von Münchner Löwe | Sep. 11, 2026 | basketball, Frauen-WM
Natürlich ist es übertrieben, von einem „Wunder“ zu sprechen, dass die deutschen Basketball-Frauen das Halbfinale der Heim-Weltmeisterschaft erreicht haben. Aber mal ehrlich: Wer hätte ernsthaft geglaubt, dass sie sich am Donnerstagabend in der ausverkauften Halle am Berliner Ostbahnhof so souverän gegen die Europameisterinnen aus Belgien durchsetzen würden? Dass sie dieses Viertelfinale von Beginn an dominieren würden und die Partie souverän nach Hause spielen würden? Ich nicht, und die meisten Experten dieser Sportart auch nicht.
Aber im deutschen Basketball scheint nichts mehr unmöglich zu sein, spätestens seit dem WM-Triumph der Männer 2023 und dem Olympiasieg der 3×3-Frauen ein Jahr später. Keine Hürde ist zu hoch, als dass sie bewältigt werden könnte.
Und so waren die mehr als 11.000 Zuschauer mit einer gewissen Erwartungshaltung und noch mehr Hoffnung zur Viertelfinal-Partie gekommen. Sie wurden nicht enttäuscht, sondern sahen ein von Beginn an extrem konzentriertes Team. Bei dem die Star-Spielerin Leonie Fiebich plötzlich auch die Dreier versenkte (3 von 4 Versuchen im ersten Viertel). Bei dem Nyara Sabally mit ihrem unbändigen Kampfgeist unter dem Korb auffiel (9 Rebounds in der 1. Hälfte). Aber einzelne Spielerinnen herauszuheben, wäre wirklich unfair. Jede einzelne trug zu diese Erfolg bei gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner aus Belgien. Dem Land, in dem Frauen-Basketball eine ungleich höhere Bedeutung hat als hierzulande. Die „Katzen“ sind eine eigenständige Marke bei unseren westlichen Nachbarn, 1000 Schlachtenbummler waren mit nach Berlin gekommen. Spielerinnen wie Emma Meesemans und Julie Allmand sind auf dem Kontinent das Nonplusultra. Zu denen deutsche Spielerinnen wie die hauptberufliche Lehrerin Alexandra Wilke bisher aufgeschaut haben.
Doch gegen Deutschland stachen die Trümpfe nicht wie gewohnt, obwohl Meesemans die Deutschinnen mit ihren am Ende 29 Zählern oft vor unlösbare Probleme stellte. Doch sie war oft alleingestellt, ja isoliert, weil der Rest nicht wie gewünscht ins Rollen kam. Die Taktik des deutschen Trainers Olaf Lange ging auf, und in der Offensive verteilte sich das Körbemachen auf mehrere Schultern. Am Ende punkteten gleich sechs deutsche Frauen zweistellig. Auch als die Belgierinnen zu Beginn des vierten Viertels mit einem energischen Zwischenspurt den Rückstand von 18 auf 10 Punkten reduzierten, behielt das deutsche Team die Ruhe, und kurze Zeit später stand der Halbfinal-Einzug fest.
Der eben bei aller Überraschung natürlich nicht völlig aus dem heiteren Himmel kam. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist atemberaubend; ich kann mich noch an gar nicht so lange vergangene Zeiten erinnern, da war allein eine WM-Qualifikation völlig utopisch. Spätestens nach der grandiosen Olympia-Qualifikation Anfang 2024 in der „Hölle von Belem“ auswärts gegen Brasilien und ein fanatisches Publikum sind auch die deutschen Frauen im Basketball eine Größe. Ein halbes Dutzend von ihnen spielt mittlerweile in der WNBA, der mit Abstand besten Liga der Welt. Bei Olympia selbst gewannen sie dann in der Vorrunde gegen Belgien und scheiterten erst in einem lange ausgeglichenen Viertelfinale an den gastgebenden Französinnen.
Die sind am Samstag der Halbfinal-Gegner, und die Aufgabe scheint wieder fast aussichtslos. Denn die Französinnen sind noch schneller als die Belgierinnen, noch kombinationssicherer, vor allem aber körperlich noch viel stärker. Doch der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen, und so wäre ein weiterer Erfolg zwar eine Überraschung, aber sicher kein Wunder. Erst ein Endspielsieg gegen die USA …
von Münchner Löwe | Sep. 1, 2026 | basketball, Formel 1, Frauen-WM, Leichtathletik, Wochenvorschau
Die Basketball-WM der Frauen beginnt, dazu Formel 1 in Monza und der Abschluss der Diamond League in Brüssel.
WM im Hauruck-Verfahren
Heim-Weltmeisterschaft in Berlin ab Freitag, das wird sicher ein Freudenfest fürs Frauen-Basketball. Leider mit einem sehr starken Makel: Denn das Turnier wird im Hauruck-Verfahren durchgeprügelt, ich kann es nicht anders sagen. Bereits 9 Tage nach dem ersten Tipp-off wird die neue Titelträgerin feststehen. Das bedeutet, dass die Weltmeisterinnen innerhalb von nur 9 Tagen mindestens 6 Partien austragen müssen. Eine absurde Terminhatz, die einzig und allein der amerikanischen Profiliga WNBA geschuldet ist. Länger als für gut zwei Wochen will diese den Spielbetrieb nicht ruhen lassen. Wo, das muss ich gleichzeitig zugeben, die Spielerinnen mittlerweile sehr gut verdienen mit stark steigender Tendenz; so viel wie vielleicht in keiner anderen Mansnchaftssportart (gefährlichstes Halbwissen, was weiß ich über Volleyball in der Türkei?).
