Das war die Woche, die war

Die Show der Gabby Williams

 

Spiel 7 in Best-of-7-Serien, erst recht im Finale, da werden Sporthelden geboren. Und Sportheldinnen. Wie die Basketballspielerin Gabby Williams von den Golden State Valkyries: Die ihr Team eben in diesem 7. Spiel, besser gesagt in der 2. Halbzeit dieser Partie, fast im Alleingang zum Sieg gegen Atlanta Dream und damit zum ersten Titel der Teamgeschichte führte.

28 Punkte gelangen der überragenden französischen Vizeweltmeisterin allein in der 2. Hälfte. Noch nie in der Play-off-Geschichte der WNBA hat einer Spielerin in einer Halbzeit so viele Punkte erzielt. Dabei war ihr im ersten Durchgang so gut wie nichts gelungen, 2 magere Pünktchen standen da auf der Habenseite, weswegen die Valkyries in der ausverkauften Halle in San Francisco mit 24:30 zurücklag. Weil auf der anderen Seite Jordin Canada endlich aufdrehte. Endlich, weil die Spielmacherin bis dato in der Serie nicht so zur Geltung kam. Gleich 13 Punkte legte sie auf, allerdings kam im zweiten Durchgang nur noch ein Dreier hinzu.

Es waren die 20 Minuten der Gabby Williams, die jetzt ihre körperliche und spielerische Überlegenheit gnadenlos ins Feld führte. Und ihr Händchen aus der Ferne bewies. 4 von 6 Dreier fanden das Ziel, außerdem verwandelte sie alle 6 Freiwürfe. Auch in der Verteidigung leistete sie ihren Beitrag mit 2 Blocks und 1 Steal. Auch wenn im Basketball nie eine einzige Spielerin gewinnen kann, ohne Williams wäre es nie im Leben etwas mit dem Sieg der Valkyries geworden. Ihren 28 Punkten in der 2. halbzeit standen nur 16 Zähler der Mannschaftskolleginnen gegenüber. Die wiederum im ersten Durchgang den Rückstand in Grenzen hielten, als Williams sich noch zurückhielt (netter Euphemismus).

 

Titel in der 2. Saison

 

Erst zur Saison 2025 waren die Valkyries zur WNBA dazugestoßen. Schon im 2. Jahr der Titel, so früh wie noch nie im US Sport. Es gibt Mannschaften, die warten schon Jahrzehnte darauf, und gerade in den ersten Jahren hagelt es Niederlagen zu hauf. Die Valkyries setzten auf Internationalität. Begonnen bei der japanischen Trainerin Natalie Nakase.

Natürlich ist dass in der WNBA leichter möglich, gerade in Zeiten, in denen sich ihrneue Dimensionen eröffnen. Frauen-Basketball hat sich voll etabliert, die Hallen in den Play-offs waren sehr gut gefüllt bis ausverkauft, die Stimmung auf den Rängen so leidenschaftlich wie noch nie. Endlich vedienen die Frauen auch ordentliches Geld, natürlich weit entfernt von den unfassbaren 50-Millionen+-Verträgen der NBA-Männer, aber wahrscheinlich so viel wie in keiner anderen Frauen-Liga. Durchschnittlich verdient eine NBA-Spielerin knapp 600.000 Dollar, die Stars der Szene erhalten bis zu 1,5 Millionen, die Tendenz ist stark steigend.

Sagte ich voll etabliert? Dann muss ich das einschränken. Unzumutbar für beide Teams war zumindest, dass sie ztu Spiel 6 in Atlanta schon um 12:30 Uhr Ortszeit (an einem Donnerstag) atreten mussten, weil die Halle am Abend von den Atlanta-Hawks-Männern belegt war. Die ihre Partie aber immerhin um eine Stunde nach hinten rückten, sodass die Doppelbelegung überhaupt möglich war. Viele WNBA-Tams kooperieren mittlerweile offiziell mit dem NBA-Team der Stadt. Wie die Valkyries in San Francisco mit den Warriors.

 

Kimi Antonelli jüngster Weltmeister

 

Es war nur noch eine Formsache, aber als der Titel auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen war, öffneten sich bei Kimi Antonelli alle Schleusen. Noch während der Auslaufrunde nach seinem dritten Platz in Mexiko heulte der Italiener hemmungslos, und das sollte den ganzen Abend fortdauern. „Ich habe viel zu viel geweint“, bekannte der mit 20 Jahren jüngte Formel-1-Weltmeister aller Zeiten.

