von Münchner Löwe | Aug. 1, 2026 | Fußball
Diese Übernahme-Fantasie hat sich dann doch schnell erledigt. Nicht einmal eine Woche, nachdem Gianni Infantinos Plan, Teile der WM-Rechte an eine Investoren-Gesellschaft im Dunstkreis von Donald Trump zu verhökern, folgte der Rückzieher. Zu stark die Kritik: nicht nur die UEFA, die mit einem Boykott aller FIFA-Turniere drohte, solange dieser Plan nicht komplett abgeräumt werde, sondern auch von anderen Kontinental-Verbänden aus Nordamerika und Asien.
Infantino zog also gestern Nacht die Notbremse, erklärte das Unternehmen für beendet. Er bedauere die Unstimmigkeiten, er habe nur zum Wohle des Fußballs gehandelt. Das Ziel der Fifa sei es, stets zu vereinen und zu verbessern, sagte Infantino weiter. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“
Da sprach ein gescheiterter Herrscher, aber nicht aus Überzeugung, sondern allein, um den Schaden, den er angerichtet hat, zu minimieren. Den Schaden, den er persönlich erleiden könnte. Denn zumindest die UEFA will jetzt Blut sehen, Infantinos Blut. Das ohnehin schon angeknackste Verhältnis zwischen dem wichtigsten Kontinentalverband und der Infantino-FIFA ist jetzt komplett zerrüttet. Jetzt hat der umtriebige Schweizer aus Sicht der Verbände alles erträgliche Maß überschritten, sämtliches Vertrauen ist verspielt.
Es war ja nicht nur der aberwitzige Plan an sich von Infantino, die WM-Rechte zu verscherbeln. Sondern vor allem auch die Art und Weise, die extrem sauer aufstieß: nämlich die übelsten Hinterzimmer-Deals ohne irgendwelche konkreten Rechte und Pflichten, aber auch ohne jegliches Einbeziehen der wichtigsten Gremien. Das Ganze kam am Montag ja nur durch eine Indiskretion heraus. Offenbar wollte Infantino den Entscheidern (also den 211 FIFA-Verbänden noch weniger Zeit geben. Die 20 Millionen, die jedem Verband bei einem Ja zustehen würden, sollten jedwede rationale überlegung ausschalten. Platt gesagt: Infantino rechnete schlicht damit, dass viele Funktionärskollegen mindestens so skrupellos und geldgierig wären wie er, ganz falsch liegt er mit dieser Annahme wahrscheinlich gar nicht. Aber nicht nur für ihn kam die harsche und unwiderrufliche Reaktion samt Boykott-Androhung überraschend.
Infantinos Zukunft sehr unsicher
Es ist gerade schwer vorstellbar, wie Infantino selbst auch nur ein einigermaßen normales Verhältnis mit dem europäischen Verband wiederherstellen will. Zu harsch die Kritik, und bei einigen, die bisher mit der Faust in der Tasche jede noch so große Sauerei Infantinos (der Friedenspreis für Trump fällt mir gerade ein) mitgemacht haben, knallt jetzt der ganze Frust ungefiltert heraus. Die UEFA warf Infantino vor, einen schäbigen und undurchsichtigen Deal eingefädelt zu haben. Dass dieser gescheitert sei, sei zwar ein Sieg für den gesamten Fußball. „Aber das darf nicht das Ende sein.“
Da der machtbesessene Infantino aus freien Stücken nicht abdanken wird, muss er eben abgewählt werden. Im März 2027 steht die Wahl zum FIFA-Präsidenten an. Noch immer kann sich Infantino im Normalfall auf sehr viele kleinere Verbände verlassen, deren Top-Funktionäre Geldgeschenken sehr zugetan sind. Um den Schweizer wirklich abzuwählen, braucht es jetzt einen starken Kandidaten (eine Kandidatin wäre leider in vielen Ländern immer noch nicht vorstellbar). Wenn die UEFA sich geschlossen auf einen geeigneten Mann einigen könnte (vielleicht ein Ex-Profi, der überall Sympathien gewonnen hat?), der auch für andere Kontinententalverbände wählbar ist, dann könnte tatsäclich das bis vor zwei Wochen Undenkbare geschehen: dass Infantino bald nicht mehr FIFA-Präsident ist. Dessen Widerstandfähigkeit darf aber niemand unterschätzen.
von Münchner Löwe | Juli 30, 2026 | Fußball, WM
Was für eine Gegenmaßnahme der UEFA!