Die Leidtragenden sind die Spielerinnen, die diesen Irrsinn mitmachen müssen. Großen Widerstand gegen das egomanische Auftreten der WNBA hat es meines Wissens nicht gegeben: Die Funktionäre des Weltverbandes haben sich schlicht und ergreifend erpressen lassen, damit die besten Spielerinnen der Welt (von denen eben sehr viele in den Staaten engagiert sind) auch dabei sind. Dass Verband und Liga damit ihrem Turnier aber vielleicht sogar eher schaden als nutzen (weil es schlicht und ergreifend unmöglich ist, in so kurzer Zeit regelmäßig Höchstleistungen zu zeigen + akute Verletzungsgefahr wg Überbelastung), steht auf einem anderen Blatt. Ich frage mich ernsthaft, welchen Schaden die WNBA genommen hätte, wenn das Turnier eine Woche länger gedauert hätte (in der ja auch eine Woche länger Werbung für die Profiliga gemacht worden wäre).
Ändern lässt sich das nun nicht mehr, und so blicke ich zum Sportlichen. Haushohe Favoritinnen sind natürlich die USA (zuletzt fünfmal Weltmeisterin), die ein mit Stars gespicktes Team in die deutsche Hauptstadt schicken. Allerdings hat die vielleicht beste Spielerin der Welt, Aja Wilson, noch kurzfristig die Teilnahme abgesagt. Dennoch wird das Team zweifelsohne begeistern – und zwar nicht nur die seit College-Zeiten so gehypte Caitlin Clark, sondern vor allem auch Ausnahme-Könnerinnen wie Napheesa Collier, Kahleah Copper und Angel Reese.
Hinter den USA sehen die Experten (zu denen ich mich bei aller Begeisterung für Frauen-Basketball nicht anmaße dazuzugehören) vor allem drei Herausforderinnen, die höchstwahrscheinlich die restlichen Medaillen unter sich ausmachen: Australien, Belgien und Frankreich. Die Aussies erreichten bei den vergangenen acht WMs siebenmal das Halbfinale, Belgien ist amtierender Eruopameister und gespickt mit Top-Spielerinnen (Emma Meesemann), und die Französinnen begeisterten zuletzt beim Olympischen Turnier zu Hause in Paris und Lille, wo sie die Silbemedaille eroberten (knappe Final-Niederlage gegen die USA).
Deutsche mit Verletzungspech
Ob die deutsche Spielerinnen in diesen Medaillenkampf eingreifen können, erscheint mir doch zweifelhaft. Ausgerechnet vorm Heimturnier sind einige Stars angeschlagen oder müssen gar komplett passen wie die überragende und vielleicht beste Akteurin, Satou Sabally (Gehirnerschütterung). Ob ihre Schwester Nyara fit wird, ist noch nicht sicher, im Vollbesitz ihrer Kräfte wird sie bestimmt nicht sein. Ähnliches gilt für Leonie Fiebich, die gerade von einer Verletzung zurückgekommen ist. Trotzdem erscheint mir das Team absolut wettbewerbsfähig unter anderem mit den WNBA-Profis Frida Buehner und Luisa Geiselsöder an der Spitze.
Der Aufschwung der deutschen Basketballerinnen ist unverkennbar; natürlich nicht ganz so spektakulär wie der der Männer-Weltmeister und -Europameister, aber wer hätte noch vor 10 Jahren gedacht, dass die Frauen bei großen Turnieren nicht nur regelmäßig dabei sind (waren sie zuvor häufig nämlich nicht), sondern auch erfolgreich spielen. Wie eben bei Olympia, als sie sich völlig überraschend in der Vorrunde gegen Belgien und Japan durchsetzten, ehe sie etwas unglücklich im Viertelfinale an Frankreich scheiterten. Nyara Sabally und Leonie Fiebich triumphierten zudem 2024 in der WNBA mit New York Liberty, das haben bisher bei den Männern (in der NBA, versteht sich …) auch nur eine Handvoll Profis geschafft.
Die Frauen haben also einen guten Teil zur Basketball-Begeisterung im Land beigetragen. Die Vorrunden-Partien des Teams in der Halle am Ostbahnhof sind schon längst ausverkauft wie überhaupt das Turnier sehr hohen Anklang findet. Es war eine tolle Idee der Veranstalter, dass sie dieses komprimierte Turnier komplett in Berlin stattfinden lassen. Gespielt wird also in der Halle am Ostbahnhof (mittlerweile schimpft sie sich, glaube ich, Uber-Arena) sowie in der altehrwürdigen Max-Schmeling-Halle.
Das Format
16 Teams haben sich qualifiziert, die von Freitag an in vier Vorrundengruppen je 3 Partien austragen (bis einschließlich Montag, also immerhin je ein Ruhetag, da wäre doch noch was gegangen in Sachen Komprimierung, liebe WNBA). Die Gruppensiegerinnen qualifizieren sich direkt fürs Viertelfinale, die Zweiten und Dritten tragen überkreuz noch eine Zwischenrunde aus. Die 4 Viertelfinali finden am 10. September statt (Donnerstag), Halbfinale und Finalspiele folgen am Wochenende (12./13. September). Diesen Zeitplan sollte man mal Fußballspielern zumuten.
Deutschland trifft zunächst auf Spanien (Fr., 17:45), es folgen die Partien gegen Japan (Sa., 18:00) und Mali (Mo., 17:50). Als Gruppensieger würde das Team im Viertelfinale auf einen Zwischenrundensieger treffen, als Zweiter oder Dritter auf den Dritten oder Zweiten der Gruppe B (Frankreich, Ungarn, Südkorea, Nigeria). Das Viertelfinale ist also auf jeden Fall drin, danach muss man einfach weitersehen.
Zu sehen sind die Partien mit deutscher Beteiligung und ausgesuchte K.-o.-Spiele bei Pro7 und Sat.1 respektive deren Live-Streams. Ansonsten auch per VPN sich internationale Sender suchen …
Antonellis Heimspiel
Der Große Preis von Italien in Monza ist eigentlich eine Ferrari-Angelegenheit. Doch diesmal werden im Autodromo bestimmt viele Azzurri zumindest verschämt auch ihrem Landsmann Kimi Antonelli die Daumen drücken, der mit seinem Mercedes drauf und dran ist, dass er die Fahrer-WM gewinnt (er wäre der erste Italiener seit * (na???). Dabei wird Wehmut aufkommen, dass Antonelli nicht für die Scuderia fährt.
