von Münchner Löwe | Sep. 29, 2026 | Olympia, sportpolitik
Nach einer knapp zwei Wochen langen Reise durch drei wunderschöne Städte – Helsinki (Olympia 52), Tallinn (Segel-Olympia 1980) und Riga (Nolympia) – melde ich mich zurück in München. In Riga habe ich am Samstag natürlich live mitbekommen via VPN, dass München den deutschen Vorentscheid um die Olympiastadt gegen Köln-RheinRuhr gewonnen hat. Die Freude zumindest bei der Politprominenz ist riesig, das erstaunliche Duo des Grünen-Hassers Markus Söder und dem Grünen Oberbürgermeister Dominik Krause scheint gut zu harmonieren. Mal sehen ob diese Sympathie (?) bestehen bleibt, wenn es ums Eingemachte geht, sprich konkrete Entscheidungen über Art und Weise der Bewerbung anstehen und wer was zahlt. Ob die beiden so gegensätzlichen Männer dann auch noch in einer Sprache voller Eintracht sprechen? Zumal der Deutsche Olympische Sportbund DOSB) auch schon verlauten ließ, dass er ein gehöriges Wort mitsprechen will. Wie immer das zu verstehen ist. Es wird vor allem auch ums Geld gehen, sehr viel Geld, dass man schon für die Bewerbung braucht. Geld, das aber weder Bund noch Land noch Stadt haben. Wird man es woanders abzweigen? Helfen reiche Gönner?
Also München. Der deutsche Kandidat für drei Bewerbungen, 2036, 2040 und 2044
Ich will mich gar nicht länger über die deutsche Entscheidung aufhalten. Gezogen hat offenbar das Konzept der kurzen Wege im Gegensatz zum Vielstädte-Wettbewerb, mit dem RheinRuhr zu punkten hoffte (was überspitzt ausgedrückt aber nichts anderes gewesen wäre als mehrere Weltmeisterschaften gleichzeitig in ganz Nordrhein-Westfalen). Anders München: Mit wenigen Ausnahmen (Segeln in Kiel, Kanu in Augsburg und Fußballspiele in ganz Bayern) werden alle Wettbewerbe im Stadt- und Umlandgebiet über die Bühne gehen; mit dem Olympiapark und dem ikonischen Olympiastadion als Kern. Dieses Olympiastadion mit dem weltberühmten und immer noch einmaligen Zeltdach dürfte für die deutschen Entscheider einer der Hauptgründe gewesen sein, dass München das Rennen macht (und nicht das Werben von Ministerpräsident Söder, oder etwa doch?). Es ist der Faustpfand im Kampf gegen die internationale Konkurrenz. Jeder der Entscheider (hohe IOC-Funktionäre aus der ganzen Welt) hat Bilder des Olympiastadions vor sich, war vielleicht sogar schon dort. Ob das dann auch gegen eine funkelnagelneue und hochmoderne Arena in, sagen wir Istanbul oder Doha, reicht, steht auf einem anderen Blatt. Fest steht zum heutigen Zeitpunkt zumindest eine Tatsache: Für die Leichtathletik-WM 2031 in München (die Stadt bekam vor knapp 2 Wochen den Zuschlag) wird das Olympiastadion generalsaniert. Jeder, der es liebt, kann nur hoffen, dass das Einmalige bestehen bleibt.
Knackpunkt Olympisches Dorf
Bevor die Bewerbung so richtig Fahrt aufnimmt, müssen ein paar sehr hohe Hürden genommen werden. Für mich die Höchste und Kniffligste: Funktioniert das mit dem Olympischen Dorf, so wie sich das die Macher vorstellen? Geplant ist Ganze in einem bisher baulich unerschlossenen Gebiet nahe Daglfing, also im Nordosten der Stadt. Es gibt bereits Pläne für ein riesiges Bauprojekt, in dem 4000 neue Wohnungen entstehen sollen. Samt der notwendigen Verkehrsanschließung (Verlängerung der U-Bahn und Ausfallstraßen). Das Projekt ist aber hoch umstritten, Widerspruch gegen entsprechende Planungsbescheide sind zu erwarten. Zum einen wird die Fläche landwirtschaftlich erschlossen (nicht jeder Landwirt ist bereit, sie abzutreten). Zudem gilt München eh schon als extrem dicht bebaut, gerade der vergangene Sommer hat gezeigt, wie unerlässlich Freiflächen sind und weitere Versiegelung schadet. Nicht zuletzt gibt es Stimmen, dass das flächenmäßig eher überschaubare München schlicht nicht noch mehr Einwohner vertragen kann, sämtliche Verkehrswege zur und in der Innenstadt (Straßen und ÖPNV) sind jetzt schon zu Stoßzeiten hoffnunglos überlastet.
