von Münchner Löwe | Aug. 17, 2026 | Allgemein, Fußball, Pferdesport, Tennis, WM, Wochenvorschau
Nach der gerade abgelaufenen Superwoche (morgen dazu ein langer Beitrag) ist das Programm ab heute doch relativ überschaubar. Die Reitersleute suchen in Aachen noch diverse Weltmeister, am Wochenende kommt es zur 1. Pokalrunde mit durchaus attraktiven Begegnungen. Dazu das Tennis-Masters in Cincinnati.
Die berühmte Soers im Blickpunkt
Die Aachener Soers gilt bei den Springreitern als der Heilige Gral. Ein Stadion extra für den Pferdesport mit 40.000 begeisterten wie fachkundigen Zuschauern, die jeden Ritt geradezu in sich aufsaugen und nicht nur die deutschen Pferd/Reiter-Paare feiern. Die Springprüfungen sind Höhepunkt jeder Reiter-WM (nix für ungut, Vielseitigkeit, Dressur und Voltigieren). Die besten Teams werden am Mittwoch und Donnerstag ermittelt und der beste Einzelreiter am Sonntag. Leider schon länger nicht mehr in einem Vierer-Turnier, als jeder Starter nicht nur mit seinem eigenem Pferd, sondern auch mit denen der drei Konkurrenten den Parcours meistern musste. Die Deutschen gehören sowohl im Team als auch im Einzel zu den Favoriten, obs dann wirklich zum Titel reich, bleibt abzuwarten.
Sehr stark dürften die deutschen Dressur-SpezialistInnen auftrumpfen. Isabell Werth hat weiter ein Spitzenpferd (Wendy), mit dem sie in der Kür Bronze hinter der unerreichbaren Olympiasiegerin Charlotte Fry (Glamourdale) und Caritne Laudrup-Dufour (Mount St. John Freestyle) Bronze eroberte und ihre 14. WM-Medaille holte. Von Mittwoch bis Freitag werden noch Mannschafts- und Einzelmedaillen im Grand Prix Special verteilt. Der Unterschied zur Freien Kür: Hier gibt es ein festes Programm mit genau geregelten Prüfungen für Pferd und Reiter, geritten wird ohne Musik. Und trotzdem dürften die gleichen Frauen vorn sein. Sach ich jetzt einfach mal
Masters als Generalprobe
Offiziell ist das Tennis-Turnier von Cincinnati das 7. Masters (von insgesamt 9) des Jahres. Inoffiziell die letzte Formüberprüfung vor den US Open, die am 30. August beginnen. Bei den Männern fehlen wie schon in Montreal mit Jannik Sinner und Carlos Alcáraz die beiden besten Profis. Sinner hat nach seinem Wimbledonsieg kein Turnier mehr bestritten, aber viel schlimmer steht es um Alcáraz. Wegen der Handverletzung fehlt er seit Mai, seinen ursprünglich für Cinci geplanten Start hat er abgesagt. Ob er in New York antreten kann, erscheint mittlerweile sehr fraglich.
Die ersten Runden haben die Topspieler schon absolviert, und mit Ben Shelton hat es schon einen Mit-Favoriten erwischt. Der gerade gekürte Turniersieger von Montreal musste sich dem Portugiesen Faria beugen. Ebenfalls schon raus ist Novak Djokovic, der sich während der Partie gegen Tirante übergeben musste. Die Top 2, Zverev und Auger-Alliasime sind dagegen noch im Rennen.
Bei den Frauen sind die ganz großen Überraschungen bisher ausgeblieben (das ist bei diesem auch in der Spitze unbeständigen Feld allerdings schon eine Überraschung). Gespannt bin ich auf die Toronto-Siegerin Iga Swiatek, die in Kanada endlich wieder zu alter Form gefunden hat.
Wem gelingt die Cup-Sensation?
Die 1. Runde des DFB-Pokals ab Freitag garantiert Überraschungen. Nur welchen der 18 Erstligisten es erwischt, das ist halt die Frage. Gefährdet scheint mir vor allem der VfB Stuttgart bei Hansa Rostock (Freitag, 20:30), auch weil die Drittligisten (wie die Zweitligisten) schon 2 Spieltage absolviert haben, während die Bundesligisten den Saison-Auftakt absolvieren, echte Wettkampf-Praxis also fehlt. Weitere besonders heikle Aufgaben stehen demnach dem FC Augsburg (Samstag beim Zweitligisten FC Energie Cottbus), Bayer Leverkusen (Samstag be Wehen Wiesbaden, das im vergangenm jahr die Bayern am Rade einer Niederlage hatte) und die Elversberg (beim Regionalligisten MSV Duisburg).
Meine Löwen empfangen am Samstag (18 Uhr) im Grünwalder Stadion Holstein Kiel, eine Überraschung ist erwünscht.
Die Auftaktpartien von Bayern München und Borussia Dortmund finden zu einem späeren Zeitpunkt statt: Der Meister und Vizemeister bestreiten am Samstag den Supercup (20:30 im Westfalenstadion)
Und sonst?
- Fußball: Die Premier league beginnt am Samstag. Klarer Favorit ist Titelverteidiger FC Arsenal. Die Londoner scheinennnoch stärker und gefestigter als in der vergangenen Saison. Das 3:0 im Community Shield (englischer Supercup) am Samstag beeindruckte Fans und Experten. Näheres zur PL am Ende der Woche in einer gesonderten Vorschau.
- Champions League: Hinspiele der 4. und letzten Qualifikationsrunde am Dienstag und Mittwoch. Wer diese übersteht, hat die Geldtöpfe sinder erreicht, die Verlierer sind zum Trost in der Europa League. Von den insgesamt 7 Partien sticht für mich die Partie zwichen Celtic Glasow und dem LASK ins Auge (Mittwoch im Celtic Park), also der schottische gegen den österreichischen Meister. Ein echtes Duell der Außenseiter werden die beiden Partien zwischen Beer Sheva (Israel) und Sabah (Aserbaidschan) sein.
