von Münchner Löwe | Sep. 18, 2026 | Eishockey
Grüße aus Helsinki, der ersten von drei Städten meiner Nordost-Reise, danach Tallinn und Riga. Als Finnen-Freund und Sportfan war es für mich geradezu Pflicht, ein Erstligaspiel zu besuchen in der größten Halle der Stadt.
von Münchner Löwe | Sep. 14, 2026 | Tennis
Besser geht’s nicht. Finale der US Open auf dem größten Center Court der Welt, der mit knapp 24.000 Zuschauern restlos gefüllt war. Auf der anderen Seite mit Ben Shelton der umjubelte Lokalmatador, der in diesem Turnier so begeisternden Tennis gezeigt hat, insbesondere bei seinen Siegen gegen Carlos Alcáraz und Landsmann Frances Tiafoe. Den Aufschlag-Weltrekordler (zumindest für ATP Tour). Und was macht der Hamburger? Entzauberte den US Boy nach allen Regeln der Kunst.
Von Beginn an diktierte Zverev die Partie, nahm Shelton gleich den Aufschlag ab und transportierte das Break sicher zum Satzgewinn. Im zweiten Durchgang musste der Tiebreak entscheiden, und hier zeigte Zverev schlicht und ergreifend das best vorstellbare Tennis und deklassierte Shelton beim 7:2.
Noch nicht einmal vom Rückschlag im 3. Durchgang ließ sich Zverev durcheinanderbringen, als er mit einer leichten Unkonzertiertheit das Service zum 5:7 und Satzverlust abgab. Laut Statistiker war ihm das zuvor bei 50 Aufschlagspielen gegen Shelton nicht passiert.
Die Zuschauer eskalierten, witterten noch mal eine Chance für ihren Landsmann Shelton. Der doch als erster US Amerikaner seit 2003 den Männertitel wieder für die USA holen sollte. Doch Shelton war mit der Situation überfordert gegen den fast gleichmütigen Zverev. Sofort gab er den Aufschlag im 4. Satz ab (trotz 30:0-Führung), das Momentum war wieder dahin. Und Zverev ließ sich die Chance nicht entgehen. So fokussiert war er auf jeden einzelnen Punkt, dass er gar nicht merkte, als er den Matchball verwandelt hatte. Erst als ihm die Schiedsrichterin signalisierte, das das Spiel vorbei sei, brach der Jubel aus ihm heraus.
Besser gehts nicht! Oder etwa doch? Denn kaum war die Siegerehrung beendet, meldeten sich die Bedenkenträger. Zverev habe ja nur gewonnen, weil Jannik Sinner nicht dabei gewesen war (wegen einer Knieverletzung) und Alcaraz nach seiner Handverletzung noch nicht hundertprozentig fit gewesen sei. Das mag stimmen (oder auch nicht), ist aber völlig belanglos. Man kann nur den Gegner bezwingen, der auf der anderen Seite des Platzes steht. Und Zverev bezwang in New York eben alle Sieben, die auf der anderen Seite des Platzes standen. Schwer genug ist so ein Parforceritt, und viel hätte ja auch nicht gefehlt und Zverev wäre in der ersten oder zweiten Runde bei seinen Fünfsatz-Thrillern gescheitert. Er wankte zwar gegen Lorenzo Sonego und Quentin Halys, fiel aber nicht. Und genau das unterschied ihn von all den chancenreichen Mitbewerbern wie Fils und Auger-Alliasime und Medwedew und Fritz, die bei ihren Niederlagen gegen Außenseiter eben im entscheidenden Moment nicht zulegen konnten wie Zverev.
Der Deutsche weiß selbst seine Leistung einzuordnen. „Zurzeit bin ich der beste Spieler der Welt. Das war ich nicht, als Sinner fit war.“ Über ein potenzielles Finalduell mit Sinner zu spekulieren, führt allerdings zu gar nichts, zumal jede Partie ohnehin erst mal gespielt werden muss.
