US Open ohne Titelfavoriten

Seit Sonntag laufen die US Open. Ich kann mich nicht erinnern, dass sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern so viele FavoritInnen auf den Titel gegeben hat. Zumindest ist weder hier noch dort auch nur ansatzweise jemand ersichtlich, der unschlagbar erscheint. Das Motto der kommenden 2 Tennis-Wochen lautet also: Alles kann, nichts muss.

 

Sinners Absage macht das Männer-Feld völlig offen

 

Den Wimbledon-Sieger und dominierende Profi der Saison (5 Masters-Triumphe hintereinander) plagen immer noch Hüftbeschwerden, so dass er schweren Herzens die Teilnahme für das New Yorker Spektakel absagen musste. Wer letztlich die Siegestrophäe in die Luft stemmen darf – zumindest ich habe nicht den leisesten Schimmer. Ein gutes Dutzend Profis kommt für den Titel ein Frage, aber hinter jedem Namen steht eben auch ein gewaltiges Fragezeichen. Ich versuche eine Einordnung.

 

Die Etablierten aus Europa

 

An erster Stelle sei Alexander Zverev genannt. Erstmals geht er als Nummer 1 der Setzliste in ein Grand-Slam-Turnier. Aber der Hardcourt-Sommer in Amerika lief wahrlich nicht nach Wunsch für den French-Open-Sieger, der sowohl in Montreal als auch in Cincinnati empfindliche Niederlagen hinnehmen musste. Ob er zu alter Stärke zurückfindet (noch gar nicht so lange her), ist eine der offenen Fragen.

Normalerweise wäre Carlos Alcáraz der natürliche Favorit. Wäre da nicht der leider gewichtige Umstand, dass der Spanier wegen einer offenbar gar nicht so unkomplizierten Handverletzung seit mehr als vier Monaten kein offizielles Tennis-Match bestritten hat. Eigentlich ein völliges Ding der Unmöglichkeit, dass der Titelverteidiger nach einer so langen Pause auch nur annähernd in Bestform sein kann; niemand weiß, wie sein Körper die Anstrengungen von Best-of-5-Partien bei Hitze und Luftfeuchtigkeit verkraftet. Andererseits ist das Tennis-Talent des Carlos Alcáraz schier unendlich.

Daniil Medwedew schließlich gehört neben dem bereits ausgeschiedenen Novak Djokovic und eben Alcáraz zu den Profis, die in New York schon triumphiert haben. Aber für den Russen gilt noch viel mehr als vür Zverev, dass er nach einem verheißungsvollen Frühjahr derzeit eher auf Formsuche ist.

 

Die US Boys, die sind doch dran, oder?

 

Zumindest in der Theorie spricht nichts gegen einen Heimsieg: Gleich ein halbes Dutzend US-Spieler wollen die ewig lange Serie (kein Triumph seit 2003/Andy Roddick) beenden. Die größten Hoffnungen dürfen sich zweifellos Taylor Fritz (Finalist 2025) und Ben Shelton (Sieger beim Vorbereitungs-Turnier in Montreal) machen. Aber auch Francis Tiafoe, Brandon Nakashima und sogar Leander Tien und Tommy Paul haben bei den Vorbereitungsturnieren ihre Klasse gezeigt. Die große Frage ist: Halten die Nerven, wenn der Heimsieg lockt und die Schlagzeilen immer größer werden?

 

Die jungen Wilden

 

Da fallen mir vor allem Jakub Mensik aus Tschechien und Arthur Fils aus Frankreich ein. Fils siegte beim Masters in Cincinnati und zeigte aufregendes Tennis. Wenn er gesund bleibt, muss ihn erst jemand schlagen, doch das Problem ist halt seine Gesundheit, die ihm schon so Strich durch die Rechnung machte. Der aufschlagstarke Mensik agiert vielleicht noch beeindruckender und dominanter, aber ob er sieben Best-of-5-Partien konstant durchhält, wage ich fast zu bezweifeln. Bleibt noch die große Unbekannte Rafael Jodar. Der junge Spanier ist binnen einen Jahres bis in die Top Ten gestürmt, allerdings noch ohne den ganz großen Turniersieg. kann da wirklich Flushing Meadows eine Premiere sein?

 

Ich hab jetzt sehr viele Namen genannt, aber die Liste ist noch nicht vollständig: Die Kanadier hoffen auf Felix Auger-Alliasime, die Tschechen auf Jiri Lehecka, die Sinner-losen Italiener auf Musetti, Darderi und Cobolli.

Die Wettbüros sehen tatsächlich Carlos Alcáraz als Favoriten vor Alexander Zverev, eine Einschätzung, die ich allerdings nicht teile.

 

Ich sag jetzt einfach Coco Gauff

 

(Fast) genauso verworren ist die Lage bei den Frauen. Die Titelverteidigerin und Nummer 1 der Setzliste Aryna Sabalenkaie ist in einem grauenhaften Formtief, das aber eher ein Ergebnis-Tief ist; weil sie Partien, die sie locker gewinnen müsste, schlicht nicht nach Hause bringt. Wenn sich das legt („Ich will wieder einfacher spielen“), dann muss mit der Weißrussin schnell wieder zu rechnen sein, denn keine verfügt über derartig kraftvolle Grundschläge (unterlegt mit grauenhatem Gestöhne).
Lena Rybakina, die Nummer 2, ergeht es ähnlich. Zudem ist die Kasachin angeschlagen, das Bein bereitete ihr Schmerzen, aber die Auftaktspiele scheinen machbar.

In Kanada (Iga Swiatek) und Cinci (Coco Gauff) haben sich wiederum 2 Spielerinnen in den Vordergrund geschoben, die ein eher missglücktes erstes Halbjahr hatten. Swiatek plagte fast chronische Unlust, Gauff kämpfte mit ihrem Aufschlag, der sie komplett verlassen hatte. Die Malaisen scheinen abgestellt, aber hier wie dort lauert die Gefahr des Rückfalls. Und doch: Wenn ich jetzt irgendeinen Siegesnamen nennen müsste, dann wäre es Gauff, auch weil die Amerikanerin bei ihrem Open-Triumph 2023 als haushohe Favoritin bewiesen hat, dass sie in New York auch bei größtem Erwartungsdruck Leistung bringen kann. Ihre Landsfrauen Jessica Pegula, Amanda Anisimova (Finalistin 2025) und Madison Keys traue ich dagegen einen Siegeszug bis zur Trophäe eher nicht zu. Auch die äußerst talentierte Iva Jovic dürfte irgendwann an ihre Grenze stoßen.

Ob die Armada von Tschechinnen, die alljährlich in Wimbledon einfallen und den Titel einsammeln, auch im Big Apple reüssieren – da habe ich meine Bedenken. Aber wenn Wimbledon-triumphatorin Linda Noskova und Finalistin Karolina Muchova erst mal ihren Lauf kriegen, dann muss sich die Konkurrenz warm einpacken im schwül-heißen New York. Gleiches gilt für die vierfache Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka, die in New York 2018 und 2020 triumphierte, das war allerdings vor der Geburt ihrer Tochter.

Ein großes Fragezeichen steht auch hinter den anderen Ost-Europäerinnen. Die Russin Mirra Andreewa hat nach ihrem French-Open-Sieg Anfang Juni wenig getroffen, ihre Landsfrauen Alexandrowa, Shnaider und wie sie alle heißen sind für einzelne Siege und auch Überraschungen gut, aber einen Grand-Slam-Triumph sehe ich äußerst undeutlich. So geht es mir auch bei den beiden Frontfrauen aus der, Ukraine Marta Kostyuk und Lena Svitolina, so sehr ich einer der beiden den ganz großen Sieg gönnen würde.

Auch hier ein Blick in die Wettbüros: Sabalenka werden die größten Chancen eingeräumt knapp vor Gauff und Swiatek.

