Knicks versetzen New York in den Ausnahmezustand

Blick über den Teich, NBA

 

San Antonio Spurs – NEW YORK KNICKS 90:94 (ENDSTAND: 1:4)

 

Was kaum ein Experte vor Beginn der Finalserie ernsthaft geglaubt hätte und sich doch in den vergangenen Tagen abzeichnete, ist Wirklichkeit. Die Knicks gewannen auch die fünfte Partie der Finalserie; bei den Spurs triumphierten sie mit 94:90, gewannen die Serie 4:1 und sicherten sich für Big Apple den ersten NBA-Triumph seit 1973. Kein NBA-Team hat länger auf einen Titel gewartet. Vergleiche mit den Chicago Cubs, die 107 Jahre auf die Meisterschaft in der MLB warteten, wurden schon  hervorgekramt.

Wieder eine Aufholjagd: Nicht die rekordträchtigen 29 Punkte aus Partie 4 im heimischen Madison Square Garden; aber auch die 15 Zähler, die sie ab Mitte des dritten Viertels wettmachten, sind wahrlich nicht alltäglich, vor allem nicht in der Fremde. Wobei anzumerken ist, dass die Halle in San Antonio mindestens zu einem Viertel mit Knicks-Anhängern gefüllt war, die die Auswärtpartie in ein Heimspiel verwandelten, gerade als sie Punkt um Punkt aufholten. Darunter die Edelfans Spike Lee, Timothee Chamalet. Höchstens die LA Lakers haben eine ähnliche Promi-Dichte unter den Anhängern.

Zu Hause in New York verfolgten zigtausende auf den Straßen das Geschehen über riesige Leinwände: Hier war die ausgelassene Jubelstimmung, die sich die Verantwortlichen der Fußball-WM so dringernd wünschen würden. Ohne allzu prophetisch zu sein: Nie im Leben wird ein Soccer-Spiel in New York diese Emotionen entfachen. Big Apple feiert jetzt Basketball-Party, mindestens bis zur Siegesparade am Donnerstag, die Bürgermeister Zohran Mamdani ankündigte. 1 Million? 2 Millionen? Die Prachtstraßen werden schwarz vor Menschen sein.

Schon am Abend nach der Schlussirene um 23 Uhr Ortszeit strömten hunderttausende auf die Avenues und feierten. Meist friedlich, aber wie fast immer bei großen Meisterfeiern gab es ein paar Chaoten, die randalierten. Aber die Freude überwog, die Erleichterung und auch der Unglaube: Denn der große Teil, die da in den Straßenschluchten jubelten, hat den letzten Triumph eines New Yorker Basketball-Teams nicht (bewusst) erlebt. Jetzt heißt es allenthalben und bald geflügelt: Knicks in five!

 

Bester der Sieger

 

Jalen Brunson: 45 Punkte sammelte er, davon 13 in Folge im 4. Viertel – noch Frage? Bestenfalls, warum der Spielmacher immer ein Viertel braucht, ehe er auf Touren kommt. Völlig zu recht wurde er zum MvP der Finalserie gewählt. Er widerlegte alle Zweifler und Zweifel, die den nur 1,88 Meter großen Guard (wir sind beim Basketball!) begleiteten.
Vor 4 Jahren kam er nach New York. Quasi weggescheucht von den Dallas Mavericks, bei denen er über eine Mitäuferrolle nie hinauskam (hinter Luka Doncic, den die Mavs im Januar 2025 ebenfalls vergraulten, eine echt bemerkenswerte Leistung der damaligen TeamführungI). Jetzt verzichtete er sogar auf Geld, damit das Team sich weiter verstärken konnte. Vor allem OJ Amunoby und Karl-Anthony Towns, beide in tragenden Rollen, aber es war Brunson, der die Aufholjagden initiierte. Ohne ihn, da besteht für mich nicht der geringste Zweifel, würde New York jetzt nicht einen NBA-Triumph feiern.

 

Stark trotz der Niederlage

 

Derek Harper: Eine ganz tolle Leistung des Rookies (Profi im ersten Jahr). 25 Punkte legte er auf. Ausgerechnet der jüngste des jungen Teams wehrte sich am meisten gegen die Niederlage. Nicht alles gelingt dem Spielmacher, aber er macht jetzt schon so viele Sachen nicht nur richtig, sondern richtig gut.
Harper stellte teilweise sogar „Alien“ Victor Wembanyama in den Schatten, trotz dessen 5 Blocks und 14 Rebounds, davon 6 am offensiven Brett.

