Ein Donnerwetter für die Thunder

Blick über den Teich, NBA

 

Oklahoma City Thunder – SAN ANTONIO SPURS 103:11 (3:4)

 

Der Titelverteidiger ist entthront. Von einem Team, das eigentlich erst in ein, zwei Jahren für das ganz große Ding bereit zu sein sollte. Doch die Spurs und deren Superstar Victor Wembanyama kümmern sich nicht um am Reißbrett entworfene Karriere-Pläne. Im Hexenkessel von Oklahoma City behielten sie im 7. und entscheidenen Spiel dieser aufsehenerregenden Serie stets die Nerven und schafften am Ende einen fast souveränen Auswärtssieg.

Wie so oft in dieser Serie hatten die Texaner den besseren Start, führten im 1. Viertel schon mit 14 Punkten. Doch die Thunder ließen sich auch diesmal kaum aus der Ruhe bringen und knabberten Punkt für Punkt weg. Gegen Ende des 2. Viertels gingen sie sogar selbst in Führung, aber jetzt bewahrte San Antonio die Ruhe und schafften dank einen 7:0-Laufes die knappe 56:53-Halbzeitführung.

Diese sollte auch nach dem 3. Viertel Bestand haben. Beide Teams hatten ihre Auf und Abs, keines konnte sich absetzen, keines fiel aussichtlos zurück. Brillante Aktionen wechselten sich mit stupiden Fehlern ab, ein typisches Game 7, das gleichzeitig das Beste und Schlechteste herauskehrt

Die Entscheidung fiel dann Anfang des 4. Viertels, als die Spurs 11 Zähler zwischen sich und dem Gegner legten, was trotz größter Benühungen des Titelverteidigers nicht mehr aufzuholen war. Fast schon erschreckend, wie cool das die fast durchgehend jungen Kerle der Gäste herunterspielten; wenn ich bedenke, dass das für fast alle im Kader das erste Spiel 7 in einer Play-of-Serie war: noch dazu auswärts, noch dazu beim Titelverteidiger und bestem Team der Saison. Das allerdings einen entscheidenden Nachteil hatte: Es musste auf seine beiden nominellen Spielmacher Jalen Williams und Ajaj Mitchell verletzungsbedingt verzichten.

 

Aktion des Spiels

 

Kormets Monsterblock: 4. Viertel, sechseinhalb Minuten sind noch zu spielen, die Spurs führen mit 97:91, also wahrlich nicht komfortabel. Thunder-Center Isaiah Hartenstein fängt einen Pass ab und strebt zum gegnerischen Korb. De Deutsche versucht einen Dunk, doch Luke Kornet ist zurückgeeilt und verhindert die sicheren Punkte. Ausgerechnet Kornet, im Kader immer „nur“ der Ersatz von Victor Wembanyama. Aber so wertvoll mit seiner Erfahrung aus seinen Zeiten bei den Boston Celtics, mit denen er 2024 den Titel holte. Jetzt der Block für die Ewigkeit.

https://www.nba.com/stats/events?CFID=&CFPARAMS=&GameEventID=622&GameID=0042500317&Season=2025-26&flag=1&title=Kornet%20BLOCK%20(1%20BLK)

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Fast sträube ich mich, für diese Partie einen Spieler der Spurs herauszupicken. Aber was der Franzose mit seinen 21 Jahren schon für eine Ausstrahlung hat und welchen Einfluss seine 2,24 Meter in der Verteidigung haben, ist bemerkenswert. Mit 22 Punkten war er auch Topscorer seines Teams, dazu 7 Rebounds.  Gute Zahlen, gewiss, aber gar nicht sooo herausragend in einer Mannschaft, in der 7 Profis zweistellig punkteten.
Kein Zweifel besteht darin, dass Victor Wembanyama völlig zu Recht zum MvP der Serie gewählt wurde

 

Stark beim Verlierer

 

Shai Gilgeous-Alexander: Fast wirkte es so, als habe sich der MvP der Saison sein Bestes  für die wichtigste Partie der Saison aufgespart. 31 Punkte hatte er in den ersten drei Vierteln gesammelt und sein Team teilweise im Alleingang im Spiel gehalten. Doch in der entscheidenen Phase hatte er wenig zuzusetzen (nur 4 Zähler im Schlussabschnitt), die sehr starke Verteidigung gegen ihn hatte zu viele Kräfte gekostet.

