Minnesota feiert gleich doppelt

Blick über den Teich, NBA und NHL

 

Feiertag in der Doppelstadt Minneapolis und St. Paul (auch ohne Tag der Arbeit). Fast gleichzeitig schafften die Minnesota Timberwolves (in der NBA gegen die Denver Nuggets) und die Minnesota Wild (in der NHL gegen die Dallas Stars) den entscheidenden vierten Sieg in der 1. Play-off-Runde und das zwar überraschende, aber nicht sensationelle Weiterkommen. Ein Desaster historischen Ausmaßes erlebten die Atlanta Hawks gegen die New York Knicks.
Aus deutscher Sicht bemerkenswert und bedauerlich: Leon Draisaitl ist mit seinen Edmonton Oilers bereits in der 1. Runde an den Anaheim Mighty Ducks gescheitert.

 

Atlanta Hawks – NEW YORK KNICKS 89:140 (ENDSTAND: 2:4)

 

Ich habe mit vielem gerechnet, durchaus auch mit einem Auswärtserfolg der Knicks. Aber nichts hat mich auf diesen Kantersieg vorbereitet. Schon zur Pause stand es 83(!):36, so hoch hat in der Play-off-Geschichte ein Team zur Pause geführt. Dabei hatten die Hawks nach 3 Minuten noch in Führung (9:5) gelegen, und ich hatte tatsächlich gehofft … Nach diesen 3 Minuten brach alles auseinander, schon bis Ende des 1. Viertels waren alle Messen für die Knicks gesungen (40:15).
Die 2. Hälfte war dann nur noch Schadensbegrenzung respektive seitens der Knicks, die verbleibende Zeit im Hinblick auf die kommende Aufgabe(n) ohne größeren Aufwand und vor allem ohne Verletzung zu überstehen.

Nach zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand sind die Knicks in der Serie regelrecht über die Hawks hinweggerollt und gewannen die folgenden Partien mit 15, 29 und 51 Punkten Vorsprung . Da hat das Trainerteam um Mike Brown wohl die richtigen Stellschrauben gefunden, vor allem im der Verteidigung

 

Bester der Sieger

 

OJ Amunoby: Unfair und letztlich auch unsinnig, jemanden herauszuheben. Ich beziehe mich dabei allem auch allein auf die 1. Halbzeit, weil der 2. Durchgang letztlich außer Konkurrez lief. Dort schaffte der Forward 26 Punkte, traf 10 seiner 12 Versuche.

 

Stark in der Niederlage

 

Jalen Johnson:  Hatte gerade am Anfang gute Momente, aber er ging wie alle anderen regelrecht unter.

 

Zahlereien

 

61 Punkte: So hoch führten die Knicks zeitweise (101:40). Es war der höchste Vorsprung eines Teams in der Play-off-Geschichte.
Alle 15 Spieler der Knicks wurden eingesetzt, und alle trugen sich auch in die Punkteliste ein. Auch Ariel Hukporti, der deutsche Ersatz-Ersatz-Center mit 3 Zählern und 4 Revounds.

 

Ausblick der Sieger

 

Spätestens jetzt sind die Knicks im Play-off-Modus. Es warten die Boston Celtics oder Philadelphia 76ers, aber mit einer annähernd so starken Leistung muss der Weg da noch lange nicht zu Ende sein.

 

Und die Verlierer?

 

Natürlich schmerzt die Art und Weise, wie diese Serie nach Führung noch verlorengegangen ist. Aber insgesamt erscheint mir das Team auf einem guten Weg. Wenn der überwiegend junge Kern der Mannschaft zusammenbleibt, ist da noch einiges zu erwarten.

 

Philadelphia 76ers – Boston Celtics 106:93 (3:3)

 

2. Matchball abgewehrt. Mit einer überzeugenden Teamleistung und dank eines überragenden Tyrese Maxey haben die Sixers ein 7. Spiel erzwungen. Und auch wenn dieses im Bostoner TD Garden stattfindet (in de Nacht zu Sonntag), ich sehe durcaus Chancen für Philly.
Nach Führung im 1. Viertel (23:20) lief für die Celtics lange wenig bis nichts. Philly setzte sich schnell ab (zur Pause 58:49), baute die Führung weiter aus (82:63 nach dem 3. Viertel). Davon erholten disch die Celtics nicht mehr, nie kamen sie näher als auf 12 Zähler (89:101) heran.