Bleiben wir also bei den unumstößlichen Fakten: Zverev, dem trotz Olympiatriumphes und zweier WM-Titel lange nachgesagt wurde, bei den Grand Slams nie gewinnen zu können, hat ein geradezu märchenhaftes Jahr bei diesen ganz großen Turnieren hinter sich: Halbfinale Melbourne (nur denkbar unglücklich gescheitert an späteren Sieger Alcáraz), Sieg Paris, Finale Wimbledon (recht chancenlos gegen Sinner) und jetzt Sieg New York. Macht 25:2 Matchsiege, das ist zum Beispiel ein besseres jahr als es ein Boris Becker je hatte. Noch sieht ihn die Weltrangliste als Nummer 2 hinter Sinner, aber in der Jahreswertung hat er bereits einen gewaltigen Vorsprung auf den Italiener. Von dem niemand weiß, in welcher Verfassung er die restlichen Turniere des Jahres bestreiten kann. Sehr wahrscheinlich also, dass Alexander Zverev dieses unfassbar erfolgreiche 2026 als bester Tennisspieler der Welt abschließen wird, um etwas weiter in die Zukunft zu blicken.
Ich habe jetzt gelesen, dass Alexander Zverev unbedingt Deutschlands Sportler des Jahres werden muss. Diese Ehrung ist in der Tat sehr wahrscheinlich. Ich allerdings würde dafür den Schwimmer Johannes Liebmann präferieren. Dessen unfassbarer Weltrekord über 1500 Meter Freistilstellt in der ganz persönlichen Löwen-Wertung sogar einen Alexander Zverev in den Schatten.
Rybakinas Triumphzug
Seit ziemlich genau 50 Jahren schaue ich jetzt Tennis, auch Frauen-Tennis. Doch was Besseres als Lena Rybakina der 3. Satz im Finale der US Open gegen eine keineswegs schwache Aryna Sabalenka hat meines Erachtens noch nie eine Spielerin fabriziert. Eine sehr steile These, ich weiß, aber ich begründe mal: Toller Aufschlag, knallharte Grundschläge und sogar tödliche (ja ja, die Tennissprache …) Volleys. All das im vielleicht wichtigsten Spiel des Jahres. Falls also die geringsten Zweifel bestanden, ob Lena Rybakina tatsächlich eine verdiente Nummer 1 der Welt ist (als die sie die heutige Weltrangliste ausspuckt), dann sind diese Zweifel verflogen. Hoffentlich auch bei Sabalenka, die bei der Siegerehrung nur mit zusammengebissenen Zähnen der Kontrahentin ein „well deserved“ rauspresste, ansonsten leider mal wieder eher darüber schwadronierte, was sie selbst alles falsch gemacht habe. Man kann jetzt philosphieren, ob Sabalenka eher eine sehr schlechte oder sehr enttäuschte Verliererin war.
Der Triumph der Kasachin Rybakina ist umso höher einzuschätzen, weil sie vor dem Turnier angeschlagen war nach einer recht komplizierten Fußverletzung und sie wahrscheinlich selbst nicht wusste, woran sie ist. Doch schnell war klar, dass die Pause ihrer Form keineswegs abträglich war – vielleicht sogar im Gegenteil, weil sie pausieren musste. Denn keine Spielerin war frischer und agiler. Wenn sie aber gut zum Ball steht, dann wird es für jede Gegnerin schwer bis unmöglich dagegenzuhalten.
Sabalenka, die Titelverteidigerin und amtierende Nummer 1, tat ihr bestes. Nur noch ein Raunen ging durch die Ränge, wenn sich die Kasachin Rybakina und die Weißrussin Sabalenka die Bälle um die Ohren knallten. Beide hatten ja schon im Januar das Finale der Australian Open bestritten (ebenfalls mit dem besseren Ende für Rybakina). Beide waren ab April in ein Formtief gefallen mit jeweils erstaunlichen Niederlagen unter anderem in Paris und Wimbledon. Jetzt zeigten die beiden, dass sie die zwei besten Tennis-Frauen der Welt sind, trotz der Amerikanerinnen Gauff und Pegula, trotz Iga Swiatek und wie sie alle heißen.