- Leichtathletik: Nach der EM ist vor der Diamond League. Ein erlesenes Feld wartet am Donnerstag in Lausanne auf, wenn Europameister auf die besten Athleten aus aller Welt treffen, respektive sich in einer Revanche mit knapp geschlagenen platzierten messen. Besdondere Aufmerksamkeit genießt natürlich die Schweizer 800-Meter-Meisterin Audrey Werro, auch wenn die Britin Odgkinsonoffenbar nicht am Start ist. Die Bahn in Lausanne ist ziemlich schnell, das Wetter muss halt mitspielen.
- Golf: Schon die 2. Runde der Fedex-Ausscheidung in den USA. Startberechtigt bei den BMW Championships in St. Louis ab Donnerstag sind nur noch 70 Profis, nur 50 erreichen die nächste Runde.
- Radsport: Die Vuelta beginnt am Samstag, nämlich mit einem 8-Kilometer-Zeitfahren in Monaco. Ziel wird nach 21 Etappen Granada im Süden des Landes sein, im zweifel nahe der Alhambra. Die Spanien-Rundfahrt ist die dritte der drei großen, dreiwöchigen Rundfahrten, hat aber längst nicht die gleiche Bedeutung wie die Tour de France und auch nicht die des Giro. Das könnte sich dieses jahr ändern, weil Tadej pogacar am Start sein wird. Denn der Vuelta-Sieg fehlt noch in de überreichen Sammlung des Slowenen. Alles andere als ein überlegener Erfolg wäre eine faustdicke Überraschung, einer der Konkurrenten wird der österreichische Giro-zweite Felix Gall sein, der für die Frankreich-Rundfahrt aussetzte (aussetzen mussteI.
Typisch sind die sehr schwierigen Bergetappen mit extrem steilen Anstiegen, die Landschaft in Spanien kommt allerdings längst nicht so spektakulär und abwechlungsreich daher wie die in Frankreich.
von Münchner Löwe | Aug. 10, 2026 | Allgemein
Europameisterschaften de olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Becken-Schwimmen, dazu die Entscheidung bei den Tennis-Masters in Kanada (Toronto respektive Montreal). Und die neue Fußball-Saison nimmt ganz langsam Fahrt auf, national und international.
Europameisterschaften – oft ein Muster ohne Wert?!
Mein Verhältnis zu EMs im Schwimmen und in der Leichtathletik ist zwiespältig. Einerseits sind das durchaus spannende Wettbewerbe, andrerseits oft ein Muster ohne Wert, weil die Allebesten eben nicht dabei sind. Besonders auffällig im Sprint, wo die schnellsten der Welt seit eher (oder sehr langer Zeit) aus der Karibik und den USA kommen. In der Langstrecke sind dagegen die Afrikaner das Maß aller Dinge.
Und doch versprechen die Titelkämpfe in Birmingham (Leichtathletik) und Paris (Schwimmen) viel Spannung und auch tolle Leistungen.
Deutschlands Läufer wollen Medaillen
Das hatten wir schon lange nicht mehr, dass der DLV sehr aussichtsreiche Athleten in die Laufwettbewerbe schicken kann. Doch seit ein paar Jahren trumpfen gerade Männer in Disziplinen auf, die vorher geradezu Brachland waren. Ewig alte Rekorde wurden gebrochen, so zum Beispiel der von Harald Schmid über 400 Meter Hürden aus dem Jahr 1987 (!) , ehe ihn Emil Ageykum ablöste. Dieser gilt jetzt als Top-Kandidat für eine Medaille (neben seinem Landsmann Ole Fischer-Breiholz), für Gold dürfte es allerdings nicht langen hinter dem zumindest in Europa unantastbar scheinenden Weltrekordler Karsten Warholm aus Norwegen. Ähnlich verhält es sich über 1500 Meter, wo Robert Farken ganz vorne in der europäischen Elite mitmischt. Diese Lauf-Entscheidung könnte ein echter Höhepunkt der gesamten Veranstaltung werden, zumal hier die Briten mit dem frischgebackenen Meilen-Weltrekordler Josh Kerr einen Titelfavoriten stellen.
Ich will jetzt aber den Teufel tun, hier Wettbewerb für Wettbewerb durchzugehen. Insgesamt stehen 7 Tage (bis Sonntag) auf dem Programm, ARD und ZDF berichten episch sowohl im linearen Fernsehen als auch im Stream, wer sich allzu viel Deutschtümelei ersparen will (die erste Morgen-Session lässt diesbezüglich Böses erahnen), kann auf die App von Eurovisionsports zurückgreifen oder sich via VPN sich das Land der Wahl aussuchen.
Meine persönlichen Höhepunkte sind:
– Stabhochsprung de Männer wegen Armand Duplantis, eh klar. (So., 20:30)
– 800 Meter der Frauen: faszinierender Dreikampf zwischen Werro/Schweiz, Hodginson/GB und Bol/NL, die sich auf ihrer neuen Strecke schnell eingefunden hat (Fr., 22:45).
Natürlich auch die 100-Meter-Sprints der Frauen (Montag) und Männer. Neu im Programm ist die Sprint-Mixed-Staffel.