 

X-Faktoren

 

De’Aaron Fox: Mit Abstand sein bestes Spiel der Serie. 15 Punkte und 5 Assists hatte der 28-Jährige. Genau diese Unterstützung hatten die Spurs bei seiner Verpflichtung im vorvergangenen Winter (von „meinen“ Kings, seufz) im Auge.
Julian Champagnie: Seine Dreier trafen die Thunder ins Mark. 6 von 10 waren erfolgreich, eine außergewöhnlich hohe Quote bei dieser Quantität. Allein dass er draußen steht, macht das Spiele der Spurs so gefährlich, weil sich die Defense dann nicht allein auf die Mitte konzentrieren darf.
Dylan Harper: Es mag noch bessere und talentiertere Rookies (Neuprofis) in diesem Jahrgang geben (Cooper Flagg, Kon Knüppel), aber bestimmt keinen abgezockteren. Der trotz der so starken und aggressiven Thunder-Abwehr toll auf den Ball aufpasst (nur zwei Turnovers bei Dauerdruck gegen ihn). Die trotz seiner „nur“ 1,96 Meter in de Schlussphase zwei eminent wichtige Offensiv-Rebounds schnappt und gleich zu Punkten verwandelt. Die Spurs-Verantwortlichen wurden durchaus kritisiert (zumindest argwöhnisch betrachtet), als sie im vergangenen Juni Dylan Harper als 2. Draft-Pick aufriefen – diese Stimmen sind längst verstummt.

 

🇩🇪👓

 

Isaiah Hartensten hat vielleicht nicht die denkwürdigsten Zahlen aufgelegt (7 Punkte, 5 Rebounds). Aber mit seiner Länge und Spielübersicht ist er defensiv und offensiv kaum noch wegzudenken. Bedenklich diesmal allerdings seine Flutschfinger, als er einige Pässe von SGA durch die Hände rutschen ließ.
Ein Trost trotz der Niederlage: Er wird Posterboy des Jahres sein, wenn auch unfreiwillig (siehe Aktion der Partie)

 

Ausblick der Sieger

 

Die Spurs im NBA-Finale, trotz allen Talents und Klasse kommt das für mich überraschend. Ich sehe die Endspielserie gegen die New York Knicks relativ ausgeglichen, mit kleinen Vorteilen für die Spurs, wenn überhaupt (eine ausführliche Vorschau folgt …).

 

Und die Verlierer?

 

Klar, das Verpassen der Finalserie ist eine große Enttäuschung. Viel vorzuwerfen hat sich das Team nicht, und wer weiß, wie es mit Jaylen Williams und Ajaj Mitchell ausgesehen hätte. Wobei ebenfalls anzumerken sei, das Leistungsträger wie Chet Holmgren (4 Pünktchen) und Lou Dort (weit) unter ihren Möglchkeiten geblieben sind.
Ein Jahr dürfte die Mannschaft in ihrem Kern noch zusammenbleiben (danach wird es kaum noch zu finanzieren sein), und dank einiger Draft-Picks können sie mit hochveranlagten Talenten nachlegen.

Showdown in Oklahoma

Blick über den Teich, NBA

 

San Antonio Spurs – Oklahoma City Thunder 118:91 (3:3)

 

Die Basketball-Fans und alle, die es werden werden wollen, können sich freuen. Denn die Conference Finals zwischen den Spurs und Thunder bekommen ihr 7. und dann alles entscheidende 7. Spiel – in der Nacht zu Sonntag, wenn also in Europa viele Menschen ausschlafen können.