 

Das wird die Bundesliga, die wird

Ich wollte eine größere Bundesliga-Vorschau schreiben, aber ich merke, dass mich dieses jahr das Oberhaus kaum interessiert. Spätestens, als ich bei Borussia Dortmund war (dem 2. Club meiner Liste) verließen mich Lust und Laune und auch Kenntnis, was da zu erwarten wäre. Was mich nicht abhält am Ende doch einen Tabellen-Tipp abzugeben.

Denn: Wen interessiert ein „Wettbewerb“, wenn der neue (und alte) Titelträger schon vorm Eröffnungspiel feststeht. Das Meisterrennen ist entschieden (Bayern München), dahinter werden die üblichen Verdächtigen (Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Stuttgart) die Champions-League-Plätze unter sich ausmachen (und in der Königsklasse dann wie gehabt allerspätestens im Achtelfinale scheitern). Es folgt ein beliebiges Mittelfeld, aber wen außer den beinharten Fans der Teams interessiert schon wirklich, ob Augsburg letztlich vor Mainz landet oder Frankfurt vor Hoffenheim?

Die Aufsteiger Schalke, Elversberg und Paderborn werden allein um den Klassenerhalt spielen, in diesen unfreiwilligen Kampf werden dann vielleicht/wahrscheinlich noch der HSV, der 1. FC Köln stoßen. Werder Bremen wird ein schweres Jahr haben und auch der 1. FC Union. Gladbach hofft wie seit Jahren auf bessere Zeiten (die Betonung liegt auf Hoffen, denn echte Klasse suche ich bei den Fohlen vergeblich)

All das wieder in vollen bis ausverkauften Stadien, allein Neuling Schalke garantiert 17-mal eine mit 61.000 Zuschauern gefüllte Arena, weswegen der Ligaschnitt im Vergleich zur vergangenen Saison steigen wird. Im Fernsehen kann der Fan wie seit Jahren jede Partie sehen, denn Sky und DAZN teilen sich wie schon vergangene Saison die Rechte: Sky zeigt die Partien am Freitag und Samstag einschließlich des sogenannten Topspiels am Abend wieder mit Wolfi Fußball ud Lothar Matthäus (am Freitag drohen wieder Buschi und Schmiso, das gefürchtete Laber-Gespann, das jeden noch so entsetzlichen Kick niederredet, anstatt den Mantel des Schweigens zu verbreiten. So schrecklich, dass es schon wieder gut ist. Man kann nicht wegschauen wie beim berühmten Verkehrsunfall).

DAZN hat wieder die Konferenz am Samstagnachmittag, die an manchen Spieltagen zu einem Konferenzchen verkümmert mit 4 Partien, weil wegen Europa-Cup auf den Sonntag ausgewichen werden muss. Wo ebenfalls DAZN dann mögliche Knaller wie Hoffenheim gegen Mainz oder Augsburg gegen Freiburg zeigt. Partien, die in der Vergangenheit nicht einmal messbare Zuschauer vor den Bildschirm gelockt haben.

 

Wirds nicht doch unterhaltsam?

 

Genug des Zynismus, Löwe (mit der Dauerkarte für die 4. Liga)! Es kann doch trotzdem spannend werden. Etwa bei der Frage, wo es am frühesten rumpelt und knallt und der erste Trainerwechsel stattfindet (eine berüchtigte Tippspielfrage).

Vielleicht trumpfen sie ja wirklich auf, die so gehypten Spieler wie die Dortmund-Griechen Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias (viel Glück, liebe Radio- und Fernseh-Reporter). Was macht El Mala beim 1. FC Köln, startet er jetzt in Richtung Klopps Nationalteam durch (nachdem ihn Nagelsmann schnöde ignoriert hat)? Rettet Rückehrer Niklas „Lücke“ (schaut Euch ein Foto an, auf dem er lächelt …) Füllkrug Werder Bremen, das ansonsten erneut Tafelsilber verscherbelt hat, aber leider nicht zum erhofften Preis, denn Coulibaly ging für nur 20 Millionnen und nicht für 40 Millionen zu Racing Strasburg. Diese Personalie zeigt das Elend der Bundesliga, wenn. nämlich ein hochtalentiertger Abwehrmann die wahrlich nicht bestens beleumdete Lugue 1 und der wahrlich nicht außergewöhnliche Club (Straßburg war in der abgelaufenen Saison Achter, spielt also nicht mal international).

 

Nun denn, der Tabellentipp

 

Wie im Vorjahr werde ich die Teams in etwa gleichstarke Gruppen enteilen, sogenannte „Tiere“, wo dann höchstens Nuancen unterscheiden und Unwägbarkeiten (Verletzungen, Krankheiten) unterscheiden.

 

Tier 1: Der one an only Meisterschaftskandidat

Tier 2: Champions League: Schon hier habe ich bei allen Teams Zweifel, aber es gibt eine grundsätzliche Kaderstärke und eben auch viele Spieler, die zu großen Hoffnungen Anlass geben. 

Tier 3: Internationale Plätze: Wenn alles perfekt läuft, greifen sie sogar in den Kampf um die 4 Champions-League-Plätze ein, aber was im Leben läuft schon perfekt?

Tier 4: Das graue (?) Mittelfeld ohne große (realistische) Hoffnungen nach vorne, sprich internationale Plätze, aber auch vermeintlich ohne große Sorgen nach hinten. Konsolidierung ist angesagt, und alle dürfen natürlich auf eine positive Überraschung setzen, die es noch in jeder Saison gegeben hat.

Tier 5: Abstiegskampf: Vermeintlich zu stark für den direkten Abstieg, aber auch negative Überraschungen gibt es in jeder Bundesliga-Saison.

Tier 6: Irgendwer muss halt direkt absteigen! Ich hätte es mir einfach machen können herumzuschwurbeln, aber ich ziehe einen klaren Tipp vor. Wenn sich sich dann doch retten, ziehe ich voller Repekt den Hut.

 

  1. BAYERN MÜNCHENIch wüsste beim besten Willen nicht, was den erneuten Meistertitel der Bayern verhindern sollte außer eine epische Verletztenplage, die Kane und Olise monatelang außer Gefecht setzt.
    Player to Watch: Nathaniel Brown. Vielseitig verwendbar und ein möglicher neuer Starspieler.

  2. BORUSSIA DORTMUNDMit pragmatischem Spielstil wird Trainer Niko Kovac erneut zu genug Siegen führen. Wahrscheinlich wieder wenig Begeisterung auf den Rängen, aber zum inoffiziellen Vize-Titel wirds reichen. Die Abgänge von Brandt und Adeyemi werden durch die sehr vielversprechenden Griechen Karetsas und Konstantelias kompensiert.
    Player to watch: Nico Schlotterbeck. Selbsternannter Führungsspieler, der jetzt diesen Anspruch endlich gerecht werden will.
  3. BAYER LEVERKUSENVom Meisterteam 2024 ist praktisch niemand mehr übrig geblieben außer Torjäger Patrik Schick. Mit Trainer Carles Martinez versucht sich erneut ein neuer Übungsleiter. Qualität im Kader ist genug vorhanden (Tapsoba, Tillman, Schick), die begabten Spieler müssen jetzt nur zueinanderfinden. Das eher ruhige Umweld hilft dabei.
    Player to watch: Ibrahim Maza deutete bei der WM für Algerien sein Können an. Der 20-jährige kennt jetzt die Liga und dürfte einen gewaltigen Schritt nach vorne machen.
  4. VFB STUTTGARTMittlerweile sind die Schwaben etabliert im oberen Tabellendrittel (wer das vor 5 Jahren prophezeit hätte …) Trainer Sebastian Hoeneß hat ein Händchen für die richtige Zusammenstellung, kann  Abgänge wie vergangenes Jjahr Woltemade sehr gut kompensieren. Ein Undav wird allen zeigen wollen, dasss. er sehr viel mehr ist als ein Ergänzungsspieler, zu dem ihm Nagelsmann bei der WM degradiert hat.
    Player to watch: Finn Jeltsch. Hochbegabter Defensiv-Mann, der diese Saison denschon angedeuteten Durchbruch vollenden kann. Er entwickelt sich in jeder Hinsicht weiter, reift geistig und auch körperlich unfassbar schnell.
  5. RB LEIPZIGDer Abgang von Diamonde zu Real Madrid wiegt schwer, denn der Ivorer war der klare Unterschiedsspieler. Einer allein wird den verlust nicht kompensieren können, und hinter Neu-Trainer Martin Demichelis setze ich auch ein kleines Fragezeichen. 
    Aber die Qualität im Kader ist hoch genug, dass das internationale Geschäft absolut greifbar ist, vielleicht sogar die Königsklasse.
    Player to watch: Antonio Nusa. Dem Norweger traue ich am ehesten zu, dass er das Kommando bei den Sachsen übernimmt und die Diamonde-Lücke ausfüllt. Spielübersicht und ein guter Abschluss zeichnen den Mittelfeldmann aus.

