Sam-Reinhard-Show beerdigt Draisaitls Titel-Traum

Blick über den Teich, NHL

 

FLORDIA PANTHERS – Edmonton Oilers 5:1 (4:2)

 

Das Ende der NHL-Saison war dann eine viel klarere Angelegenheit, als die meisten Fans erwartet und auch erhofft hatten. Kaum eine Chance hatten die Oilers in Spiel 6 bei den Panthers, die mit einer konzentrierten und weitgehend fehlerlosen Leistung die Titelverteidigung perfekt machten und die riesige Stanley-Cup-Trophäe in der heimischen Halle in die Höhe recken durften. Kaum ein gezieltes Aufbäumen gab es, fast hilflose Schüsse stellten Sergej Bobrowski nur selten vor größere Probleme.
Wie so oft stellte eine Panthers-Einzelleistung (eher: ein Defensiv-Aussetzer der Oilers) die Weichen auf Sieg. Sam Reinhard fing einen schlampigen Pass ab, umnkurvte einen Verteidger wie eine Litfaßsäule und bezwang Scottie Skinner, der diesmal wieder den Oilers-Kasten bewachte, mit einem präzisen Schuss.

 

Die Stars

Es sollte der Sam-Reinhart-Abend werden. Nachdem Matthew Tkachuk noch im 1. Drittel auf 2:0 erhöhte, erzielte er weitere 3 Treffer, 2 davon ins leere Tor, weil Oilers-Coach Kris Knoblauch in seiner Verzweiflung schon 7 Minuten vor Schluss Goalie Skinner durch einen 6. Mann ersetzte. 4 Tore in einem entscheidenden Stanley-Cup-Final-Spiel, das hat es zuvor erst einmal gegeben. Dreimal assistierte ihm Carter Verhaeghe, zweimal Kapitän Alexander Barkov.
Sam Bennett blieb in Spie,l 6 zwar ohne Punkt, wurde aber zum wichtigsten Spieler der gesamten Play-offs gewählt. 15 Treffer erzielte er in den 4 Runden (Höchstwert), davon allein 5 in der Finalserie. Dazu gab er 7 Assists.

Dagegen brachte Connor McDavid seine brillanten Fähigkeiten zu selten aufs Eis (wie bei seinem einzigen Final-Treffer in Spiel 4). Das harte Forechecking setzte ihm gehörig zu, am Dienstag kam er kaum zur Geltung.
Insgesamt schafften McDavid und der kongeniale deutsche Stürmer je 33 Play-off-Punkte und führen diese Wertung klar an.

 

🇩🇪 👓

Leon Draisaitl hatte einen eher unproduktiven Abend. Gewohnt kämpferisch, stark bei den Bullys (60 Prozent), aber nur zwei recht harmose Schüsse produzierte er in 22:26 Minuten.
Nico Sturm kam zwar in der Finalserie nicht zum Einsatz, durfte aber trotzdem die Trophäe in die Höhe heben und holte sich zum zweiten Mal nach 2022 den Titel. Erst kurz vor Transferschluss war er von den San Joe Sharks nach Florida gewechselt. Immerhin 8 Play-off-Spiele absolvierte der 30-Jährige in den Play-offs.

 

Meine 🇫🇮

Erneut darf das Quartett Alexander Barkov, Eero Luotarinen, Anton Lundell und Niko Mikkola über den Titel jubeln (und die Trophäe im Sommer in der Heimat präsentieren). Kapitän Barkov steuerte in Spiel 6 ebenso 2 Assists bei wie  Luostarinen. Lundell gab eine Vorlage zum 2:0.

