von Münchner Löwe | Nov. 3, 2026 | basketball, bundesliga, Fußball, Tennis, WNBA, Wochenrückschau
Die Show der Gabby Williams
Spiel 7 in Best-of-7-Serien, erst recht im Finale, da werden Sporthelden geboren. Und Sportheldinnen. Wie die Basketballspielerin Gabby Williams von den Golden State Valkyries: Die ihr Team eben in diesem 7. Spiel, besser gesagt in der 2. Halbzeit dieser Partie, fast im Alleingang zum Sieg gegen Atlanta Dream und damit zum ersten Titel der Teamgeschichte führte.
28 Punkte gelangen der überragenden französischen Vizeweltmeisterin allein in der 2. Hälfte. Noch nie in der Play-off-Geschichte der WNBA hat einer Spielerin in einer Halbzeit so viele Punkte erzielt. Dabei war ihr im ersten Durchgang so gut wie nichts gelungen, 2 magere Pünktchen standen da auf der Habenseite, weswegen die Valkyries in der ausverkauften Halle in San Francisco mit 24:30 zurücklag. Weil auf der anderen Seite Jordin Canada endlich aufdrehte. Endlich, weil die Spielmacherin bis dato in der Serie nicht so zur Geltung kam. Gleich 13 Punkte legte sie auf, allerdings kam im zweiten Durchgang nur noch ein Dreier hinzu.
Es waren die 20 Minuten der Gabby Williams, die jetzt ihre körperliche und spielerische Überlegenheit gnadenlos ins Feld führte. Und ihr Händchen aus der Ferne bewies. 4 von 6 Dreier fanden das Ziel, außerdem verwandelte sie alle 6 Freiwürfe. Auch in der Verteidigung leistete sie ihren Beitrag mit 2 Blocks und 1 Steal. Auch wenn im Basketball nie eine einzige Spielerin gewinnen kann, ohne Williams wäre es nie im Leben etwas mit dem Sieg der Valkyries geworden. Ihren 28 Punkten in der 2. halbzeit standen nur 16 Zähler der Mannschaftskolleginnen gegenüber. Die wiederum im ersten Durchgang den Rückstand in Grenzen hielten, als Williams sich noch zurückhielt (netter Euphemismus).
Titel in der 2. Saison
Erst zur Saison 2025 waren die Valkyries zur WNBA dazugestoßen. Schon im 2. Jahr der Titel, so früh wie noch nie im US Sport. Es gibt Mannschaften, die warten schon Jahrzehnte darauf, und gerade in den ersten Jahren hagelt es Niederlagen zu hauf. Die Valkyries setzten auf Internationalität. Begonnen bei der japanischen Trainerin Natalie Nakase.
Natürlich ist dass in der WNBA leichter möglich, gerade in Zeiten, in denen sich ihrneue Dimensionen eröffnen. Frauen-Basketball hat sich voll etabliert, die Hallen in den Play-offs waren sehr gut gefüllt bis ausverkauft, die Stimmung auf den Rängen so leidenschaftlich wie noch nie. Endlich vedienen die Frauen auch ordentliches Geld, natürlich weit entfernt von den unfassbaren 50-Millionen+-Verträgen der NBA-Männer, aber wahrscheinlich so viel wie in keiner anderen Frauen-Liga. Durchschnittlich verdient eine NBA-Spielerin knapp 600.000 Dollar, die Stars der Szene erhalten bis zu 1,5 Millionen, die Tendenz ist stark steigend.
Sagte ich voll etabliert? Dann muss ich das einschränken. Unzumutbar für beide Teams war zumindest, dass sie ztu Spiel 6 in Atlanta schon um 12:30 Uhr Ortszeit (an einem Donnerstag) atreten mussten, weil die Halle am Abend von den Atlanta-Hawks-Männern belegt war. Die ihre Partie aber immerhin um eine Stunde nach hinten rückten, sodass die Doppelbelegung überhaupt möglich war. Viele WNBA-Tams kooperieren mittlerweile offiziell mit dem NBA-Team der Stadt. Wie die Valkyries in San Francisco mit den Warriors.
Kimi Antonelli jüngster Weltmeister
Es war nur noch eine Formsache, aber als der Titel auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen war, öffneten sich bei Kimi Antonelli alle Schleusen. Noch während der Auslaufrunde nach seinem dritten Platz in Mexiko heulte der Italiener hemmungslos, und das sollte den ganzen Abend fortdauern. „Ich habe viel zu viel geweint“, bekannte der mit 20 Jahren jüngte Formel-1-Weltmeister aller Zeiten.
So mancher Italiener wird auch die eine oder andere Träne verdrückt haben. Die motorsport-verrückten Tifosi warteten ja eine Ewigkeit auf einen einheimischen Weltmeister, genauer seit 1953 (Ascari). Zwar trösten sie sich mit Ferrari, aber gerade der Schumi-glanz der Nuller-Jahreist eben auch schon etwas verblasst. Der letzte Titel für die Scuderia datiert auch schon aus dem Jahr 2007, als Kimi Raikkönen triumphierte.
