zu 4 Jahren, es werden ihm dann auch alle Ergebnisse seither wieder gestrichen. Allein deshalb wurde er nicht für die Sprintstaffel nominiert, die am Samstag zu Silber rannte.

Ansah ging zunächst zumindest nach außen hin bemerkenswert locker mit der Situation um; angesichts der Tatsache, dass drei oder vier Jahre Sperre nahezu einem Karriere-Ende für den 25-Jährigen gleichkommen. Er habe sich überhaupt keine Gedanken gemacht, ob er seine Medaille zurückgeben müsse, befand er nach seinem 100-Meter-Lauf zu Bronze. Er vertraue voll und ganz seinem Team. Schon dünnhäutiger reagierte der hamburger nach den 200 Metern, als er sich schon vorher Fragen dazu verbat und dann das Interview abbracht, als ein ZDF-Reporter dennoch dieses wichtige Thema ansprach (was schlicht dessen Job ist, er ist ja nicht der Pressesprecher von Ansah).

Nach allem, was bisher bekannt ist und nach und nach an die Öffentlichkeit dringt, stehen die Karten für Ansah sehr schlecht. Offenbar hat er entgegen einer ersten Aussage doch das Protokoll unterschrieben, in dem die Konsequnzen des verweigerten Tests klar zur Sprache kommen Es bedarf jetzt schon juristischer Kunststücke, wie Ansah aus dieser Nummer herauskommen will (genau dazu bezahlt man teure Anwälte). Für mich von vornherein ein Unding, dass die Sache nicht VOR dem wichtigsten Sportereignis des Jahres geklärt wurde. Schon aus Fairnessgründen gegenüber der Konkurrenz. Soll der Viertplatzierte Holländer Elvis Afrifa über 100 Meter jetzt jubeln, oder gar der Brite Zharnel Hughes, der über 200 Meter Zweiter wurde? Und wie groß wird die Freude sein, wenn nach einer nachträglichen Disqualifikation Ansahs irgendwann im November (oder auch nächsten Mai, wer weiß das schon?) die Medaillen per Post nachgeliefert werden?

 

 

Das war die Woche, die war

Vingegaard muss aufgeben

 

Aus der Traum vom Toursieg. Auf der 15. Etappe in den Vogesen stürzte Jonas Vingegaard in einem Kreisverkehr so schwer, dass er aufgeben musste. Einer ersten Diagnose zufolge erlitt der Däne einen Schlüsselbeinbruch, er wird eine längere Pause einlegen müssen.

Vingegaard galt als schärfster Verfolger des souveränen Gesamtführenden Tadej Pogacar. Wobei „scharf“ bei einem Rückstand von fast fünf Minuten relativ ist, normalerweise hätte er wohl keine Chance mehr gehabt, den Slowenen noch einzuholen. Zu souverän agierte Pogacar, der gerade in den Bergen bisher naheuzu unantastbar schien.

Am heutigen Montag ist Ruhezag, der zweite und letzte der Tour. Pogacar führt mit genau fünf Minuten auf Remco Evenepoel und schon 5:58 Minuten auf seinen mexikanischen Teamgefährten Isaac del Toro. Evenepoel macht dieses Jahr gerade in den Bergen einen viel stärkeren Eindruck als in den vergangenen Jahren, am Sonntag entschied er das sehr schwierige Teilstück mit der Bergankunft am Plateau de Solesan im Spurt vor Pogacar für sich. Die Frage ist, ob seine Form auch fürs Hochgebirge reicht, denn in der letzten Woche steht nach dem 21-Kilometer-Zeitfahren (in dem der Spezialist im Kampf gegen die Hhr noch aufholen kann) enorm schwierige Bergetappen in den Alpen an: Gleich zweimal geht es hoch nach Alpe d’Huez, allerdings nur einmal von der schwereren 21 Serpentiven langen Seite.
Zumindest vorerst aber hat Evenepoel auch im teaminternene Bora-Red-Bull-Duell die Nase vor Florian Lipowitz. Der Deutsche at schon 1:48 Minuten Rückstand auf Evenepoel und 6:48 auf Pogacar. Hinter dem potenziellen Toursieger (nona, ein Sturz kann schnell passieren) dürfte es einen beinharten Vierkampf um die Platze 2 und 3 geben,in den neben Evenepoel und Lipowtz auch del Toro (3./5:50 auf Pogacar) und das französische Supertalent Paul Seixas (4./6:23) eingreifen werden.