 

X-Faktor

 

Mitchell Robinson: Ein Top-Scorer wird der Ersatzcenter der Knicks nicht mehr. Aber in Sachen  Offensiv-Rebound macht ihm niemand etwas vor. 6 Abpraller schnappte er unterm gegnerischen Korb, ermöglichte also sechs weitere Chancen zum Punkten. Zudem steht er in der Defensive immer seinen Mann. Zum Freiwurfwerfen wurde er Gott sei Dank für ihn nur zweimal genötigt – er traf natürlich nicht …

Mike Brown: Der Trainer machte gleich im ersten Jahr in New York sein Meisterstück. Es hatte ein paar Monate gedauert, bis seine Mannschaft begriffen hat, was der Coach von ihnen wollte. Brown justierte neu, zuletzt im April, als er die Rolle von Towns neu erfand. Jetzt der unfassbare Play-off-Lauf mit insgesamt 15 Siegen aus den vergangenen 16 Partien.
Brown, der als Cheftrainer in den Jahren zuvor die Sacramento Kings aus den tiefsten Niederungen zu einem Play-off-Team geformt hatte (bevor ihm die erratische Teamführung wieder alles zerstörte), ist jetzt neben Jalen Brunson der König von New York – für alle Zeiten.

 

Zahlereien

 

1; 1; 4;  Das waren die Abstände der vergangenen 3 Knicks-Siege. Nie war eine Serie enger.

5: In allen Partien lagen die Knicks im ersten Viertel mit mindestens 10 Punkten zurück. Viermal gelang im vierten Viertel die erfolgreiche Aufholjagd.

 

🇩🇪👓

 

Ariel Hukporti hatte im 5. Spiel einen Kurzauftritt. In 1:52 Minuten hatte er einen wichtigen Block und einen wichtigen Offensiv-Rebound. Jetzt ist er der dritte Deutsche überhaupt mit einem NBA-Ring am Finger nach Dirk Nowitzki (2011/Dallas) und Isaiah Hartenstein (2025/Oklahoma City).

 

Ausblick der Sieger

 

Wie es aussieht, bleiben die Knicks zusammen. Gerade im eher schwächeren Osten dürften sie auch in de kommenden Saison eine tragende Rolle spielen. Ob es dann wieder zum Conference-Titel oder gar zur NBA-Titelverteidigung reicht, bleibt abzuwarten. Einerseits lassen amtierende Meister erfahrungsgemäß ein wenig nach, andrerseits wirkt ein derart sehnlichst erwarteter Titel wie eine Befreiung – für die Mannschaft, für die Fans, für die ganze Stadt (werden etwa die Yankees profitieren?).

 

Und die Verlierer?!

 

Natürlich schmerzt die Niederlage extrem, weil die Spurs eigentlich das bessere Team sind/waren. Nie war allerdings das Wort „eigentlich“ sinnloser. Wenn man konsequent komfortable Führungen verhühnert …
Den Spurs gehört dennoch die Zukunft, wenn sie nicht zerbrechen (was ich nicht glaube), sondern die richtigen Lehren ziehen: Die Mannschaft ist extrem jung, und kaum ein Spieler ist in seiner Entwicklung am Zenith angekommen. Das gilt auch für den jungen Coach Mitch Johnson, der in seiner ersten vollen Saison als Nachfolger des legendären Gregg Popovich zumindest in der Finalserie noch Lehrgeld zahlen musste und von Brown letztlich ausgecoacht wurde. Es würde mich sehr wundern, wenn der NBA-Titel nicht in den kommenden drei Jahren mindestens einmal nach Texas wandern würde. Nicht zuletzt, weil dort Victor Wembanyama sein Unwesen treibt und wahrscheinlich noch viel, viel besser wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

Drei Spiele, drei Auswärtssiege

Blick über den Teich, NBA

 

Alles schien schon angerichtet für den Triumphzug der New York Knicks. Was sollte schon noch viel passieren nach den beiden Auswärtssiegen beim Gegner der NBA Finals, den San Antonio Spurs. Ein flirrender Madison Square Garden wartete auf die Gefühlsexplosion. Die aufgerufenen und offenbar bezahlten Eintrittspreise erklommen stundenweise Rekordwerte (und lassen sie meisten Partien de Fußball-WM wie ein Billig-Vergnügen dastehen). Fünfstellige Dollarsummen mussten fürs günstigste Ticket berappt werden, Rekordpreis waren angeblich die dreiviertel Million Dollar.

