Die bewusste Unsportlichkeit von Paraguay ist ekelerregend

Wo soll ich nur anfangen bei all den widerlichen Aktionen der Paraguayos im WM-Achtelfinale gegen Frankreich. Der Schlag gegen Kylan Mbappé weit jenseits des Balles. Das Ellenbogenrempler in den Magen von Upamecano. Der absurde Versuch von gleich zwei Paraguay-Spielern, den Elfmeterpunkt zu zerstören, damit Mbappé einen völlig berechtigten Strafstoß verschießen möge (was er nicht tat). Die fortwährenden Provokationen, Meckereien, Streitereien, angezettelte Raufereien? Die allein den Sinn hatten, dass einem oder mehreren Franzosen im Glutofen von Philadelphia (40 Grad) die Nerven verliert und zurückschlägt und Rot bekommt.

Nein, es würde den Rahmen sprengen, all die Sauereien der Paraguayos zu benennen. Aber diese Untaten hätten sich nicht so dramatisch angehäuft, wäre ein Unparteiischen-Team auf dem Platz gestanden. Offiziell lief da zwar ein Mann im Schiedsrichter-Gewand herum, doch Ilgiz Tantashev hatte offenbar genau ein Ziel: irgendwie die bisher so großartigen Franzosen aus dem Turnier zu befördern. Der Usbeke tat wirklich alles dafür, außer den Ball selbst ins Tor zu schießen und die alte Luftregel wieder anzuwenden*. Er ignorierte die übelsten Schläge, „übersah“ klarste Fouls. Sogar den Tritt im Strafraum an Desire Doué, obwohl es einen Meter vor seiner Nase stattfand. Das reichte sogar dem ansonsten vor sich hin dämmernden VAR aus Katar, und es gab tatsächlich Elfmeter, den Mbappé trotz zerstörten (naja, das gelang nicht) Elferpunkt sicher verwandelte. Womit wirklich „die Guten“ weiterkamen, denn dieses Tor stellte schon den Endstand her. Noch nie hat ein Außenseiter so viel Widerwillen erzeugt – nicht nur bei mir, man sehe sich die weltweiten Reaktionen an.

Wer allein die Statistik anschaut, wird sich wundern und relativieren, dass alles nicht so schlimm gewesen sei. 0 Gelbe Karten für Paraguay, dafür 3 für Franzosen. Eine davon sah der Münchner Michael Olise. Sein Vergehen: Er stand daneben, als Matias Galarza – der absolut unsportlichste der erbärmlich-unsportlichen Paraguayos – zu Boden sank. Ach ja: eine Gelbe Karte gabs dann doch, für Paraguay: Der Assistenstrainer hatte nach dem Spiel den Schiedsrichter angemeckert – weil dieser den Ball nicht ins Franzosen-Tor geschossen hatte? 0 Gelbe Karten für die Paraguyer??? – nie wurde ein Spielverlauf so verhöhnt

Es war ein regelrechtes Wunder, dass die Franzosen angesichts der Dauer-Benachteiligung plus der sengenden Hitze nicht die Nerven verloren (Schweden-Legende Zlatan Ibrahimovic: „Ich hätte fünfmal Rot gesehen“). Wahrscheinlich ist so ein Sieg auch über sich selbst viel mehr wert als ein Zaubertriumph gegen überforderte Schweden. Mbappe brachte es auf den Punkt. „Sie dachten, dass wir kommen würden, um im Smoking zu spielen, dass wir nur kommen würden, um schöne Aktionen und Eins-Zwei zu machen. Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt.“

Was bleibt, ist ein zerstörtes Fußballspiel. Für mich die große Frage, warum die Paraguayer dermaßen übertrieben haben. Sie sind ja überragende Verteidiger (wie wir Deutschen bestätigen können). Das zeigten sie in vielen Szenen, in den fair geführten zweikämpfen (die gabs tatsächlich auch) gegen Mbappé und Co. Abwehrspieler wie Caceres, auch Galarza sind herausragend. Gerne auch mit Haken und Ösen, gerne leicht übers erlaubte Maß hinaus (mit einem Schiri, der schon Einhalt fordert), gerne Trashtalk. Geschenkt. Das gehört zum Fußball wie eine Torwartparade. Eine Begründung, warum sie sich so entsetzlich verhalten haben, blieben die Südamerikaner schuldig. Tenor: wir sollen uns alle nicht so anstellen, das sei doch „normal“ gewesen. Vielleicht sollten wir alle mehr Paraguay-Liga gucken, damit wir nicht so entsetzt sind.

Während Paraguay Gott sei Dank nach Hause fliegt (und sich dort ausgiebig für den Deutschland-Sieg feiern lässt), geht das Turnier für Frankrecih weiter. Am Donnerstag wartet Marokko. Es ist die Wiederholung des Halbfinals von Katar 2022, in dem die Franzosen 2:0 gewannen. Die Afrikaner setzten sich nach durchwachsener ersten Halbzeit am Ende doch sicher mit 3:0 gegen Kanada durch. Es gehört zu den Absurdidäten dieses Turniers, dass der Co-Gastgeber Kanada weit weg von der Grenze in Houston/Texas antreten musste – Spielplan ist Spielplan.

 

*Regelkunde: Bis vor ein paar Jahren galt der Schiedsrichter als Luft. Wenn er angeschossen wurde, ging es weiter, als sei nichts passiert. Es gibt Tore, bei denen der Schiri als Letzter am Ball war. Diese Regel gibt es aber seit der Saison 2019/2020 nicht mehr, jetzt gibt es Schiedsrichterball.

Alle fragen sich: Wer will Frankreich schlagen?