Becken-Schwimmen – und die Russen sind voll dabei
Noch eklatanter ist der Leistungs-Abfall der Europäer im Schwimmen, wo die (US-)Amerikaner, Australier und auch Asiaten zum Teil weit voraus sind. Ausnahme-Athleten wie der Franzose Leon Marchand sind wirklich nur die Ausnahme der Regel. Umso größer der Schock der französischen Gastgeber, dass ihr Gold-Aspirant wegen einer nicht ganz ausgeheilten Adduktoren-Verletzung seinen Start für die beiden Lagenstrecken (200 und 400 Meter) abgesagt hat, wo er den Titel nur hätte abholen müssen (und über 400 Meter auf Weltrekordjagd gehen wollte). Immerhin bleibt seine Nennung für die 400 Meter Freistil und 200 Meter Schmetterling bestehen, und auch einige Staffelstarts dürften eingeplant sein.
Deutschlands Starschwimmer Lukas Märtens will nach seinem Olympiasieg über 400 Meter, dem WM-Titel und dem Weltrekord auch den europäischen Titel. Er ist klarer Favorit. Ansonsten gibt es ein zahlenmäßig riesiges Aufgebot, die eine oder andere Medaille wird mit Sicherheit herausspringen (Langstreckler Johannes Liebmann, Brustspezialistin Anna Elendt, die Staffeln).
Die Wettbewerbe in Paris erstrecken sich ebenfalls bis Sonntag.
Sehr großes Manko: Die Schwimmer haben die russischen AthletInnen trotz des entsetzlichen Angriffsskrieges gegen die Ukraine wieder mit Glanz und Gloria (und offenbar auch wieder Hymnen) in ihrer Mitte aufgenommen. Sogar die Staffeln dürfen starten, bisher waren Mannschaftswettbewerbe für Russen ein absolutes Nogo und von allen Verbänden strikt abgelehnt. Die Schrecken des Krieges sind offenbar Normalität geworden, regelrecht abgestumpft heißen die Sportverbände Russland wieder willkommen. Ich bin regelrecht angewidert von dieser erbärmlichen Demut, die Gefühlslage der ukrainischen Sportler vermag ich mir gar nicht auszudenken. Die löbliche Ausnahme: die Leichtathletik, danke dafür!
Der Kicker – eine einzige Schande
Großereignisse in den olympischen Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik waren mal eine Domäne des Sportmagazins. Vorbei, vergessen, der Kicker ist zur reinen Fußballzeitschrift mutiert, und das, obwohl die 1. Liga noch gar nicht begonnen hat. In der Montag-Ausgabe steht zu Schwimmen und Leichtathletik: nicht eine einzige Zeile (immerhin eine Doppelseite handball …); früher gabs den komplette Zeitplan plus Medaillentipps des großartigen Leichtathletik-Experten Gustav Schwenk (nicht immer zutreffend, aber ein klarer Anhaltspunkt für den Gelegenheitsgucker). Und jetzt? Nichts, nada, niente! Was für eine Ignoranz, was für eine erbärmliche Schande! Die komplette Kapitilation vor der Vielfalt des Sport, sehr, sehr traurig!
Tennis-Entscheidung in Toronto und Montreal
Wie immer teilen sich die Frauen für die Masters-Turniere in Kanada auf. Diesmal schlagen die Männer in Montreal auf und die Frauen in Toronto. Die Besonderheit: Beide Endspiele finden in der Woche statt, nämlich jeweils am Freitag (Ortszeit). Grund. Schon in dieser Woche beginnt das Masters in Cincinnatti, ebenfalls auf Hartplatz.
Bei den Männern ist der Titelverteidiger noch im Rennen. Ben Shelton steht nach dem Sieg gegen Fonseca im Viertelfinale. Nach dem Ausscheiden un ter anderem von Alexander Zverev sowie der Nichtteilnahme von Jannik Sinner und Carlos Alcáraz ist er jetzt der bestklassierte Mann im Feld. Obs zum erneuten Sieg reicht, bleibt allerdings abzuwarten. Einen glänzenden Eindruck hat vor allem der junge Spanier Jodar hinterlassen.
Auch bei den Frauen ist die Nummer 1, Aryna Sabalenka, schon draußen. Jede der verbliebenen acht Spielerinnen hat Titelchancen, so verrückt ist dieses Tennis-Jahr. Wenn ich tippen müsste: die Amerikanerin Coco Gauff hat in kanada schon öfter sehr gut gespielt.
Und sonst?
- Fußball: Super-Cup-Finale in Salzburg. Parallel zu den Mozart-Festspielen treffen im ednlich mal wieder ausverkauften EM-Stadion (30.000 Zuschauer) Champions-League-Sieger Paris St. Germain und Europa-League-Champions Aston Villa aufeinander. Die Ligen haben weder in Frankreich noch in England begonnen, und viele Spieler sind auch noch im WM-Urlaub. Eine nette Spielerei um Europas Krone, nicht mehr, nicht weniger.
Ernst wird es dagegen für deinige Clubs in der Champions-League-Qualifikation, wo am Dienstag die Rückspiele der 3. Runde anstehen. So muss Sturm Graz gegen Fenerbahce Istanbul einen 0:2-Rückstand aufholen (20:30). Sollte das gelingen, wartet auf die steirer noch eine 4. Runde, ehe die Geldtöpfe sicher sind. Ansonsten gibt es als Trostpreis die Europa League.
- Rhythmische Sportgymnastik: Ab Mittwoch die WM in Frankfurt/Main, und mittendrin Darja Varfolommev. Ob die Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin in den Einzel-Geräten wieder den Durchmarsch schafft, bleibt abzuwarten. Denn auch bei den Gymnastinnen sind die Russinnen wieder startberechtigt, und die waren vor ihrem kriegsbedingten Ausschluss in dieser Sportart das maß aller Dinge. Ist halt die große Frage, ob die KampfrichterInnen gleich eine russische Titelflut zulassen.
