DAs war die Woche, die war

Die letzte Tour-Woche und 2 bemerkenswerte Tennis-Turniere

 

Pogacar ungefährdet

 

Wie erwartet, hat Tadej Pogacar ungefährdet die Tour de France gewonnen. Der Slowene zeigte noch einmal sein ganzes Können, als er am Freitag wie von ihm erwünscht die Etappe nach Alpe d’Huez für sich entschied. Und zwar in einer Art und Weise, die einen nur sprachlos zurückließ.

Mit etwa drei Minuten war die Pogacar-Gruppe der Besten im Gesamt-Klassement hinter einem Führungstrio in den sagenumwobenen Anstieg mit den 21 Kehren gegangen, da machte sich Pogacar allein zur Verfolgungsjagd auf und davon. Sekunde um Sekunde knabberte er an Rückstand weg, immerhin gegen einen Weltklasse-Kletterer wie Richard Carapaz. Einen Kilometer vorm Zielstrich der Zusammenschluss, und als der Slowene wegspurtete hatten weder Carapaz noch sein Fluchtgefährte Martinez auch nur den Hauch einer Chance.

Die legendäre Etappe hoch nach Alpe d’Huez fehlte noch in der reichen Erfolgssammlung des Slowenen. Er brauchte für den Anstieg gut eine Minute weniger als der bisherige Rekordhalter Marco Pantani, dem dieses Kunststück in den Hochzeiten des Dopings geglückt war. Gerüchte und Mutmaßungen wollen angesichts der unfassbaren Überlegenheit nicht verstummen, aber bisher ist Pogacar aus allen Dopingkontrollen ohne positven Befund geblieben.

Tags darauf ging es (nach einer mörderischen Etappe mit drei Bergwertungen der höchsten Kategorie noch einmal nach Alped’Huez, diesmal von der anderen, nicht so schweren  Seite. Wieder sprang Carapaz vom Hauptfeld früh weg mit Fluchtgefährten Sepp Kuss. Der in einer rasenden Abfahrt für einen Schreckenmoment sorgte, als er die Kontrolle verlor und zu Sturz kam. Gott sei Dank genau an einer Stelle, wo ein Fangnetz aufgezogen war, sonst wäre er hunderte von Metern in die Tiefe gestürzt. Was einem immer wieder vor Augen führt, welche riesigen Gefahren die Tour-Teilnehmer auf sich nehmen. Da sind die Schlüsselbeinbrüche, die die Spitzenfahrer Monas Vingegaard und Florian Lipowitz erlitten hatten, Tagesgeschäft.

Durch den Sturz verlor der zu diesem Zeitpunkt knapp führende Kuss natürlich alle Chancen auf den Etappensieg. Den schnappte sich Carapaz. Höchstwahrscheinlich auch deshalb, weil Pogacar diesmal auf eine Verfolgungsjagd verzichtete. Diesmal begnügte er sich, seinen hochtalentierten Teamgefährten Isaac del Toro ins Ziel zu eskortieren, auf dass der Mexikaner das Weiße Trikot des besten nachwuchsfahrers absichern könnte. Dies gelang, auch weil dessen Konkurrent Paul Seixas weiter Zeit verlor.
Carapaz feierte aber nicht nur den zweiten Etappensieg in den Alpen, mindestens genauso wichtig war dem Mann aus Ecuador das Bergtrikot, das er dann bis Paris trug.

Eine ganz starke Leistung lieferte Remco Evenepoel ab. Der Belgier vom Red-Bull-Team war klar der zweitstärkste Mann im Feld. Endlich zeigte er seine überragenden Fähigkeiten auch im Hochgebirge (diese Fähigkeit hatte er bisher vermissen lassen). An Pogacar kam er zwar nicht heran, alle anderen Konkurrenten hatte der Belgier sicher im Griff.

 

Van der Poels unfassbarer Endspurt

 

Die letzte Etappe in Paris wollte Pogacar noch mal gewinnen. seit 2025 ist ja in die Tour honneur in der Hauptstadt der knackige Anstieg zum Montmartre eingebaut, einer der Glanzpunkte der Olympischen Spiele 2024. Die Gesamtwertung ist vorher neutralisiert, aber der Kampf um den Tagessieg erfährt dadurch noch mal ein unglaubliches Spektakel. So auch am Sonntag. Beim letzten Anstieg setzte sich Pogacar ab, und nur Matthew van der Poel konnte folgen. Etwa 15 Sekunden konnten sie herausfahren, sie wechselten sich perfekt in der Führungsarbeit ab, und lange schien es so, als würden sie tatsächlich durchkommen. Doch das rasende Feld, in dem die Helfer der Sprintspezialisten ein unfassbares Tempo anschlugen kamen dann doch Sekunde für Sekunde näher – ein echter Krimi. Etwa 600 Meter richtete sich Pogacar auf, er konnte nicht mehr. Wohl aber van der Poel, der das Tempo beibehielt. Und doch kam die Meute näher und näher. Irgendwie mobilisierte van der Poel  Kräfte aus seinem Körper, aber als er die Ziellinie übeqwuerrte, da jubelte ein anderer: kurze Verwirrung, dann war klar: Der Belgier Jesper Philippsen feierte nicht selbst, sondern seinen Teamkollegen van der Poel. Nur zur Sicherheit war der Belgier mitgespurtet, damit der Sieg auf jeden Fall im Team blieb. Was für ein faszinierender Schlussakkord dieser faszinierenden Tour.

 

Lilli Tagger zeigt bei den Großen auf

 

Die österreichische Tennisspielerin habe ich seit gut einem Jahr auf dem Zettel. Genauer gesagt, seit dem French-Open-Triumph bei den Juniorinnen 2025. Seitdem geht es stetig aufwärts mit der mittlerweile 18-Jährigen, die sich innerhalb eines Jahres von einem Platz jenseits der 500 in die Top 100 vorgespielt hatte. Jetzt der erste Turnier-Sieg bei den „Großen“, nämlich beim Turnier in Prag. Gewiss, nicht das ganz große Event, längst nicht so gut besetzt wie ein Grand-Slam- oder Masters-Turnier. Aber doch eines mit vielen Lokalmatadorinnen aus Tschechien, dem schier unerschöpflichen Talente-Reservoir.
Das Meisterstück machte Tagger schon am Samstag im Halbfinale, als sie in einer spektakulären Partie Barbora Krejikova bezwang. Ihres Zeichens Wimbledonsiegerin 2024 und auch in Paris hatte sie schon triumphiert. In einer Partie Spitz auf Knopf gewann sie im Tiebreak des 3. Satzes, und quasi zum Drüberstreuen siegte Lilli Tagger auch im Finale gegen Daria Snigur aus der Ukraine.