Die ganz große Überlegenheit der McLarens ist zwar dahin (die Konkurrenz hat spätestens die Sommerpause zum Aufholen genutzt), aber mittlerweile hat Antonelli in der WM-Wertung einen komfortablen Vorsprung. 59 Punkte sind es schon auf den Teamgefährten George Russell und Lewis Hamilton im Ferrari, das sind schon mehr als 2 Siege (für den gibt es 25 Zähler) und gleichzeitigem Ausfall. Andererseits ist die Saison noch lang, Monza ist gerade der 13. und 24 WM-Läufen, es wird also gerade die 2. Hälfte eingeläutet, die gerade zum Ende eine unfassbare Terminhatz wird mit 5 Läufen innerhalb von nur 6 Wochenenden.
* Ich musste auch nachschauen: Es war Alberto Ascari 1953 (!), dazwischen unter anderem 3 Finnen, 2 Deutsche und sogar 2 Österreicher.
Leichtathletik-Weltklasse in Brüssel
Schon traditionell ist das Meeting in der belgischen Hauptstadt der Abschluss der Diamond League. Benannt nach Ivo van Damme, einen früheren Weltklasse-Läufer über die Mittelstrecke, der viel zu früh verstorben ist. Gleich über 2 Tage erstreckt sich das Programm, weil jede der 40 Disziplinen zu ihrem Recht kommt. Die versammelte Weltklasse wird am Start sein, sehr spannend wird das Kräftemessen der Eurpameister mit der Welt-Elite. Ob allerdings das Meeting von Zürich mit 2 Weltrekorden getoppt werden kann, steht in den Sternen (zumal die Wetteraussichten mit Regen nicht ideal sind). In Form sind die Damen und Herren jedenfalls, spektakuläre und spannende Wettbewerbe sind quasi garantiert, vielleicht mit den Höhepunkten Stabhochsprung der Männer (Duplantis vs Karalis) und 800 Meter der Frauen (Werro vs Bol).
Und sonst?
- Volleyball: Die EM der Frauen geht in die entscheidende Phase. Heute der Abschluss des Achtelfinals, wo unter anderem das deutsche Team gegen Belgien sich durchaus Chancen ausrechnen darf, obwohl die Vorrunde mit Platz 4 nicht nach Wunsch lief. Bei einem Sieg würden die Deutschinnen höchstwahrscheinlich erneut auf Co-Gastgeberin Türkei treffen, gegen die sie sich in der Vorrunde achtbar schlugen, letztlich aber sich beugen mussten auch wegen der absolut grandiosen Türkin Vargas.
- Pokal: Borussia Dortmund und Titelverteidiger FC Bayern komplettieren die 1. Runde mit ihren Partien bei HEBC Hamburg (Dienstag im Volksparkstadion) und in Osnabrück (Mittwoch). Alles andere als Siege der Bundesligisten wäre eine Sensation.
- Bundesliga: Der 2. Spieltag am Wochenende. Sogenanntes Topspiel ist die Begegnung von Aufsteiger Schalke 04 gegen Titelverteidiger FC Bayern (Sa., 17:30).. Die Münchner sind nach dem 5:1 gegen Stuttgart schon Tabellenführer, ein hoher Erfolg würde einen Start-Ziel-Sieg in Richtung Titel schon ziemlich wahrscheinlich machen.
Stuttgart will die (erwartete) Pleite in München am Freitag zu Hause gegen den 1. FC Köln wieder wettmachen. Borussia Dortmund ist in Hoffenheim gefordert.
- Internationale Ligen, England: Meister Arsenal ist mit 2 Siegen in die Saison gestartet, genauso wie der Londoner Stadtrivale FC Chelsea. am Sonntag (17:30) treffen die Teams im Emirates Stadium aufeinander, eine echte Standort-Bestimmung.
Spanien: Schon der 4. Spieltag, und noch sind Barca und Real ohne Punktverlust. Die Madrilenen streben bei Betis Sevilla den 4. Erfolg an (Fr., 20:30), die Katalanen müssen zum FC Valencia.
- Basketball: Saisoneröffnung des FC Bayern am Sonntag im BMW-Park (Rudi Sedlmaier-Halle). Neben der Teampräsentation gibt es ein Testspiel gegen Brose Bamberg, es ist eine Art Ablösepartie für Trainer Anton Gavel, der von Bamberg nach München wechselte. Als Basketball-Fan bin ich live vor Ort, nur deshalb erwähne ich das Ereignis …
von Münchner Löwe | Aug. 23, 2026 | basketball, bundesliga, Fußball, Handball, Leichtathletik, Motorrad, Tennis, Wochenvorschau
Die Bundesliga beginnt am Freitag, bei den US Open wird in dieser Woche die Mixed-Konkurrenz den Appetizer fürs letzte Grand-Slam-turnier geben, und die besten Leichtathleten der Welt treffen sich am Donnerstag bei Traditions-Meeting in Zürich.
Große Überraschung: Bayern wird Meister
Laut einer der Herberger-Weisheiten (der Ball ist rund, das Spiel hat 90 Minuten/nona) ist Fußball deshalb so spannend, weil die Zuschauer nicht wissen, wie es ausgeht. So gesehen dürfte 64. Saison der Fußball-Bundesliga keinen Menschen interessieren, denn die Meisterschaftsfrage ist entschieden. Wer will ernsthaft dagegen wetten* oder auch nur argumentieren, dass die Bayern am Ende erneut die Nase vorn haben, die Frage ist allein, ob sie den Titel schon im März fixieren oder dank außergewöhnlichen Umständen erst im April oder gar mai.
* Die Quote liegt etwa bei 1,15. Wer also 100 Euro auf die Bayern setzt, bekommt satte 115 zurück. Wau!