Einstimmig haben die 55 Verbände am Donnerstag beschlossen, dass jedes FIFA-Turnier boykottiert wird, solange das Vorhaben der Veräußerung der WM-Rechte an Investoren auch nur „im Raum steht!“. Es wird verlangt: ein klares, unwiderlegbares und unwiderrufliches VERSPRECHEN seitens der FIFA (sprich: Infantino und seinen Mitstreitern), dass diese Pläne beerdigt werden. Kein Lavieren, kein Schaunmermal, auch kein Feilschen um mehr Anteile, sondern ein Junktim: Wir, die europäischen Länder, machen bei allen FIFA-Turnieren nur noch mit, wenn dieses Szenario weg ist – und zwar für alle Zeiten. Das gilt ab sofort, also schon für die U-20-WM der Frauen ab 5. September in Polen.
Ich hätte eine derartig klare und scharfe und unzweideutige Reaktion tatsächlich nicht erwartet; mein Vertrauen gerade auch in die europäischen (nationalen) Verband-Funktionäre ist sehr klein. Von der man auch nicht mehr so ohne Weiteres wieder runterkommt. Das ist auch als eindeutiger Fehde-Handschuh gegen Infantino selbst zu verstehen und als Selbstkritik, viel zu lange den Untrieben des mafiösen FIFA-Bosses zugeschaut zu haben. Zwischen den zeilen steht ebenso als Signal für die anderen Kontinental-Verbände: mit diesem Menschen wollen wir im Prinzip überhaupt nichts mehr zu tun haben
Ich gehe schwer davon aus, dass diese radikale Reaktion auch mit den Club-Vertretern und auch Spieler-Vertretern abgesprochen war (die von so einem Boykott am ehesten betroffen wären).
von Münchner Löwe | Juli 30, 2026 | Fußball, WM
Ich hatte ja sehr gehofft, nach dieser Weltmeisterschaft für ein paar Monate nichts von Gianni Infantino hören würde. Dass der FIFA-Boss höchstzufrieden in seinem FIFA-Schloss in Zürich oder Dubai oder sonstwo die Milliarden zählen würde, die dieses merkwürdige Fußball-Turnier in Nordamerika dem Weltverband beschert hat.
Eine trügerische Hoffnung, denn diese Woche platzte der Schweizer mit einem schamlosen Deal in die Vorbereitung für die neue Saison. Danach soll die Weltmeisterschaft an Investoren verkauft werden. Nicht vollständig, aber doch zu einem Viertel, die Rede ist von 20 bis 30 Prozent. Als Verkaufspreis stehen 20 Milliarden Dollar im Raum. Eine Riesensumme, die sich angesichts der unglaublichen Gewinne bei einer WM schnell amoritsieren dürfte.
Mit einem Interessenten sind die Verhandlungen schon sehr weit gediehen. Es heißt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei bezüglich des Plans konsultiert worden, die Investmentbank JP Morgan wickele den Prozess ab. Infantino, der laut Statuten nur bis 2031 FIFA-Präsident bleiben darf, könnte anschließend Kommissar der neuen Organisation werden. Dann könnte sich sein Jahresgehalt verzehnfachen. Roger Goodell, der Commissioner der NFL, verdient gut 60 Millionen Dollar per anno. Der Unterschied: Goodell ist Angestellter der NFL, er muss das umsetzen, was die Owner mehrheitlich beschließen.
Erpressung mit Geldgeschenken
Infantino wäre nicht der mafiöse FIFA-Boss, würde er den Verbänden nicht die Pistorle auf die Brust setzen. Diese nämlich müssen bis September die Pläne absegnen, mit der einfachen Mehrheit bei einer Abstimmung der 211 Mitgliedsverbände. Damit sie das tun, werden sie mit Geld geködert, sehr viel Geld. Nach konservativen Berechnungen würden sie 5 Millionen Euro pro Jahr kassieren statt bisher etwa 2 Millionen. Das mag bei einem Riesenverband wie den DFB nicht die ganz große Summe sein, wohl aber für Winz-Verbände wie Vanuatu oder Fiji (nix für ungut). Die nach den one-country-one-vote-Regularien der FIFA aber die gleiche Stimmgewalt haben. Eine weitere Sauerei: Laut Infantino sollen nur die Verbände kassieren, die mit „Ja“ stimmen (offenbar ist keine geheime Wahl geplant).
