von Münchner Löwe | Okt. 8, 2026 | MLB
Blick über den Teich, MLB
Aus und vorbei. Mit einem schmachvollen Sweep gegen die Tampa Bay Reys haben sich die New York Yankees aus dem Titelrennen 2026 verabschiedet. Der Rekord-Champions (27 Meistertitel) wartet nun schon seit 2009 auf eine weitere Krönung. Für das hochbezahlte Star-Ensemble indiskutabel, für die stolze Stadt New York nicht hinnehmbar.
Der Titelverteidiger ist dagegen auf Kurs: Die LA Dodgers übersprangen die Hürde Atlanta Braves mit einiger Mühe und bekommen es in den Conference Series ab Sonntag (Best of 7) mit den Milwaukee Brewers zu tun.
AL: Chicago White Sox – Cleveland Guardians 3:9 (2:1)
Erster Matchball klar vergeben. Ohne jede Chance waren die Chicago White Sox bei ihrem ersten Heimspiel in Divisional Series seit 2021. Zwar gingen sie mit 1:0 in Führung, dann aber übernahmen die Gäste das Kommando. 4 Runs im 3. Inning stellten die Weichen auf Sieg. Zwar konnten die Gastgeber nach dem 6. Inning beim Stand von 3:5 noch auf eine Wende hoffen, doch in den letzten 3 Abschnitten brachten sie gegen die unantastbaren Pitcher Herrin und Smith nicht einen einzigen Spieler auf Base, weder durch einen Hit noch durch einen Walk.. Dagegen punkteten die Gäste fast nach Belieben, sodass am Ende das höchste Ergebnis der diesjährigen Divisional Series überhaupt heraussprang.
Schon heute Nacht Spiel 4 erneut in Chicago. Dann können die White Sox den ersten Divisional-Round-Sieg seit 2005 (!) klarmachen.
AL: New York Yankees – TAMPA BAY RAYS 3:4 (Endstand: 0:3)
Immerhin wehrten sich die Yankees. Immerhin hielten sie die Partie bis zum Schluss völlig offen. Immerhin schafften sie endlich Runs aufs Scoreboard, wenn nicht Ben Rice am Schlag stand. Doch gegen die ausgebufften Rays genügte das alles nicht, auch weil Star-Pticher Max Fried nicht seinen besten Tag erwischt hatte.
Es war eine sehr spannende Partie im Yankees Stadium, zu der fast 49.000 Zuschauer gekommen waren. Zweimal gingen die Rays in Führung, zweimal schafften die Yankees sofort den Ausgleich. Im oberen 6. Inning beförderte Victor Mesa den Ball über den Zaun – 4:2 für die Rays. Auch hier gab im unteren Abschnitt dien Antwort der Yankees. Ein weiter Ball von Anthony Volpe flog in die Zuschauer: Homerun und 2 Punkte für die Yankees? Nach längerer Beratung entschieden die Schiedsrichter, dass eine Behinderung eines Rays-Verteidigers vorlag, weswegen dieser den Catch verpasste. Also „nur“ ein Double von Volpe und nur ein Run für George Lombard. Fans, die ihrem eigenen Teams wegen Selbstsucht Runs und Siege kosten – die Bücherschränke sind voll von solchen Erzählungen, man frage mal in Chicago einen Cubs-Fan nach Steve Bartman.
https://www.youtube.com/watch?v=vq8G81oOHhY
Der fehlende Punkt sollte schließlich den Ausshlag geben, denn der Bullpen der Rays ließ danach nichts Entscheidendes mehr zu. Closer Bryan Baker produzierte zwar noch einen Walk, sodass der potezielle Siegpunkt in Person von Trent Grisham auf der Platte stand. Doch der Pinch-Hitter (eingewechselter Schlagmann) kassierte einen Strikeout. Dieses Aus war das endgültige Aus der Yankees. Fürs Spiel und für dieses jahr. Nächste Saison dann wieder (wenn denn nicht wie allgemein befüchtet gestreikt wird), dann auch wieder mit dem schmerzlich vermissten Superstar Aaron Judge
Die Rays haben jetzt erst mal Pause bis Montag und können auf der Couch zuschauen, wie sich die White Sox und Guardians beharken und Kräfte lassen.
NL: Atlanta Braves – LOS ANGELES DODGERS 1:4 (1:3)
Das Ergebnis klingt weit deutlicher, als es in Wirklichkeit war Die Braves hatten durchaus ihre Chance, in dieser Ppartie und in der gesamten Serie. Aber sie konnten ihre Chancen eben nicht nutzen. Zahlen sagen nicht alles, aber manchmal eben doch sehr viel. In diesem Fall 0 von 7. Siebenmal trat am Mittwoch ein Braves-Batter an den Schlag, wenn Mitspieler auf der zweiten und/oder 3. Base standen, das berüchtigte Runner in Scoring Position (RISP). Sie produzierten dabei nicht einen Hit, der dann auch Punkte eingebracht hätte. Sehr viel effizienter die Dodgers bei 1 von 3, und dieser eine Hit von Andy Pages kippte die Partie im 7. Inning, denn danach stand es 3:1 statt zuvor 1:1.