Los gehts am Freitag, wenn die Münchner den VfB Stuttgart empfangen (20:30). Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Überraschung, wenn überhaupt reizt höchstens die Frage, ob der Sieg hoch genug ist, damit der FCB auch nach Ende des 1. Spieltags schon von der Tabellenspitze grüßt; wie vergangenes Jahr, als die Kompany-Elf mit 6:0 gegen Leipzig triumphierte und die Führung ncht mehr abgeben sollte.
Viele Augen werden am Wochenende auf den grunderneuterten BVB gerichtet sein. Die Dortmunder bestreiten im Westfalenstadion gegen den HSV das erste Topspiel der Saison (Sa., 18:30).
Mal sehen, ob ich in der Woche noch zu einer ausführlichen Bundesliga-Vorschau aufraffe mit einer eingehenden Analyse aller 18 Teams. Tendenz eher ja, aber ich will nix versprechen.
Mixed-Wettbewerb in New York prominent besetzt
Wie im vergangenen Jahr wird der Titel schon vor dem offiziellen Start der US Open ausgetragen. Das ruft prominente TennsispielerInnen auf den Plan, die sonst die gemischte Konkurrenz (eh nur noch bei den Grand Slams) meiden. Das vom Namen her attraktivste Doppel ist zweifellos das Paar Serena Williams/Carlos Alcáraz. Allerdings auch sehr umstritten: Serena Williams ist auf einer Comebacktour nach jahrelanger Pause, Alcáraz hat seit April wegen einer hartnäckigen Handverletzung nicht mehr an offiziellen Turnieren teilgenommen. Mehr als ein Einspielen für den Einzelwettbewerb ab nächsten Sonntag wird es für den Spanier also nicht geben.
16 Teams werden an zwei Tagen am Start sein: 14 stehen schon fest, darunter die Titelverteidiger Sara Errani/Andrea Vavassori aus Italien. Alexander Zverev an der Seite von Doppelspezialistin Tayler Townsend ist der einzige Deutsche im Bewerb. Erwartet werden darf nach den Erfahrungen 2025 durchaus attraktiver Sport, wo allerdings die letzte Ernsthaftigkeit fehlen dürfte (eher eine verschärfte Trainingseinheit, die aber Profis und Zuschauern höllisch Spaß macht). Genau das richtige Entrée für die wirklich wichtigen Einzel- und Doppelkonkurrenzen, das vom Publikum dankbar angenommen wird.
Die Meisterschaft von Zürich
Der Letzigrund ist nach wie vor die wichtigste Station der Diamond League. Dementsprechend prominent ist das Starterfeld am Donnerstag, wenn die versammelte Weltspitze um den Sieg in den verschiedenen Lauf-, Sprung-, und Wurfdisziplinen kämpft. Ein Erfolg in Zürich schmückt immer noch jeden sportlichen Lebenslauf. Ob dann auch die angestrebten Rekorde geschafft werden, steht auf einem anderen Blatt. Da muss doch vieles zusammenkommen, an erster Stelle gutes Leichtathletik-Wetter herrschen, die Vorhersage für Donnerstag ist allerdings nicht allzu günstig.
Die Schweizer hoffen natürlich auf ihre nationalen Heroen, angeführt von 800-Meter-Europameisterin Audrey Werro und Multitalent Simon Ehammer, der im Weitsprung starten wird. Doch jeder der Wettbewerbe ist sehenswert, auf die Zuschauer warten gut 2 Stunden beste Leichtathletik-Unterhaltung, zu sehen unter anderem im ARD-Sportschau-Stream oder per VPN via SRF.
Und sonst?
- Europacup: Die Rückspiele der letzten Qualifikationsrunde in den drei Wettbewerben Champions-, Europa- und Conference League, bevor es Mitte September mit den 36er-ligen ernst wird. Der SC Freiburg hat nach dem 3:1 in Motherwell das Ticket für die Conference League fast sicher. Ebenso Celtic Glasgow jenes für die Chmapions League, denn der LASK wird im Rückspiel das 0:3 nicht mehr drehen (sach ich einfach mal). Besser sieht es für den österreichischen Konkurrenten Red Bull Salzburg in der Europa League nach dem 1:0 bei Mjällby aus. In der Conference League kämpfen die Wiener Clubs mit unterschiedlichen Aussichten ums Weiterkommen. Gut sieht es für Rapid aus (2:2 bei den Hearts of Midliothian), eher schlecht für die Austria (0:2 bei Sporting Braga). Ansonsten ein schönes Sammelsurium von Partien mit Teams, dessen Herkunft immer wieder nette Ratespiele ergeben (wo würdet ihr zum Beispiel den KS Egnatioa oder St. Truiden oder den FC Iberia verorten?)
- Internationale Ligen: Die wichtigsten haben jetzt alle den Spielbetrieb aufgenommen. Im England lautet der Schlager des 2. Spieltages Aston Villa vs FC Arsenal (allerdings erst am 31. August).
In Italien erwartet die SSC Neapel das Überraschungsteam von Como, das unter Anleitung von Trainer Cesc Fabregas als Vierter die Champions League erreicht hat.
Ein Duell zumindest großer Namen ist immer wieder die Partie in La Liga zwischen dem FC Sevilla vs Atlético, wobei die Andalusier in zuletzt längst nicht mehr so stark waren in der Zehner-Jahren, als sie fast Seriensieger in der Europa League waren.
- Deutscher Fußball: Für mich natürlich der Top-Schlager ist das Spiel Sechzig gegen Landshut (So., 14 Uhr), wo ich dank meiner Dauerkarte live vor Ort im Grünwalder Stadion sein werde. Ich werde berichten …
- Handball: Auch hier beginnt die Männer-Bundesliga. Meister SC Magdeburg hat mit der partie beim VfL Gummersbach gleich einen echten Prüfstein (Sonntag, 15 Uhr). Die Bördestädter gelten erneut als klarer Titel-Favorit vor dem offenbar wiedererstarkten THW Kiel.