Es droht also nicht anderes als der Total-Ausverkauf des Fußballs, falls denn eine Steigerung überhaupt noch möglich ist. Denn auch wenn die Investoren angeblich keinen direkten Einfluss auf die WMs haben dürfen (neben den Männern auch die der Frauen und die Club-WM), ihre rein finanziellen Interessen finden natürlich trotzdem Gehör, was Austragungsort und Modus betrifft. Und so schwirren schon die Szenarien von der WM alle 2 Jahre (natürlich mit dann 64 Teams), gerne auch mit weiteren werbe-freundlichen Regeländerungen, das hat ja schon bei der „Trinkpause“ prima geklappt.
Die UEFA schäumt
Die erste Reaktion des europäischen Verbandes war: glatte Ablehnung, ja Verurteilung der Pläne. Damit sei eine „rote Grenze“ überschritten, heißt es in einer Stellungnahme. Für Donnerstag ist eine Dringlichkeitssitzung aller Verbände anberaumt. Einziges Thema: nicht mit uns. Und Europa hat ein sehr scharfes Verteidigungsschwert: den Austritt aus der FIFA, zumindest den Boykott der WM. Eine WM ohne europäische Länder wäre wirtschaftlich sinnlos, weil sportlich wertlos. Denn sogar wenn es ein Turnier ohne Europa geben würde, die Clubs müssten dann die Profis aus Afrika, Amerika und Asien nicht abstellen (wenn sich die UEFA vorher aus dem Weltverband abgekoppelt hat). Vielleicht könnten sie sogar Spieler für eine oder zwei Saisons sperren, wenn sie trotzdem teilnehmen. ja, das klingt drastisch, aber eine andere Sprache versteht der mafiöse Infantino nicht!
Um die Pläne von vornherein abzusägen (oder wenigstens abzumindern) wäre es heute schon sehr günstig, wenn eine breite Mehrheit sich klar dagegen aussprechen würde. Natürlich mit allen sehr weitreichenden Konsequenzen, die ein FIFA-Austritt oder Boykott mit sich bringen würde. Der eine oder andere Verbandhat schon leichte Sympathie für den Total-Ausverkauf bekundet (Tschechien ist mir zu Ohren gekommen). Dagegen hat sogar der Infantino-hörige Bernd Neuendorf den Plänen eine klare Absage erteilt.
Kritik gibt es aber nicht nur aus Europa, sondern auch aus Asien und sogar Nordamerika. Hier wird aber eher das Procedere angegriffen, nämllich dass Infantino und ein paar Getreue die quasi im stillen Kämmerlein so weit haben gediehen lassen.
Ich will nicht sagen, das die Zukunft des Fußballs auf dem Spiel ist, er ist sehr resistent. Aber ich erwarte heute eine ganz klares UEFA-Zeichen. Damit die Irrsinns-Pläne des Gianni Infantino und der Trump-Mafia möglichst schnell wieder verschwinden.
von Münchner Löwe | Juli 27, 2026 | Radsport, Tennis
Die letzte Tour-Woche und 2 bemerkenswerte Tennis-Turniere
Pogacar ungefährdet
Wie erwartet, hat Tadej Pogacar ungefährdet die Tour de France gewonnen. Der Slowene zeigte noch einmal sein ganzes Können, als er am Freitag wie von ihm erwünscht die Etappe nach Alpe d’Huez für sich entschied. Und zwar in einer Art und Weise, die einen nur sprachlos zurückließ.
Mit etwa drei Minuten war die Pogacar-Gruppe der Besten im Gesamt-Klassement hinter einem Führungstrio in den sagenumwobenen Anstieg mit den 21 Kehren gegangen, da machte sich Pogacar allein zur Verfolgungsjagd auf und davon. Sekunde um Sekunde knabberte er an Rückstand weg, immerhin gegen einen Weltklasse-Kletterer wie Richard Carapaz. Einen Kilometer vorm Zielstrich der Zusammenschluss, und als der Slowene wegspurtete hatten weder Carapaz noch sein Fluchtgefährte Martinez auch nur den Hauch einer Chance.