Um die (sportliche) Katastrophe der Braves bei RISP zu verdeutlichen. Insgesamt hatten sie in der Vier-Spiele-Serie die Bilanz 1 von 23 (0.043). Historisch schlecht für eine Play-off-Serie, nur ein einziges Mal war ein Team schlechter, nämlich die Dodgers (sic) 1966 in den World Series (0 von 22).
Außer ihrer mangelnde Effizienz hatten sich die Braves nich viel vorzuwerfen. Ihre Pitcher kamen bestens zurecht mit den schlagstarken Gegnern, die am Mittwoch insgesamt nur 3 Hits produzierten. Die Schlagmänner beschäftigten Dodgers-Starting-Pitcher Tyler Glasnow hervorragend und produzierten gleich 5 Walks, sodass Glasnow schon nach 4.2 Innings den Mound räumen musste. Doch ausgerechnet die vermeintliche Schwachstelle der Dodgers brachte den Sieg ein: Der oft kritisierte Bullpen (insgesamt fünf eingewechselte Werfer) zeigte eine herausragende Leistung. ließ in 4.1 Innings nur 2 Hits zu.
NL: San Diego Padres – MILWAUKEE BREWERS 1:3 (1:3)
Schade, dass diese Serie vorbei ist. Schade, dass den Baseball-Fans der Showdown eines fünften und entscheidenden Spiels in Milwaukee verwehrt bleibt. Eine erneut knisternde, jederzeit spannende Partie in Südkalifornien. Die heimischen Fans durften praktisch bis zum letzten Pitch noch auf die Wende hoffen, aber die großartigen Werfer der Brewers hielten jeglichem Druck stand, und wenn doch ein Schlagmann den Ball traf, dann verhinderten die Verteidiger Schlimmeres. Wie im 8. Inning: Manny Machado erwischte einen sogenannten Sinker von Uribe voll, der Ball flog und flog und flog, vermeintlich über die Bande im Center Field des ewig großen Petko Fields, und landete doch nur im Handschuh des zurückgeeilten Garret Mitchell. 2 sicher geglaubte Punkte (und damit der mögliche Ausgleich zum 3:3) waren dahin. „Hätte halt härter schlagen sollen“, befand Machado trocken. Oder in einem anderen Ball Park. Statistiker haben errechnet, dass Machados Ball in 18 der 30 MLB-Stadien einen sicheren Homerun bedeutet hätte.
Mitchell war es auch, der sein Team im 3. Inning mit einem RBI-Single in Führung brachte. Padres-Star Fernando Tatis glich im gleichen Abschnitt per Homerun aus. Schnell war aber klar. Die Padres-Schlagmänner kamen mit den Würfen der gegnerischen pitcher überhaupt nicht klar. Am Ende standen mickrige 3 Hits zu Buche, während die Brewers immerhin zehnmal erfolgreich schlugen. Und auch wenn sie (ähnlich wie die Braves) reichlich unproduktiv waren, brachten sie doch im 5. und 6. Inning 2 punkte ins Ziel.
Dass das 3:1 nach dem 6. Inning dann tatsächlich bis zum Schluss Bestand hatte, lag am überragenden Bullpen der Brewers (so etwas wie das Leitmotiv der gesamten Baseball-Nacht).
Traumpaarung im NLCS
Statt Spiel 5 gegen San Diego steht nun für die Milwaukee Brewers in den Conference Series der National League (NLCS) die ultimative Herausforderung statt. Die Best-of-7-Serie gegen die LA Dodgers, den Titelverteidiger und bei allen Buchmachern auch der erneute Titel-Favorit. Es ist auch die Revanche für die vergangene Saison, als allerdings insgesamt viel zu nervöse und fehlerhafte Brewers keine Chance hatten und keine einzige Partie gewannen. Sie sind in diesem Jahr allerdings gereift, haben endlich auch mal wieder in der Fremde eine Play-off-Partie gewonnen. Obs dann reicht, wir werden es sehen. Ab Sonntag erst mal in Milwaukee, wo auch ein mögliches siebtes und entscheidnedes Spiel stattfinden würde.
