Wawrinka und Monfils -Abschied von 2 ganz Großen

Die ersten zwei Runden im Einzel bei den US Open sind absolviert. Während bei den Frauen alles nach Plan läuft und die Top-Gesetzten nahezu geschlossen in die 3. Runde marschierten, hat sich dass Feld bei den Männern schon merklich reduziert

 

Frenetischer Beifall für Wawrinka und Monfils

 

Sehr viel Wehmut ist jetzt schon dabei dabei, wenn ich diese Zeilen schreibe. Denn Stanislav Wawrinka und Gael Monfils waren nicht nur höchst erfolgreiche Profis (Wawrinka mehr, Monfils etwas weniger). Vor allem  begeisterten sie die Fans auf der ganzen Welt mit fantastischem und unglaublich ästhetischem Tennis. Beide mit einer herrlichen einhändigen Rückhand gesegnet, aber ich trete Monfils sicher nicht zu nahe, wenn (nicht nur) ich konstatiere: Eine schönere einhändige Rückhand als die von Stan the Man hat es bei den Männern noch nie gegeben, allenfalls die von Justine Henin (nona).

Jetzt hatten der Schweizer und der Franzose ihr letztes Spiel bei einem Grand-Slam-Turnier. Die Niederlagen gegen Matteo Berrettini und Learner Tien gerieten aber fast zur Nebensache: Wichtig war, dass sie noch einmal ihr Können zeigen durften, dass sie Abschied nehmen durften von der ganz großen (Grand-Slam-)Bühne. Über die Video-Wand liefen noch mal die besten Szenen, von ihren Erfolgen. Von denen Wawrinka mehr hatte, schaffte doch das Kunststück, dass er trotz der Großen 3 Federer, Nadal und Djokovic gleich dreimal bei Grand Slams triumphierte, unter anderem in New Y>ork 2016. Ein solcher Erfolg blieb Monfils verwehrt, auch wegen zahlreicher Verletzungen, die eine noch größere Karriere verhinderten. Dennoch war er aufgrund seiner spektakulären Spielweise überall Publikumsliebling. Auch die New Yorker drückten ihm gestern Nacht die Daumen, obwohl er gegen ihren Landsmann Tien antrat. Der wiederum wäre der Letzte, der ihnen das übel genommen hätte.

Die beiden werden das Jahr bei kleineren Turnieren ausklingen lassen, der Schweizer Wawrinka etwa zu Hause in Basel. Monfils wiederum hat in New York noch gar nicht fertig, denn seine ukrainische Ehefrau Lena Svitolina ist noch chancenreich im Rennen. Da wird er schon heute Nacht auf der Tribüne die Daumen drücken.

 

Aderlass bei den Top-Männern

 

Das Feld der Weltranglisten-Spitze hat sich schon spürbar gelichtet. So mussten von den Top 8 Felix Auger-Alliasime (3), Novak Djokovic (4) und Alex De Minaur (6) die Segel streichen; ebenso Lorenzo Musetti (13), Arthur Fils (10/gegen Stefan Tsitsipas) und der US-Boy Brandon Nakashima (16), der zuvor bei den Masters-Turnieren in Montreal und Cincinnati so aufgetrumpft hatte. Jetzt fand er in seinem Landsmann Alex Mikkelsen seinen Meister.
Wieder mal ein (Gesundheits)Drama legte Djokovic hin. In seiner Erstrundenpartie gegen den soliden Argentinier Navone kämpfte er mehr mit seiner Fitness denn mit dem Kontrahenten. Übergeben musste er sich auf dem Platz, am Ende hatte der Serbe überhaupt keine Kraft mehr. Es war das erste Erstrundenaus bei einem Grand Slam seit 2006 (!), damals in Melbourne. In New York ist ihm ein derartiges Missgeschick überhaupt noch nicht passiert.
Die körperliche Qualen, die ihn laut eigener Aussage regelmäßig bei anstrengenden Partien befallen: sind sie vielleicht deutliches Zeichen, dass der 24-malige Grand-Slam-Sieger es endlich sein lassen sollte? Der Djoker verneinte das, sein Fernziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Dem objektiven Betrachter fehlt angesichts der Bilder vom Center Court in New York die Fantasie, wie er bis dahin durchhalten will. Andrerseits: Es ist Djokovic, und der ist dann am Besten wenn alle gegen ihn sind …

 

Fragezeichen hinter Zverev und Alcáraz

 

Die beiden Top-Gesetzten sind noch im Turnier, aber die Auftritte waren alles andere als souverän. Zverev mutiert zum wahrscheinlich härtesten (und bestbezahlten) Nachtarbeiter in New York. In zwei aufreibenden Night Sessions auf dem Arthur Ashe brauchte er jeweils 5 Sätze, ehe er die keineswegs hochbegabten Lorenzo Sonego und Quentin Halys (nix für ungut) aus dem Turnier nahm. Es war zweimal weit nach Mitternacht, als Zverev ddie Matchbälle verwandelte.
Carlos Alcáraz hatte zwar gegen Safiullin und Faria weit weniger Mühe, und doch bin ich hier fast noch skeptischer. Der Spanier ist sichtlich noch nicht fit; wie auch nach mehr als 4 Monaten Pause wegen der Handverletzung? Sein Spiel ist teilweise immer noch brillant, aber er schlägt bei Weitem schwächer auf als jeder in der Männer-Konkurrenz (wahrscheinlich gibts auch ein paar Frauen, die zurzeit über ein härteres Service verfügen). Die Frage, die nur Alcáraz beantworten kann (und nicht wird). Kann er es nicht besser oder hält er den Aufschlag bewusst zurück und hofft, dass die anderen Fähigkeiten genügen? Eines sollte sich jeder Zweifler (also auch ich selbst) vergegenwärtigen: Der Spanier ist seit jetzt 16 Grand-Slam-Partien ohne Niederlage und in New York Titelverteidiger. Nough said …

 

Die Amis kommen

 

Vorn allen Spielern, die ich näher verfolgt habe (recht viele, aber bei Weitem nicht alle …), machte Taylor Fritz mit zwei äußerst souveränen Siegen den besten Eindruck. Auch seine Landsmänner Ben Shelton (nach Anfangsschwierigkeiten) und Francis Tiafoe scheinen die Atmosphäre zu genießen, wo die Fans so hoffen, dass sie mal wieder einen heimischen Turniererfolg bei den Männern sehen dürfen. Mein Tipp vor der Männer-Konkurrenz lautete: Taylor Fritz. Daran hat sich erst mal nichts geändert.

 

Favoritinnen souverän

 

15 der 16 Top-gesetzten Spielerinnen haben die 3. Runde erreicht. Allein Belinda Benic musste sich der Außenseiterin Julia Putintzewa geschlagen geben, die schon länger den zweifelhaften Ruf als einer der unangenehmsten Kontrahentinnen im Feld genießt. Ansonsten. Mehr oder weniger klare Siege der Sabalenkas, Rybakinas und Gauffs. Die alle noch ohne Satzverlust sind, auch wenn Coco Gauff gestern Nacht gegen Paula Badosa im 2. Durchgang einige Mühe hatte und erst im Tiebreak von einer unerklärlichen und plötzlich auftretenden Aufschlagsschwäche der Kontrahentin profitierte.