Möglich gemacht haben das die Texaner mit einer von vorn bis hinten ziemlich beeindruckenden Vorstellung. Früh waren sie dank des blendend aufgelegten Victor Wembanyama in Führung gegangen. Die Verteidigung funktionierte, die Dreier fielen, die begeisterte Halle tat ihr Übriges. Dagegen waren die Gäste kaum wiederzuerkennen. Sie wehrten sich zwar nach Kräften (teilweise ähnelte das angeblich so körperlose Basketballspiel eher einem Wettkampf in griechisch-römisch); vor allem unter den Körben ging es sehr hart zur Sache, für meinen Geschmack zu hart. Ein Leidtragender war diesmal Thunder-Star Shai Gilgeous-Alexander, der nicht die Freiwürfe wie sonst erhielt, obwohl die Spurs-Defense mehr als anhänglich war gerade an seinen Armen. Warum da wann was abgepfiffen wird oder eben nicht, bleibt für mich ein Brief mit 7 Siegeln.

Die Entscheidung fiel dann im 3. Viertel, in höchst erstaunlichen 7 Minuten, als den Thunder kein einziger Punkt gelang, den Spurs aber 18 (wahrlich nicht perfekt in der Offensive), mit denen sie auf 91:64 davonzogen. In diesem Zeitpunkt verzeichnete der Titelverteidiger 13 Fehlwürfe, praktisch jeder eingesetzte Spieler durfte sich versuchen und scheiterte.

Der Rest war Schaulaufen, und am Ende kamen dann Spieler zum Einsatz, die wir bis dato in den Partien praktisch noch gar nicht gesehen haben. Eine äußerst ausgedehnte „Garbage Time“.

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Der Franzose hatte sich so viel vorgenommen, und er lieferte. Drei der ersten 4 Dreier saßen (in Spiel 5 kein einziger der 5 Versuche), in der Abwehr extrem aufmerksam, und diesmal zog er mit dem Ball auch zum Korb. 22 Punkte sammelte er in der 1. Halbzeit, am Ende waren es 28, obwohl weil er länger als üblich geschont wurde. Dazu 10 Rebounds und 3 blockierte Würfe.

 

Stark beim Verlierer

 

Jared McCain blieb wenigstens im Rahmen seiner Möglichkeiten mit 13 Punkten und 6 Assists.

 

X-Faktoren

 

Dylan Harper: So etwas wie der Seismograph bei den Spurs. Nach eher verhaltenen Auftritten bisher in der Serie knüpfte er an seine starken Vorstellungen zuvor an. Mit 18 Punkten zweitbester Scorer der Texaner, nervenstark an der Linie (4 von 4).

Shai Gilgeous-Alexander (negativ): Trotz der 15 Punkte ein sehr durchwachsener Auftritt. Keiner der 5 Dreier fand ins Ziel, und insgesamt reichte es für den MvP nur zu 15 Punkten (natürlich auch, weil er im letzten Viertel nicht mehr zum Einsatz kam).

 

Zahlereien

 

Nur 10 von 40 Dreiern der Thunder fanden ihren Weg in den Ring. Besonders fatal die Trefferquaote bei Lou Dort (1/9), SGA (0/5) und Jaylin William (0/4).

 

🇩🇪👓

 

Isaiah Hartenstein begann recht treffsicher (6 Punkte im 1. Viertel), doch in der Verteidigung hatte er sehr viel mehr Mühe als zuletzt und hatte nicht nur gegen Wembanyama das Nachsehen Trotz seiner Länge schnappte er sich nur 5 Rebounds (im 5. Spiel waren es noch 15).

