von Münchner Löwe | Juli 30, 2026 | Fußball, WM
Was für eine Gegenmaßnahme der UEFA!
Einstimmig haben die 55 Verbände am Donnerstag beschlossen, dass jedes FIFA-Turnier boykottiert wird, solange das Vorhaben der Veräußerung der WM-Rechte an Investoren auch nur „im Raum steht!“. Es wird verlangt: ein klares, unwiderlegbares und unwiderrufliches VERSPRECHEN seitens der FIFA (sprich: Infantino und seinen Mitstreitern), dass diese Pläne beerdigt werden. Kein Lavieren, kein Schaunmermal, auch kein Feilschen um mehr Anteile, sondern ein Junktim: Wir, die europäischen Länder, machen bei allen FIFA-Turnieren nur noch mit, wenn dieses Szenario weg ist – und zwar für alle Zeiten. Das gilt ab sofort, also schon für die U-20-WM der Frauen ab 5. September in Polen.
Ich hätte eine derartig klare und scharfe und unzweideutige Reaktion tatsächlich nicht erwartet; mein Vertrauen gerade auch in die europäischen (nationalen) Verband-Funktionäre ist sehr klein. Von der man auch nicht mehr so ohne Weiteres wieder runterkommt. Das ist auch als eindeutiger Fehde-Handschuh gegen Infantino selbst zu verstehen und als Selbstkritik, viel zu lange den Untrieben des mafiösen FIFA-Bosses zugeschaut zu haben. Zwischen den zeilen steht ebenso als Signal für die anderen Kontinental-Verbände: mit diesem Menschen wollen wir im Prinzip überhaupt nichts mehr zu tun haben
Ich gehe schwer davon aus, dass diese radikale Reaktion auch mit den Club-Vertretern und auch Spieler-Vertretern abgesprochen war (die von so einem Boykott am ehesten betroffen wären).
von Münchner Löwe | Juli 30, 2026 | Fußball, WM
Ich hatte ja sehr gehofft, nach dieser Weltmeisterschaft für ein paar Monate nichts von Gianni Infantino hören würde. Dass der FIFA-Boss höchstzufrieden in seinem FIFA-Schloss in Zürich oder Dubai oder sonstwo die Milliarden zählen würde, die dieses merkwürdige Fußball-Turnier in Nordamerika dem Weltverband beschert hat.
Eine trügerische Hoffnung, denn diese Woche platzte der Schweizer mit einem schamlosen Deal in die Vorbereitung für die neue Saison. Danach soll die Weltmeisterschaft an Investoren verkauft werden. Nicht vollständig, aber doch zu einem Viertel, die Rede ist von 20 bis 30 Prozent. Als Verkaufspreis stehen 20 Milliarden Dollar im Raum. Eine Riesensumme, die sich angesichts der unglaublichen Gewinne bei einer WM schnell amoritsieren dürfte.
Mit einem Interessenten sind die Verhandlungen schon sehr weit gediehen. Es heißt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei bezüglich des Plans konsultiert worden, die Investmentbank JP Morgan wickele den Prozess ab. Infantino, der laut Statuten nur bis 2031 FIFA-Präsident bleiben darf, könnte anschließend Kommissar der neuen Organisation werden. Dann könnte sich sein Jahresgehalt verzehnfachen. Roger Goodell, der Commissioner der NFL, verdient gut 60 Millionen Dollar per anno. Der Unterschied: Goodell ist Angestellter der NFL, er muss das umsetzen, was die Owner mehrheitlich beschließen.
Erpressung mit Geldgeschenken
Infantino wäre nicht der mafiöse FIFA-Boss, würde er den Verbänden nicht die Pistorle auf die Brust setzen. Diese nämlich müssen bis September die Pläne absegnen, mit der einfachen Mehrheit bei einer Abstimmung der 211 Mitgliedsverbände. Damit sie das tun, werden sie mit Geld geködert, sehr viel Geld. Nach konservativen Berechnungen würden sie 5 Millionen Euro pro Jahr kassieren statt bisher etwa 2 Millionen. Das mag bei einem Riesenverband wie den DFB nicht die ganz große Summe sein, wohl aber für Winz-Verbände wie Vanuatu oder Fiji (nix für ungut). Die nach den one-country-one-vote-Regularien der FIFA aber die gleiche Stimmgewalt haben. Eine weitere Sauerei: Laut Infantino sollen nur die Verbände kassieren, die mit „Ja“ stimmen (offenbar ist keine geheime Wahl geplant).
Es droht also nicht anderes als der Total-Ausverkauf des Fußballs, falls denn eine Steigerung überhaupt noch möglich ist. Denn auch wenn die Investoren angeblich keinen direkten Einfluss auf die WMs haben dürfen (neben den Männern auch die der Frauen und die Club-WM), ihre rein finanziellen Interessen finden natürlich trotzdem Gehör, was Austragungsort und Modus betrifft. Und so schwirren schon die Szenarien von der WM alle 2 Jahre (natürlich mit dann 64 Teams), gerne auch mit weiteren werbe-freundlichen Regeländerungen, das hat ja schon bei der „Trinkpause“ prima geklappt.
