Blick über den Teich, NBA und NHL
Feiertag in der Doppelstadt Minneapolis und St. Paul (auch ohne Tag der Arbeit). Fast gleichzeitig schafften die Minnesota Timberwolves (in der NBA gegen die Denver Nuggets) und die Minnesota Wild (in der NHL gegen die Dallas Stars) den entscheidenden vierten Sieg in der 1. Play-off-Runde und das zwar überraschende, aber nicht sensationelle Weiterkommen. Ein Desaster historischen Ausmaßes erlebten die Atlanta Hawks gegen die New York Knicks.
Aus deutscher Sicht bemerkenswert und bedauerlich: Leon Draisaitl ist mit seinen Edmonton Oilers bereits in der 1. Runde an den Anaheim Mighty Ducks gescheitert.
Atlanta Hawks – NEW YORK KNICKS 89:140 (ENDSTAND: 2:4)
Ich habe mit vielem gerechnet, durchaus auch mit einem Auswärtserfolg der Knicks. Aber nichts hat mich auf diesen Kantersieg vorbereitet. Schon zur Pause stand es 83(!):36, so hoch hat in der Play-off-Geschichte ein Team zur Pause geführt. Dabei hatten die Hawks nach 3 Minuten noch in Führung (9:5) gelegen, und ich hatte tatsächlich gehofft … Nach diesen 3 Minuten brach alles auseinander, schon bis Ende des 1. Viertels waren alle Messen für die Knicks gesungen (40:15).
Die 2. Hälfte war dann nur noch Schadensbegrenzung respektive seitens der Knicks, die verbleibende Zeit im Hinblick auf die kommende Aufgabe(n) ohne größeren Aufwand und vor allem ohne Verletzung zu überstehen.
Nach zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand sind die Knicks in der Serie regelrecht über die Hawks hinweggerollt und gewannen die folgenden Partien mit 15, 29 und 51 Punkten Vorsprung . Da hat das Trainerteam um Mike Brown wohl die richtigen Stellschrauben gefunden, vor allem im der Verteidigung
Bester der Sieger
OJ Amunoby: Unfair und letztlich auch unsinnig, jemanden herauszuheben. Ich beziehe mich dabei allem auch allein auf die 1. Halbzeit, weil der 2. Durchgang letztlich außer Konkurrez lief. Dort schaffte der Forward 26 Punkte, traf 10 seiner 12 Versuche.
Stark in der Niederlage
Jalen Johnson: Hatte gerade am Anfang gute Momente, aber er ging wie alle anderen regelrecht unter.
Zahlereien
61 Punkte: So hoch führten die Knicks zeitweise (101:40). Es war der höchste Vorsprung eines Teams in der Play-off-Geschichte.
Alle 15 Spieler der Knicks wurden eingesetzt, und alle trugen sich auch in die Punkteliste ein. Auch Ariel Hukporti, der deutsche Ersatz-Ersatz-Center mit 3 Zählern und 4 Revounds.
Ausblick der Sieger
Spätestens jetzt sind die Knicks im Play-off-Modus. Es warten die Boston Celtics oder Philadelphia 76ers, aber mit einer annähernd so starken Leistung muss der Weg da noch lange nicht zu Ende sein.
Und die Verlierer?
Natürlich schmerzt die Art und Weise, wie diese Serie nach Führung noch verlorengegangen ist. Aber insgesamt erscheint mir das Team auf einem guten Weg. Wenn der überwiegend junge Kern der Mannschaft zusammenbleibt, ist da noch einiges zu erwarten.
Philadelphia 76ers – Boston Celtics 106:93 (3:3)
2. Matchball abgewehrt. Mit einer überzeugenden Teamleistung und dank eines überragenden Tyrese Maxey haben die Sixers ein 7. Spiel erzwungen. Und auch wenn dieses im Bostoner TD Garden stattfindet (in de Nacht zu Sonntag), ich sehe durcaus Chancen für Philly.