Die nicht enden wollende Zwischenrunde ist überraschenderweise doch noch zu einem Ende gekommen. 16 Partien haben wir sehen dürfen, zum Teil eher müssen; bestenfalls eine Handvoll wird dem neutralen Betrachter in Erinnerung bleiben. Ansonsten hatte das Ganze sehr viel von einer 1. Pokalrunde, wenn ein mehr oder weniger engagierter und spielerisch limitierter Außenseiter den klaren Favoriten fordert. Vor allem mit einer extremen Defensive, und vorne möge der liebe Gott helfen.
Außerdem gab es dann Duelle, die übelst an einen mittelmäßigen Zweitliga-Kick erinnerten: einer musste halt gewinnen, und so zogen Kanada (vs Südafrika) und Ägypten (Australien) ins Achtelfinale.

Manchmal hatte das sogar Erfolg wie bei den unglaublich schwachen paraguayos, die mit ihrer Maurertaktik und dem erratischen Elfmeterschießen den hohen Favoriten Deutschland rauskickten. Meist aber blieb es beim Vorhaben, wie chancenlose Österreicher (vs Spanien), Algerier (Schweiz) und Bosnier (USA) ernüchtert feststellen mussten. Ein Sonderfall: die völlig überforderten Schweden, die dem Angriffswirbel der Franzosen schlicht nichts entgegenzusetzen hatten

Bleiben einige erinnerungswürdige Partien. Das sportlich hochwertigste war meiner Meinung nach das Duell Portugal vs Kroatien. Zwei Teams, die offensichtlich gewinnen wollten, die auch offensiv etwas zu bieten hatten und trotzdem die Verteidigung nicht vernachlässigten. Zu so einem Spiel gehört ein grausames Ende zwingend dazu, und hätte es katastrophaler (ja, wir reden vom Sport, ich weiß) ausgehen können für Kroatien. Es steht 1:2 aus ihrer Sicht, eine letzte Flanke fliegt in den Strafraum, wird verlängert und der aufgerückte Weltklasse-Verteidiger Guardiol schießt den Ball ins Tor! Verlängerung und 30 Minuten weiter hoffen? Nein, denn der Schütze stand im Abseits. Nicht beim Schuss selbst, aber bei einer Kopfball-Verlängerung, als die Ballberührung mit bloßen Auge nicht wahrnehmbar war. Der Chip im Ball hatte eine geringstfügige Berührung festgestellt, wollen wir dem Ausschlag glauben.

Herzzerreißend auch Argentinien gegen die Kap Verden. Hier der Titelverteidiger und die gestandene Fußball-Nation aus Südamerika mit Lionel Messi, dem vielleicht besten Spieler aller Zeiten im xten Frühling und torhungrig wie nie zuvor bei eien WM. Dort die von den Einwohnern her kleinste Nation, die je an einer Endrunde teilgenommen hatte, wer könnte auf dem Globus genau benennen, wo diese Inselgruppe genau liegt? Die Führung von Messi in der 1. Halbzeit nach sensationeller Ballannahme und perfektem Abschluss, der Ausgleich in Durchgang 2. Biedere Argentinier; sie wirken müde, es ist ja fast das gleiche Team wie 2022 (offenbar herrscht im Land gerade Extrem-Mangel an Talenten). Trotzdem Chancen, die vernichtet der wieder großartige Torwart Vozinha. So einen 40-jährigben Keeper lasse ich mir gerne gefallen!
In der Verlängerung: eine hübsche Ecke von Messi (ansonsten mittlerweile fast abgemeldet und brotlos in seinen Dribblings) – Führung Argentinien. Ein Traumtor von Cabral Lopez, wer hat vom Trabzonspor-Profi noch nicht gehört?, wieder Ausgleich!. Noch eine hübsche Ecke von Messi, abermals die Führung. Die Kap Verden werfen alles nach vorn, Argentinien schwimmt, schindet zeit, wo es geht, und  ihr großartige Torwart Emiliano Martinez (nicht 40, sondern erst 33) rettet mit zwei Super-Paraden den 3:2-Erfolg. Ich behaupte mal: Außerhalb von Argentinien hat die gesamte Fußballwelt ein Tränchen der Trauer verdrückt, dass diese heroischen Nobodies jetzt draußen sind. Sie waren tatsächlich eine echte Bereicherung für diese Weltmeisterschaft.

 

Ach ja, Frankreich!

 

Welcher Fußballfreund war nicht hellauf begeistert von diesem Auftritt. Das 3:0 gegen Schweden spielgelt die Übelegenheit ha ja nicht ansatzweise wider. Was das Offensiv-Quartett Mbappé, Osise, Dembélé und Barcola (anstelle von Doué) auf den Rasen zauberte, hat man lage nicht gesehen. Spielfreude, Technik, Tempo. Vielleicht wird der eine oder andere deutsche Fan nachträglich ganz froh sein, dass die paraguayos sich jetzt (heute, 23 Uhr) mit diesem übermächtigen Gegner herumschlagen dürfen und vielleicht nicht mit einem 0:3 herauskommen.
Können wir uns also den Rest des Turniers ersparen und den Franzosen gleich die Trophäe überreichen? Gemach, gemach! Zum einen sind die Ball-Zauberer Menschen, die vielleicht mal einen schlechten Tag haben, sich unwohl fühlen, gar verletz snd. Vor allem aber wirkt die Abwehr nicht hundertprozentig sattelfest, sogar die eher biederen Schweden hatten die eine oder andere Möglichkeit.
Trotz dieser kleinen Zweifel würde ich mich jetzt, also vor Beginn des Achtelfinals, festlegen: Frankreich wird Weltmeister. Nona, auf ins Wettbüro?