Ein Trost für die Konkurrenz: So gut wie im 3. Satz wird auch eine Lena Rybakina nicht jeden Abend spielen.
von Münchner Löwe | Sep. 11, 2026 | basketball, Frauen-WM
Natürlich ist es übertrieben, von einem „Wunder“ zu sprechen, dass die deutschen Basketball-Frauen das Halbfinale der Heim-Weltmeisterschaft erreicht haben. Aber mal ehrlich: Wer hätte ernsthaft geglaubt, dass sie sich am Donnerstagabend in der ausverkauften Halle am Berliner Ostbahnhof so souverän gegen die Europameisterinnen aus Belgien durchsetzen würden? Dass sie dieses Viertelfinale von Beginn an dominieren würden und die Partie souverän nach Hause spielen würden? Ich nicht, und die meisten Experten dieser Sportart auch nicht.
Aber im deutschen Basketball scheint nichts mehr unmöglich zu sein, spätestens seit dem WM-Triumph der Männer 2023 und dem Olympiasieg der 3×3-Frauen ein Jahr später. Keine Hürde ist zu hoch, als dass sie bewältigt werden könnte.
Und so waren die mehr als 11.000 Zuschauer mit einer gewissen Erwartungshaltung und noch mehr Hoffnung zur Viertelfinal-Partie gekommen. Sie wurden nicht enttäuscht, sondern sahen ein von Beginn an extrem konzentriertes Team. Bei dem die Star-Spielerin Leonie Fiebich plötzlich auch die Dreier versenkte (3 von 4 Versuchen im ersten Viertel). Bei dem Nyara Sabally mit ihrem unbändigen Kampfgeist unter dem Korb auffiel (9 Rebounds in der 1. Hälfte). Aber einzelne Spielerinnen herauszuheben, wäre wirklich unfair. Jede einzelne trug zu diese Erfolg bei gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner aus Belgien. Dem Land, in dem Frauen-Basketball eine ungleich höhere Bedeutung hat als hierzulande. Die „Katzen“ sind eine eigenständige Marke bei unseren westlichen Nachbarn, 1000 Schlachtenbummler waren mit nach Berlin gekommen. Spielerinnen wie Emma Meesemans und Julie Allmand sind auf dem Kontinent das Nonplusultra. Zu denen deutsche Spielerinnen wie die hauptberufliche Lehrerin Alexandra Wilke bisher aufgeschaut haben.
Doch gegen Deutschland stachen die Trümpfe nicht wie gewohnt, obwohl Meesemans die Deutschinnen mit ihren am Ende 29 Zählern oft vor unlösbare Probleme stellte. Doch sie war oft alleingestellt, ja isoliert, weil der Rest nicht wie gewünscht ins Rollen kam. Die Taktik des deutschen Trainers Olaf Lange ging auf, und in der Offensive verteilte sich das Körbemachen auf mehrere Schultern. Am Ende punkteten gleich sechs deutsche Frauen zweistellig. Auch als die Belgierinnen zu Beginn des vierten Viertels mit einem energischen Zwischenspurt den Rückstand von 18 auf 10 Punkten reduzierten, behielt das deutsche Team die Ruhe, und kurze Zeit später stand der Halbfinal-Einzug fest.