Nach Führung im 1. Viertel (23:20) lief für die Celtics lange wenig bis nichts. Philly setzte sich schnell ab (zur Pause 58:49), baute die Führung weiter aus (82:63 nach dem 3. Viertel). Davon erholten disch die Celtics nicht mehr, nie kamen sie näher als auf 12 Zähler (89:101) heran.
Bester der Sieger
Tyrese Maxey: Das Herz und Hirn der Mannschaft. 30 Punkte legte er auf, raubte dem Gegner mit unnachahmlichen Dreiern. Fast jeder Angriff läuft über den Spielmacher, der mit seiner Schnelligkeit in jede Abwehr Lücken reißt.
Stark beim Verlierer
Jayom Tatum (17 Punkte, 11 Rebounds) und Jalen Brown (18) wehrten sich nach Kräften, aber auch die „Großen Zwei“ der Celtics haben schon bessere Tage erwischt.
X-Faktor
Paul George: Der einstige Top-Star der Liga ist mittlwerweile eine Wundertüte, ws die Form betrifft. Am Donnerstag hatte er einen ganz starken Abend mit 21 Punkten. 5 von 9 Dreierversuche trafen, das hilft.
Zahlereien
Nur 6 Punkte erzielten die Bankspieler der Sixers, verdammt wenig Unterstützung. Andre Drummond, Justin Edwards und Quentin Grimes trafen je einen Wurf aus dem Feld.
Ausblick
Spiel 7, da schlägt das Herz jeden Sportfans höher. Was vorher war, interessiert nicht, erst recht nicht die 2 Kantersiege (je +30 Punkte) der Celtics, mit den en sie die Sixers deklassierten. Die können offenbar auf einen gesunden Joel Embiid bauen (diesmal: 19 Punkte, 10 Rebounds, 8 Assists). Fü die Celtics spricht der Heimvorteil und die Klasse von Brown und Tatum
MINNESOTA TIMBERWOLVES – Denver Nuggets 110:98 (Endstand: 4:2)
Das relativ klare Ergebnis täuscht. Bis weit ins vierte Viertel war das ein sehr enges Spiel, das jederzeit auch in die andere Richtung hätte kippen können.
Von Beginn an eine Partie auf Augenhöhe. Ende des 2. Viertels erarbeiteten sich die Wolves eine 7-Punkte-Führung; der letztlich entscheidende Faustpfand, denn trotz aller Bemühungen gerade auch von Nikola Jokic konnten die Nuggets diese Führung nicht ein einziges Mal mehr entreißen. Die Wolves, ohne ihren Topstar Anthony Edwards und auch Spielmacher Ayo Dosunmo und Scharfschütze Donte DiVincenzo, hielten mit aller Leidenschaft dagegen.
Beste der Sieger
Jaden McDaniels: Bisher spielte er eher unauffällige Play-offs, jetzt sprang er in höchstrer Pwersonalnot in de Bresche und wuchs über sich hinaus. 32 Punkte legte er auf, dazu 10 Rebounds und 3 Assists.
Rudy Gobert: Fels in der Brandung, und das gegen Nikola Jokic, den besten Basketballer der Welt, den er so gut wie möglich auf Punkten hinderte. Dazu wichtige Rebounds und einen Zauberpass zu einem erfolgreichen Dreier hatte der Frazose auch noch auf Lager.
Stark beim Verlierer
Nikola Jokic: 18 Punkte, 9 Rebounds, 10 Assists: Tolle zahlen, aber in entscheidenden Partien hat der Serbe schon viel tollere zahlen aufgelegt. Daran hinderte ihn einerseits Gobert, andrerseits ist Jokic auch nicht in der Super-Form, in der er in heiklen Situationen überhaupt nicht aufzuhalten war.