 

Ausblick

 

Alles ist drin: ein klarer Sieg hier wie dort, aber auch eine knappe Partie, in der dann auch die Nerven entscheiden. Noch immer haben die beiden Trainer Antworten gefunden, wenn etwas nicht klappte, bis dann der Kontrahent an der Seitenlinie eine Gegen-Antwort fand. Der Heimvorteil und die Erfahrung in einem 7. Spiel sprechen für die Thunder, der Enthusiasmus und die jungen, kraftstrotzenden Kerle sind Trümpfe der Spurs.
Auf die Stars wird es natürlich ankommen; gerade wenn Gilgeous-Alexander ins Rollen kommt, ist er kaum zu verteidigen. Andererseits wird Wembanyama  nicht umsonst „Außerirdischer“ genannt.

Auf die neutralen Fans wartet ein Basketball-Fest, allerdings ohne Spannungs-Garantie. Nach der ersten Partie, die über 2 Verlängerungen ging, waren alle 5 Spiele dieser Serie doch eine mehr oder weniger klare und früh entschiedene Angelegenheit.

Ein Sieger steht jetzt schon fest: Es sind die New York Knicks, die gemütlich am Fernseher zuschauen können, wie sich der Finalgegner (ab Donnerstagmorgen) physisch und auch psychisch vorausgabt.

Spiel 7: So., 02:00 Thunder – Spurs (Sky)

 

 

 

 

 

Ein Basketballspiel am Rande des Wahnsinns

Blick über den Teich, NBA

 

Oklahoma City Thunder – San Antonio Spurs 115:122 2OT (0:1)

Vorweg: Ich kann und will nicht auf alle Aspekte des Spiels eingehen, sonst wirds uferlos.

 

Was für ein Kampf auf Biegen und Brechen! Was für ein Thriller mit 2 Verlöngerungen! Wa sfür ein Matchwinner mit einer fast epochelen Leistung! Die erste Partie zwischen den Thunder und den Spurs hat die ohnehin schon hohen Erwartungen weit übertroffen. Vielleicht ist es der Auftakt einer epochalen Serie. Nach 2 Verlängerungen und 58 Minuten hatten die Spurs schlicht mehr zuzusetzen und sicherten sich in der Fremde den Sieg.

Erstaunlich deswegen, weil sie das viel unerfahrenere Team sind, das aber sogar in der 2. Verlängerung die Nerven behielt und eben nicht Fehler machten, die junge Spieler gerne machen in heiklen Phasen – vor allem auswärts gegen ein infernalisch lärmendes Publikum.
Erstaunlich auch, weil der Spielverlauf und das berühmt-berüchtigte Momentum gegen sie sprach. Sie lagen eigentlich die gesamte Partie vorn (mit bis zu 10 Punkten) und mussten doch in einem furiosen Endspurt die Thunder herankommen lassen.

Aber natürlich aben sie mit Victor Wembanyama einen außergewöhnichen Spieler, der Außergewöhnliches leistet. Wie eben 25 Sekunden vor Schluss einen elementar wichtigen Wurf 2 Meter hinter der Dreipunkte-Linie ohne Wackler ins Ziel zum Ausgleich. Oder einen ikonischen Block in der 2. Verlängerung fabriziert (außergewöhnlich toll eingefangen von den Kameras).

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Allein die Statline ist furchterregend: 41 Punkte, 24 Rebounds, davon 9 am offensiven Brett. Dazu noch je 3 Assists und 3 Blocks. Doch noch viel mehr als diese Zahlen beeindruckte mich sein unglaubliches Defensivspiel. Wenn er mit seinen 2,21 Metern und riesiger Spannweite auf dem Parkett ist, verändert sich das ganze Offensiv-Spiel des Gegners. Die Würfe werden komplizierter und weniger treffsicher. Der Respekt ist verständlicherweise enorm, und das verursacht Fehler.
Man darf ja nie vergessen: Der Kerl ist erst 21 Jahre alt und spielt seine erste Play-off-Saison, somit also sein erstes Conference Finale. Wo soll das noch hinführen?