Offenbar ist Tagger jetzt der Sprung in die Elite gelungen (bei aller Vorsicht). Mit 1,85 Metern ist sie einer der Längsten im Feld, ihr Aufschlag dementsprechend eine echte Waffe, obwohl sie wahrlich nicht muskelbepackt ist. Der Paradeschlag ist die wunderschöne einhändige Rückhand (leider im Aussterben begriffen, erst recht bei den Frauen), mir der sie unerreichbare Bälle schlagen kann.
Taggers großes Glück: Mit der Italienerin Francesca Schiavone hat sie eine erfahrene Trainerin: eine ehemalige Topspielerin ebenfalls mit einer einhändigen Rückhand; die Tagger perfekt anleitet, und auch das Umfeld scheint geerdet. Es geht nicht um den schnellen Triumph, sondern an das langsame Heranführen ans Spitzentennis. Wo dann die Grenze ist, bleibt abzuwarten. Dass ihr gegenwärtiges Ranking von Platz 45 schon der Plafond ist, glauben allerdings nicht mal die schlimmsten Pessimisten, die Top Ten scheinen zumindest mittelfristig bei allen Unwägbarkeiten auf jeden Fall drin. Ich werde den Weg der Lilli Tagger weiter verfolgen.

 

Bei Korpatsch geht endlich der Knopf auf

 

Tamara Korpatsch gab als Riesentalent auch Anlass zu den größten Hoffnungen. Aber viele Verletzungen verhinderte die große Tennis-Karriere. Doch jetzt, mit 31Jahren, belohnte sich die Deutsche dafür, dass sie stets drangeblieben ist, dass sie trotz vieler Rückschläge nie aufgegeben hate. In Hamburg schaffte sie am Sonntag den Turniersieg, durch einen Finalsieg gegen die Ungarin Anna Bondar.

Geradezu märchenhaft war die Woche der Tamara Korpatsch verlaufen mit Siegen unter anderem gegen die weit höher eingestuften und auch eingeschätzten Kalinina und Sherif. Der Lohn: Etwa 30.000 Dollar Prämie und der Sprung auf Rang 46, einen Platz also hinter Tagger. Und somit die Gewissheit, zumindest für ein jahr bei allen wichtigen Turnieren im Hauptfeld zu stehen.

 

Und sonst?

 

  • Formel 1: Den ersten Erfolg als Weltmeister feierte Lando Norris. Im Budapest gewann er vor dem viermaligen Champions Max verstappen und Kimi Antonelli, der seine WM-Führung auf 50 Punkte (das entspricht zwei Rennsiegen) ausbaute. Jetzt folgt eine pause von einem Monat.
  • Leichtathletik: Glanzpunkte der Deutschen Meisterschaften waren die 400-Meter-Rennen. Ohne Hürden triumphierte Emil Ageykum in 47.65 Sekunden, mit denen er dem bisherigen Meisterschaftsrekord von Harald Schmid aus den 80er-jahren unterbot.
    Noch überraschender kam für mich die Top-Zeit von Jean Paul Bredau. Ohne Hürde brauchte er für die Srtadionrunde nur 44,72 Sekunden, so schnell war in Deutschland seit 20 Jahren niemand mehr gewesen, als Ingo Schult die Welteligte aufmischte.
    Ageykum und Brelau sind auch zwei echte Trümpfe für die Europameisterschaften in drei Wochen, und in der 400-Meter-Staffel dürften beide gesetzt sein.
  • Fechten: Die WM in Honkong brachte einen unerwarteten Erfolg für Deutschland. Säbel-Weltmeisterin wurde völlig überraschend Larissa Eifler. Es ist der erste Titel für Deutschland seit 2014 (Säbel-Männer in Kasan) und gar die erste Einzelmeisterschaft seit 2010, als Peter Joppich mit dem Florett erfolgreich war. Ein sehr heller Lichtblick in einer Sportart, die einst zu den Medaillengaranten auch bei Olympia zählte, zuletzt aber komplett jenseits der Öffentlichkeit lief.
  • Volleyball: Fast vergessen hätte ich einen absoluten Höhepunkt. In einem grandiosen Finale der Nation League im chinesischen Macau (großer Seufzer) setzten sich die Türkinnen in vier Sätzen gegen Brasilien durch. Was die Südamerikanerinnen an Abwehrarbeit verrichteten, war  outstanding und jenseits des Begreifens (meines jedenfalls), aber gegen die türkische Star-Angreiferin Melissa Vargas war am Ende doch kein Kraut gewachsen.
    Sehr und genießt!

    https://www.youtube.com/watch?v=upj4RRXEtvc

 

 

Das wird die Woche, die wird

Die letzte Tour-Woche, deutsche Finals in Hannover und tatsächlich schon wieder Fußball-Champions-League, wenn gleich „nur“ Qualifikation.

 

Pogacar ohne Gegner – oder?

 

Die Tour de France ist in der letzten Woche vor dem Ziel am Sonntag in Paris. Doch schon heute ist ein klarer Anwärter aufs Podest wegen eines Sturzes ausgeschieden. Bei einer sehr tückischen Abfahrt im Zeitfahren rutschte Florian Lipowitz in einer engen Kurve mit dem Hinterrad weg, er schlitterte mit der Schulter gegen eine nicht abgesicherte Bordsteinkante und konnte nicht weiterfahren. Stattdessen wurde er mit dem Krankenwagen abtransportiert.
Für mich ein absolutes Unding: zum einen so eine gefährliche Abfahrt in das Einzel-Zeitfahren einzubauen und diese zum anderen nicht im Geringsten zu schützen. Ein Sturz war fast naheliegend und offenbar von den sensationslüsternen Organisatoren fast schon eingepreist. Auch der klar Führende Tadej Pogacar hatte an dieser Stelle seine Mühe, obwohl der Slowene nicht das Letzte riskiert haben dürfte.
Pogacar dürfte nach Rang 2 hinter Remco Evenepoel, aber nur 28 Sekunden Zeitverlust auf den absoluten Spezialisten im Kampf gegen die Uhr, der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen sein bei 4:32 Minuten Vorsprung auf den Belgier. Auch wenn die anstehenden Alpenetappen unter anderem mit zweimal Alpe d’Huez kein Zuckerschlecken werden. Evenepoel hat beste Chancen auf Rang 2, es wäre seine mit Abstand beste Tour-Platzierung in Paris. Allerdings fehlt ihm mit Lipowitz ein sehr wichtiger Helfer in den Bergen, der Rest des Red-Bull-Hansgrohe-Team ist dort kein Faktor. Mal schauen, ob er über die ganz hohen Berge auch gut rüberkommt, das war in den vergangene jahren sien Problem.
Sehr spannend wird der Kampf um Platz 3 (nach dem Ausfall von Lipowitz und zuvor Jonas Vingegaard). Der Mexikaner Isaac del Toro und der Franzose Paul Seixas kämpfen nicht nur um den Podestplatz, sondern auch ums Weiße Trikot es besten Nachwuchsfahrers (bei der Tour sind das alle Profis unter 25 jahren).