Ansetzung
Do., 02:00: White Sox – Guardians (2:1)
von Münchner Löwe | Nov. 2, 2025 | Allgemein, MLB
Blick über den Teich, World Series
* ich weiß natürlich, dass diese Überschrift eine schamlose Übertreibung ist. Die ich aber angesichts der kriegs(ähnlichen)-Handlungen von Trump gegen Venezuela passend und witzig finde; sie ist im übrigen auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Ihr werdets lesen und verstehen, hoffe ich.
Toronto Blue Jays – LOS ANGELES DODGERS 4:5/11 Inn. (3:4)
Der Countdown in Toronto hatte begonnen, und er war bei 2 angelangt. 2 Outs fehlten im 9. Inning also nur noch, und die heimischen Blue Jays würden die 4:3-Führung verteidigen. Damit diese unglaubliche 7. Partie dieser noch unglaublicheren World Series gegen die Dodgers gewonnen haben und die Stadt und ganz Kanada würde den ersten WS-Triumph nach 1993 feiern. Knisternde Erwartung: Am Schlag stand Miguel Rojas, der nominell schwächste in der Line Up der Dodgers, der den Ball nur selten trifft und erst recht nicht satt. Dafür ist er ein umso besserer Verteidiger, wovon noch die Rede sein soll. Und was tat Miguel Rojas – der Nicht-Homerun-Schläger. Drosch den Ball über den Zaun: Homerun, Ausgleich, die Siegesfeier fiel (erst mal) aus.
Doch im unteren 9. Inning hatten die Blue Jays erneut die Chance: Bases loaded, 1 Aus: am Schlag Dalton Varsho: der trifft den Ball, flach, durchaus gefährlich: aber er rollt in Richtung von Miguel Rojas,dem so großartigen Verteidiger und wahrscheinlich noch voller Adrenalin ob seiner offensiven Heldentat ein paar Minuten zuvor. Rojas klaubte den Ball nicht nur mühelos auf, sondern beförderte ihn auch mit einem perfekten Wurf zur Homebase. Wo er um Sekundenbruchteile rechtzeitig im Handschuh seines Catchers Will Smith landete, bevor der heranstürmende Isiah Kiner-Falefa die Homebase erreichte: ein bisschen mehr nach rechts oder links, ein bisschen weniger hart – und Kiner-Falefa hätte den sieg- und World-Series-bringenden Punkt geschafft.
Will Smith wiederum war es im 11. Inning vorbehalten, mit seinem Home Run den letztlich tatsächlich entscheidenden Punkt zu schaffen. Denn auf diesen Punkt hatten die Blue Jays tatsächlich und endgültig keine Antwort mehr.
Donald Trump und alle US-Amerikaner können also aufatmen. Die Trophäe bleibt in den USA; ebern weil ein Mann aus Venezuela zwei absurd gute Momente seines Sportlerlebens in einem Spiel vereinigte. Die Dodgers wiederum schafften ein Kuststück, das zuletzt den New York Yankees gelang: die Titelverteidigung.
Viele Heldengeschichten …
Allein diese elektisierenden World Series hatte so viele Geschichten zu erzählen: so viel Unglaubliches, zuvor noch nie (sehr selten) Gesehenes.
- der unfassbare Rookie-Pitcher der Blue Yays Trey Yesavage, der im 5. Spiel gleich 12 Strike outs warf und die Dodgers-Stars wie Lehrbuben aussehen ließ. Er war auch Teil dieses Game-7-Thrillers, als er im 7. Inning 3 Schlagmänner ausmachte, allerdings im 8. Inning den Homerun von Max Muncy zum 4:3 hinnehmen musste.
- Will Klein: im legendären 18-Inning-Thriller des Spiel 3 der entscheidende Mann, als er als letzter Werfer der Dodgers 4 unglaubliche Innings warf und keinen einzigen Run zuließ. Vorher und nachher ward er nicht mehr gesehen.
- Shohei Ohtanis Monsterspiel 3: 9-mal trat er an zu einem At Bat: 2 Homeruns, 2 Doubles, fünfmal ließen ihn die Toronto Werfer freiwillig (viermal) und fast freiwillig per Walk auf die erste Base.
- Addison Barger: im 1. Spiel trat er als Einwechselspieler an und schlug einen Grand Slam (Homerun mit geladenen Bases). Noch nie gab es so etwas in World Series, die immerhin ihre 120. Auflage erlebten.
- der malade Bo Bichette: kaum laufen konnte der Toronto-Profi, als er nach einer gut einmonatigen Verletzung zu den World Series zurückkam. Was ihn nicht abhielt, im 7. Spiel einen 3-Run-Homer über en Zaun zu dreschen.