Jetzt also der italienische Kimi (laut der Mama hat die Namensgebung nichts mit dem schweigsamen Finnen zu tun). Mit einer für einen 20-Jahren furcheinflößenden Abgeklärtheit fuhr er rasend schnell und nahezu fehlerlos durch die Saison, legte gerade in der ersten Hälfte mit einem Erfolg nach dem anderen den Grundstein zum Titel. Dabei profitierte er sicher auch vom überlegenen Mercedes, aber gerade wie er den höher eingeschätzten Team-Kollegen George Russell in die Grenzen wies, das nötigte jedem in der Branche allerhöchsten Respekt ab. Auf den Schultern des Mexiko-Siegers Max Verstappen (vierfacher Weltmeister) und Lewis Hamilton (siebenmal Chmapion, davon sechsmal mit Mercedes) wurde er durchs Fahrerlage getragen – ehrliche Ehrerbietung. Aber gerade wer den überehrgeizigen Verstappen kennt weiß, dass dieser sich 2027 nicht kampflos ergeben lassen will. Der Red Bull, zu Beginn des Jahres noch absolut nicht konkurrenzfähig, ist zurzeit das Maß aller Dinge, wie der dritte Sieg des Holländers in den vergangenen vier Rennen beweist.
Zverev die Nummer 1
Seit Montag ist es offiziell. Da spuckte der Computer Alexander Zverev als neue Nummer 1 de Welt aus. Möglich machte dies ein schnöder Zweitrunden–Erfolg gegen den Holländer Tallon Griekspor in Wien, mit dem er den zurzeit pausierenden Jannik Sinner vorzeitig überflügelte (es war seit Wochen klar, dass Zverev den Italiener spätenstens zum Jahresende ablösen würde). Mit einem Turniersieg allerdings konnte Zverev seine historische Woche nicht krönen. Im Halbfinale unterlag er dem Australier Alex de Minuar im Tiebreak des 3. Satzes. Allzu traurig schien der hamburger nicht zu sein.
Vielleicht war es ihm sogar ganz recht, dass aus dem anvisierten Traumfinale gegen Carlos Alcáraz nichts werden würde. Der Spanier gewann das Finale klar gegen De Minaur und zeigte sich in Bestform. Da hätte es Zverev sehr schwer gehabt, und eine klare Niederlage hätte die eh zermürbenden Diskussionen neu entfacht. Diskussionen, ob Zverev eine „verdiente“ Nummer 1 sei, weil Sinner und auch Alcáraz sehr lange verletzungsbedingt fehlten und fehlen. Alcáraz selbst brach eine Lanze für Zverev. „Beim Tennis geht es nicht nur darum, den Platz zu betreten und an diesem einen Tag sein bestes Tennis zu spielen. Es geht auch um die Konstanz, die man während des gesamten Jahres zeigt.“
Und sonst?
- Bundesliga: Remis im Spitzenspiel. 2:2 trennten sich der FC Bayern und Borussia Dortmund. Die Bayern vergaben zahlreiche Chancen (so traf Harry Kane mit einem Elfmeter absurderweise nur die Latte). Das rächte sich, als kurz vor Schluss Flavio Silva mit einem platzierten Flachschuss Jonas Urbig im Bayern-Tor überwand.
- England: Der FC Arsenal hat eine betrübliche Serie beendet. Das 1:0 beim FC Livberpool war der erste Sieg der Londoner an der Anfield Road seit 14 Jahren. Der deutsche Nationalspieler Kai havertz traf schon in der 16. Minute nach einer herausragenden Kombination. Arsenal führt die Premier League mit 3 Punkten auf Manchester City an, das zuhause gegen Brghton mit 0:1 verlor.
- Tennis: Turniersiege feierten Harriet Dart in Guangzhou (Finalsieg über Lilli Tagger), Diana Shnaider in Tokio (Leyla Fernandez) und Valentin Vacherot (Jiri Lehecka). Jan-Lennard Struff zeigte erneut ein starkes Turnier, bezwang im Viertelfinale Novak Djokovic, unterlag aber im Halbfinale ganz knapp gegen Lehecka und vegab dabei im 2. Satz einen Matchball.
Das österreichische Doppel Lukas Miedler/Neil Oberleitner feierte in Wien einen umjubelten Heimsieg.
- Basketball: Zwei Niederlagen für den FC Bayern in der Euroleague: Dem knappen 84:88 zu Hause gegen den FC Barcelona folte am Donnerstag ein deprimierend deutliches 73:103 bei Roter Stern Belgrad. In der BBL setzte es dann am Sonntag mit 67:69 die erste Saisonpleite. Eine Woche zum Vergessen.
von Münchner Löwe | Okt. 19, 2026 | bundesliga, Formel 1, Fußball, NBA, Tennis, WNBA, Wochenvorschau
Skifoan in Sölden, Formel 1 in Austin/Texas und einige Schlager in der Champions League. Dazu massig US Sport, den ich hier aber nur kurz streife, auf den ich aber in gesonderten Texten länger eingehe.
Bayern empfängt Arsenal
Der Deutsche Meister gegen den englischen Titelträger (Mi., 21 Uhr). Klingt gut, könnte auch gut werden, aber mal ehrlich: Egal, wie es ausgeht, es ist fast ohne Belang. Denn wer zweifelt daran, dass sich beide Mannschaften souverän für die K.o.-Runde der Champions League erreichen werden und aller Wahrscheinlichkeit sogar in den Top8 der 36er-Monstertabelle? Und wie die Erfahrung der vergangenen beiden Jahre zeigt, geben nicht einmal diese direkten Treffen der Top-Favoriten wirklich Aufschluss, wie ein Viertelfinale oder Halbfianle zwischen denselben Kontrahenten ausgehen könnte.
Für mich verfestigt sich die Meinung, dass die Vorrunde in der jetzigen Form (36 Teams, 24 kommen weiter) zumindest für die Top-Clubs ein besseres (und nett anzuschauendes) Training unter Wettkampfbedingungen ist. Trotz Setzliste und dem Umstand, dass die ersten Acht sich die Zwischenrunde schenken.