  6. TSV 1899 HOFFENHEIMDie Ösis Christian Ilzer (Trainer) und Andreas Schicker (Sportdirektor) haben die Kraichgauer wieder in ruhige Gewässer geführt. Eine Wiederholung der starken Saison 25/26 (Rang 5) traue ich dem Team allemal zu, ob es sehr viel weiter nach oben geht, erscheint mir allerdings doch fraglich, zumal die offensiven Leistungsträger Kramaric und Asllani vorerst fehlen werden.
    Player to watch: Nathan de Cat: Vom blegischen Supertalent De Cat, den halb Europa haben wollte, erzählt man sich Wunderdinge. Aufregung um einen einzelnen Profi können sie im rihigen Hoffenheim sehr gut brauchen.
  7. EINTRACHT FRANKFURTDas Verpassen des Europa-Cups könnte für die Hessen der große Trump werden. Während sich etwa Hoffenheimer und Freiburger in Europa und Conference League abmühen, können die Hessen sich ausruhen und seriös aufs Wochenende vorbereiten. Ob das allein hilft, ist aber die große Frage, zumal der Eintracht-Fan eine gewisse Anspruchshaltung pflegt. Nach dem Komplett-Mussverständnis um Trainer Riera kehrt mit Adi Hütter einer der Erfolgs-Coaches an den Main zurück. 
    Bis Freitagmittag nicht abschließend geklärt war, ob Schlussmann Atubolo von Freiburg zu den Frankfurtern stößt. Er würde ein großes Fragezeichen auf dieser Position (Santos, Zetterer) durch ein Ausrufezeichen ersetzen.
    Player to watch: Jonathan Burkhard. Nur eine nachhaltige Verletzung verhinderte eine 20+-Tore-Saison des Angreifers. Bleibt er jetzt gesund, traue ich ihm eine sehr erfolgreiche Spielzeit zu, die dann auch sicher in den Nationalmannschafts-Kader führt, wo Klöppo Stürmer wie er dringend gebruachen kann.
  8. SC FREIBURGDer Superschweizer Mazrambi ist zwar nach England verschwunden, doch auch das werden die Breisgauer verkraften. Allerdings wird die vergangene Spielzeit mit dem Sturm ins Europa-League-Finale (0:3 vs Aston Villa) kaum zu toppen sein. Aber das weiß der geerdete Trainer Julain Schuster natürlich, der die Ikone Christian Streich auf der Bank schon fast vergessen ließ. Sollte Atubolo in Richtung Frankfurt entschweben, hat er ein Konfliktpotenzial weniger, zumal Mio Backhaus im Tor für Sicherheit garantiert.
    Player to watch: Matthias Ginter. Noch immer unfassbar, dass Nagelsmann diesen Top-Verteidiger verschmäht hat. Die Karten weden jetzt neu gemischt, und der kapitän wird auf sich aufmerksam machen, dessen bin ich fast sicher.

  9. FSV MAINZ 05Eine unglaubliche Rückrunde brachte den Rheinhessen noch den Klassenerhalt. Urs Fischer hatte jetzt die gesamte Vorbereitung, um den Kader auf sene für alle Kontrahenten eklige Spielweise einzuschwören. Mannschaftliche Geschlossenheit zeichen die Fischer-Teams aus.
    Player to watch: Nadiem Amiri: Der glitzernde Diamant im Kader, der allen Lockrufen widerstand. Jederzeit für herausragende Aktionen gut. Der Nationalspieler muss nur gesund bleiben, und das schafft er halt leider kaum über eine gesamte Spielzeit.
  10. FC AUGSBURGDer einzige Bayern-Bezwinger der vergangenen Saison. Danke, Manuel Baum, der die bayerischen Schwaben wider geerdet hat, nachdem sie mit Trainer-Vorgänger Sandro Wagner in den Himmel steigen wollten. Diue Großen zu ärgern, das ist die Kerzkompetenz des FCA, der mit mannschaftlicher Geschlossenheit aufwartet.
    Player to watch: Chrislain Maslima. Der Wechsel des Abwehrriesen (1,93 Meter) zu Crystal Palace hat sich zerschlagen. Jetzt kann sich der Franzose also auf die Bundesliga konzentrieren, wo er die feste Größe im Deckungszentrum sein wird, so ihn sein Körper nicht im Stich läasst.
  11. BORUSSIA MÖNCHENGLADBACHIch bin tatsächlich vorsichtig optimistisch, dasss die Fohlen mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen. Der Kader wirkt  durch die Rückkehrer (Itakura) und Genesenen (Kleindienst) gefestigt. Allerdings müssen die 10 Neuzugänge aus durchweg kleineren Ligen erst integriert und an die Bundeslga gewöhnt werden.
    Player to watch: Tim Kleindienst. Nach de komplett verpassten Saison zeigte der Torjäger in Testspelen schon die alte Klasse. Seine Treffer werden aber auch nötig sein, damit die Gladbacher mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen. Fällt er aus, wirds doch recht finster m Sturm.
  12. HAMBURGER SVDer Abgang des überragenden Verteidigers Vuskovic schmerzt enrom und hinterlässt eine kaum zu füllende Lücke. Umso wichtiger wäre es, wenn der zweite herausragende Akteur, Fabio Vieira, noch eine Saison dranhängen würde. Entsprechende Gespräche laufen mit dem FC Arsenal. 
    Die 2. Saison nach einem Aufstieg ist erfahrungsgemäß schwierig. Aber Trainer Melvin Polzin hat gezeigt, dass er mit komplizierten Konstellationen gut zurecht kommt; mit ihm gelangen sowohl der Aufstieg nach sieben Jahren und der nach dem verheerenden Saisonbeginn nicht unbedingt erwartete Klassenerhalt. Allein diese Hoffnung trägt – und das begeisterungsfähige Publikum, wenn dieses die Erwartungen nicht überhöht.
    Player to watch: Daniel Heuer Fernandez. Der portugiesische Schlussmann hat eine fantastische Saison hinter sich. Eine solche wird der HSV erneut brauchen, dann müsste der Abstieg zu vermeiden sein.