Sogar der Präsident war live vor Ort, eingeladen vom Besitzer der Knicks und mit dem freundlichem Segen der Liga. Donald Trump war laut Angaben der NBA das erste US-Staatsoberhaupt  live vor Ort in einem Finalspiel. Bei de Hymne wurde er kurz eingeblendet, auf das Herzlichste ausgebuht vom New Yorker Publikum. Die Pfiffe endeten erst, als die Nationalflagge gezeigt wurde. Die Amerikaner, ich werde sie wohl nicht mehr begreifen.

Vielleicht war das alles zu viel für die Knicks. Die begannen schrecklich nervös, auch wegen der eigenartgen Stimmung im Garden. Die beinharten Fans waren nicht da, dafür ein sogenanntes Opernpublikum, das sich gerne bespaßen lässt, aber nicht selbst für die Anfeuerung sorgt. Die größte Sorge vor Spiel 3 war ja, wie die junge Spurs-Truppe mit dem ganzen Tohuwabohu umgehen würde gerade nach dem Rückschlag der 2 knappen Heimniederlagen. Sie taten es glänzend, und in der starken Schlussphase sicherten sie sich Spiel 3, das die Best-of-7-Serie wieder völlig offen lässt.

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Vorne und hinten der Anker. Er begann mit 2 krachenden Dunks, und in der Verteidigung hatte er insgesamt 3 Blocks und 2 Steals. 32 Punkte sammelte er, verteilte 6 Assists und schnappte 8 Rebounds.

 

Stark trotz der Niederlage

 

Jalen Brunson (32 Punkte) und OJ Amunoby (28) stemmten sich am meisten gegen die drohende Niederlage. Amunoby war effizienter (9/13) und auch in der Abwehr stärker.
Diesmal allerdings fehlte die außerordentliche Unterstützung von der Bank, die in Spiel 2 den Ausschlag für die Knicks gegeben hatte.

 

X-Faktor

 

Stephon Castle: Beeindruckendes 1. Hälfte, als er gleich 18 seiner insgesamt 23 Zähler auflegte.Wichtig war, dass er nach einer schöpferischen Pause im 3. Viertel im Schlussabschnitt wieder zur Stelle war mit einem ganz wichtigen Dreier.

 

Ausblick

 

Alles ist wieder offen. Spiel 4 wird vielleicht nicht ganz so viel Brimborium bringen und erst recht keinen Präsidentenbesuch. Dafür aber wieder die echte Garden-Basketball-Atmosphäre, die die Halle so einzigartig macht. Die Spurs haben gezeigt, dass sie auch gewinnen können, sogar bei den Knicks, die zuletzt im April (!) eine Partie verloren haben.

 

Ansetzungen

 

Do., 02:30: Knicks – Spurs (2:1)
So., 02:30: Spurs – Knicks
Mi., 02:30: Knicks – Spurs *
Sa., 02:30: Spurs – Knicks *

* falls erforderlich

 

 

 

Insgesamt 44 Ballverluste leisteten sich die Teams, Ausdruck de großen Nervosität auf beiden Seiten, die die gesamte partie nie so richtig verschwand.

New York lechzt nach einem Titel

Blick über den Teich, NBA

 

2 Teams sind im Titelrennen noch übriggebleben. Hier die San Antonio Spurs, dort die New York Knicks. Gerade im Big Apple lechzt man geradezu nach einer Meisterschaft, die letzte schaffte die selbsternannte Sporthauptstadt der USA (also der Welt!) im Basketball 1973(!). Die letzte Teilnahme an den NBA-Finals datiert ebenfalls aus dem vergangenen Jahrtausend, als die Knicks 1999 den Spours un terlagen.

