von Münchner Löwe | Juni 22, 2026 | basketball
Die Gelegenheit für den Besuch in der modernen neuen Münchner Halle bot sich an: Basketball-Bundesliga, 5. und entscheidendes Spiel der Finalserie am Sonntag zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin, den beiden deutschen Vorzeigeclubs. Dass es dazu kam, stand erst am Freitag fest, am Samstagmorgen der Kartenkauf (virtuell, versteht sich). Der Platz in der Verlängerung einer Spielfeld-Ecke nicht perfekt, aber doch gut genug, um die knisternde Atmosphäre im vollbesetzten SAP Garden einzusaugen. Große Aktien hatte und habe ich weder bei den Münchnern noch bei den Berlinern. Nur spannend möge es sein, war meine Hoffnung.
Danach sah es nach der 1. Halbzeit wahrlich nicht aus. 47:27 führten die Gastgeber, insbesondere ein desaströses 2. Viertel der Berliner hatte dazu beigetragen, als ihnen gerade mal 7 Pünktchen gelangen. Zarte Hoffnung auf eine Aufholjagd, als Alba im 3. Viertel zunächst auf 6 Punkte herankam, doch vor dem Schlussabschnitt stand es 66:53; da ging nichts mehr – oder?
Nun sollte ich durch die NBA und speziell des diesjährigen Champions New York Knicks Aufholjagden auch nach zweistelligen Rückstand gewohnt sein. Aber was jetzt im Garden (SAP, nicht Madison Square) geschah, erstaunte und faszinierte zugleich. Binnen 3 Minuten hatte Alba mit einem 14:0-Lauf den Rückstand nicht nur wettgemacht, sondern in einen Vorsprung verwandelt. Plötzlich fiel jeder Wurf, während bei den Münchnern überhaupt nichts mehr ging. Immehin rafften sie sich noch zu einem Schlagabtausch auf, die Führung wechselte mehrfach, aber am Ende hatten die Gäste tatsächlich das bessere Ende für sich. Vielleicht auch, weil die Münchner arg früh begannen, den Gegner per Fouls an die Freiwurflinie zu schicken anstatt zu versuchen, die Angriffe regulär zu stoppen. Aber weiß ich es wirklich besser als ein Trainerguru? *
Gut 500 mitgereiste Berliner Fans feierten ausgelassen den letztlich unerwarteten Meistertitel, während viele Heim-Anhänger geradezu fluchtartig die Halle verließen. Verstummt war auch der elende Hallensprecher, der mich praktisch das gesamte Spiel extrem nervte mit seinen Einpeitschern und mich veranlasste, meine zunächst eher neutrale Haltung aufzugeben und klar Partei für Alba zu ergreifen (ich habs ohnehin eher mit den Außenseitern, Löwenfan, ihr versteht?). Zittern für ein Team/Spieler gehört für mich beim Sport grundlegend dazu, es gibt kaum etwas Verlogeneres und Langweiligeres wie „der Bessere möge gewinnen“. Wo bleibt da der Spaß?
Während die Berliner einen wahrlich unerwarteten Titel feierten, bilanzieren die Münchner eine an ihren Ansprüchen gemessen missglückte Saison. Kein Titel in Deutschland (schon der Pokalsieg wurde im Februar in eigener Halle vergeigt) trotz des mit Abstand höchstem Budget. Die Euroleague mit dem klaren Verpassen der Play-offs war ein Desaster. Noch nicht einmal der Trainerwechsel konnte etwas bewirken.
* Womit ich bei einem ganz Großen der Branche bin. Svetislav Pesic auf der Bayern-Bank coachte sein letztes Spiel. Wobei „Bayern-Bank“ der völlig falsche Ausdruck ist, denn der Serbe steht während einer Partie die kompletten 40 Minuten an der Seitenlinie (und gerne auch auf dem Spielfeld), rudert mit den Armen, brüllt Anweisungen, beschimpft die Schiedsrichter, tobt und tröstet; allein das mitanzusehen, lohnt den Hallenbesuch. 76 Jahre ist er alt (die man ihm nicht ansieht und erst recht nicht anmerkt) – eine Trainerlegende in Europa. Der die Deutschen 1993 zum EM-Titel führte, der mit Serbien/Jugoslawien Triumphe feierte (Weltmeister 2002, Vizeweltmeister 2023 nach der Finalniederlage gegen Deutschland), aber auch mit Clubs wie dem FC Barcelona (Triple 2003) und eben den beiden deutschen Vorzeigevereinen Alba Berlin und dem FC Bayern. Angeblich ist jetzt wirklich Schluss, aber es würde mich nicht groß wundern, wenn wir ihn nächstes Jahr irgendwo in Europa an der Seitenlinie herumtoben sehen würden.