Der eben bei aller Überraschung natürlich nicht völlig aus dem heiteren Himmel kam. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist atemberaubend; ich kann mich noch an gar nicht so lange vergangene Zeiten erinnern, da war allein eine WM-Qualifikation völlig utopisch. Spätestens nach der grandiosen Olympia-Qualifikation Anfang 2024 in der „Hölle von Belem“ auswärts gegen Brasilien und ein fanatisches Publikum sind auch die deutschen Frauen im Basketball eine Größe. Ein halbes Dutzend von ihnen spielt mittlerweile in der WNBA, der mit Abstand besten Liga der Welt. Bei Olympia selbst gewannen sie dann in der Vorrunde gegen Belgien und scheiterten erst in einem lange ausgeglichenen Viertelfinale an den gastgebenden Französinnen.
Die sind am Samstag der Halbfinal-Gegner, und die Aufgabe scheint wieder fast aussichtslos. Denn die Französinnen sind noch schneller als die Belgierinnen, noch kombinationssicherer, vor allem aber körperlich noch viel stärker. Doch der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen, und so wäre ein weiterer Erfolg zwar eine Überraschung, aber sicher kein Wunder. Erst ein Endspielsieg gegen die USA …
von Münchner Löwe | Sep. 10, 2026 | Tennis
Zwei Amerikaner auf Mission Titel und die Szene des Jahres
Was für ein Tennis-Tag, was für Dramen. Mittendrin die Amerikaner, die endlich seit 2003 (Andy Roddick) den Einzel-Titel bei den US Open erringen wollen. Zunächst das inner-US-Duell Alex Mikkelsen gegen Frances Tiafoe. Mehr als zweieinhalb Sätze dominierte der Außenseiter Mikkelsen die Partie, glänzte mit schnörkellosem, aber fast fehlerfreiem Tennis, das dem so kamptstarken Tiafoe die Luft zum Atmen raubte. Beim Stand von 7:5, 6:3 und 5:4 schlug er aufs Match auf, doch wie so viele Tennisspieler und vor allem auch Tennisspielerinnen verlor er die Nerven. Plötzlich zitterte die Hand, die zuvor so souverän auch die schwierigsten Schläge ausgeführt hatte. Tiafoe, der nie aufgab, witterte die Chance, holte sich nicht nur das Break zum 5:5, sondern kurze Zeit später auch den Durchgang zum 7:5.
Nachdem Tiafoe sich auch den 4. Satz sicherte, musste der 5. Satz entscheiden, und hier kulminierte die Spannung im sogenannten Matchtiebreak. Den gewinnt, der als erster 10 Punkte erreicht hat. Tiafoe erwies sich als der Bessere (der Glücklichere), und im Moment des Triumphes zeigte er seine ganze Größe. Mikkelsen nämlikch überwältigten die Gefühle. Eine Ewigkeit weinte er in den Armen seines Kontrahenten. Unvergessliche Bilder, die niemanden kalt lassen können; die wieder einmal zeigen, wie toll Sport sein kann, wenn die Beteiligten fair bleiben, wenn sie den Gegner achten. Der gegenseitige Respekt war schon während der gesamten Partie zu bemerken, jetzt merkte jeder mehr als 23.000 begeisterten Zuschauer und an den Fernsehgeräten im vollbesetzten Artur-Ashe-Stadium. Das waren Freunde. Wenn Sport und das Leben immer so fair wären, es wäre so viel einfacher auf der Welt (großer und pathetischer Seufzer).
Und doch war dieses großartiege Duell nur der Vorgeschmack auf das bisher vielleicht beste Tennismatch des Jahres mit so vielen Absurdidäten: Ben Shelton gegen Carlos Alcáraz. Hier der so auschlagsstarke Amerikaner, dort der spanische Titelverteidiger bei seinem Turnier-Comeback nach mehr als vier Monaten, bei dem er in den 4 partien zuvor nicht einen Satz abgegeben hatte. Die Vorzeichen waren allerdings ungewöhnlich, denn das Spektakel begann erst kurz nach 23 Uhr Ortszeit. Was dann die beiden im ersten Satz an Tennis-Feuerwerk und -Kunst ablieferten voller Traumschläge und begeisternder Ballwechsel, haben wir in diesem Jahr (und auch sonst sehr selten) nicht gesehen. Nach 62 Minuten sicherte sich Alcáraz den ersten Satz.