Das Attraktive am Modus ist zugegebenermaßen, dass absolute Kracher an der Tagesordnung sind. So treffen am Diensgtag Titelverteidiger Paris St. Germain und der FC Barcelona aufeinander. Barca ist sowohl in Meisterschaft als auch in der Königsklasse noch ohne Punktverlust.
RB Leipzig (in Bernabéu bei Real/Mi., 21:00) ) und der VfB Stuttgart (zuhause vs Atlético/Di., 21:00) ) haben sehr schwere Aufgaben gegen die zwei Madrider Spitzenclubs. Borussia Dortmund muss die mühselige Reise nach Aserbaidschan bestreiten, wo Sabah FK wartet. Eine weitere Niederlage nach dem 0:1 bei Bödo Glimt wäre ein echter Rückschlag.
Verstappen strebt den Hattrick an
Formel-1-Weltmeister kann Max Verstappen nach Lage der Dinge nicht mehr werden, doch Siege schmecken dem Hollände immer gut. Nach den Erfolgen in Malaysia (für Bahrain eingesprungen) und Singapur will sich der vierfache Champion am Wochenende auch in Austin schadlos halten. De Red Bull ist wieder absolut siegfähig, und nach Monaten eher lust- und chancenlosem Hinterherfahren ist Verstappen voller Tatendrang. Auch wenn der Titel wie gesagt bei 119 Zählern Rückstand auf WM-Leader Kimi Antonelli und bestenfalls noch fünf Rennen (wegen des Irankrieges sind Katar und Saudi-Arabien gefährdet) außer Reichweite ist.
Ein Rennen fürs Weihnachtsgeschäft
Kaum zu glauben, aber der Wintersport rückt mit Riesenschritten näher. Wie der traditionelle Auftakt der alpinen Skifahrer am Wochenende in Sölden. Wie gehabt stehen 2 Riesenslaloms an für Frauen (Samstag) und Männer (Sonntag). Erfunden wurde das Ganze vor Jahren, umd Freizeit-Skifahrern Lust aufs Weihnachtsgeschäft zu machen, sportlich bringt dieser Frühstart praktisch keine Erkenntnisse. Ob und in welcher Form die Topstars an den Start gehen steht noch nicht fest. Weltcup-Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin etwa hat verlauten lassen, dass sie dieses Jahr nur ein abgespecktes Programm fahren will, alles ist ausgerichtet auf die Ski-WM in Crans Montana Ende Januar. Die Chance für Vielfahrerin Emma Aicher im Gesamtweltcup
Sicher nicht dabei ist Shiffrins Verlobter Alexsander Aamodt Kilde, der sich bei Schneetraining in Chile einen Achillesehnenriss zuzog und die gesamte Saison ausfällt.
US-Sport, wohin man schaut
Ende Oktober, das sind die etwa zwei Wochen, wenn alle großen US-Ligen spielen. Am morgigen Dienstag öffnet die NBA ihre Pforten – und zwar zur besten deutschen Sendezeit (21 Uhr). Die Boston Celtics empfangen die Boston Celtics die Detroit Pistons. Beide Teams erwarte ich sicher in den Play-offs. Zwei weitere Top-Schlager von absoluten Titel-Favoriten folgen in der Nacht, wenn die New York Knicks auf die Philadelphia 76ers (mit Janes und Brown) treffen (01:00) und die san Antonio Spurs auf die Oklahoma City Thunder (03:30).
Näheres in einer längeren (ich fürchte: langen) Vorschau am Dienstag.
Schon weiter ist die WNBA, also die Frauen-Profiliga. Heute Nacht Spiel 2 der Finalserie zwischen den Golden State Valkyries und den Atlanta Dream, erneut in San Francisco. Die erste Partie ging denkbar knapp für die Valkyries aus (68:64).
Und sonst?
- Bundesliga: Das Beste des 6. Spieltags kommt zum Schluss, wenn nämlich am Sonntagabend der SC Freiburg den FC Bayern empfängt. Durch die Freiburger Niederlage in Leverkusen sind die Münchner aus ihrer Sicht „endlich“ Tabellenführer. Nur mit einem Sieg wäre das weiter sichegestellt, wenn tags zuvor im nominellen Topspiel (18:30) Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt gewinnt.
Bereits am Freitag im Blickpunkt ist Broussia Mönchengladbach, das beim VfB Stuttgart endlich die ersten Punkte einfahren will.
- Spanien: Barca vs Real, el clásico (So., 21:00). Barca führt bereits mit 6 Punkten Vorsprung auf die Hauptstädter, und die Katalanen spielen auch den weit attraktiveren Fußball. Vor Real ist sogar noch Atlético, das gegen Deportivo La Coruna klarer Favorit ist.
- Motorrad: Einer der schönsten Kurse des Jahres ist immer die Strecke in Phillips Island/Australien. Extreme Spannung in der MotoGP, wo zurzeit Jorge Martin gerade zwei Pünktchen Vorspung auf seinen spanischen Landsmann Marc Marquez hat. Wie immer Sprint am Samstag und Hauptrennen am Sonntag, in Europa wegen der Zeitverschiebung in den frühen Morgenstunden.