- Pferdesport: Und noch eine WM, nämlich die der Reiter. In Aachen, so etwas wie de heilige Gral, zumindest der Spring- und Dressurreiter. Von morgen an bis Sonntag in einer Woche werden WM-Titel in insgesamt 6 Disziplinen vergeben. Die DeutschInnen sind überall zumindst MitfavoritInnen, auch wenn Dressur-Olympiasiegerin Jessica Bredow-Werndl fehlt, weil sie ohne Spitzenpferd dasteht, nachdem sie den überragenden Dalera in den Ruhestand geschickt hat.
- Tennis: Nach Kanada ist von Cincinnati. Doch die Männer-Konkurrenz leidet an verletzungsbedingten Absagen. So zog Carlos Alcáraz seine Nennung wieder zurück, die Handverletzung scheint immer noch nicht ausgeheilt. Ebenfalls nicht dabei ist der Weltranglisten-Erste Jannik Sinner, den der Oberschnekel zwickt. für beide Top-Spieler wirds jetzt für die US Open (ab 30. August) durchaus eng. Lokal-Matador Taylor Fritz fehlt ebenso.
Top-gesetzt ist somit French-Open-Sieger Alexander Zverev, gefolgt vom kanadier Felix auger-alliasime. zuletzt in Montreal zeigte sich der hamburger allerdings ziemlich müde.
Bei den Frauen ist dagegen alles dabei, was Rang und Namen hat. Vorhersagen sind dort allerdings fast unmöglich, in den Top Ten (oder auch Top 20) kann jede gegen jede gewinnen, aber auch verlieren. Zu schade, dass deutsche Spielerinnen schon länger mit der Spitze nichts mehr zu tun haben. Mit einem Auge schaue ich auf Top-Talent (und mehr) Österreichs Lilli Tagger, die sich allerdingfs in der Qualifikation beweisen muss.
von Münchner Löwe | Juli 26, 2026 | Allgemein
Jetzt ist es also offiziell. Jürgen Klopp wird die Fußball-Nationalmannschaft betreuen. Ein äußerst zuversichtlicher Mann stellte sich am Freitag im Frankfurter DFB-Campus vor; voller Tatendrang und wie es scheint auch voller Kraft und Energie. Die vergangenen anderthalb Jahre als Head of global Soccer bei Red Bull und dazu als Magenta-WM-Experte scheinen nicht allzu zehrend gewesen sein. Apropos Rote Bullen, wo er noch unter Vertrag stand. Das Thema scheint elegant gelöst zu sein: 1 Million Euro überweist der DFB an die Stiftung Wings for Live, die sich für gelähmte Menschen einsetzt (bekannt durch einen jährlich stattfindenden Wettbewerb an mehreren Orten gleichzeitig), außerdem soll es bis 2030 drei Länderspiele in der Red-Bull-Stadt Leipzig geben.
Klopp verbreitete Aufbruchstimmung. Was er will? Das ganze Land wieder begeistern für Fußball, wenn möglich sogar ändern. In drei Städten, Mainz, Dortmund und Liverpool sei ihm das gelungen. An mangelnder Unterstützung soll es nicht fehlen. Kloppo durfte sein Wunschteam an Assistenz zusammenstellen. Nicht nur seine langjährigen Co-Trainer Peter Krawietz und Pepijn Lijnders verstärken das Team, sondern auch Sven Bender, einst beim BVB einer seiner Lieblingsspieler. Als großer Stratege dient zudem sein Intimus Marc Kosicke, dem er seit Jahrzehnten in allen relevanten Dingen auch jenseits des Fußballs vertraut. Der DFB nickte alle Personalien und Vorstellungen ab, Alternaltiven zu Klopp hat er er auch nicht zur Hand.
Eines darf man gewiss sein: Jürgen Klopp wird sich reinknien. Auch wenn sein Job offiziell erst am 15. August beginnt, er wird jetzt schonh mit der Sichtung von Profis beginnen. 55 Spieler habe er erst mal unter Beobachtung, berichtete er. Und im Gegensatz zum eher reisefaulen Vorgänger Julian Nagelsmann werde er sehr viel unterwegs sein: nicht nur in den Bundesligastadien, sondern überall auf der Welt, „wo unsere Jungs unterwegs sind“. Eines habe er sich auf jeden Fall vorgenommen. Die Leute sollen Spaß an den Spielen haben und zufrieden nach Hause gehen.
Klopps merkwürdige Wutrede
Alles paletti also? Jürgen Klopp wäre nicht Jürgen Klopp, würde er nicht anecken! Das Fett bekamen die anwesenden Medien ab (und zwar bevor die überhaupt tätig wurden). „Wenn ihr mich euch danebenbenehmt, bin ich weg!“ Nein, eine Stimme reiche nicht. „Aber auch wenn der DFB findet, dass es scheiße ist, bin ich weg.“ Ohne Abfindung, wie er betonte (erstaunlich genug).
Diese maßlose Kritik und vor allem dieser raue Ton, der ohne Not gesetzt wurde, erzürnen mich; vor allem, weil sie vermeintlich völlig ansatzlos und unbegründet quasi aus dem Nichts kam. Wohl kein Bundestrainer seit Franz Beckenbauer 1984 hat dermaßen fast unbegrenzten Vorschusslorbeer erfahren. Vor allem ist er der Held der Boulevard-Presse, die schon seit Dortmunder Zeiten von einem Bundestrainer Klopp träumen. Offenbar hat er aber mitbekommen, wie mit seinem Vorgänger Julian Nagelsmann umgesprungen wurde. Einer seiner schärfsten Kritiker war: Jürgen Klopp. der bei Magenta sehr schnell sehr große Lust verbreitete, wie sehr ihn (Kloppo) dieser Job reizen würde. Kurz gesagt: Klopp hat vor einem wie Jürgen Klopp Angst.
Die Philippika rührt auch von einem seltsamen Verständnis des Journalisten-Berufs. Auch wenn man es oft nicht glauben will, es gilt bei vielen immer noch der Leitsatz von Hanns-Joachim Friedrichs, der Journalisten und Reporter davor warnt, sich mit einer Sache gemein zu machen, auch mit einer guten.