Die legendäre Etappe hoch nach Alpe d’Huez fehlte noch in der reichen Erfolgssammlung des Slowenen. Er brauchte für den Anstieg gut eine Minute weniger als der bisherige Rekordhalter Marco Pantani, dem dieses Kunststück in den Hochzeiten des Dopings geglückt war. Gerüchte und Mutmaßungen wollen angesichts der unfassbaren Überlegenheit nicht verstummen, aber bisher ist Pogacar aus allen Dopingkontrollen ohne positven Befund geblieben.
Tags darauf ging es (nach einer mörderischen Etappe mit drei Bergwertungen der höchsten Kategorie noch einmal nach Alped’Huez, diesmal von der anderen, nicht so schweren Seite. Wieder sprang Carapaz vom Hauptfeld früh weg mit Fluchtgefährten Sepp Kuss. Der in einer rasenden Abfahrt für einen Schreckenmoment sorgte, als er die Kontrolle verlor und zu Sturz kam. Gott sei Dank genau an einer Stelle, wo ein Fangnetz aufgezogen war, sonst wäre er hunderte von Metern in die Tiefe gestürzt. Was einem immer wieder vor Augen führt, welche riesigen Gefahren die Tour-Teilnehmer auf sich nehmen. Da sind die Schlüsselbeinbrüche, die die Spitzenfahrer Monas Vingegaard und Florian Lipowitz erlitten hatten, Tagesgeschäft.
Durch den Sturz verlor der zu diesem Zeitpunkt knapp führende Kuss natürlich alle Chancen auf den Etappensieg. Den schnappte sich Carapaz. Höchstwahrscheinlich auch deshalb, weil Pogacar diesmal auf eine Verfolgungsjagd verzichtete. Diesmal begnügte er sich, seinen hochtalentierten Teamgefährten Isaac del Toro ins Ziel zu eskortieren, auf dass der Mexikaner das Weiße Trikot des besten nachwuchsfahrers absichern könnte. Dies gelang, auch weil dessen Konkurrent Paul Seixas weiter Zeit verlor.
Carapaz feierte aber nicht nur den zweiten Etappensieg in den Alpen, mindestens genauso wichtig war dem Mann aus Ecuador das Bergtrikot, das er dann bis Paris trug.
Eine ganz starke Leistung lieferte Remco Evenepoel ab. Der Belgier vom Red-Bull-Team war klar der zweitstärkste Mann im Feld. Endlich zeigte er seine überragenden Fähigkeiten auch im Hochgebirge (diese Fähigkeit hatte er bisher vermissen lassen). An Pogacar kam er zwar nicht heran, alle anderen Konkurrenten hatte der Belgier sicher im Griff.
Van der Poels unfassbarer Endspurt
Die letzte Etappe in Paris wollte Pogacar noch mal gewinnen. seit 2025 ist ja in die Tour honneur in der Hauptstadt der knackige Anstieg zum Montmartre eingebaut, einer der Glanzpunkte der Olympischen Spiele 2024. Die Gesamtwertung ist vorher neutralisiert, aber der Kampf um den Tagessieg erfährt dadurch noch mal ein unglaubliches Spektakel. So auch am Sonntag. Beim letzten Anstieg setzte sich Pogacar ab, und nur Matthew van der Poel konnte folgen. Etwa 15 Sekunden konnten sie herausfahren, sie wechselten sich perfekt in der Führungsarbeit ab, und lange schien es so, als würden sie tatsächlich durchkommen. Doch das rasende Feld, in dem die Helfer der Sprintspezialisten ein unfassbares Tempo anschlugen kamen dann doch Sekunde für Sekunde näher – ein echter Krimi. Etwa 600 Meter richtete sich Pogacar auf, er konnte nicht mehr. Wohl aber van der Poel, der das Tempo beibehielt. Und doch kam die Meute näher und näher. Irgendwie mobilisierte van der Poel Kräfte aus seinem Körper, aber als er die Ziellinie übeqwuerrte, da jubelte ein anderer: kurze Verwirrung, dann war klar: Der Belgier Jesper Philippsen feierte nicht selbst, sondern seinen Teamkollegen van der Poel. Nur zur Sicherheit war der Belgier mitgespurtet, damit der Sieg auf jeden Fall im Team blieb. Was für ein faszinierender Schlussakkord dieser faszinierenden Tour.