- Tennis: Die Männer kehren nach dem Asientrip nach Europa zurück. In Brüssel (Fils, Lehecka), Lyon (Cobolli, Fritz) und Astana (Medwedew, Darderi) geht es um wichtige Punkte im Rennen ums Saisonfinale, wo noch fünf freie Plätze zu vergeben sind (Zverev Alcáraz und Shelton snd fix qualfiziert, Sinner hat die Saison bereits beendet).
Die Frauen bleiben noch in Asien, nämlich in Ningbo (Rybakina, Swiatek, Kostyuk) und (längst nicht so gut besetzt) Osaka (Li, Stearns, Tagger, Kraus).
von Münchner Löwe | Okt. 5, 2026 | bundesliga, Fußball, Tennis, Wochenvorschau
Für mich am spannendsten sind die Play-offs in der MLB und WNBA, mit denen ich mich aber in gesonderten Texten beschäftigen werde. Ansonsten kehrt am Wochenende der Liga-Fußball zurück. Und Alexander Zverev kann beim Turnier in Schanghai weiteren Boden auf den verletzungsbedingt pausierenden Jannik Sinner gutmachen
Hält Dortmunds Tabellenführung?
4 Spiele, 4 Siege, so lautet die zumindest zahlenmäßig optimale Ausbeute des BVB zum Saisonstart. Als einiges Bundesliga-Team beklagt die Truppe noch keinen Punktverlust. Schon am Freitag treffen die Dortmunder zu Hause auf Werder Bremen, eine durchaus machbare Aufgabe. Komplizierter hats da schon der Titelverteidiger. Der FC Bayern spielt am Samstag beim FC Augsburg: jenem Team also, das den Münchner in der vergangenen Spielzeit die einzige Niederlage zufügte (allerdings war das in der Münchner Arena).
Nominelle Top-Paarung des 5. Spieltags ist die Begegnung RB Leipzig vs Eintreacht Frankurt (Sa., 18:30), vom Tabellenstand mittelmäßiger könnte es kaum sein (Neunter gegen Zehnter).
Zverevs Aufholjagd setzt sich in Schanghai fort
Nach 2 Grand-Slam-Siegen hat der Tennis-Profi für 2026 noch ein klares Ziel: Platz 1 in der Weltrangliste. Beim Masters in Schanhai kann der Hamburger diesem Ziel ein erhebliches Stück näherkommen, da der Noch-Inhaber Jannik Sinner wegen seiner Knieverletzung weiter pausieren muss. Ganz einholen kann Zverev den italiener in China allerdings noch nicht, aber der Machtwechsel dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, denn in der Jahreswertung führt Zverev schon mit 810 Punkten.
Zverev ist in Schanghai als Nummer 1 gesetzt, bekommt es zum Auftakt mit einem Qualifikanten oder Lucky Loser zu tun. Außer Sinner ist die gesamte Welt-Elite in Schanghai am Start.
Zuvor werden aber bis Dienstag noch die Turniersieger in Peking und Tokio ermittelt. Das Finale in Tokio bestreiten carlos Alcáraz und Jiri Lehecka, jenes in Peking Alex De Minaur gegen Novak Djokovic oder Daniil Medwedew. Djokovic eliminierte gestern im Viertelfinale Zverev, das Turnier in der chinesischen Hauptstydt liegt dem Altmeister aus Serbien extrem, und dort lieben ihn die Zuschauer.
Und sonst?
- Internationale Ligen, England: Im Schatten des Finanz-Skandals um Manchester City (offenbar ein Betrug in Höhe von 1 Milliarde Euro) und dem Warten auf die angemessene Bestrafung versucht die Premier League die Saison-Fortführung. Besagtes City grüßt als verlustpunktfreier Tabellenführer. Die Partie am Sonntag beim FC Liverpool (17:30) wird allerdings ein echter Prüfstein.
Spanien: Der FC Barcelona kennt sich mit Finanz-Trickereien (bisher allesamt ungeahndet) bestens aus (Schulden in Höhe von weit mehr als 1 Milliarde Euro). Ubeeindruckt zieht Barca schon früh in der Saison fast einsam seine Kreise und fasziniert durch herrlichen Angriffs-Fußball. Mir fehlt die Fantasie, dass ausgerechnet Rayo Vallecano im Camp Nou zum Stolperstein wird (Sa., 18:30). Zumindest von Namen her schwieriger hats da schon Real Madrd zu Hause gegen Real Villarreal.
- Tennis: Die Frauen bestreiten ein erstklassig besetztes Turnier in Peking. Allerdings sind die zwei Top-Gesetzten Lena Rybakina und Aryna Sabalenka schon vor dem Achtelfinale ausgeschieden. Zumindest nominell „best of the rest“ ist Coco Gauff (Nummer 3) vor French-Open-Siegerin Mirra Andreewa (4), doch das Feld ist zurzeit extrem unbeständig, sodass Vorhersagen nahezu unmöglich erscheinen.
- Formel 1: Nach Malaysia ist vor Singapur. Im Stadtstaat bestreitet die Königsklasse am Sonntag ihr nächstes Rennen. Kimi Antonelli hat weiter einen beruhigenden Vorsprung von 86 Punkten auf Mercedes-Teamgefährte George Russell.
- Basketball: Nur ein Spieltag in dieser Woche in der Euroleague. Der FC Bayern empfängt am Donnerstag (20 uhr) Virtus Bologna. Schon am Samstag (16 Uhr) folgt für die Münchner in der BBL der Auftritt bei den Niners Chemnitz.