„Es lebe der Sport live vor Ort“, habe ich getitelt. Nichts ist vergleichbar mit dem Erlebnis vor Ort. Man sieht und hört viel mehr als vor dem Fernseher. Erst recht im Basketball mit dem eher kleinen Spielfeld. Ich muss mich selbst für meinen kurzfristig gefassten Entschluss am Samstag beglückwünschen. Auch wenn ich da natürlich nicht wissen konnte, dass ich eine historische Partie sehen würde.
von Münchner Löwe | Juni 21, 2026 | Wochenvorschau
Das Fußballturnier in Nordamerika setzt sich fort mit den 2. und 3. Vorrundenspielen. Nach Ende des 2. Spieltages (Mittwoch) raffe ich mich wahrscheinlich zu einer ersten Analyse auf. Bisher freut mich meine Ignoranz hier, auch wenn ich zumindest einige Partien gucke.
Und sonst?
- Formel 1: Am Sonntag der Grand Prix von Österreich in Spielberg. Trotz Aus in Barcelona ist Kimi Antonelli im Mercedes der Favorit. Sein Vorsprung in der WM-Wertung ist immer noch komfortabel (41 Punkte auf Lewis Hamilton, gar 50 auf Teamkollege George Russell.
- Tennis: die letzten Vorbereitungsturniere für Wimbledon (ab 29.Juni). Die Frauen spielen in Bad Homburg mit bemerkenswert starkem Feld (u. a. Swiatek, Andreewa, Svitolina, Muchova sowie Eva Lys) und Eastbounre (Paolini, Keys, Ostapenko sowie Laura Siegemund und Tatjana Maria), die Männer treffen sich ebenfalls in Eastbourne (Fritz, Fonseca, Francisco Cerundolo, Etcheverry sowie Daniel Altmaier) und auf Mallorca.
In Roehampton beginnt am Montag das Qualifikationsturnier für Wimbledon. Wie gehabt sind 3 Runden zu überstehen, bevor Frau und Mann die Spielberechtigung für den „heiligen Rasen“ erworben hat.
- Leichtathletik: Diamond League in Paris am Sonntag. Immer ein stark besetztes Feld im Stade de France. Eine Attraktion könnte der Stabhochsprung mit Mondo Duplantis und Emmanouil Karalis werden. Die brillante Hürdenläuferin Femke Bol versucht sich wie geplant, aber wegen einer Verletzung verspätet, an den 800 Metern.
von Münchner Löwe | Juni 15, 2026 | Biathlon, Tennis, Wochenvorschau
Zumindest erwähnt sei, dass die Fußball-WM läuft. Mit 4 Spielen pro Tag (die Anstoßzeiten variieren zwischen 18 und 6 Uhr.
Wer wird Basketball-Meister: Bayern oder Alba
Nix wirds mit dem Durchmarsch für den Titelverteidiger Bayern.1:1 steht es nach den ersten beiden Partien in München. Die Berliner klauten Spiel 2 im SAP Garden und haben jetzt zweimal Heimrecht, allerdings nicht in der modernen Halle am Ostbahnhof (mittlerweile heißt sie Uber-Arena), sondern in der altehrwürdigen Max-Schmeling-Halle. Gespielt wird am Mittwoch und Freitag, jeweils um 20:30 Uhr. Sollten beide Teams je eine Partie für sich entscheiden, kommt es am Sonntag wiederum in München zum Entscheidungsspiel.
Zverevs Heimspiel
Erstmals seit seinem Triumph bei den French Open vor gut einer Woche tritt Alexander Zverev wieder bei einem offiziellen Turnier an. In Halle/Westfalen ist er an Nummer 1 gesetzt (der Weltranglistenerste Jannik Sinner konzentriert sich ganz auf Wimbledon/ab 29. Juni), inwieweit ihn die Feierlichkeiten berührt (oder zusätzlich motiviert) haben, wird man sehen.
Erstaunlicherweise ist Rasen nicht der Spezial-Belag des Aufschlag-Riesen, aber was heißen schon die Auftritte der vergangenen Jahre.
Das Teilnehmerfeld kann sich durchaus sehen lassen. An Nummer 2 ist der Kanadier Felix Auger-Alliasime gesetzt, an Nummer 3 der Ben Shelton. Der Amerikaner ist Spezialist für deutsche Turniere. Im April gewann er die Veranstaltung auf Sand in München, jetzt kommt er mit dem Sieg aus Stuttgart nach Westfalen. Paris-Finalist Flavio Cobolli aus Italien hat ebenfalls gemeldet.
Parallel treten die Männer auch beim Traditionsturnier in Queens an. Der Australier Alex di Minuar führt die Setzliste an vor den Tschechen Jiri Lehecka und Paris-Halbfinalist Jakub Mensik.