Doch gerade der Spanier konnte dieses Nieveau nicht halten. Geradezu vorgeführt wurde er in den folgenden beiden Durchgängen, die Shelton mit seinem grandiosen Aufschlag, aber auch tollen Grundschlägen dominierte. Da waren einige der 23.000 Zuschauer allerdings schon nach Hause gegangen. New York mag die Stadt sein, die niemals schläft, aber viele ihrer Einwohner brauchen doch zumindest ein paar Stunden in ihrem Bett, um für den nächsten Arbeitstag gewappnet zu sein.
Die die geblieben waren (es waren immer noch weit über 10.000 Menschen) sahen im vierten Satz, warum Alcáraz im Moment vielleicht der begabteste Tennisspieler ist. Obwohl er wegen seiner Handverletzung sicher nicht mit 100 Prozent aufschlagen kann, dominierte er seine Aufschlagspiele mit seinen faszinierendenen und fanstasievollen Grundschlägen und ließ den nur etwas nachlassenden Shelton nicht die geringste Chance.
Es musste also auch hier der fünfte Satz entscheiden. Shelton brachte dabei seine Aufschlagsspiele locker durch, Alcáraz nur mit Mühe, wobei ihm Shelton mit inigen dummen Fehlern half. Die Diskrepanz beim Service war unverkannbar, hier der Ami mit bis zu 150 Meilen pro Stunden, dort der Spanier mit meist nicht einmal 120. Trotzdem fanden sich die beiden Profis ebenfalls im Matchtiebreak wieder, mittlerweile war es in New York weit nach 3 Uhr morgens; die Ränge hatten sich weiter gelichtet, und die Spieler standen bereits mehr als 4 Stunden auf dem Platz. Bis zum 6:6 war auch der Decider völlig ausgeglichen, ehe ein eher überflüssiger Fehler von Alcáraz dem Amerikaner den entscheidenden Vorteil gab. Kurze Zeit später verwandelte er seinen zweiten Matchball und durfte den vielleicht wichtigsten Sieg seiner Karriere feiern. Alc#araz erwies sich als großer Verlierer. Als er die Arena verließ, da umspielte ein Lächeln seine Lippen. So erleichtert war er, dass er nach diese langen Pause wieder mit den Besten der Besten mithalten kann. Und das zeichen an die Tennis-Welt war eindeutig: Mit Alcáraz ist in zukunft wieder zu rechnen
Am Freitag kommt es aber zum inneramerikanischen Halbfinal-Showdown. Tiafoe gegen Shelton, eine Vorhersage scheint fast unmöglich
Die beiden anderen Viertelfinali fielen gestern doch gewaltig ab. Die Sieger Karen Katschanow (gegen Alexander Blockx) und Alexander Zverev (gegen Boric van de Zandschulp) hatten wenig Mühe. Katschanow profitierte im 3. Durchgang gar von der Aufgabe seines belgischen Kontrahenten, der nach seinen Kraftakten in den Runden zuvor schlicht nicht mehr konnte und aufgeben musste. Zverev wiederum war für Überraschungsmann van de Zandschulp eine Nummer zu groß, und er ist auch im Halbfinale gegen den Russen klarer Favorit.
Top-Frauen unter sich
Das hat es seit 2009 (Wimbledon) nicht mehr in einem Grand-Slam-Turnier gegeben. Die besten Vier der Setzliste stehen auch im Halbfinale. In denen treffen nun Aryna Sabalenka und Jessica Pegula sowie Lena Rybakina und Coco Gauff aufeinander. Wer den Titel letztlich gewinnt, vermag ich nicht zu prognostizieren, aber eines steht jetzt schon fest: Rybakina wird unabhängig von Turnierausgang die neue Nummer 1 der Welt, sie wird ab Montag als dann 51. Spielerin die Rangliste anführen.