- Basketball: 2 weitere Spieltage in der WM-Qualifikation der Männer. Deutschland kann mit Siegen gegen Holland (Do., 20:00) und in Polen (So., 14:45) dem Turnier in Katar 2027 sehr nahekommen. Es fehlen zwar die nicht ganz fitten NBA-Stars Franz Wagner und Isaiah Hartenstein, dennnoch dürfte die Truppe um Kapitän Dennis Schröder stark genug sein für 2 Siege.
Die Frauen testen für die Heim-WM im September. Am Donnerstag empfängt das deutsche Team die Türkei. Leider ohne die Schwestern Satou und Nyara Sabally und wohl auch Leonie Fiebich, die auch für die WM passen müssen.
- Motorrad. Nach längerer Sommerpause gibt es WM Läufe in Aragon in allen Klassen. In de MotoGP sind die Aprilias von WM-Leader Jorge Martin und Marco Bezecchi das Maß aller Dinge. Gleich 6 Spanier und 5 Italiener sind in den Top 12 zu finden. Einzig der Drittplatzierte Ai Ogura kann in diese südeuropäische Phalanx einbrechen.
- Volleyball: Die Frauen-WM findet in gleich vier Ländern statt. Das deutsche Team hat eine schwere Gruppe erwischt und bestreitet die partien in der Türkei. Nach der Auftaktniederlage gegen Slowenien sind Lettland, Ungarn, Co-Gastgeber Tprkei und Polen die weiteren Gegner. Fürs Achtelfinale ist mindestens Platz 4 notwendig.
von Münchner Löwe | Aug. 19, 2026 | basketball, NBA, Pferdesport
Zur Leichtathletik und Schwimmen habe ich mich schon geäußert (ich wills dabei belassen), aber es gab noch sehr viel mehr Interessantes in den vergangenen Tagen.
Dascha Varfolomeev liefert auch zu Hause ab
Darja Varfolomeev ist und bleibt die beste Gymnastin der Welt. Zwar gelang der 19-Jährigen bei der Heim-WM in Frankfurt/Main kein Titel-Durchmarsch wie 2023 in Valencia, als sie in allen fünf Disziplinen gewann, aber sie eroberte immerhin dreimal Gold: im Olympischen Mehrkampf sowie mit Ball und Band. Dazu noch Bronze mit dem Reifen, nur knapp hinter der Ukrainerin Taisiia Onofriichuk und Titelverteidigerin Sofia Raffaeli aus Italien. Nur in der Entscheidung mit den Keulen blieb die Mehrkampf-Olympiasiegerin ohne Medaille, nachdem sie ihre Kür im Vorkampf völlig verpatzt hatte. Sie sei am Anfang der WM sehr nervös gewesen, berichtete Varfolomeev.
Die Stimmung in der wunderschönen Frankfurter Festhalle war großartig; (Tennisfans werden wehmütig an Daviscup-Schlachten (googelt Michael Westphal und Teppich) und ATP-Finals in den 80er- und 90er-Jahren gedacht haben). Das Niveau der jungen und so gelenkigen Damen atemberaubend. Unfassbar, wie sie ihre Geräte sehr hoch (10 Meter und mehr) in die Luft warfen, sich drehten und wirbelten und verrenkten und danach Ball oder Reifen oder Band oder Keulen (meist) sicher auffingen, dass mancher Fußball-Torwart vor Neid erblassen müsste. Erstmals seit Jahren waren auch die Russinnen trotz des fortwährenden Angriffskrieges wieder dabei, die vom Publikum eher zurückhaltend empfangen wurden (es gab allerdings eine lästig lärmende Fankolonie), letztlich aber ohne Titel blieben.
Mittlerweile 14 WM-Titel hat Varfolomeev gesammelt und gleich 31 Medaillen bei internationalen Wettbewerben. „Ich brauche bald einen größeren Trophäen-Schrank“, lässt sie weitere Großtaten erahnen. Ein gar nicht so weites Fernziel sind die Olympischen Spiele in Los Angeles. Pech für sie und die anderen Gymnastinnen, dass dort Gold nur im Mehrkampf und in einem Teamwettbewerb vergeben wird. Angesichts der Medaillenflut in anderen Sportarten (allein im Schwimmen kommen im Vergleich zu 2024 gleich sechs Disziplinen hinzu), ist das beschämend wenig.
Dressur ohne Werth – undenkbar und wertlos (sorry, muss sein)
Die Reiter-Weltmeisterschaften in Aachen – das sind Festspiele im Mekka des Pferdesports. Seit Jahrzehnten in der Weltspitze dabei ist Dressur-Spezialistin Isabell Werth. Mit einem fulminanten Ritt sicherte sich die 57-Jährige auf Wendy de Fountain als letzte Starterin Bronze in der Kür und begeisterte die 40.000 Zuschauer im ausverkauften Hauptstadion der legendären Soers. Nur die großartigen Charlotte Fry aus England auf Glamourdale und Catrine Laudrup-Dofour (Dänemark/Mount St. John Freestyle) waren noch einen Hauch besser, wie das fachkundige und hellauf begeisterte Publikum fair anerkannte. Werths tolle Leistung verhalf zudem der deutschen Mannschaft zu Team-Gold, es ist ihr 10 WM-Titel, wenn ich mich bei der schier endlosen Reihe bei Wikipedia (ja, ich musste nachschauen) nicht verzählt habe …
Isabell Werth ist ein Phänomen: Vor 20 Jahren eroberte sie an gleicher Stelle WM-Gold, als sie mit Satchmo triumphierte. Sie ist Deutschlands Rekord-Olympionikin mit 8 Gold-Medaillen (dazu sechsmal Silber), die sie seit 1992 (!) mit diversen Pferden (Satchmo, Gigolo, Weihegold, Bella Rose) geholt hat.
Isabell Werth hat noch lange nicht fertig. Bei dieser WM nicht, wo am Mittwoch und Donnerstag noch Einzel- und Mannschaftstitel im Grand Prix Spezial (also ohne Musik) vergeben werden. Langfristig ebenfalls nicht, denn die ausgebildete Voll-Juristin (ich glaub nicht, dass sie noch praktiziert) ist weiter voller Tatendrang und ihr derzeitiges Paradepferd Wendy mit 12 Jahren im besten Dressuralter. Zumindest Olympia 2028 in LA kann dieses Paar in Angriff nehmen.