- Miguel Rojas: sein Homerun war erst der zweite in einem 7. Spiel der World Series, der im 9. Inning einen Ausgleich bedeutete. Zuletzt hatte es das 1960 gegeben …
- Will Smith: entscheidender Homerun, was will man mehr? Vielleicht diese Geschichte. Namensvetter ist nämlich nicht nur de berühmte Schauspieler, sondern ein Relief(Ersatz)-Pitcher, der von 2021 bis 2023 mit 3 verschiedenen Teams (Atlanta Braves, Houston Astros, Texas Rangers) die World Series gewann. Damit steht seit 5 Jahren ein Will Smith in den Siegerlisten.
… aber nur ein Supermann
Und doch verblasst all das im Vergleich zu Yoshinobu Yamamoto. Dem Pitcher gelang im 2. Spiel der World Series ein Complete Game. In seinem 2. Start (Spiel 6) absolvierte er 6 fast fehlerfreie Innings, in denen er nur einen Run zuließ. Wahrscheinlich hätte er sogar noch ein Inning mehr werfen können (Pitchcount erst bei 90 oder so), doch Team-Manager Dave Roberts dachte vielleicht tatsächlich schon an das 7. Spiel. Wo sprichwörlich „jede Hand, jeder Arm gebraucht wird.
Also auch jene des Japaners, obwohl dieser erst tags zuvor geworfen hatte. Im 9. Inning kam er auf den Mound, mit einem Aus im Rücken, aber auch 2 Mann auf Base. Er überstand das 9. Inning (auch dank der starken Defensivleistungen nicht nur von Rojas, im 10. Inning eliminierte er (immer einen gegnerischen Homerun und damit die Niederlage vor Augen) drei letztlich hoffnungslose Schlagmänner, im 11. Inning schließlich ließ er zwar Vladimir Guerrero per Double und Barger per Walk auf Base, provozierte aber auch mit seinem Wurf, dass Alejadro Kirk in das spiel-, serien- und trophäenentscheidende Double Play schlug.
Statistisch war das dann der 3. Sieg für ihn in den World Series, und angesichts dieser famosen Leistung konnten die Journalisten einfach nicht anders und wählten ihn zum MvP der World Series – trotz Landsmann und Super-Superstar Shohei Ohtani.
Gewinner Baseball
Was Besseres als diese World Series hätte dieser Sportart nicht passieren können: Schon die Ansetzung LA vs Toronto, USA vs Kanada in diesen Trump-Zeiten (51. Bundesstaat und so). Und das Team Kanada forderte nicht irgendein doofes Provinzteam, nichts für ungut, Milwaukee Brewers oder Philadelphia Phillies, sondern mit den LA Dodgers das meistgehasste und reichste und mit Superstar überbesetzte Team der National League. Tatsächlich drückte ganz Kanada den Blue Jays die Daumen, wie Staatspräsident Mark Carney in einem ersten Kondozenschreiben in einem Schreiben versicherte, in dem er trotz der Niederlage den Stolz aller Kanadier übermittelte. (Wahrscheinlich gibt es ein paar Besitzer von kanadischen NHL-Clubs, die insgesamt heilfroh sind, denn die warten ebenfalls seit 1993 auf einen Stanley Cup Triumph für Kanada. Mein Trost: Mit einem Sieger ausgerechnet aus Los Angeles wird auch Trump nicht wirklich glücklich sein …
Und dann diese unfassbare Serie, mit Drehungen und Wendungen wie selten gesehen: Matchfolge 1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 3:3, 3:4 aus Sicht der Jays. In sieben zum Teil epischen Partien.
(Ein bisschen) Deutschtümelei
Die deutschen Zuschauer durften teilhaben, nicht nur diejenigen, die den League Pass besitzen. Erstmals seit Ewigkeiten gab es (bei Sportdigital+) alle Post-Season-Spiele in deutscher Sprache, die World Series mit dem großartigen Axel Goldmann am Mikrofon. Nicht zu unrecht lobte er seinen Sender hinterher (und meinte sehr verient auch sich selbst).
Und doch gäbe es noch einiges zu vebessern: Goldmann kommentierte alleine, von irgendwo in einem Kabäuschen (das wir nie sahen) – vielleicht sogar von daheim? Wie wäre es, wenn sich nächstes Jahr Goldmann (oder ein anderer) mit einem Kollegen und dazu vielleicht sogar einem Experten (warum eigentlich nicht Phillies-Profi Max Kepler?) in einem vorzeigbaren Studio zusammensetzt, wo dann die ewigen Inning-Pausen vernünftig mit Analysen und Geschichten/Geschichtchen überbrückt werden?