Frauen, Halbfinale
Fr., 01:00: Sabalenka (Weißrussland) – Pegula (USA)
anschließend: Rybakina (Kasachstan) – Gauff (USA)
Zweimal also USA gegen Osteuropa, zweimal dürften also die Sympathien im Stadion klar verteilt sein. Mich würde allerdings wenig wundern, wenn sich dennoch die (noch) Weltranglistenerste Sabalenka und ihre Nachfolgerin Rybakina durchsetzen würden. Wenn die Weißrussin und die Kasachin jeweils ihre Nerven trotz der feindlichen Atmosphäre im Griff behalten.
Männer, Halbfinale (Freitag, Nacht auf Samstag, die Partien sind noch nicht angesetzt)
Shelton (USA) – Tiafoe (USA)
Zverev (Deutchland) – Katschanow (Russland)
Im US-Duell sehe ich keinen klaren Favoriten. Shelton ist der etwas begabtere Spieler, hat mit Sicherheit den besseren Aufschlag. Aber den Kämpfer Tiafoe darf niemand zu keinem Zeitpunkt abschreiben, das hat er gerade bei diesem Turnier scho des öfteren bewiesen.
Zverev ist auch gegen Katschanow der klare Favorit. Er würde mit einem Sieg zum dritten Mal in Folge in ein Grand-Slam-Finale einziehen (Sieg gegen Cobolli in Paris, Niederlage gegen Sinner in Wimbledon).
von Münchner Löwe | Sep. 8, 2026 | Tennis
Er spielt, als sei er nie weggewesen. Allenfalls sein noch zurückhaltender Aufschlag erinnert daran, dass Carlos Alcáraz gut 4 Monate wegen einer Handgelenks-Verletzung gefehlt hat. Ansonsten ist sein Spiel wieder ohne Fehl und Tadel, sehr facettenreich und wunderbar anzusehen. Das musste zuletzt der völlig chancenlose Tommy Paul zur Kentnisnehmen, der im Achtelfinale eine Lehrstunde erhielt. Das ließ sogar die fanatischen US-Fans verstummen, die früh einsehen mussten, dass noch so viel Geschrei für ihren Landsmann nichts bringen würde.
Unfassbar, wie souverän Alcáraz ins Viertelfinale der US Open gestürmt ist. Vier Siege ohne Satzverlust, das hat von den besten Acht außer ihm nur der US-Amerikanische Außenseiter Alex Mikkelsen geschafft. Die härteste Prüfung wartet indes heute nacht, wenn Alcáraz auf den nächsten US Boy trifft. Ben Shelton hat seine Anfangs-Nervosität bei seinem heimturnier abgelegt, überzeugte ebenfalls mit überzeugenden Auftritten, zuletzt im Achtelfinale gegen den chancenlosen Rückkehrer Stefanos Tsitsipas.
Die Amerikaner trumpfen ohnehin auf in New York, wo sie seit 2003 auf einen heimsieg im Männer-Einzel warten. Neben Shelton stehen auch Francis Tiafoe und eben Mikkelsen im Viertelfinale, allein Alcáraz steht wenigstens einem US-amerikanischen Finalteilnemer im Weg. Eine unüberwindliche Hürde? Wir werden sehen.
In der anderen Tableau-Hälfte scheint Alexander Zverev mittlerweile ungefährdet. Der italiener Luciano Darderi hatte jedenfalls im Achtelfinale nicht den Funken einer Chance und unterlag klar in 3 Sätzen. Zverevs Aufschlag funktioniert bestens: Gegen Darderi hatte er insgesamt nur einen Breakball gegen sich, beim Stand von 5:2 im ersten Satz, als die Konzentration ganz kurz nachgelassen hatte.