  13. 1. FC KÖLNDas Super-Talent Said El Mala bleibt nach endlosen Transfergerüchten und hat den Vertrag sogar bis 230 velängert. Allein diese nachricht sorgt bei den Geißböcken für Euphorie. Allein wird es der Jungstar natürlich nicht richten, aber ein Routinier wie Neuzugang Ellyes Skhiri dürfte im Mittelfeld für Stabilität sorgen.
    Player to watch: Ragnar Ache. Seine 7 Tore und 5 Vorlagen halfen dem FC extem in der vergangenen Saison. Der Angreifer könnte erneut die ideale Ergänzung von El Mala werden und die gegnerischen Verteidiger vor unlösbare Probleme stellen.
  14. 1. FC UNIONDer spektakulärste Wechsel fand auf der Trainerbank statt, wo künftig mit dem Schweizer Mauro Lustrinelli ein Meistercoach (mit dem FC Thun) das Sagen hat. Ob dieser aber an Erfolge eines Urs Fischer anknüpft, der die Berliner  in die Champions League führte, ist dann doch sehr zweifelhaft. Verstärkt hat sich der Kader jedenfalls nicht großartig (wenn überhaupt), ob die von Lustrinelli ausgegebene Offensiv-haltung zu bewerkstelligen sein wird, bleibt abzuwarten.
    Player to watch: Ilyas Ansah: Der 21-Jährige wusste schon in der vergangenen Saison zu gefallen (5 Tore) und sollte seine Quote weiter verbessern. 
  15. FC SCHALKE 04Nach dem letztlich souveränen Aufstieg herrscht Euphorie bei den Königsblauen. Allerdings nur bei den Fans, denn Trainer Muslic und die Spieler wissen, welch schwieriges Unterfangen der Klassenerhalt wird (nur der kann das Ziel sein). Wenn dieser gelingen sollte, müssen die Profis mit den klangvollen Namen (Torjäger Dzeko, Gosens und Karaman) überdurchschnittlich liefern). 
    Player to watch: Loris Karius. Der Schlussmann hat eine bewegte Karriere hinter sich (un ter anderem ein denkwürdiges Champions-League-Finale). Als Torwart eines Aufsteigers fast automatisch im Blickpunkt, aber mit seinen mittlerweile 33 Jahren hat er mehr als genug Erfahrung, sich so manchem Sturm entgegenzustemmen (und sich auch von vielen Gegentoren nicht verrückt machen zu lassen). Hält karius gut, könnte gar der direkte Kalssenerhalt gelingen.
  16. WERDER BREMENIch war drauf und dran und hätte die Norddeeutschen als direkten Absteiger kla<ssifiziert (nur eine gewisse grundsympathie und die doch sehr namenslosen Aufsteiger hielten mich dabvon ab). Schweirig genug wirds für die finanziell so klammen Brmer, die mit Abwehr Top-Talent Coulibaly ihren vielleicht aufregendsten Akteur verloren, dazu T den ssehr starken Torwart Mio Backhaus. Auch der Abgang der versierten Mittelfeldmannes Romano Schmid schmerzt, denn damit fehlt weitere spielerische Qualität. So hat sich bei den Fans schon eine gewisse Ernüchterung breitgemacht.
    Player to watch: Nikls Füllkrug. Die Rückkehr des Angreifers ist wohl die einzige Wohlfühl-Geschichte an der Weser. Im Sturm natürlich it seiner Kopfballstärke und Kampfkraft gesetzt, aber ob ere wirklich so trifft, wie alle wollen? Immerhin brauchts dafür auch Vorlage, und wer soll die geben? Vielleicht Jens Stage?

  17. SV ELVERSBERGFür alle der logische Absteiger. Doch wie oft haben die Saarländer ihre Kritiker überrascht. Das große Plus könnte sein, dass wohl niemand im Umfeld sehr große Erwartungen. Alles andere als der sofortige Wiederabstieg wäre eine große Überraschung, aber dass die Elversberger Überraschungen fast regelmäßig liefern können, haben sie die vergangenen jahren oft genug gezeigt . Mit sehenswerten Angriffsfußball, bestimmt den schönsten der vergangenen Zweitliga-Saison. Warum eigentlich soll dieser nicht auch den einen oder anderen Erstligisten überrumpeln?
    Player to watch: Cole Campbell: De 6-Millionen-Euro-Mann ist der Uunterschiedsspieler in einem ansonsten sehr ausgeglichenen Kader. Vielleicht geht er mit Elversberg unter, doch wahrscheinlicher ist, dass der 20-Jährige richtig aufgeigt.
  18. SC PADERBORN 07Viele Ähnlichkeiten zu Elversberg, außer, dass die Ostwestfalen schon zweimal das Abenteuer Bundesliga hinter sich haben. wer sie unterschätzt, könnte es ähnlich übel gehen wie dem vermeintlich so viel besser besetzten VfL Wolfsburg in der Relegation. Neuzugänge wie Vidovic und Pieringer haben durchaus noch Großes vor in ihrer Karriere.
    Player to watch: Santiago Castaneda. Nicht ur des wunderschönen Namens wegen. Der 21-Jährige will vorspielen für für die Interessenten aus der Premier League. Der zweikampfstarke Angreifer hatte maßgeblichen Anteil am Aufstieg,.

Messi vorm ultimativen Triumph

Nach mehr als fünf Wochen ist es jetzt endlich soweit: das mit Spannung erwartete Finale. Spanien gegen Argentinien, das kommt jetzt nicht völlig unerwartet, immerhin trifft der amtierende Europameister auf den Südamerika-Champion. Kaum zu glauben: Zuletzt trafen Spanien und Argentiniene in einem Pflichtspiel 1966 aufeinander.

Das Vorspiel machte schon mal Appetit auf mehr. In einer extrem unterhaltsamen Partie um Rang 3 bezwang England Spanien mit 6:4

 

Spanien – Argentinien So., 21:00 in New York/New Jersey ZDF und Magenta sowie ORF und SRF

 

Was beide Teams vereint? Jeder Feldspieler ist technisch perfekt am Ball, großartig ausgebildet. Der große Unterschied. Während die Spanier auf Team-Fußball schwören und das perfekte Zusammenspiel forcieren, dreht sich bei Argentinien alles um Lionel Messi. 39 Jahre ist er mittlerweile alt, seit fast zwei Jahrzehnten gehört er zu den besten Fußballern der Welt (viele sagen, er ist der Beste). Und doch ist das jetzige Turnier vielleicht sogar sein stärkstes, zumindest von den Zahlen her. Acht Tore und 4 Assists sind ihm gelungen, so viele waren es noch nie bei einer WM und auch bei keiner Copa America.

 

Players to Watch

 

Marc Cucurella: der beste Linksverteidiger des Trniers, ich würde behaupten, mit einigem Abstand. Extrem lästig in der Defensive, wo er keinem Zweikampf aus dem Weg geht, dazu gefährliche Vorstöße. Und auch wenn dem Lockenkopf nicht alle Zuspiele gelingen, Cucurella kann den sogenannten tödlichen Pass spielen. Wechselt nach dem Turnier von Chelsea zu Real Madrid.

Enzo Fernandez: das Arbeitstier, gerne mit Zweikämpfen jenseits der Grenze des Erlaubten. Verfügt über einen unglaublich guten Weitschuss, die Torhüter von Kap Verde und England werden es leidvoll bestätigen. Wie Cucurella spielte er zuletzt beim Club-Weltmeister FC Chelsea.

 

X-Faktoren

 

Lionel Messi Die große und wahscheinlich spielentscheidene Frage: Inwieweit bekommt der argentisnische Superstar Zugriff aufs Spiel. Wenn er erst einmal in Faht kommt wie in der Schlussphase gegen England, wird es unheimlich schwer für die Spanier. Er vermag es wie kaum ein anderer, seine Mitspieler gut einzusetzen (die gerne für ihn zusätzliche Meter rennen), dazu verfügt er über einen brandgefährlichen Schuss. Andrerseits ist er halt auch schon 39 jahre alt, das Turnier war zehrend. In einigen Partien ist Messi regelrecht untergegangen, beteiligte sich minutenlang nicht am Geschehen. Ganz auszuschalten wird Lionel Messi nicht sein, aber wenn es den Spaniern gelingt, die magischen Momente auf ein Minimum zu reduzieren und diese unbeschadet überstehen, dann dürften sie die besseren Chancen haben.

 

Die Bankspieler

 

Je fünfmal dürfen die beiden Trainer wechseln, einen zusätzlichen gäbe es in der Verlängerung. Es treffen die beiden Teams mit der besten Bank aufeinander. Bei Spanien braucht ein Mikel Merino nur Minuten, um ins Spiel zu finden (er erzielte nach jeweils fünf Uhr-Umdrehungen die Siegtore gegen Portugal und Belgien). Der Außenspieler Nico Williams bringt neuen Schwung, ähnlich wie Mittelfeldmotor Pedri.

Auch die Argentinier haben Waffen wie Lautaro Martinez. Und sollten sie einen Vorsprung über die zeit retten müssen, gibt es die ekligen Männer wie Simeone, denen kein Trick, kein nickeliges Nachtreten, keine Spielverzögerung zu billig ist, um Minuten von der Uhr zu nehmen.