Und noch eins, liebes, besser liebgewonnenes Sportdigital1+: Es gibt Menschen, die diese Spiele relive sehen wollen am nächsten Morgen; weil sie sich nicht die Nächte um die Ohren schlagen wollen (oder Werbe-Pausen überbrücken). Es wäre dann sehr hilftreich, wenn Eure Baseball-Übertragungen nicht nur auf 3 Stunden angesetzt wären und danach das Relive schnöde abbricht …
von Münchner Löwe | Nov. 1, 2025 | MLB
Blick über den Teich, World Series
Toronto Blue Jays – Los Angeles 1:3 (3:3)
Ganz plötzlich war das Spiel zu Ende. Und die zuvor drei Stunden lang infernalisch lärmenden Fans im Rogers Centre in Toronto verstummten ebenso abrupt, als hätte ein Geist am Halloween-Abend den Stecker gezogen. Statt des greifbar nahen Sieges und dem Triumph der World Series heißt es nun für die Kanadier (und natürlich auch die Dodgers). Alle Konzentration für Spiel 7 heute Nacht, den ultimativen Showdown einer durch und durch bemerkenswerten World Series.
Wirklich begriffen, was da passiert war, hatten wahrscheinlich zunächst die wenigsten Zuschauer live und auch an den Fernsehgeräten. Die Konstellation war trotz des 1:3-Rückstandes im 9. Inning blendend für die Blue Jays. Denn es standen Läufer auf den Bases 2 und 3 – bei keinem Aus, also fast eine Run-Garantie. Da zog Dodgers-Manager Dave Roberts die Notbremse, und die hieß Tyler Glasnow. Eigentlich ein Starting Pitcher, kam er in dieser heiklen Situation ins Spiel, und was er vollbrachte, grenzte an ein Wunder. Seinen ersten Wurf traf Ernie Clement hoch, aber nicht weit genug, als dass Myles Straw von der 3. Base nach Hause laufen könnte. 2. Pitch: Ball. 3. Pitch: Andres Giménez trifft den Ball nicht voll, Kiké Hernandez fängt ihn locker und wirft ihn geistesgegenwärtig zur 2. Base (Miguel Rojas) und macht damit auch Addison Barger aus, der aschon erwartungvoll in Richtung 3. base gelaufen war. Double Play – over and out.
Damit geriet eine umstrittene Entscheidung der Refs unmittelbar vor Glasnows Einwechsung wieder ins Blickfeld. Ein weiter Schlag von Barger blieb hinten in der Spielumrandung stecken. Sowohl Straw von der 1. Base also auch Barger nutzten die Chance, umrundeten das Feld und liefen auf die Home Base. Doch die Dodgers hatten das Verteidigen eingestellt und monierten einen unspielbaren Ball, was den Regeln gemäß nur ein Ground Rule Double bedeuten würde. Dem schloss sich der Umpire an, und diese Entscheidung wurde auch nach Ansicht der Videobilder bestätigt: mit der Folge, dass Straw und barger zurück auf Base 3 und 2 mussten (siehe oben) Ich kenne mich im Baseball jetzt wahrlich nicht genug aus, aber für mich war der Ball, auch wenn er feststeckte, gut sicht- und spielbar. Wie formulierte es mlb.com so schön? „This ball was ruled dead. And now the Dodgers – and the World Series itself – are still alive.
3. Inning entscheidet
Viel vorzuwerfen haben sich die Blue Jays nicht. Starting Pitcher Kevin Gausmann hatte abermals einen starken Tag, schaffte etwa in den ersten beiden Innings gleich 5 Strikeouts und hielt 6 Innings durch. Doch eine Schwächephase von ihm im 3. Inning entschied die Partie. 2 LA-Spieler hatte er schon ausgemacht, allerdings auch Tommy Edman (Double) und Shohei Ohtani (absichtlicher walk, warum nur? könnte ich dämlich ex post fragen?) auf Base gelassen. Will Smith schaffte ein weiteres Double – 1:0 Dodgers. Nach einem weiteren (unabsichtlichen) Walk für Freddy Freeman brachte Mookie Betts mit seinem Double zwei weitere Teamkollegen (Ohtani, Smith) nach Hause – 3:0. Ausgerechnet Mookie Betts, der bis dato in den World Series praktisch nichts getroffen hatte.
Das war es an LA-Offensive. Im gesamten restlichen Spiel brachten sie nur noch einen einzigen Hit und 2 Walks zu Stande.
Und die Blue Jays? Die beschäftigten zwar Doders-Pitcher Yoshinobu Yamamoto viel besser als in Spiel 2 (5 Hits, 2 Walks, lange Pitchier-Batter-Duelle und auch noch ein Fielding Error)), so dass der Japaner „nur“ 6 Innings durchhielt (und kein komplettes Spiel schaffte). aber mehr als ein Run (ebenfalls im 3. Inning durch Addison Barger). sprang nicht heraus. In allen Statistiken waren sie besser (fielding, hitting, pitching), doch das nutzte nichts aufgrund des vermaledeiten 3. Inning.