 

Taggers Talentprobe

 

Drei Sätze brauchte die letztjährige Finalistin Amanda Anisimova – und zwar gegen eine erst 18-jährige Spielerin, die in den nächsten Jahren viel Aufsehen erregen dürfte: Lilli Tagger gab jedenfalls mehr als eine Kostprobe von ihrem Können ab, die unseren österreichischen Nachbarn viel Hoffnung gibt. Letztlich  war Anisimova ungefährdet, aber es braucht nicht viel Fantasie, um das gewaltige Potenzial der 1,85 Meter großen und dementsprechend aufschlagstarken Tagger zu erkennen. Die als eine der ganz wenigen im Spitzentennis noch eine einhändige Rückhand wagt (nicht vganz wo schön wie die von Stan …). Die große Frage: Wird das künftig ihre Waffe oder Angriffsfläche sein?

Aber das ist Zukunftsmusik: Die Gegenwart in New York verspricht ausgeglichenes Spitzentennis. Die Auftritte der Top-Profis lassen in den nächsten Tagen aufregende und offene Partien gegeneinander erwarten. Leider ohne deutsche Beteiligung: Als Letzte verabschiedeten sich gestern Eva Lys (eher chancenlos gegen Mirra Andreewa) und Tatjana Maria (eher unnötig gegen Bartunkova) aus dem Wettbewerb.

US Open ohne Titelfavoriten

Seit Sonntag laufen die US Open. Ich kann mich nicht erinnern, dass sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern so viele FavoritInnen auf den Titel gegeben hat. Zumindest ist weder hier noch dort auch nur ansatzweise jemand ersichtlich, der unschlagbar erscheint. Das Motto der kommenden 2 Tennis-Wochen lautet also: Alles kann, nichts muss.

 

Sinners Absage macht das Männer-Feld völlig offen

 

Den Wimbledon-Sieger und dominierende Profi der Saison (5 Masters-Triumphe hintereinander) plagen immer noch Hüftbeschwerden, so dass er schweren Herzens die Teilnahme für das New Yorker Spektakel absagen musste. Wer letztlich die Siegestrophäe in die Luft stemmen darf – zumindest ich habe nicht den leisesten Schimmer. Ein gutes Dutzend Profis kommt für den Titel ein Frage, aber hinter jedem Namen steht eben auch ein gewaltiges Fragezeichen. Ich versuche eine Einordnung.

 

Die Etablierten aus Europa

 

An erster Stelle sei Alexander Zverev genannt. Erstmals geht er als Nummer 1 der Setzliste in ein Grand-Slam-Turnier. Aber der Hardcourt-Sommer in Amerika lief wahrlich nicht nach Wunsch für den French-Open-Sieger, der sowohl in Montreal als auch in Cincinnati empfindliche Niederlagen hinnehmen musste. Ob er zu alter Stärke zurückfindet (noch gar nicht so lange her), ist eine der offenen Fragen.

Normalerweise wäre Carlos Alcáraz der natürliche Favorit. Wäre da nicht der leider gewichtige Umstand, dass der Spanier wegen einer offenbar gar nicht so unkomplizierten Handverletzung seit mehr als vier Monaten kein offizielles Tennis-Match bestritten hat. Eigentlich ein völliges Ding der Unmöglichkeit, dass der Titelverteidiger nach einer so langen Pause auch nur annähernd in Bestform sein kann; niemand weiß, wie sein Körper die Anstrengungen von Best-of-5-Partien bei Hitze und Luftfeuchtigkeit verkraftet. Andererseits ist das Tennis-Talent des Carlos Alcáraz schier unendlich.

Daniil Medwedew schließlich gehört neben dem bereits ausgeschiedenen Novak Djokovic und eben Alcáraz zu den Profis, die in New York schon triumphiert haben. Aber für den Russen gilt noch viel mehr als vür Zverev, dass er nach einem verheißungsvollen Frühjahr derzeit eher auf Formsuche ist.

 

Die US Boys, die sind doch dran, oder?

 

Zumindest in der Theorie spricht nichts gegen einen Heimsieg: Gleich ein halbes Dutzend US-Spieler wollen die ewig lange Serie (kein Triumph seit 2003/Andy Roddick) beenden. Die größten Hoffnungen dürfen sich zweifellos Taylor Fritz (Finalist 2025) und Ben Shelton (Sieger beim Vorbereitungs-Turnier in Montreal) machen. Aber auch Francis Tiafoe, Brandon Nakashima und sogar Leander Tien und Tommy Paul haben bei den Vorbereitungsturnieren ihre Klasse gezeigt. Die große Frage ist: Halten die Nerven, wenn der Heimsieg lockt und die Schlagzeilen immer größer werden?

 

Die jungen Wilden

 

Da fallen mir vor allem Jakub Mensik aus Tschechien und Arthur Fils aus Frankreich ein. Fils siegte beim Masters in Cincinnati und zeigte aufregendes Tennis. Wenn er gesund bleibt, muss ihn erst jemand schlagen, doch das Problem ist halt seine Gesundheit, die ihm schon so Strich durch die Rechnung machte. Der aufschlagstarke Mensik agiert vielleicht noch beeindruckender und dominanter, aber ob er sieben Best-of-5-Partien konstant durchhält, wage ich fast zu bezweifeln. Bleibt noch die große Unbekannte Rafael Jodar. Der junge Spanier ist binnen einen Jahres bis in die Top Ten gestürmt, allerdings noch ohne den ganz großen Turniersieg. kann da wirklich Flushing Meadows eine Premiere sein?

 

Ich hab jetzt sehr viele Namen genannt, aber die Liste ist noch nicht vollständig: Die Kanadier hoffen auf Felix Auger-Alliasime, die Tschechen auf Jiri Lehecka, die Sinner-losen Italiener auf Musetti, Darderi und Cobolli.

Die Wettbüros sehen tatsächlich Carlos Alcáraz als Favoriten vor Alexander Zverev, eine Einschätzung, die ich allerdings nicht teile.

 

Ich sag jetzt einfach Coco Gauff

 

(Fast) genauso verworren ist die Lage bei den Frauen. Die Titelverteidigerin und Nummer 1 der Setzliste Aryna Sabalenkaie ist in einem grauenhaften Formtief, das aber eher ein Ergebnis-Tief ist; weil sie Partien, die sie locker gewinnen müsste, schlicht nicht nach Hause bringt. Wenn sich das legt („Ich will wieder einfacher spielen“), dann muss mit der Weißrussin schnell wieder zu rechnen sein, denn keine verfügt über derartig kraftvolle Grundschläge (unterlegt mit grauenhatem Gestöhne).
Lena Rybakina, die Nummer 2, ergeht es ähnlich. Zudem ist die Kasachin angeschlagen, das Bein bereitete ihr Schmerzen, aber die Auftaktspiele scheinen machbar.