Völlig in Ordnung finde ich es allerdings, dass sich Klopp Einmischungen oder besonders tiefes Graben in sein Privatleben, zumal er selbst dieses praktisch völlig unter Verschluss bleibt.
Trotzdem Aufbruchstimmung
Trotz dieses leichten Misstons (den ich jetzt auch nicht überbewerten will): die positive Grundstimmung überwiegt, zumal an der Kloppschen Fußball-Expertise kaum seriöse Zweifel bestehen. Vor allem die Hoffnung, dass Klopp und die Seinen auch den arg verbrämten DFB durchschütteln, was vielleicht sogar zu einer Demission des komplett überforderten Verbands-Chef Bernd Neuendorf führt. Ich darf ja wohl noch träumen!
Wie schnell dann der Erfolg eintritt (wie auch immer der zu definieren ist), muss man sehen. Wunderdinge kann Klopp nicht bewirken, zumal er sich die Spieler nicht backen (oder auch nur einkaufen kann). Schon gar nicht bei seiner Länderspiel-Premiere am 25. September in Amsterdam gegen Holland.
von Münchner Löwe | Juli 21, 2026 | Allgemein, Fußball, Radsport, Rugby, Tennis
Die letzte Tour-Woche, deutsche Finals in Hannover und tatsächlich schon wieder Fußball-Champions-League, wenn gleich „nur“ Qualifikation.
Pogacar ohne Gegner – oder?
Die Tour de France ist in der letzten Woche vor dem Ziel am Sonntag in Paris. Doch schon heute ist ein klarer Anwärter aufs Podest wegen eines Sturzes ausgeschieden. Bei einer sehr tückischen Abfahrt im Zeitfahren rutschte Florian Lipowitz in einer engen Kurve mit dem Hinterrad weg, er schlitterte mit der Schulter gegen eine nicht abgesicherte Bordsteinkante und konnte nicht weiterfahren. Stattdessen wurde er mit dem Krankenwagen abtransportiert.
Für mich ein absolutes Unding: zum einen so eine gefährliche Abfahrt in das Einzel-Zeitfahren einzubauen und diese zum anderen nicht im Geringsten zu schützen. Ein Sturz war fast naheliegend und offenbar von den sensationslüsternen Organisatoren fast schon eingepreist. Auch der klar Führende Tadej Pogacar hatte an dieser Stelle seine Mühe, obwohl der Slowene nicht das Letzte riskiert haben dürfte.
Pogacar dürfte nach Rang 2 hinter Remco Evenepoel, aber nur 28 Sekunden Zeitverlust auf den absoluten Spezialisten im Kampf gegen die Uhr, der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen sein bei 4:32 Minuten Vorsprung auf den Belgier. Auch wenn die anstehenden Alpenetappen unter anderem mit zweimal Alpe d’Huez kein Zuckerschlecken werden. Evenepoel hat beste Chancen auf Rang 2, es wäre seine mit Abstand beste Tour-Platzierung in Paris. Allerdings fehlt ihm mit Lipowitz ein sehr wichtiger Helfer in den Bergen, der Rest des Red-Bull-Hansgrohe-Team ist dort kein Faktor. Mal schauen, ob er über die ganz hohen Berge auch gut rüberkommt, das war in den vergangene jahren sien Problem.
Sehr spannend wird der Kampf um Platz 3 (nach dem Ausfall von Lipowitz und zuvor Jonas Vingegaard). Der Mexikaner Isaac del Toro und der Franzose Paul Seixas kämpfen nicht nur um den Podestplatz, sondern auch ums Weiße Trikot es besten Nachwuchsfahrers (bei der Tour sind das alle Profis unter 25 jahren).
Deutsche Titel im Hunderterpack
Ab Donnerstag ist es wieder soweit. In gleich 23 Sportarten kämpfen Athletinnen und Athleten um deutsche Meistertitel. Neben Traditions-Sportarten wie Schwimmen, Bogensport und Turnen, die schon öfter in den sogenannten deutschen Finals dabei waren, kämpfen erstmals auch solche aus Jiu Jitsu und Rapid Surfen, aber auch Beachvolleyball und Wasserball um Meisterehren. Die Wettbewerbe sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt, für diejenigen, die sich nicht extra nach Hannover aufmachen (ich gehe mal davon aus, dass keiner meiner Leser dort wohnt …), bietet die ARD zahlreiche Live-Streams an.
Mein persönlicher Liebling: die 3×3-Basketballer und das Rugby-7-Turnier (jeweils Frauen und Männer), auch wenn hier die Nationalspieler wegen der nahen Europameisterschaft unabkömmlich sein werden.
Extrawurscht der Leichtathleten – aus Gründen!
Auch diese kämpfen dieses Wochenende um Titel und Platzierungen. Allerdings nicht in Hannover, sondern in Bochum-Wattenscheid, im altehrwürdigen Stadion an der Lohrheide, wo in den 80er-Jahren auch die Bundesliga-Kicker von Wattenscheid 09 spielten (heute Regionalliga).
Der Grund für den Sonderweg ist profan: Nach dem Umbau des Niedersachsenstadions in eine reine Fußball-Arena (für die WM 2006!) gibt es dort keine wettkampftaugliches Leichtathletik-Stadion. Der Zuschauer daheim wird nix merken, auch hier ist das Fernsehen live dabei, wahrscheinlich sogar besonders ausführlich, wie es sich für die olympische Kernsportart gehört.