 

Deutsche Titel im Hunderterpack

 

Ab Donnerstag ist es wieder soweit. In gleich 23 Sportarten kämpfen Athletinnen und Athleten um deutsche Meistertitel. Neben Traditions-Sportarten wie Schwimmen, Bogensport und Turnen, die schon öfter in den sogenannten deutschen Finals dabei waren, kämpfen erstmals auch solche aus Jiu Jitsu und Rapid Surfen, aber auch Beachvolleyball und Wasserball um Meisterehren. Die Wettbewerbe sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt, für diejenigen, die sich nicht extra nach Hannover aufmachen (ich gehe mal davon aus, dass keiner meiner Leser dort wohnt …), bietet die ARD zahlreiche Live-Streams an.

Mein persönlicher Liebling: die 3×3-Basketballer und das Rugby-7-Turnier (jeweils Frauen und Männer), auch wenn hier die Nationalspieler wegen der nahen Europameisterschaft unabkömmlich sein werden.

Extrawurscht der Leichtathleten – aus Gründen!

Auch diese kämpfen dieses Wochenende um Titel und Platzierungen. Allerdings nicht in Hannover, sondern in Bochum-Wattenscheid, im altehrwürdigen Stadion an der Lohrheide, wo in den 80er-Jahren auch die Bundesliga-Kicker von Wattenscheid 09 spielten (heute Regionalliga).
Der Grund für den Sonderweg ist profan: Nach dem Umbau des Niedersachsenstadions in eine reine Fußball-Arena (für die WM 2006!) gibt es dort keine wettkampftaugliches Leichtathletik-Stadion. Der Zuschauer daheim wird nix merken, auch hier ist das Fernsehen live dabei, wahrscheinlich sogar besonders ausführlich, wie es sich für die olympische Kernsportart gehört.

 

Sturms erster Schritt zur Königsklasse 

 

Sturm Graz gegen Hearts of Midliothian – so lautet aus meiner austriaphiler Sicht der Schlager der 2. Qualifikationsrunde (Di., 20:30, ORF1).  Beide Teams wurden in der nationalen Meisterschaft Zweiter, die Hearts verpassten herzzerreißend in fast letzter Minute mit einer Niederlage beim direkten Konkurrenten Celtic Glasgow den Titel. Sowohl Österreicher als auch Schotten waren ja bei der WM dabei, beide Teams schieden früh aus. Inwieweit Spieler fehlen, vemag ich nicht zu sagen, noch weniger weiß ich über die Form: Aber gerade die Hearts haben im Sommer einen erheblichen Aderlass erlitten, die besten Profis haben sich davongemacht.

Ansonsten sticht noch die Partie FC Thun gegen Dinamo Zagreb heraus (Di., 20 Uhr/SRF), immerhin der Schweizer Meister (ohne Meistercoach Lustrinelli, der in Richtung 1. FC Union nach Berlin entschwand) gegen den Titelträger Kroatiens.

Insgesamt sind vier Qualifikationsrunden zu überstehen, bevor die Geldtöpfe der Königsklasse anvisiert werden können. In der 3. Runde greift dann auch der österreichische Titelträger LASK ein.

 

Und sonst?

 

  • Formel 1: Letzter Lauf vor der einmonatigen Sommerpause in Budapest (Sonntag, 15 Uhr). WM-Leader Kimi Antonelli im Mercedes muss sich de stärker werdenden Konkurrenz der Ferraris und von max Verstappen (Red Bull) erwehren.
  • Tennis: Traditionelle Sandplatzturniere der Männer in Kitzbühel (unter anderem mit Bublik, Vacherot, Struff und Altmaier) und Estoril (Rublew, Darderi, Wawrinka). Die Frauen messen sich in Hamburg (Olyinikova, Kalinina, Korpatsch) und Prag (Bouskova, Krejikova, Tagger).
    Das Gros der Spielerinnen und Spieler hat sich bereits nach Nordamerika aufgemacht, wo ab nächste Woche die Sommer-Hartplatz-Saison mit dem Höhepunkt US Open (ab 31. August) ansteht.

 

 

Das war die Woche, die war

Vingegaard muss aufgeben

 

Aus der Traum vom Toursieg. Auf der 15. Etappe in den Vogesen stürzte Jonas Vingegaard in einem Kreisverkehr so schwer, dass er aufgeben musste. Einer ersten Diagnose zufolge erlitt der Däne einen Schlüsselbeinbruch, er wird eine längere Pause einlegen müssen.

Vingegaard galt als schärfster Verfolger des souveränen Gesamtführenden Tadej Pogacar. Wobei „scharf“ bei einem Rückstand von fast fünf Minuten relativ ist, normalerweise hätte er wohl keine Chance mehr gehabt, den Slowenen noch einzuholen. Zu souverän agierte Pogacar, der gerade in den Bergen bisher naheuzu unantastbar schien.