Überschattet wird aber alles vom Sturz Vingegaards und die Begleiterscheinungen. In der Nacht zuvor war der Däne nämlich um 2 Uhr nachts zur Dopingprobe gebeten (also befohlen) worden. Gerade vor eine solchen Etappe ein absolutes Unding, auch wenn sich Vingegaard bedeckt hielt. „Man kann wohl sagen, dass es nicht förderlich war.“ Auch Pogacar berichtete, dass er um 5 Uhr morgends vor einer Etappe zur Blutentnahme aus dem Bett geklingelt wurde. „Schlaf ist sehr wichtig. Gerade für die Konzentration.“

 

Deutsche Läufer überzeugen

 

Ein fantastisches Leichtathletik-Meeting erlebten 60.000 Zuschauer in London. Höhepunkt war der (angekündigte) Meilen-Weltrekord des Schotten Josh Kerr, der die 1609 Meter in 3:42,66 Minuten absolvierte. Damit blieb er um gut eine halbe Sekunde unter der bisherigen Bestmarke des algerischen Ausnahmeläufers Hicham El Guerrouj. Robert Farken aus Leipzig ließ sich von der fantastischen Stimmung im Olympiastadion bei diesem Rennen mitreißen und schaffte in 3:46,82 Minuten einen großartigen Deutschen Rekord.

Es war nicht die einzige nationale Bestleistung eines deutschen Läufers. Emil Agyekum brauchte für die 400 Meter Hürden nur 47,45 Sekunden und unterbot den (in der Tat) alten Rekord um drei Hundertstel. Dieser datiert aus dem Jahr 1982 (und 87) und wurde jeweils von der deutschen Lauflegende Harald Schmid aufgestellt. Zum Sieg reichte es für Agyekum allerdings nicht. Weltrekordler Karsten Warholm schwebte mit 46,61 Sekunden in ganz anderen Sphären (passend bei einem Hürdenlauf, oder?). Dennoch gelten sowohl Agyekum als auch Farken zu den heißesten Medaillenkandidaten aus Germany für die EM in Birmingham in knapp einem Monat (10. bis 16. August).

Das gilt auch für Malaika Mihambo. Mit der Einschränkung, dass die Weitspringerin auch den Balken trifft. Im 5. Versuch segelte die Olympiasiegerin von 2020 auf 7,05 (Bestleistung für diese Saison). Doch in einem EM-Wettkampf wäre sie gar nicht mehr dabei gewesen, denn ihr gelang das Kunststück und übertrat bei allen vier Versuchen. Statt salto nullo nach 3 Versuchen also Diamond-League-Sieg. Wenn das kein Omen ist.

 

Rekordsprinter droht Dopingsperre

 

Viel Aufregung um Owen Ansah. Der deutsche Rekordsprinter (9,98 Sekunden) hat ernsthaften Ärger mit der Doping-Agentur. Vor 10 Tagen suchten ihn Kontrolleure auf, doch der Sprinter verweigerte die Probe. Aus gutem Grund, wie er glaubte, denn er war auf dem Weg zum Meeting nach Monaco, wo er ganz kurzfristig eingeladen wurde. Er sei spät dran gewesen für sein Flugzeug und gerade auf der Toilette gewesen, begründete Ansah.
Die Strafe für eine verweigerte Probe ohne Grund sind hart: nämlich mindestens 4 Jahre Sperre,  also wie nach einem positiven Befund. Und die Regularien erlauben auch einen Überraschungsbesuch der Kontrolleure (die ja letztlich erst dem Ganzen einen Sinn geben, siehe oben beim Radsport). 2 Fragen drängen sich jetzt auf:

  • Ist ein wartendes Flugzeug für ein Meeting ein dringender Grund (bisherige Rechtsprechung: eher nein). Und: Hätte der Kontrolleur nicht anbieten müssen, zusammen mit Ansah zum Flughafen zu fahren und dort die Probe zu entnehmen?
  • Hat der Kontrolleur auf die Tatsache hingewiesen, dass ein verweigerter Test diese drakonische Folge hat. Im Gegensatz von einem sogenannten Missed Test, wo der Kontrolleur den Athleten trotz Anwesenheits-Pflicht nicht antrifft (davon darf sich jeder drei „leisten“).

Zur Wahrheit gehört außerdem, dass Ansah in den Tagen danach mehrfach kontrolliert wurde. Ob das hilfreich ist? Keine Ahnung, aber viele Dopingmittel sind ziemlich schnell nicht mehr nachweisbar. Also kein unbedingter Freispruch-Grund.