Jetzt geht es also wieder gegen die Texaner, und Big City kann sich tatsächlich Hoffnungen auf eine rauschende Meisterschaftsfeier machen, die die gleichzeitige Fußball-WM (ab 11. Juni) völlig in den Schattens satellen würde. Zwar gelten die Spurs als Favoriten bei fast allen Experten und auch den diversen Wettportalen, aber gerade der vergangene Monat und der Siegeszug der Knicks durch die K.o.Runden der Eastern Conference (zuletzt 11 Siege in Folge) haben doch so manchen wankelmütig werden lassen in seiner Vorschau. Ist das wirklich nur die Schwäche der Ost-Gegner oder steckt mehr dahinter. Nämlich ein Team, das zusammengefunden hat, das den vor der Saison gekommenen Trainer Mike Brown und seine Spiele-Idee nach und nach verstanden hat. Dessen Stars sich nicht hinter denen de Spurs verstecken müssen. Nein, einen Wembanyama haben sie nicht in ihrem Kader aber durchaus einige Leute, die auch gegen San Antonio sehr viel Schaden anrichten können.

 

Die Topstars

 

Victor Wembanyama lässt Fans und Experten immer wieder fasssungslos zurück. Einen derartig bewegöichen 2,24-Mann hat die Liga noch nicht gesehen. In der Verteidigung eh eine Klasse für sich; mit seinen ewig langen Spinnenarmen hat er schon viele Angreifer zur Verzweiflung gebracht. Dazu mit einem vernüftigen Distanzwurf ausgestattet (die mehr oder weniger sinnlosen Dreier hat ihm der Trainerstab weitgehend ausgetrieben). Der Franzose kann dank seiner Länge Anspiele verwerten, die für andere außer Reichweite sind.
Andrereseits ist er halt auch erst 21 Jahre alt. Sehr reif für seine Jugend, aber eben längst noch nicht ausgereift. Auch in der bisherigen K.o.-Runde hat er nicht in jedem Spiel seinen Stempel aufgedrückt. Es wird sich zeigen, ob ihm das jetzt gegen die New Yorker Athleten vorbehaltlos gelingt.

Jalen Brunson ist der Primus inter pares bei den Knicks. Unfassbar, wie er trotz seiner nur 1,88 Meter (für Basketball-Verhältnisse fast schon zwergenhaft) immer wieder Wege zum Korb findet, immer wieder seine Würfe anbringt, immer wieder Mitspieler bedient. Längtst ist er in der Riege der absoluten Topstars der Liga, niemand wird ihn jetzt noch unterschätzen.

 

Die Co-Stars

 

Einer allein kann es schon länger nicht mehr richten. Jedes Team braucht eine zweite, fast gleichwertige Option (daran scheiterte unter anderem etwa Titelverteidiger Oklahoma City Thunder, weil Jaylen Williams verletzugnsbedingt ausfiel).

 

Stephon Castle ist bei den Spurs zu diesem extrem wichtigen zweiten Mann herangereift. Er sprüht vor Ideeen (manche allerdings führen auch zu nichts und absurden Ballverlusten). Kann werfen, kann zum Korb ziehen, hat viel Spielübersicht. Die Kombo Castle-Wemby funktioniert schon bestens, ich darf mir gar nicht ausmalen, wozu die in ein paar Jahren erst fähig sind, wenn sie denn zusammenbleiben.

Karl-Anthony Towns: die große (im Wortsinn) Unvbekannte. An guten Tagen ist der 2,1-Meter-Riese eine nicht zu verteidigende Waffe, weil er einen überdurchscnittlich guten Distanzwurf hat, aber eben auch unwiderlstehlich zum Korb zieht. An schlechten Tagen handelt er sich früh unnötige Fouls ein und kann nur bedingt eingesetzt werden. Dann fehlt es den Knicks schlicht an Größe.

 

Die X-Faktoren

 

Auch ein strahlendes Duo allein reicht natürlich nicht. Es braucht wichtige Rollenspieler, die auch über sich hinauswachsen können.

 

De’Aaron Fox: Er kam letztes Jahr mit großen Erwartungen von den im Sinkflug befindlichen Sacramento Kings. Ein Mann der wichtigen Punkte, ein Mann für die entscheidende Phase, weil er sich nicht scheut, Verantwortung zu übernehmen. Sein Dreier macht Sorgen, aber die Form ist stark im Aufwind. Knicks-Trainer Mike Brown und er kennen sich sehr gut aus gemeinsamen Kings-Zeiten, als Fox der Starspieler von Brown war.

OJ Amunoby: Wohl dem Team, der eine derartige dritte Option hat (für viele ist er wichtiger als Towns und fast so wichtig wie Brunson. Ein Bulle in der Abwehr, der den Offensivkräften das Leben schwer macht. Ein Arbeiter im Angriff, der Räume schafft. Selbst kann er jederzeit übernehmen. Er weiß, wie das geht mit Titeln, als er (in ähnlicher Rolle) 2019 mit den Toronto Raptors triumphierte.