Die UEFA schäumt
Die erste Reaktion des europäischen Verbandes war: glatte Ablehnung, ja Verurteilung der Pläne. Damit sei eine „rote Grenze“ überschritten, heißt es in einer Stellungnahme. Für Donnerstag ist eine Dringlichkeitssitzung aller Verbände anberaumt. Einziges Thema: nicht mit uns. Und Europa hat ein sehr scharfes Verteidigungsschwert: den Austritt aus der FIFA, zumindest den Boykott der WM. Eine WM ohne europäische Länder wäre wirtschaftlich sinnlos, weil sportlich wertlos. Denn sogar wenn es ein Turnier ohne Europa geben würde, die Clubs müssten dann die Profis aus Afrika, Amerika und Asien nicht abstellen (wenn sich die UEFA vorher aus dem Weltverband abgekoppelt hat). Vielleicht könnten sie sogar Spieler für eine oder zwei Saisons sperren, wenn sie trotzdem teilnehmen. ja, das klingt drastisch, aber eine andere Sprache versteht der mafiöse Infantino nicht!
Um die Pläne von vornherein abzusägen (oder wenigstens abzumindern) wäre es heute schon sehr günstig, wenn eine breite Mehrheit sich klar dagegen aussprechen würde. Natürlich mit allen sehr weitreichenden Konsequenzen, die ein FIFA-Austritt oder Boykott mit sich bringen würde. Der eine oder andere Verbandhat schon leichte Sympathie für den Total-Ausverkauf bekundet (Tschechien ist mir zu Ohren gekommen). Dagegen hat sogar der Infantino-hörige Bernd Neuendorf den Plänen eine klare Absage erteilt.
Kritik gibt es aber nicht nur aus Europa, sondern auch aus Asien und sogar Nordamerika. Hier wird aber eher das Procedere angegriffen, nämllich dass Infantino und ein paar Getreue die quasi im stillen Kämmerlein so weit haben gediehen lassen.
Ich will nicht sagen, das die Zukunft des Fußballs auf dem Spiel ist, er ist sehr resistent. Aber ich erwarte heute eine ganz klares UEFA-Zeichen. Damit die Irrsinns-Pläne des Gianni Infantino und der Trump-Mafia möglichst schnell wieder verschwinden.
von Münchner Löwe | Juli 19, 2026 | Fußball, WM
Nach mehr als fünf Wochen ist es jetzt endlich soweit: das mit Spannung erwartete Finale. Spanien gegen Argentinien, das kommt jetzt nicht völlig unerwartet, immerhin trifft der amtierende Europameister auf den Südamerika-Champion. Kaum zu glauben: Zuletzt trafen Spanien und Argentiniene in einem Pflichtspiel 1966 aufeinander.
Das Vorspiel machte schon mal Appetit auf mehr. In einer extrem unterhaltsamen Partie um Rang 3 bezwang England Spanien mit 6:4
Spanien – Argentinien So., 21:00 in New York/New Jersey ZDF und Magenta sowie ORF und SRF
Was beide Teams vereint? Jeder Feldspieler ist technisch perfekt am Ball, großartig ausgebildet. Der große Unterschied. Während die Spanier auf Team-Fußball schwören und das perfekte Zusammenspiel forcieren, dreht sich bei Argentinien alles um Lionel Messi. 39 Jahre ist er mittlerweile alt, seit fast zwei Jahrzehnten gehört er zu den besten Fußballern der Welt (viele sagen, er ist der Beste). Und doch ist das jetzige Turnier vielleicht sogar sein stärkstes, zumindest von den Zahlen her. Acht Tore und 4 Assists sind ihm gelungen, so viele waren es noch nie bei einer WM und auch bei keiner Copa America.
Players to Watch
Marc Cucurella: der beste Linksverteidiger des Trniers, ich würde behaupten, mit einigem Abstand. Extrem lästig in der Defensive, wo er keinem Zweikampf aus dem Weg geht, dazu gefährliche Vorstöße. Und auch wenn dem Lockenkopf nicht alle Zuspiele gelingen, Cucurella kann den sogenannten tödlichen Pass spielen. Wechselt nach dem Turnier von Chelsea zu Real Madrid.
Enzo Fernandez: das Arbeitstier, gerne mit Zweikämpfen jenseits der Grenze des Erlaubten. Verfügt über einen unglaublich guten Weitschuss, die Torhüter von Kap Verde und England werden es leidvoll bestätigen. Wie Cucurella spielte er zuletzt beim Club-Weltmeister FC Chelsea.
X-Faktoren
Lionel Messi Die große und wahscheinlich spielentscheidene Frage: Inwieweit bekommt der argentisnische Superstar Zugriff aufs Spiel. Wenn er erst einmal in Faht kommt wie in der Schlussphase gegen England, wird es unheimlich schwer für die Spanier. Er vermag es wie kaum ein anderer, seine Mitspieler gut einzusetzen (die gerne für ihn zusätzliche Meter rennen), dazu verfügt er über einen brandgefährlichen Schuss. Andrerseits ist er halt auch schon 39 jahre alt, das Turnier war zehrend. In einigen Partien ist Messi regelrecht untergegangen, beteiligte sich minutenlang nicht am Geschehen. Ganz auszuschalten wird Lionel Messi nicht sein, aber wenn es den Spaniern gelingt, die magischen Momente auf ein Minimum zu reduzieren und diese unbeschadet überstehen, dann dürften sie die besseren Chancen haben.
Die Bankspieler
Je fünfmal dürfen die beiden Trainer wechseln, einen zusätzlichen gäbe es in der Verlängerung. Es treffen die beiden Teams mit der besten Bank aufeinander. Bei Spanien braucht ein Mikel Merino nur Minuten, um ins Spiel zu finden (er erzielte nach jeweils fünf Uhr-Umdrehungen die Siegtore gegen Portugal und Belgien). Der Außenspieler Nico Williams bringt neuen Schwung, ähnlich wie Mittelfeldmotor Pedri.