 

Die Bedingungen:

 

Gespielt wird in East Rutherford im MetlLife Stadium, wo die NFL-Footballer der New York Giants und New York Jets ihre Heimat haben. Der Rasen gilt als der schlechteste des gesamten Turniers, zu stumpf, zu trocken – das ist tödlich fürs Passspiel, das beide Teams pflegen. Die ganz große Hitze bleibt wohl aus, zum Zeitpunkt des Anstoßes (15 Uhr Ortszeit) werden 27 Grad erwartet. Der befürchtete Rauch aus Kanada, wo die Wälder unkontrolliert brennen, hält sich offenbar auch in Grenzen.

 

Verlängerte Halbzeitpause

 

Es soll wie beim Super Bowl werden. Eine gigantische Halbzeitshow wird die Pause überbrücken mit Auftritten von absoluten Superstars der Pop-Szene: So haben sich Shakira, Madonna, Justin Bieber und die südkoreanische Boygroup BTS angekündigt, Moderator soll Coldplay-Sänger Chris Martin werden. Ob das alles innerhalb von den vorgeschriebenen 15 Minuten zu bewerkstelligen ist (inklusive Auf- und Abbau), ist die ganz große Frage. Martin verspricht dies, aber vorsorglich hat die FIFA schon angekündigt, dass es länger dauern könnte (nur um wie viel länger, das ließ sie offen). Keine Frage, dass der Rhythmus durch eine allzu lange Pause verloren geht, andrerseits sollten es die Trainer schaffen, dass sich die Spieler nicht allzu viele Gedanken darüber machen.

 

🧠 Spanien (ganz knapp)

 

Die Leistung gegen Frankreich hat mich schwer beeindruckt. Diese unfassbare Ballfertigkeit, das tolle Kombinationsspiel, das ich in dieser Form nur von eingespielten Club-Teams kenne. Jeder einzelne ist ein Top-Kicker, ich sage nur: Rodri, Yamal, Olmo. Die große Frage: wie gehen die Spanier mit einem eventuellen Rückstand um. Im Viertelfinale gegen Belgien sah das nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich längst nicht so so souverän aus.
Was für Argentinien spricht: Sie geben nie auf, sind in diesem Turnier schon mehrfach dem Ausscheiden von der Schippe gesprungen. Nicht mit Glück (zumindest nicht nur), sondern dank des Urvertrauens in die eigene Stärke. Die ja auch bei jedem einzelnen Spieler vorhanden ist (Alvarez, Di Paul), nicht nur bei diesem Zaubermenschen Lionel Messi.

 

Frankreich – England 4:6 (0:4)

 

Satz und Sieg, das liegt bei diesem Tennisergebnis nahe. Das es noch nie in der Geschichte von WM-Endrunden (mehr als 1000 partien) gegeben hat (ein sogenantes Scorigami).

Es war eine wilde Partie, in der die Offensive Trumpf war. Wie so oft bei einem Spiel 3, wenn der ganz große Wunsch Titel unerreichbar geworden ist und (wie man hört) der Frust-Alkohol noch in den Knochen steckt). Von Beginn an hatten die Engländer mehr Lust auf Fußball, und in der 1. Halbzeit war jeder Schuss ein Treffer, was zum absurden 4:0 führte. Offenbar fand Frankreichs scheidender Trainer Didier Deschamps bei seiner letzten Pausen-Ansprache die richtigen Worte, und er packte die Seinen an der Ehre. Tor um Tor holten die Franzosen auf zum 3:4. Die Schlussphase war dann eher wie aus Absurdsistan gescripted. Über 5:3, 5:4 und 6:4 retteten die Engländer die Partie und sicherten sich mit Platz 3 tatsächlich die beste Platzierung seit 1966, als sie im heimischen Wembley-Stadion sogar den Titel holten.
Für Trainer Thomas Tuchel war das ein ganz wichtiger Erfolg. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der 4:0-Vorsprung noch hergegeben worden wäre. Einige der englischen Journalisten und Experten (wie in Deutschland eine echte Plage, die alles, aber auch alles besser wissen) wittern eh schon Blut und fordern die Ablösung.

Trotz der Niederlage hatte zumindest Kylian Mbappé Grund zur Freude. 2 Treffer steuerte der Angreifer in der Aufholjagd bei und erhöhte sein Torekonto bei dieser WM auf 10. So viele Treffer bei einer einzigen WM waren zuletzt Gerd Müller gelungen, im Jahr 1970 (!), wozu der damalige Bayern-Stürmer allerdings nur 5 Partien brauchte und nicht nacht wie Mbappé. Der jetzt 22-mal bei WM-Turnieren erfolgreich war, damit führt er die ewige Rangliste an vor Messi (bisher: 21).

Ob Mbappé tatsächlich Torschützenkönig wird, steht allerdings noch nicht fest. Sollte Messi heute Abend zweimal treffen, hätte er wie Mbappé Tore auf dem Konto. Da der Argentinier mehr Assists geleistet hat, würde ihm der Goldene Schuh überreicht werden.

 

Die besten Vier sind unter sich

Da sage noch einer, dass die Fußball-Weltrangliste erratisch zusammengewürfelt ist nach nicht nachvollziehbaren Kriterien (so wie ich es wiederholt tue). Die Top 4 jedenfalls sind im Halbfinale unter sich, auch weil die FIFA in einem erstaunlichen Anflug von Weisheit eine Setzung vorgenommen hat. Sprich: Sie hat die Gruppen so gelegt, dass Frankreich, Spanien, England und Argentinien nicht aufeinandertreffen konnten, wenn sie denn ihre Gruppe als Erste abschließen (was allen Vieren mehr oder weniger souverän gelungen ist). Mir persönlich gefällt dieses Setzen sehr, es gibt aber auch Gegenstimmen, beispielsweise in der SZ. Ich sage nur (jenseits von subjektiven Vorlieben): Ich finde es gut, dass wir jetzt im Halbfinale zwei absolute Top-Begegnungen erwarten dürfen; ob es dann auch Top-Spiele werden, bleibt dann abzuwarten

 

Frankreich – Spanien

Di., 21.00 in Dallas (ZDF und Magenta sowie ORF 1 und SRF)

 

Die Partie findet in Dallas statt, Spielbeginn 14 Uhr Ortszeit. Die texanische Hitze ist allerdings kein Problem, denn das Stadion ist voll überdacht und voll klimatisiert.  Das letzte Aufeinandertreffen war ein wildes 5:4 der Spanier im Halbfinale der Nations League 2025. 4:0 und 5:1 führten die Spanier, ehe die Franzosen noch auf 4:5 herankamen, ehe ihnen die Zeit ausging. Auch ein Jahr zuvor im EM-Halbfinale hatten die Spanier mit 2.1 das bessere Ende für sich.

Was das fürs heutige Halbfinale bedeutet? Nichts, nada, rien. Denn gerade die Franzosen sind ein ganz anderes Team. Eines, das endlich seine Angriffs-Power auch auszunutzen geruht und sein Heil in der (kontrollierten) Offensive sucht. Die Spanier verlassen sich dagegen weiter auf ihre tolle Deckungsarbeit und ihr hervorragendes Kombinationsspiel.

 

 

Die Stars

 

Kylian Mbappé: Für mich bisher der Spieler des Turniers. Der selbst Chancen kreieren kann und auch selbst vollenden. Der auch die vortrefflichsten Zuarbeiter hat, vor allem Michael Olise, der allerdings in den vergangenen Partien gegen Paraguay und Marokko nicht mehr ganz so auffällig agierte. Mbappé hat wieder das Selbstvertrauen, lässt sich auch durch einen ziemlich erbärmlich vergebenen Elfmeter nicht aus dem Konzept bringen. Und wenn er an die Kette gelegt wird, dann ist da auch noch ein gewisser Ousmane Dembélé, der amtierende Weltfußballer.