 

Die Bankspieler

 

Die meisten Trainer vertrauen in den Play-offs auf eine Achter- oder vielleicht sogar Neuner-Rotation.

 

Luke Kornet: Einer der Schlüsselspieler der Spurs. Der Ersatz für Wemby. Enorm erfahren, wie Amunoby schon mit einem NBA-Titel-Ring ausgestattet (mit den Boston Celtics 2014). Natürlich ist er nicht so gut wie der Außerirdische, aber sowohl in Angriff als auch Abwehr mehr als zuverlässig, fragt mal Isaiah Hartenstein …
Derek Harper hat sich zu einem elementar wichtigen Teil der Spurs entwickelt. Ein Rookie-Spielmacher passt enorm gut auf den Ball auf, schon jetzt hat er eine glänzende Übersicht.

Mitchell Robinson: Der Spezialist für Abpraller. Seine Offensiv-Rebounds ermöglichen den Knicks viele zweite Wurfchancen. Er selbst beschränkt sich darauf, nur Bälle unmittelbar unterm Korb in die Reuse zu stopfen. Legendär sein desaströses Auftreten an der Freiwurflinie mit eine Quote von wiet unter 50 Prozent. Die Knicks nehmen diese Schwäche in Kauf, und sie werden mit nimmermüden Einsatz belohnt.
Landry Shamet: Der Scharfschütze der Knicks. Wenn er heißläuft, versenkt er die Dinger fast blind und ohne Nachzudenken auch aus den unmöglichsten Situationen (das berühmt-berüchtigte Catch-and-School).

 

Zusammenfassung

 

Kleinigkeiten werden entscheiden. Welche Dreier funktionieren besser, welches Team produziert weniger Ballverluste. Und natürlich: Gibt es verletzungsbedingte Ausfälle? Zumindest von den bisherigen Play-off-Zahlen sehe ich keine gravierenden Unterschiede

 

🧠 San Antonio Spurs

Der Sieg über den Titelverteidiger OKC ist schon der Ritterschlag. Mit 7-Meilen-Stiefel hat das junge Team in diesem Frühjahr mehrere Entwicklungsschritte genommen. Mangelnde Erfahrung wird also nicht den Ausschlag geben. Der Trumpf Wembanyama kann jederzeit stechen.
Die Knicks werden es den Texanern schwer machen. Sie konnten sich mehr als eine Woche ausruhen, ihre Wehwehchen pflegen, sich Matchpläne überlegen, während sich der Gegner körperlich und vor allem auch geistig in einer Monsterserie gegen die Thunder aufrieb. Mich würde nicht wundern, wenn sie glecih das erste Spiel in San Antonio klauen, und der heimische Madison Square Garden samt der ganzen A-Prominenten auf der Tribüne ist so was von bereit.

 

❤️ Knicks

 

Ich kann mit beiden Teams bestens leben und habe für beide Sympathien. Die bessere und schönere Geschichte ist New York, die Knicks haben aufgrund ihrer Teamstruktur auch nicht mehr so viel zeit wie die noch jungen Spurs, die noch viele sehr erfolgreiche Jahre haben dürften. Und New Yok ist eine demokratische Hochburg, Texas dagegen eine Staaten, die den unaussprechlichen Präsidenten am meisten unterstürtzen.

 

Ansetzungen

 

Gespielt wird nach dem Format 2-2-1-1-1. Also 2 Heimspiele Spurs, 2 Heimspiele Knicks, dann Wechsel von Partie zu Partie, immer mit einem zusätzlichen Reisetag. Die Spurs haben aufgrund der besseren Saisonbilanz Heimrecht im dann alles entscheidenden Spiel 7.
Prime wird alle Partien live und mit deutschem Kommentar übertragen,  wahrscheinlich immer mit Komentator und Experte. Allerdings aus dem Studio in Unterföhring. Die Zeiten, in denen das DSF und Premiere in die Staaten flog zu diesem Anlass, sind längst vorbei.
Ansonsten schauen, was die Sender so machen. Vor allem Magenta, ARD und ZDF haben wegen der Fußball-WM ja mehrere Journalisten in den Staaten.