Auch die Argentinier haben Waffen wie Lautaro Martinez. Und sollten sie einen Vorsprung über die zeit retten müssen, gibt es die ekligen Männer wie Simeone, denen kein Trick, kein nickeliges Nachtreten, keine Spielverzögerung zu billig ist, um Minuten von der Uhr zu nehmen.
Die Bedingungen:
Gespielt wird in East Rutherford im MetlLife Stadium, wo die NFL-Footballer der New York Giants und New York Jets ihre Heimat haben. Der Rasen gilt als der schlechteste des gesamten Turniers, zu stumpf, zu trocken – das ist tödlich fürs Passspiel, das beide Teams pflegen. Die ganz große Hitze bleibt wohl aus, zum Zeitpunkt des Anstoßes (15 Uhr Ortszeit) werden 27 Grad erwartet. Der befürchtete Rauch aus Kanada, wo die Wälder unkontrolliert brennen, hält sich offenbar auch in Grenzen.
Verlängerte Halbzeitpause
Es soll wie beim Super Bowl werden. Eine gigantische Halbzeitshow wird die Pause überbrücken mit Auftritten von absoluten Superstars der Pop-Szene: So haben sich Shakira, Madonna, Justin Bieber und die südkoreanische Boygroup BTS angekündigt, Moderator soll Coldplay-Sänger Chris Martin werden. Ob das alles innerhalb von den vorgeschriebenen 15 Minuten zu bewerkstelligen ist (inklusive Auf- und Abbau), ist die ganz große Frage. Martin verspricht dies, aber vorsorglich hat die FIFA schon angekündigt, dass es länger dauern könnte (nur um wie viel länger, das ließ sie offen). Keine Frage, dass der Rhythmus durch eine allzu lange Pause verloren geht, andrerseits sollten es die Trainer schaffen, dass sich die Spieler nicht allzu viele Gedanken darüber machen.
🧠 Spanien (ganz knapp)
Die Leistung gegen Frankreich hat mich schwer beeindruckt. Diese unfassbare Ballfertigkeit, das tolle Kombinationsspiel, das ich in dieser Form nur von eingespielten Club-Teams kenne. Jeder einzelne ist ein Top-Kicker, ich sage nur: Rodri, Yamal, Olmo. Die große Frage: wie gehen die Spanier mit einem eventuellen Rückstand um. Im Viertelfinale gegen Belgien sah das nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich längst nicht so so souverän aus.
Was für Argentinien spricht: Sie geben nie auf, sind in diesem Turnier schon mehrfach dem Ausscheiden von der Schippe gesprungen. Nicht mit Glück (zumindest nicht nur), sondern dank des Urvertrauens in die eigene Stärke. Die ja auch bei jedem einzelnen Spieler vorhanden ist (Alvarez, Di Paul), nicht nur bei diesem Zaubermenschen Lionel Messi.
Frankreich – England 4:6 (0:4)
Satz und Sieg, das liegt bei diesem Tennisergebnis nahe. Das es noch nie in der Geschichte von WM-Endrunden (mehr als 1000 partien) gegeben hat (ein sogenantes Scorigami).
Es war eine wilde Partie, in der die Offensive Trumpf war. Wie so oft bei einem Spiel 3, wenn der ganz große Wunsch Titel unerreichbar geworden ist und (wie man hört) der Frust-Alkohol noch in den Knochen steckt). Von Beginn an hatten die Engländer mehr Lust auf Fußball, und in der 1. Halbzeit war jeder Schuss ein Treffer, was zum absurden 4:0 führte. Offenbar fand Frankreichs scheidender Trainer Didier Deschamps bei seiner letzten Pausen-Ansprache die richtigen Worte, und er packte die Seinen an der Ehre. Tor um Tor holten die Franzosen auf zum 3:4. Die Schlussphase war dann eher wie aus Absurdsistan gescripted. Über 5:3, 5:4 und 6:4 retteten die Engländer die Partie und sicherten sich mit Platz 3 tatsächlich die beste Platzierung seit 1966, als sie im heimischen Wembley-Stadion sogar den Titel holten.
Für Trainer Thomas Tuchel war das ein ganz wichtiger Erfolg. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der 4:0-Vorsprung noch hergegeben worden wäre. Einige der englischen Journalisten und Experten (wie in Deutschland eine echte Plage, die alles, aber auch alles besser wissen) wittern eh schon Blut und fordern die Ablösung.
Trotz der Niederlage hatte zumindest Kylian Mbappé Grund zur Freude. 2 Treffer steuerte der Angreifer in der Aufholjagd bei und erhöhte sein Torekonto bei dieser WM auf 10. So viele Treffer bei einer einzigen WM waren zuletzt Gerd Müller gelungen, im Jahr 1970 (!), wozu der damalige Bayern-Stürmer allerdings nur 5 Partien brauchte und nicht nacht wie Mbappé. Der jetzt 22-mal bei WM-Turnieren erfolgreich war, damit führt er die ewige Rangliste an vor Messi (bisher: 21).