Ein absolutes Frauen-Weltklassefeld trifft in Berlin aufeinander. Allerdings haben French-Open-Siegerin Mirra Andreewa und Wimbledon-Finalistin Amanda Anisimova kurzfristig abgesagt. Doch die Top 2 Aryna Sabalenka und Lena Rybakina sowie die Deutsche Eva Lys geben sich im Steffi-Graf-Stadion die Ehre.
Besonderes Schmankerl: Serena Williams setzt ihre Comeback-Tour im Doppel fort, diesmal an der Site von Karolina Muchova
Außerdem spielen die Frauen in Nottingham unter anderem mit Tatjana Maria.
von Münchner Löwe | Juni 14, 2026 | basketball, NBA
Blick über den Teich, NBA
San Antonio Spurs – NEW YORK KNICKS 90:94 (ENDSTAND: 1:4)
Was kaum ein Experte vor Beginn der Finalserie ernsthaft geglaubt hätte und sich doch in den vergangenen Tagen abzeichnete, ist Wirklichkeit. Die Knicks gewannen auch die fünfte Partie der Finalserie; bei den Spurs triumphierten sie mit 94:90, gewannen die Serie 4:1 und sicherten sich für Big Apple den ersten NBA-Triumph seit 1973. Kein NBA-Team hat länger auf einen Titel gewartet. Vergleiche mit den Chicago Cubs, die 107 Jahre auf die Meisterschaft in der MLB warteten, wurden schon hervorgekramt.
Wieder eine Aufholjagd: Nicht die rekordträchtigen 29 Punkte aus Partie 4 im heimischen Madison Square Garden; aber auch die 15 Zähler, die sie ab Mitte des dritten Viertels wettmachten, sind wahrlich nicht alltäglich, vor allem nicht in der Fremde. Wobei anzumerken ist, dass die Halle in San Antonio mindestens zu einem Viertel mit Knicks-Anhängern gefüllt war, die die Auswärtpartie in ein Heimspiel verwandelten, gerade als sie Punkt um Punkt aufholten. Darunter die Edelfans Spike Lee, Timothee Chamalet. Höchstens die LA Lakers haben eine ähnliche Promi-Dichte unter den Anhängern.
Zu Hause in New York verfolgten zigtausende auf den Straßen das Geschehen über riesige Leinwände: Hier war die ausgelassene Jubelstimmung, die sich die Verantwortlichen der Fußball-WM so dringernd wünschen würden. Ohne allzu prophetisch zu sein: Nie im Leben wird ein Soccer-Spiel in New York diese Emotionen entfachen. Big Apple feiert jetzt Basketball-Party, mindestens bis zur Siegesparade am Donnerstag, die Bürgermeister Zohran Mamdani ankündigte. 1 Million? 2 Millionen? Die Prachtstraßen werden schwarz vor Menschen sein.
Schon am Abend nach der Schlussirene um 23 Uhr Ortszeit strömten hunderttausende auf die Avenues und feierten. Meist friedlich, aber wie fast immer bei großen Meisterfeiern gab es ein paar Chaoten, die randalierten. Aber die Freude überwog, die Erleichterung und auch der Unglaube: Denn der große Teil, die da in den Straßenschluchten jubelten, hat den letzten Triumph eines New Yorker Basketball-Teams nicht (bewusst) erlebt. Jetzt heißt es allenthalben und bald geflügelt: Knicks in five!
Bester der Sieger
Jalen Brunson: 45 Punkte sammelte er, davon 13 in Folge im 4. Viertel – noch Frage? Bestenfalls, warum der Spielmacher immer ein Viertel braucht, ehe er auf Touren kommt. Völlig zu recht wurde er zum MvP der Finalserie gewählt. Er widerlegte alle Zweifler und Zweifel, die den nur 1,88 Meter großen Guard (wir sind beim Basketball!) begleiteten.
Vor 4 Jahren kam er nach New York. Quasi weggescheucht von den Dallas Mavericks, bei denen er über eine Mitäuferrolle nie hinauskam (hinter Luka Doncic, den die Mavs im Januar 2025 ebenfalls vergraulten, eine echt bemerkenswerte Leistung der damaligen TeamführungI). Jetzt verzichtete er sogar auf Geld, damit das Team sich weiter verstärken konnte. Vor allem OJ Amunoby und Karl-Anthony Towns, beide in tragenden Rollen, aber es war Brunson, der die Aufholjagden initiierte. Ohne ihn, da besteht für mich nicht der geringste Zweifel, würde New York jetzt nicht einen NBA-Triumph feiern.