Bei den Spaniern sehe ich nicht den herausragenden Einzelspieler. Lamine Yamal war für diese Rolle vorgesehen: Der 18-jährige Außenspieler spielt auch gut, mannschaftsdienlich, aber nicht überragend. Zumindest nicht so überragend und mit so tollen Treffern, wie wir ihn schon im spanischen Dress und beim FC Barcelona gesehen haben.
Wenns nicht so abgedroschen klingen würde: Der Star der Spanier ist die Mannschaft, herausheben würde ich dennoch einen Dani Olmo, ein Mann mit so vielen schlauen Einfällen. Und auch wenn vorne Mikel Oyarzabel nicht ganz so auffällig spielt wie die Stürmerstars Kane und Haaland und Co., aus den Augen darf ihn niemand verlieren.

 

Die Verteidiger

 

Wirklich geprüft wurden die französischen Abwehrspieler bisher noch nicht, egal ob Dayot Upamecano innen oder Lucas Digne außen. Für mich wirkt der Abwehrverbund nicht hundertprozent sicher, das ist eher ein Gefühl, als dass ich es belegen könnte. Aber wann immer sich gegnerische Mannschaften nach vorne aufgemacht hatten (was selten genug vorkam), es kam Gefahr auf.
Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Digne und auch Kounde mit den bärenstarken Außenstürmern Yamal und vielleicht sogar Nico Williams zurechtkommen.

Die Spanier haben den vielleicht besten Innenverteidiger des Turniers in ihren Reihen. Pau Cubarsi, erst 19 Jahre alt und dennoch strahlt der Jungspund des FC Barcelona eine Ruhe und Abgeklärtheit und Klasse aus wie ein schlachtenerprobter Haudegen. Marc Cucurella ist der beste Linksverteidiger des Turniers, wobei „Verteidiger“ angesichts seine Dauer-Vorstöße eine sehr unzureichende Bezeichnung ist.

 

Die Torhüter

 

Mike Maignan blieb zuletzt nahezu ohne Beschäftigung. Er verfügt über glänzende Reflexe, wirkt aber im Herauslaufen nicht immer souverän.

Unai Simon würde ich stärker einschätzen. Für viele ist ja schon überraschend, dass der unfassbar gute David Raya vom FC Arsenal nicht die Nummer 1 ist. Simon von Athletic Bilbao genießt das uneingeschränkte Vertrauen von Trainer de la Fuente.

 

X-Faktoren

 

Die Bankspieler:

Das sind die Spanier vielleicht noch breiter aufgestellt als die Franzosen, auf extrem hohem Niveau. Die Franzosen haben ihr A-Team, allenfalls die Frage ob Doué oder Barcola als vierte Offensivkraft aufgestellt wird, ist strittig.

Die Spanier haben sehr viel nachzulegen, gerade auch offensiv. An erster Stelle natürlich Mikel Merino, der Super-Joker. Nur jeweils fünf Minuten brauchte er gegen Portugal und Belgien, ehe er als Einwechselspieler das jeweilige Siegtor erzielte. Wenn Nico Williams als Linksaußen in die Partie kommen sollte, ist das ein weiterer sehr schwer zu stoppender Gefahrenherd.

 

Defensives Mittelfeld

 

Die Schaltstation: Es gilt die gegnerischen Angriffe abzufangen und seinerseits Offensiv-Aktionen zu innitiieren. Vielleicht der größte Vorteil der Spanier, denn Rodri ist mit der Beste auf dieser Position und mittlerweile auch wieder gut in Form. Bei den Franzosen fällt Rabiot dem gegenüber doch leicht ab.

 

🧠 Frankreich

Ich sehe die Equipe tricolore hauchzart vorn. Kleinigkeiten werden entscheiden (ich hoffe sehr, dass es keine Fehler der Unparteiischen sind). Mbappé wird den Unterschied ausmachen, doch wehe, das spanische Mittelfeld bekommt die Hand aufs Geschehen.

 

England – Argentinien

 

Mittwoch, 21 Uhr in Atlanta, ARD und Magenta sowie ServusTV und SRF

 

England gegen Argentinien, wer von den Älteren erinnert sich nicht an das WM-Viertelfinale 1986 im Aztekenstadion zu Mexiko-Stadt mit Hauptdarsteller Diego Maradona. Zuerst die Hand Gottes, dann das tollste Solo der WM-Geschichte. Am Ende stand es 2:1 für Argentinien, und eine Woche später waren die Südamerikaner Weltmeister.

Wenn die Neutralen das schon nicht vergessen, dann natürlich erst recht nicht die Beteiligten. Die Engländer fiebern dem Duell förmlich entgegen, Veteranen aus dem Falklandkrieg melden sich zu Wort. Kühlen Kopf zu bewahren und sich der aktuellen Aufgabe zu stellen, ist also gar nicht so einfach. Wenn es einer kann, dann doch der eher technokratische deutsche Trainer Thomas Tuchel!? Der das Spiel damals als Zwölfjähriger verfolgte (ich geh mal davon aus, dass er das tat). Und die Engländer haben ja schon eine Azteka-Nemesis überwunden, nämlich als sie im Achtelfinale in eben dieser Spielstätte den fulminanten 3:2-Erfolg über Gastgeber Mexiko bewerkstelligten.

Die Argentinier sind die letzten Nicht-Europäer im Feld. Von allen Halbfinalisten geben sie mir die meisten Rätsel auf, was ihr Leistungsvermögen betrifft. Einerseits Zittereien gegen die afrikanischen no names (nona) Kap Verden und Ägypten, und auch der Auftritt im Viertelfinale gegen die Schweiz offenbarte Schwächen. Ändererseits: Wenn sie denn gefordert waren, dann waren sie zur Stelle. Das Powerplay gegen Ägypten bei 0:2-Rückstand, den sie in ein 3:2 verwandelten, war faszinierend und sollte jedem eine Warnung sein, der dieses Team unterschätzen will.

 

Die Stars

 

Bei England sind es zwei, auf die sich alles konzentriert: Harry Kane und Jude Bellingham. zwei absolute Unterschiedsspieler. Hier der Torjäger des FC Bayern mit dem vielleicht besten Torschuss im Weltfußball, dort der eher filigrane, enorm ideenreiche Bellingham von Real Madrid. Wo er eine recht lausige Saison hinter sich hat und sich unter anderem mit dem inzwischen gefeuerten Xabi Alonso zerstritt.
Als Tuchel die Mannschaft und auch Bellingham kritisierte, trotz seiner jeweils zwei Tore gegen Mexiko und Norwegen, da schlug Bellingham zurück, stellte die Kompetenz von Tuchel in Frage (naja, so schlimm war es nicht, aber er sagte sinngemäß, der Trainer habe auf so hohem Niveau nie gespielt).
Im Zweifel werden die Wogen sich glätten. Dann hat England ein veritables Offensiv-Duo, das auch den Argentiniern viel Ärger machen könnte.

 

Bei den Argentiniern dreht sich natürlich alles um Lionel Messi. Ein Faszinosum. Der 39-Jährige rennt kaum, er kämpft kaum, er verteidigt kaum, oft steht er fast teilnahmslos herum. Stehgeiger nennen die Österreicher so einen Künstler. Doch wenn Messi am Ball ist, dann kann  jederzeit Magisches geschehen. Nicht nur bei den Frei- und Eckstößen, die er so gefährlich wie kaum ein Zweiter zu treten weiß. Auch während des Spiels kann er jederzeit den Unterschied ausmachen. Wenn er etwa 25 Meter vorm Tor am Ball ist, herrscht allergrößte Gefahr. Die erste Pflicht der Engländer lautet also: Messi also erst gar nicht an den Ball kommen lassen.

Acht Tore hat Lionel Messi mittlerweile erzielt, nur bei der vermeintlich einfachsten Übung, dem Elfmeter versagt er („Messi“ und „versagen“, ich kann so etwas kaum schreiben). Zweimal trat er an, einmal schoss er daneben, einmal in die Hände des gegnerischen Torwarts.