Der Weg ins Finale scheint für den von Spiel zu Spiel sich steigernden Hamburger vorgezeichnet – bei aller Wertschätzung der Kontrahenten. Gegen Holländer Botic van de Zandschulp ist er klarer Favorit, ebenso in einem möglichen Halbfinale gegen den Sieger des Überraschungs-Viertelfinales Alexander Blockx gegen Karen Katschanow, der sich im Achtelfinale in einer extrem stimmungsvollen partie gegen den jungen Ami Learner Tien in 5 Sätzen durchsetzte.
Viertelfinale
Zverev – van Zandschulp (Mittwoch)
Blockx – Kataschanow
Tiafoe – Mikkelsen (Dienstag)
Alcaraz – Shelton
Qinwen Zheng überrascht weiter
Wieder erwies sich die Chinesin als Comeback-Königin, als sie im 1. Satz einen 0:5 gegen Iga Swiatek wettmachte. Zweimal in Folge einen derartigen Rückstand aufzuholen (vorher im 3. Durchgang gegen madison Keys), dieses Kunststück gelingt ganz selten (ich konnte nicht eruieren, wann zuletzt). Punkt für Punkt habe sie gespielt, berichtete die Chinesin, die wegen einer Ellenbogenverletzung in diesem Jahr bis auf Rang 121 zurückgefallen war. Vieles an ihrer Spielweise erinnerte an den Sommer 2024, als Qinwen in Paris auf dem legendären Center Court von Roland Garros die Goldmedaille gewann.
Ob sie trotz ihrer tollen Form ihren Siegeszug in New York fortsetzen kann, ist dennoch zweifelhaft. Nächste Gegnerin ist Lena Rybakina, die ihren Spielen ebenfalls einen. bärenstarken Eindruck hinterließ. Gestern nacht im Achtelfinale ließ sie auch der zweifachen US-Open-Siegerin Naomi Osaka beim 6:1, 6:3 keine Chance. Sollte Rybakina auch gegen Zheng siegen, wäre auch rechnerisch sicher, dass sie nach dem New Yorker Turnier als neue Weltranglistenerste aufscheinen würde.
Sie würde dann Aryna Sabalenka ablösen. Und das, obwohl die Weißrussin selbst das beste Tennis seit knapp einem halben Jahr spielt, als sie beim Sunshine-Doppel in Indian Wells und Miami jeweils triumphierte. Jetzt kommt es zum Duell der Titelverteidigerin mit der Wimbledonsiegerin Linda Noskova. Die Tschechin wäre um ein haar Opfer der eigenen Nerven geworden, als sie gegen Marta Kostyuk erst ihren 6. Matchball nutzen konnte.
Auch bei den Frauen haben gleich drei US-Amerikanerinnen das Viertelfinale erreicht. Aber allein Coco Gauff traue ich letztlich den Turniersieg zu (angesichts meiner Tipp-Künste bei Männern und Frauen solltet ihr also alles Geld auf Pegula oder Navarro setzen …). Gauff verwies ihre eerst 19-jährige Landsfrau Iva Jovic in einem extrem aufgeladenen Spiel in ihre Schranken und siegt fast mühelos gegen die sehr nervöse Kontrahentin mit 6:1 und 6:4
Viertelfinale
Sabalenka – Noskova (Dienstag)
Pegula – Navarro
Gauff – Andreewa (Mittwoch)
Rybakina – Qinwen Zheng
Jokerit Helsinki. Klingt für den älteren Eishockey-Fan toll, die Mannschaft war in den 90ern (!) eine der besten Mannschaften Europas und insgesamt sechsmal finnischer Meister. 2 der besten und bestimmt bekanntesten Spieler Finnlands haben für dieses Team gespielt: Die späteren NHL-Legenden Jari Kurri und Teemu Selänne (sowie Tikkanen für ein Jahr), die allerdings allesamt nie Weltmeister wurden.