Am heutigen Montag ist Ruhezag, der zweite und letzte der Tour. Pogacar führt mit genau fünf Minuten auf Remco Evenepoel und schon 5:58 Minuten auf seinen mexikanischen Teamgefährten Isaac del Toro. Evenepoel macht dieses Jahr gerade in den Bergen einen viel stärkeren Eindruck als in den vergangenen Jahren, am Sonntag entschied er das sehr schwierige Teilstück mit der Bergankunft am Plateau de Solesan im Spurt vor Pogacar für sich. Die Frage ist, ob seine Form auch fürs Hochgebirge reicht, denn in der letzten Woche steht nach dem 21-Kilometer-Zeitfahren (in dem der Spezialist im Kampf gegen die Hhr noch aufholen kann) enorm schwierige Bergetappen in den Alpen an: Gleich zweimal geht es hoch nach Alpe d’Huez, allerdings nur einmal von der schwereren 21 Serpentiven langen Seite.
Zumindest vorerst aber hat Evenepoel auch im teaminternene Bora-Red-Bull-Duell die Nase vor Florian Lipowitz. Der Deutsche at schon 1:48 Minuten Rückstand auf Evenepoel und 6:48 auf Pogacar. Hinter dem potenziellen Toursieger (nona, ein Sturz kann schnell passieren) dürfte es einen beinharten Vierkampf um die Platze 2 und 3 geben,in den neben Evenepoel und Lipowtz auch del Toro (3./5:50 auf Pogacar) und das französische Supertalent Paul Seixas (4./6:23) eingreifen werden.

Überschattet wird aber alles vom Sturz Vingegaards und die Begleiterscheinungen. In der Nacht zuvor war der Däne nämlich um 2 Uhr nachts zur Dopingprobe gebeten (also befohlen) worden. Gerade vor eine solchen Etappe ein absolutes Unding, auch wenn sich Vingegaard bedeckt hielt. „Man kann wohl sagen, dass es nicht förderlich war.“ Auch Pogacar berichtete, dass er um 5 Uhr morgends vor einer Etappe zur Blutentnahme aus dem Bett geklingelt wurde. „Schlaf ist sehr wichtig. Gerade für die Konzentration.“

 

Deutsche Läufer überzeugen

 

Ein fantastisches Leichtathletik-Meeting erlebten 60.000 Zuschauer in London. Höhepunkt war der (angekündigte) Meilen-Weltrekord des Schotten Josh Kerr, der die 1609 Meter in 3:42,66 Minuten absolvierte. Damit blieb er um gut eine halbe Sekunde unter der bisherigen Bestmarke des algerischen Ausnahmeläufers Hicham El Guerrouj. Robert Farken aus Leipzig ließ sich von der fantastischen Stimmung im Olympiastadion bei diesem Rennen mitreißen und schaffte in 3:46,82 Minuten einen großartigen Deutschen Rekord.

Es war nicht die einzige nationale Bestleistung eines deutschen Läufers. Emil Agyekum brauchte für die 400 Meter Hürden nur 47,45 Sekunden und unterbot den (in der Tat) alten Rekord um drei Hundertstel. Dieser datiert aus dem Jahr 1982 (und 87) und wurde jeweils von der deutschen Lauflegende Harald Schmid aufgestellt. Zum Sieg reichte es für Agyekum allerdings nicht. Weltrekordler Karsten Warholm schwebte mit 46,61 Sekunden in ganz anderen Sphären (passend bei einem Hürdenlauf, oder?). Dennoch gelten sowohl Agyekum als auch Farken zu den heißesten Medaillenkandidaten aus Germany für die EM in Birmingham in knapp einem Monat (10. bis 16. August).

Das gilt auch für Malaika Mihambo. Mit der Einschränkung, dass die Weitspringerin auch den Balken trifft. Im 5. Versuch segelte die Olympiasiegerin von 2020 auf 7,05 (Bestleistung für diese Saison). Doch in einem EM-Wettkampf wäre sie gar nicht mehr dabei gewesen, denn ihr gelang das Kunststück und übertrat bei allen vier Versuchen. Statt salto nullo nach 3 Versuchen also Diamond-League-Sieg. Wenn das kein Omen ist.

 

Rekordsprinter droht Dopingsperre

 

Viel Aufregung um Owen Ansah. Der deutsche Rekordsprinter (9,98 Sekunden) hat ernsthaften Ärger mit der Doping-Agentur. Vor 10 Tagen suchten ihn Kontrolleure auf, doch der Sprinter verweigerte die Probe. Aus gutem Grund, wie er glaubte, denn er war auf dem Weg zum Meeting nach Monaco, wo er ganz kurzfristig eingeladen wurde. Er sei spät dran gewesen für sein Flugzeug und gerade auf der Toilette gewesen, begründete Ansah.
Die Strafe für eine verweigerte Probe ohne Grund sind hart: nämlich mindestens 4 Jahre Sperre,  also wie nach einem positiven Befund. Und die Regularien erlauben auch einen Überraschungsbesuch der Kontrolleure (die ja letztlich erst dem Ganzen einen Sinn geben, siehe oben beim Radsport). 2 Fragen drängen sich jetzt auf:

  • Ist ein wartendes Flugzeug für ein Meeting ein dringender Grund (bisherige Rechtsprechung: eher nein). Und: Hätte der Kontrolleur nicht anbieten müssen, zusammen mit Ansah zum Flughafen zu fahren und dort die Probe zu entnehmen?
  • Hat der Kontrolleur auf die Tatsache hingewiesen, dass ein verweigerter Test diese drakonische Folge hat. Im Gegensatz von einem sogenannten Missed Test, wo der Kontrolleur den Athleten trotz Anwesenheits-Pflicht nicht antrifft (davon darf sich jeder drei „leisten“).

Zur Wahrheit gehört außerdem, dass Ansah in den Tagen danach mehrfach kontrolliert wurde. Ob das hilfreich ist? Keine Ahnung, aber viele Dopingmittel sind ziemlich schnell nicht mehr nachweisbar. Also kein unbedingter Freispruch-Grund.

Die Nationale Dopingagentur hat den Fall zwar zur Anklage gebracht, doch bisher gibt es keine Suspendierung seitens des Deutschen Lei htathletik-Verbandes. Ob eine solche noch vor den Meisterschaften am Wochenende in Hannover ausgesprochen wird, bleibt zwar fraglich, aber so leicht wird Ansah diese Causa wohl nicht vom Tisch bringen.