In Kanada (Iga Swiatek) und Cinci (Coco Gauff) haben sich wiederum 2 Spielerinnen in den Vordergrund geschoben, die ein eher missglücktes erstes Halbjahr hatten. Swiatek plagte fast chronische Unlust, Gauff kämpfte mit ihrem Aufschlag, der sie komplett verlassen hatte. Die Malaisen scheinen abgestellt, aber hier wie dort lauert die Gefahr des Rückfalls. Und doch: Wenn ich jetzt irgendeinen Siegesnamen nennen müsste, dann wäre es Gauff, auch weil die Amerikanerin bei ihrem Open-Triumph 2023 als haushohe Favoritin bewiesen hat, dass sie in New York auch bei größtem Erwartungsdruck Leistung bringen kann. Ihre Landsfrauen Jessica Pegula, Amanda Anisimova (Finalistin 2025) und Madison Keys traue ich dagegen einen Siegeszug bis zur Trophäe eher nicht zu. Auch die äußerst talentierte Iva Jovic dürfte irgendwann an ihre Grenze stoßen.

Ob die Armada von Tschechinnen, die alljährlich in Wimbledon einfallen und den Titel einsammeln, auch im Big Apple reüssieren – da habe ich meine Bedenken. Aber wenn Wimbledon-triumphatorin Linda Noskova und Finalistin Karolina Muchova erst mal ihren Lauf kriegen, dann muss sich die Konkurrenz warm einpacken im schwül-heißen New York. Gleiches gilt für die vierfache Grand-Slam-Siegerin Naomi Osaka, die in New York 2018 und 2020 triumphierte, das war allerdings vor der Geburt ihrer Tochter.

Ein großes Fragezeichen steht auch hinter den anderen Ost-Europäerinnen. Die Russin Mirra Andreewa hat nach ihrem French-Open-Sieg Anfang Juni wenig getroffen, ihre Landsfrauen Alexandrowa, Shnaider und wie sie alle heißen sind für einzelne Siege und auch Überraschungen gut, aber einen Grand-Slam-Triumph sehe ich äußerst undeutlich. So geht es mir auch bei den beiden Frontfrauen aus der, Ukraine Marta Kostyuk und Lena Svitolina, so sehr ich einer der beiden den ganz großen Sieg gönnen würde.

Auch hier ein Blick in die Wettbüros: Sabalenka werden die größten Chancen eingeräumt knapp vor Gauff und Swiatek.

 

Das war die Woche, die war

Ein Pokalwochenende ohne Sensation, aber mit einem veritablen Skandal, das Tennis-Masters in Cincinnati und eine äußerst stimmungsvolle Reit-WM.

 

Die Schande von Mannheim

 

Der SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserslautern, mehr Hass und gegenseitige Verachtung gehen kaum im deutschen Fußball. Dieser rührt schon aus den 90er-Jahren, als die Waldhöfer völlig überraschend n die Bundesliga aufgestiegen waren.

Man durfte also einiges befürchten seit der Pokalauslosung. Und doch schien die Partie eingiermaßen normal über die Bühne zu gehen mit nur kurzen Unterbrechungen wegen der unseligen Bengalischen Feuer, die ein Fan offenbar zünden muss, damit es schön raucht und stinkt. Doch kurz vor Anbruch der Verlängerung eskalierte die Sache komplett. Die Mannheimer Fans regten sich über eine angebliche Provokation des Lauterers Ritter auf und bewarfen die Gästebank, wo Trainer Torsten Lieberknecht stoisch dastand (das wurde ihm später ernsthaft vorgeworfen …). Als Reaktion zündeten Lauterer Fans Feuerwerkskörper, die sie in den Mannheimer Block fliegen ließen. Das nwiederum hatte einen versuchten Platzsturm der Waldhöfer zur Folge, der ein unfassbares Polizei-Aufgebot samt Pferdestaffel (man war tatsächlich auf alles vorbereitet) Herr zu werden versuchte. Minutenlang war die Partie unterbrochen, weil Mannheimer Fans fortwährend Feuerwerkskörper und andere Gegenstände aufs Feld schossen und warfen, die Mensch und Tier zum Teil nur knapp verfehlten. Für mich ein veritabler Skandal, dass Schiedsrichter Robert Schröder das Spiel dann fortsetzte. in der Verlängerung geschah dann sehr wenig, die Fans hatten sich wieder beruhigt, die Spieler waren eher apathisch, bis Ibrahim Kanaté in der 120. Minute mit einem feinen Schlenzer den Lauterrer Sieg herstellte.

Das allerdings war nebensächlich, alle sprechen nur über die mal wieder unfassbaren Szenen. Während Lauterns Sportdirektor Robert Hengen selbstkritisch anmerkte, die Szenen auf den Rängen „beider Seiten“ seine furchtbar, erging sich die Mannheimer Seite weitgehend in Schuldzuweisungen Sportdirektor Matthias Schober beschuldigte Lauterns Ritter, er habe durch seine „Provokationen“ das Desaster auf den Rängen provoziert. Noch schlimmer war für mich allerdings die indiskutable Reaktion von Gerhard Zuber, der die ganze Sache ins Lächerliche zog, nachdem er zunächst Waldhofs „großartige Fans“ huldigte. „Deswegen haben wir den Rasen gewechselt, damit die Pferde ein schönes Grün zum Grasen haben.“ Die äußerte dieser unselige Mensch nicht in erster Erregung, sondern lange nach den Geschehnissen. Offenbar genügte die Zeit nicht zum Nachdenken. Der DFB sollte diesem unfassbaren Menschen mit einer sehr, sehr langen Stadionsperre  Zeit zur Besinnung geben!

Wie gesagt: Für mich unbegreiflich, dass die Partie nicht komplett abgebrochen wurde. Die Teams müssten aus dem Wettbewerb geschmissen werden (also auch der Sieger Lautern, für den einer der Erstrunden-Verlierer als Lucky Loser nachrücken sollte); vielleicht sogar für mehrere Jahre. damit vielleicht ein Umdenken stattfindet. Wildwest-Szenen wie diese gibt es tatsächlich nur im Fußball, die aber kein echter Fußball-Fan sehen will (leider tun diese aber auch zu wenig dageben). Um es mit Ex-Nationalspiler und dem heutigen Sportdirektor von Legia Warschau Fredi Bobic zu sagen: Offenbar muss erst jemand sterben, damit es wirklich Konsequenzen in Form eines Abbruchs gibt.

Immerhin: Der DFB ermittelt, hohe Geldstrafen wird es mit Sicherheit geben. Ob es tatsächlich Ausshclüsse gibt, wage ich allerdings zu bezweifeln!