Ob Mbappé tatsächlich Torschützenkönig wird, steht allerdings noch nicht fest. Sollte Messi heute Abend zweimal treffen, hätte er wie Mbappé Tore auf dem Konto. Da der Argentinier mehr Assists geleistet hat, würde ihm der Goldene Schuh überreicht werden.
von Münchner Löwe | Juli 12, 2026 | Fußball, WM
Frankreich, Spanien, Argentinien und England: Wer auf diese 4 Mannschafften im WM-Halbfinale gesetzt hat, ging auf Numer sicher und behielt recht. Es waren die Top-4 der Weltrangliste. Erstmals wurden sie so in die Gruppen gesetzt, dass sie erst im Halbfinale aufeinandertreffen würden, wenn alles nach Plan geht.
Hätte man sich also den ganzen Spaß sparen können und gleich mit dem Halbfinale beginnen? Das hätte uns doch einiges sehr unterhaltsame Fußballspiele gekostet, seltsame Irrungen und Wirrungen.
Ich will jetzt gar nicht großartig auf die 4 Viertelfinals eingehen, in denen sich die jeweiligen Favoriten durchgesetzt haben. Außer vielleicht Frankreich gegen Marokko brauchten die Teams auch Glück, den besonderen Moment, den fatalen Fehler des Gegners
Frankreich – Marokko 2:0
Marokko erwies sich als der erwartet harte Kontrahent, zumindest in der Defensive. Offensiv hatte das letzte verliebene Team aus Afrika leider überhaupt nichts zu bieten. Kylian Mbappé erlaubte sich gar den Luxus und scheiterte mit einem Elfmeter an Schlussmann Bono (nach zuvor endloser Diskussion und VAR-Besichtigung, ob es wirklich eine elfmeterreifes Foul gewesen war). Groß beeindrucken ließ sich der Real-Star nicht: Mit feinem Schlenzer erzielte er das 1:0, und als Stürmerkollege Dembélé auf 2:0 erhöhte, waren alle Unklarheiten beseitigt.
Spanien – Belgien 2:1
Knackpunkt: Die Verletzung von Thibault Courtois (68). Der 1,98-Meter-Riese gilt als einer der besten Torhüter der Welt. Er schien zwar nicht in absoluter Topform, aber nach und nach schien er sich einzugrooven, und in den Köpfen der Spanier hat sich der Real-Madrid-Keeper eh eingenistet (Julian Nagelsmann würde es „Aura“ nennen). Als er nach 68 Minuten beim Stand von 1:1 das Spielfeld verlassen musste, war das mehr als ein Verlust eines sicheren Rückhalts. Die Belgier, ohnehin extrem verletzungsgeplagt, sackten regelrecht zusammen, während Spenien neues Selbstvertrauen gewann. Es gehört dann zu den Grausamkeiten des Fußballs, dass ausgerechnet Courtois-Ersatz Senne Lammens den entscheidenden Fehler vorm 1:2 machte, als er einen harmlos wirkenden Ball nach vorn abprallen ließ, und Superjoker Mikel Merino ohne Mühe vollendete.
England – Norwegen 2:1
Knackpunkt: Der Ausgleich für England noch vor der Pause. Norwegen war durch ein Traumtor von Schjeiderup in Führung gegangen und bastelte gar am 2:0. Dann ein Energie-Anfall von Englands Jude Bellingham, der im gegnerischen Strafraum sich gekonnt durchsetzte und unhaltbar einschoss.
So weit, so ärgerlich. Doch Norwegens Torwart Nyland protestierte lautstark und wies immer wieder nach oben. Was er monierte? Unmittelbar vor dem Tor soll der Ball nach einem Befreiungsschlag ein Kabel der Spider Cam berührt haben; jedenfalls fiel er nach erstaunlicher Flugkurve zu Boden, wo ihn die Engländer aufsammelten und das Tor vorbereiteten. Ob das tatsächlich der Fall war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ein paar Kamera-Einstellungen legen den Eindruck nahe. Wenn ja, dann hätte die Partie unter allen Umständen unterbrochen werden müssen. Die FIFA behauptet jetzt, am eingebauten Ball-Sensor habe es keinerlei Ausschläge gegeben. Aber wer der FIFA und insbesondere ihren Schiris nach all den Skandalen und Trump-Einmischungen noch ein Wort glaubt, ist selbst schuld.
Schiedsrichter Taupin hörte vielleicht aufmerksam zu, er dachte allerdings nicht mal daran, das Ganze überprüfen zu lassen.
In der 2. Halbzeit wurde dann ein Treffer de Norweger zu recht aberkannt, weil zuvor Haaland einen Verteidiger umgerissen hatte. Entschieden wurde auch hier das Ganze durch einen Torwartfehler. Ausgerechnet der bis dato starke Nyland ließ einen Schuss nach vorne prallen, und abermals Bellingham war zur Stelle.
Argentinien – Schweiz 3:1 n. V.