Die mangelnde Effizienz verdeutlichen 2 Kennzahlen: 1 von 9 bei Runners in Scoring Position (mindestens Base 2), und insgesamt strandeten 8 Spieler, left on Base, wie es in den Stats so unschön heißt.
Ansetzung, Spiel 7
So., 01:00: Blue Jays – Dodgers (3:3)
Wie geschrieben: der ultimative Showdown. Wie es aussieht, werden die Blue Jays Veteran Max Scherzer als Starting Pitcher auf den Mound schicken. Zumindest ofiziell haben die Dodgers diesbezüglich noch nichts verlauten lassen. Viel spricht für Shohei Ohtani, aber nach seinem superkurzen und supereffizienten Auftritt ist auch der Einsatz von Tyer Glasnow vorstellbar. Entscheidend werden dann höchstwahrscheinlich eh die Esatzwerfer auf beiden Seiten sein.
🧠 Dodgers (wg des xten Momentum Shifts dieser Serie? Ich könnte aber genausogut eine Münze schmeißen)
❤️ Blue Jays (Go Canada, go! Gilt in diesen Trump-Unzeiten mehr denn je!)
von Münchner Löwe | Okt. 30, 2025 | MLB
Blick über den Teich, World Series
Los Angeles Dodgers – Toronto Blue Jays 1:6
Es sind unglaublichen Geschichten wie die von Trey Yesavage, die die Sportfans jubeln, Drehbuchautoren jedoch verzweifeln lassen. Die Realität schlägt jede Fiktion. Niemand hätte gewagt, eine Story wie die des Toronto-Pitchers zu schreiben (auch aus Mangel an Fantasie), geschweige denn mit so einem Irrsinn an irgendein Studio heranzutreten.
Im Frühjahr, als die MLB begann, warf Yesavage irgendwo in der 5. Mannschaft der Jays Bälle irgendwo in der Pampa. Ein rasend schneller Aufstieg folgte durch die immer besseren Teams (anstatt mindestens 2 Jahre), und im Spätsommer fand sich der 22-Jährige tatsächlich im Kader der MLB-Mannschaft wieder. Wo er gute Leistungen ablieferte wie etwa in den Divisional Series gegen die Yankees und auch im 1. Spiel gegen die Dodgers. Doch niemand konnte erwarten, dass er in einem World-Series-Spiel Historisches würde zeigen. Wie Mittwochnacht in Los Angeles (natürlich, die Filmstadt!) bei der 5. Partie der Dodgers gegen die Toronto Blue Jays
Als Trey Yesavage das Mound nach 7 Innings beim Stand verließ (drehbuchreif das Double Play zum Abschluss) und kurz danach die Niederlage der Dodgers feststand, da wird der eine oder andere Filmproduzent erstens entsetzt über seine Dodgers (das Sportteam von LA) und zweitens mit Befehl an seine Leute in den Abend (ca. 21:30 Ortszeit) getreten sein, sofort eine Yesavage-Geschichte zu schreiben. Was für ein Auftritt des Rookies!
Schon in nüchternen Zahlen beeindruckend-unfassbar: 7.0 Innings, 3 Hits, 1 Earned Run (der Homerun von Kiké Hernandez), 0 Walks, dafür 12 Strikeouts, Rookie-Rekord und die sechstmeisten ever in einem World-Series-Spiel. Und das nicht gegen irgendeine Kirmestruppe, sondern den Titelverteidiger mit den furchteinflößenden Schlagmännern zu Beginn der Line Up: Shohei Ohtani (der im 3. Spiel noch neunmal auf Base gekommen war), Will Smith, Mookie Betts. Nicht einer von ihnen gelangte in den jeweils 3 At Bats gegen den Frischling auch nur ein einziges Mal auf Base.
Das alles schaffte Ysavage mit einem unaufgeregten, gar nicht mal sooo schnellen Wurf, der die Dodgers-Batter bis auf Teoscar Hernández (2 Hits) vor unlösbare Probleme stellte. Faszinierend die Kontrolle, 71 Strikes bei 104 Würfen. Die Frage stellte sich: Wer war der Lehrbub (60.000 Dollar Jahresgehalt, immerhin), wer die zigmillionenschweren Superstars?
Blue Jays starten mit 2 Homeruns
Natürlich kam Yesavage der Spielverlauf entgegen, denn die Toronto-Offensive war gleich hellwach. Den ersten Pitch überhaupt jagte Davis Schneider über den Zaun. Den dritten Pitch der Partie von Blake Snell, dem Pitching-Ass der Dodgers, sandte Vlad Guerrero jr. per Homerun in die Zuschauertribüne – 2:0. Seine unglaubliche Coolness bewies Yesavage, dass er den Homerun von Kiké Hernández (ja, es gibt zwei von den Hernandez‘, nicht verwandt) seelenruhig zur Kennnis nahm und danach Alex Call und Shohei Ohtani ausmachte.