 

Durchmarsch der Bundesliga

 

Alle 16 Teams kamen durch (der FC Bayern und Borussia Dortmund spielen aufgrund des Supercups erst im September). Einen kompletten Durchmarsch des Oberhauses in der ach so gefürchteten 1. Runde hat es zuletzt 2009 gegeben. Nicht mal zittern mussten die meisten Clubs, die das Abenteuer Pokal mittlerweile äußerst ernst nehmen, auch weil hier mit vergleichsweise wenig Aufwand recht viel Geld zu verdienen ist. Einzig Schalke 04 musste gestern in Halle in eine Verlängerung, Mühe hatte auch der 1. FC Union nach zweimaligem Rückstand in Braunschweig. Am Ende siegte schlicht die bessere Klasse der Einzelspieler.

 

Arthur Fils schafft Debüt-Sieg

 

Erstmals siegte der Profi bei einem Tennis-Masters-Turnier. Im Finale von Cincinnati bezwang der Franzose den US-Amerikaner Francis Tiafoe in 3 Sätzen. Eine höchst merkwürdige Partie, denn sie dauerte nicht mal 90 Minuten, was für eine komplette Dreisatz-Partie extrem selten ist, erst recht in einem Finale. Schon länger warte ich auf den Durchbruch des hochveranlagten Arthur Fils, doch immer wieder werfen ihn Verletzungen zurück, zuletzt konnte er wegen anhaltender Hüftbeschwerden nicht bei den French Open antreten, wo die Franzosen so sehnlich auf einen Triumph eines Einheimischen warten.
Jetzt gilt Fils als einer der Anwärter für den Triumph bei den US Open ab Sonntag. Wie allerdings gut 2 Dutzend Männer (ohne große Übertreibung), nachdem Jannik Sinner die Teilnahme für New York schon abgesagt hat und Titelveretidiger Carlso Alcáraz zwar antritt, aber nach 4 Monaten Wettkampfpause nicht in Top-Form sein kann.

Bei den Frauen schaffte Coco Gauff in Cinci den umjubelten Heimsieg und schaffte endlich den ersten Turniererfolg in diesem Jahr. In einem höchst einseitigen Finale bezwang sie ihre Landsfrau Jessica Pegula. Hier gilt Ähnliches wie bei den Männern. Das Favoritinnenfeld für die US Open ist sehr weit, wirklich belastbare Vorhersagen sind hier wie dort nahezu unmöglich (ich versuche es trotzdem, wahrscheinlich am Sonntag).

 

Aachener Festspiele im Reitsport

 

Das Publikum war begeistert über die Leistungen von Ross und Reiter bei der WM, die SportlerInnen waren begeistert über das fachkundige und faire und enthusiastische Publikum. Kurz: Die Reit-WM war ein voller Erfolg. Sie bot spannenden Sport und eben die Fairness gegenüber allen Teilnehmern, die ich im Fußball oft vermisse.
Natürlich wurden die deutschen Erfolge besonders gefeiert. Vor allem den des Springreiter-Quartett, das in einem tollen Wettbewerb am Freitag die Mannschaftswertung für sich entschied. Am Ende hatten Marcus Ehning, Sophie Hinners, Daniel Deußer und Richard Vogel einen klaren Vorsprung auf die Vertretungen aus Belgien und Großbritannien.

Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigte sich 2 Tage später in der Einzelkonkurrenz, als die Deutschen ohne Medaille blieben. Die erneut 40.000 Zuschauer in der Aachener Soers waren natürlich etwas enttäuscht, nichtsdestotrotz feierten sie Weltmeister Steve Guerdat, der mit mit Dynamix vor dem Belgier Thibeau Spits mit Impress Gold gewann. „Aachen hat Maßstäbe für kommende Weltmeisterschaften gesetzt, “ zeigte sich Verbands-Präsident Ingmar de Vos mehr als angetan. Und, wie ich anmerken will, ein echtes Statement für die Olympia-Bewerbung von Rhein/Ruhr, wo die pferde-Wettbewebe eben in Aachen stattfinden sollen.

 

Und sonst?

 

  • Super-Cup: Erster Titel für den FC Bayern. Die Münchne siegten bei Borussia Dortmund mit 2:0. Neuzugang Brown und Olise erzielten die Tore ür den FCB, für Dortmund war Silva erfolgreich.
  • Internationale Ligen: Der FC Arsenal ist in England der große Gewinner des 1. Spieltag (hört, hört). Die Londoner siegten klar mit 3:0 gegen Aufsteiger Coventry City. Dagegen kam der FC Liverpool bei Newcastle united nicht über ein 2:2 hinaus. Noch über erging es Manchester United und den Tottenham Hotspur, die mit empfindlichen Niederlagen bei Hull City gespektive Brentford starteten. Erster Tabellenführer ist brighton an Hove Albion: Das Team des deutschen Trainers Fabian Hürzeler siegte gleich 4:0 gegen Champions-League-Teilnehmer Aston Villa. Leon Goretzka wird genau hingeschaut haben, denn sein Wechsel zu den Villans steht seit dem Wochenende fest.
    In Spanien heißt der 1. Tabellenführer FC Barcelona, das Elche beim 5:0 nicht den Hauch einer Chance ließ. Unter den Torschützen war auch de Ex-Dortmunder Karim Adeyemi, der etwas überraschend in der Startelf stand. Er hat ja viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen, weil Barca doch ein, zwei Nummern zu hoch für ihn sei. Warten wir mal ab!
  • Formel 1: Zum letzten Mal auf absehbare Zeit fand der Grand Prix von Holland in Zandvoort statt, weil die Veranstalter die horrenden Startgebühren nicht zahlen können. Für Lokalmatador Max Verstappen endete das Rennen desaströs, denn schon in der 1. Runde verlor er auf leicht feuchter Strecke die Kontrolle über seinen Red Bull, knallte in die Mauer, blieb aber unverletzt. Es siegte Weltmeister Lando Norris im McLaren vor dem WM-Führenden Kimi Antonelli, der seinen Vorsprung auf seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell auf 59 Punkte ausbaugte.
  • Basketball: Missglückter Test der deutschen Frauen vor der Heim-WM in Berlin ab 4. September. Beim 62:68 gegen Ungarn leistete sich das Team zu viele Ballverluste. Da ist noch viel zu tun bis zum Turnier in anderthalb Wochen, immerhin dürften dann die noch fehlenden Frida Bühner und Leonie Fiebich wieder dabei sein.
    Die deutschen Männe gewannen den Supercup in Hamburg durch zwei Siege gegen Tschechien und Kroatien. Nach klarer Füührung machte es das Team um Kapitän Denis Schröder im Finale gegen Kroatien noch mal spannend, siegte aber mit 96:87.
  • Leichtathletik: Herausragende Leistungen bei den Diamond-League-Meetings in Lausanne und Silesia. Die Einheimische Audrey Werro gewann in Lausanne vor Femke Bol-Broeders, die in 1:55,42 Minuten in ihrem ersten jah nach dem Umstieg gleich einen nationalen Rekord aufstellte.
    In Silesia schleuderte der Litauer die 2-Kilo-Diskusscheibe gleich auf 72,58 Meter, Rekord für die Diamond League und wahrscheinlich auch Bestleistung für Wettkämpfe jenseits von besonders günstigen „Segelwiesen“ wie zurzeit Ramona n den USA. In einem grandiosen Rennen über 400 Meter hatte der Brasilianer Alison de Santos in 46,43 Sekunden (Weltjahresbestleistung) knapp die Nase vor Europameister und Weltrekordler karsten Warholm (46,52). zweimal brillierte auch Mondo Dupbantis, der mit dem Stab in Lausanne 6,21 Meter und in Silesia 6,20 überwand.