Die Nationale Dopingagentur hat den Fall zwar zur Anklage gebracht, doch bisher gibt es keine Suspendierung seitens des Deutschen Lei htathletik-Verbandes. Ob eine solche noch vor den Meisterschaften am Wochenende in Hannover ausgesprochen wird, bleibt zwar fraglich, aber so leicht wird Ansah diese Causa wohl nicht vom Tisch bringen.

 

Der Golfschlag seines Lebens – ganz schnell ausgeführt

 

Da stand Ryan Fox vorm wichtigsten Putt seines Lebens, und er musste erst mal warten auf seinen Flight-Partner Sam Burns, der noch zu Ende spielen wollte. Minuten des Wartens wurden wahrscheinlich zu Stunden, denn Fox würde mit einem eingelochten Schlag Golf-Geschichte schreiben. Der Putt hatte mit etwa 2 Metern Länge genau die Distanz, die die Profis so fürchten. Unter normalen Umständen meist kein Problem, doch wenn ein Major-Sieg wie am Sonntag dranhängt bei den Open Championships im englischen Royal Birkdale, dann erscheinen die 2 Meter eher wie 20.
Als Fox dann endlich dran war (Burns wurde letztlich Dritter), machte er es ganz schnell. Fix das Loch und den eigenen Ball fixiert, schon wer der Schlag ausgeführt, der wie an der Schnur gezogen im Ziel versank. Fox jubelte ungläubig, sein Caddy sank reichlich entnervt zu Boden, und die Golfwelt hat einen neuen, aber doch recht alten Helden. 39 Jahre ist Fox mittlerweile alt, er ist damit der älteste Premierensieger bei einem Major seit Hendrik Stenson (40) vor zehn Jahren; seine bisherigen Erfolge halten sich in Grenzen (Sieg bei den BMW Championships 2023). Jetzt ist er erst der dritte Neuseeländer, der eines der vier wichtigsten Golfturniere der Welt gewann.

Es war eine unterhaltsame Schlussrunde am Sonntag, die ich erst heute nachgeschaut habe (irgendwie hatte ich im Vorfeld eines nicht ganz unwichtigen Fußballspiels anderes vor). Mit einer grandiosen 64er-Schlussrunde war Cameron Young aus den Tiefen des Mittelfelds an die Spitze gestürmt. Eine gefühlte Ewigkeit verfolgte der Amerikaner im Clubhaus wahrscheinlich mit einigem Amüsement, wie die Konkurrenz unter den immer schwieriger werdenden (Wind)-Bedingungen (sowie den eigenen Nerven) litt und Schlag um Schlag verlor. Wie etwa Bryson DeChambeau, dem das Kunststück gelang, einen Ball trotz tausender Zuschauer und zig Fernsehkameras derart tief in ein mit dichtem Gras bewachsenen Feld zu versenken, dass dieser trotz angestrengter Suche nicht aufzufinden war (da muss man schon drauftreten, sagen die Golfer). Auch Fox hatte zu kämpfen (nach seiner 62er-Glanzrunde vom Vortag), doch er hielt sich immer in Schlagdistanz zum Führenden. Vor der letzten Bahn war er gleichauf mit Young. Ein Par würde ihn ins Stechen bringen (Young übte schon fleißig an der Driving Range), ein Birdie den schnellen Triumph. Also lieber einfach als kompliziert, wenns nur immer so zuginge im Leben.

 

Und sonst?

 

  • Formel 1: Kimi Antonelli im Mercedes wieder auf der Erfolgsspur. Nach ganzen drei Rennen ohne Sieg triumphierte der italienische WM-Führende im belgischen Spa-Franchorchamps vor Charles LeClerc aus Monaco und dem Holländer Max Verstappen. Antonelli führt nun inn der Fahrerwertung mit 45 Punkten Vorsprung auf Ferrari-Pilot Lewis Hamilton und gar 50 auf Teamkollege George Russell, der gleich zum Start nach einer Kollision ausfiel.
  • Tennis: Turniersiege feierten Barbora Kerejikova in Athen, Stefanos Tsitsipas in Gstaad und Alexander Rublew in Bastad.