 

Gerupfte Afrikaner

 

9 Teams hatten die Zwischenrunde erreicht, und alle betonten, wie sehr der Kontinent fußballerisch aufgeholt habe. Ich wollte in diese Euphorie nicht einfallen, und der Realitäts-Check der Zwischenrunde fällt dann doch  ernüchternd aus. Einzig Marokko und Ägypten schafften den Sprung ins Achtelfinale, sinnigerweise setzten sich beide Teams erst im Elfmeterschießen durch gegen Holland und Australien. Die übrigen 7 scheiterten teils knapp (wie gesagt: Kap Verden, aber auch die Elfenbeinküste, Senegal und DR Kongo hätten mit etwas mehr Spielglück und oder Erfahrung die Oberhand gegen Norwegen, Belgien und England behalten können), teils chancenlos (Algerien, Ghana, Südafrika).
MIt Abstand das beste Team sind die Marokkaner, aber auch die benötigten gegen Holland erst Glück (Ausgleich in der Nachspielzeit) dann Können im Elfmeterschießen. Im Viertelfinale könnte es zum Duell gegen Frankreich kommen, ich schau mal etwas weiter voraus..

 

Das Achtelfinale (Turnierbaum, also nicht chronologisch)

 

Sa.,. 19:00: Kanada – Marokko (Houston)

Der Co-Gastgeber sinnigerweise in Houston/Texas, also weit weg von der kanadischen Grenze. Nicht nur deshalb würde ich Marokko klar favorisieren, das in allen Belangen überlegen scheint.

 

Sa., 23:00: Frankreich gegen Paraguay (Philadelphia)

Alles andere als ein Sieg von Mbappé und Co. würde mich unfassbar überraschen. Paraguay mag müde, langsame und einfallsarme Deutsche aufhalten können, dem französischen Angriffswirbel voller Tempo und Spielwitz sind sie nicht gewachsen.

 

Mo., 21:00: Spanien – Portugal (Dallas)

Das berüchtigte Iberer-Duell, im vergangenen Jahr siegte Portugal in München im Nations-League-Finale. Die Spanier wirken sehr gut eingespielt und scheinen in der Abwehr kaum überwindlich (bisher kein Gegentor). Portugal hat viel entgegenzusetzen, aber die Pariser Spieler um Vitnha wirken nicht wirklich fit. Deshalb kleiner Vorteil: Spanien.

 

Di., 02:00: USA – Belgien (Seattle)

Die US-Boys gefallen durch mannschaftliche Geschlossenheit und Begeisterung. Belgien war gegen Senegal schon geschlagen, kehrte aber trotz 0:2-Rückstand wundersamst zurück. Der Heimvorteil gerade in der Fußball-affinen Stadt Seattle im wunderschönen Lumen Field dürfte den USA letztlich helfen zum erstmaligen Aufstieg ins Viertelfinale.

 

So., 22:00: Brasilien – Norwegen (New York/New Jersey)

Beide Teams erreichten das Achtelfinale durch Tore in der Nachspielzeit (gegen Japan respektive Elfenbeinküste). Brasilien ist kompakt und hat individuell sehr starke Spieler (nicht nur Vini jr), die eine enge Partie entscheiden können wie Martinelli gegen die Ivorer. Norwegen hat eine Goldene Generation, beileibe nicht nur Superstürmer Erling Haaland. Ein klares 50/50-Match, macht also Trainerguru Carlo Ancelotti für Brazil den Unterschied?

 

Mo., 02:00: Mexiko – England (Mexiko Stadt)

Riesennachteil der Engländer: Sie müssen sich für die Höhe in Mexikos Hauptstadt (2200 Meter) erst akklimatisieren, kommen aus Atlanta (320 Meter) wo sie erst am Mittwoch die DR Kongo bezwangen. Dazu noch der Heimvorteil der Mexikaner im Aztekenstadion, wo sie noch ungeschlagen sind. An das die Engländer übrigens trübe Erinnerungen haben an die WM 86, als sie an Maradona gescheitert sind;  an dessen  Wahnsinn (Hand Gottes) und Genie (Solo für die Ewigkeit). Können diese Geister vertrieben werden? Es sind Gewitter angesagt, vielleicht wird die Partie vorgezogen. Leichte Vorteile für Mexiko.

 

Di., 18:00: Argentinien – Ägypten (Atlanta)

Trotz aller Kap-Verde-Qual: Argentinien ist der klare Favorit. Wegen Messi, wegen Martinez, wegen der mannschaftlichen Geschlossenheit. Und weil es halt „nur“ gegen sehr biedere Ägypter geht, die mich bisher trotz Achtelfinal-Einzugs überhaupt nicht überzeugt haben. Also Argentinien!

 

Di., 22:00: Schweiz – Kolumbien (Vancouver)

Ausklang in Kanada (die Schweizer besetzen den Platz der Ahornblätter). Die Eidgenossen sind für mich eine der positiven Überraschungen, zumal aus Europa. Bisher sehr souveräne Auftritte. Hinten stabil mit dem großartigen Schlussmann Gregor Kobel, und vorne wirbelt der junge Freiburger Manzambi mit dem nicht mehr ganz so jungem Ex-Gladbacher Embolo und anderen. Reicht das für Kolumbiens Abwehrrecken? Ich sehe zumindest gute Chancen für die Schweiz!

 

 

 

 

 

 

Beschämendes Ausscheiden – Nagelsmanns Desaster

Bevor es zum allgemein erwarteten Achtelfinal-Showdown gegen Frankreich kommt, müssen die deutschen Fußballer schon die Koffer für den Rückflug packen. Ein beschämendes Aus gegen die Maurermeister aus Paraguay bedeutete das Ende der hochfliegenden Pläne von Bundestrainer Julian Nagelsmann („Wir werden Weltmeister“). Eine ohnehin absurde Behauptung angesichts der oft trostlosen Vorstellungen der vergangenen Jahre.