 

Der Golfschlag seines Lebens – ganz schnell ausgeführt

 

Da stand Ryan Fox vorm wichtigsten Putt seines Lebens, und er musste erst mal warten auf seinen Flight-Partner Sam Burns, der noch zu Ende spielen wollte. Minuten des Wartens wurden wahrscheinlich zu Stunden, denn Fox würde mit einem eingelochten Schlag Golf-Geschichte schreiben. Der Putt hatte mit etwa 2 Metern Länge genau die Distanz, die die Profis so fürchten. Unter normalen Umständen meist kein Problem, doch wenn ein Major-Sieg wie am Sonntag dranhängt bei den Open Championships im englischen Royal Birkdale, dann erscheinen die 2 Meter eher wie 20.
Als Fox dann endlich dran war (Burns wurde letztlich Dritter), machte er es ganz schnell. Fix das Loch und den eigenen Ball fixiert, schon wer der Schlag ausgeführt, der wie an der Schnur gezogen im Ziel versank. Fox jubelte ungläubig, sein Caddy sank reichlich entnervt zu Boden, und die Golfwelt hat einen neuen, aber doch recht alten Helden. 39 Jahre ist Fox mittlerweile alt, er ist damit der älteste Premierensieger bei einem Major seit Hendrik Stenson (40) vor zehn Jahren; seine bisherigen Erfolge halten sich in Grenzen (Sieg bei den BMW Championships 2023). Jetzt ist er erst der dritte Neuseeländer, der eines der vier wichtigsten Golfturniere der Welt gewann.

Es war eine unterhaltsame Schlussrunde am Sonntag, die ich erst heute nachgeschaut habe (irgendwie hatte ich im Vorfeld eines nicht ganz unwichtigen Fußballspiels anderes vor). Mit einer grandiosen 64er-Schlussrunde war Cameron Young aus den Tiefen des Mittelfelds an die Spitze gestürmt. Eine gefühlte Ewigkeit verfolgte der Amerikaner im Clubhaus wahrscheinlich mit einigem Amüsement, wie die Konkurrenz unter den immer schwieriger werdenden (Wind)-Bedingungen (sowie den eigenen Nerven) litt und Schlag um Schlag verlor. Wie etwa Bryson DeChambeau, dem das Kunststück gelang, einen Ball trotz tausender Zuschauer und zig Fernsehkameras derart tief in ein mit dichtem Gras bewachsenen Feld zu versenken, dass dieser trotz angestrengter Suche nicht aufzufinden war (da muss man schon drauftreten, sagen die Golfer). Auch Fox hatte zu kämpfen (nach seiner 62er-Glanzrunde vom Vortag), doch er hielt sich immer in Schlagdistanz zum Führenden. Vor der letzten Bahn war er gleichauf mit Young. Ein Par würde ihn ins Stechen bringen (Young übte schon fleißig an der Driving Range), ein Birdie den schnellen Triumph. Also lieber einfach als kompliziert, wenns nur immer so zuginge im Leben.

 

Und sonst?

 

  • Formel 1: Kimi Antonelli im Mercedes wieder auf der Erfolgsspur. Nach ganzen drei Rennen ohne Sieg triumphierte der italienische WM-Führende im belgischen Spa-Franchorchamps vor Charles LeClerc aus Monaco und dem Holländer Max Verstappen. Antonelli führt nun inn der Fahrerwertung mit 45 Punkten Vorsprung auf Ferrari-Pilot Lewis Hamilton und gar 50 auf Teamkollege George Russell, der gleich zum Start nach einer Kollision ausfiel.
  • Tennis: Turniersiege feierten Barbora Kerejikova in Athen, Stefanos Tsitsipas in Gstaad und Alexander Rublew in Bastad.

 

 

Das wird die Woche, die wird

Jenseits der WM: 2 absolute Top-Ereignisse des Sportjahres starten – Wimbledon und die Tour de France

 

Alles Sinner oder was?

 

Was macht Janni Sinner in Wimbledon, das er heute als Titelverteidiger eröffnet. Einen Monat war es still um den Italiener nach seinem hitzebedingten Sensations-Aus bei den French Open. Nicht eines der Vorbereitungsturniere auf Rasen hat er absolviert, nur trainiert, wie gut, weiß nur er selbst. Dennoch führt der Sieg nur über den Titelverteidiger, zumal Carlos Alcáraz wegen seiner Handverletzung immer noch pausieren muss. Derzeit gibt es kaum Meldungen über ein eventuelles Comeback des Spaniers zur amerikanischen Hartplatz-Saison, was immer das heißen mag.
Den typischen Rasenspezialisten (Aufschlag, Volley und der eine oder andere geblockte Return) gibt es schon länger nicht mehr. Sehr stark schätze ich die US-Amerikaner um Taylor Fritz, Ben Shelton und Francis Tiafoe ein. Die US-Männer warten schon ewig auf einen Titel (es war tatsächlich Pete Sampras im Jahr 2000). Obs dann wirklich einer aus diesem Trio (oder gar Tommy Paul?) den Durchmarsch schafft, ist einer der Spannungsmomente des Turniers. Und natürlich das Abschneiden des „ewigen“ Djokers Novak Djokovic auf der Jagd nach dem 24. Grand-Slam-Triumph.
Aus deutscher Sicht natürlich die spannendste Frage, was French-Open-Sieger Alexander Zverev auf dem von ihm nicht so geliebten Rasen veranstaltet, auch weil ihn eine Rasen-Allergie plagt. Schlechter als vergangenes Jahr kann es dem hamburger nicht ergehen, als er in der 1. Runde Arthur Rinderknech unterlag und danach in einer markerschütternden Pressekonferenz einen Seelenstriptease hinlegte, wo er mit sich und der Welt komplett unzufrieden war. In einem pozenziellen Viertelfinale könnte er auf Taylor Fritz treffen sein Angstgegner, gegen den er zuletzt in Halle/Westfalen seine 7. Niederlage hintereinander bezog.

Bei den Frauen steht erst einmal das Comeback von Serena Williams im Blickpunkt. Die US-Amerikanerin erhielt von den Veranstaltern eine Wild Card, der Hype um die 23-fache Grand-Slam-Siegerin (letzter Wimbledontitel: 2016) ist gewaltig (meines Erachtens zu gewaltig), ihre Partie gegen gegen die Australierin Maja Joint findet auf dem Center Court statt, er wird brechend voll sein. Ebenfalls beim Doppel, das sie mit ihrer älteren Schwester Venus bestreitet.

Auch wenn Williams die eine oder andere Einzel-Runde gewinnen sollte (eher bestenfalls eine), das Turnier wird sie nicht gewinnen. Für den Sieg kommen ein knappes Dutzend Spielerinnen in Frage. Anders gesagt: die natürliche Favoritin erkenne ich nicht. Die Vorbereitungsturniere hinterließen einen gemischten Eindruck. Die Top 2, Aryna Sabalenka und Lena Rybakina, bezogen empfindliche Niederlagen. Auch bei den Frauen gibt es chancenreiche Amerikanerinnen, sogar ein Quartett (Coco Gauff, Jessica Pegula, Madison Keys und trotz fehlender Form die letztjährige Finalistin Amanda Anisimova). Die Tschechinnen um Karolina Muchova (Turniersieg in Berlin) und Linda Noskova (Turniersieg in Bad Homburg) sind stark, und natürlich nie zu unterschätzen ist Iga Swiatek, die polnische Titelverteidigerin. Oder eben die Überraschungsfrau, die Wimbledon so gerne hervorbringt.