- Motorrad: WM-Läufe in allen Klassen am Wochenende in Mandalika/Indonesien. In de MotoGP füjrt Jorge Martin (333 Punkte) vor seinem spanischen Landsmann Marc Marquez (301). Wie immer stehen am Samstag ein Sprint und am Sonntag das klassische Rennen auf dem Programm.
von Münchner Löwe | Sep. 14, 2026 | Tennis
Besser geht’s nicht. Finale der US Open auf dem größten Center Court der Welt, der mit knapp 24.000 Zuschauern restlos gefüllt war. Auf der anderen Seite mit Ben Shelton der umjubelte Lokalmatador, der in diesem Turnier so begeisternden Tennis gezeigt hat, insbesondere bei seinen Siegen gegen Carlos Alcáraz und Landsmann Frances Tiafoe. Den Aufschlag-Weltrekordler (zumindest für ATP Tour). Und was macht der Hamburger? Entzauberte den US Boy nach allen Regeln der Kunst.
Von Beginn an diktierte Zverev die Partie, nahm Shelton gleich den Aufschlag ab und transportierte das Break sicher zum Satzgewinn. Im zweiten Durchgang musste der Tiebreak entscheiden, und hier zeigte Zverev schlicht und ergreifend das best vorstellbare Tennis und deklassierte Shelton beim 7:2.
Noch nicht einmal vom Rückschlag im 3. Durchgang ließ sich Zverev durcheinanderbringen, als er mit einer leichten Unkonzertiertheit das Service zum 5:7 und Satzverlust abgab. Laut Statistiker war ihm das zuvor bei 50 Aufschlagspielen gegen Shelton nicht passiert.
Die Zuschauer eskalierten, witterten noch mal eine Chance für ihren Landsmann Shelton. Der doch als erster US Amerikaner seit 2003 den Männertitel wieder für die USA holen sollte. Doch Shelton war mit der Situation überfordert gegen den fast gleichmütigen Zverev. Sofort gab er den Aufschlag im 4. Satz ab (trotz 30:0-Führung), das Momentum war wieder dahin. Und Zverev ließ sich die Chance nicht entgehen. So fokussiert war er auf jeden einzelnen Punkt, dass er gar nicht merkte, als er den Matchball verwandelt hatte. Erst als ihm die Schiedsrichterin signalisierte, das das Spiel vorbei sei, brach der Jubel aus ihm heraus.
Besser gehts nicht! Oder etwa doch? Denn kaum war die Siegerehrung beendet, meldeten sich die Bedenkenträger. Zverev habe ja nur gewonnen, weil Jannik Sinner nicht dabei gewesen war (wegen einer Knieverletzung) und Alcaraz nach seiner Handverletzung noch nicht hundertprozentig fit gewesen sei. Das mag stimmen (oder auch nicht), ist aber völlig belanglos. Man kann nur den Gegner bezwingen, der auf der anderen Seite des Platzes steht. Und Zverev bezwang in New York eben alle Sieben, die auf der anderen Seite des Platzes standen. Schwer genug ist so ein Parforceritt, und viel hätte ja auch nicht gefehlt und Zverev wäre in der ersten oder zweiten Runde bei seinen Fünfsatz-Thrillern gescheitert. Er wankte zwar gegen Lorenzo Sonego und Quentin Halys, fiel aber nicht. Und genau das unterschied ihn von all den chancenreichen Mitbewerbern wie Fils und Auger-Alliasime und Medwedew und Fritz, die bei ihren Niederlagen gegen Außenseiter eben im entscheidenden Moment nicht zulegen konnten wie Zverev.
Der Deutsche weiß selbst seine Leistung einzuordnen. „Zurzeit bin ich der beste Spieler der Welt. Das war ich nicht, als Sinner fit war.“ Über ein potenzielles Finalduell mit Sinner zu spekulieren, führt allerdings zu gar nichts, zumal jede Partie ohnehin erst mal gespielt werden muss.
Bleiben wir also bei den unumstößlichen Fakten: Zverev, dem trotz Olympiatriumphes und zweier WM-Titel lange nachgesagt wurde, bei den Grand Slams nie gewinnen zu können, hat ein geradezu märchenhaftes Jahr bei diesen ganz großen Turnieren hinter sich: Halbfinale Melbourne (nur denkbar unglücklich gescheitert an späteren Sieger Alcáraz), Sieg Paris, Finale Wimbledon (recht chancenlos gegen Sinner) und jetzt Sieg New York. Macht 25:2 Matchsiege, das ist zum Beispiel ein besseres jahr als es ein Boris Becker je hatte. Noch sieht ihn die Weltrangliste als Nummer 2 hinter Sinner, aber in der Jahreswertung hat er bereits einen gewaltigen Vorsprung auf den Italiener. Von dem niemand weiß, in welcher Verfassung er die restlichen Turniere des Jahres bestreiten kann. Sehr wahrscheinlich also, dass Alexander Zverev dieses unfassbar erfolgreiche 2026 als bester Tennisspieler der Welt abschließen wird, um etwas weiter in die Zukunft zu blicken.
Ich habe jetzt gelesen, dass Alexander Zverev unbedingt Deutschlands Sportler des Jahres werden muss. Diese Ehrung ist in der Tat sehr wahrscheinlich. Ich allerdings würde dafür den Schwimmer Johannes Liebmann präferieren. Dessen unfassbarer Weltrekord über 1500 Meter Freistilstellt in der ganz persönlichen Löwen-Wertung sogar einen Alexander Zverev in den Schatten.