Knackpunkt: die Gelb-Rote Schwalben-Karte für Embolo (69.). Gerade hatten die Schweizer ausgeglichen gegen extrem müde Argentinier. Alle Vorteile schienen bei den Eidgenossen zu liegen, da geschah die entsetzliche Dummheit von Embolo, die allerdings erst per VAR erkannt wurde. Nach einem Zweikampf mit Paredes ging Embolo zu Boden. Schiedsrichter Pinheiro erkannte auf Foulspiel und zeigte dem Argentinier die Gelbe Karte. Seit dieser WM gibt es nun die Regelung, dass Gelbe Karten bei Spielerverwechslung überprüft werden können. Und so meldete sich der VAR und monierte, dass hier gar keine Berührung von Paredes (in vielen anderen Aktionen wirklich kein Kind von Traurigkeit) vorgelegen habe. Vielmehr zeigten die Fernsehbilder, dass Embolo ohne Berührung abgehoben war und den sterbenden Schwan markierte. Pinheiro tat das einzig Mögliche, nahm Gelb für Paredes zurück und zeigte seinerseits Embolo den Gelben Karton. Und weil dieser schon verwarnt war, flog dieser mit Gelb-Rot vom Platz. Letztlich die richtige Entscheidung. Der Treppenwitz des Ganzen ist: Hätte Pinheiro Paredes nicht verwarnt, hätte er die Entscheidung Foul überhaupt nicht überprüfen dürfen. Embolo wäre auf dem Platz geblieben, und wer weiß was die Schweizer in Gleichzahl mit den wie paralysiert wirkenden Argentiniern angestellt hätten.
Die Schweizer schäumten henach und sprachen von Betrug. Niemand allerdings klagte Embolo an, der mit seiner extrem unsportlichen Schwalbe einen unerlaubten Vorteil herausschinden konnte.
Die Überzahl wirkte wie ein Boost für Argentinien. Plötzlich ein Spiel auf ein Tor der sich jetzt verbarrikadierenden Schweizer, allerdings ohne großen Druck oder gar Top-Chancen zu entwickeln. Es gehört zu den Aburditäten des Fußball, dass dann ausgerechnet Julian Alvarez mit einem Zauberschuss das vorentscheidende 2:1 erzielte. Ausgerechnet deshalb, weil Alvarez, einer der WM-Helden 2022 zuvor im gesamten Spiel (und wenn man ehrlich ist: im gesamten Turnier) wenig bis nichts zustandegebracht hatte. Das 3:1 war dann nur noch etwas für die Statistiker.
Der „Spiegel“ hat es recht treffend kommentiert: Von Spiel zu Spiel wird Argentinien und auch ihr Supersar Messi schwächer und müder: Trotzdem steht der Titelverteidiger im Halbfinale, wer weiß, wozu das noch hinführt..
von Münchner Löwe | Juli 8, 2026 | Fußball, WM
Sieben Teams aus Nord- und Südamerika hatten sich fürs WM-Achtelfinale qualifiziert, nur Argentinien kam trotz des 0:2-Rückstands gegen Ägypten weiter. Auch weil der französische Schiedsrichter sehr großzügig mit Messi und Co. verfuhr. Ich will nicht von „Betrug“ sprechen, wie die am Ende total aufgebrachten Nordafrikaner, aber wie das Unparteiischen-Team um Monsieur Letexier Argentinien in praktisch jeder strittigen (und manches Mal auch unstrittigen) bevorzugt hatte, erzeugte bei mir schon einen üblen Geschmack, ein mulmiges Gefühl. Und angesichts der Irrsinnigkeiten der FIFA finden Verschwörungstheorien zurzeit halt sehr fruchtbaren Boden, zB diese: dass ein Messi fürs Turnier sehr viel gewinnbringender ist als ein Mo Salah und die Herrschaften Geldgeber ihn sehr gerne noch ein oder zwei oder sogar drei Spiele dabei hätten.
Ausgeschieden sind dagegen die drei Gastgeber (die ihre Schuldigkeit mit dem Achtelfinal-Einzug getan haben). Während Kanada gegen Marokko (0:3) und die USA gegen Belgien (1:4) praktisch chancenlos waren, lieferten die Mexikaner im bisher stimmungsvollsten Spiel des Turniers den Engländern einen fantastischen und mitreißenden Fight und verloren im legendären Azteka trotz langer Überzahl mit 2:3. Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte besiegten damit die Engländer einen WM-Gastgeber
Durchmarsch der Europäer
Der Alte Kontinent stellt jetzt sechs der acht Viertelfinalisten, und allein Marokko und Argentinien können ein rein europäisches (Halb)-Finale verhindern. Einzig Portugal scheiterte im Achtelfinale im Iberoclasssico an Spanien. Ob trotz oder wegen eines Cristiano Ronaldo, bleibt mal dahingestellt. Der Altsstar zeigt in manchen Szenen immer noch seine Klasse, aber meines Erachtens steht er der Entwicklung seiner hochbegabten (allerdings etwas müde wirkenden) Mitspieler im Weg.
Während ich den torlosen Südamerika-Teams aus Kolumbien (gegen die Schweiz im Elferschießen nach 0:0 trotz Verlängerung) und vor allem Paraguay (0:1 nach übelster Treterei vs Frankreich) keine Träne nachweine, verhält sich das mit Brasilien etwas anders. Die Selecao scheiterte mit 1:2 an der „Goldenen Generation“ Norwegens mit deren Überstürmer Erling Haaland. Der erzielte zwei unglaublich tolle Tore, wie sie zurzeit auf der Welt allenfalls noch Englands Harry Kane zustandebringt. Letztlich ein verdienter Sieg der Wikinger, aber wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, hätte zu Beginn Bruno seinen Elfmeter für Brasilien verwandelt. Das beliebte „was wäre, wenn“, ohne das kein Fußballfan auskommt …
Eines ist allerdings klar: Den Brasillianern fehlt es zurzeit an individuell überragenden Einzelspielern. Ein Grund dafür wird oft angegeben: Viel zu früh würden sich die Profis nach Europa aufmachen, um dort das große Geld zu verdienen. Sehr nachvollziehbar, auch angesichts der Armut, aus der sie häufig entfliehen, aber für die Entwicklung eben nicht gut.