 

Bester der Sieger

 

Tyrese Maxey: Das Herz und Hirn der Mannschaft. 30 Punkte legte er auf, raubte dem Gegner mit unnachahmlichen Dreiern. Fast jeder Angriff läuft über den Spielmacher, der mit seiner Schnelligkeit in jede Abwehr Lücken reißt.

 

Stark beim Verlierer

 

Jayom Tatum (17 Punkte, 11 Rebounds) und Jalen Brown (18) wehrten sich nach Kräften, aber auch die „Großen Zwei“ der Celtics haben schon bessere Tage erwischt.

 

X-Faktor

 

Paul George: Der einstige Top-Star der Liga ist mittlwerweile eine Wundertüte, ws die Form betrifft. Am Donnerstag hatte er einen ganz starken Abend mit 21 Punkten. 5 von 9 Dreierversuche trafen, das hilft.

 

Zahlereien

 

Nur 6 Punkte erzielten die Bankspieler der Sixers, verdammt wenig Unterstützung. Andre Drummond, Justin Edwards und Quentin Grimes trafen je einen Wurf aus dem Feld.

 

Ausblick

 

Spiel 7, da schlägt das Herz jeden Sportfans höher. Was vorher war, interessiert nicht, erst recht nicht die 2 Kantersiege (je +30 Punkte) der Celtics, mit den en sie die Sixers deklassierten. Die können offenbar auf einen gesunden Joel Embiid bauen (diesmal: 19 Punkte, 10 Rebounds, 8 Assists). Fü die Celtics spricht der Heimvorteil und die Klasse von Brown und Tatum

 

MINNESOTA TIMBERWOLVES – Denver Nuggets 110:98 (Endstand: 4:2)

 

Das relativ klare Ergebnis täuscht. Bis weit ins vierte Viertel war das ein sehr enges Spiel, das jederzeit auch in die andere Richtung hätte kippen können.
Von Beginn an eine Partie auf Augenhöhe. Ende des 2. Viertels erarbeiteten sich die Wolves eine 7-Punkte-Führung; der letztlich entscheidende Faustpfand, denn trotz aller Bemühungen gerade auch von Nikola Jokic konnten die Nuggets diese Führung nicht ein einziges Mal mehr entreißen. Die Wolves, ohne ihren Topstar Anthony Edwards und auch Spielmacher Ayo Dosunmo und Scharfschütze Donte DiVincenzo, hielten mit aller Leidenschaft dagegen.

 

Beste der Sieger

 

Jaden McDaniels: Bisher spielte er eher unauffällige Play-offs, jetzt sprang er in höchstrer Pwersonalnot in de Bresche und  wuchs über sich hinaus. 32 Punkte legte er auf, dazu 10 Rebounds und 3 Assists.
Rudy Gobert: Fels in der Brandung, und das gegen Nikola Jokic, den besten Basketballer der Welt, den er so gut wie möglich auf Punkten hinderte. Dazu wichtige Rebounds und einen Zauberpass zu einem erfolgreichen Dreier hatte der Frazose auch noch auf Lager.

 

Stark beim Verlierer

 

Nikola Jokic: 18 Punkte, 9 Rebounds, 10 Assists: Tolle zahlen, aber in entscheidenden Partien hat der Serbe schon viel tollere zahlen aufgelegt. Daran hinderte ihn einerseits Gobert, andrerseits ist Jokic auch nicht in der Super-Form, in der er in heiklen Situationen überhaupt nicht aufzuhalten war.
Ein Schatten seiner selbst war dagegen Jamal Murray: Der Kanadier erwischte einen schwarzen Tag und traf nur 4 seiner 17 Versuche

 

X-Faktor

 

Terrence Shannon jr. Vielleicht die vierte Wahl im Backfield der Wolves, aber in Abwesenheit des Trios Edwards, Dosunmo und DiVincenzo ward er ins kalte Wasser geworfen. Und bewährte sich in überragender manier. Schon im 1. Viertel, als er 8 Punkte erzielte und dabei zeigte, dass er Verantwortung übernehmen wollte. Das tat er auch in der heiklen Schlussphase, als er mit dem ganz wichtigen Dreier (auf Goberts Zauberpass) Luft verschaffte.