Sturms erster Schritt zur Königsklasse
Sturm Graz gegen Hearts of Midliothian – so lautet aus meiner austriaphiler Sicht der Schlager der 2. Qualifikationsrunde (Di., 20:30, ORF1). Beide Teams wurden in der nationalen Meisterschaft Zweiter, die Hearts verpassten herzzerreißend in fast letzter Minute mit einer Niederlage beim direkten Konkurrenten Celtic Glasgow den Titel. Sowohl Österreicher als auch Schotten waren ja bei der WM dabei, beide Teams schieden früh aus. Inwieweit Spieler fehlen, vemag ich nicht zu sagen, noch weniger weiß ich über die Form: Aber gerade die Hearts haben im Sommer einen erheblichen Aderlass erlitten, die besten Profis haben sich davongemacht.
Ansonsten sticht noch die Partie FC Thun gegen Dinamo Zagreb heraus (Di., 20 Uhr/SRF), immerhin der Schweizer Meister (ohne Meistercoach Lustrinelli, der in Richtung 1. FC Union nach Berlin entschwand) gegen den Titelträger Kroatiens.
Insgesamt sind vier Qualifikationsrunden zu überstehen, bevor die Geldtöpfe der Königsklasse anvisiert werden können. In der 3. Runde greift dann auch der österreichische Titelträger LASK ein.
Und sonst?
- Formel 1: Letzter Lauf vor der einmonatigen Sommerpause in Budapest (Sonntag, 15 Uhr). WM-Leader Kimi Antonelli im Mercedes muss sich de stärker werdenden Konkurrenz der Ferraris und von max Verstappen (Red Bull) erwehren.
- Tennis: Traditionelle Sandplatzturniere der Männer in Kitzbühel (unter anderem mit Bublik, Vacherot, Struff und Altmaier) und Estoril (Rublew, Darderi, Wawrinka). Die Frauen messen sich in Hamburg (Olyinikova, Kalinina, Korpatsch) und Prag (Bouskova, Krejikova, Tagger).
Das Gros der Spielerinnen und Spieler hat sich bereits nach Nordamerika aufgemacht, wo ab nächste Woche die Sommer-Hartplatz-Saison mit dem Höhepunkt US Open (ab 31. August) ansteht.
von Münchner Löwe | Juli 20, 2026 | Allgemein
Der Albtraum nahm bei mir kurz vor der Geisterstunde Gestalt an, spätestens in der Verlängerung. Diese widerwärtige Argentinien-Truppe würde sich ins Elfmeterschießen mogeln, wo sie dann triumphieren und Weltmeister werden würde. Widerwärtig deshalb, weil die Südamerikaner nur foulten und bissen und kratzten und traten und nachtraten und provozierten und protestierten und reklamierten. Ekelerregend. Das hatte mit Fußball nix zu tun, sondern glich eher einer Straßenschlacht in Buenos Aires oder Rosario. Dass ein Dauer-Fouler und -Aufwiegler wie Leandro Paredes zum Zeitpunkt des Schlusspfiffs noch auf dem Spielfeld stand: unglaublich angesichts seiner serienweise Sauereien! Vielleicht ist er ja eine sehr netter Mensch, als Fußballer widert er mich an.
Und dann die Erlösung. Gegen 10 Argentinier, weil Enzo Fernandez nach einem üblen Tritt tatsächlich vom Platz flog (und die Stirn hatte, lautstark zu jammern und protestieren). Endlich das Tor des eingewechselten Ferran Torres, dessen satter Schuss nach Kopfball-Ablage aus kurzer Entfernung endlich an Schlussmann Emiliano Martinez vorbeiplatziert war. Martinez, meine Albtraum-Nemesis, mein potenzieller Elfmeter-Töter im Elferschießen wie im Finale 2022 gegen Frankreich (nach einem zuvor allerdings begeisternden WM-Endspiel). Es war der 20. Schuss der Spanier, der zwölfte aufs Tor (zuvor gefühlt alle direkt auf Martinez). Die Argentinier hatten bis dato an „Offensive“ zu verzeichnen: nicht ein Schuss, nicht mal ein Abschluss. Expected Goals: 0,00 Prozent! Also nix, nada, niente. Furchterregend. Wären Argentinier Künstler gewesen, das Publikum hätte die Elf gnadenlos von der Bühne gebuht!
Und dann? Nach dem Rückstand? Plötzlich spielte Argentinien Fußball, begeisternden und auch gefährlichen Angriffsfußball. Angeleitet vom endlich erblühenden Lionel Messi, dem bis dahin unsichtbaren Spaziergänger. Argentinien drängte die stolzen und so ballsicheren Spanier nach hinten, attackierte, kombinierte, dominierte, spielte Chancen heraus (Simeone MUSS treffen). Der Ausgleich lag in der Luft, jeder Spanier hing in den Seilen – bis zur Erlösung, als Schiedsrichter Vincic die Partie endlich mit fünf Minuten Nachspielzeit abpfiff.
Danach ging die Treterei und Rangelei munter weiter, mittendrin mein besonderer Freund Paredes, der nach einer Würgattacke gegen Gavi endlich das verdiente Rot sah. Auch Trainer Lionel Scaloni war kein guter Verlierer. Der nur seine angeblich so heroischen Spieler heraushob und es nicht fertigbrachte, den Spaniern zum Triumph zu gratulieren (das zusammengebissene „bessere Mannschaft“ kann beim besten Willen als ernsthafte Ehrerbietung gewertet werden.