So mancher Italiener wird auch die eine oder andere Träne verdrückt haben. Die motorsport-verrückten Tifosi warteten ja eine Ewigkeit auf einen einheimischen Weltmeister, genauer seit 1953 (Ascari). Zwar trösten sie sich mit Ferrari, aber gerade der Schumi-glanz der Nuller-Jahreist eben auch schon etwas verblasst. Der letzte Titel für die Scuderia datiert auch schon aus dem Jahr 2007, als Kimi Raikkönen triumphierte.

Jetzt also der italienische Kimi (laut der Mama hat die Namensgebung nichts mit dem schweigsamen Finnen zu tun). Mit einer für einen 20-Jahren furcheinflößenden Abgeklärtheit fuhr er rasend schnell und nahezu fehlerlos durch die Saison, legte gerade in der ersten Hälfte mit einem Erfolg nach dem anderen den Grundstein zum Titel. Dabei profitierte er sicher auch vom überlegenen Mercedes, aber gerade wie er den höher eingeschätzten Team-Kollegen George Russell in die Grenzen wies, das nötigte jedem in der Branche allerhöchsten Respekt ab. Auf den Schultern des Mexiko-Siegers Max Verstappen (vierfacher Weltmeister) und Lewis Hamilton (siebenmal Chmapion, davon sechsmal mit Mercedes) wurde er durchs Fahrerlage getragen – ehrliche Ehrerbietung. Aber gerade wer den überehrgeizigen Verstappen kennt weiß, dass dieser sich 2027 nicht kampflos ergeben lassen will. Der Red Bull, zu Beginn des Jahres noch absolut nicht konkurrenzfähig, ist zurzeit das Maß aller Dinge, wie der dritte Sieg des Holländers in den vergangenen vier Rennen beweist.

 

Zverev die Nummer 1

 

Seit Montag ist es offiziell. Da spuckte der Computer Alexander Zverev als neue Nummer 1 de Welt aus. Möglich machte dies ein schnöder Zweitrunden–Erfolg gegen den Holländer Tallon Griekspor in Wien, mit dem er den zurzeit pausierenden Jannik Sinner vorzeitig überflügelte (es war seit Wochen klar, dass Zverev den Italiener spätenstens zum Jahresende ablösen würde). Mit einem Turniersieg allerdings konnte Zverev seine historische Woche nicht krönen. Im Halbfinale unterlag er dem Australier Alex de Minuar im Tiebreak des 3. Satzes. Allzu traurig schien der hamburger nicht zu sein.

Vielleicht war es ihm sogar ganz recht, dass aus dem anvisierten Traumfinale gegen Carlos Alcáraz nichts werden würde. Der Spanier gewann das Finale klar gegen De Minaur und zeigte sich in Bestform. Da hätte es Zverev sehr schwer gehabt, und eine klare Niederlage hätte die eh zermürbenden Diskussionen neu entfacht. Diskussionen, ob Zverev eine „verdiente“ Nummer 1 sei, weil Sinner und auch Alcáraz sehr lange verletzungsbedingt fehlten und fehlen. Alcáraz selbst brach eine Lanze für Zverev. „Beim Tennis geht es nicht nur darum, den Platz zu betreten und an diesem einen Tag sein bestes Tennis zu spielen. Es geht auch um die Konstanz, die man während des gesamten Jahres zeigt.“

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Remis im Spitzenspiel. 2:2 trennten sich der FC Bayern und Borussia Dortmund. Die Bayern vergaben zahlreiche Chancen (so traf Harry Kane mit einem Elfmeter absurderweise nur die Latte). Das rächte sich, als kurz vor Schluss Flavio Silva mit einem platzierten Flachschuss Jonas Urbig im Bayern-Tor überwand.
  • England: Der FC Arsenal hat eine betrübliche Serie beendet. Das 1:0 beim FC Livberpool war der erste Sieg der Londoner an der Anfield Road seit 14 Jahren. Der deutsche Nationalspieler Kai havertz traf schon in der 16. Minute nach einer herausragenden Kombination. Arsenal führt die Premier League mit 3 Punkten auf Manchester City an, das zuhause gegen Brghton mit 0:1 verlor.
  • Tennis: Turniersiege feierten Harriet Dart in Guangzhou (Finalsieg über Lilli Tagger), Diana Shnaider in Tokio (Leyla Fernandez) und Valentin Vacherot (Jiri Lehecka). Jan-Lennard Struff zeigte erneut ein starkes Turnier, bezwang im Viertelfinale Novak Djokovic, unterlag aber im Halbfinale ganz knapp gegen Lehecka und vegab dabei im 2. Satz einen Matchball.
    Das österreichische Doppel Lukas Miedler/Neil Oberleitner feierte in Wien einen umjubelten Heimsieg.
  • Basketball: Zwei Niederlagen für den FC Bayern in der Euroleague: Dem knappen 84:88 zu Hause gegen den FC Barcelona folte am Donnerstag ein deprimierend deutliches 73:103 bei Roter Stern Belgrad. In der BBL setzte es dann am Sonntag mit 67:69 die erste Saisonpleite. Eine Woche zum Vergessen.