 

Die Partie gegen die extrem defensiv eingestellten Südamerikaner offenbarte alles, was dem deutschen Angrffsfußball fehlt. Esprit, Ideen, Schnelligkeit, Spielfreude. Klar war der Abwehrriegel extrem dicht, aber ein bisschen mehr als die ständigen Halbflanken (56 wurden gezählt) hätte es schon sein dürfen; bessere Standards, überraschende Seitenwechsel, fliegende Kombinationen – all das vermisste ich. Es ist ja nicht so, dass allein unglückliche Umstände, vergebene Top-Chancen und ein überragender Torwart den Erfolg verhindert hätten. Bei Lichte betrachtet, hatten die Deutschen neben Havertz‘ Treffer bestenfalls noch 2 gute Einschuss(köpf)möglichkeiten – keine unter der Rubrik „Sitzer“ einzuordnen.

Erschreckend erneut die Defensive – nicht nur beim Gegentor, das der nur 1,68 Meter große Enciso dermaßen frei vom Elfmeterpunkt köpfen durfte (in feinster Manier überwand er den chancenlosen Neuer), als hätte er eine höchst ansteckende und tödlich verlaufende Krankheit. Bei jedem der sehr wenigen Offensiv-Aktionen hatte ich das mulmige Gefühl, das etwas geschehen könnte (nur die absolute Unzulänglichkeit/Unwillen des destruktiven Gegners und ein aufmerksamer Manuel Neuer verhinderten dies.

Tahs Kopfballtor, das nicht zählte

 

Und doch hätte alles gut ausgehen können (wenn wir ein Achtelfinale höchstwahrscheinlich gegen ein in allen Belangen überlegenes Frankreich „gut“ finden wollen). Eine mal ausnahmsweise von Nathaniel Brown und nicht von Joshua Kimmich geschlagene Ecke brachte nämlich den vemeintlichen Siegtreffer durch Jonathan Tahs herrlichen Kopfball nach tollem Laufweg. Alle jubelten, kein Paraguayer protestierte, noch nicht mal ein Reklamierarm des von Waldemar Anton behinderten Schlussmanns Orlando Gill. Allein der VAR, die in Wirklichkeit eine DIVAR war (Senora Tatiana Guzman aus Nicaragua), hatte etwas zu bemängeln (nämlich die Behinderung des Keepers durch Anton) und schickte Schiedsrichter Jayed vor den Kontrollmonitor. Und siehe da: Herr Jayed erkannte ein jetzt strafwürdiges Vergehen und aberkannte den Treffer. Eine Fehlentscheidung, erst recht das Überstimmen, auch angesichts der sonst sehr großzügigen Spielleitung des Schiedsrichters. Allerdings auch kein „Voll-Skandal“, wie Bundestrainer Julian Nagelsmann im ZDF beim Betrachten der Bilder schäumte. So blieb es beim 1:1, und es kam zum denkwürdigen

 

Elfmeterschießen

 

Die Deutschen sind in dieser Disziplin Spezialisten. Viermal in der WM-Geschichte setzen sie sich mit dieser Art der Entscheidung durch. Bis gestern gab es nur einen einzigen Fehlschuss (durch Uli Stielike 1982 vs Frankreich). Meist war es so: Der deutsche Spieler stiefelte entschlossen zum Punkt, schnappte sich selbstbewusst den Ball, lief ohne Federlesens an und versenkte unhaltbar.
Und an diesem unseligen Montag? Ein Bild des Jammers. Der erste Schütze Kai Havertz, extrem sicher vom Punkt, scheiterte jämmerlich an Gill. Ebenso Nick Woltemade, dessen zögerlicher Anlauf nichts anderes erwarten ließ. Trotzdem wurde es noch mal spannend. Zwei Schützen der Paraguayos hätten nur verwandeln müssen fürs Weiterkommen: Sanabria schoss kläglich vorbei, und der eigens eingewechselte Fabian Balbuena scheiterte an Manuel Neuer.
Also doch die Wende? Mitnichten! Jonathan Tah lief zwar konsequent an, drosch aber ebenso konsequent den Ball himmelhoch betrübend in die deutsche Fankurve. Ein Fieldgoal, wie es der Kicker des  heimischen Football-Teams der New England Patriots nicht sicherer hätte verwandeln können. Eine Entschuldigung für den Abwehrmann: Noch nie in seiner langen Laufbahn hat er in einem Profispiel einen Elfer geschossen. Jetzt hatte also José Canale die große Chance – und verwandelte sicher. Canale Grande halt – und ein Land jubelte (am Dienstag rief der paraguayische Staatspräsident tatsächlich einen kurzfristigen Feiertag aus).

 

Die Gründe fürs Aus

 

Zum dritten Mal hintereinander ist also ein deutsches Team schon vor einem WM-Achtelfinale gescheitert. Der Ruf der Turniermannschaft ist endgültig passé (den sich der vierfache Weltmeister zuvor durch insgesamt 8 Final- und 4 Halbfinalteilnahmen seit 1954 redlich verdient hatte).

 

Die Spieler

 

Ich muss es so klar sagen: Auf den allerwenigsten Positionen verkörpern deutsche Spieler zurzeit internationale Spitzenklasse, erst recht nicht Weltklasse. Florian Wirtz und  Jamal Musiala, die einzigen sogenannten Unterschiedsspieler im offensiven Mittelfeld, konnten nie an ihre Bestform anknüpfen. Was kaum überraschen durfte, weil beide eine eher maue Saison hinter sich haben. Musiala wegen der Nachwirkungen des Schien- und Wadenbeinbruchs im vergangenen Sommer bei der Club-WM, Wirtz, der bei seinem neuen Team FC Liverpool immer noch die Leverkusen-Form sucht (obwohl er zeitweise ansprechend spielte).
Eklatant die Schwächen bei den Außenverteidigern, im kreativen Mittelfeld und auch in der Spitze. Vor allem aber auch die für ein deutsches Team erstaunliche Zweikampfschwäche gerade auch gegen harte, aber keineswegs unfaire Kontrahenten.