 

Stark beim Verlierer

 

Alex Caruso: Allein seine Dreier hileten die Thunder in der 1. Halbzeit im Spiel (4 von 7 in der 1. Halbzeit). In der Defensive ist er ohnehin ein Biest, jederzeit auf einen Steal aus. Am Ende war er mit 31 Punkten Top-Scorer seines Teams, das hatten wohl die wenigsten Experten auf dem Zettel

 

X-Faktoren

 

Dylan Harper: Der Rookie im Spurs-Dress legte eine fulminante Leistung hin. Nicht nur wegen seiner 24 Punkte. Der Spielmacher behielt auch feindlicher Atmosphäre stets den Überblick und verlor trotz der ihn dauernd bedrängenden Verteidiger nur einmal den Ball (durch einen Fangfehler). Die Spurs wurden häufig kritisiert, dass sie 2025 ihren Nummer-2-Pick für Harpe verwendet hatten, jetzt ahnen wir, was sich die Tamführung davon versprochen hat.

Spurs-Verteidigung gegen den MvP : 3 Viertel trat Shai Gilgeous-Alexander überhaupt nicht in Erscheinung hatte nur 10 Punkte erzielt. Im 4. Viertel drehte er auf, ermöglichte mit seinen 12 Zählern die Verlängerungen. Alle dachten, dass er die Spurs-Verteidigung decodeirt hätte, doch gerade in den 10 Minuten der Verlängerung blieb er weit unter seinen Möglichkeiten, und es war dann sein Ballverlust, der die Entscheidung für die Spurs herbeiführte.

 

Zahlereien:

 

93 Prozent der Spurs-Frewürfe landeten im Ziel (27/29), ein außergewöhnlich hoher Wert gerade in so einem nervenaufreibenden Spiel. In den 2 Verlängerungen blieben die Spurs sogar fehlerlos. Wemby und Harper verwandeten je 3 Versuche.

11 Ballverluste leistete sich Stephon Castle von den Spurs. Zur Entschuldigung sollte ich ergänzen, gegen ein dauern attackierendes Thunder-Team. Wie wertvoll der Spielmacher trotzdem ist, zeigen die 11 Assists.

 

🇩🇪👓

 

Isaiah Hartenstein hatte nicht den besten Tag. Nur gut 12 Minuten stand der Center auf dem Feld, und diese 12 Minuten liefen sowohl defensiv als auch offensiv ziemlich am Center vorbei. Hier dürfte Trainer Marc Daigenault für die nächsten Spiele ansetzen, um den Deutschen jeweils besser zu integrieren.

 

Ausblick

 

Die Spurs haben das erste Spiel gewonnen. Wichtig für den Kopf, dass sie diese insgesamt überlegen geführte Partie tatsächlich heimbekommen haben. Doch diese Serie ist noch längst nicht entschieden. gerade die Thunder haben noch einige Möglichkeiten im Kader. So dürfte der in den ersten Runden so glänzende Ajaj Mitchell wieder eine gewichtigere Rolle bekommen (Daigenault vertraute lieber dem wiedergenesenen Jayson Williams, der auch stark anfing, aber doch recht deutlich nachließ).
Bei den Spurs bleibt abzuwarten, ob der wegen einer Knöchslverletzung pausierende De’Aaron Fox zurückkehrt.

Auf die neutralen Basketball-Freunde warten Festspiele, und Fans der jeweiligen Teams werden noch viel Grund zum Zittern haben.

 

Ansetzungen: 

Mi., 02:00: Knicks – Cavaliers (0:0)

Auftakt der Conference Series im Osten. Die Knicks wieder mit OJ Amunoby gelten fürs Spiel und für die Serie als ziemlich klarer Favorit. Für die Knicks spricht zumindest für Spiel 1, dass sie sich eine Woche ausruhen konngten, während die Cavaliers noch am Sonntag das 7. Spiel der 2. Runde in Detroit bestreiten mussten.