Auch Snell fing sich, musste zunächst nur den Run nach einen Sacrifice Fly hinnehmen, sodass es bis Anfang des 7. Innings beim 1:3-Rückstand der Dodgers blieb, im Baseball ein Nichts.
Im 7. Inning begann dann die zweite Pitcher-Geschichte, die des Blake Snell, allerdings ohne Happy End. Obwohl er schon 90 Pitches im Arm hatte, beließ ihn Manager Dave Roberts erst mal auf dem Mound; er dachte an seine furchtbaren Einwechselwerfer (ich übertreibe jetzt bewusst, aber nur ein kleines bisschen, denn es ist in sdiesem Luxuskader ein echtes Elend mit ihnen …). Aber mit der Kraft fehlte die Genauigkeit. Wild Pitch, Torontos Barger rückt auf die 2. Base. Walk Andres Gimenez. Wild Pitch, Barger rückt auf die 3. Base.
Nach dem Strikeout gegen Schneider wechselte Roberts Snell (am Ende: 116 Pitches) gegen Edgardo Henriquez aus. Der fabrizierte gleich den nächsten Wild Pitch, so dass Barger tatsächlich zum dritten Mal praktisch kampflos eine Base weiterrückte zum 4. Run der Kanadier – ebenfalls rekordverdächtig.
Boe Bichette besorgte gegen Henriquez einen weiteren Run (durch Gimenez), und im 8. Inning legte Isiah Kiner-Falefa mit einem RBI (Run: Ernie Clement) zum Endstand nach.
Ausblick
Dass die Blue Jays mit eine 3:2-Führung nach Toronto zurückkehren würden, hätten nach der herzzerreißenden 18-Inning-Niederlage in Spiel 3 vor 2 Tagen wohl auch die größten Optimisten kaum zu hoffen gewagt. Doch entschieden ist noch lange nichts: Gerade in dieser geschichtsträchtigen Serie halte ich ein Comeback (zumindest ein Spiel 7) geradezu für zwingend, zumal in Partie 6 für die Dodgers mit Yoshinobu Ymamoto ein weiterer Pitcher bereitsteht, der für hollywoodreife Geschichten steht. Schafft er etwa sein drittes Complete Game in Folge?
Ansetzungen (MEZ)
Sa., 01:10: Blue Jays – Dodgers (3:2)
So., 01:10: Blue Jays – Dodgers (Spiel 7, falls erforderlich
von Münchner Löwe | Okt. 26, 2025 | MLB
Blick über den Teich, World Series
Toronto Blue Jays – Los Angeles Dodgers 11:4 und 1:5 (1:1)
Mit einem Split endeten die ersten bBeiden Partien in Toronto. Vertrieben sind damit die Ängste, die Serie könnte eine allzu klare Sache des Titelverteidigers aus Kalifornien werden. Vor allem im 1. Spiel zeigten die Kanadier, dass ihre Schlagmänner weiter auf Zack sind. Gegen die glanzvolle Pitcher-Leistung von Yoshinobu Yamamoto in Spiel 2 waren sie allerdings chancenlos
9 Runs im 6. Inning
Von diesem Spielabschnitt werden die Torontians noch ihren Enkeln erzählen. 2:2 stand es, nachdem zuvor Daulton Varsho mit einem 2-Run-Homer ausgeglichen hatte. Im 6. Inning brachen dann alle Dämme: Blake Snell lud die Bases, unter anderem mit einem Hit by Pitch gegen Varsho. Danach hatte Dodgers-Manager Dave Roberts genug und ersetzte seinen zwar guten, aber längst nicht überragenden Starting Pitcher (wie noch vor einer Woche gegen Milwaukee) durch Emmet Sheehan. Mit dem das Dodgers-Desaster seinen Lauf nahm. Er ließ ein Single von Ernie Clement zu – 2:3. Es folgte ein Walk von Alejandro Kirk und ein Single von Andres Gimenez – 2:5. Small Ball at its best, doch Toronto kann auch die big shots: Der eingewechselte Addison Barger drosch den Ball mit weiter geladenen Bases über den Zaun. Grand Slam, also vier weitere Runs auf dem Blue-Jays-Scoreboard. Und zur Überraschung aller Experten vermeldeten die Statistiker: Es war der erste Grand-Slam eines sogenannten Pinch Hitters (Einwechsel-Schlagmann) in der Geschichte der World Series, die gerade ihre 120. Auflage feiert und in der schon der eine oder andere recht bekannte Auswechselmann an die Platte getreten hat.