Aber selbst wenn ich das alles ignoriere, wie der Umweltschutz in diesem Lande zurzeit völlig ignoriert wird (Funfact: Will ausgerechnet der Grüne OB Krause als Umweltzerstörer dastehen?): Wenn neue Wohnungen für München wirklich nötig sind: Will die Stadt dann wirklich bis vielleicht 2044 zuwarten, bis sie entstehen respektive der Bevölkerung zugänglich gemacht werden (wenn nämlich München erst für diese Spiele den Zuschlag erhält). All diese Fragen sind bisher bestenfalls ansatzweise umrissen, ohne echtes Ergebnis und erst recht ohne Stadtrats-Beschluss, gegen den wiederum mit ziemlicher Sicherheit Einspruch erhoben wird.
Knackiger Zeitpunkt – zumindest für 2036
Schon 2027 fällt zumindest für die Spiele 2036 eine Entscheidung. Dann siebt das IOC aus den laut eigenen Angaben etwa ein Dutzend Bewerbern vier bis sechs der aussichtsreichsten (?) Kandidaten heraus. Die sich dann bis zu einem weiteren Vorentscheid bis 2028 (bei den LA-Spielen) herausputzen müssen, ehe 2029 die endgültige Entscheidung fällt. Nach welchen Kriterien das passiert und wer letztlich (vor)entscheidet, ist völlig ungewiss. Hat das IOC einen bevorzugten Kontinent (das wäre dann wahrscheinlich Asien)? Schließt es Kontinente aus? Gibt es vielleicht sogar eine Doppel-Kandidatur mit den Spielen 2040? Nix G’wises weiß man nicht, und trotzdem muss München schon Konkretes liefern.
Gerade der Zeitplan für Spiele 2036* wäre extrem eng. Nicht nur wegen des Olympischen Dorfs. Denn nach den jetzigen Planungen wird die für Spiele praktisch unerlässliche 2. Stammstrecke erst 2037 fertig. Die U9, die Entlastungslinie zwischen Münchner Freiheit via Elisabethmarkt Richtung Hauptbahnhof, besteht bestenfalls in Planungen. Und der Hauptbahnhof selbst? Gehet hin und schaudert selbst; von der Benko-Ruine (formerly known as Karstadt-Filiale) will ich erst gar nicht anfangen. Will man Gästen wirklich einen dermaßen katastrophalen Anblick zumuten?
* also genau 100 Jahre nach den Nazispielen 1936 in Berlin. Nicht jedem gefällt dieses Jubiläum, um es vorsichtig auszudrücken
Die internationale Konkurrenz
Über eines sind sich die Beobachter fast einig: Sollte Indien für 2036 mit Ahmedabad und einem milliardenschweren Finanzier im Rücken auch nur eine einigermaßen seriöse Kandidatur auf die Beine stellen, wäre es haushoher Favorit. Weil Asien per rotation „am dransten“ wäre. Vor allem aber, weil das Riesenreich Indien im Weltsport fast Brachland ist, es also hier noch sehr viel Verdienst-Potenzial gibt (Geld ist aber fürs IOC die Währung, die wirkllich zählt). Ansonsten ist bekannt, dass auch Katar mit Doha Interesse bekundet, aus Europa gelten die Bewerbungen aus Istanbul, Rom und Madrid als fix, eventuell kommt auch noch London dazu, der glanzvolle Gastgeber 2012.
Bleibt die große Unbekannte Afrika. Auf diesem Kontinent fanden noch die Olympische Spiele statt. Die Frage ist, ob Kirsty Coventy, die IOC-Präsidentin aus Zimbabwe, eine afrikanische Bewerbung unterstützt. Sicher ist das nicht. Ich denke an Thomas Bach, der aus Eigennutz deutsche Bewerbungen geradezu torpedierte, um die eigene Präsidentschaft nicht zu beschmutzen (sie war trotzdem eine einzige Katastrophe). Johannesburg scheint indes Interesse zu zeigen.