Dass der Sieg der Spanier verdient war, wird wohl niemand bestreiten; auch nicht Menschen, denen Argentinien und deren Einwohner sympathisch sind und ihnen den Triumph von Herzen gegönnt hätten. Spanien hat sich über das gesamte Turnier als die beste mannschaft erwiesen. Die Iberer gerieten allenfalls im Viertelfinale gegen Belgien in Verlegenheit nach dem Ausgleich, dem einzigen Gegentreffer im gesamten Turnier. Das Team verfügt vielleicht nicht über den absolut überragenden Offensivmann, zumal der junge Außenstürmer Lamine Yamal wie Nico Williams weit hinter seiner Top-Form zurückblieb. Dafür stellt es herausragende Defensivkräfte. Den sensationellen Innenverteidiger Pau Cubarsi, erst 19 Jahre alt und bester Jungprofi der WM, dem ich eine große Zukunft prophezeie; den unermüdlichen Marc Cucurella, weltbester auf der linken Außenbahn; und schließlich Rodri, der unnachahmliche Balleroberer und -Verteiler im defensiven Mittelfeld, der völlig zu Recht zum besten Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde. Wie ich schon vor der Partie schrieb: Es gibt keine Schwachstelle, und vor allem spielen die 11 Jungs auf dem Feld blendend zusammen.
Katastrophaler Rasen
Die Umstände rund um die Partie waren eines WM-Finals unwürdig. Da war zum einen der Rasen: zu holprig zu stumpf, zu trocken; der Ball rollte nicht richtig, ein furchtbarer Acker. Normalerweise spielen die NFL-Footballer der New York Jets und New York Giants im MetLife Stadium, und auch hier ist die Spielfläche berüchtigt und für die eine oder andere schwere Verletzung verantwortlich. Man hat so vieles bei dieser WM bewerkstelligt, aber einen gut bespielbaren Rasen fürs wichtigste Spiel in einem Vierjahres-Turnus, das konnte und wollte man offensichtlich nicht schaffen.
Es drängte sich ohnehin das Gefühl auf, dass dieses (End)Spiel eigentlich nur störte. Vor der Partie ein ewig langer Music Act, meist nur per Playback vorgetragen (hier zitiere ich nur Berichte, angeschaut habe ich mir das Elend nicht). Dann die erbärmliche Halbzeit-Show. Man wollte so was Ähnliches wie beim Super Bowl präsentieren, aber es war nur ein katastrophaler Abklatsch. Statt einem oder bestenfalls zwei Künstlern zu geben (wie beim Super Bowl üblich), waren es gleich 7 Acts, zusammengestellt ohne Sinn und Verstand. Und deshalb wurde die seit mehr als 100 Jahren festgeschriebene Pausenzeit von 15 Minuten handstreichartig fast verdoppelt? Das passt zum fußball-hassenden Gianni Infantino, der das Ganze veranlasst hat.
von Münchner Löwe | Juli 16, 2026 | Allgemein
Zwei bemerkenswerte Halbfinali haben wir gesehen; mit überraschenden, allerdings nicht sensationellen Siegern. Heraus kommt ein WM-Endspiel zwischen Argentinien und Spanien, das es in dieser Konstellation seit 60 Jahren nicht mehr in einem Pflichtspiel gegeben hat.
Frankreich – Spanien 0:2
„Wenn Spanien das Mittelfeld beherrscht, wir es schwer für Frankreichs Starstürmer“, habe ich in meiner Vorschau sinngemäß geschrieben. Genau das ist eingetreten, wobei ich nie und nimmer gedacht hätte, dass Mbappé und Co. dermaßen chancenlos und buchstäblich ohne Torchancen bleiben würde.
Wass für eine unglaublich tolle (Mannschafts)Leistung der Spanier. Elf perfekt eingestellte und top ausgebildete Spieler machten den Franzosen die Partie zur Qual, die Unterlegenheit war trotz nahezu gleichwertigen Ballbesitz teilweise grotesk. Wo auch immer ein Franzose den Ball erhielt, zwei oder gar drei Iberer warteten schon, um ihm das Spielgerät wieder abzunehmen.
Spätestens nach der Führung durch den glasklar berechtigten Elfmeter war klar, dass das für die Equipe tricolore an diesem Nachmittag in der überdachten Dallas-Arena ein fast aussichtsloses Unterfangen werden würde. Phänomenal der zweite Treffer durch Pedro Porro nach perfektem Doppelpass.
Die Besten der Sieger
Marc Cucurella und Dani Olmo: Es ist immer schwer, bei einer tollen Teamleistung einzelne Spieler herauszuheben. Aber gerade was Marc Cucurella auf der linken Abwehrseite veranstaltet (schon das gesamte Turnier), sucht im Weltfußball seinesgleichen. Defensiv mit (fairer) Zweikampfstärke ohnehin, aber auch offensiv schaltete er sich immer wieder ein, auch wenn ihm da nicht alles gelang.
Der deutsche Fußball-Fan hasst ja Cucurella nach dessem vermeintlichen, aber nicht geahndeten Handspiel im Stuttgarter EM-Viertelfinale. Die groteske Abneigung hat sich noch immer nicht gelegt (siehe die abwertenden Kommentare in entsprechenden Portalen). So ist es mir geradezu ein Bedürfnis, diesen grandiosen Kicker zu würdigen.
Dani Olmo wiederum ist der unumstrittene Chef der Offensive. Mit so vielen tollen und erstaunlichen Ideen (die brillante Vorarbeit zum 2:0). Umso wichtiger, weil die ansonsten überragenden Außenstürmer Yamal und Nico Williams nicht in absoluter Top-Form sind (wobei ein Yamal sich toll gesteigert hat und großartige Aktionen hatte).
Und dann natürlich Rodri: der beste Balleroberer im defensiven Mittelfeld. Will also sagen: Auch Spanien hat nicht nur ein überragendes Kollektiv, sondern alles überragende Einzelkönner.
Die französischen Starspieler
Kylian Mbappé stemmte sich wenigstens gegen die Niederlage, blieb aber mit seinen Aktionen glücklos. Regelrecht erschüttert war ich über die schwache Leistung von Michael Olise und auch Ousmane Dembélé. Olise habe ich während deer gesamten Spielzeit beim FC Bayern nicht einmal so schwach gesehen: ohne Esprit, ohne Kraft, ohne Willen. Gerade der Kräfteverschleiß deutete sich schon in den vergangenen K.o.Spielen an.