Das wird die Woche, die wird

Die Bundesliga beginnt am Freitag, bei den US Open wird in dieser Woche die Mixed-Konkurrenz den Appetizer fürs letzte Grand-Slam-turnier geben, und die besten Leichtathleten der Welt treffen sich am Donnerstag bei Traditions-Meeting in Zürich.

 

Große Überraschung: Bayern wird Meister

 

Laut einer der Herberger-Weisheiten (der Ball ist rund, das Spiel hat 90 Minuten/nona) ist Fußball deshalb so spannend, weil die Zuschauer nicht wissen, wie es ausgeht. So gesehen dürfte 64. Saison der Fußball-Bundesliga keinen Menschen interessieren, denn die Meisterschaftsfrage ist entschieden. Wer will ernsthaft dagegen wetten* oder auch nur argumentieren, dass die Bayern am Ende erneut die Nase vorn haben, die Frage ist allein, ob sie den Titel schon im März fixieren oder dank außergewöhnlichen Umständen erst im April oder gar mai.

* Die Quote liegt etwa bei 1,15. Wer also 100 Euro auf die Bayern setzt, bekommt satte 115 zurück. Wau!

Los gehts am Freitag, wenn die Münchner den VfB Stuttgart empfangen (20:30). Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Überraschung, wenn überhaupt reizt höchstens die Frage, ob der Sieg hoch genug ist, damit der FCB auch nach Ende des 1. Spieltags schon von der Tabellenspitze grüßt; wie vergangenes Jahr, als die Kompany-Elf mit 6:0 gegen Leipzig triumphierte und die Führung ncht mehr abgeben sollte.

Viele Augen werden am Wochenende auf den grunderneuterten BVB gerichtet sein. Die Dortmunder bestreiten im Westfalenstadion gegen den HSV das erste Topspiel der Saison (Sa., 18:30).

Mal sehen, ob ich in der Woche noch zu einer ausführlichen Bundesliga-Vorschau aufraffe mit einer eingehenden Analyse aller 18 Teams. Tendenz eher ja, aber ich will nix versprechen.

 

Mixed-Wettbewerb in New York prominent besetzt

 

Wie im vergangenen Jahr wird der Titel schon vor dem offiziellen Start der US Open ausgetragen. Das ruft prominente TennsispielerInnen auf den Plan, die sonst die gemischte Konkurrenz (eh nur noch bei den Grand Slams) meiden. Das vom Namen her attraktivste Doppel ist zweifellos das Paar Serena Williams/Carlos Alcáraz. Allerdings auch sehr umstritten: Serena Williams ist auf einer Comebacktour nach jahrelanger Pause, Alcáraz hat seit April wegen einer hartnäckigen Handverletzung nicht mehr an offiziellen Turnieren teilgenommen. Mehr als ein Einspielen für den Einzelwettbewerb ab nächsten Sonntag wird es für den Spanier also nicht geben.

16 Teams werden an zwei Tagen am Start sein: 14 stehen schon fest, darunter die Titelverteidiger Sara Errani/Andrea Vavassori aus Italien. Alexander Zverev an der Seite von Doppelspezialistin Tayler Townsend ist der einzige Deutsche im Bewerb. Erwartet werden darf nach den Erfahrungen 2025 durchaus attraktiver Sport, wo allerdings die letzte Ernsthaftigkeit fehlen dürfte (eher eine verschärfte Trainingseinheit, die aber Profis und Zuschauern höllisch Spaß macht). Genau das richtige Entrée für die wirklich wichtigen Einzel- und Doppelkonkurrenzen, das vom Publikum dankbar angenommen wird.

 

Die Meisterschaft von Zürich

 

Der Letzigrund ist nach wie vor die wichtigste Station der Diamond League. Dementsprechend prominent ist das Starterfeld am Donnerstag, wenn die versammelte Weltspitze um den Sieg in den verschiedenen Lauf-, Sprung-, und Wurfdisziplinen kämpft. Ein Erfolg in Zürich schmückt immer noch jeden sportlichen Lebenslauf. Ob dann auch die angestrebten Rekorde geschafft werden, steht auf einem anderen Blatt. Da muss doch vieles zusammenkommen, an erster Stelle gutes Leichtathletik-Wetter herrschen, die Vorhersage für Donnerstag ist allerdings nicht allzu günstig.

Die Schweizer hoffen natürlich auf ihre nationalen Heroen, angeführt von 800-Meter-Europameisterin Audrey Werro und Multitalent Simon Ehammer, der im Weitsprung starten wird. Doch jeder der Wettbewerbe ist sehenswert, auf die Zuschauer warten gut 2 Stunden beste Leichtathletik-Unterhaltung, zu sehen unter anderem im ARD-Sportschau-Stream oder per VPN via SRF.

 

Und sonst?

 