Gold auch in der Vielseitigkeit
Seit diesem Jahr heißen die Weltreiterspiele wieder Reit-WM, bitte nicht fragen, warum. Fester Bestandteil hier wie dort waren und sind die Vielseitigkeitsreiter. Einer der Hauptdarsteller in dieser Disziplin ist seit Jahren der Deutsche Michael Jung. Mit seinem Chipmunk eroberte er seinen zweiten WM-Titel nach 2010 (damals mit Sam). Der Führende nach Dressur und Gelände-Prüfung blieb im abschließenden Springen ohne Fehler und sicherte damit nicht nur den Einzeltitel, sondern auch hinter Großbritannien Mannschafts-Silber fürs deutsche Team. „Chipmunk ist eine Legende, das ist unwahrscheinlich. Wie er Dressur gehen, springen, im Gelände rennen kann“, schwärmte Jung über seinen Partner, mit dem er schon 2024 Einzelgold bei Olympia geholt hatte. 2022 hatte Jung bei der WM in Pratoni ebenfalls vor dem Springen geführt, als Chipmunk die Stange am letzten Hindernis abwarf und die Gold- und Medaillenträume sich in Nichts auflösten.
Chipmunk ist bereits 18 Jahre alt. Keine Ahnung, ob er mit dann 20 die Olympischen Spiele in Angriff nehmen kann, für die das deutsche Team das Ticket bereits fix hat.
Schröder macht das NBA-Dutzend voll
Der Kapitän der deutschen Basketball-Nationalmannschaft wechselt erneut innnerhalb der NBA. Dennis Schröder wurde von den Cleveland Cavaliers zu den Charlotte Hornets transferiert. Der Spielmacher sieht den Wechsel positiv und erhofft sich bei seinem neuen Team erheblich mehr Zeit auf dem Parkett als zuletzt bei den Cavs, als er hinter den Top-Stars Donovan Mitchell und James Harden nur dritte Wahl war. „In Charlotte kann ich so spielen, wie ich normalerweise spiele.“ Will heißen: Er sieht sich als Anführer des ansonsten sehr jungen, sehr verheißungsvollen Team mit Super-Talenten wie Kon Knüppel. Gerade auf seiner Position hatten die Hornets Bedarf, nachdem sie ihren Topstar Lo Ball abgegeben hatten. Vor allem aber sieht sich Schröder jetzt schon als Mentor seiner jungen Landsleute Hannes Steinbach und Christian Andersen, die die Hornets im jüngsten Draft (Auswahl der besten Talente) gezogen haben. „Für die beiden ist das natürlich ein Segen, dass sie jemanden haben, mit dem sie quatschen können. Ich glaube, es wäre auch toll gewesen, hätte ich das damals gehabt.“
Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) ist bereits die 12. Station des Braunschweigers in der NBA, seitdem er 2013 von den Atlanta Hawks gedraftet wurde. Nur ein Team fehlt noch zum (zweifelhaften?) Rekord, den der Noch-mehr-Reisende in Sachen Basketball Ish Smith mit 13 Stationen inne hat. Insgesamt spielen in der NBA 30 Teams, das dürfte Schröder dann doch nicht mehr schaffen …
Und sonst?
- Turnen: Gold für Helen Kevric bei der EM in Zagreb. Silber holte ihre deutsche Landsfrau Karina Schönmaier am Sprungpferd.
- 2. Liga: Nach dem 2. Spieltag sind nur noch der 1. FC Nürnberg (4:2 bei Greuther Fürth) und Hertha BSC (4:1 vs Heidenheim) ohne Punktverlust. Einen kompletten Fehlstart erlitten die Nordclubs VfL Osnabrück und Hannover 96, die noch ohne jeden Zähler am Tabellenende stehen.
- Internationaler Fußball: Die Frauen Kameruns sicherten sich den Afrika-Cup. Im Endspiel bezwang das Team die Auswahl Malawis mit 3:0. Neben den beiden Finalistinnen qualifizierten sich auch Marokko und Algerien für die WM 2027 in Brasilien; Ghana und Südafrika haben noch die Chance bei einer interkontinentalen Ausscheidung.
- England: Den Community Shield sicherte sich Meister FC Arsenal. Die Londoner bezwangen in Wembley Pokalsieger Manchester City mit 3:0. Und noch ein Rückschlag für die Cityzens. Der defensive Mittelfeldmann Rodri, genau vor einem Monat zum besten Akteur der WM gewählt, wechselt zum FC Barcelona. 55 Millionen Euro sind nur ein schwacher Gegenwert des Ausnahmespielers.
von Münchner Löwe | Juni 22, 2026 | basketball
Die Gelegenheit für den Besuch in der modernen neuen Münchner Halle bot sich an: Basketball-Bundesliga, 5. und entscheidendes Spiel der Finalserie am Sonntag zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin, den beiden deutschen Vorzeigeclubs. Dass es dazu kam, stand erst am Freitag fest, am Samstagmorgen der Kartenkauf (virtuell, versteht sich). Der Platz in der Verlängerung einer Spielfeld-Ecke nicht perfekt, aber doch gut genug, um die knisternde Atmosphäre im vollbesetzten SAP Garden einzusaugen. Große Aktien hatte und habe ich weder bei den Münchnern noch bei den Berlinern. Nur spannend möge es sein, war meine Hoffnung.
Danach sah es nach der 1. Halbzeit wahrlich nicht aus. 47:27 führten die Gastgeber, insbesondere ein desaströses 2. Viertel der Berliner hatte dazu beigetragen, als ihnen gerade mal 7 Pünktchen gelangen. Zarte Hoffnung auf eine Aufholjagd, als Alba im 3. Viertel zunächst auf 6 Punkte herankam, doch vor dem Schlussabschnitt stand es 66:53; da ging nichts mehr – oder?