 

Zahlereien

 

19:6 Offensiv-Rebounds schnappten sich die Wolves. Die hohe Überlegenheit war allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass sie etwa ihre Dreier sehr viel schlechter trafen als die Nuggets (24:37 Prozent).

 

Ausblick der Sieger

 

Ab Sonntag das Zweitrundenduell mit den Spurs, die als klarer Favorit gelten müssen. Viel wird natürlich abhängen, ob und in welcher Verfassung das abwesende Trio (oder wenigstens ein Teil davon) zurückkehrt. Die Wolves können Play-offs, das haben die vergangenen beiden jahre gezeigt, als sie jeweils ins Conference Finale stürmten.

 

Und die Verlierer?

 

Lecken ihre Wunden. Die Nuggets schienen alles richtig gemacht zu haben, als sie vor der Saison ihren Kader mit Top-Akteuren wie Cam Johnson, Tim Hardaway und Jokic-Backup Jonas Valenciunas ergänzten. Dieses Trio enttäuschte auch nicht, im Gegenteil. Aber Jokic war eben nicht in Überform, Murray ein Ausfall in Spiel 6, und Christian Braun und Bruce Brown stagnieren doch sehr in ihrer Entwicklung.
Es muss bestimmt nicht tabula rasa gemacht werden, aber Jokic ist jetzt auch schon 31 jahre alt und wird nicht ewig auf diesem absoluten Top-Level agieren können

 

Wild machen den Minnesota-Festtag perfekt

 

Besser gesagt, das NHL-Team servierte die perfekte Vorspeise. Sie spielen ja ihre heimpartein im anderen Teil der Doppelstadt Minneapolis, in St. Paul. Dort bezwangen sie die Dallas Stars in Spiel 6 trotz 1:2-Rückstandes mit 5:2. Matthew Boldy führte mit 2 Treffern ins leere Tor zum 4:2 und 5:2 die Entscheidung hervor.
Die Wild treffen jetzt in der 2. Runde auf den Liga-Primus Colorado Avalanche, es kommt also auch in der NHL zum Duell Minnesota gegen Denver.

 

Stanley-Cup bleibt für Draisaitl unerreichbar

 

Aus, Schluss, vorbei! Schon in der 1. Runde haben sich die Titelträume des Leon Draisaitl für ein weiteres jahr erledigt. Gegen die Anaheim Mighty Ducks verlor das Team die Serie letztlich überraschend und enttäuschend mit 2:4. Und das, obwohl die Besonderheiten  des Spielplans den Oilers zunächst von den Top-Teams aus Colorado, Dallas oder auch Minnesota verschont blieben.

Die Ducks gingen am Donnerstag recht früh mit 2:0 und 3:1 in Führung, den Kanadiern gelang zweimal der Anschluss, wobei der Deutsche Samanski zum 1:2 den Assist gab und Draisaitl zum 2:3. Doch der ganz große und effektive Ansturm blieb aus, vor allem Superstar Conor McDavid enttäuschte abermals und blieb ohne Punkt. Die ernüchterne Bilanz des unbestritten besten Eishockey-spielers dieser Zeit in den Play-offs gegen Anaheim: 6 Spiele, 1 Tor, 5 Assists.
Da obendrein Oilers-Torwart Connor Ingram bei zwei Toren unglücklich aussah, nutze auch die ordentliche Leistung von Draisaitl wenig. An ihm lag e das Ausscheiden noch am wenigsten. Obwohl er gerade von einer Unterkörper-Verletzung aufs Eis zurückkam, schaffte er in jeder der sechs Partien Scorer Punkte (3 Tore, 7 Assists).

 

 

 

 

 

Sam-Reinhard-Show beerdigt Draisaitls Titel-Traum

Blick über den Teich, NHL

 

FLORDIA PANTHERS – Edmonton Oilers 5:1 (4:2)

 

Das Ende der NHL-Saison war dann eine viel klarere Angelegenheit, als die meisten Fans erwartet und auch erhofft hatten. Kaum eine Chance hatten die Oilers in Spiel 6 bei den Panthers, die mit einer konzentrierten und weitgehend fehlerlosen Leistung die Titelverteidigung perfekt machten und die riesige Stanley-Cup-Trophäe in der heimischen Halle in die Höhe recken durften. Kaum ein gezieltes Aufbäumen gab es, fast hilflose Schüsse stellten Sergej Bobrowski nur selten vor größere Probleme.
Wie so oft stellte eine Panthers-Einzelleistung (eher: ein Defensiv-Aussetzer der Oilers) die Weichen auf Sieg. Sam Reinhard fing einen schlampigen Pass ab, umnkurvte einen Verteidger wie eine Litfaßsäule und bezwang Scottie Skinner, der diesmal wieder den Oilers-Kasten bewachte, mit einem präzisen Schuss.