Spekulationen über irgendwelche Chancen zum jetzigen Zeitpunkt führen zu nichts, auch weil die Weltlage völlig unsicher ist. Bei Lichte gesehen und bei allen Schwächen und Unwägbarkeiten (Olympisches Dorf) denke ich, dass das Münchner Konzept sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann. Die Bevölkerung in der Stadt steht hinter Olympia, es ist nun an den Organisatoren, dass diese ihr „Ja“ vor knapp einem Jahr nicht bereuen müssen und vielleicht sogar einige Skeptiker ihre Vorbehalte aufgeben. Ein bisschen Träumen möge man mir in diesen Zeiten verzeihen.
von Münchner Löwe | Dez. 6, 2025 | Fußball, sportpolitik, WM
Es war ja einiges Schreckliches zu erwarten am Freitag für die Auslosungs-Zeremonie in Washington. Doch was vor allem Gianni Infantino, der Chef des Fußball-Weltverbandes, veranstaltete, ging weit über die schlimmsten Befürchtungen hinaus. Zusammenfassen lässt sich die Veranstaltung mit fogenden Worten: 2 alte, durch und durch korrupte, weiße Männer vergewaltigen den Fußball, und keiner tut etwas dagegen
Gott sei Dank war ich mit meiner wunderbaren Schwester bei einem hervorragenden Vietnamesen verabredet, so dass ich gar nicht in Versuchung geriet, mir diese Katastrophe und Niedergang aller guten Sitten live anzusehen. Als ich heimkam, überflog ich die Kommentare, die ließen schon Grauenhaftes erwarten. Da ich plante, hier ein paar Zeilen zu schreiben, „musste“ ich mir natürlich selbst ein Bild machen. Ich neige nämlich nicht zu Katastrophen-Tourismus, mein Dasein als Löwen-Fan mit all den damit verbundenen Irrungen und Wirrungen reicht da völlig aus.
Die Schleimspur des Gianni I.
Im Mittelpunkt des Grauens: Gianni Infantino und Donald Trump. 2 alte Männer. Der eine (Gianni, oder Jonny, wie ihn Donnie zu nennen pflegt). Ein skrupelloser, geldgieriger Funktionär mit mehr Dreck am Stecken als die Kläranlage einer Großstadt an einem Tag hergibt, weswegen er mittlerweile in ihm wohlgesonnenen Doha (oder ist es das wohlgesonnene Dubai?) sein Domizil aufschlägt. Der andere (Donald): Dem Rang nach Präsident der Vereinigten Staaten, aber tatsächlich: Topterrorist und Massenmörder. Und was macht Gianni? Erfand kurzfristig einen FIFA-Friedenspreis, den natürlich Donnie als Erster erhalten sollte, wenn es schon mit dem Friedensnobelpreis nicht geklappt hat (Donald Trump: ist mir nicht mehr so wichtig). Die Lobrede, die danach Gianni auf seinen guten Buddy Donnie hielt, war das Widerwärtigste, Schleimigste, Unanständigste, Armseligste, was je ein Sportfunktionär von sich gegeben hat. Und diesbezüglich ist die Messlatte angesichts der ganzen Widerwärtigkeiten der Samaranchess und Blatters und Bachs (das sind nur die Allerallerschlimmsten) selbst und auch von Infantino selbst (etwa in Katarrh vor 4 Jahre) so hoch wie der Mount Everest. Die Gianni mühelos übersprang („Du bist es, der Frieden schafft“) wie Mondo Duplantis mit dem Stab die 5 Meter. Die Lobhudelei galt wohlgemerkt einem Mann, der gerade den Befehl ausgibt, Schiffe vor Venezuela zu versenken und die Besatzung zu ermorden, der Somalia und die migrierten Somalis als „Müll“ bezeichnet, der unmittelbar vor der Zeremonie den Befehl ausgab, das liberale Europa zu zerstören. Für die Veranstaltung selbst, die nächsten Sommer stattfinden wird, prophezeite Infantino in aller BVescheidnheit: „Das wird das größte Ereignis, das die Menschheit je geschaffen hat.“ 104 Fußballspiele (satte 40 mehr als bei der letzten WM) stehen auf dem Programm. „Dass ist 104-mal der Super Bowl.“ Apropos Superball: Im Fußball-Überschwang will Trump American Football unbennen, damit „Soccer“ endlich „auch in den USA Soccer endlich Football heißen kann.
Das mit Fußball-Funktionären (und -Trainern, -Direktoren) aus aller Welt durchsetzte Auditorium in Washington brach angesichts dieses Irrsinns zwar nicht in Jubel aus, Protest hörte ich allerdings auch nicht – im Gegeteil. Hinterher befand DFB-Chef Bernd Neuendorf, dass diese Auszeichnung doch verdient sei angesichts der Trumpschen Verdienste um den Frieden in Gaza (ein Frieden, bei dem immer noch täglich Dutzende Menschen den Gewalt-Tod finden, nota bene) und ließ den Diktatfrieden in der Ukraine ebenso aus wie das Vernichten von Menschenleben in der Karibik sowie den nationalen Irrsinn, den Trump jeden Tag veranstalten lässt. Andererseits ist es halt der Funktionär Neuendorf: ein armseliger, skrupelloser, geldgieriger, egoistischer Mann, dem der Fußball selbst völlig egal ist. Er steht zwar dem mitgliederreichsten Sportverband (heißt es zumindest) der Welt vor, zieht aber nur seinen Schwanz ein, wenn er für diese Mitglieder sprechen müsste. Hat wohl Angst um die FIFA-Fantastilliarden, die er persönlich so einsackt samt bezahlten Luxus-Urlaub in Washington, der Karibik und anderen FIFA-Tagungsstätten.