  • Europacup: Die Rückspiele der letzten Qualifikationsrunde in den drei Wettbewerben Champions-, Europa- und Conference League, bevor es Mitte September mit den 36er-ligen ernst wird. Der SC Freiburg hat nach dem 3:1 in Motherwell das Ticket für die Conference League fast sicher. Ebenso Celtic Glasgow jenes für die Chmapions League, denn der LASK wird im Rückspiel das 0:3 nicht mehr drehen (sach ich einfach mal). Besser sieht es für den österreichischen Konkurrenten Red Bull Salzburg in der Europa League nach dem 1:0 bei Mjällby aus. In der Conference League kämpfen die Wiener Clubs mit unterschiedlichen Aussichten ums Weiterkommen. Gut sieht es für Rapid aus (2:2 bei den Hearts of Midliothian), eher schlecht für die Austria (0:2 bei Sporting Braga). Ansonsten ein schönes Sammelsurium von Partien mit Teams, dessen Herkunft immer wieder nette Ratespiele ergeben (wo würdet ihr zum Beispiel den KS Egnatioa oder St. Truiden oder den FC Iberia verorten?)
  • Internationale Ligen: Die wichtigsten haben jetzt alle den Spielbetrieb aufgenommen. Im England lautet der Schlager des 2. Spieltages Aston Villa vs FC Arsenal (allerdings erst am 31. August).
    In Italien erwartet die SSC Neapel das Überraschungsteam von Como, das unter Anleitung von Trainer Cesc Fabregas als Vierter die Champions League erreicht hat.
    Ein Duell zumindest großer Namen ist immer wieder die Partie in La Liga zwischen dem FC Sevilla vs Atlético, wobei die Andalusier in zuletzt  längst nicht mehr so stark waren in der Zehner-Jahren, als sie fast Seriensieger in der Europa League waren.
  • Deutscher Fußball: Für mich natürlich der Top-Schlager ist das Spiel Sechzig gegen Landshut (So., 14 Uhr), wo ich dank meiner Dauerkarte live vor Ort im Grünwalder Stadion sein werde. Ich werde berichten …
  • Handball: Auch hier beginnt die Männer-Bundesliga. Meister SC Magdeburg hat mit der partie beim VfL Gummersbach gleich einen echten Prüfstein (Sonntag, 15 Uhr). Die Bördestädter gelten erneut als klarer Titel-Favorit vor dem offenbar wiedererstarkten THW Kiel.
  • Basketball: 2 weitere Spieltage in der WM-Qualifikation der Männer. Deutschland kann mit Siegen gegen Holland (Do., 20:00) und in Polen (So., 14:45) dem Turnier in Katar 2027 sehr nahekommen. Es fehlen zwar die nicht ganz fitten NBA-Stars Franz Wagner und Isaiah Hartenstein, dennnoch dürfte die Truppe um Kapitän Dennis Schröder stark genug sein für 2 Siege.
    Die Frauen testen für die Heim-WM im September. Am Donnerstag empfängt das deutsche Team die Türkei. Leider ohne die Schwestern Satou und Nyara Sabally und wohl auch Leonie Fiebich, die auch für die WM passen müssen.
  • Motorrad. Nach längerer Sommerpause gibt es WM Läufe in Aragon in allen Klassen. In de MotoGP sind die Aprilias von WM-Leader Jorge Martin und Marco Bezecchi das Maß aller Dinge. Gleich 6 Spanier und 5 Italiener sind in den Top 12 zu finden. Einzig der Drittplatzierte Ai Ogura kann in diese südeuropäische Phalanx einbrechen.
  • Volleyball: Die Frauen-WM findet in gleich vier Ländern statt. Das deutsche Team hat eine schwere Gruppe erwischt und bestreitet die partien in der Türkei. Nach der Auftaktniederlage gegen Slowenien sind Lettland, Ungarn, Co-Gastgeber Tprkei und Polen die weiteren Gegner. Fürs Achtelfinale ist mindestens Platz 4 notwendig.

Das wird die Woche, die wird

Nach der gerade abgelaufenen Superwoche (morgen dazu ein langer Beitrag) ist das Programm ab heute doch relativ überschaubar. Die Reitersleute suchen in Aachen noch diverse Weltmeister, am Wochenende kommt es zur 1. Pokalrunde mit durchaus attraktiven Begegnungen. Dazu das Tennis-Masters in Cincinnati.

 

Die berühmte Soers im Blickpunkt

 

Die Aachener Soers gilt bei den Springreitern als der Heilige Gral. Ein Stadion extra für den Pferdesport mit 40.000 begeisterten wie fachkundigen Zuschauern, die jeden Ritt geradezu in sich aufsaugen und nicht nur die deutschen Pferd/Reiter-Paare feiern. Die Springprüfungen sind Höhepunkt jeder Reiter-WM (nix für ungut, Vielseitigkeit, Dressur und Voltigieren). Die besten Teams werden am Mittwoch und Donnerstag ermittelt und der beste Einzelreiter am Sonntag. Leider schon länger nicht mehr in einem Vierer-Turnier, als jeder Starter nicht nur mit seinem eigenem Pferd, sondern auch mit denen der drei Konkurrenten den Parcours meistern musste. Die Deutschen gehören sowohl im Team als auch im Einzel zu den Favoriten, obs dann wirklich zum Titel reich, bleibt abzuwarten.
Sehr stark dürften die deutschen Dressur-SpezialistInnen auftrumpfen. Isabell Werth hat weiter ein Spitzenpferd (Wendy), mit dem sie in der Kür Bronze hinter der unerreichbaren Olympiasiegerin Charlotte Fry (Glamourdale) und Caritne Laudrup-Dufour (Mount St. John Freestyle) Bronze eroberte und ihre 14. WM-Medaille holte. Von Mittwoch bis Freitag werden noch Mannschafts- und Einzelmedaillen im Grand Prix Special verteilt. Der Unterschied zur Freien Kür: Hier gibt es ein festes Programm mit genau geregelten Prüfungen für Pferd und Reiter, geritten wird ohne Musik. Und trotzdem dürften die gleichen Frauen vorn sein. Sach ich jetzt einfach mal

 

Masters als Generalprobe

 

Offiziell ist das Tennis-Turnier von Cincinnati das 7. Masters (von insgesamt 9) des Jahres. Inoffiziell die letzte Formüberprüfung vor den US Open, die am 30. August beginnen. Bei den Männern fehlen wie schon in Montreal mit Jannik Sinner und Carlos Alcáraz die beiden besten Profis. Sinner hat nach seinem Wimbledonsieg kein Turnier mehr bestritten, aber viel schlimmer steht es um Alcáraz. Wegen der Handverletzung fehlt er seit Mai, seinen ursprünglich für Cinci geplanten Start hat er abgesagt. Ob er in New York antreten kann, erscheint mittlerweile sehr fraglich.

Die ersten Runden haben die Topspieler schon absolviert, und mit Ben Shelton hat es schon einen Mit-Favoriten erwischt. Der gerade gekürte Turniersieger von Montreal musste sich dem Portugiesen Faria beugen. Ebenfalls schon raus ist Novak Djokovic, der sich während der Partie gegen Tirante übergeben musste. Die Top 2, Zverev und Auger-Alliasime sind dagegen noch im Rennen.

Bei den Frauen sind die ganz großen Überraschungen bisher ausgeblieben (das ist bei diesem auch in der Spitze unbeständigen Feld allerdings schon eine Überraschung). Gespannt bin ich auf die Toronto-Siegerin Iga Swiatek, die in Kanada endlich wieder zu alter Form gefunden hat.

 

Wem gelingt die Cup-Sensation?

 

Die 1. Runde des DFB-Pokals ab Freitag garantiert Überraschungen. Nur welchen der 18 Erstligisten es erwischt, das ist halt die Frage. Gefährdet scheint mir vor allem der VfB Stuttgart bei Hansa Rostock (Freitag, 20:30), auch weil die Drittligisten (wie die Zweitligisten) schon 2 Spieltage absolviert haben, während die Bundesligisten den Saison-Auftakt absolvieren, echte Wettkampf-Praxis also fehlt. Weitere besonders heikle Aufgaben stehen demnach dem FC Augsburg (Samstag beim Zweitligisten FC Energie Cottbus), Bayer Leverkusen (Samstag be Wehen Wiesbaden, das im vergangenm jahr die Bayern am Rade einer Niederlage hatte) und die Elversberg (beim Regionalligisten MSV Duisburg).

Meine Löwen empfangen am Samstag (18 Uhr) im Grünwalder Stadion Holstein Kiel, eine Überraschung ist erwünscht.

Die Auftaktpartien von Bayern München und Borussia Dortmund finden zu einem späeren Zeitpunkt statt: Der Meister und Vizemeister bestreiten am Samstag den Supercup (20:30 im Westfalenstadion)

 

Und sonst?