Die mittlerweile 37-jährige Tatjana Maria zeigte unlängt mit der Finalteilnahme in Eastbourne (vs Keys), dass sie auf Rasen sehr gefährlich sein kann, Ähnliches lässt sich über die deutsche Landsfrau Laura Siegemund sagen.

 

Alles Pogacar oder was?

 

Die Tour de France beginnt am Samstag, wie immer über 3 Wochen mit der Schluss-Etappe am 26. Juli mit einem Rundkurs in Paris. Wieder ein extrem anspruchsvoller Kurs mit gleich 8 Bergetappen und 5 Bergankünften. Gleich zweimal ist Alpe d`Huez das Ziel, bei der vorletzten Etappe allerdings geht es eher harmlos über die Ostseite hoch zum legendären Wintersportort: erst danach steht der Gesamtsieger wirklich fest.
Und wir wissen dann, ob Tadej Pogacar auch wirklich triumphiert. Der Slowene ist der haushohe Favorit auf den Toursieg; es wäre sein fünfter, mit dem er zu den Legenden Merckx, Indurain und Hinault aufschließen würde. Er ist in glänzender Form, wie der übelegene Sieg bei der Generalprobe Tour de Suisse eindrucksvoll bestätigte.

Doch die Konkurrenz wird sich nicht kampflos ergeben. Vor allem nicht Jonas Vingegaard, der überlegen den Giro gewann und dabei sogar Kräfte sparen konnte. Im Zeitfahren ist der Däne mindestens ebenbürtig, allerdings gibt es nur ein eher kurzes Einzelzeitfahren (26km/16.). Die große Frage lautet: kann er im Hochgebirge mithalten, vor allem bei so vielen Etappen.

Der deutsche Rennstall Bora-Red Bull geht mit einer Doppelspitze ins Rennen, angeblich sind Zeitfahrspezialist Remco Evenepoel und  Florian Lipowicz, gleichberechtigt. Der Deutsche erscheint mir in den Bergen stärker als der holländische Kollege. Im vergangenen Jahr wurde er Dritter, und nach eigener Auskunft ist er noch besser in Form. Vor allem ist er ein Jahr erfahrener und hofft somit, dass er gerade am Anfang unnötige Zeitverluste vermeiden kann.

Womit ich beim vierten aussichtsreichen Kandidaten wäre: Paul Seixas, blutjunger (19) Himmelsstürmer aus Frankreich, der endlich für die Gastgeber wieder einen Toursieg schaffen soll (zuletzt Bernard Hinault 1985!). Seixas ist ein begnadetes Radsport-Talent, aber er bestreitet die Tour erstmals (und überhaupt zum ersten Mal eine dreiwöchige Landesrundfahrt). Gerade die Tour ist einzigartig, so aggressiv wird bei keiner anderen Rundfahrt gefahren. Irgendwann, da bin ich mir sicher, wird Seixas triumphieren, aber in diesem Jahr wird er höchstwahrscheinlich noch Lehrgeld zahlen müssen, wobei ich ihm Etappensiege jedezeit zutraue.

Die Tour de France beginnt, wie der Name schon sagt, in Spanien, genauer in Barcelona, wo zunächst ein 19 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren stattfindet. Erst am Montag wird die Grenze zu Frankreich passiert.
Zunächst geht es in die Pyrenäen mit allerdings nur einer wirklich schwierigen Etappe (6.), auf der unter anderem die Legenden Tourmalet (Höchste Kategorie) und Aspin (1. K.) bezwungen werden müssen.
Knackige, hügelige bis bergige Etappen durchs Zentralmassiv bilden den Transfer in die Alpen wo dann die 2 Alpe-d’Huez-Etappen den Abschluss bilden (vor der Ehrenfahrt am Sonntag nach Paris, auf der nicht mehr angegriffen wird). Auf der 19. Etappe die legendären 21 Kehren hoch. Das Schwierigste kommt zum Schluss, nämlich die Königsetappe mit 3 Bergen der höchsten Kategorie, unter anderem der Galibier, mit 2645 Metern das Dach der Tour.

 

Und sonst?

 

  • Leichtathletik: Diamond-League-Meeting am Freitag (nicht DL-Disziplinen) und Samstag in Eugene/Oregon. Trotz des ewig weiten Flugs an die Westküste haben zahlreiche Stars gemeldet.
  • Formel 1: Grand Prix von Großbritannien in Silvestone. Es gibt den Sprint am Samstag und das hauptrennen am Sonntag (und die Qualifikationen). Die Mercedesse um den WM-Führenden Kimi Antonelli und Spielberg-Sieger George Russell sind weitger das Maß aller Dinge. Allerdings haben die Red Bulls (Max Verstappen) und auch die Mclarens aufgeholt. Eigentlich auch Ferrari, aber da funkt immer wieder eine falsche Taktik dazwischen.
  • Motorsport: Erwähnen möchte ich die DTM am Norisring. Spektakulärer Stadtkurs in Nürnberg.

 

Wer also braucht da irgendwelche Fußballspiele in Nordamerika?

DAs wird die Woche, die wird

Kampf um Europas Krone

 

Titelverteidiger Paris St. Germain oder FC Arsenal – das ist in Budapest die Frage im Endspiel der Fußball-Champions-League. Während die Franzosen duch herrlichen Kombinationsfußball begeisterten und in einem flulminanten Halbfinale den FC Bayern eliminierten, mögen es die Londoner eher pragmatisch. Eine gesichete Abwehr, und vorne helfen oft Standardsituationen.
Beide Teams haben ihre nationalen Meisterschaften gewonnen. Während das bei PSG Gewohnheit ist, war es für Arsenla das erste Mal seit 2004, als sie als die sogenannten Invincibles ungeschlagen die Premier League beendeten. Die Laune könnte vortrefflicher nicht sein, einem Fußballfest in der ungarischen Hauptstadt steht also nichts entgegen.
Ungewöhnlich ist allerdings die Anstoßzeit, denn die Partie beginnt schon um 18 Uhr und wird damit vollständig bei Tageslicht stattfinden – das hat es schon sehr, sehr lange nichtmehr gegeben.
Besonderes Augenmerk für Kvisha Kvaratshkelia: Der außergewöhnliche Georgier wird bei der WM nicht dabei sein, ein Jammer und das Los von Top-Fußballern aus kleineren Ländern