Do., 02:30: Thunder – Spurs (0:1)

 

 

 

 

OKC profitiert von Carlisles Fehlgriff

Blick über den Teich

 

Orlando Magic füllen Schwachstelle – aber zu einem gewaltigen Preis

 

Die Transferzeit in der NBA beginnt eigentlich erst im Juli, doch schon jetzt steht ein spektakulärer Transfer fest. Desmond Bane wechselt von den Memphis Grizzlies zu den Orlando Magic. Auf dem ersten Blick (und auch auf dem zweiten) ein wie maßgeschneidert passendes Puzzlestück fürs Team um Franz Wagner. Bane ist ein veritabler Dreierschütze und auch Spielmacher, der eigene Würfe kreieren kann: Das war in der vergangenen Saison die große Schwachstelle (schlechtestes Dreierteam der gesamten Liga). Bane ist auch erst 26 Jahre alt, passt also bestens in die Altersstruktur der jungen Orlando-Mannschaft.

An seinen herausragenden Qualitäten (zumindest in der Offensive) habe ich keinerlei Zweifel, und doch gibt es nicht uneingeschränkten Beifall für diesen Trade: Denn der Preis, den die Magic zahlen, ist gewaltig. Zum einen stehen da durchschnittlich etwa 40 Millionen Dollar pro Jahr an Gehalt, eine gewaltige Summe für einen Spieler an dritter Stelle (nach Paulo Banchero und Franz Wagner), da bleibt nicht mehr so irre viel Geld für die übrigen Profis im Kader übrig, was wiederum Moe Wagner vor seinem letzten Vertragsjahr zur Kenntnis nehmen dürfte. Zum anderen mussten die Magic auch viel Gegenwert an die Grizzlies abgeben. Nicht nur Kentavious Caldwell Pope und Cole Anthony (das wäre vielleicht noch verkraftbar, zumal die Gehälter auch wegfallen). Aber zudem verlieren sie insgesamt 4 Erstrundenpicks (immerhin zB dieses Jahr die Nummer 16). Orlando geht also All In, Ziel kann jetzt nur mindestens das Conference Finale in den nächsten Jahren sein. Kann aufgehen, muss nicht aufgehen.

 

Oklahoma City Thunder – Indiana Pacers 120:109 (3:2)

 

Hat Pacers-Coach Rick Carlisle die Partie verloren, verzockt? Diese Frage stellt sich unweigerlich nach der am Ende doch recht klaren Niederlage bei den Thunder in Spiel 5 der NBA Finals. Natürlich etwas ketzerisch, weil letztlich die Spieler auf dem Parkett ein Spiel entscheiden. Und doch bleibt das beliebt-berüchtigte „was wäre wenn“: Nämlich: Wie wäre es ausgegangen, wenn Carlisle nicht in der Schlussphase seinem angeschlagenen Star Tyrese Haliburton (rechts Bein) vertraut hätte, sondern weiter dessen bestens aufgelegten TJ McConnell.
Haliburton hatte einen schrecklichen Tag. Nicht einen einzigen Wurf aus dem Feld verwandelte er (er probierte es auch nur sechsmal). Auch seine 6 Assists sind unterdurchschnittlich für den genialen Spielmacher. Anders dagegen McConnell. Vor allem am Backup lag es, dass die Pacers nach großem Rückstand zur Pause wieder in Reichweite kamen (allein 13 Punkte im 3. Viertel), doch in der entscheidenden Phase musste er auf der Bank zuschauen, wie die Felle davonschwammen.

Es wäre natürlich unfair, die Niederlage allein Haliburton und Carlisle zuzuschreiben. Die Thunder zeigten sich gegenüber den beiden Partien in Indianapolis stark verbessert. Da war es wieder das schöne Kombinationsspiel (allein in der 1. Hälfte 16 Assists und damit 5 mehr als in der gesamten 4. Partie). Auch der Dreier fiel überdurchnittlich gut (8/17) nach dem Desaster in Spiel 4 (nur 3/16 Dreier insgesamt).