 

Die Stars

Es sollte der Sam-Reinhart-Abend werden. Nachdem Matthew Tkachuk noch im 1. Drittel auf 2:0 erhöhte, erzielte er weitere 3 Treffer, 2 davon ins leere Tor, weil Oilers-Coach Kris Knoblauch in seiner Verzweiflung schon 7 Minuten vor Schluss Goalie Skinner durch einen 6. Mann ersetzte. 4 Tore in einem entscheidenden Stanley-Cup-Final-Spiel, das hat es zuvor erst einmal gegeben. Dreimal assistierte ihm Carter Verhaeghe, zweimal Kapitän Alexander Barkov.
Sam Bennett blieb in Spie,l 6 zwar ohne Punkt, wurde aber zum wichtigsten Spieler der gesamten Play-offs gewählt. 15 Treffer erzielte er in den 4 Runden (Höchstwert), davon allein 5 in der Finalserie. Dazu gab er 7 Assists.

Dagegen brachte Connor McDavid seine brillanten Fähigkeiten zu selten aufs Eis (wie bei seinem einzigen Final-Treffer in Spiel 4). Das harte Forechecking setzte ihm gehörig zu, am Dienstag kam er kaum zur Geltung.
Insgesamt schafften McDavid und der kongeniale deutsche Stürmer je 33 Play-off-Punkte und führen diese Wertung klar an.

 

🇩🇪 👓

Leon Draisaitl hatte einen eher unproduktiven Abend. Gewohnt kämpferisch, stark bei den Bullys (60 Prozent), aber nur zwei recht harmose Schüsse produzierte er in 22:26 Minuten.
Nico Sturm kam zwar in der Finalserie nicht zum Einsatz, durfte aber trotzdem die Trophäe in die Höhe heben und holte sich zum zweiten Mal nach 2022 den Titel. Erst kurz vor Transferschluss war er von den San Joe Sharks nach Florida gewechselt. Immerhin 8 Play-off-Spiele absolvierte der 30-Jährige in den Play-offs.

 

Meine 🇫🇮

Erneut darf das Quartett Alexander Barkov, Eero Luotarinen, Anton Lundell und Niko Mikkola über den Titel jubeln (und die Trophäe im Sommer in der Heimat präsentieren). Kapitän Barkov steuerte in Spiel 6 ebenso 2 Assists bei wie  Luostarinen. Lundell gab eine Vorlage zum 2:0.

 

Die Goalies

Sergej Bobrwoski hatte am Ende 28 Saves (von 29 Schüssen), die meisten davon waren aber fast Routine-Arbeit. Seinen Shutout versaute sich der 36-jährige Russe, als er 4:42 Minuten einen harmlosen Schuss nach vorne abwehrte und Wasily Podkolzin den Puck zum 1:5 über die Linie stocherte.
Scottie Skinner hatte keinen glücklichen Abend. Zumindest den 3. Gegentreffer muss er sich klar ankreiden lassen. Insgesamt strahlt er schlicht nicht die Ruhe aus wie sein Gegenüber. Die dauernden und nicht immer nachvollziehbaren Torwartwechsel mit Calvin Pickard machen dabei die Sache nicht besser.

 

 

Zusammenfassung

Wie erwartet waren die Panthers das breiter aufgestellte Team und hatte zudem den besseren Torwart. Nicht zu vergessen: Sie sind extrem abgezockt und wissen genau, wie Play-offs gehen. Zum 3. Mal qualifizieten sie sich im starken Osten fürs Finale und geannen zuletzt 11 von 12 Play-off-Serien. Nickliges Hockey (Brad Marchand!) ist dabei eingepreist.
Die Oilers spielen sicher das attraktivere Eishockey, aber nachdem sie sich im Westen nach den beiden Anfangsniederlagen in LA souverän durchgesetzt hatten, vor allem auch dank der überragenden Einzelkönner McDavid und Draisaitl, fanden si mit den Panthers im wahrsten Wortsinn ihren Meister.