 

  • Fußball: Die Premier league beginnt am Samstag. Klarer Favorit ist Titelverteidiger FC Arsenal. Die Londoner scheinennnoch stärker und gefestigter als in der vergangenen Saison. Das 3:0 im Community Shield (englischer Supercup) am Samstag beeindruckte Fans und Experten. Näheres zur PL am Ende der Woche in einer gesonderten Vorschau.
  • Champions League: Hinspiele der 4. und letzten Qualifikationsrunde am Dienstag und Mittwoch. Wer diese übersteht, hat die Geldtöpfe sinder erreicht, die Verlierer sind zum Trost in der Europa League. Von den insgesamt 7 Partien sticht für mich die Partie zwichen Celtic Glasow und dem LASK ins Auge (Mittwoch im Celtic Park), also der schottische gegen den österreichischen Meister. Ein echtes Duell der Außenseiter werden die beiden Partien zwischen Beer Sheva (Israel) und Sabah (Aserbaidschan) sein.
  • Leichtathletik: Nach der EM ist vor der Diamond League. Ein erlesenes Feld wartet am Donnerstag in Lausanne auf, wenn Europameister auf die besten Athleten aus aller Welt treffen, respektive sich in einer Revanche mit knapp geschlagenen platzierten messen. Besdondere Aufmerksamkeit genießt natürlich die Schweizer 800-Meter-Meisterin Audrey Werro, auch wenn die Britin Odgkinsonoffenbar nicht am Start ist. Die Bahn in Lausanne ist ziemlich schnell, das Wetter muss halt mitspielen.
  • Golf: Schon die 2. Runde der Fedex-Ausscheidung in den USA. Startberechtigt bei den BMW Championships in St. Louis ab Donnerstag sind nur noch 70 Profis, nur 50 erreichen die nächste Runde.
  • Radsport: Die Vuelta beginnt am Samstag, nämlich mit einem 8-Kilometer-Zeitfahren in Monaco. Ziel wird nach 21 Etappen Granada im Süden des Landes sein, im zweifel nahe der Alhambra. Die Spanien-Rundfahrt ist die dritte der drei großen, dreiwöchigen Rundfahrten, hat aber längst nicht die gleiche Bedeutung wie die Tour de France und auch nicht die des Giro. Das könnte sich dieses jahr ändern, weil Tadej pogacar am Start sein wird. Denn der Vuelta-Sieg fehlt noch in de überreichen Sammlung des Slowenen. Alles andere als ein überlegener Erfolg wäre eine faustdicke Überraschung, einer der Konkurrenten wird der österreichische Giro-zweite Felix Gall sein, der für die Frankreich-Rundfahrt aussetzte (aussetzen mussteI.
    Typisch sind die sehr schwierigen Bergetappen mit extrem steilen Anstiegen, die Landschaft in Spanien kommt allerdings längst nicht so spektakulär und abwechlungsreich daher wie die in Frankreich.

DAs war die Woche, die war

Die letzte Tour-Woche und 2 bemerkenswerte Tennis-Turniere

 

Pogacar ungefährdet

 

Wie erwartet, hat Tadej Pogacar ungefährdet die Tour de France gewonnen. Der Slowene zeigte noch einmal sein ganzes Können, als er am Freitag wie von ihm erwünscht die Etappe nach Alpe d’Huez für sich entschied. Und zwar in einer Art und Weise, die einen nur sprachlos zurückließ.

Mit etwa drei Minuten war die Pogacar-Gruppe der Besten im Gesamt-Klassement hinter einem Führungstrio in den sagenumwobenen Anstieg mit den 21 Kehren gegangen, da machte sich Pogacar allein zur Verfolgungsjagd auf und davon. Sekunde um Sekunde knabberte er an Rückstand weg, immerhin gegen einen Weltklasse-Kletterer wie Richard Carapaz. Einen Kilometer vorm Zielstrich der Zusammenschluss, und als der Slowene wegspurtete hatten weder Carapaz noch sein Fluchtgefährte Martinez auch nur den Hauch einer Chance.

Die legendäre Etappe hoch nach Alpe d’Huez fehlte noch in der reichen Erfolgssammlung des Slowenen. Er brauchte für den Anstieg gut eine Minute weniger als der bisherige Rekordhalter Marco Pantani, dem dieses Kunststück in den Hochzeiten des Dopings geglückt war. Gerüchte und Mutmaßungen wollen angesichts der unfassbaren Überlegenheit nicht verstummen, aber bisher ist Pogacar aus allen Dopingkontrollen ohne positven Befund geblieben.

Tags darauf ging es (nach einer mörderischen Etappe mit drei Bergwertungen der höchsten Kategorie noch einmal nach Alped’Huez, diesmal von der anderen, nicht so schweren  Seite. Wieder sprang Carapaz vom Hauptfeld früh weg mit Fluchtgefährten Sepp Kuss. Der in einer rasenden Abfahrt für einen Schreckenmoment sorgte, als er die Kontrolle verlor und zu Sturz kam. Gott sei Dank genau an einer Stelle, wo ein Fangnetz aufgezogen war, sonst wäre er hunderte von Metern in die Tiefe gestürzt. Was einem immer wieder vor Augen führt, welche riesigen Gefahren die Tour-Teilnehmer auf sich nehmen. Da sind die Schlüsselbeinbrüche, die die Spitzenfahrer Monas Vingegaard und Florian Lipowitz erlitten hatten, Tagesgeschäft.

Durch den Sturz verlor der zu diesem Zeitpunkt knapp führende Kuss natürlich alle Chancen auf den Etappensieg. Den schnappte sich Carapaz. Höchstwahrscheinlich auch deshalb, weil Pogacar diesmal auf eine Verfolgungsjagd verzichtete. Diesmal begnügte er sich, seinen hochtalentierten Teamgefährten Isaac del Toro ins Ziel zu eskortieren, auf dass der Mexikaner das Weiße Trikot des besten nachwuchsfahrers absichern könnte. Dies gelang, auch weil dessen Konkurrent Paul Seixas weiter Zeit verlor.
Carapaz feierte aber nicht nur den zweiten Etappensieg in den Alpen, mindestens genauso wichtig war dem Mann aus Ecuador das Bergtrikot, das er dann bis Paris trug.

Eine ganz starke Leistung lieferte Remco Evenepoel ab. Der Belgier vom Red-Bull-Team war klar der zweitstärkste Mann im Feld. Endlich zeigte er seine überragenden Fähigkeiten auch im Hochgebirge (diese Fähigkeit hatte er bisher vermissen lassen). An Pogacar kam er zwar nicht heran, alle anderen Konkurrenten hatte der Belgier sicher im Griff.