Trump (mit besonders orangenem Antlitz, wie mir schien) nahm die Ehrehrbietung samt schrecklich-protzig-güldenem Pokal erfreut die Kenntnis („eine meiner schönsten Auszeichnungen“), lobte seinerseits Infantino und freut sich auf die 20 Milliarden Dollar („really, so much?“) Einnahmen, die das Turnier so bringen wird. Erstaunlicherweise hielt er sich relativ kurz und vor allem mit seinen berühmten Anklagen zurück gegen die Vor-Regierung und auch den Mit-WM-Gastgebern (genau, in Mexiko und Kanada finden auch Spiele statt, man konnte es fast übersehen trotz der anwesenden Regeierungs-Chefs).
Zum Schluss die Village People
Garniert wurde der zauberhafte Abend mit Gesangseinlagen von alternden Künstlern: keine Taylor Swift, Rihanna oder andere aktuelle Topstars, dafür die bei Sportereigissen offenbar unvermeidlichen Andrea Bocelli, Robbie Williams und natürlich auch Trumps Lieblinge, die Village People, zu denen er so gerne tanzt (diesmal nicht): Ja, genau die Village People, einst in den 80ern eine aufsässige Schwulen-Band (besser: Liebling der Schwulen), jetzt (fast in derselben Besetzung) die Combo eines (noch dazu besonders reaktionären und schwulenfeindlichen) Präsidenten – wer hätte dies für möglich gehalten. Und als Moderatorin ward tatsächlich die Deutsche (!) Heidi Klum erkoren: sehr blond, sehr offenherzig und neben Co.-Mod. Kevin Hart sehr riesig, oder auch: eine Frau, die bestens in Trumps Frauen-Beuteschema passt …
Ach ja, die Auslosung selbst
Nach mehr als einer Stunde (ich: viel fast forward) erbarmten sich die Kombattanten, schritten zum eigentlichen Zweck der Veranstaltung und führten die 48 Endrunden-Teilnehmer in 12 Vierer-Gruppen zusammen, Die „deutsche“ Gruppe mit Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador gilt in der allgemeinen Einschätzung als „leicht“ und „machbar“. Das ist sicher zutreffend, weil es schwieriger hätte kommen können (Norwegen! Italien!!), aber: Immerhin sind die Ivorer amtierender Afrika-Meister und Ecuador wurde in der südamerikanischen Qualifikation starker Zweiter hinter Argentinien, aber klar vor Brasilien, Kolumbien und Uruguay. Und das lag nicht alleinb an den Heimspielen in der 4000 Meter hoch gelegenen Hauptstadt Quito. Außerdem verbietet sich angesichts des jeweils desaströsen Vorrunden-Aus des deutschen Teams 2018 und 2022 ohnehin jeglicher Hochmut.
Ausscheiden ist dieses Mal allerdings noch schwieriger geworden, weil sogar 8 der 12 Gruppendritten die K.-o.-Runde erreichen – die nächste Farce dieser an Farce so reichen Fußball-WM, für die wir jetzt den riechtigen Vorgeschmackk bekommen haben.
von Münchner Löwe | Dez. 12, 2024 | Fußball, sportpolitik, WM
Es ist also offiziell: Saudi-Arabien wird Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2034. Meine Begeisterung ob dieser jetzt feststehenden Tatsache habe ich schon letzte Woche zum Ausdruck gebracht.
https://blickueberdenteich.de/erbaermliche-entscheidung-erbaermlicher-dfb/
Ich sehe auch jetzt nicht einen einzigen Grund, warum der DFB nicht seinen Unmut ob dieser
a) Entscheidung an sich
b) des Zustandekommens dieser Entscheidung, nämlich dass es
– keinen Gegenkandidaten gab durch Schmutzeleien des Herrn FIFA-Präsident Gianni Infantino
– es eine Doppelwahl 2030/2034 war, die die FIFA-Statuten eigentlich ausschließen
– dass es nicht mal eine geheime Wahl war, sondern eine Akklamation (bleiebt auch bei SED-Parteitagen).
Wer wirklich nachlesen will, wie toll das gewesen ist, den verweise ich auf meine Freunde der SZ
https://www.sueddeutsche.de/sport/fifa-fussball-wm-2034-saudi-arabien-infantino-vergabe-kritik-li.3164505
Danke Norwegen für wenigstens ein ganz kleines bisschen Sand im Jubel-Getriebe.