 

 

Neugebauer und die 4 Staffelmädels – das Bild der WM

Leichtathletik WM, Teil III inklusive Bilanz

 

Neugebauer mit Energieleistung

 

Mit einem sehr starken zweiten Tag hat sich Zehnkämpfer Leo Neugebauer das kaum mehr für möglich gehaltene Gold bei der Leichtathletik-WM in Tokio gesichert. Den Grundstein legte er mit zwei fulminanten persönlichen Bestleistungen in Diskus- und Speerwerfen, so dass er als Führender in den abschließenden 1500-Meter-Lauf ging, für 2-Zentner-Riesen wie ihn eine echte Horrorprüfung. Die Neugebauer mit einer grandiosen Energieleistung bewältigte im Fernduell mit dem leichteren und viel schnelleren Ayden Owens-Delerme. Am Ende rettete er gerade 20 Punkte Vorsprung auf den Puerto Ricaner (der virtuell lange geführt hatte), die Tortur hatte sich also für den Silbemedaillengewinner von Paris gelohnt. „So krass war es noch nie“, bekannte der 25-Jährige, der sogar für kurze Zeit in einen Rollstuhl gehievt wurde. 8804 Punkte sind zwar weit von eine persönlichen Bestleistung entfernt (dafür war der erste Tag einfach zu „schwach“), aber die spielte naturgemäß keine Rolle.
Natürlich profitierte Neugebauer auch vom Nichtantreten von Weltrekordler Kevin Mayer (zum wiederholten Male) und Damian Warner (ganz kurzfristig), und dass Olympiasieger Sander Skotheim (in Paris „stahl“ der Norweger Neugebauer noch das Gold) nach dem völlig missglückten Hürdenlauf sogar disqualifiziert wurde; aber das pannenfreie Durchkommen ist dem Mehrkampf bei Großereignissen immanent.

 

Gina Lückenkempers Traumlauf

 

Neugebauers Triumph war das einzige Gold für den deutschen Verband, der letztlich mit fünf Medaillen gut im Rahmen der Erwartungen blieb. Ein Highlight setzte dabei die Sprintstaffel der Frauen. Bei strömenden Regen stürmten Sina Mayer, Rebekka Haase (was für eine Gegengerade!), Sophia Junk und Gina Lückenkemper zu Bronze, und sogar die siegreichen USA sowie Jamaika schienen für die grandiose Schlussläuferin Gina Lückenkemper (schnellste auf ihrer Strecke) in Reichweite (wenn vielleicht das Rennen 20 Meter länger gegangen wäre?). Lückenkemper konnte nach der brillanten Vorstellung ihren Frieden mit den Titelkämpfen schließen, die mit dem klaren Verpassen des 100-Meter-Finals so enttäuschend begonnen hatten. Wie der Riese Neugebauer die vier erfolgreichen Frauen in seine mächtigen Arme schloss – aus deutscher Sicht bestimmt eines der Bilder der WM (01:30) https://www.zdfheute.de/video/leichtathletik-wm-neugebauer-gold-sprint-staffel-frauen-bronze-100.html

 

Diesmal triumphiert Botswana

 

Eigentlich hatten die USA durch einen völlig missratenen Vorlauf das Finale über die 4x 400 Meter verpasst, doch weil sie dabei angeblich entscheidend behindert wurden, dürften sie sich nachqualifizieren. Dem Showdown mit den 400-Meter-Spezialisten aus Botswana (3 Endlaufteilnehmer plus 200-Meter-Olympiasieger Tebogo) stand also nichts mehr entgegen. Und die  Zuschauer wurden mit einem geradezu epischen Lauf belohnt, (in der mit Südafrika sogar noch ein Dritter Wettbewerber eingriff). https://www.n-tv.de/sport/Botswana-holt-WM-Gold-ueber-4×400-Meter-Leichtathletik-erlebt-hellblaues-Wunder-article26047364.html

Lange führten die USA, als Schlussläufer Rui Benjamin (immerhin der souveräne Weltmeister über 400 Meter Hürden) als klar Führender auf die Zielgerade einbog. Doch dann zündete Collen Kebinatshipi den Turbo. Der 400-Meter-Weltmeister (flach) machte Meter und Meter gut, zog noch am Amerikaner vorbei und sicherte Botswana sowie dem afrikanischen Kontinent den 1. Titel in der Staffel-Geschichte (9 der vergangenen 10 WM-Finals hatten die USA gewonnen). Angesichts der Leistungen in Tokio sowie der ganz knappen „Niederlage“ (Silber!) im Olympia-Finale vor einem Jahr allerdings keine allzu große Überraschung
Diese gelang allerdings Südafrika, und das wiederum lag an dem unglaublichen Wayde van Niekerk. Dabei schien die Karriere des 400-Meter-Weltrekordlers nach einer schweren beim Rugby zugezogenen Verletzung zumindest über diese Strecke vorbei. Doch in der Staffel war er dabei, und als 3. Läufer hatte er mit angesichts der katastrophalen Bahnverhältnisse (es war eher ein Freistilschwimmen denn Rennen) unfassbaren 43,28 sein Team herangelaufen. Schlussläufer Nene, der als einziger der insgesamt 32 Starter überhaupt neben van Niekerk unter 44 Sekunden blieb, griff dann sogar in den Goldkampf ein, musste sich aber knapp geschlagen geben (gegenüber dem Zweiten USA nur durch Tausendstel getrennt). What a Race!!!