Stark trotz der Niederlage
Derek Harper: Eine ganz tolle Leistung des Rookies (Profi im ersten Jahr). 25 Punkte legte er auf. Ausgerechnet der jüngste des jungen Teams wehrte sich am meisten gegen die Niederlage. Nicht alles gelingt dem Spielmacher, aber er macht jetzt schon so viele Sachen nicht nur richtig, sondern richtig gut.
Harper stellte teilweise sogar „Alien“ Victor Wembanyama in den Schatten, trotz dessen 5 Blocks und 14 Rebounds, davon 6 am offensiven Brett.
X-Faktor
Mitchell Robinson: Ein Top-Scorer wird der Ersatzcenter der Knicks nicht mehr. Aber in Sachen Offensiv-Rebound macht ihm niemand etwas vor. 6 Abpraller schnappte er unterm gegnerischen Korb, ermöglichte also sechs weitere Chancen zum Punkten. Zudem steht er in der Defensive immer seinen Mann. Zum Freiwurfwerfen wurde er Gott sei Dank für ihn nur zweimal genötigt – er traf natürlich nicht …
Mike Brown: Der Trainer machte gleich im ersten Jahr in New York sein Meisterstück. Es hatte ein paar Monate gedauert, bis seine Mannschaft begriffen hat, was der Coach von ihnen wollte. Brown justierte neu, zuletzt im April, als er die Rolle von Towns neu erfand. Jetzt der unfassbare Play-off-Lauf mit insgesamt 15 Siegen aus den vergangenen 16 Partien.
Brown, der als Cheftrainer in den Jahren zuvor die Sacramento Kings aus den tiefsten Niederungen zu einem Play-off-Team geformt hatte (bevor ihm die erratische Teamführung wieder alles zerstörte), ist jetzt neben Jalen Brunson der König von New York – für alle Zeiten.
Zahlereien
1; 1; 4; Das waren die Abstände der vergangenen 3 Knicks-Siege. Nie war eine Serie enger.
5: In allen Partien lagen die Knicks im ersten Viertel mit mindestens 10 Punkten zurück. Viermal gelang im vierten Viertel die erfolgreiche Aufholjagd.
🇩🇪👓
Ariel Hukporti hatte im 5. Spiel einen Kurzauftritt. In 1:52 Minuten hatte er einen wichtigen Block und einen wichtigen Offensiv-Rebound. Jetzt ist er der dritte Deutsche überhaupt mit einem NBA-Ring am Finger nach Dirk Nowitzki (2011/Dallas) und Isaiah Hartenstein (2025/Oklahoma City).
Ausblick der Sieger
Wie es aussieht, bleiben die Knicks zusammen. Gerade im eher schwächeren Osten dürften sie auch in de kommenden Saison eine tragende Rolle spielen. Ob es dann wieder zum Conference-Titel oder gar zur NBA-Titelverteidigung reicht, bleibt abzuwarten. Einerseits lassen amtierende Meister erfahrungsgemäß ein wenig nach, andrerseits wirkt ein derart sehnlichst erwarteter Titel wie eine Befreiung – für die Mannschaft, für die Fans, für die ganze Stadt (werden etwa die Yankees profitieren?).
Und die Verlierer?!
Natürlich schmerzt die Niederlage extrem, weil die Spurs eigentlich das bessere Team sind/waren. Nie war allerdings das Wort „eigentlich“ sinnloser. Wenn man konsequent komfortable Führungen verhühnert …
Den Spurs gehört dennoch die Zukunft, wenn sie nicht zerbrechen (was ich nicht glaube), sondern die richtigen Lehren ziehen: Die Mannschaft ist extrem jung, und kaum ein Spieler ist in seiner Entwicklung am Zenith angekommen. Das gilt auch für den jungen Coach Mitch Johnson, der in seiner ersten vollen Saison als Nachfolger des legendären Gregg Popovich zumindest in der Finalserie noch Lehrgeld zahlen musste und von Brown letztlich ausgecoacht wurde. Es würde mich sehr wundern, wenn der NBA-Titel nicht in den kommenden drei Jahren mindestens einmal nach Texas wandern würde. Nicht zuletzt, weil dort Victor Wembanyama sein Unwesen treibt und wahrscheinlich noch viel, viel besser wird.
von Münchner Löwe | Juni 12, 2026 | Allgemein
Wer von mir Erörterungen zum vermeintlichen Sportereignis des Jahres erwartet, sucht vorerst vergebens. Ich bin zu angewidert von Trump, Infantino und dem ganzen Rest. Mindestens bis Beginn der K.o.Phase werde ich mich höchstens im Ausnahmefall äußern. Leider bin ich zu sportbegeistert, um auf die Spiele selbst gänzlich zu verzichten.
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