 

Ausblick der Sieger

Zumindest die Zukunft von Marchand (37) und Goalie Bobrowski (36) ist ungewiss, also ob sie auf diesem Niveau noch ein Jahr spielen können. Den russischen Torwart fand ich letztes Jahr noch besser. Viele Leistungsträger (Bennett, Reinhard, Barkov) sind um die 30 Jahre alt, haben also noch ein, zwei starke Spielzeiten in petto. Allerdings laufeen die Verträge unter anderem von Bennett, Marchand und Verteidiger-Ass Aaron Ekblad aus. Im Zweifel wird weiter auf Team-Hockey gesetzt ohne den alles überragenden Topstar, dafür mit ausgeglichenen (Sturm)Linien.

 

Und die Verlierer

Die Oilers haben wenig falsch gemacht, es gibt keinen Grund für einen Komplett-Wechsel. Offen bleibt die Torwartfrage, wobei Skinner einen Leistungssprung gemacht hat und mit 26 Jahren sicher seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat.
Die alles beherrschende Frage: Wie geht es mit dem besten Eishockey-Spieler der Welt weiter. Der Vertrag von Connor McDavid endet 2026, die Oilers werden tief in die Tasche greifen müssen, um den Superstürmer zu halten. Grundsätzlich ist der Kanadier bereit, in Edmonton zu bleiben, aber sicher auch nur, wenn er seriöse Titelchancen sieht. Wenn könnte das allerdings noch eher sein als ein zweimaliger Stanley-Cup-Finalist?

 

Viel Trauermusik im Rogers Place

Blick über den Teich, NHL

 

Edmonton Oilers – Florida Panthers 2:5 (2:3)

 

Einen Schritt sind die Panthers noch von de Titelveteidigung entfernt. Das 5:2 in Spiel 5 der Stanley-Cup-Finalserie war eine Offenbarung des effizienten Team-Eishockeys. Das zeitweise Genietum der Oielers Conor McDavid und Leon Draisaitl war zumin dest gestern Nacht nicht genug.

Bei Gegentoren in der Edmonton-Halle Rogers Place legt der Oilers-Discjockey immer ein besonders trauriges Stück auf. Fünfmal musst er auf die Taste drücken, weil sich die Gasstgeber zum Teil Treffer fingen, die einen deutschen Zweitliga-Trainer die Tränen in die Augentreiben dürften. Wann etwa hat man ein Tor gesehen, das direkt aus einem Bully am Mittelkreis fällt. So geschehen beim letztlich bahnbrechenen 1:0 der Panthers durch Brad Marchand, der nach dem Bully-Gewinn von Anton Lundell einfach um 2 Verteidiger kurvte und Calvin Pickard überwand. Dieser Marchand steht eh sinnbildlich für das Florida-Hockey. Ein Routinier mit allen Wassern gewaschen, oft mit Dirty Hockey agierend. Die eigenen Fans lieben ihn (vielleicht mit schlechtem Gewissen?) die Gegner hassen ihn (vielleicht mit Neid und Respekt?).

Die Oílers bekamen ihre Offensiv-PS nicht aufs Eis. Draisaitl und McDavid abgemeldet, obwohl sie von Trainer Kris Knoblauch recht früh in eine Reihe genommen wurden. So konnten die Panthers durch Sam Bennett und abermals Marchand (nach abermaligen Oilers-Abwehr-Desaster) nachlegen. Dieser Vorsprung sollte reichen, auch wenn McDavid und Corey Perry zwei Oilers-Tore erzielten. Eero Luustarines Empty-Net-Goal zum 5:2 der Gäste 79 Sekunden vor Schluss war dann die endgültige Entscheidung, begleitet durch besonders traurige Musik.

 

Die Stars

Brad Marchand erzielte 2 Tore für die Panthers. Dabei spielt der Rechtsaußen nur in der 3. Reihe. Doch die Ausgeglichenheit der Reihen ist eh der Trumpf der Panthers.
Conor McDavid erzielte nach herrlicher Einzelleistung das 1:3 der Oilers.