Ein Schatten seiner selbst war dagegen Jamal Murray: Der Kanadier erwischte einen schwarzen Tag und traf nur 4 seiner 17 Versuche
X-Faktor
Terrence Shannon jr. Vielleicht die vierte Wahl im Backfield der Wolves, aber in Abwesenheit des Trios Edwards, Dosunmo und DiVincenzo ward er ins kalte Wasser geworfen. Und bewährte sich in überragender manier. Schon im 1. Viertel, als er 8 Punkte erzielte und dabei zeigte, dass er Verantwortung übernehmen wollte. Das tat er auch in der heiklen Schlussphase, als er mit dem ganz wichtigen Dreier (auf Goberts Zauberpass) Luft verschaffte.
Zahlereien
19:6 Offensiv-Rebounds schnappten sich die Wolves. Die hohe Überlegenheit war allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass sie etwa ihre Dreier sehr viel schlechter trafen als die Nuggets (24:37 Prozent).
Ausblick der Sieger
Ab Sonntag das Zweitrundenduell mit den Spurs, die als klarer Favorit gelten müssen. Viel wird natürlich abhängen, ob und in welcher Verfassung das abwesende Trio (oder wenigstens ein Teil davon) zurückkehrt. Die Wolves können Play-offs, das haben die vergangenen beiden jahre gezeigt, als sie jeweils ins Conference Finale stürmten.
Und die Verlierer?
Lecken ihre Wunden. Die Nuggets schienen alles richtig gemacht zu haben, als sie vor der Saison ihren Kader mit Top-Akteuren wie Cam Johnson, Tim Hardaway und Jokic-Backup Jonas Valenciunas ergänzten. Dieses Trio enttäuschte auch nicht, im Gegenteil. Aber Jokic war eben nicht in Überform, Murray ein Ausfall in Spiel 6, und Christian Braun und Bruce Brown stagnieren doch sehr in ihrer Entwicklung.
Es muss bestimmt nicht tabula rasa gemacht werden, aber Jokic ist jetzt auch schon 31 jahre alt und wird nicht ewig auf diesem absoluten Top-Level agieren können
Wild machen den Minnesota-Festtag perfekt
Besser gesagt, das NHL-Team servierte die perfekte Vorspeise. Sie spielen ja ihre heimpartein im anderen Teil der Doppelstadt Minneapolis, in St. Paul. Dort bezwangen sie die Dallas Stars in Spiel 6 trotz 1:2-Rückstandes mit 5:2. Matthew Boldy führte mit 2 Treffern ins leere Tor zum 4:2 und 5:2 die Entscheidung hervor.
Die Wild treffen jetzt in der 2. Runde auf den Liga-Primus Colorado Avalanche, es kommt also auch in der NHL zum Duell Minnesota gegen Denver.
Stanley-Cup bleibt für Draisaitl unerreichbar
Aus, Schluss, vorbei! Schon in der 1. Runde haben sich die Titelträume des Leon Draisaitl für ein weiteres jahr erledigt. Gegen die Anaheim Mighty Ducks verlor das Team die Serie letztlich überraschend und enttäuschend mit 2:4. Und das, obwohl die Besonderheiten des Spielplans den Oilers zunächst von den Top-Teams aus Colorado, Dallas oder auch Minnesota verschont blieben.
Die Ducks gingen am Donnerstag recht früh mit 2:0 und 3:1 in Führung, den Kanadiern gelang zweimal der Anschluss, wobei der Deutsche Samanski zum 1:2 den Assist gab und Draisaitl zum 2:3. Doch der ganz große und effektive Ansturm blieb aus, vor allem Superstar Conor McDavid enttäuschte abermals und blieb ohne Punkt. Die ernüchterne Bilanz des unbestritten besten Eishockey-spielers dieser Zeit in den Play-offs gegen Anaheim: 6 Spiele, 1 Tor, 5 Assists.
Da obendrein Oilers-Torwart Connor Ingram bei zwei Toren unglücklich aussah, nutze auch die ordentliche Leistung von Draisaitl wenig. An ihm lag e das Ausscheiden noch am wenigsten. Obwohl er gerade von einer Unterkörper-Verletzung aufs Eis zurückkam, schaffte er in jeder der sechs Partien Scorer Punkte (3 Tore, 7 Assists).
Neueste Kommentare