 

Die Goalies

Sergej Bobrwoski hatte am Ende 28 Saves (von 29 Schüssen), die meisten davon waren aber fast Routine-Arbeit. Seinen Shutout versaute sich der 36-jährige Russe, als er 4:42 Minuten einen harmlosen Schuss nach vorne abwehrte und Wasily Podkolzin den Puck zum 1:5 über die Linie stocherte.
Scottie Skinner hatte keinen glücklichen Abend. Zumindest den 3. Gegentreffer muss er sich klar ankreiden lassen. Insgesamt strahlt er schlicht nicht die Ruhe aus wie sein Gegenüber. Die dauernden und nicht immer nachvollziehbaren Torwartwechsel mit Calvin Pickard machen dabei die Sache nicht besser.

 

 

Zusammenfassung

Wie erwartet waren die Panthers das breiter aufgestellte Team und hatte zudem den besseren Torwart. Nicht zu vergessen: Sie sind extrem abgezockt und wissen genau, wie Play-offs gehen. Zum 3. Mal qualifizieten sie sich im starken Osten fürs Finale und geannen zuletzt 11 von 12 Play-off-Serien. Nickliges Hockey (Brad Marchand!) ist dabei eingepreist.
Die Oilers spielen sicher das attraktivere Eishockey, aber nachdem sie sich im Westen nach den beiden Anfangsniederlagen in LA souverän durchgesetzt hatten, vor allem auch dank der überragenden Einzelkönner McDavid und Draisaitl, fanden si mit den Panthers im wahrsten Wortsinn ihren Meister.

 

Ausblick der Sieger

Zumindest die Zukunft von Marchand (37) und Goalie Bobrowski (36) ist ungewiss, also ob sie auf diesem Niveau noch ein Jahr spielen können. Den russischen Torwart fand ich letztes Jahr noch besser. Viele Leistungsträger (Bennett, Reinhard, Barkov) sind um die 30 Jahre alt, haben also noch ein, zwei starke Spielzeiten in petto. Allerdings laufeen die Verträge unter anderem von Bennett, Marchand und Verteidiger-Ass Aaron Ekblad aus. Im Zweifel wird weiter auf Team-Hockey gesetzt ohne den alles überragenden Topstar, dafür mit ausgeglichenen (Sturm)Linien.

 

Und die Verlierer

Die Oilers haben wenig falsch gemacht, es gibt keinen Grund für einen Komplett-Wechsel. Offen bleibt die Torwartfrage, wobei Skinner einen Leistungssprung gemacht hat und mit 26 Jahren sicher seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat.
Die alles beherrschende Frage: Wie geht es mit dem besten Eishockey-Spieler der Welt weiter. Der Vertrag von Connor McDavid endet 2026, die Oilers werden tief in die Tasche greifen müssen, um den Superstürmer zu halten. Grundsätzlich ist der Kanadier bereit, in Edmonton zu bleiben, aber sicher auch nur, wenn er seriöse Titelchancen sieht. Wenn könnte das allerdings noch eher sein als ein zweimaliger Stanley-Cup-Finalist?

 

Er kam, traf und siegte

Blick über den Teich, NBA

Klarer Heimsieg: Spiel 1 der Finalserie zwischen den Boston Celtics und den Dallas Mavericks war letztlich eine reichlich unspannende Angelegenheit. Doch es gibt Hoffnung

Boston Celtics – Dallas Mavericks 107:89 (1:0)

Es gab einen ganz kurzen Moment, als ich glaubte, das Spiel könne doch noch spannend werden. Das war im 3. Viertel, als die Mavs in kürzester Zeit einen Rückstandvon  24 Punkten auf 8 reduzierten. Sollten cie Celtics die Nerven verlieren, weil sie sogar schon mit 29 Zählern im 2. Viertel geführt hatten? Die Antwort war für alle Dallas-Fnas ernüchternd. Ein 14:0-Lauf der Celtics beseitigte etwaige Zweifel am Sieg bemerkenswert eindrucksvoll.