Julian Nagelsmann

 

Der Bundestrainer hat seine Bewährungsprobe klar nicht bestanden. Einst galt er als Supertalent, der schon mit 28 einen Bundesliga-Club anleiten durfte. Doch im gesamten Jahr 2026 hat er eine Serie von selbstverschuldeten Pleiten, Pech und Pannen hingelegt, die letztlich nur den Rauswurf bedeuten müssten. Sogar bei einem in dieser Beziehung sehr zurückhaltenden Verband, der auch nach den beiden WM-Enttäuschungen 2018 und 2022 zumindest vorerst an den Trainer Joachim Löw und Hansi Flick festhielt (ohne Erfolg).
Nach der letztlich erfolgreichen WM-Qulifikation im Herbst reihte der Bundestrainer seit März zumindest merkwürdige, wenn nicht abstruse und objektiv falsche Entscheidungen aneinander.

 

  • Kritik an Denis Undav. Nach dem Siegestor des Stuttgarters im Test gegen Ghana Nagelsmann, die Leistung sei ansonsten schlecht gewesen. Undav sei für die Anfangself völlig ungeeignet. So ist wohl noch nie ein Matchwinner abgekanzelt worden.
  • Neuers Rückkehr: Zur Erinnerung. Nach der EURO 2024 trat der Bayern-Schlussmann zurück, und Oliver Baumann verrichtete im deutschen Tor mehr als solide Arbeit. Dennoch hielt es Nagelsmann für nötig, im April Kontakte zu Neuer zu knüpfen (so zumindest die offizielle Version). Befeuert durch eine wirklich starke Leistung des Keepers bei Real Madrid, die aber eher die Ausnahme in diese Saison war. Ohne Not hatte Nagelsmann ein sehr tiefes Fass aufgemacht mit all den Diskussionen und unschönen Begleiterscheinungen; er vermittelte nicht nur Oliver Baumann den Eindruck, dass auf sein Wort nicht das Geringste Verlass ist. Nagelsmann schwafelte dann was von Neuers Aura, die den gegnerischen Spieler danebenschießen lassen würde. Davon war im gesamten Turnier wenig zu spüren, die Bälle schlugen gnadenlos und nicht immer unhaltbar ein. Im Elferschießen hielt Neuer zwar einen Versuch, im Gegensatz zu ihm ist Baumann ein echter Elferkiller. What if …?
  • Das völlige Überhöhen des 7:1 gegen Curacao und auch des eher glücklichen 2:1-Erfolgs gegen die Elfenbeinküste in letzter Minute. Das Deutschland  hauptsächlich den eingewechselten Denis Undav und Nadiem Amiri zu verdanken hatte (siehe später).
  • das komplett vercoachte Spiel gegen Ecuador. Damit meine ich nicht die Tatsache, dass er trotz des sicheren Gruppensieges die beste Elf aufstellte, die sich weiter einspielen sollte. Sondern seine abstrusen Wechsel während der Partie. Es kamen nämlich außer Undav nicht die Spieler der zweiten Garde (Amiri, Goretzka, Woltemade) zum Einsatz, sondern jede Ergänzungsleute, die im weiteren Turnierverlauf überhaupt keine Rolle mehr spielen sollten. Dass dann die Partie noch verloren ging und damit auch das Momentum und die gute Laune, war dann schon fast konsequent.
  • die Paraguay-Aufstellung: plötzlich stand also doch Undav in der Startelf, ausgerechnet gegen ein Abwehr-Bollwerk, mit dem er immer Probleme hat (Nagelsmann hatte also seine März-Ahnung nicht getrogen). Dementsprechend unsichtbar blieb der Stuttgarter bis zur Auswechslung. Außerdem beließ der Coach Kapitän Joshua Kimmich auf der rechten Seite, die der Münchern eher schlecht als recht ausfüllte (weil ihm dazu Schnelligkeit und Klasse fehlen). Kimmich hätte (auch nur vielleicht) im defensiven Mittelfeld mehr Einfluss aufs Spiel nehmen können als die überforderten Pavlovic und Nmecha.
    Für mich völlig unverständlich war auch der Umstand, dass Nagelsmann erst so spät Amiri brachte (110. Minute), seinen gegen die Ivorer so starken Mittelfeldmann mit Ideen, die so fehlten.

 

Neben diesen taktischen und menschlichen Fehlleistungen war auch das Verhalten von Nagelsmann gegenüber den Unparteiischen unwürdig, die er an der Linie in einem fort anpflaumte (absurderweise sogar das Team um die US-Amerikanerin Tori Penso, obwohl diese den Deutschen ein irreguläres Tor schenkte). Auch in den Interviews blieb er reichlich unsouverän, blaffte herum, obwohl ihm gerade ein Johannes B. Kerner wirklich nichts Böses wollte.

So bleibt ein grausiger Gesamteindruck. Es passt allerdings zum in jeder Hinsicht unwürdigen Verband, dass er Nagelsmann in einer ersten Stellungnahme Nagelsmann weiter das Vertrauen aussprach. Ob das zu halten sein wird beim Proteststurm der Medien, der jetzt schon eingesetzt hat, bleibt allerdings abzuwarten.

 

Das wird die Woche, die wird

Jenseits der WM: 2 absolute Top-Ereignisse des Sportjahres starten – Wimbledon und die Tour de France

 

Alles Sinner oder was?