Lilli Tagger zeigt bei den Großen auf
Die österreichische Tennisspielerin habe ich seit gut einem Jahr auf dem Zettel. Genauer gesagt, seit dem French-Open-Triumph bei den Juniorinnen 2025. Seitdem geht es stetig aufwärts mit der mittlerweile 18-Jährigen, die sich innerhalb eines Jahres von einem Platz jenseits der 500 in die Top 100 vorgespielt hatte. Jetzt der erste Turnier-Sieg bei den „Großen“, nämlich beim Turnier in Prag. Gewiss, nicht das ganz große Event, längst nicht so gut besetzt wie ein Grand-Slam- oder Masters-Turnier. Aber doch eines mit vielen Lokalmatadorinnen aus Tschechien, dem schier unerschöpflichen Talente-Reservoir.
Das Meisterstück machte Tagger schon am Samstag im Halbfinale, als sie in einer spektakulären Partie Barbora Krejikova bezwang. Ihres Zeichens Wimbledonsiegerin 2024 und auch in Paris hatte sie schon triumphiert. In einer Partie Spitz auf Knopf gewann sie im Tiebreak des 3. Satzes, und quasi zum Drüberstreuen siegte Lilli Tagger auch im Finale gegen Daria Snigur aus der Ukraine.
Offenbar ist Tagger jetzt der Sprung in die Elite gelungen (bei aller Vorsicht). Mit 1,85 Metern ist sie einer der Längsten im Feld, ihr Aufschlag dementsprechend eine echte Waffe, obwohl sie wahrlich nicht muskelbepackt ist. Der Paradeschlag ist die wunderschöne einhändige Rückhand (leider im Aussterben begriffen, erst recht bei den Frauen), mir der sie unerreichbare Bälle schlagen kann.
Taggers großes Glück: Mit der Italienerin Francesca Schiavone hat sie eine erfahrene Trainerin: eine ehemalige Topspielerin ebenfalls mit einer einhändigen Rückhand; die Tagger perfekt anleitet, und auch das Umfeld scheint geerdet. Es geht nicht um den schnellen Triumph, sondern an das langsame Heranführen ans Spitzentennis. Wo dann die Grenze ist, bleibt abzuwarten. Dass ihr gegenwärtiges Ranking von Platz 45 schon der Plafond ist, glauben allerdings nicht mal die schlimmsten Pessimisten, die Top Ten scheinen zumindest mittelfristig bei allen Unwägbarkeiten auf jeden Fall drin. Ich werde den Weg der Lilli Tagger weiter verfolgen.
Bei Korpatsch geht endlich der Knopf auf
Tamara Korpatsch gab als Riesentalent auch Anlass zu den größten Hoffnungen. Aber viele Verletzungen verhinderte die große Tennis-Karriere. Doch jetzt, mit 31Jahren, belohnte sich die Deutsche dafür, dass sie stets drangeblieben ist, dass sie trotz vieler Rückschläge nie aufgegeben hate. In Hamburg schaffte sie am Sonntag den Turniersieg, durch einen Finalsieg gegen die Ungarin Anna Bondar.
Geradezu märchenhaft war die Woche der Tamara Korpatsch verlaufen mit Siegen unter anderem gegen die weit höher eingestuften und auch eingeschätzten Kalinina und Sherif. Der Lohn: Etwa 30.000 Dollar Prämie und der Sprung auf Rang 46, einen Platz also hinter Tagger. Und somit die Gewissheit, zumindest für ein jahr bei allen wichtigen Turnieren im Hauptfeld zu stehen.
Und sonst?
von Münchner Löwe | Juli 26, 2026 | Allgemein
Jetzt ist es also offiziell. Jürgen Klopp wird die Fußball-Nationalmannschaft betreuen. Ein äußerst zuversichtlicher Mann stellte sich am Freitag im Frankfurter DFB-Campus vor; voller Tatendrang und wie es scheint auch voller Kraft und Energie. Die vergangenen anderthalb Jahre als Head of global Soccer bei Red Bull und dazu als Magenta-WM-Experte scheinen nicht allzu zehrend gewesen sein. Apropos Rote Bullen, wo er noch unter Vertrag stand. Das Thema scheint elegant gelöst zu sein: 1 Million Euro überweist der DFB an die Stiftung Wings for Live, die sich für gelähmte Menschen einsetzt (bekannt durch einen jährlich stattfindenden Wettbewerb an mehreren Orten gleichzeitig), außerdem soll es bis 2030 drei Länderspiele in der Red-Bull-Stadt Leipzig geben.