Mann des Tages
Die Ausgeglichenheit der Celtics: Es gab nicht den überragenden Akteur, sondern sowohl in Offense als auch Defense veteilte sich die Last auf mehrere Schultern. 6 Spieler punkteten zweistellg, gar sieben hatten mindestens 2 erfolgreiche Dreier. Zum Vergleich die Mavs: Nur 4 Spieler zweistellig und nur Luka Doncic hatte mit 4 (von 12 Versuchen) 2+ Dreier. In der Verteidigung kümmerten sich vor allem Jaylen Brown und Jrue Holiday um Doncic. Auszuschalten ist der Slowene zwar nicht, aber es gelang hervorragend, die Passwege zuzustellen, vor allem die zu den langen Spielern unter dem Korb.

Stark trotz der Niederlage
Luka Doncic: Trotz de intensiven Bewachung legte er 30 Punkte auf und verbuchte 10 Rebounds, allerdings nur einen Assist. Da kann ich mich nicht erinnern, wann es das zum letzten Mal gegeben hat. Stark bei den Zweiern (8 von 14).

x-Faktor
Kristaps Porzingis: Was für ein Comeback nach mehr als einem Monat Verletzungspause. Er war der mitentscheidene Mann, das sich die Celtics ab Mitte des ersten Viertels mit einem 23:5-Run absetzten. 11 Punkte erzielte er im 1. Viertel (5 von 7), legte 7 im 2. Viertel nach. Nach einem erfolgreichen Dreier strahlte er über das ganze Gesicht, wohlgemerkt im 2. Viertel, als noch nicht entschieden war. Erleichterung und echte Freude am Spiel. Und auch in der Defensive war er enorm stark und hob das Niveau der Celtics enorm, nix für ungut, Al Horford. Im 2. Durchgang kühlte er zumindest in der Defensive ab, doch letztlich tolle Stats für ihn: 20 Punkte (8 von 13), 6 Rebounds und 3 Blocks.

🇩🇪 Deutsche Brille 👓
Maxi Kleber durfte für die Mavs 18:40 Minuten ran. Er nahm einen Wurf (und traf) und verbuchte einen Assist. Da muss mehr kommen

Und sonst
– pfiffen die Celtics-Fans ihren Ex-Spieler Kyrie Irving (2 Jahre in Boston) leidenschaftlich aus bei jedem Ballkontakt. Offenbar ging das nicht spurlos am Dallas-Guard vorbei. Keinen einzigen Dreierversuch von fünf traf er und insgesamt nur 6 von 19 Würfen zu nur 12 Punkten.
– furchtbare Dreierquote der Mavs: 7 von 25
– blasse Mavs-Center: Daniel Gafford brachte es auf 8 Punkte Dereck Lively nur auf 2. Und das bei einer Wurfquote von 100 Prozent. Gafford 3/3, Lively 1/1. Es fehlten also die geeigneten Anspiele.
– schwache Freiwurfquoten hier wie dort: 12/19 Mavs, 13/19 Celtics – dafür würde man jedes Oberliga-Team schelten. Negativ stach hier Jaylen Brown 6/11 heraus.

Ausblick
Die Celtics haben mit ihrer fantastischen ersten Halbzeit und vor allem dem ersten Viertel (27 Punkte – Franchise-Rekord) eindrucksvoll gezeigt, dass sie mehr als bereit für die Finalserie sind. Mit Porzingis von der Bank haben sie eine vermeintliche Schwäche quais ausgelöscht, zumal auch Sam Hauser durchaus beeindruckte (2/2 Dreier). Doch es wäre ein Riesenfehler, die Mavs abzuschreiben. Sie haben viel Moral gezeigt bei einem vermeintlich aussichtslosen Rückstand. Und immer werden sie nicht so furchtbar danebenwerfen. Allerdings müssen sie schauen, dass sie ihre Center besser ins Spiel einbeziehen. Insgesamt nur 7 Assists sind schlicht zu wenig.

Ansetzung
Mo., 02:00: Boston Celtics – Dallas Mavericks (1:0)