England – Argentinien 1:2
Die erste Halbzeit war nicht anzusehen und hatte mit Fußball wenig zu tun. Sehr viele Fouls, Nickligkeiten über Nickligkeiten, meist initiiert (aber beileibe nicht ausschließlich) von den Südamerikanern, die genau eines im Sinn hatten: Es möge nicht Fußball gespielt werden. Der amerikanische Schiri ließ das zu, verzichtete lange auf Gelbe Karten, die dem Treiben (vielleicht!) ein Ende bereitet hätten.
Mehr als entschädigt wurden die Fußballfans von der mitreißenden 2. Halbzeit. Ausgerechnet der Führungstreffer der Engländer durch Gordon (55.) nach einem brillantem Konter änderte alles. Plötzlich besannen sich die Argentinier aufs Fußballspielen. Trainer Lionel Scaloni wechselte echte Könner wie Rodrigo De Paul, Nico Gonzalez und Lautaro Martinez ein und holte die schlimmsten Treter und Provokateure Simeone und Paredes vom Platz. Der Weltmeister entwickelte enormen Druck, auch weil die Engländer sich komplett aufs Verteidigen der knappen Führung beschränkten und sich viel zu weit zurückdrängen ließen. Entlastungsangriffe blieben nahezu aus, auch weil Trainer Thomas Tuchel nur noch kopfballstarke Innenverteidiger einwechselte, die das Flankengewitter des Gegners unschädlich machen sollten. Offensivkräfte waren kaum noch auf dem Feld, Torschütze Gordon und Declan Rice mussten runter.
Ich habe getitelt „das Tor, das England lähmte“. In der Tat habe ich sehr wenige Fußballspiele gesehen, wo ein Treffer der eigenen Mannschaft so wenig gutgetan hat wie das von Gordon dem englischen Team. Sicher fehlte auch die Kraft, geschuldet unter anderem der extrem zehrenden Partie vor einer Woche in der Höhe von Mexiko-Stadt, als die Engländer 30 Minuten in Unterzahl agieren mussten. Aber das Sich-Einigeln und irgendwie den Vorsprung über die Zeit retten, das war der Tuchel-Fußball bei dieser WM.
Und gegen Argentinien konnte das einfach nicht gutgehen, weil das offensiv schlicht ein ganz anderes Kaliber darstellt als etwa das einfallslose Mexiko. Die scharfen und großartig getimten Flanken und namentlich von Messi brachten stets größte Gefahr. Zunächst rettete Schlussmann Jordan Pickford sensationell gegen Alexis MacAllisters Kopfball, Minuten später stand der Pfosten im Weg (wieder nach Kopfball McAllisters). Doch die Angriffe wurden immer gefährlicher, und in der 86. Minute war es dann soweit. Messi bediente Enzo Fernandez, und der Spezialist für Fernschüsse (schon das Siegstor in der Zwischenrunde gegen die Kap Verden) überwand Pickford aus 20 Metern. Ob der gar nicht sooo platzierte, aber technisch brillant abgefeuerte Schuss unhaltbar für den Torwart war, der recht spät reagierte? Schwer zu sagen, zumal gefühlt ein Dutzend Spieler vor der Nase herumwuselten und eventuell die Sicht nahmen.
Unbeschreiblicher Jubel auf den Rängen in Atlanta, fest in argentinischer Hand. Und als es weitergeht, wird schnell klar, dass die Südamerikaner gegen die waidwunden Engländer noch in der regulären Spielzeit die Entscheidung suchen würden. Mac Allister zieht ab – erneut Pfosten. Aber Messi erwischt den Abpraller, geht an der rechten Seite am hüftsteifen O’Reilly vorbei und seine Maßflanke verwandelt der erstaunlich freistehende (wo waren all die Innenverteidiger?) Lautaro Martinez zum 2:1 – die Entscheidung.
Erneut ist England gegen Argentinien geschlagen – nach den epischen Thrillern 1998 in Frankreich und 1986 im Azteka.
Wie zum Hohn müssen die Three Lions am Samstag zum Spiel im Platz 3 ran, gegen die ebeso zutiefst enttäuschten Franzosen. Tags darauf dann vor den Toren New Yorks das große Finale. Eine nähere Vorschau wird kommen.
Bester der Argentinier
Lionel Messi: Ja, langweilig. Aber in der 2. Halbzeit sahen wir den besten Messi in diesem Turnier, obwohl er selbst keine Treffer erzielt hatte. Da leistete er sich kaum Kunstpausen, seine unfassbare Ballfertigkeit und schlauen Ideen stürzten die Engländer von einer Verlegenheit in die nächste. Die großartigen Flanken und Zuspiele taten letztlich das Entscheidende (Vorarbeit zu beiden Treffern). Und sogar wenn er nicht am Ball war, strahlte er in „seiner“ Zone etwa 20, 25 Meter eine extreme potenzielle Gefahr aus und „fesselte“ Abwehrkräfte, die woanders fehlten.
Die Stars der Engländer
Jude Bellingham: eine einzige Enttäuschung. Kaum eine gelungene Aktion brachte der Real-Star zustande. Zwar ließ ihn Tuchel als einen der wenigen englischen Offensiv-Kräfte auf dem Feld, dort setzte er aber überhaupt keien Akzente.
Harry Kane: Ebenfalls ohne nennenswerte Offensiv-Aktion, vom schönen Pass aus de eigenen Hälfte vor dem Führungstreffer abgesehen. Im Offensiv-Feuerwerk der Argentinier stand er als Verteidiger seinen Mann mit starken Kopfball-Befreiuungen.
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