 

Die Verteidigung

 

Im Mexiko-Spiel, als die Engländer nur noch zu zehnt waren, konnten sich die Engländer auf ihre Verteidger verlassen, die alle allerdings auch recht einfallslosen Angriffe der Gastgeber unschädlich machten. Im Mittelpunkt stand da zum Beispiel der eingewechselte Burn, der alle Bälle wegköpfte, die da in den Strafraum flogen. Auch den Norwegern gelang es gegen England nicht, ihren Starstürmer Erling Haaland einzubinden. Wie es allerdings aussieht, wenn der Gegner mit Tempo agiert, muss sich noch herausstellen.

Die Argentinier verteidigen hart, überhart monieren manche, und die eher laxe Spielleitung der Schiedsrichter kommt dem entgegen. Wirklich sicher wirken sie allerdings nicht, obwohl sie sich seit Jahren kennenwie die insgesamt fünf Gegentreffer in den drei K.o-Spielen zeigen (mit Abstand die meisten aller Halbfinalisten).

Im defensiven Mittelfeld sehe ich klare Vorteile für England, vielleicht sogar die spielentscheidenden. Während ein Paredes auf Argentiniens Seite zwar efensiv ordentliche Arbeit verrichtet, ist  Elliot Anderson der Shooting Star der Three Lions. Ein Laufwunder (14,81 Kilometer gegen England in Miamis schwüler Hitze), sehr stark im Bälle erobern, mit denen er dann auch etwas Vernünftiges anzufangen weiß. Vor der WM wechselte er für sagenhafte 136 Millionen Euro von Nottingham Forest zu Manchester City, wo er der designierte Nachfolger von Rodri ist (den ich vorher so gelobt habe).

 

Die Torhüter

 

England und die Torhüter – ein Kapitel für sich. Jordan Pickford sehe ich als solide im besten Sinne des Wortes an, kein Hexer zwischen den Pfosten, keiner, der die „Unhaltbaren“ reihenweise entschärft, aber auch kein stetiger Unglücksrabe, der sich die Bälle selbst reinwirft. Überkritische Experten kreiden ihm das Zaubertor des Norwegers Schjelderup an (auch wegen seiner „nur“ 1,85 Meter Körpergröße), da würde ich allerdings nicht unbedingt mitgehen.

Emiliano Martinez hat Pickford vieles voraus, auf jeden Fall 10 Zentimeter Körpergröße. Vor allem ist er schon Weltmeister. Er hatte 2022 gehörigen Anteil daran, als er im WM-Finale zunächst mit einer fast unwirklichen Parade in letzter Minute ein fast sicheres Gegentor und die Niederlage verhinderte (Frankreichs Kolo Muani träumt heute noch davon) und dann auch im Elfmeterschießen den letztlich entscheidenden Versuch von Kingsley Coman entschärfte (leider file er durch einen verachtenden Jubel extrem negativ auf). Martinez ist wie Pickford ein Spezialist für Elfmeterschießen. Im WM-Viertelfinale 2022 wehrte er gegen Holland sogar zwei Schüsse ab, und bei der Copa 2021 setzte er sich im Halbfinale gegen Kolumbiens als Elfmeterkiller durch.

 

X-Faktoren

 

Argentiniens Weltmeister: Wie es aussieht werden gleich neun Spieler, die im WM-Finale 2022 begannen, auch am Mittwoch in der Startelf stehen, und auch die Auswechselspieler Lautaro Martinez und Otamendi waren in Katar schon dabei. Erfahrung für heikle Spiele haben sie also genug, fragt sich halt, ob sie auch genug Kraft und Energie aufwenden können. Wie schnell das dann geht mit einem positiven Erlebnis, hzeigte im Viertelfinale Julian Alvarez. Der Stürmer von Atlético Madrid spielte ein lausiges Turnier, und entschied die Partie mit einem sagenhaften Tor.

Die Kraft: Sowohl Argentinien als auch England brauchten im Viertelfinale eine Verlängerung zum Weiterkommen. Gerade die Argenitnier wirkten zeitweise gegen die Schweiz sehr müde. Sogar ihre Überzahl in der Verlängerung konnten sie kaum zu vernünftigen Angriffe nutzen.

 

🧠 England

 

Vieles spricht fürs Tuchel-Team. Und doch: Argentinien muss erst mal bezwungen werden. Keine Mannschaft ist außerdem dermaßen gut eingespielt – und kein anderes Team würde dermaßen ergeben und aufopferungsvoll versuchen, ihren nicht kämpfenden Starspieler zu kompensieren. Wie kein anderer Halbfinalist hangelte der Titelverteidiger schon am Abgrund, und zog sich doch immer wieder mit eigener Kraft heraus. Bösartige Kritiker behaupten allerdings auch, dass kein Team so sehr die Hilfe der Schiedsrichter in Anspruch genommen hat. Die pfiffen schon reichlich Argentinien-freundlich, um es in aller Vorsicht zu formulieren.

Geistesblitze der Argentinier sind immer drin, von Messi, von Àlvarez, von Lautaro Martinez; außerdem unfassbar gefährliche Standards, die man nicht alle vermeiden kann. De Engländer müssten mehr Frische in die Wagschale werfen können, und Standards können sie auch. Und sie haben Harry Kane, meinen potenziellen Matchwinner. Hier zuerst gelesen.

 

 

 

 

 

 

 

Alle fragen sich: Wer will Frankreich schlagen?

Die nicht enden wollende Zwischenrunde ist überraschenderweise doch noch zu einem Ende gekommen. 16 Partien haben wir sehen dürfen, zum Teil eher müssen; bestenfalls eine Handvoll wird dem neutralen Betrachter in Erinnerung bleiben. Ansonsten hatte das Ganze sehr viel von einer 1. Pokalrunde, wenn ein mehr oder weniger engagierter und spielerisch limitierter Außenseiter den klaren Favoriten fordert. Vor allem mit einer extremen Defensive, und vorne möge der liebe Gott helfen.
Außerdem gab es dann Duelle, die übelst an einen mittelmäßigen Zweitliga-Kick erinnerten: einer musste halt gewinnen, und so zogen Kanada (vs Südafrika) und Ägypten (Australien) ins Achtelfinale.

Manchmal hatte das sogar Erfolg wie bei den unglaublich schwachen paraguayos, die mit ihrer Maurertaktik und dem erratischen Elfmeterschießen den hohen Favoriten Deutschland rauskickten. Meist aber blieb es beim Vorhaben, wie chancenlose Österreicher (vs Spanien), Algerier (Schweiz) und Bosnier (USA) ernüchtert feststellen mussten. Ein Sonderfall: die völlig überforderten Schweden, die dem Angriffswirbel der Franzosen schlicht nichts entgegenzusetzen hatten

Bleiben einige erinnerungswürdige Partien. Das sportlich hochwertigste war meiner Meinung nach das Duell Portugal vs Kroatien. Zwei Teams, die offensichtlich gewinnen wollten, die auch offensiv etwas zu bieten hatten und trotzdem die Verteidigung nicht vernachlässigten. Zu so einem Spiel gehört ein grausames Ende zwingend dazu, und hätte es katastrophaler (ja, wir reden vom Sport, ich weiß) ausgehen können für Kroatien. Es steht 1:2 aus ihrer Sicht, eine letzte Flanke fliegt in den Strafraum, wird verlängert und der aufgerückte Weltklasse-Verteidiger Guardiol schießt den Ball ins Tor! Verlängerung und 30 Minuten weiter hoffen? Nein, denn der Schütze stand im Abseits. Nicht beim Schuss selbst, aber bei einer Kopfball-Verlängerung, als die Ballberührung mit bloßen Auge nicht wahrnehmbar war. Der Chip im Ball hatte eine geringstfügige Berührung festgestellt, wollen wir dem Ausschlag glauben.