Rybakinas Triumphzug
Seit ziemlich genau 50 Jahren schaue ich jetzt Tennis, auch Frauen-Tennis. Doch was Besseres als Lena Rybakina der 3. Satz im Finale der US Open gegen eine keineswegs schwache Aryna Sabalenka hat meines Erachtens noch nie eine Spielerin fabriziert. Eine sehr steile These, ich weiß, aber ich begründe mal: Toller Aufschlag, knallharte Grundschläge und sogar tödliche (ja ja, die Tennissprache …) Volleys. All das im vielleicht wichtigsten Spiel des Jahres. Falls also die geringsten Zweifel bestanden, ob Lena Rybakina tatsächlich eine verdiente Nummer 1 der Welt ist (als die sie die heutige Weltrangliste ausspuckt), dann sind diese Zweifel verflogen. Hoffentlich auch bei Sabalenka, die bei der Siegerehrung nur mit zusammengebissenen Zähnen der Kontrahentin ein „well deserved“ rauspresste, ansonsten leider mal wieder eher darüber schwadronierte, was sie selbst alles falsch gemacht habe. Man kann jetzt philosphieren, ob Sabalenka eher eine sehr schlechte oder sehr enttäuschte Verliererin war.
Der Triumph der Kasachin Rybakina ist umso höher einzuschätzen, weil sie vor dem Turnier angeschlagen war nach einer recht komplizierten Fußverletzung und sie wahrscheinlich selbst nicht wusste, woran sie ist. Doch schnell war klar, dass die Pause ihrer Form keineswegs abträglich war – vielleicht sogar im Gegenteil, weil sie pausieren musste. Denn keine Spielerin war frischer und agiler. Wenn sie aber gut zum Ball steht, dann wird es für jede Gegnerin schwer bis unmöglich dagegenzuhalten.
Sabalenka, die Titelverteidigerin und amtierende Nummer 1, tat ihr bestes. Nur noch ein Raunen ging durch die Ränge, wenn sich die Kasachin Rybakina und die Weißrussin Sabalenka die Bälle um die Ohren knallten. Beide hatten ja schon im Januar das Finale der Australian Open bestritten (ebenfalls mit dem besseren Ende für Rybakina). Beide waren ab April in ein Formtief gefallen mit jeweils erstaunlichen Niederlagen unter anderem in Paris und Wimbledon. Jetzt zeigten die beiden, dass sie die zwei besten Tennis-Frauen der Welt sind, trotz der Amerikanerinnen Gauff und Pegula, trotz Iga Swiatek und wie sie alle heißen.
Ein Trost für die Konkurrenz: So gut wie im 3. Satz wird auch eine Lena Rybakina nicht jeden Abend spielen.
von Münchner Löwe | Sep. 10, 2026 | Tennis
Zwei Amerikaner auf Mission Titel und die Szene des Jahres
Was für ein Tennis-Tag, was für Dramen. Mittendrin die Amerikaner, die endlich seit 2003 (Andy Roddick) den Einzel-Titel bei den US Open erringen wollen. Zunächst das inner-US-Duell Alex Mikkelsen gegen Frances Tiafoe. Mehr als zweieinhalb Sätze dominierte der Außenseiter Mikkelsen die Partie, glänzte mit schnörkellosem, aber fast fehlerfreiem Tennis, das dem so kamptstarken Tiafoe die Luft zum Atmen raubte. Beim Stand von 7:5, 6:3 und 5:4 schlug er aufs Match auf, doch wie so viele Tennisspieler und vor allem auch Tennisspielerinnen verlor er die Nerven. Plötzlich zitterte die Hand, die zuvor so souverän auch die schwierigsten Schläge ausgeführt hatte. Tiafoe, der nie aufgab, witterte die Chance, holte sich nicht nur das Break zum 5:5, sondern kurze Zeit später auch den Durchgang zum 7:5.
Nachdem Tiafoe sich auch den 4. Satz sicherte, musste der 5. Satz entscheiden, und hier kulminierte die Spannung im sogenannten Matchtiebreak. Den gewinnt, der als erster 10 Punkte erreicht hat. Tiafoe erwies sich als der Bessere (der Glücklichere), und im Moment des Triumphes zeigte er seine ganze Größe. Mikkelsen nämlikch überwältigten die Gefühle. Eine Ewigkeit weinte er in den Armen seines Kontrahenten. Unvergessliche Bilder, die niemanden kalt lassen können; die wieder einmal zeigen, wie toll Sport sein kann, wenn die Beteiligten fair bleiben, wenn sie den Gegner achten. Der gegenseitige Respekt war schon während der gesamten Partie zu bemerken, jetzt merkte jeder mehr als 23.000 begeisterten Zuschauer und an den Fernsehgeräten im vollbesetzten Artur-Ashe-Stadium. Das waren Freunde. Wenn Sport und das Leben immer so fair wären, es wäre so viel einfacher auf der Welt (großer und pathetischer Seufzer).
Und doch war dieses großartiege Duell nur der Vorgeschmack auf das bisher vielleicht beste Tennismatch des Jahres mit so vielen Absurdidäten: Ben Shelton gegen Carlos Alcáraz. Hier der so auschlagsstarke Amerikaner, dort der spanische Titelverteidiger bei seinem Turnier-Comeback nach mehr als vier Monaten, bei dem er in den 4 partien zuvor nicht einen Satz abgegeben hatte. Die Vorzeichen waren allerdings ungewöhnlich, denn das Spektakel begann erst kurz nach 23 Uhr Ortszeit. Was dann die beiden im ersten Satz an Tennis-Feuerwerk und -Kunst ablieferten voller Traumschläge und begeisternder Ballwechsel, haben wir in diesem Jahr (und auch sonst sehr selten) nicht gesehen. Nach 62 Minuten sicherte sich Alcáraz den ersten Satz.