Traumabend vor Halloween

4:3-Erfolg, wechselnde Führung und das Siegestor in der letzten Minute. Das sind Ergebnis und Spielverläufe, die vielleicht in Fußball-Büchern vorkommen, so gleich zweimal bei Sammy Drechsels Jugend-Klassiker „Elf Freunde müsst ihr sein …“. In der Wirklichkeit kommt so etwas nie vor; zumindest in meinem Sechzig-Fan-Leben noch nicht (einmal ein 3:2 in letzter Minute gegen Lautern, einmal ein 4:3 nach 0:3 gegen Düsseldorf).

Bis Freitagabend, als die Münchner Löwen in der Regionalliga Buchbach eben mit 4:3 bzwangen. Durch Fielders Flachschuss in der fünften und letzten Minute der Nachspielzeit. Und damit ein unfassbares Spiel noch zu einem großartigen Ergebnis führte. Ein Spiel, das wahrlich die Nerven aller aufs Höchste und Schlimmste und Schönste strapazierte. „Das ist nur im Fußball möglich“, heißt es dann. Welcher der 15.000 Zuschauer im Grünwalder Stadion würde es ernsthaft bezweifeln?

Früh waren die Buchbacher durch Heiland (sic) mit 1:0 gegangen, die Löwen antworteten noch in der 1. Halbzeit, stellten durch Treffer von Niederlechner und Weber auf 2:1, hatten die Partie weitestgehend im Griff. Bis erneut Buchbachs Heiland aus der Ferne Maß nahm und den Ball aus etwa 20 Metern in den linken Winkel drosch, diesmal in der Tat unhaltbar für Schlussmann Eicher. Und weil es so schön war für Buchbach, zog kurze Zeit später Bahar nach einem fürchterlichen Löwen-Ballverlust aus ähnlicher Position ab, diesmal flach in die Ecke, aber wirklich auch unhaltbar? Ich melde Zweifel an. Drei Tore durch Fernschüsse von außerhalb des Strafraums, da darf man schon mal überlegen, zumal auch in den Partien zuvor ähnliche Gegentreffer gefallen waren. Wobei gerne auch mal ein Verteidiger-Bein abblockend dazwischenfahren darf.

Mit 3:2 für Buchbach gings in die Pause. Nach dem Wechsel taten sich die Löwen sehr schwer, die dichtgestaffelte Abwehr zu unter Druck zu setzen, echte Gefahr fürs Gäste-Tor entwickelte sich nicht. Was allerdings deutlich zu sehen war: das stete Bemühen. Umso mehr ärgerten mich die „Wir wolln euch kämpfen sehn“-Rufe, die ein paar grendebile Krakeeler Mitte der Hälfte anstimmten. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Hirnberbrannter geht es wirklich nicht: „Wir wollen euch kämpfen sehn“ ist meiner Erfahrung nach zu 95 Prozent ausgemachter Blödsinn – bei allen Teams. Hinterher plustern sich diese sogenannten Fans dann auf, dass es erst ihre Schreie gewesen seien, die die Mannschaft „aufgeweckt“ hätten. Alles schon gehört (allerdings nicht gestern).

Als zumindest ich schon nicht mehr mit Toren rechnete, drehten die Löwen noch mal auf. Der eingewechselte und sehr agile Calderon bugsierte den Ball über die Linie, angeblich abseits (in der Regionalliga gibts keinen VAR). Aber in der 82. Minute hatte auch das Schiri-Gespann nichts gegen Calderons Treffer einzuwenden – 3:3. Immerhin nicht verloren, so der Trost am recht kühlen Abend. Bevor sich Lance  Fiedler ein Herz fasste und ebenfalls aus recht weiter Entfernung zum Siegestreffer einnetzte. Zum 4:3. In der letzten Minute. Sammy Drechsel hätte es nicht schöner erfinden können, vielleicht/wahrscheinlich aber besser beschrieben.