Die Pacers sind die Comeback Kids, die nicht und nicht aufgeben (und am Ende trifft Haliburton per Buzzerbeater zum Sieg …. Sie bewahrten Ruhe und kämpften sich in der 2. Hälfte nach und nach heran, weil die Thunder zwar stark verbessert, aber keineswegs perfekt agiierten wie auch Trainer Mark Daigneault befand. „Es gibt noch Einiges zu verbessern“ kritisierte er in Hinblick auf Spiel 6 in Indianapolis in der Nacht zu Freitag.

 

Bester Mann der Sieger

Jalen Williams: Vor den Play-offs gab es leichte Zweifel am Forward, normalerweise die zweite Option hinter Shai Gilgeous-Alexander. Diese zerstreute er mit guten bis sehr guten Auftritten, und jetzt machte er sein Meisterstück (noch ohne Trophäe). 40 Punkte sammelte er (Karriere-Höchstwert in Play-offs), mit einer überragenden Quote (14/25). Bestens unterstützt wurde er von SGA (31 Punkte, 10 Assists).

 

Stark trotz der Niederlage

Pascal Siakam: Sehr schwierig zu stoppen, und diesmal durfte er seine körperliche Überlegenheit auch öfter ausspielen. 28 Punkte, 6 Assists, 5 Rebound, 3 Steals, 2 Blocks sind Klassestats. Allerdings verlor er gegen die unfassbar aggressive Verteidigung der Thunder auch sechsmal den Ball.

 

X-Faktoren

Aaron Wiggins und Carson Wallace: Sie verwandelten für die Thunder in der 1. Halbzeit je 3 von 4 Dreier. Immerhin dagegen hatte Coach Carlisle ein Mittel gefunden zur Pause, denn danach traf Wiggins nur noch einmal und Wallace kam gar nicht mehr zum Zug.

 

Zahlereien

22 Ballverluste leisteten sich die Pacers, die Thunder mussen nur 11-mal den Ball abgeben.

 

Hartenstein Watch

Gleich zu Beginn ein krachender Slam Dunk des Centers (es sollte die einzigen Punkte aus dem Feld bleiben). Der Deutsche war viel besser integriert ins Spiel (4 Assists) und gerade am offensiven Brett eine Macht (6 Rebounds, insgesamt 8). Hat allerdings in der Defensive immer noch leichte Schwierigkleiten gegen das flüssige Kombinationsspiel der Pacers.

 

Ausblick

Jetzt haben die Thunder 2 Matchbälle. Es wäre allerdings ein Riesenfehler die Comeback-Truppe der Pacers abzuschreiben. Viel wird natürlich davon abhängen, ob Tyrese Haliburton sein angeschlages rechtes Bein wieder einigermaßen hinbekommt.

 

Ansetzungen

Fr., 02:30: Pacers – Thunder (2:3)
Mo., 02:00: Thunder – Pacers (falls erforderlich)

Die Überraschung war greifbar, und doch so weit weg

Blick über den Teich, NBA

 

Indiana Pacers – Oklahoma City Thunder 104:111 (2:2)

 

Bis ins 4. Viertel hinein führten die Indiana Pacers und standen vor einer vorentscheidenden 3:1-Führung gegen den haushohen Favoriten. Doch der bisherige Crunchtime-Meister der Play-offs fand plätzlich gegen OKC kein Mittel mehr. In der Offensive nicht, und auch die bis dato so trefflich verteidigende Defense fand keinen Zugriff mehr, gerade gegen Shai Gilgeous-Alwexander nicht.
So kamen die Thunder noch mal davon, denn ein 1:3 wäre fast schon gleichbedeutend mit dem Titelverlust gewesen (kann man etwas, was man gar nicht hat, verlieren?)
DAbei hatten die Pacers alle Trümpfe, als sie sich im 3. Viertel eine 10-Punkte-Führung erarbeiteten. Das Publikum in Indiana eskalierte bereits, und vielleicht waren die Pacers im Überschwang nicht mehr hundertprozentig konzentriert. Ein fataler Ballverlust ist mir da erinnerlich, als ein vermeintlicher Fastbreak abgefangen wurde, und OKC punktete. Diese Swings sind in einer so engen Partie letztlich entscheidend.