Und noch immer hatten die Jays nicht genug: Alejandro Kirk erzielte einen weiteren Homern, diesmal 2 Runs wert (Vlad Guerrero jr. war zuvor per Single auf Base gekommen) – 11:2.
Es blieb dem ansonsten wirkungslosen Shohei Ohtani überlassen, mit seinem Two-Run-Homer (gleichzeitig sein einziger Hit bei 5 Versuchen), wenigstens etwas Ergebnis-Korrektur zu betreiben.
Unfassbarer Yamamoto: noch ein complete game
Eine famose Leistung abzuliefern ist das eine: diese zu wiederholen zeigt Ausnahmeklasse. Und in diese Reihe von Ausnahmespielern darf sich spätestens nach Spiel 2 auch Dodgers-Ptcher Yohunobe Yamamoto zählen. Beim 5:1 entnervte er die bis dato so zuverlässigen und auch geduldigen Toronto-Schlagmänner. Umso bemerkenswerter, weil der Japaner im 1. Inning noch Riesenprobleme hatte, gleich die ersten beiden Hiter George Springer und Nathan Lukes auf Base ließ. Doch mit viel Können und etwas Glück befreite er sich aus der heiklen Situation nach , ohne dass er einen Run zuließ.
Auf der anderen Seite hatte auch Kevin Gausman einen ganz starken Tag. Zwar ließ er im 1. Inning einen Run zu, danach allerdings eliminierte er 17 Schlagmänner der Dodgers in Folge. Und doch reichte diese phänomenale Leistung nicht zum Sieg. Im 7. Inning (eigentlich sollte er gar nicht so lange werfen, aber er brauchte bis dato extrem wenige Pitches) drosch zunächst Will Smith den Ball über den Zaun und kurze Zeit später Max Muncy. Erst danach kam es zum Pitcher-Wechsel, doch die jetzt sichtlich erleichterten, ja erlösten Dodgers nutzen die Gelegenheit und schafften im 8. Inning zwei weitere Punkte.
Und Yamamto? Ließ sich nichts anmerken und eliminierte einen Blue Jay nach dem anderen. Wie ein Uhrwerk und variablen Würfen, mal ganz schnell, mal verzinkt langsam. Spätestens im 8. Inning war klar, dass der Japaner das komplette Spiel absolvieren würde und dass die so stark kritisierten Ersatzwerfer der Dodgers nicht zum Einsatz kommen würden. Am Ende nur noch ehrfurchtvolle Stille im Rogers Centre vor der grandiosen Leistung des Japaners
Yamamotos Auftritt in Zahlen: 9.0 Innings, 4 Hits (davon einer eher ein Error, aber als Hit gewertet), 1 Earned Run. Dieses Mal brauchte er 105 Pitches; beim Complete Game vor einer Woche gegen Milwaukee waren es 104. Gut für die Blue Jays, dass sogar dieser Übermensch nun eine Pause braucht und erst im 6. Spiel (falls es dazu kommt) auf dem Mound zurückkehrt.
Ausblick
Die Serie geht jetzt für 3 Spiele nach Los Angeles. Mein Eindruck: Es ist völlig offen, w er am Ende die Nase voll hat. Es würde mich allerdings wundern, wenn es dreimal den gleichen Sieger geben würde, sodass die World Series ziemlich wahrscheinlich noch mal für eine 6. und vielleicht auch 7. Partie nach Toronto zurückkehrt.
Nur eines würde mir als Blue-Jay-Fan etwas Sorgen machen. Dodgers Supermann Shohei Ohtani hat sein Können noch gar nicht gezeigt. Wieder nur ein Hit bei 4 Versuchen (also insgesamt 2/9 in den World Series). Irgendwann kommt dann der Inhalt der Ketchup-Flasche, siehe Spiel 4 der Dodgers gegen die Brewers in den Conference Series (3 Homeruns und als Pitcher 10 Strikeouts).
Ansetzungen (MEZ)
Di., 01:00: Dodgers – Blue Jays, Spiel 3 (1:1)
Als Starting Pitcher sind Tyler Glasnow und Max Scherzer vorgesehen. Bei Scherzer setze
ich aber ein kleines Fragezeichen
Mi., 01:00: Dodgers – Blue Jays, Spiel 4
SP: Shohei Ohtani und Shane Bieber (vielleicht schon in Spiel 3?)
Do., 01:00: Dodgers – Blue Jays, Spiel 5
Sa., 01:00: Blue Jays – Dodgers, Spiel 6 *
So., 01:00: Blue Jays – Dodgers, Spiel 7 *
* falls erforderlich
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