Doch gerade der Spanier konnte dieses Nieveau nicht halten. Geradezu vorgeführt wurde er in den folgenden beiden Durchgängen, die Shelton mit seinem grandiosen Aufschlag, aber auch tollen Grundschlägen dominierte. Da waren einige der 23.000 Zuschauer allerdings schon nach Hause gegangen. New York mag die Stadt sein, die niemals schläft, aber viele ihrer Einwohner brauchen doch zumindest ein paar Stunden in ihrem Bett, um für den nächsten Arbeitstag gewappnet zu sein.
Die die geblieben waren (es waren immer noch weit über 10.000 Menschen) sahen im vierten Satz, warum Alcáraz im Moment vielleicht der begabteste Tennisspieler ist. Obwohl er wegen seiner Handverletzung sicher nicht mit 100 Prozent aufschlagen kann, dominierte er seine Aufschlagspiele mit seinen faszinierendenen und fanstasievollen Grundschlägen und ließ den nur etwas nachlassenden Shelton nicht die geringste Chance.
Es musste also auch hier der fünfte Satz entscheiden. Shelton brachte dabei seine Aufschlagsspiele locker durch, Alcáraz nur mit Mühe, wobei ihm Shelton mit inigen dummen Fehlern half. Die Diskrepanz beim Service war unverkannbar, hier der Ami mit bis zu 150 Meilen pro Stunden, dort der Spanier mit meist nicht einmal 120. Trotzdem fanden sich die beiden Profis ebenfalls im Matchtiebreak wieder, mittlerweile war es in New York weit nach 3 Uhr morgens; die Ränge hatten sich weiter gelichtet, und die Spieler standen bereits mehr als 4 Stunden auf dem Platz. Bis zum 6:6 war auch der Decider völlig ausgeglichen, ehe ein eher überflüssiger Fehler von Alcáraz dem Amerikaner den entscheidenden Vorteil gab. Kurze Zeit später verwandelte er seinen zweiten Matchball und durfte den vielleicht wichtigsten Sieg seiner Karriere feiern. Alc#araz erwies sich als großer Verlierer. Als er die Arena verließ, da umspielte ein Lächeln seine Lippen. So erleichtert war er, dass er nach diese langen Pause wieder mit den Besten der Besten mithalten kann. Und das zeichen an die Tennis-Welt war eindeutig: Mit Alcáraz ist in zukunft wieder zu rechnen
Am Freitag kommt es aber zum inneramerikanischen Halbfinal-Showdown. Tiafoe gegen Shelton, eine Vorhersage scheint fast unmöglich
Die beiden anderen Viertelfinali fielen gestern doch gewaltig ab. Die Sieger Karen Katschanow (gegen Alexander Blockx) und Alexander Zverev (gegen Boric van de Zandschulp) hatten wenig Mühe. Katschanow profitierte im 3. Durchgang gar von der Aufgabe seines belgischen Kontrahenten, der nach seinen Kraftakten in den Runden zuvor schlicht nicht mehr konnte und aufgeben musste. Zverev wiederum war für Überraschungsmann van de Zandschulp eine Nummer zu groß, und er ist auch im Halbfinale gegen den Russen klarer Favorit.
Top-Frauen unter sich
Das hat es seit 2009 (Wimbledon) nicht mehr in einem Grand-Slam-Turnier gegeben. Die besten Vier der Setzliste stehen auch im Halbfinale. In denen treffen nun Aryna Sabalenka und Jessica Pegula sowie Lena Rybakina und Coco Gauff aufeinander. Wer den Titel letztlich gewinnt, vermag ich nicht zu prognostizieren, aber eines steht jetzt schon fest: Rybakina wird unabhängig von Turnierausgang die neue Nummer 1 der Welt, sie wird ab Montag als dann 51. Spielerin die Rangliste anführen.
Frauen, Halbfinale
Fr., 01:00: Sabalenka (Weißrussland) – Pegula (USA)
anschließend: Rybakina (Kasachstan) – Gauff (USA)
Zweimal also USA gegen Osteuropa, zweimal dürften also die Sympathien im Stadion klar verteilt sein. Mich würde allerdings wenig wundern, wenn sich dennoch die (noch) Weltranglistenerste Sabalenka und ihre Nachfolgerin Rybakina durchsetzen würden. Wenn die Weißrussin und die Kasachin jeweils ihre Nerven trotz der feindlichen Atmosphäre im Griff behalten.
Männer, Halbfinale (Freitag, Nacht auf Samstag, die Partien sind noch nicht angesetzt)
Shelton (USA) – Tiafoe (USA)
Zverev (Deutchland) – Katschanow (Russland)
Im US-Duell sehe ich keinen klaren Favoriten. Shelton ist der etwas begabtere Spieler, hat mit Sicherheit den besseren Aufschlag. Aber den Kämpfer Tiafoe darf niemand zu keinem Zeitpunkt abschreiben, das hat er gerade bei diesem Turnier scho des öfteren bewiesen.