 

Was macht Janni Sinner in Wimbledon, das er heute als Titelverteidiger eröffnet. Einen Monat war es still um den Italiener nach seinem hitzebedingten Sensations-Aus bei den French Open. Nicht eines der Vorbereitungsturniere auf Rasen hat er absolviert, nur trainiert, wie gut, weiß nur er selbst. Dennoch führt der Sieg nur über den Titelverteidiger, zumal Carlos Alcáraz wegen seiner Handverletzung immer noch pausieren muss. Derzeit gibt es kaum Meldungen über ein eventuelles Comeback des Spaniers zur amerikanischen Hartplatz-Saison, was immer das heißen mag.
Den typischen Rasenspezialisten (Aufschlag, Volley und der eine oder andere geblockte Return) gibt es schon länger nicht mehr. Sehr stark schätze ich die US-Amerikaner um Taylor Fritz, Ben Shelton und Francis Tiafoe ein. Die US-Männer warten schon ewig auf einen Titel (es war tatsächlich Pete Sampras im Jahr 2000). Obs dann wirklich einer aus diesem Trio (oder gar Tommy Paul?) den Durchmarsch schafft, ist einer der Spannungsmomente des Turniers. Und natürlich das Abschneiden des „ewigen“ Djokers Novak Djokovic auf der Jagd nach dem 24. Grand-Slam-Triumph.
Aus deutscher Sicht natürlich die spannendste Frage, was French-Open-Sieger Alexander Zverev auf dem von ihm nicht so geliebten Rasen veranstaltet, auch weil ihn eine Rasen-Allergie plagt. Schlechter als vergangenes Jahr kann es dem hamburger nicht ergehen, als er in der 1. Runde Arthur Rinderknech unterlag und danach in einer markerschütternden Pressekonferenz einen Seelenstriptease hinlegte, wo er mit sich und der Welt komplett unzufrieden war. In einem pozenziellen Viertelfinale könnte er auf Taylor Fritz treffen sein Angstgegner, gegen den er zuletzt in Halle/Westfalen seine 7. Niederlage hintereinander bezog.

Bei den Frauen steht erst einmal das Comeback von Serena Williams im Blickpunkt. Die US-Amerikanerin erhielt von den Veranstaltern eine Wild Card, der Hype um die 23-fache Grand-Slam-Siegerin (letzter Wimbledontitel: 2016) ist gewaltig (meines Erachtens zu gewaltig), ihre Partie gegen gegen die Australierin Maja Joint findet auf dem Center Court statt, er wird brechend voll sein. Ebenfalls beim Doppel, das sie mit ihrer älteren Schwester Venus bestreitet.

Auch wenn Williams die eine oder andere Einzel-Runde gewinnen sollte (eher bestenfalls eine), das Turnier wird sie nicht gewinnen. Für den Sieg kommen ein knappes Dutzend Spielerinnen in Frage. Anders gesagt: die natürliche Favoritin erkenne ich nicht. Die Vorbereitungsturniere hinterließen einen gemischten Eindruck. Die Top 2, Aryna Sabalenka und Lena Rybakina, bezogen empfindliche Niederlagen. Auch bei den Frauen gibt es chancenreiche Amerikanerinnen, sogar ein Quartett (Coco Gauff, Jessica Pegula, Madison Keys und trotz fehlender Form die letztjährige Finalistin Amanda Anisimova). Die Tschechinnen um Karolina Muchova (Turniersieg in Berlin) und Linda Noskova (Turniersieg in Bad Homburg) sind stark, und natürlich nie zu unterschätzen ist Iga Swiatek, die polnische Titelverteidigerin. Oder eben die Überraschungsfrau, die Wimbledon so gerne hervorbringt.

Die mittlerweile 37-jährige Tatjana Maria zeigte unlängt mit der Finalteilnahme in Eastbourne (vs Keys), dass sie auf Rasen sehr gefährlich sein kann, Ähnliches lässt sich über die deutsche Landsfrau Laura Siegemund sagen.

 

Alles Pogacar oder was?

 

Die Tour de France beginnt am Samstag, wie immer über 3 Wochen mit der Schluss-Etappe am 26. Juli mit einem Rundkurs in Paris. Wieder ein extrem anspruchsvoller Kurs mit gleich 8 Bergetappen und 5 Bergankünften. Gleich zweimal ist Alpe d`Huez das Ziel, bei der vorletzten Etappe allerdings geht es eher harmlos über die Ostseite hoch zum legendären Wintersportort: erst danach steht der Gesamtsieger wirklich fest.
Und wir wissen dann, ob Tadej Pogacar auch wirklich triumphiert. Der Slowene ist der haushohe Favorit auf den Toursieg; es wäre sein fünfter, mit dem er zu den Legenden Merckx, Indurain und Hinault aufschließen würde. Er ist in glänzender Form, wie der übelegene Sieg bei der Generalprobe Tour de Suisse eindrucksvoll bestätigte.

Doch die Konkurrenz wird sich nicht kampflos ergeben. Vor allem nicht Jonas Vingegaard, der überlegen den Giro gewann und dabei sogar Kräfte sparen konnte. Im Zeitfahren ist der Däne mindestens ebenbürtig, allerdings gibt es nur ein eher kurzes Einzelzeitfahren (26km/16.). Die große Frage lautet: kann er im Hochgebirge mithalten, vor allem bei so vielen Etappen.

Der deutsche Rennstall Bora-Red Bull geht mit einer Doppelspitze ins Rennen, angeblich sind Zeitfahrspezialist Remco Evenepoel und  Florian Lipowicz, gleichberechtigt. Der Deutsche erscheint mir in den Bergen stärker als der holländische Kollege. Im vergangenen Jahr wurde er Dritter, und nach eigener Auskunft ist er noch besser in Form. Vor allem ist er ein Jahr erfahrener und hofft somit, dass er gerade am Anfang unnötige Zeitverluste vermeiden kann.