Und jetzt, das Viertelfinale
Ansetzungen (MESZ)
Do., 22:00: Frankreich – Marokko in Boston (16 Uhr Ortszeit)
Fr., 21:00: Spanien – Belgien in LA (12 Uhr Ortszeit)
Sa., 23:00: Norwegen – England in Miami (17 Uhr Ortszeit)
So., 03:00: Argentinien – Schweiz in Kansas City (20 Ortszeit) in Argentinien: 22 Uhr.
Wieder vier verschiedene Anstoßzeiten (sogar nach Ortszeit). Auch nach einem Monat bin ich nicht dahintergestiegen, nach welchem Schema oder gar übergeordneten Sinn dieser Spiel“plan“ erstellt wurde.
Frankreich – Marokko
Die große Frage: Ist den Franzosen beim hartumkämpften 1:0 ohne Glanz gegen Paraguay ein Zacken aus der Zauberkrone gefallen oder braucht es für den Titel ein solches Schweinespiel? Ich neige zur zweiten These, und tatsächlich bleiben die Franzosen für mich Titelkandidat Nummer 1 – neben Spanien.
Die Aufgabe Marokko wird allerdings keineswegs einfach(er). Die Afrikaner haben sich als das klar beste/erfolgreichste Team ihres Kontinents etabliert und bestätgten letztlich eindrucksvoll ihre Halbfinal-Teilnahme 2022, in dem sie an Frankreich scheiterten …
Vielleicht fehlt Marokko der überragende Angreifer, der Knipser, der die Chancen auch verwertet (ein Grundübel aller afrikanischen Mannschaften), aber die Mannschaft ist glänzend organsiert und hat mit Hakimi den vielleicht besten (Außen)-Verteidiger des Turniers in ihren Reihen
🧠 Frankreich
Es wird wahrscheinlich extrem mühsam, aber letztlich dürfte die individuelle Ausnahmeklasse des Angriffs um Mbappé, Olise und Dembélé entscheiden. Ein Geistesblitz wird schon runterfallen …
Spanien – Belgien
In meinem „kicktipp“-Wettspiel vor dem Turnier erwählte ich die Spanier zum kommenden Weltmeister. Viele Gründe geben mir die Iberer nicht, warum ich davon abkommen sollte. Sie mögen nicht so zaubern wie die Franzosen, aber das fast perfekt zusammengestellte Team gibt kaum Angriffsflächen. Noch immer musste (der sehr starke) Schlussmann Unai Simon keinen Gegentreffer hinnehmen. Das kompensiert die vielleicht nicht ganz so großartige Offensive, weil einerseits Jungstar Lamine Yamal nicht in absoluter Top-Form ist (es reicht immer noch, um Abwehrspieler kirre zu machen) und Mittelstürmer Oyarzabal nicht an die überragenden Kane und Haaland heranreicht (wer tut das schon?).
Belgien hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Dass 4:1 gegen die USA war ungeachtet des Balogun-Irrsinns ein spielerisches und taktisches Meisterwerk. Es wäre sehr leichtfertig von den Spaniern, wenn man die „Roten Teufel“ unterschätzen würde, nur weil die USA vermeintlich nicht so gut waren. Für mich ist Belgiens Trainer Raul Garcia einer der Helden: Weil er es gewagt hat, die vermeintlichen Topstars mit klangvollen Namen De Bruyne, Doku und Lukako (erst mal) auf die Bank zu setzen. Das Team scheint gefestigt, auch fantasievoll im Angriff, und Torwart Thibault Courtois kann in einem Spiel ohnehin über sich und seine 1,98 Meter hinauswachsen.
🧠 Spanien
Es ist keine gmahde Wiesn, wie der Münchner so schön sagt. Aber mir fehlt dann doch die Fantasie, wie Belgien dieser perfekt eingespielten Seleccion ernsthaft gefährlich werden will.
Norwegen – England
Das ist viel mehr als das Duell der beiden Ausnahmestürmer Erling Haaland und Harry Kane. Den Trainern Sture Solbakken und Thomas Tuchel ist es gelungen, sehr gut aufeinander abgestimmte Teams zu bilden (im besten Sinne des Wortes). Will sagen: Da spielen jeweils elf Leute toll zusammen nach einem vorher aufgestellten Plan, der unter anderem beinhaltet, dem Superstürmer Chancen zu kreiieren.
Die Norweger haben gerade eine „Goldene Generation“ mit mehreren absolut herausragenden Akteuren wie der wunderbare Mittelfeldmann Martin Ödegaard, der gegen Braslien eingewechselte Schelderup und nicht zuletzt der vortreffliche Schlussmann Örjan Nyland. Und Haaland!
Thomas Tuchel seinerseits musste sich ja viel Kritik anhören, weil er Spieler mit klangvollen Namen (Foden, Palmer) zu Hause gelassen hat. Wer sein Team im Aztekenstadion hat kämpfen sehen (in Höhenlage, in Unterzahl, gegen fanatisch-feindliches Publikum im besten Sinn), der muss ihm jetzt Abbitte leisten. Was die Experten at home schon längst getan haben; die ihm Blumen streuen und vom besten K.o-Spiel seit der WM 1966 (!) sprechen (schon erwähnt, dass der Engländer im Fußball zu Superlativen neigt?).