Zverev ist auch gegen Katschanow der klare Favorit. Er würde mit einem Sieg zum dritten Mal in Folge in ein Grand-Slam-Finale einziehen (Sieg gegen Cobolli in Paris, Niederlage gegen Sinner in Wimbledon).
von Münchner Löwe | Sep. 8, 2026 | Tennis
Er spielt, als sei er nie weggewesen. Allenfalls sein noch zurückhaltender Aufschlag erinnert daran, dass Carlos Alcáraz gut 4 Monate wegen einer Handgelenks-Verletzung gefehlt hat. Ansonsten ist sein Spiel wieder ohne Fehl und Tadel, sehr facettenreich und wunderbar anzusehen. Das musste zuletzt der völlig chancenlose Tommy Paul zur Kentnisnehmen, der im Achtelfinale eine Lehrstunde erhielt. Das ließ sogar die fanatischen US-Fans verstummen, die früh einsehen mussten, dass noch so viel Geschrei für ihren Landsmann nichts bringen würde.
Unfassbar, wie souverän Alcáraz ins Viertelfinale der US Open gestürmt ist. Vier Siege ohne Satzverlust, das hat von den besten Acht außer ihm nur der US-Amerikanische Außenseiter Alex Mikkelsen geschafft. Die härteste Prüfung wartet indes heute nacht, wenn Alcáraz auf den nächsten US Boy trifft. Ben Shelton hat seine Anfangs-Nervosität bei seinem heimturnier abgelegt, überzeugte ebenfalls mit überzeugenden Auftritten, zuletzt im Achtelfinale gegen den chancenlosen Rückkehrer Stefanos Tsitsipas.
Die Amerikaner trumpfen ohnehin auf in New York, wo sie seit 2003 auf einen heimsieg im Männer-Einzel warten. Neben Shelton stehen auch Francis Tiafoe und eben Mikkelsen im Viertelfinale, allein Alcáraz steht wenigstens einem US-amerikanischen Finalteilnemer im Weg. Eine unüberwindliche Hürde? Wir werden sehen.
In der anderen Tableau-Hälfte scheint Alexander Zverev mittlerweile ungefährdet. Der italiener Luciano Darderi hatte jedenfalls im Achtelfinale nicht den Funken einer Chance und unterlag klar in 3 Sätzen. Zverevs Aufschlag funktioniert bestens: Gegen Darderi hatte er insgesamt nur einen Breakball gegen sich, beim Stand von 5:2 im ersten Satz, als die Konzentration ganz kurz nachgelassen hatte.
Der Weg ins Finale scheint für den von Spiel zu Spiel sich steigernden Hamburger vorgezeichnet – bei aller Wertschätzung der Kontrahenten. Gegen Holländer Botic van de Zandschulp ist er klarer Favorit, ebenso in einem möglichen Halbfinale gegen den Sieger des Überraschungs-Viertelfinales Alexander Blockx gegen Karen Katschanow, der sich im Achtelfinale in einer extrem stimmungsvollen partie gegen den jungen Ami Learner Tien in 5 Sätzen durchsetzte.
Viertelfinale
Zverev – van Zandschulp (Mittwoch)
Blockx – Kataschanow
Tiafoe – Mikkelsen (Dienstag)
Alcaraz – Shelton
Qinwen Zheng überrascht weiter
Wieder erwies sich die Chinesin als Comeback-Königin, als sie im 1. Satz einen 0:5 gegen Iga Swiatek wettmachte. Zweimal in Folge einen derartigen Rückstand aufzuholen (vorher im 3. Durchgang gegen madison Keys), dieses Kunststück gelingt ganz selten (ich konnte nicht eruieren, wann zuletzt). Punkt für Punkt habe sie gespielt, berichtete die Chinesin, die wegen einer Ellenbogenverletzung in diesem Jahr bis auf Rang 121 zurückgefallen war. Vieles an ihrer Spielweise erinnerte an den Sommer 2024, als Qinwen in Paris auf dem legendären Center Court von Roland Garros die Goldmedaille gewann.
Ob sie trotz ihrer tollen Form ihren Siegeszug in New York fortsetzen kann, ist dennoch zweifelhaft. Nächste Gegnerin ist Lena Rybakina, die ihren Spielen ebenfalls einen. bärenstarken Eindruck hinterließ. Gestern nacht im Achtelfinale ließ sie auch der zweifachen US-Open-Siegerin Naomi Osaka beim 6:1, 6:3 keine Chance. Sollte Rybakina auch gegen Zheng siegen, wäre auch rechnerisch sicher, dass sie nach dem New Yorker Turnier als neue Weltranglistenerste aufscheinen würde.
Sie würde dann Aryna Sabalenka ablösen. Und das, obwohl die Weißrussin selbst das beste Tennis seit knapp einem halben Jahr spielt, als sie beim Sunshine-Doppel in Indian Wells und Miami jeweils triumphierte. Jetzt kommt es zum Duell der Titelverteidigerin mit der Wimbledonsiegerin Linda Noskova. Die Tschechin wäre um ein haar Opfer der eigenen Nerven geworden, als sie gegen Marta Kostyuk erst ihren 6. Matchball nutzen konnte.
Auch bei den Frauen haben gleich drei US-Amerikanerinnen das Viertelfinale erreicht. Aber allein Coco Gauff traue ich letztlich den Turniersieg zu (angesichts meiner Tipp-Künste bei Männern und Frauen solltet ihr also alles Geld auf Pegula oder Navarro setzen …). Gauff verwies ihre eerst 19-jährige Landsfrau Iva Jovic in einem extrem aufgeladenen Spiel in ihre Schranken und siegt fast mühelos gegen die sehr nervöse Kontrahentin mit 6:1 und 6:4
Viertelfinale
Sabalenka – Noskova (Dienstag)
Pegula – Navarro
Gauff – Andreewa (Mittwoch)
Rybakina – Qinwen Zheng
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