 

Bester Mann des Siegers

Jaylen Williams: Er übernahm von Beginn an Verantwortung, weil es beim OKC-Superstar Shai Gilgeous-Alexander nicht recht laufen wollte. Unwiderstehlich zog er immer wieder zum Korb, provozierte mehrere Fouls und zig Freiwürfe (allein in der 1. Hälfte waren es 8, die er allesamt verwandelte). Am Ende standen beim Co-Star der Thunder 27 Punkte und 7 Rebounds auf der Anzeigentafel.
Und warum nicht Shai trotz seiner am Ende 35 Punkte. Weil mE der Kanadier in den ersten 3 Vierteln weit unter seinen Möglichkeiten blieb. Unglaublich dann allerdings, wie er noch in die Spur fand 15 Punkte in den letzten 5 Minuten auflegte und sogar einen Dreier traf.

Stark trotz der Niederlage

Pascal Siakam: Enorm starker Beginn, als er im ersten Viertel 10 Punkte auflegte und gleich 4 (!) Steals. Dem Kameruner (der Älteste im Team) ging allerdings ein wenig die Kraft aus.

 

X-Faktoren

Chet Holmgren (15 Rebounds, davon 3 ganz wichtige am offensiven Brett im 4. Viertel) und Alex Caruso (enorm nervig in der Defensive/5 Steals) ragten bei OKC neben SGA und Jaylen Williams heraus.

 

Zahlereien

3 Dreier der Thunder fanden nur ins Ziel. In Zeiten der Distanzwürfe ein geradezu historisch niedriger Wert. Statistikewr wollen herausgefunden haben, dass zuletzt 2010 in in NBA Finals siegreiches Team mit 3 erfolgreichen Dreiern auskam. Auch die nur 16 Versuche sind für jetzige Verhältnisse extrem niedrig.
0 Assists hatte Shai Gilgeous-Alexander. Dass das einem 35+ Punkte-Mann in einem Finale passierte, gab es vor mehr als 50 Jahren.
17 Punkte schaffte Obi Toppin von den Pacers: Dennoch hatte er am Ende mit -15 den schelchtesten Wert aller Spieler.

 

Hartenstein Watch

Der Center kommt in der Finalserie nicht in die Gänge, obwohl er diesmal wieder in der Starting Five stand. Etwas salopp formuliert: Der 2,15-Meter-Riese schaut dem äußerst schnellen Pacers-Spiel oft nur hilflos hinterher, bekommt keinen Zugriff. Offensiv bleibt er praktisch wirkungslos (2 Punkte). Immerhin 3 Assists, Höchstwert im Team, noch so eine absurde Zahlerei.

 

Ausblick

 

Mit 2:2 Siegen geht es zurück nach Oklahoma City, ausgeglichen, könnte man meinen, doch jetzt sehe ich alle Trümpfe bei den Thunder. Sie haben nicht nur wieder den Heimvorteil (auch in einem potenziell entscheidenden 7. Spiel). Vielmehr haben sie jetzt ein Spiel gewonnen, das eigentlich nicht zu gewinnen ist. Kaum Dreier, kaum Assists, ausgeglichene Ballverluste. Hier ist noch so viel Steigerungspotenzial (das OKC natürlich abrufen muss), und die Pacers haben ihrerseits gezeigt, dass sie immer für Überraschungen gut sind. Doch diese vergebene Chance dürfte ihnen nachhängen.

 

Ansetzungen

Di., 02:30: Thunder – Pacers (2:2)
Fr., 02:30: Pacers – Thunder
Mo., 02:00: Thunder – Pacers (wenn erforderlich)