 

Die Löwen sind jetzt tatsächlich Zweiter und hat realistische Chancen auf den Aufstieg. Was nach dem chaotischen Sommer samt Zwangsabstieg und kündigungsbedingte Trennung vom vermeintlich lebenswichtigen Geldgeber Hasan Ismaik sehr viel mehr ist, als ich in den kühnsten Träumen erwartet hätte. Zu viel spekulieren möchte ich über die Chancen noch nicht, zumal in der Regionalliga Bayern gar nicht klar ist, welche Vereine einen Aufstieg in die 3. Liga überhaupt stemmen wollen (und können), weil dort sehr hohe Auflagen herrschen, die für einen Dorfclub wie Buchbach (größter Respekt vor deren Leistung) gar nicht zu erfüllen sind.
Sicher ist jedenfalls, dass Sechzig  für die Spitze der Regionallliga ein mehr als konkurrenzfähiges Team beisammen hat. Trotz all der Fehler, die die meist noch jungen Akteure noch machen. Ich sehe viel Potenzial nach oben in fast allen Mannschaftsteilen, vielleicht kann das Team schon im Winter entscheidend verstärkt werden. Obs dann tatsächlich für den Meister reicht? Wir werden es sehen, zumal für den Bayern-Vertreter noch 2 Entscheidungsspiele gegen den Nordmeister (Flensburg? Lübeck? Drochersen-Assel?) anstehen; über diesen katastrophalen Modus rege ich mich dann auf, wenn es soweit ist

Florian Schröder – schlimmer geht es nicht

SENDEWARNUNG!

 

Wenn ihr die schlechteste, unlustigste Sendung eines entsetzlich selbstverliebten sogenannten Kaberattisten sehen wollt, dann ist Florian Schröder „Journal Deluxe“ etwas für Euch. Ansonsten. Hände weg von der Fernbedienung! Lost time! Leider nicht mal katastrophal schlecht, weil nicht mal Unfallglotzen belohnt wird (also nicht mal so schlecht, dass es wieder gut/lustig ist. Sondern schlicht nur entsetzlich langweilig und uninspiriert und ohne einen einzigen Überraschungs-Effekt. Jede trocknende Wand ist unterhaltsamer, spannender, lustiger, fantasievoller.

Der Mann war noch ja nie wirklich lustig, aber das setzt allem Katastrophalen die Krone auf. Ein Bewerbungsschreiben des ZDF, dass es sich bitte von jetzt auf gleich abschaffen will. Obwohl: Offenbar weiß man sogar in Mainz, waxs für ein erbärmlicher Mist, was für geqirtlre Sch. aus einem unlustigem Hintern gequollen ist. Denn linearer Sendetermin ist Mittwoch, 0:45 Uhr, quasi als Vorgeschmack des Trumpschen Wahlbetrugs namens Midterms.

Die Brewers feiern Titel-Premiere

Blick über den Teich, MLB

 

Tampa Bay Rays – MILWAUKEE BREWERS 1:4 (Endstand: 1:4)

 

Kein Drama, nirgends. das Ende der World Series war kurz und schmerzlos. Als wollten die Brewers der Welt noch mal zeigen, was für ein herausragendes Team sie sind. Das Ergebnis von 4:1, mit dem es den 4. Erfolg und damit den Titel auch rechnerisch festmachte, spiegelt die Überlegenheit nicht annähernd wieder. Diesmal gab es auch nicht den einen Moment, der die Partie hätte kippen können.

Das lag zunächst mal am Starting Pitcher. Jakob Misiorowski konnte endlich einmal in den Play-offs seinen überragenden Ruf bestätigen, den er sich in der Saison erarbeitet hatte. Bis dato hatte er nicht schlecht geworfen, bleileibe nicht, aber jetzt, in Spiel 5, da dominierte er die gegnerischen Schlagmänner fast nach Belieben. Nicht mit Strikouts, nicht mit Fastballs von 105 Meilen (nur 102 waren es), aber  in 5.2 Innings ließ er gerade mal 2 Hits und einen Walk zu. Und war vor allem Manns genug, den Stab weiterzureichen, als er selbst das geringste Zeichen von etwaigen Nachlassen spürte.