 

Crystal Palace als Londoner Vorspiel

 

Die Conference League ist der drittwichtigste europöische Wettbewerb. Und doch könnte das heutige Finale in Leipzig zwischen Crystal Palace und Rayo Vallecano ein Leckerbissen werden. Ohne die ganz großen Topstars treffen eher kleine Teams aus London und Madrid aufeinander, die aber durchaus gepflegt Fußball spielen können.
Palace ist zu favorisieren im letzten Spiel unter ihrem Trainer Oliver Glasner. Die Österreicher ist Cup-Spezialist, holte mit Eintracht Frankfurt die Europa League. Die Londoner waren eigentlich für die Europa League qualfiziert, doc h ihr Eigner war schon mit Olympique Lyon vertreten, deshalb mussten sie in die Conference League ausweichen. Die Saison in der Premier League verlief nach verheißungsvollen Beginn eher holprig, den Abgang mehrerer Stars war nicht zu kompensieren.

 

Entscheidung auf dem Eis

 

Die Eishockey-WM in der Schweiz geht in die entscheidende Phase. Allerdings finden die Viertelfinali ohne deutsche Beteiligung statt, die in ihrer Vorrundengruppe nur den fünften Platz belegten. Gastgeber Schweiz hinterließ bisher einen glä zenden Eindruck, gewann erstmals  alle sieben Vorrundenpartien.
Seit Jahren ein echtes Ärgernis: Jeweils zwei Viertelfinal-Partien finden am Donnerstag parallel statt in Fribourg und Zürich, die Halbfinali dann am Samstag in Zürich wie auch das Endspiel am Sonntag. Drei Top-Partien innerhalb von vier Tagen – ein Zeitplan des Irrsinns. Es gewinnt das nicht das beste Team, sondern das die Anstrengungen am besten verkraftet hat. Warum das Turnier nicht um ein oder zwei Tage verlängert wird, wissen die Götter.

Viertelfinale

Do., 16:20: Finnland – Tschechien (Zürich)
Do., 16:20: Kanada – USA (Fribourg)
Do., 20:20: Schweiz – Schweden (Zürich)
Do., 20:20: Lettland – Norwegen (Fribourg)

In Nordamerika interessiert die WM traditionell nur wenige. Im Blickpüunkt stehen die Play-offs der NHL. Dort haben etwass überraschend die Vegas Golden Knights das Stanley-cup-Finale erreicht. Gegner werden die Carolina Panthers oder die Montreal Canadiens sein. Zurzeit steht es in der Best-of-7-Serie 2:1 für Carolina.

 

Erste Woche der French Open

 

Ab Mittwoch die 2. Runde. Zum Auftakt hat es schon einige prominente Ausfälle gegeben. Arthur Fils, wohl die größte französische Hoffnung, musste wegen einer Verletzung passen. Ausgeschieden sind schon unter anderem Daniil Medwedew und Alexander Bublik (gegen Jan-Lennard Struff). Dessen deutscher Landsmann Daniel Altmaier zwang den weit höher eingeschätzten Felix Auger-Alliasime in den Tiebreak des 5. Satzes, wo er sich allerdings mit 7:10 geschlagen geben musste.
Die große Frage bei den Männern: Wer schlägt Jannik Sinner? Der Italiener ist haushoher Favorit nach der Absage von Carlos Alcaraz, zum erweiterten Favoritenkreis zähle ich Alexander Zverev. Der Hamburger darf in den ersten Runden nicht zu viele Kräfte verpulvern.
Offen dagegen ist das Feld bei den Frauen, wo es mehr als eine Handvoll echter Sieg-Kandidatinnen gibt.

Die derzeit große Hitze in Paris könnte durchaus eine Rolle spielen. Vielleicht ist tatsächlich das Wetter das einzige, was Sinner stoppen kann

 

Und sonst?

 

  • WM-Test: Die deutsche Nationalmannschaft empfängt am Sonntag Finnland. Die Nordeuropäer sind im Fußball nur zweitklassig, dürften kein ernsthafter Gegner sein. Das Spiel beginnt um 20:45, parallel zum WM-Endspiel im Eishockey, dem Nationalsport Finnlands. Wer zum Teufel macht solche Terminierungen?
  • Basketball: Am Mittwoch zwei fünfte Spiele er ersten Ko-Runde der BBL. Ab 18:30 empfängt Alba Berlin Rsgta Vechta, es folgt die Partie zwischen Bonn und Würzburg. Bereits im Halbfinale (ab Sonntag) stehen der FC Bayer und die Bamberg Baskets, die noch auf ihre Gegner warten.
  • Radsport: Entscheidung im Giro d’Italia. Jonas Vingegaard dürfte der Sieg nicht mehr zu nehmen sein. Der Däne gewann alle vier Bergetappen (jewis vor dem Österreicher Felix Gall) und führt das Gesamtklassemnt mit mehr als 4 Minuten Vorsprung auf Gall an. Zwar stehen vor allem am Freitag und Samstag noch extrem schwierige Etappen an, aber Vingegaard scheint unantastbar und könnte sogar Kräfte für die Tour de France im Juli sammeln.

Das wird die Woche, die wird

Willkommen zurück nach einer gar nicht so heißen Griechenland-Woche. Pokal-Halbfinale, Tennis-Masters in Madrid und Lüttich-Bastogne Lüttich. Dazu im US-Sport der Beginn der heipen Phase mit den Play-offs in NBA und NHL.

 

Bayerns nächster Schritt zum Double

 

Die Meisterschaft für die Münchner steht vier Spieltage vor Schluss auch rechnerisch schon fest, jetzt können sie einen großen Schritt in Richtung nationales Double machen. In Leverkusen müssen die Bayern am Mittwochabend (20:45/ZDF) im Pokal-Halbfinale allerdings eine hohe Hürde überwinden. Die Bundesliga-Partie vor gut einem Monat ließ die Emottionen hochkommen, samt der absrurden und widerwätigen Schiedsrichterkritik des „Ehren“-Präsidenten Uli Hoeneß. Die Gemüter haben sich wieder beruhigt, jetzt steht einem fußballerischen Leckerbissen nichts mehr entgegen.
Leverkusen allerdings hat sportlich schwierige Wochen hinter sich. Das erklärte Saisonziel champions League scheint derzeit als Sechster unerreichbar, sogar wenn die Bundesliga durch gutes Europapokal-Abschneiden einen fünften Platz zugesprochen bekäme. Der Pokalsieg wäre da ein schon fast notwendiges Trostpflaster. Bei den Münchnern dagegen steht natürlich der Triumph in der Champions League ganz oben auf der Prioritätenliste, andererseits wären sie schon sehr froh über eine Endspielteilhnahme nach sehr langen sechs Jahren.