All das lässt nur den Schluss zu, dass der DFB nichts gegen diese undemokratischen Tricks des GA hat und auch nichts gegen SA als WM-Ausrichter. Es bleibt nur der absolute Offenbarungseid der längst nicht mehr mächtigen europäischen Verbände. Die sich trotzdem zusammentun hätten können (wenigstens ein paar von ihnen nach der norwegischen Vorlage), um mit starker Stimme aufzubegehren, zu kritisieren. Doch wegen des praktisch einstimmigen Votums für Saudi-Arabien sind jetzt auch sämtliche vielleicht noch bestehende Vorbehalte gegen einen Gastgeber irrelevant. Mit keinerlei Berechtigung darf eines der zustimmenden Länder jetzt Kritik üben oder gar Forderungen stellen. Denn die grauenhaften Umstände in Saudi-Arabien sind bekannt: das Kaltstellen von Kritikern, die gerne (wahrscheinlich im Wortsinn) auch ermordet werden, die erbärmliche Behandlung von Frauen als Menschen zweiter oder dritter Klasse: vor allem aber die Abertausenden von Bauarbeitern, die jetzt bei der Errichtung der Superduper-Stadien zu Tode kommen und wie Leibeigende, ja wie Sklaven, behandelt werden ohne jegliche Rechte. All das ist bekannt durch unermüdliche NGOs, durch Amnesty Inernational etc; keiner darf sich herausreden, er habe nichts gewusst. Blanke Geldgier hat jegliche nach dem Katar-Desaster vielleicht noch existierende Moral über Bord geworfen. Exemplarisch das saudämliche Geschwätz von DFB-Präsident Bernd Neuendorf: dieses in jeder Beziehung unfähigen Mannes, der in den nächsten vier Jahren eine Million Dollar fürs Nichtstun einsackt (ich sehe die Dollarzeichen förmlich in seinen Augen samt der lächerlichen Brille auf der Stirn).
Warum hat niemand die Infantino-Show gecrasht mit Aufbegehren, mit lauter Kritik an SA und seinen Foltersknechten, den Kashoggi-Mördern. Niente, nada, nichts. Auch nicht von Trainern (danke für Nichts, du jämmerlich mutloser Nagelsmann), von den millionenschweren Profis, nichts und niemand! Nur das ganz kleine und gleich abgebügelte nel takk. Heja Norge.
von Münchner Löwe | Dez. 6, 2024 | Allgemein, Fußball, sportpolitik
Nächste Woche werden auf einer FIFA-Sitzung die WM-Gastgeber für 2030 und 2034 vergeben. Das Besondere und Absonderliche: Es gibt jeweils nur einen Kandidaten und es gibt nur eine Abstimmung, die auch keine geheime Wahl, sondern online geschieht. Es steht also jetzt schon fest, dass es 2030 zur obskuren 3-Kontinente-WM (je ein Spiele: Argentinien, Paraguay, Uruguay, dazu Marokko, Portugal und vor allem Spanien. 2034 kommt dann im Zuge der Kontinente-Rotation gezwungenermaßen Asien und damit Saudi-Arabien zum Zug, weil Australien dankend abwinkte.
So weit, so schlecht und traurig genug. Gerade ein Gastgeber Saudi-Arabien weckt bei Menschenrechtlern schlimmste Befürchtungen in punkto Frauenfeindlichkeit, katastrophale Bedingungen für die Stadion-Bauarbeiter. Katar mal 10, möge man sich das vorstellen, kritisieren Umwelt- und Menschenrechsverbände. Auch Fangruppen protestieren gegen die erneute Wüsten-WM.
Und die Verbände, gerade die in Europa? Sie tun: nicht, nada, niente. Das liegt natürlich an der perfiden Zusammenführung der Wahlen für 2030 und 2034. Man kann also nur gemeinsam beide Kandidaten gutheißen ode ablehnen oder sich enthalten, was aeiner Ablehnung gleichkommt. Diese Zusammenlegung, das dear FIFA-Chef Gianni Infantino praktisch im Alleingang verfügte, sorgte zwar durchaus für Grummeln, aber alle fügten sich, auch der DFB, immerhin der größte Sportverband der Welt und somit auch der größte Fußball-Verband der Welt. Kein Aufbefehren, nichts.
Die jetzige Zwickmühle sehe ich natürlich auch: Ein Nein des DFB zu Saudi-Arabien hätte unweigerlich auch ein Nein für die beiden befreundeten Europa-Verbände Spanien und Portugal zur Folge. Wobei auch dazu anzumerken sei, dass diese WM mit dem Südamerika-Trip auch der helle Wahnsinn ist, auch eine der fantastischen Infantino-Ideen.