Natürlich wird derselbe (Boulevard-)Experte Tuchel und sein Team verdammen nach einer Niederlage, erst recht gegen Norwegen, aber hier kann wirklich etwas entstehen.
🧠 England, Norwegen
Für mich eine komplett offene Partie. Gewinnen wird, wer den Top-Stürmer am besten in Stellung bringt. Oder das Elferschießen, und sogar das sollen die Engländer gelernt haben …
❤️ England
Die Norweger mögen es mir verzeihen. Aber England ist einfach mal dran. Nicht nur fürs Halbfinale, sondern für den ganz großen Wurf. Und wenn es doch die Norweger werden? Dann werde ich als Erster gratulieren und im Fitness-Center eine Ruder-Einheit einlegen. Eine tolle Anleitung habe ich ja
https://www.welt.de/sport/fussball/wm/video6a4adca2b183fd3b3d5cf49c/brasilien-norwegen-highlights-bewegende-szenen-hier-laesst-haaland-norwegen-rudern.html
Argentinien – Schweiz
„Die Schweiz wird Weltmeister“, sagte mein guter Freund F. vorm Turnier, als wir gemeinsam am Bodensee waren – ein Monat ists schon her. Wie ernst er es gemeint hat? – keine Ahnung. Aber das Team von Murat Yakin ist eines der großen Turnier-Gewinner, fast egal, wie es ausgeht. Im besten Sinne Teamarbeit verrichten die Granit Xhakas und Co, und wenn im Achtelfinale gegen Kolumbien (vor einer Auswärtskulisse in Vancouver) der bis dato auffälligste Offensivmann Manzambi vom SC Freiburg verletzungsbedingt fehlt, so what?
Ob das allerdings auch gegen Argentinien reicht? Zweifel sind dann doch angebracht, obwohl für mich die Südamerikaner immer noch nicht greifbar sind. Gegen Ägypten stand das Team nach 0:2-Rückstand und bis dato enttäuschender Leistung vor dem Aus, ehe man sich aufraffte und noch mit 3:2 gewann. Entscheidend die Füße dabei im Spiel hatte mal wieder Lionel Messi mit einer Torvorlage zum 1:2 und dem Tor (seinem achten Turniertreffer) zum 2:2.
Messi – das große Phänomen dieser WM. Minutenlang sieht man ihn gar nicht. Er läuft mit Abstand am wenigsten, aber wenn er mal am Ball ist, dann geschieht meist etwas Sinnvolles und für den Gegner Kreuzgefährliches. Ausschalten konnte bisher niemand diesen Ausnahmespieler, und jetzt soll das ausgerechnet ein Durchschnittskicker wie Nico Elvedi vom Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern schaffen?
Und das übrige Team: Zeigte Willen nach dem 0:2-Rückstand. Die Titelverteidigung bleibt das große Ziel (es wäre die erste nach Brasiliens Doppel 1958/62). Noch immer habe ich außerdem das dumpfe Gefühl, dass ein Julian Alvarez, ein Fernandez (Siegtor gegen Ägypten), auch ein MacAllister noch viel mehr auf dem Kasten haben.
🧠 Argentinien
Messi wirds richten oder Alvarez oder, oder. Und wenn alle Stricke reißen, Schlussmann Martinez im Elferschießen. Lieber F., es tut mir Leid …
von Münchner Löwe | Juli 7, 2026 | Fußball, WM
Das präsidiale Eingreifen ging also komplett nach hinten los. Ein furchtbares US-Team mit dem von Trump und Infantino begnadigten Balogun (offiziell war es eine unabhängige FIFA-Kommission, wers glaubt) hatte gegen wie aufgeputscht wirkende Belgier nicht den Hauch einer Chance und verabschiedete sich mit einem 1:4 als letzter der drei nordamerikanischen WM-Gastgeber aus dem Turnier.
Während Belgien hochkonzentriert und wegen des absurden Eingriffs von ganz oben in jede Sportgerechtigkeit besonders motiviert wirkte, schienen die bisher so lebhaften US-Boys wie gelähmt. Noch nicht mal ein geschenkter Freistoß des ansonsten vorzüglichen Schiedsrichters zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich half. Quasi im Gegenzug schafften die Belgier wieder die Führung, die sie in der 2. Halbzeit zunächst sicher verwalteten, dann nach 2 haarsträubenden US-Abwehrfehlern auf 4:1 ausbauten.
Balogun, um dessen skandalöse Spielberechtigung (trotz Roter Karte und damit zwingender Sperre für mindestens ein Spiel) war ein Schatten seiner selbst, dem praktisch nichts gelang. Er hatte ja dem Vernehmen nach selbst nicht mehr mit seiner Spielberechtigung gerechnet. Dass er jetzt doch auflaufen durfte (gar MUSSTE per präsdialem Dekret?), schien ihn und die gesamte Mannschaft weitaus mehr zu verunsichern als den Gegner.
Alle Sympathien verloren
Was Trump nachhaltig geschafft hat (und vielleicht war das tatsächlich seine Intention): aufkommende Sympathie zu zerstören mit den US-Spielern, die diese mit ihren munteren und fairen Auftritten (trotz der Roten Karte) zuvor gewonnen hatten.
Ich muss es ja klar sagen: Die WM ist trotz allen Unbills (Politik, Kartenpreise etc) ein Erfolg. Die mitgereisten Fans aus Europa und der Welt sind begeistert von den freundlichen Gastgebern, und die Amerikaner sind begeistert von den so toll und meist friedlich feiernden Fans (Boston wollte die Schotten dem Vernehmen nach gar nicht mehr aus der Stadt lassen, die New Yorker nicht die Ruder-Norweger). Überall Verbrüderung.