 

Die Goalies

Sergej Bobrowski war wie immer der starke Rückhalt der Panthers, hatte aber auch das Glück des Tüchtigen bei gleich 3 Stangentreffern der Oilers. Seine Ruhe wirkt sich aufs ganze Defensivverhalten aus.
Auf Oilers-Seite spielte dieses Mal Calvin Pickard. An den Gegentoren weitgehend schuldlos, aber die Wechsel im Tor (mit Scottie Skinner) sind halt nicht wirklich beruhigend

 

Draisaitl Watch

Wie immer sehr engagiert, aber etwas glücklos. Feine Vorarbeit vor Corey Perrys Gewaltschuss zum 2:4.

 

Meine 🇫🇮

Anton Lundell gewann das Bully vorm 1:0 und verbuchte damit einen Assist. Eero Luustarinen gab den Assist zum 3:0 und traf zum 5:2. Panthers-Kapitän Alexander Barkov verzeichnete einen Assist zum 4:1 von Sam Bennett.
Auf Oilers-Seite verzichtete Kris Knoblauch dieses Mal auf Kasperi Kapanen in der 2. Reihe mit Draisaitl.

 

Ausblick

Jetzt gibt es tatsächlich 2 freie Tage, bevor es in der Nacht zu Mittwoch in Florida mit Spiel 6 weitergeht. Die Oilers haben natürlich noch ihre Chance in dieser ausgeglichenen Serie, aber sie müssen halt noch bei 50/50-Spiele für sich entscheiden. Die Maxiume kann nur lauten: Spiel 6 in Fort Lauderdale klauen, und dann Spiel 7 in eigener Halle zelebrieren.

 

Ansetzungen

Mi., 02:00: Panthers – Oilers (3:2)
Sa., 02:00: Oilers – Panthers (falls notwendig)

 

 

Leon Draisaitl schreibt Geschichte

Blick über den Teich, NHL

 

Florida Panthers – Edmonton Oilers 4:5 OT (2:2)

 

Schon in nüchterne Zahlen liest es sich packend: viertes Finalspiel, drittes Mal Overtime, 2. Sieg der Oilers, erneut durch Leon Draisaitls Siegestreffer. Und doch gegen diesen nüchternden Fakten nicht annähernd die Dramatik der Partie in Fort Lauderdale wider.
3:0 führten die Panthers, weil die Oilers sich früh im ersten Drittel zwei dämliche Strafen einhandelten (auch noch fast gleichzeitig), die die Gastgeber zu zwei Powerplay-Treffern nutzten. Als Anton Lundell noch im ersten Abschnitt zum 3:0 nachlegte, schienen Spiel und Serie schon entschieden. Doch die Edmonton Oilers sind Comeback Kids, die (ähnlich wie die Indiana Pacers in der NBA) sich auch von Rückständen nicht verrückt machen lassen. Das 1:3 früh im 2. Drittel weckte die Hoffnung, auch bei den Fans im fernen Edmonton bei Public Viewing. Durch einen Doppelschlag innerhalb von 135 Sekunden glichen die Gäste noch im 2. Abschnitt aus, und als Verteidiger Jake Walman in der 54. Minute zur erstmaligen Führung für Edmonton traf, flippte die kanadische Stadt aus.
Die Entscheidung? Wäre zu profan gewesen, fand der Drehbuchschreiber und ließ Florida 19 Sekunden vor Schluss durch Sam Reinhard ausgleichen, weil die Oilers zuvor die Scheibe nicht und nicht aus dem eigenen Drittel bekamen.
Also die ersehnte (naja) Overtime, und in der traf Leon Draisaitl nach 11:18 Minuten mit abgefälschten Rückhand-Schuss erst durch die Beine eines Verteidigers, dann durch die Beine von Panthers-Goalie Sergej Bobrowski. Damit schaffte der deutsche Einmaliges: Noch nie hat ein Spieler in einer Stanley-Cup-Finalserie zwei Overtime-Treffer erzielt.