Aber jetzt soll es um das Ja des DFB zu Saudi-Arabien gehen: Und dass es diese Ja-Stimme gibt, ist seit heute offiziell. Einstimmig beschloss das Präsidium dieses Votum, das der Chef Bernd Neuendorff nächste Woche also online abgibt. „Es gab keine Stimme, die gesagt hat, dass wir hier falsch unterwegs sind“ versicherte. er. Es hatte also keiner den Mut, aufzubegehren gegen diesen Schritt, der den Gipfel des Sportswashing, das Saudi-Arabien betreibt, anzweifelt. Es gab also niemanden, der den absoluten Unrechtsstaat geißelt, der Kritiker gerne mal auch im Ausland verfolgen und ermorden lässt. Neuendorff nannte das „kritisch“, welch ein Euphemismus. Vielleicht hatte vielleicht der oder die andere (es gibt mittlerweile sogar mehr als eine Frau im Präsidium) Bedenken, doch da fehlte der Mut, frei nach Oliver Kahn (man möge mir verzeihen): die Eier, die Cojones, die Balls. Niemand will es sich verscherzen mit, ja mit wem eigentlich? Mit Neuendorff??? Und wwarum eigentlich zieht der DFB so erbärmlich den Schwanz ein? Man habe Angst, isoliert zu werden bei einem Nein, betont Neuendorff. Und dieses Nein wäre auch rein symbolhaft, weil Saudi-Arabien ohnehin gewählt würde. Und so folgert Neuendorff in verquerer Logik: Nur, wenn der DFB jetzt Ja zu Saudi-Arabien sage und die Menschenrechte somit ignoriere, könne der Verband seriös danach auf Menschenrechte pochen.
Meine Kritik an Sportverbänden und ihren Repräsentanten ist jedem bekannt, der hier länger dabei ist. Aber dieses Gebahren ist ein weiterer Tiefpunkt. Nicht, dass ich Herrn Neuendorff selbst auch nur ansatzweise Mut oder so etwas zugetraut hätte. Aber dass alle im Verband wie die Lemminge folgen, zum tausendsten Mal die Stimmen der Fans nicht einmal ignoriert werden, macht mich traurig, ja fuchsteufelswütend. Getrieben von purer Geldgier, riesigem Geltungsdrang wird hier abgestimmt, weil ja sonst angeblich nie, nie, nie mehr Deutschland auch nur das geringste mehr zu sagen haben oder sogar Gastgeber eines Sommermärchens. Die Fußballer dürfen es dann 2034 ausbaden (was ich hoffentlich noch erlebe), und wie das dann fantastisch schiefgeht, haben wir 2022 gesehen. Also heißt das Motto: Nimm jedes Geld und ignoriere auch die schlimmsten Schandtaten.
von Münchner Löwe | Nov. 21, 2024 | Fußball, sportpolitik
„Wir haben in Katar gesehen, dass zu viele politische Themen eine Mannschaft schon belasten können. Da sollten wir alle draus lernen. Dass nicht alle Dinge top funktionieren in Saudi-Arabien, glaube ich, liegt auf der Hand. Aber das sind nicht unsere Bewertungsgrundlagen. Wir müssen uns sportlich so präparieren … dass wir ein gutes Turnier spielen.“ (Julian Nagelsmann, deutscher Bundestrainer)
Was für ein Armutszeugnis, was für ein Offenbarungseid eines doch intelligenten Mannes (muss ich dieses Attribut aus meinem Hirn löschen?). Deutlicher könnte einer seine Abgehobenheit nicht zum Ausdruck bringen. Da ist ein Mann, der in Deutschland als Bundestrainer durchaus ein Standing hat, dessen Worte Gewicht haben, der mit diesen eine Gesellschaft aufrütteln könnte. Dieser Mann hat sogar erkannt, dass die Menschenrechte und vieles andere mehr in Saudi-Arabien mit Füßen getreten werden. Nicht einmal diesen Umstand will er klar benennen, sondern euphemisiert („nicht alle Dinge top funktionieren“). Und zu was entscheidet er sich? Nichts dazu zu sagen und eben noch schlimmer: Auch noch zu sagen, dass er nichts sagt. Wie schrieb schon Erich Kästner sinngemäß?: „An allem Unrecht sind nicht nur die Schuld, die es begehen, sondern auch diejenigen, die es nicht verhindern.“