Nun sollte ich durch die NBA und speziell des diesjährigen Champions New York Knicks Aufholjagden auch nach zweistelligen Rückstand gewohnt sein. Aber was jetzt im Garden (SAP, nicht Madison Square) geschah, erstaunte und faszinierte zugleich. Binnen 3 Minuten hatte Alba mit einem 14:0-Lauf den Rückstand nicht nur wettgemacht, sondern in einen Vorsprung verwandelt. Plötzlich fiel jeder Wurf, während bei den Münchnern überhaupt nichts mehr ging. Immehin rafften sie sich noch zu einem Schlagabtausch auf, die Führung wechselte mehrfach, aber am Ende hatten die Gäste tatsächlich das bessere Ende für sich. Vielleicht auch, weil die Münchner arg früh begannen, den Gegner per Fouls an die Freiwurflinie zu schicken anstatt zu versuchen, die Angriffe regulär zu stoppen. Aber weiß ich es wirklich besser als ein Trainerguru? *
Gut 500 mitgereiste Berliner Fans feierten ausgelassen den letztlich unerwarteten Meistertitel, während viele Heim-Anhänger geradezu fluchtartig die Halle verließen. Verstummt war auch der elende Hallensprecher, der mich praktisch das gesamte Spiel extrem nervte mit seinen Einpeitschern und mich veranlasste, meine zunächst eher neutrale Haltung aufzugeben und klar Partei für Alba zu ergreifen (ich habs ohnehin eher mit den Außenseitern, Löwenfan, ihr versteht?). Zittern für ein Team/Spieler gehört für mich beim Sport grundlegend dazu, es gibt kaum etwas Verlogeneres und Langweiligeres wie „der Bessere möge gewinnen“. Wo bleibt da der Spaß?
Während die Berliner einen wahrlich unerwarteten Titel feierten, bilanzieren die Münchner eine an ihren Ansprüchen gemessen missglückte Saison. Kein Titel in Deutschland (schon der Pokalsieg wurde im Februar in eigener Halle vergeigt) trotz des mit Abstand höchstem Budget. Die Euroleague mit dem klaren Verpassen der Play-offs war ein Desaster. Noch nicht einmal der Trainerwechsel konnte etwas bewirken.
* Womit ich bei einem ganz Großen der Branche bin. Svetislav Pesic auf der Bayern-Bank coachte sein letztes Spiel. Wobei „Bayern-Bank“ der völlig falsche Ausdruck ist, denn der Serbe steht während einer Partie die kompletten 40 Minuten an der Seitenlinie (und gerne auch auf dem Spielfeld), rudert mit den Armen, brüllt Anweisungen, beschimpft die Schiedsrichter, tobt und tröstet; allein das mitanzusehen, lohnt den Hallenbesuch. 76 Jahre ist er alt (die man ihm nicht ansieht und erst recht nicht anmerkt) – eine Trainerlegende in Europa. Der die Deutschen 1993 zum EM-Titel führte, der mit Serbien/Jugoslawien Triumphe feierte (Weltmeister 2002, Vizeweltmeister 2023 nach der Finalniederlage gegen Deutschland), aber auch mit Clubs wie dem FC Barcelona (Triple 2003) und eben den beiden deutschen Vorzeigevereinen Alba Berlin und dem FC Bayern. Angeblich ist jetzt wirklich Schluss, aber es würde mich nicht groß wundern, wenn wir ihn nächstes Jahr irgendwo in Europa an der Seitenlinie herumtoben sehen würden.
„Es lebe der Sport live vor Ort“, habe ich getitelt. Nichts ist vergleichbar mit dem Erlebnis vor Ort. Man sieht und hört viel mehr als vor dem Fernseher. Erst recht im Basketball mit dem eher kleinen Spielfeld. Ich muss mich selbst für meinen kurzfristig gefassten Entschluss am Samstag beglückwünschen. Auch wenn ich da natürlich nicht wissen konnte, dass ich eine historische Partie sehen würde.
von Münchner Löwe | Juni 14, 2026 | basketball, NBA
Blick über den Teich, NBA
San Antonio Spurs – NEW YORK KNICKS 90:94 (ENDSTAND: 1:4)
Was kaum ein Experte vor Beginn der Finalserie ernsthaft geglaubt hätte und sich doch in den vergangenen Tagen abzeichnete, ist Wirklichkeit. Die Knicks gewannen auch die fünfte Partie der Finalserie; bei den Spurs triumphierten sie mit 94:90, gewannen die Serie 4:1 und sicherten sich für Big Apple den ersten NBA-Triumph seit 1973. Kein NBA-Team hat länger auf einen Titel gewartet. Vergleiche mit den Chicago Cubs, die 107 Jahre auf die Meisterschaft in der MLB warteten, wurden schon hervorgekramt.
Wieder eine Aufholjagd: Nicht die rekordträchtigen 29 Punkte aus Partie 4 im heimischen Madison Square Garden; aber auch die 15 Zähler, die sie ab Mitte des dritten Viertels wettmachten, sind wahrlich nicht alltäglich, vor allem nicht in der Fremde. Wobei anzumerken ist, dass die Halle in San Antonio mindestens zu einem Viertel mit Knicks-Anhängern gefüllt war, die die Auswärtpartie in ein Heimspiel verwandelten, gerade als sie Punkt um Punkt aufholten. Darunter die Edelfans Spike Lee, Timothee Chamalet. Höchstens die LA Lakers haben eine ähnliche Promi-Dichte unter den Anhängern.
Zu Hause in New York verfolgten zigtausende auf den Straßen das Geschehen über riesige Leinwände: Hier war die ausgelassene Jubelstimmung, die sich die Verantwortlichen der Fußball-WM so dringernd wünschen würden. Ohne allzu prophetisch zu sein: Nie im Leben wird ein Soccer-Spiel in New York diese Emotionen entfachen. Big Apple feiert jetzt Basketball-Party, mindestens bis zur Siegesparade am Donnerstag, die Bürgermeister Zohran Mamdani ankündigte. 1 Million? 2 Millionen? Die Prachtstraßen werden schwarz vor Menschen sein.