Doch die guten Zeiten sind schon lange vorbei, auch wenn sie vor dem Spiel unter großer Anteilnahme der Fans einen Meister-Wimpel an die Hallendecke zogen. Allerdings nur den der 2. Liga. Wohin das Team versetzt wurde, als das Abenteuer der russischen Profiliga KHL 2022 wegen des Angriffskrieges jäh beendet wurde und auch die Zeit der äußest spendablen russischen Geldgeber vorbei war.
Jokerit ist jetzt also ein biederer Aufsteiger, und trotzdem kamen an einem Donnerstagabend mehr als 9000 Zuschauer in die gar nicht mehr so neue Halle (eröffnet 1997), die endlich wieder Erstliga-Hockey sieht. Wo ein harter Kern von etwa 500 Menschen in einem Stehplatzsektor durchaus einen Heidenlärm machte, sich oft aber auch im Dauersprech-Gesang (mit zumindest gleichen Melodien wie in deutschen Fußballstadien) ergingen. Bei „ylivoima“ und „alivoima“ (Überzahl und Unterzahl) feuerten sie jedenfalls frenetisch an.
Es begann bestens, denn schon nach 14 Sekunden gingen die Gastgeber gegen JYP in Führung. Doch die Gäste aus Jyveskylä (die heimat des legendären Skispringers Matti Nykaenen) schlugen schnell zurück und siegten am Ende mit 4:2. Die Partie hatte ordentliches Niveau, gerade auch, was das Schlittschuhlaufen betrifft. Wirklich mitreißend war es nicht, auch die Zuschauer dämmerten leise weg. Nicht mal als der heimische Goalie etwa 5 Minuten vor Schluss umgerammt wurde, gab es kaum langhaltende Proteste. Da wäre in einer deutschen Eishockey-Halle die Hölle los gewesen.
Die Halle selbst gefällt mir gut. Trotz der Größe (Fassungsvermögen gut 13.000) durchaus kompakt, saubere Toiletten und eine ordentliche und gar nicht ausufernd teure Vepflegung (ich bin in Finnland und gewöhne mich augenrollend an absurde Preise …). Getränkedosen darf man nicht auf den Platz nehmen, wohl aber riesige Popcorn-Becher und Trinkbecher. Die Bande ist zwar durchsichtig, aber recht dicke Streben jeden Meter erschweren das alte Männeraugen eh komplizierte Verfolgen des Pucks erheblich.
Pro Drittel gab es 2 Powerbreaks, also längere Pausen (niemanden stören diese), in denen Nachwuchsspieler mit einer Schneeschaufel das Eis säuberten. Dazu Musik oder finnische Werbung zB für bussi.fi sowie ein Moderatorenpaar, das leidlich unterhaltsam moderierte. Die Show macht ohnehin Maskottchen Otto*, wie könnte es anders sein ein Joker. Da das Spiel nicht allzu viel hergab habe ich einiges nachgelesen und unnützes (?) Wissen angehäuft.
– Ein Spieler pro Teams trägt einen goldenen Helm. Das ist der gegenwärtige Topscorer des Teams, was mir am 4. Spieltag etwas lächerlich erscheint. Das gibt es auch in der 2. deutschen Liga.
– * Otto heißt nach einer Vereinslegende, die witzigerweise kein Finne ist. Der Tscheche Otokar Janecky hatte von 1991 bis 1999 in seinen Dreißigern noch eine formidable Zeit bei Jokerit, mit 2 Europapokalen und 4 Meistertiteln. Sein Trikot mit der “91” hängt ebenfalls an der Hallendecke. Ein paar Janeckys laufen immer noch herum …
Ein insgesamt schöner und interessanter Abend mit einem etwas zu langem Eishockey-Spiel (mehr als zweieinhalb Stunden). Es fängt relativ früh an (18:30 Uhr), und viele Restaurants schließen schon um 22 Uhr.