Womit ich beim vierten aussichtsreichen Kandidaten wäre: Paul Seixas, blutjunger (19) Himmelsstürmer aus Frankreich, der endlich für die Gastgeber wieder einen Toursieg schaffen soll (zuletzt Bernard Hinault 1985!). Seixas ist ein begnadetes Radsport-Talent, aber er bestreitet die Tour erstmals (und überhaupt zum ersten Mal eine dreiwöchige Landesrundfahrt). Gerade die Tour ist einzigartig, so aggressiv wird bei keiner anderen Rundfahrt gefahren. Irgendwann, da bin ich mir sicher, wird Seixas triumphieren, aber in diesem Jahr wird er höchstwahrscheinlich noch Lehrgeld zahlen müssen, wobei ich ihm Etappensiege jedezeit zutraue.

Die Tour de France beginnt, wie der Name schon sagt, in Spanien, genauer in Barcelona, wo zunächst ein 19 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren stattfindet. Erst am Montag wird die Grenze zu Frankreich passiert.
Zunächst geht es in die Pyrenäen mit allerdings nur einer wirklich schwierigen Etappe (6.), auf der unter anderem die Legenden Tourmalet (Höchste Kategorie) und Aspin (1. K.) bezwungen werden müssen.
Knackige, hügelige bis bergige Etappen durchs Zentralmassiv bilden den Transfer in die Alpen wo dann die 2 Alpe-d’Huez-Etappen den Abschluss bilden (vor der Ehrenfahrt am Sonntag nach Paris, auf der nicht mehr angegriffen wird). Auf der 19. Etappe die legendären 21 Kehren hoch. Das Schwierigste kommt zum Schluss, nämlich die Königsetappe mit 3 Bergen der höchsten Kategorie, unter anderem der Galibier, mit 2645 Metern das Dach der Tour.

 

Und sonst?

 

  • Leichtathletik: Diamond-League-Meeting am Freitag (nicht DL-Disziplinen) und Samstag in Eugene/Oregon. Trotz des ewig weiten Flugs an die Westküste haben zahlreiche Stars gemeldet.
  • Formel 1: Grand Prix von Großbritannien in Silvestone. Es gibt den Sprint am Samstag und das hauptrennen am Sonntag (und die Qualifikationen). Die Mercedesse um den WM-Führenden Kimi Antonelli und Spielberg-Sieger George Russell sind weitger das Maß aller Dinge. Allerdings haben die Red Bulls (Max Verstappen) und auch die Mclarens aufgeholt. Eigentlich auch Ferrari, aber da funkt immer wieder eine falsche Taktik dazwischen.
  • Motorsport: Erwähnen möchte ich die DTM am Norisring. Spektakulärer Stadtkurs in Nürnberg.

 

Wer also braucht da irgendwelche Fußballspiele in Nordamerika?

Drama um Österreich statt Schande von Kansas

Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika

 

Es ist vollbracht. Heute Nacht endete die schier endlose Vorrunde mit insgesamt 72 (!) Partien. Diese waren in 12 Vierer-Gruppen nötig, um aus 48 Teilnehmern 32 zu machen. Kein optimaler Wirkungsgrad, würden Techniker sagen.

Entsprechend spannungslos ging es meistens zu, zumal bei den jeweils dritten Partien. Wenige Ausnahmen gab es. Zum einen das 2:1 der Ecuadorianer gegen Deutschland, das die Südamerikaner trotz frühen Rückstands (nach irregulärem Tor von Leroy Sané) noch drehten und sich damit das Zwischenrunden-Ticket sicherten. Nebenher führte der Auftritt der Nagelsmann-Truppe zu längst vergessen geglaubten Diskussionen ums deutsche Team. Insbesondere um ihren zurückgeholten Schlussmann Manuel Neuer, der bei beiden Gegentreffern nicht glücklich aussah, um es noch vorsichtig auszudrücken.

Österreich in der Nachspielzeit: erst Rückstand, dann Ausgleich

Die verrückteste Partie der Vorrunde kam aber ganz zum Schluss: Österreich gegen Algerien. Schon zu Beginn war klar, dass beide Teams mit einem Remis weiterkommen würden (Österreich als Zweiter, Algerien als einer der besten acht Dritten), aber jedes Team bei einer Niederlage ausscheiden würde (also kein Spekulatius mehr, dass  Österreich mit einer knappen Niederlage den vermeintlich schwächeren Zwischenrunden-Gegner Schweiz und nicht Spanien erwischen würde. Befürchtet wurde die Schande von Kansas: angelehnt an die Schande von Gijon, wo 1982 Deutschland und Österreich mit einem (angeblich unausgesprochenen) Nichtangriffspakt und einem beiden genehmen 1:0 Algerien aus dem Turnier kegelten. Doch daraus wurde nichts: Die Österreicher gingen zweimal in Führung, zweimal glich Algerien aus. 20 Minuten vor Schluss hatten sich die Mannschaften dann beruhigt, und nichts deutete auf eine verrückte Nachspielzeit hin.
Plötzlich aber ein tolles Zuspiel auf Algeriens Star Ryan Mahrez, der Alexander Schlager im Ösi-Tor bezwang. Plützlich unfelix Austria, weil ausgeschieden? Ein letztes hohes Zuspiel auf Michael Gregoritsch, Kopfballablage auf Sasa Kalajdzic, und der vollendet per Kopf ins Tor. Ausgleich, der ORF-Reporter wird mal wieder naarrisch! (O-Ton: „bist du deppert!“), und jetzt ist Österreich wieder glücklich – trotz des jetzt feststehenden Gegners Spanien – High Noon in LA 12 Uhr mittags am Donnerstag (Ortszeit).

 

Resümee der Vorrunde

 

Wenn ich aufs vorläufige Ergebnis meines Tippspiels schaue (großer Seufzer), hat es einige überraschende Resultate gegeben. Die aber zu einem insgesamt erwarteten 32er-Ko-Runden-Feld führten. Eine echte Sensation ist eigentlich nur das Aus des zweifachen Weltmeisters Uruguay in der vermeintlich einfachen Gruppe mit Capo Verde und Saudi-Arabien (neben Spanien). Ansonsten haben sich die Favoriten mit mehr Bauchweh (Belgien) und weniger (Argentinien) durchgesetzt.