Herzzerreißend auch Argentinien gegen die Kap Verden. Hier der Titelverteidiger und die gestandene Fußball-Nation aus Südamerika mit Lionel Messi, dem vielleicht besten Spieler aller Zeiten im xten Frühling und torhungrig wie nie zuvor bei eien WM. Dort die von den Einwohnern her kleinste Nation, die je an einer Endrunde teilgenommen hatte, wer könnte auf dem Globus genau benennen, wo diese Inselgruppe genau liegt? Die Führung von Messi in der 1. Halbzeit nach sensationeller Ballannahme und perfektem Abschluss, der Ausgleich in Durchgang 2. Biedere Argentinier; sie wirken müde, es ist ja fast das gleiche Team wie 2022 (offenbar herrscht im Land gerade Extrem-Mangel an Talenten). Trotzdem Chancen, die vernichtet der wieder großartige Torwart Vozinha. So einen 40-jährigben Keeper lasse ich mir gerne gefallen!
In der Verlängerung: eine hübsche Ecke von Messi (ansonsten mittlerweile fast abgemeldet und brotlos in seinen Dribblings) – Führung Argentinien. Ein Traumtor von Cabral Lopez, wer hat vom Trabzonspor-Profi noch nicht gehört?, wieder Ausgleich!. Noch eine hübsche Ecke von Messi, abermals die Führung. Die Kap Verden werfen alles nach vorn, Argentinien schwimmt, schindet zeit, wo es geht, und  ihr großartige Torwart Emiliano Martinez (nicht 40, sondern erst 33) rettet mit zwei Super-Paraden den 3:2-Erfolg. Ich behaupte mal: Außerhalb von Argentinien hat die gesamte Fußballwelt ein Tränchen der Trauer verdrückt, dass diese heroischen Nobodies jetzt draußen sind. Sie waren tatsächlich eine echte Bereicherung für diese Weltmeisterschaft.

 

Ach ja, Frankreich!

 

Welcher Fußballfreund war nicht hellauf begeistert von diesem Auftritt. Das 3:0 gegen Schweden spielgelt die Übelegenheit ha ja nicht ansatzweise wider. Was das Offensiv-Quartett Mbappé, Osise, Dembélé und Barcola (anstelle von Doué) auf den Rasen zauberte, hat man lage nicht gesehen. Spielfreude, Technik, Tempo. Vielleicht wird der eine oder andere deutsche Fan nachträglich ganz froh sein, dass die paraguayos sich jetzt (heute, 23 Uhr) mit diesem übermächtigen Gegner herumschlagen dürfen und vielleicht nicht mit einem 0:3 herauskommen.
Können wir uns also den Rest des Turniers ersparen und den Franzosen gleich die Trophäe überreichen? Gemach, gemach! Zum einen sind die Ball-Zauberer Menschen, die vielleicht mal einen schlechten Tag haben, sich unwohl fühlen, gar verletz snd. Vor allem aber wirkt die Abwehr nicht hundertprozentig sattelfest, sogar die eher biederen Schweden hatten die eine oder andere Möglichkeit.
Trotz dieser kleinen Zweifel würde ich mich jetzt, also vor Beginn des Achtelfinals, festlegen: Frankreich wird Weltmeister. Nona, auf ins Wettbüro?

 

Gerupfte Afrikaner

 

9 Teams hatten die Zwischenrunde erreicht, und alle betonten, wie sehr der Kontinent fußballerisch aufgeholt habe. Ich wollte in diese Euphorie nicht einfallen, und der Realitäts-Check der Zwischenrunde fällt dann doch  ernüchternd aus. Einzig Marokko und Ägypten schafften den Sprung ins Achtelfinale, sinnigerweise setzten sich beide Teams erst im Elfmeterschießen durch gegen Holland und Australien. Die übrigen 7 scheiterten teils knapp (wie gesagt: Kap Verden, aber auch die Elfenbeinküste, Senegal und DR Kongo hätten mit etwas mehr Spielglück und oder Erfahrung die Oberhand gegen Norwegen, Belgien und England behalten können), teils chancenlos (Algerien, Ghana, Südafrika).
MIt Abstand das beste Team sind die Marokkaner, aber auch die benötigten gegen Holland erst Glück (Ausgleich in der Nachspielzeit) dann Können im Elfmeterschießen. Im Viertelfinale könnte es zum Duell gegen Frankreich kommen, ich schau mal etwas weiter voraus..

 

Das Achtelfinale (Turnierbaum, also nicht chronologisch)

 

Sa.,. 19:00: Kanada – Marokko (Houston)

Der Co-Gastgeber sinnigerweise in Houston/Texas, also weit weg von der kanadischen Grenze. Nicht nur deshalb würde ich Marokko klar favorisieren, das in allen Belangen überlegen scheint.

 

Sa., 23:00: Frankreich gegen Paraguay (Philadelphia)

Alles andere als ein Sieg von Mbappé und Co. würde mich unfassbar überraschen. Paraguay mag müde, langsame und einfallsarme Deutsche aufhalten können, dem französischen Angriffswirbel voller Tempo und Spielwitz sind sie nicht gewachsen.

 

Mo., 21:00: Spanien – Portugal (Dallas)

Das berüchtigte Iberer-Duell, im vergangenen Jahr siegte Portugal in München im Nations-League-Finale. Die Spanier wirken sehr gut eingespielt und scheinen in der Abwehr kaum überwindlich (bisher kein Gegentor). Portugal hat viel entgegenzusetzen, aber die Pariser Spieler um Vitnha wirken nicht wirklich fit. Deshalb kleiner Vorteil: Spanien.

 

Di., 02:00: USA – Belgien (Seattle)

Die US-Boys gefallen durch mannschaftliche Geschlossenheit und Begeisterung. Belgien war gegen Senegal schon geschlagen, kehrte aber trotz 0:2-Rückstand wundersamst zurück. Der Heimvorteil gerade in der Fußball-affinen Stadt Seattle im wunderschönen Lumen Field dürfte den USA letztlich helfen zum erstmaligen Aufstieg ins Viertelfinale.

 

So., 22:00: Brasilien – Norwegen (New York/New Jersey)

Beide Teams erreichten das Achtelfinale durch Tore in der Nachspielzeit (gegen Japan respektive Elfenbeinküste). Brasilien ist kompakt und hat individuell sehr starke Spieler (nicht nur Vini jr), die eine enge Partie entscheiden können wie Martinelli gegen die Ivorer. Norwegen hat eine Goldene Generation, beileibe nicht nur Superstürmer Erling Haaland. Ein klares 50/50-Match, macht also Trainerguru Carlo Ancelotti für Brazil den Unterschied?

 

Mo., 02:00: Mexiko – England (Mexiko Stadt)

Riesennachteil der Engländer: Sie müssen sich für die Höhe in Mexikos Hauptstadt (2200 Meter) erst akklimatisieren, kommen aus Atlanta (320 Meter) wo sie erst am Mittwoch die DR Kongo bezwangen. Dazu noch der Heimvorteil der Mexikaner im Aztekenstadion, wo sie noch ungeschlagen sind. An das die Engländer übrigens trübe Erinnerungen haben an die WM 86, als sie an Maradona gescheitert sind;  an dessen  Wahnsinn (Hand Gottes) und Genie (Solo für die Ewigkeit). Können diese Geister vertrieben werden? Es sind Gewitter angesagt, vielleicht wird die Partie vorgezogen. Leichte Vorteile für Mexiko.

 

Di., 18:00: Argentinien – Ägypten (Atlanta)

Trotz aller Kap-Verde-Qual: Argentinien ist der klare Favorit. Wegen Messi, wegen Martinez, wegen der mannschaftlichen Geschlossenheit. Und weil es halt „nur“ gegen sehr biedere Ägypter geht, die mich bisher trotz Achtelfinal-Einzugs überhaupt nicht überzeugt haben. Also Argentinien!

 

Di., 22:00: Schweiz – Kolumbien (Vancouver)

Ausklang in Kanada (die Schweizer besetzen den Platz der Ahornblätter). Die Eidgenossen sind für mich eine der positiven Überraschungen, zumal aus Europa. Bisher sehr souveräne Auftritte. Hinten stabil mit dem großartigen Schlussmann Gregor Kobel, und vorne wirbelt der junge Freiburger Manzambi mit dem nicht mehr ganz so jungem Ex-Gladbacher Embolo und anderen. Reicht das für Kolumbiens Abwehrrecken? Ich sehe zumindest gute Chancen für die Schweiz!