Klopp verbreitete Aufbruchstimmung. Was er will? Das ganze Land wieder begeistern für Fußball, wenn möglich sogar ändern. In drei Städten, Mainz, Dortmund und Liverpool sei ihm das gelungen. An mangelnder Unterstützung soll es nicht fehlen. Kloppo durfte sein Wunschteam an Assistenz zusammenstellen. Nicht nur seine langjährigen Co-Trainer Peter Krawietz und Pepijn Lijnders verstärken das Team, sondern auch Sven Bender, einst beim BVB einer seiner Lieblingsspieler. Als großer Stratege dient zudem sein Intimus Marc Kosicke, dem er seit Jahrzehnten in allen relevanten Dingen auch jenseits des Fußballs vertraut. Der DFB nickte alle Personalien und Vorstellungen ab, Alternaltiven zu Klopp hat er er auch nicht zur Hand.
Eines darf man gewiss sein: Jürgen Klopp wird sich reinknien. Auch wenn sein Job offiziell erst am 15. August beginnt, er wird jetzt schonh mit der Sichtung von Profis beginnen. 55 Spieler habe er erst mal unter Beobachtung, berichtete er. Und im Gegensatz zum eher reisefaulen Vorgänger Julian Nagelsmann werde er sehr viel unterwegs sein: nicht nur in den Bundesligastadien, sondern überall auf der Welt, „wo unsere Jungs unterwegs sind“. Eines habe er sich auf jeden Fall vorgenommen. Die Leute sollen Spaß an den Spielen haben und zufrieden nach Hause gehen.
Klopps merkwürdige Wutrede
Alles paletti also? Jürgen Klopp wäre nicht Jürgen Klopp, würde er nicht anecken! Das Fett bekamen die anwesenden Medien ab (und zwar bevor die überhaupt tätig wurden). „Wenn ihr mich euch danebenbenehmt, bin ich weg!“ Nein, eine Stimme reiche nicht. „Aber auch wenn der DFB findet, dass es scheiße ist, bin ich weg.“ Ohne Abfindung, wie er betonte (erstaunlich genug).
Diese maßlose Kritik und vor allem dieser raue Ton, der ohne Not gesetzt wurde, erzürnen mich; vor allem, weil sie vermeintlich völlig ansatzlos und unbegründet quasi aus dem Nichts kam. Wohl kein Bundestrainer seit Franz Beckenbauer 1984 hat dermaßen fast unbegrenzten Vorschusslorbeer erfahren. Vor allem ist er der Held der Boulevard-Presse, die schon seit Dortmunder Zeiten von einem Bundestrainer Klopp träumen. Offenbar hat er aber mitbekommen, wie mit seinem Vorgänger Julian Nagelsmann umgesprungen wurde. Einer seiner schärfsten Kritiker war: Jürgen Klopp. der bei Magenta sehr schnell sehr große Lust verbreitete, wie sehr ihn (Kloppo) dieser Job reizen würde. Kurz gesagt: Klopp hat vor einem wie Jürgen Klopp Angst.
Die Philippika rührt auch von einem seltsamen Verständnis des Journalisten-Berufs. Auch wenn man es oft nicht glauben will, es gilt bei vielen immer noch der Leitsatz von Hanns-Joachim Friedrichs, der Journalisten und Reporter davor warnt, sich mit einer Sache gemein zu machen, auch mit einer guten.
Völlig in Ordnung finde ich es allerdings, dass sich Klopp Einmischungen oder besonders tiefes Graben in sein Privatleben, zumal er selbst dieses praktisch völlig unter Verschluss bleibt.
Trotzdem Aufbruchstimmung
Trotz dieses leichten Misstons (den ich jetzt auch nicht überbewerten will): die positive Grundstimmung überwiegt, zumal an der Kloppschen Fußball-Expertise kaum seriöse Zweifel bestehen. Vor allem die Hoffnung, dass Klopp und die Seinen auch den arg verbrämten DFB durchschütteln, was vielleicht sogar zu einer Demission des komplett überforderten Verbands-Chef Bernd Neuendorf führt. Ich darf ja wohl noch träumen!
Wie schnell dann der Erfolg eintritt (wie auch immer der zu definieren ist), muss man sehen. Wunderdinge kann Klopp nicht bewirken, zumal er sich die Spieler nicht backen (oder auch nur einkaufen kann). Schon gar nicht bei seiner Länderspiel-Premiere am 25. September in Amsterdam gegen Holland.
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