Auf den ersten Blick mögen die 9 afrikanischen Teams in der Zwischenrunde überraschen (nur Tunesien blieb auf der Strecke), doch den Gruppensieg errang keines der Mannschaften. Maßlos enttäuschend dagegen die Asiaten. Allein die Japaner kamen weiter (und die Australier, die dem Kontinentalverband angehören). 7 Teams schieden aus, fünf davon als sieglose Gruppenletzte.

 

Das Abschneiden der Kontinente im Überblick

 

Europa: 13 von 16 Teams in der Zwischenrunde. Ausgeschieden Tswchechien, die Türke und Schottland. Die Tartan Army wieder tragisch. Ihre Fans gewinnen regelmäßig das Herz der Turnier-Gastgeber, aber sie schaffen es einfach nicht, wenigstens einmal die Gruppenphase zu überstehen. Der Kalauer „die Mannschaft ist früher daheim als die Postkarten“ findet die traurige Fortsetzung.
Afrika: 9 von 10 Teams in der Gruppenphase. Ausgeschieden sind nur die Tunesier; mit der verheerenden Bilanz von 0 Punkten und 2:12 Toren. Auch ein Trainerwechsel während des Turniers brachte keine Besserung.
Nordamerika/Karibik: 3 von 6 Teams in der Gruppenphase. Der zweigeteilte Kontinentalverband. Während die Co-Gastgeber Mexiko, USA und Kanada souverän die Zwischenrunde erreichten, gewannen die Karibikstaaten Haiti, Curacao und Panama insgesamt nur einen Punkt (den Curacao gegen Ecuador ermauerte) bei einem Torverhältnis von insgesamt 3:21. Panama blieb als einzige Mannschaft ohne jedes eigene Tor.
Südamerika: 5 von 6 Teams in der Gruppenphase. Nur Uruguay scheiterte, auch wegen der kapitalen Fehler von Torwart-Legende Muslera, der gleich bei drei Gegentreffern mehr als unglücklich aussah. Brasilien, Argentinien und Kolumbien schafften den Gruppensieg, sind jetzt aber alle in einer Turnierhälfte, was ein südamerikanisches Finale ausschließt (und ein rein europäisches ziemlich sicher auch).
Asien: 2 von 9 Teams weiter (inklusive Australien). Gemessen an den Einwohnern mag Asien unterrepräsentiert sein, gemessen an der fußballerischen Klasse eher nicht. Sehr unglücklich das Aus für den Iran, der ungeschlagen blieb, aber eben auch kein Spiel gewann. Neuntbester Dritter und damit knapp raus. Hätten die Algerier ihre Führung gegen Österreich behalten, hätte sich das Team trotz widriger Begleitumstände (Einreise ins Feindesland USA jedes Mal ein kräftezehrendes Abenteuer) für die Zwischenrunde qualifiziert. Tragisch: Ein vermeintlicher Iraner Treffer vs Ägypten im letzten Spiel in der Nachspielzeit wurde wegen einer ganz knappen Abseitsstellung nachträglich vom VAR (zu Recht) zurückgenommen.
Ozeanien: Der einzige Vertreter Neuseeland scheiterte als Letzter in einer keineswegs überstarken Gruppe mit Belgien, Ägypten und Iran.

 

Jetzt gehts aber los, oder?

 

In der Tat. Ab heute die 16 Zwischenrundenpartien, in denen das Feld bis einschließlich Freitag (Ortszeit) auf 16 Mannschaften halbiert wird. Aber einige Partien habern doch einen arg klaren Favoriten: Argentinien vs Kap Verde oder England vs Kongo. Auch Deutschland sehe ich klar als Sieger gegen Paraguay (nona). Weniger wegen einer überzeugenden Nagelsmann-Truppe, schon eher, weil ich Paraguay nach den Vorrunden-Auftritten für das schwächste der verbliebenen Mannschaften halte: klare Niederlage gegen Gastgeber USA, ein absurdes 1:0 gegen die Türken, weil der Gegner. trotz einstündiger Überzahl nicht einen seiner 32 Schüsse im Tor unterbringen konnte und letztlich ein 0:0 gegen Australien – ein Ergebnis, das beiden Teams weiterhalf.

 

Die Ansetzungen (Turnierbaum)

 

Mo., 22:30: Deutschland – Paraguay
Di., 23:00: Frankreich – Schweden

So., 21:00: Südafrika – Kanada
Di., 03:00: Holland – Marokko

Fr., 01:00: Portugal – Kroatien
Do., 21:00: Spanien – Österreich

Do., 02:00: USA – Bosnien
Mi., 22:00: Belgien – Senegal

Mo., 19:00: Brasilien – Japan
Di., 19:00: Cote d’Ivoire – Norwegen

Mi., 03:00: Mexiko – Ecuador
Mi., 18:00: England – DR Kongo

Sa., 00:00: Argentinien – Capo Verde
Fr., 20:00: Australien – Ägypten

Fr., 05:00: Schweiz – Algerien
Sa., 03:30: Kolumbien – Ghana

In jedem Quartett spielen die jeweiligen Sieger im Achtelfinale gegeneinander. Die willkürlich-unterschiedlichen Anfangszeiten resultieren aus den verschiedenen Zeitzonen und den klimatischen Begebenheiten der Gastgeberstädte. Trotzdem der helle Wahnsinn, wobei positiv anzumerken, dass die Ortszeit diesmal eher eine Rolle spielt und eher nicht die Wünsche der Europäer. Das war 1994 noch ganz anders