Dabei wäre genau jetzt der Zeitpunkt des Fußballs und seinen seinen Funktionären, den Sportdirektoren, den Trainern, dass sie dem vom geldgeilen FIFA-Chef Gianni Infantino ausbaldowerten WM-Teilnehmer 2034 (!) Saudi-Arabien den Stinkefinger zeigen. Denn höchstwahrscheinlich am 11. Dezember wird das Land offiziell gewählt, da es keinen Gegenkandidaten gibt (unter anderem aufgrund der irrsinnigen 3-Kontinente-WM 2030 – ein Trauerspiel für sich -, die am selben Tag kurz zuvor durchgewinkt werden wird. Und das, obwohl in Saudi-Arabien Bauarbeiter für Großprojekte laut Amnesty International noch furchtbarer behandelt werden als in Katar anlässlich zur WM 2022, ich kann es mir kaum vorstellen. Was wäre das für ein Zeichen, wenn der DFB mit seiner sportlichen Führung klar benennen würden, was für eine erbärmliche, indiskutable, menschenverachtende Entscheidung es ist, dieses zutiefst frauenfeindliche Land, das Morde im Ausland an kritischen Menschen beauftragt (Kashoggi), zum WM-Gastgeber zu küren. Warum schaffen es die großen europäischen Verbände nicht, sich gemeinsam gegen den FIFA-Diktator Gianni Infantino zu stellen. Aber nein: Alle kuschen, freuen sich auf die blutgetränkten Milliarden-Einnahmen. Scheiß da doch auf die Menschenrechte, scheiß auch auf die erbärmliche Behandlung der Bauarbeiter, die die Stadien unter unwürdigsten Bedingungen hochziehen müssen, die wie Sklaven behandelt werden.
Natürlich wird ein einzelner Bundestrainer die Entscheidung nicht verhindern können. Aber was wäre das für ein Zeichen: Julian Nagelsmann und der Prädident des größten nationalen Fußball-Verbandes der (okay, bei diesem trostlosen, dafür von der FIFA-Mafia bestens dotierten DFB-Chef Bernd Neuendorff wäre das in etwa so wahrscheinlich, wie wenn die Hölle zufriert) geißeln die Entscheidung, geißeln Saudi-Arabien, geißeln Infantino und all seine geldgierigen Vasallen. Und suchen dafür wichtige Mitstreiter in Europa, in Südamerika, die noch einen Hauch Anstand in ihren Funktionärsseelen haben. Die muss es doch geben!, hoffe ich – noch nicht völlig desillusioniert. Aber nein, hübsch diplomatisch bleiben, kuschen, vielleicht darf Deutschland ja bald wieder Gastgeber eines großen Turniers sein. Final Four der Nations League 2025 etwa. Neues Geld auch für die eigene Funktionärskasse, und die Geltungssucht kann erneut befriedigt werden.
Und ein heutiger Aufruhr würde wohl kaum das sportliche Abschneiden von 2034 belasten wie das unselige Binden-Theater 2022. Zumal es höchst unwahrscheinlich ist, das Julian Nagelmann bis dahin noch Bundestrainer ist. Und deswegen könnten mutige Menschen einen Aufstand anzetteln. Schade, dass ein Julian Nagelsmann diesen Mut, der ihm persönlich gar nicht viel abfordern würde, nicht aufbringen will.
von Münchner Löwe | Nov. 1, 2024 | Fußball, Gesellschaft, Sonstiges, sportpolitik
Im Namen des Volkes. Aber bestimmt nicht ein Urteil im Sinn des Fußballs und vor allem diejenigen, die das Fanwesen zumindest ein bisschen einhegen wollten. Am Montag befand das Amtsgericht Karlsruhe drei Mitarbeiter eines Fanprojekts des KSC der „versuchten Strafvereitelung“ für schuldig. Diese hatten sich in einem anderen Fall, in der die Staatsanwaltschaft wegen eines Pyrotechnik-Vorfalls mit 11 Verletzten ermittelte, die Aussage verweigert und beriefen sich auf ein Zeugnis-Verweigerungsrecht. Dieses allerdings gibt es für diese Mitarbeiter eines sozialen Dienstes nicht und das war ihnen auch bewusst. Das Gericht blieb bei seinem Strafmaß unter dem Strafbefehl von 120 Tagessätzen und mit 90 haarscharf unter der Grenze von 91, damit die drei Frauen wenigstens nicht vorbestraft sind. Die Staatsanwaltschaft hatte gar 160 Tagessätze gefordert. Nur mal zum Vergleich: Jens Lehmann wurde zu einer Geldstrafe mit 150 Tagessätzen verurteilt wegen Sachbeschädigung und versuchten Betrug. Er hatte mit einer Kettensäge den Dachbalken eines Nachbarn angesägt.