 

Van der Poels unfassbarer Endspurt

 

Die letzte Etappe in Paris wollte Pogacar noch mal gewinnen. seit 2025 ist ja in die Tour honneur in der Hauptstadt der knackige Anstieg zum Montmartre eingebaut, einer der Glanzpunkte der Olympischen Spiele 2024. Die Gesamtwertung ist vorher neutralisiert, aber der Kampf um den Tagessieg erfährt dadurch noch mal ein unglaubliches Spektakel. So auch am Sonntag. Beim letzten Anstieg setzte sich Pogacar ab, und nur Matthew van der Poel konnte folgen. Etwa 15 Sekunden konnten sie herausfahren, sie wechselten sich perfekt in der Führungsarbeit ab, und lange schien es so, als würden sie tatsächlich durchkommen. Doch das rasende Feld, in dem die Helfer der Sprintspezialisten ein unfassbares Tempo anschlugen kamen dann doch Sekunde für Sekunde näher – ein echter Krimi. Etwa 600 Meter richtete sich Pogacar auf, er konnte nicht mehr. Wohl aber van der Poel, der das Tempo beibehielt. Und doch kam die Meute näher und näher. Irgendwie mobilisierte van der Poel  Kräfte aus seinem Körper, aber als er die Ziellinie übeqwuerrte, da jubelte ein anderer: kurze Verwirrung, dann war klar: Der Belgier Jesper Philippsen feierte nicht selbst, sondern seinen Teamkollegen van der Poel. Nur zur Sicherheit war der Belgier mitgespurtet, damit der Sieg auf jeden Fall im Team blieb. Was für ein faszinierender Schlussakkord dieser faszinierenden Tour.

 

Lilli Tagger zeigt bei den Großen auf

 

Die österreichische Tennisspielerin habe ich seit gut einem Jahr auf dem Zettel. Genauer gesagt, seit dem French-Open-Triumph bei den Juniorinnen 2025. Seitdem geht es stetig aufwärts mit der mittlerweile 18-Jährigen, die sich innerhalb eines Jahres von einem Platz jenseits der 500 in die Top 100 vorgespielt hatte. Jetzt der erste Turnier-Sieg bei den „Großen“, nämlich beim Turnier in Prag. Gewiss, nicht das ganz große Event, längst nicht so gut besetzt wie ein Grand-Slam- oder Masters-Turnier. Aber doch eines mit vielen Lokalmatadorinnen aus Tschechien, dem schier unerschöpflichen Talente-Reservoir.
Das Meisterstück machte Tagger schon am Samstag im Halbfinale, als sie in einer spektakulären Partie Barbora Krejikova bezwang. Ihres Zeichens Wimbledonsiegerin 2024 und auch in Paris hatte sie schon triumphiert. In einer Partie Spitz auf Knopf gewann sie im Tiebreak des 3. Satzes, und quasi zum Drüberstreuen siegte Lilli Tagger auch im Finale gegen Daria Snigur aus der Ukraine.

Offenbar ist Tagger jetzt der Sprung in die Elite gelungen (bei aller Vorsicht). Mit 1,85 Metern ist sie einer der Längsten im Feld, ihr Aufschlag dementsprechend eine echte Waffe, obwohl sie wahrlich nicht muskelbepackt ist. Der Paradeschlag ist die wunderschöne einhändige Rückhand (leider im Aussterben begriffen, erst recht bei den Frauen), mir der sie unerreichbare Bälle schlagen kann.
Taggers großes Glück: Mit der Italienerin Francesca Schiavone hat sie eine erfahrene Trainerin: eine ehemalige Topspielerin ebenfalls mit einer einhändigen Rückhand; die Tagger perfekt anleitet, und auch das Umfeld scheint geerdet. Es geht nicht um den schnellen Triumph, sondern an das langsame Heranführen ans Spitzentennis. Wo dann die Grenze ist, bleibt abzuwarten. Dass ihr gegenwärtiges Ranking von Platz 45 schon der Plafond ist, glauben allerdings nicht mal die schlimmsten Pessimisten, die Top Ten scheinen zumindest mittelfristig bei allen Unwägbarkeiten auf jeden Fall drin. Ich werde den Weg der Lilli Tagger weiter verfolgen.

 

Bei Korpatsch geht endlich der Knopf auf

 

Tamara Korpatsch gab als Riesentalent auch Anlass zu den größten Hoffnungen. Aber viele Verletzungen verhinderte die große Tennis-Karriere. Doch jetzt, mit 31Jahren, belohnte sich die Deutsche dafür, dass sie stets drangeblieben ist, dass sie trotz vieler Rückschläge nie aufgegeben hate. In Hamburg schaffte sie am Sonntag den Turniersieg, durch einen Finalsieg gegen die Ungarin Anna Bondar.

Geradezu märchenhaft war die Woche der Tamara Korpatsch verlaufen mit Siegen unter anderem gegen die weit höher eingestuften und auch eingeschätzten Kalinina und Sherif. Der Lohn: Etwa 30.000 Dollar Prämie und der Sprung auf Rang 46, einen Platz also hinter Tagger. Und somit die Gewissheit, zumindest für ein jahr bei allen wichtigen Turnieren im Hauptfeld zu stehen.

 

Und sonst?

 

  • Formel 1: Den ersten Erfolg als Weltmeister feierte Lando Norris. Im Budapest gewann er vor dem viermaligen Champions Max verstappen und Kimi Antonelli, der seine WM-Führung auf 50 Punkte (das entspricht zwei Rennsiegen) ausbaute. Jetzt folgt eine pause von einem Monat.
  • Leichtathletik: Glanzpunkte der Deutschen Meisterschaften waren die 400-Meter-Rennen. Ohne Hürden triumphierte Emil Ageykum in 47.65 Sekunden, mit denen er dem bisherigen Meisterschaftsrekord von Harald Schmid aus den 80er-jahren unterbot.
    Noch überraschender kam für mich die Top-Zeit von Jean Paul Bredau. Ohne Hürde brauchte er für die Srtadionrunde nur 44,72 Sekunden, so schnell war in Deutschland seit 20 Jahren niemand mehr gewesen, als Ingo Schult die Welteligte aufmischte.
    Ageykum und Brelau sind auch zwei echte Trümpfe für die Europameisterschaften in drei Wochen, und in der 400-Meter-Staffel dürften beide gesetzt sein.
  • Fechten: Die WM in Honkong brachte einen unerwarteten Erfolg für Deutschland. Säbel-Weltmeisterin wurde völlig überraschend Larissa Eifler. Es ist der erste Titel für Deutschland seit 2014 (Säbel-Männer in Kasan) und gar die erste Einzelmeisterschaft seit 2010, als Peter Joppich mit dem Florett erfolgreich war. Ein sehr heller Lichtblick in einer Sportart, die einst zu den Medaillengaranten auch bei Olympia zählte, zuletzt aber komplett jenseits der Öffentlichkeit lief.
  • Volleyball: Fast vergessen hätte ich einen absoluten Höhepunkt. In einem grandiosen Finale der Nation League im chinesischen Macau (großer Seufzer) setzten sich die Türkinnen in vier Sätzen gegen Brasilien durch. Was die Südamerikanerinnen an Abwehrarbeit verrichteten, war  outstanding und jenseits des Begreifens (meines jedenfalls), aber gegen die türkische Star-Angreiferin Melissa Vargas war am Ende doch kein Kraut gewachsen.
    Sehr und genießt!

    https://www.youtube.com/watch?v=upj4RRXEtvc