Trump war ja bis dato bei der WM unsichtbar, er hatte noch nicht mal das Turnier als „seinen“ Erfolg reklamiert. Umso entsetzlicher die jetzige Zerstörung, die all die Freude fast zur Makulatur werden ließ. „Fast“, weil das US-Team ausschied.
Ich könnte mir also gut vorstellen, dass ich nicht der einzige bin, der trotz der Irrsinns-Politik zumindest Grundsympathie mit den USA (nur im Fußball!) entwickelt hatte, der allerdings angesichts der Umstände allerdings komplett ins belgische Lager geschwenkt ist. Zyniker sagen ja: So viel Zuneigung auch von neutralen Anhängern hat noch nie ein belgisches Team erfahren. Nicht nur aus Europa übrigens, sondern weltweit. Auch vielen US-Anhängern wird dieses unfassbare Einmischen peinlich gewesen sein. Sie legen ja im Sport noch viel mehr Wert darauf, dass Regeln eingehalten werden. Die der disruptive Trump dagegen immer bricht, in der Politik wie im Golf.
Der Fall muss heiß bleiben!
Will heißen: Mit dem Ausscheiden trotz unzulässigem Eingreifens hat sich die Sache nicht erledigt, wie vielleicht die FIFA hofft. Die europäischen Verbände müssen dran bleiben und das skandalöse Verhalten gerade des FIFA-Präsidenten beleuchten (Trump scheint dann doch außer Reichweite der Sportfunktionäre zu sein …). Gianni Infantino behauptet in einer nachgereichten Stellungnahme allen Ernstes, dass eine unabhängige Kommission entschieden habe, aufgrund besonderer Umstände die Sperre auszusetzen (welche Umstände das waren, wurde nicht gesagt). Mit dieser Erklärung darf sich niemand zufriedengeben.
Wenn sogar der ansonsten Infantino-hörige DFB-Chef Bernd Neuendorf um „Aufklärung“ bittet und „Rote Linien überschritten sind“, muss auch entsprechend gehandelt/nachgeforscht werden. Dass Infantino und sein FIFA-Machtzirkel allerdings ernsthaft in Gefahr geraten, wie hier und da suggeriert wird, bezweifle ich allerdings stark. Dazu ist seine Basis zu stark, sind seine Handlanger zu mächtig
Collinas erbärmliche Rolle
Vorweg: Ich liebe Pierluigi Collina, aber nur den fantastischen Schiedsrichter der Nuller-Jahre mit der markanten Glatze. Die trägt er immer noch (gestern in der Stadion-Box im Seattle-Stadion war eine erschütternde Ähnlichkeit mit dem ebenfalls barhäuptigen Infantino erkennbar), aber als Chef der Schiedsrichter-Kommission macht er seit Jahren eine entsetzliche Figur. Mit seltsamen SR-(Nicht)-Ansetzungen und noch seltsameren Erklärungen, warum diese oder jene haarsträubende Entscheidung doch richtig gewesen sei. Wie bei dem Tor der Deutschen gegen Paraguay (es scheint Lichtjahre her), als plötzlich eine strafbare Torwartbehinderung herhalten musste, die ansonsten wirklich niemand sah (Ähnliches bei der Partie Spanien vs Österreich).
Jetzt bisher kein Wort zu den Balogun-Vorkommnissen; auch nicht zum Skandal-Schiedsrichter aus Usbekistan bei der Partie Frankreich gegen Usbekistan, der offensichtlich die Anweisung hatte, die starken Franzosen zu eliminieren – anders ist diese (Nicht)-Pfeiferei schlicht nicht zu erklären. Nein, der sonst so wortgewaltige Italiener schweigt beredter als jede Mafia-Omertà.
Die Sperren-Regel selbst
Ein Gutes bringt dieser entsetzliche Vorgang, hoffe ich. Es wird vielleicht ernsthaft über die zwingende Sperre nach einer Roten Karte nachgedacht. Die ja weltweit gilt, in jeder Liga. Den einzelnen Verbänden ist es verboten, davon abzurücken: Abweichlern drohen drakonische Strafen (bis hin zum Ausschluss von FIFA-Wettbewerben). Egal wie ungerecht der Platzverweis gewesen ist, 1 Spiel Sperre war bisher absolut das Minimum und obligatorisch (einzige Ausnahme, aber auch nur vielleicht: Spielerverwechslung). Dass dieser Absolutismus jetzt aufgeweicht wurde, und seien die Umstände noch so skandalös, wäre doch ein Signal zum Nachdenken!
Die Gelegenheit dazu ergibt sich sehr früh. Im Achtelfinale England gegen Mexiko (3:2) sah Jarell Quansah die Rote Karte. Das Vergehen des Engländers war ganz ähnlich wie das von Balogun. Wie beim Amerikaner wurde auch hier erst nach Konsultation der Fernsehbilder überhaupt auf Foul erkannt, das zudem Rot-würdig gewesen sein soll. Wenn die FIFA-Kommission es ernst meint mit den „besonderen Umständen“: Hier liegen sie dann ebenfalls vor, und die Engländer haben Protest eingelegt. Das Blöde: Nicht durch King Charles, sondern den Regeln entsprechend nur durch den Verband, immerhin ist dort Prinz William Schirmherr.
Neueste Kommentare