Sein Gegenüber tat es ihm allerdings nahezu gleich. Drew Rasmussen pitchte trotz kurzer Pasuse von nur 3 Tagen nach seinem letzten Start ebenfalls großartig. Zwar musste er im 2. Inning einen Run durch Cooper Pratts Single hinnehmen, ansonsten aber blieb er makellos. Trotzdem nahm ihn Manager Kevin Cash nach dem 4. Durchgang vom Mound, obwohl die Ersatzwerfer in den Tagen zuvor extrem viel Arbeit verrichten mussten und dabei nicht unbedingt souverän wirkten. War es übertriebene Vorsicht? Hatte Cash mal wieder zu viel auf Konstellationen geschaut, ein Thema, das sich durch die gesamten World Series zog?

Die Rays-Ersatzwerfer konnten das Unheil jedenfalls nicht abwenden. Die Brewers erhöhten im 5. Inning auf 2:0 und durch zwei. weitere Runs im 6 Durchgang auf 4:0. Das war mehr als die Vorentscheidung, denn warum sollte der bisher überragende Bullpen der Brewers ausgerechnet jetzt implodieren? Er tat es nicht, sondern sorgte kontiniuierlich für Aus um Aus. Kein Hit im 6. Inning, kein Hit im 7. Inning, kein Hit im 8. Inning. Zu langweilig, befand Closer Trevor Megill offenbar im 9. Inning, wenigstens ein bisschen Thrill muss sein. Zwei Doubles von Liam HIcks und Chandler Simpson brachte wenigstens den Ehrenpunkt. Dann machte Megill wieder und eliminierte Richie Palacios per Groundout – das 3. und entscheidende Aus, Sieg und World Series für Milwaukee.

Jubel nicht nur im Tropicana Field zu St. Petersburgh, wo sich erneut auffallend viele Brerwes-Fans versammelt hatten. Auch im zugeschalteten Milwaukee-Stadium war die Hölle los vor ausverkauften Rängen.

Spannung kam dann bestenfalls noch auf, als es um die Verkündung des MvP ging, denn so viele aus dem Brewers-Kader hätten diese Auszeichnung verdient gehabt. Am meisten jedoch tatsächlich William Contreras, der letztlich die Trophäe überreicht bekam. Die Krönung eines gigantscihen Jahres für den überragenden Catcher. Das ja mit dem WM-Titel für Venezuela im März für ihn und Mannschafts-Kollegen Jackson Chourio so verheißungsvoll begonnen hatte

 

Ein komplettes Team, eine großartige Mannschaft

 

Ich mag die Begriffe „verdienter Sieg“ oder gar „verdienter Titel“ nicht besonders (was ist schon unverdient?).. Und doch stelle ich fest, dass mit den Milwaukee Brewerss das mit Abstand beste Team des Jahres Meister geworden ist. Eine Mannschaft ohne den absoluten Superstar der Szene wie etwa Aaron Judge (NY Yankees) und Shohei Ohtani (L’A Dodgers). Eine Mannschaft, die keinen Superstar-Baseball spielt (also allein auf Homeruns ausgehend). Sondern eine, die die Essentials diess Sports beherrscht. Kontrolliertes, starkes Pitching, außerordentlich gute und nahezu fehlerlose Verteidigung, und jeder in der Schlagaufstellung ist jederzeit für Hits gut. Wie Cooper Pratt. Erst im Juni wurde der Rookie ins erste Team hochgezogen, wo er ordentlich agierte. Um plötzlich in den World Series sich als unüberwindbar zu zeigen mit einer Hit-Serie von fünf, noch nie war ein Neuling in World Series besser.

Die Ausgeglichenheit des Teams machte es aus. Und doch möchte ich einen weiteren Profi herausheben. Aaron Ashby, der beste der vielen guten im Bullpen der Brewers (Ersatzwerfer). In den gesamten Play-offs musste er nicht einen einzigen Run des gegnerischen Teams hinnehmen, in den 3 Einsätzen gegen die Rays ließ er in insgesamt 5.2 Innings genau einen (folgenlosen) Hit zu.