Schon am Abend nach der Schlussirene um 23 Uhr Ortszeit strömten hunderttausende auf die Avenues und feierten. Meist friedlich, aber wie fast immer bei großen Meisterfeiern gab es ein paar Chaoten, die randalierten. Aber die Freude überwog, die Erleichterung und auch der Unglaube: Denn der große Teil, die da in den Straßenschluchten jubelten, hat den letzten Triumph eines New Yorker Basketball-Teams nicht (bewusst) erlebt. Jetzt heißt es allenthalben und bald geflügelt: Knicks in five!
Bester der Sieger
Jalen Brunson: 45 Punkte sammelte er, davon 13 in Folge im 4. Viertel – noch Frage? Bestenfalls, warum der Spielmacher immer ein Viertel braucht, ehe er auf Touren kommt. Völlig zu recht wurde er zum MvP der Finalserie gewählt. Er widerlegte alle Zweifler und Zweifel, die den nur 1,88 Meter großen Guard (wir sind beim Basketball!) begleiteten.
Vor 4 Jahren kam er nach New York. Quasi weggescheucht von den Dallas Mavericks, bei denen er über eine Mitäuferrolle nie hinauskam (hinter Luka Doncic, den die Mavs im Januar 2025 ebenfalls vergraulten, eine echt bemerkenswerte Leistung der damaligen TeamführungI). Jetzt verzichtete er sogar auf Geld, damit das Team sich weiter verstärken konnte. Vor allem OJ Amunoby und Karl-Anthony Towns, beide in tragenden Rollen, aber es war Brunson, der die Aufholjagden initiierte. Ohne ihn, da besteht für mich nicht der geringste Zweifel, würde New York jetzt nicht einen NBA-Triumph feiern.
Stark trotz der Niederlage
Derek Harper: Eine ganz tolle Leistung des Rookies (Profi im ersten Jahr). 25 Punkte legte er auf. Ausgerechnet der jüngste des jungen Teams wehrte sich am meisten gegen die Niederlage. Nicht alles gelingt dem Spielmacher, aber er macht jetzt schon so viele Sachen nicht nur richtig, sondern richtig gut.
Harper stellte teilweise sogar „Alien“ Victor Wembanyama in den Schatten, trotz dessen 5 Blocks und 14 Rebounds, davon 6 am offensiven Brett.
X-Faktor
Mitchell Robinson: Ein Top-Scorer wird der Ersatzcenter der Knicks nicht mehr. Aber in Sachen Offensiv-Rebound macht ihm niemand etwas vor. 6 Abpraller schnappte er unterm gegnerischen Korb, ermöglichte also sechs weitere Chancen zum Punkten. Zudem steht er in der Defensive immer seinen Mann. Zum Freiwurfwerfen wurde er Gott sei Dank für ihn nur zweimal genötigt – er traf natürlich nicht …
Mike Brown: Der Trainer machte gleich im ersten Jahr in New York sein Meisterstück. Es hatte ein paar Monate gedauert, bis seine Mannschaft begriffen hat, was der Coach von ihnen wollte. Brown justierte neu, zuletzt im April, als er die Rolle von Towns neu erfand. Jetzt der unfassbare Play-off-Lauf mit insgesamt 15 Siegen aus den vergangenen 16 Partien.
Brown, der als Cheftrainer in den Jahren zuvor die Sacramento Kings aus den tiefsten Niederungen zu einem Play-off-Team geformt hatte (bevor ihm die erratische Teamführung wieder alles zerstörte), ist jetzt neben Jalen Brunson der König von New York – für alle Zeiten.
Zahlereien
1; 1; 4; Das waren die Abstände der vergangenen 3 Knicks-Siege. Nie war eine Serie enger.
5: In allen Partien lagen die Knicks im ersten Viertel mit mindestens 10 Punkten zurück. Viermal gelang im vierten Viertel die erfolgreiche Aufholjagd.
🇩🇪👓
Ariel Hukporti hatte im 5. Spiel einen Kurzauftritt. In 1:52 Minuten hatte er einen wichtigen Block und einen wichtigen Offensiv-Rebound. Jetzt ist er der dritte Deutsche überhaupt mit einem NBA-Ring am Finger nach Dirk Nowitzki (2011/Dallas) und Isaiah Hartenstein (2025/Oklahoma City).
Ausblick der Sieger
Wie es aussieht, bleiben die Knicks zusammen. Gerade im eher schwächeren Osten dürften sie auch in de kommenden Saison eine tragende Rolle spielen. Ob es dann wieder zum Conference-Titel oder gar zur NBA-Titelverteidigung reicht, bleibt abzuwarten. Einerseits lassen amtierende Meister erfahrungsgemäß ein wenig nach, andrerseits wirkt ein derart sehnlichst erwarteter Titel wie eine Befreiung – für die Mannschaft, für die Fans, für die ganze Stadt (werden etwa die Yankees profitieren?).
Und die Verlierer?!
Natürlich schmerzt die Niederlage extrem, weil die Spurs eigentlich das bessere Team sind/waren. Nie war allerdings das Wort „eigentlich“ sinnloser. Wenn man konsequent komfortable Führungen verhühnert …
Den Spurs gehört dennoch die Zukunft, wenn sie nicht zerbrechen (was ich nicht glaube), sondern die richtigen Lehren ziehen: Die Mannschaft ist extrem jung, und kaum ein Spieler ist in seiner Entwicklung am Zenith angekommen. Das gilt auch für den jungen Coach Mitch Johnson, der in seiner ersten vollen Saison als Nachfolger des legendären Gregg Popovich zumindest in der Finalserie noch Lehrgeld zahlen musste und von Brown letztlich ausgecoacht wurde. Es würde mich sehr wundern, wenn der NBA-Titel nicht in den kommenden drei Jahren mindestens einmal nach Texas wandern würde. Nicht zuletzt, weil dort Victor Wembanyama sein Unwesen treibt und wahrscheinlich noch viel, viel besser wird.
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