 

Und sonst?

 

  • In einem weiteren Giganten-Endlauf sicherte sich der Kenianer Emmanuel Wanyonyi den Titel über 800 Meter vor Djamel Sedatjy (Algerien) und dem Kanadier Marco Arop. Diese Drei blieben unter 1:42 Minuten, alle 5 weiteren Läufer unter 1:43.
  • Diskusfarce zum Abschluss: Im Gegensatz zu Läufern ohne Spikes, waren sie in einem nassen Ring den Wasser-Elementen fast schutzlos ausgeliefert. Wäre es nicht der Schlusstag gewesen, hätte man den Wettbewerb sicher (na hoffentlich!) verschoben. So wurde er quasi als Nachschlag zu später Stunde serviert, und der Schwede Daniel Stahl knackte tatsächlich die 70-Meter-Marke. „Ich habe oft bei schlechten Bedingungen trainiert, die gibt es in Schweden oft“, erklärte er. Alle anderen Teilnehmer dürften in erster Linie froh sein, dass sie den Wettbewerb ohne Verletzung überstanden haben. Irregulär war er auf jeden Fall.

 

WM-Bilanz

 

Mir haben die Titelkämpfe mit vielen tollen Wettkämpfen trotz mancher Längen (Vorläufe über 1500 Meter in der Hauptsession müssen nicht sein) viel Spaß gemacht. Höhepunkt war der erneute Weltrekord von Stabhochsprung-Überflieger Mondo Duplantis auf 6,30 Meter. Ssowie die 400-Meter-Ausnahmeleistung von Sidney McLaughlin-Levine, die mit 47,78 Sekunden sogar den Weltrekord von Marita Koch (47,60) streifte. Für viele läuft da der Verdacht mit (auch angesichts der Vorgeschichte ihres Trainers Bob Kersee/FloJo), doch gibt es absolut keine konkreten Anhaltspunkte (außer der famosen Leistung).
Ein emotionaler Höhepunkt: das unglaubliche Gold der Schweizerin Ditaji Kamboundji über 100 Meter Hürden (ein Schweizer Reporter flipptvöllig aus) und der Marathon-Zielfoto-Thriller zwischen dem Tansanier Felix Simbu und Amanal Petros. Der für mich trotz Leo Neugebauer oder Hammer-Zauberer Merlin (Entschuldigung, die Worspielhölle muss sein) Hummel die schönste deutsche (Flüchtlings)-Geschichte schrieb.

 

Zahlereien (muss sein, muss die Medaillenzählerei wirklich sein?)

 

Mit Abstand erfolgreichstes Teilnehmerland waren erwartungsgemäß die USA mit erstaunlichen 16 Goldmedaillen (und 26-mal Edelmetall insgesamt), also bei beiden Zählweisen. Kenia eroberte gleich siebenmal Gold (11 Medaillen). 10 Medaillen holte Jamaika, allerdings nur eine aus Gold durch Oblique Seville (wenigstens in der für die Sprintnation wichtigsten Disziplin 100 Meter Männer).

0 Gold: Für ihre Verhältnisse desaströs schnitten die erfolgsverwöhnten Leichtathletik-Nationen Großbritannien und Äthiopien ab, die beide ohne Titel blieben. Über die Gründe darf man spekulieren, doch gerade die Briten schienen für mich am meisten unter dem recht späten Termin zu leiden. Bei Äthiopien (eigentlich neben Kenia die Langstrecken-Nation schlechthin) sehen viele Experten ein strukturelles Problem (bedingt auch durch die ewigen Kriege im Vielvölkerstaat). Die Folge: schlechtes Training, schlechte Infrastruktur (Kleinkrieg der Stämme um Posten und Pöstchen), schlechte Trainer. Deshalb oft schlechte Taktik (Bummeltempo, so dass die läuferische Überlegenheit verpufft). Mal sehen, ob neue Top-Talente dem Abhilfe schaffen können.