 

Große Zukunft mit einem großen Fragezeichen

 

Die Zukunft der Brewers könnte großartig werden. Eine großartige Mannschaft, deren Spieler meist noch recht jung sind und sich auch außerhalb des Felds glänzend verstehen, Team-Manager Pat Murphy, der zu den schlauesten und empathischten Vertretern seiner Zunft gehört. Doch ob es im nächsten Jahr überhaupt etwa zu feiern gibt, steht in den Sternen. Schon im Dezember läuft der Vertrag zwischen Spielergewerkschaft und Liga aus, derzeit gibt es wenig Anzeichen auf eine Annäherung, gar eine Einigung. Wohin das führt, wissen leidgeprüfte Baseball-Fans. Eine Jahr, in der nicht oder  weniger Baseball gespielt wird. Zumindest der verspätete Saisonstart wie 2020 scheint mittlwerweile unvermeidlich, so verfestigt sind die Standpunkte.

 

Die Rays bleiben im Rennen

Blick über den Teich, MLB

 

Tampa Bay Rays – Milwaukee Brewers 4:1/12. Inn. (1:3)

 

Alles sprach gegen die Rays. Der unaufholbare 0:3-Spiele-Rückstand gegen die Brewers, die unfassbare Form des Kontrahenten, nicht zuletzt das nur vermeintlich heimische Tropicana Field, das von den lärmenden Fans aus Milwaukee förmlich überrannt und von ihnen in eine Auswärts-Arena umfunktioniert wurde.
Und jetzt – im oberen 12. Inning dieser aufreibenden 4. Partie der World Series, waren die Brewers tatsächlich mit 3:2 in Führung gegangen durch Cooper Pratts Homerun. Ein Rookie, der als Matchwinner und Serien-Beender seinen ohnehin fantastischen Tag krönen würde, das wäre doch die nächste der vielen Helden-Geschichte der Brewers. Jackson Chourio, der fast nach Belieben trifft, Wilson Contreras, der Catcher mit dem Adlerauge, Einwechsel-Pitcher Aaron Ashby, der mittlerweile seit 18 Innings ohne Gegenpunkt – Play-off-Rekord in der MLB.

Oder etwa nicht, denn noch hatten die Rays ein halbes Inning, um sportlich am Leben zu bleiben? Für Tampa, aber auch für alle Fans, damit diese noch ein bisschen mehr von dieser großartigen Baseball-Serie sehen dürften. Der erste Schlagmann war Junior Caminero, der den Ball in Richtung 3. Base beförderte. Wo ihn Joey Ortiz zwar gut aufnahm, aber viel zu ungenau in Richtung seiner 1. Base beförderte. Error und der 1. Mann auf Base. Es folgte Liam Hicks mit seinem zweiten Hit der Partie: Läufer auf den Ecken (die Bases 1 und 3) und null Aus. Endlich meldeten sich auch die heimischen Rays Fans. Jonny de Luca am Schlag, viermal an diesem Abend bis dato erfolglos. Jetzt traf er den Ball, und der für Caminero eingewechselte Läufer (Pinch Runner) Cedric Mullins von der 3. Base rannte nach Hause – 3:3 und immer noch kein einziges Aus. Chandler Simpson war der nächste Schlagmann, der unfassbar gute Verteidiger im rechten Außenfeld, und auch er traf den Ball und lud die Bases bei keinem Aus.

Würde ausgerechnet Ben Williamson der Matchwinner werden. Der bisher in der Serie überhaupt keine Rolle gespielt hatte? Der bis dato mehr als 4 Stunden tatenlos und bestenfalls anfeuernd auf der Ersatzbank gesessen hatte. Williamson kam, sah und siegte, ich kann es abgedroschener nicht schreiben. Er traf den Ball zwar nicht sauber, aber doch so gut, dass ihn keiner der Verteidiger erwischen konnte – 4:3. Und das Tropicana Field bebte vor der Rays-Begeisterung, während die Käse-Hpte aus Milwaukee verstummten.

 

Ausblick

 

Die große Frage, die sich jetzt alle stellen: Ist das die große Wende? Beginnt jetzt auch bei den Brewers das Nervenflattern oder war die Niederlage nur ein Ausrutscher, der im Baseball so schnell passiert. Es muss ja seine Gründe haben, warum in. der so langen Geschichte der Play-offs erst ein einziges Mal ein 3:0-Sieg-Vorsprung noch verspielt wurde.

Schon heute Nacht (01:00 MEZ) treffen die beiden Teams erneut aufeinander, zum letzten Mal in Tampa, jetzt aber vor hoffnungsvollen und lauten Rays-Fans. Für die Brewers wird Jakob Misiorowski als erster Werfer auf dem Mound stehen, für die Rays höchstwahrscheinlich Drew Rasmussen. Nominell die besten Pitcher der Teams, Ausgang offen.