So weit, so ungut. Fan-Beauftragte sind im durchaus zerrütteten Verhältnis zwischen Fans und Staatsgewalt (Polizei) ein mediativ arbeitendes Organ. Oft haben nur noch sie von außen Zugang zu den Ultras. Eben durch Vertrauen, das sie sich nach und nach erarbeitet haben. Dieses Vertrauen basiert elementar darauf, dass Sachen, die die Mitarbeiter erfahren, nicht an die Öffentlichkeit geraten auch nicht an Staatsorgane. Wenn jetzt diese Mitarbeiter per drohender Strafe, die ja durchaus auch noch viel höher ausfallen und schlimmstenfalls sogar Haft bedeuten kann, ist dieses Vertrauen naturgemäß weg. Davon abgesehen, dass kaum ein vernünftiger Mensch sich der Gefahr einer Ermittlung noch aussetzen will und diese so elementar wichtige Tätigkeit also überhaupt ausüben will. Die große Frage lautet also, die im übrigen auch der urteilenden Richterin klar war und die sie auch benannte: Sollen derlei Fanprojekte, die ja oft Projekte einer Stadt oder öffentlichen Einrichtung sind, und ihre Mitarbeiter von einem Zeugnisverweigerungsrecht geschützt werden. Wie also ein Rechtsanwalt, ein Geistlicher, aber auch ein Journalist, aber bisher bei Sozialarbeitern nur in absoluten Ausnahmefällen. Im vorliegenden Fall beriefen sich die Mitarbeiterinnen darauf, dass sie ihre Arbeit schützen wollten, aber nicht eventuelle Straftäter. Nebenbei angemerkt sei es auch sehr unwahrscheinlich, dass sie zur Lösung des ursprünglichen Falls beitragen hätten können, auch weil die Täter vermummt gewesen wären.
Wegen der besonderen Bedeutung von solchen Fanprojekte bundesweit geht der Fall in die nächste Instanz, vielleicht sogar bis zum bundesverfassungsgericht, wo dann vielleicht in 5 Jahren ode so ein endgültiges Urteil gesprochen wird. Es geht darum, dass die vor allem jugendlichen Fans einen Ansprechpartner außerhalb ihrer Blase finden. Mit denen sie über alles reden können, die ihnen auch andere Wege aufzeigen können. Die sie vor allem nicht sofort verurteilen. Und es geht meistens ja nicht um schwere Straftaten.Ich frage mich: Warum werden Mitarbeiter eines Sozialdienstes wie auch Streetworker, die so wertvolle Arbeit leisten (nicht nur bei Fanprojekten), nicht besser geschützt, wenn sie schon so dürftig bezahlt werden. Ist der jetzigen Regierung nicht sexy genug.
Wie zerrüttet das Verhältnis Fans/Obrigkeit grundsätzlich ist, zeigte sich ja eine Woche vorher. Da tagte die Sportminister-Konferenz, und einige der Teilnehmer wie etwa CSU-Innenminister Joachim Herrmann überboten sich in Aushandeln eines möglichen Strafenkatalogs. Als sei ein Stadion der reinste Sündenpfuhl, wo es nur Mord und Torschlag gäbe und es vor Chaoten und Kriminellen nur so wimmele. Fußball-Schnellgerichte, Kollektivstrafen, Geisterspiele, Punktabzüge und personalisierte Tickets – ohne diese Maßnahmen würde es nicht gehen, um diesem sündhaften Treiben ein Ende zu bereiten.
Es gab also einen Austausch der Politiker mit Innenministerin Nancy Faeser und eben Herrmann, Mäurer (Bremen), Behrens (Niedersachsen) unc Co., zu dem auch Vertreter von DFL und DFB geladen wurden. Es fehlten: Die Fans und auch alle Fan-Vertreter, die deren Ansicht hätten vortragen können.Die Zahlen belegen eher, dass die Horror-Szenarien eines Herrmann eher eine Gewaltfantasie sind. In der Saison 2022/23 wurden in den ersten drei Bundesligen insgesamt 1176 Fans verletzt, bei insgesamt 22,8 Millionen Besuchern. Das sind 0,00516 Prozent, inklusive derjenigen, die von der Polizei bei ihren Einsätzen verletzt wurden.
Jeder Verletzte ist natürlich einer zu viel. Aber (nicht nur statistisch): Ein Fußball-Stadion viel sicherer als etwa der Besuch eines Wiesnzeltes. Wirklich nervend und auch gefährlich sind sogenannte Fans, die auf dem Weg ins Stadion und gerne schon auf den Auswärtsfahrten im Zug randalieren. Da kann ich tatsächlich die Bahn verstehen, die diese Leute nicht mehr transportieren will, auch wenn auch friedliche Schlachtenbummler von ausfallenden Zügen betroffen wären.
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