Dsa zweite Halbfinale bestreiten der VfB Stuttgart und der SC Freiburg. Gespielt wird am Donnerstag (20:45/ARD), weil durch die internationalen Begegnungen 3 der 4 Halbfinalisten am Sonntag spielen mussten und deshalb der „normale“ Termin Dienstag nicht möglich war. Die Stuttgarter sind Titelverteidiger, Freiburg stand zuletzt 2024 im Finale, unterlag dort aber RB Leipzig. Beide Teams haben zudem noch höhere Ziele. Die Stuttgarter kämpfen als derzeit der Liga um einen Champions-League-Platz, der SC Freiburg steht im Halbfinale der Europa League, wo es gegen Sporting Braga geht.

 

Gemeinsames Masters auf Sand

 

Und das erste ganz große Turnier der Frauen auf diesem Belag in diesem Jahr. Die Top-Favoritinnen sind trotzdem die üblichen Verdächtigen. Lena Rybakina kommt als frische Turniersiegerin von Stuttgart (mit einem Großteil der Weltelite), Aryna Sabalenka machte nach dem erfolgreichen Sunshine-Doppel (Indian Wells und Miami) eine kurze schöpferische Pause. Dahinter lauert zum einen die US-amerikanische Garde um Coco Gauff und Jessica Pegula), und auf San muss man auch immer Iga Swiatek auf der Liste haben.

Bei den Männern ist Jannik Sinner der klare Turnier-Favorit. Der vermeintlich härteste Konkurrent Carlos Alcáraz musste für sein Heimturnier schweren Herzens passen. Eine doch recht hartnäckige Handverletzung macht dem Spanier das Leben schwer. Schon gibt es die Befürchtung, dass es auch für das Masters in Rom (in 2 Wochen) und sogar für die French Open knapp werden könnte.
Trotzdem wird Sinne kämpfen müssen für seinen fünften Masters-Titel in Folge. Alexander Zverev rückte in der Setzliste an Rang 2 vor, Ben Shelton (München) und Arthur Fils (Barcelona) haben mit Turniersiegen Selbstvertrauen bekommen. Sehr gespannt bin ich auf den Auftritt des jungen spanischen Himmelstürmers Mir Jodar und den Brasilianer Joan Fonseca.

 

Abschluss der Klassiker-Saison

 

Lüttich-Bastogne-Lüttich – die  Ardennenfahrt über 260 Kilometer. Das nächste und vorerst letzte Aufeinandertreffen der Klassik-Spezialisten Tadej Pogacar, Matthew van de Poel und Wout van Aertm bevor die Etappenrennen in den Vordergrund rücken. Wobei hier Pogacar (Sieger bei den Monumenten Mailand-San Remo, Flandern-Rundfahrt) erneut (klarer) Favorit ist. Der hügelige Kurs mit giftigen Anstiegen scheint ihm geradezu auf den Leib geschneidert.
Van der Poel fehlt in diesem Jahr noch der große Erfolg auf der Straße, van Aert triumphierte bei der Staraßenschlacht Paris-Roubaix und vermasselte Pogacar den heiß ersehnten Sieg in der Hölle des Nordens.

Quais als Vorgeschmack am Mittwoch der „Halbklassiker“ Fleche Wallone: Immerhin mit Größen wie Remco Evenepoel (am Sonntag Sieger des Amstel Gold Race)), Tom Pidcock (knapp gechlagen bei Mailand-San Remo) und der ganz großen französischen Hoffnung Paul Seixas, der allerdings ehr für die längeren Etappenrennen aufgebaut werden soll.

 

Und sonst

 

  • Bundesliga:  Im Brenpunkt der Abstiegskampf. Dort hat der VfL Wolfsburg wieder Hoffnung geschöpft nach dem 2:1 beim 1. FC Union. Mit einem Sieg gegen Samstag gegen Gladbach (15:30) wären die Niedersachsen wieder voll im Gechäft und würden sie Fohlen selbst in die bedrohliche Zone ziehen.
  • 3. Liga: Dreikampf um die Aufstiegsplätze 2 und 3 (hinter Osnabrück) zwischen RW Essen, Energie Cottbus und MSV Duisburg. Duisburg (63 Punkte) kann am Freitag vorlegen, hat aber bei Alemannia Aachen eine schwierige Aufgabe), Essen (64/gegen Saarbrücken) und Cottbus (63/bei Viktoria Köln) legen am Sonntag nach.
  • England: Plätzlich wieder Höchstspannung im Titelkampf. Manchester City kann mit einem Sieg im Nacholspiel in Burnley mit dem FC Arsenal punktemäßig gleichziehen. Am Wochende spielen die Londoner gegen Newcastle (Sa., 18:30).
    Die Terminirren in England fanden es eine gute Idee, dass gleichzeitig ebenfalls in London das erste Halbfinale im FA-Cup stattfindet. Dort trifft City auf den FC Southampton. Der Finalgegner wird ebenfalls in Wembley tags darauf zwischen dem FC Chelsea und Leeds United ermittelt.
  • Snooker: WM in Sheffield, 1. und 2. Runde. Unfassbar viele Chinesen sind mittlerweile im Feld, aber auch die alten haudegen Ronnie O´Sulvan, Jonn Higgins und Judd Trump. Immer hübsch rein zuschauen, wenn nichts Besseres zu tun ist.
  • Basketball: Nach ewig langer Vorrunde (38 Spieltage) startet die K.-o.-Runde der Euroleague. Heute mit den Play-Ins Panathinaikos gegen Monaco (Siebter vs Achter) und Barca vs RS Belgrad (Nuenter vs Zehnter).
  • Eishockey: Die beiden DEL-Finalteilnehmer stehen fest. Ab Freitag kämpfen die Adler Mannheim und die Eisbären Berlin in einer Best-of-7-Serie um den Titel.