 

Die Goalies

Hatten nicht ihren allerbesten Tag (wir sprechen von höchstem Torwart-Niveau). Scottie Skinner wurde vom Coach Kris Knoblauch nach einem Drittel gar aus dem Kasten geholt, obwohl er an den Gegentreffern wenig zu halten hatte. Für ihn kam Calvin Pickard (ohnehin praktisch gleichwertig), der seine Sache glänzend machte und nur den Treffer ganz kurz vor Schluss hinnehmen musste. Mit einer unglaublichen Parade in der Overtime bewahrte er die Oilers vor dem K. o.
Sergej Bobrowski hatte zwar auch einige fantastische Saves (etwa gegen Conor McDavid nach dessen wieder mal einzigartigen Solo), aber bei einem Treffer aus ganz spitzem Winkel (Nurse num 2:3) oder durch die Beine (Draisaitl OT) sieht ein Torwart nun mal etwas unglücklich aus, erst recht in Super-Zeitlupe.

 

Draisaitl Watch

Nicht nur die einzigartge Stanley-Cup-Leistung, also der Treffer zum Sieg. Zudem gab der Kölner die Assists zum 1:3 und 3:3. 25:21 Sekunden stand er auf dem Eis, immer mit voller Konzentration, was für ein toller Spieler!

 

Meine 🇫🇮

Panters-Kapitän Alexander Barkov assistierte zu den ersten beiden Treffern. Anton Lundell traf zum 3:0 für Florida. Auf Oilers-Seite servierte Kasperi Kapanen zum 4:3 der Oilers.

 

Ausblick

Dem Serientod fast entronnen, und jetzt ein Heimspiel. So schnell wechselt in dieser Serie die Gefühlslage. Jetzt hat das Pendel wieder in Richtung Oilers und Kanada ausgeschlagen, doch wer weiß, was noch alles kommt. Ob nach tiefschürfender Analyse oder Blick in die Glaskugel: Alles ist drin von Oilers in 6 bis Panthers in 7. Ich sage nur: Go, Canada, go!

 

Ansetzungen

So., 02:00: Oilers – Panthers (2:2)
Ernsthaft! Nur 1 Tag Pause trotz Reisestrapaze über 4000 Kilometer
Mi., 02:00: Panthers – Oilers
Sa., 02:00: Oilers – Panters (wenn notwendig)

Ein Titel für Kanadas Seele?

Blick über den Teich, NHL

 

Edmonton Oilers – Florida Panthers

 

Stanley-Cup-Finale 2024 reloaded. Mit dem Unterschied, dass dieses Mal die ersten beiden Spiele in Edmonton stattfinden und gegebenenfalls auch ein entscheidendes Siebtes. Die Kanadier leckten lange ihre Wunden nach dem bitteren Aus im 7. Spiel, nachem sie zuvor einen 0:3-Rückstand aufgeholt hatten.

Jetzt also die Finals 2025. Die beiden Teams hatten wahrlich keine spektakuläre reguläre Saison, konnten sich aber letzt,ich souverän als 5. (Panthers Ost) und 6. (Oilers West) für die Play-offs qualifizieren, und allein darauf kommt es an. Nach dem veritablen Fehlstart in die 1. Runde bei den LA Kings (11 Gegentore in den zwei Niederlagen), kam es zum in dieser Form nicht zu erwarteten Turnaround. 4 Siege hintereinander gegen die Kalifornier, die Serie höher gesetzten Las Vegas Knights und Dallas Stars souverän mit jeweils 4:1. Die Panthers hatten in der 2. Runde gegen die Toronto Maple Leafs erhebliche Müne, setzten sich erst im 7. Spiel (in Toronto!) durch. Die Hürden Tampa Bay und Carolina nahmen sie relativ souverän.

Jetzt also der repeat, hoffentlich nicht im Ergebnis, wie die Kanadier hoffen. Ob das auf alle Kanadier zutrifft, sei allerdings angesichts der enormen Rivalität der Oilers etwa zu den Calgary Flames oder auch Montreal Canadiens dahingestellt. Aber ich denke schon, dass der gemeine kanadische Eishockey-Fan den Daumen zumindest verschämt die Daumen drückt, einfach, damit das Gerede dieser unseligen Serie (seit 1993 kein titel fürs Mutterland) ein Ende hat.

Es sind im Großen und Ganzen die gleichen Teams, die sich ab heute Nacht mindestens 4 und höchstens 7 Spiel beharken. Wichtigster Neuzugang der Oilers ist der erfahrene Stürmer Victor Arvidsson, zumal mit dem verletzten UZack Hyman ein ganz wichtiger Mann ausfällt.

 

Die Stars

Herausragend bei den Oilers sind die beiden Stürmer Conor McDavid und Leon Draisaitl. Zuletzt meist in getrennten Linien, allerdings im Überzahlspiel vereint. Die beiden führen die Scorerwertung in den Play-offs mit 26 und 25 Punkten an, geniale Ideen inklusive. McDavid ist mit Abstand der beste Schlittschuhläufer der Liga, Draisaitl emsiger Arbeiter und mit einem unnachahmlichen Abschluss von rechts außen. Und beide zuweilen absolut genialisch
Nicht so glamourös sieht es bei den Panthers aus. Kapitän Alexander Barkov (17 Punkte) wurde gerade zum besten defensiven Stürmer gewählt. Carter Verhaeghe darf die Oilers-Verteidigung keine Sekunde aus den Augen lassen. Ansonsten bleibt es dabei: 3 sehr ausgeglichene Linien, glänzend unterstützt von den Verteidigern.

 

Die Goalies

Scottie Skinner konnte die Play-offs eigentich abhaken, als ihn Coach nach den beiden Klatschen und 11 Gegentoren aus dem Tor nahm und durch Calvin Pickard ersetzte. Mit dem lief es bedeutend besser, aber durch Pickards Verletzung rückte Skinner wieder ins Tor. Und siehe da: Er war fast nicht wiederzueerkennen (einen schrecklichen Fehler gegen Vegas lasse ich mal außen vor). Plötzlich hielt er, was zu halten war (und manches Mal auch bedeutend mehr). Drei Shutouts gelangen ihm, also Spiele ohne Gegentreffer, für jeden Goalie das Nonplusultra.
Sergej Bobrowski war 2024 letztlich der entscheidende Mann, und in diesen Play-offs knüpft er nahtlos an die starken Leistungen an. Für mich ist er zurzeit in ganz wichtigen Spielen der beste Torwart der Welt, ein extrem sicherer Rückhalt, der auch manch „Unhaltbaren“ aus dem Winkel fischt. Wie beruhigend für die Vorderleute.

 

Die Verteidiger

Natürlich lag es auch an ihnen, dass die Oilers plötzlich so wenige Gegentreffer kassierten. Stupide Fehler blieben fast aus, dafür viel Offensivpower. Stellvertretend sei Evan Boucard genannt, der in 16 Partien 17 Punkte sammelte.
Ein echtes Tier ist Aaron Ekblad, der seine Verletzung von vor einem Monat voll auskuriert hat

 

Meine 🇫🇮

Kasperi Kapanen kam bei den Oilers erst zum Ende de 2. Runde in die Line Up, hat seitdem aber alle 7 Spiele bestritten. In denen der Rechtsaußen immerhin 3 Tore erzielte.
Gleich mit einem finnischen Quartett warten die Panthers auf, wie 2024. Barkov ist der Kapitän und auch Leader des Teams aus Florida, Eero Luostarinen steuerte wichtige Punkte bei, war zuletzt aber angeschlagen. Niko Mikkola hat sich im Vergleich zu 2024 erheblich gesteigert, und Anton Lundell hat mit +12 den besten +/- Wert des gesamten Kaders.

 

Ansetzungen (MESZ)

1. Spiel: Do., 02:00: Oilers – Panthers
2. Spiel: Sa., 02:00: Oilers – Panthers
3. Spiel: Di., 02:00: Panthers – Oilers
4. Spiel: Fr., 02:00: Panthers – Oilers
5. Spiel: So., 02:00: Oilers – Panthers *
6. Spiel: Mi., 02:00: Panthers – Oilers *
7. Spiel: Sa., 02:00: Oilers – Panthers *

* falls erforderlich

 

🧠 Oilers

Extrem schwer zu tippen. Also setze ich auf die Stars McDavid/Draisaitl und auch den Heimvorteil. Außerdem wissen sie jetzt, wie Stanley-Cup-Finale geht.

❤️ Oilers

1. wg Kanada. Endlich!
2. wg. Draisaitl und McDavid, damit diese tollen Spieler auch mal den Pokal stemmen (das Ding ist wirklich schwer) dürfen.
3. Wiederholungssiege langweilen doch (außer bei Mikaela Shiffrin)