Do., 02:30: Spurs – Knicks
Sa., 02:30: Spurs – Knicks
Di., 02:30: Knicks – Spurs
Do., 02:30: Knicks – Spurs
So., 02:30: Spurs – Knicks *
Mi., 02:30: Knicks – Spurs *
Sa., 02:30: Spurs – Knicks *

* falls nötig

Anmerkung in eigener Sache: Ich verbringe die Zeit am Bodensee, wo ich die Spiele Gott sei Dank per WLAN verfolgen kann (wenn dieses stabil ist …). Ob ich darüber in aller Ausführlichkeit die Löwen-Ansicht zum besten gebe, ist dann auch stark vom Wetter abhängig.

 

 

 

 

 

 

Ein Donnerwetter für die Thunder

Blick über den Teich, NBA

 

Oklahoma City Thunder – SAN ANTONIO SPURS 103:11 (3:4)

 

Der Titelverteidiger ist entthront. Von einem Team, das eigentlich erst in ein, zwei Jahren für das ganz große Ding bereit zu sein sollte. Doch die Spurs und deren Superstar Victor Wembanyama kümmern sich nicht um am Reißbrett entworfene Karriere-Pläne. Im Hexenkessel von Oklahoma City behielten sie im 7. und entscheidenen Spiel dieser aufsehenerregenden Serie stets die Nerven und schafften am Ende einen fast souveränen Auswärtssieg.

Wie so oft in dieser Serie hatten die Texaner den besseren Start, führten im 1. Viertel schon mit 14 Punkten. Doch die Thunder ließen sich auch diesmal kaum aus der Ruhe bringen und knabberten Punkt für Punkt weg. Gegen Ende des 2. Viertels gingen sie sogar selbst in Führung, aber jetzt bewahrte San Antonio die Ruhe und schafften dank einen 7:0-Laufes die knappe 56:53-Halbzeitführung.

Diese sollte auch nach dem 3. Viertel Bestand haben. Beide Teams hatten ihre Auf und Abs, keines konnte sich absetzen, keines fiel aussichtlos zurück. Brillante Aktionen wechselten sich mit stupiden Fehlern ab, ein typisches Game 7, das gleichzeitig das Beste und Schlechteste herauskehrt

Die Entscheidung fiel dann Anfang des 4. Viertels, als die Spurs 11 Zähler zwischen sich und dem Gegner legten, was trotz größter Benühungen des Titelverteidigers nicht mehr aufzuholen war. Fast schon erschreckend, wie cool das die fast durchgehend jungen Kerle der Gäste herunterspielten; wenn ich bedenke, dass das für fast alle im Kader das erste Spiel 7 in einer Play-of-Serie war: noch dazu auswärts, noch dazu beim Titelverteidiger und bestem Team der Saison. Das allerdings einen entscheidenden Nachteil hatte: Es musste auf seine beiden nominellen Spielmacher Jalen Williams und Ajaj Mitchell verletzungsbedingt verzichten.

 

Aktion des Spiels

 

Kormets Monsterblock: 4. Viertel, sechseinhalb Minuten sind noch zu spielen, die Spurs führen mit 97:91, also wahrlich nicht komfortabel. Thunder-Center Isaiah Hartenstein fängt einen Pass ab und strebt zum gegnerischen Korb. De Deutsche versucht einen Dunk, doch Luke Kornet ist zurückgeeilt und verhindert die sicheren Punkte. Ausgerechnet Kornet, im Kader immer „nur“ der Ersatz von Victor Wembanyama. Aber so wertvoll mit seiner Erfahrung aus seinen Zeiten bei den Boston Celtics, mit denen er 2024 den Titel holte. Jetzt der Block für die Ewigkeit.

https://www.nba.com/stats/events?CFID=&CFPARAMS=&GameEventID=622&GameID=0042500317&Season=2025-26&flag=1&title=Kornet%20BLOCK%20(1%20BLK)

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Fast sträube ich mich, für diese Partie einen Spieler der Spurs herauszupicken. Aber was der Franzose mit seinen 21 Jahren schon für eine Ausstrahlung hat und welchen Einfluss seine 2,24 Meter in der Verteidigung haben, ist bemerkenswert. Mit 22 Punkten war er auch Topscorer seines Teams, dazu 7 Rebounds.  Gute Zahlen, gewiss, aber gar nicht sooo herausragend in einer Mannschaft, in der 7 Profis zweistellig punkteten.
Kein Zweifel besteht darin, dass Victor Wembanyama völlig zu Recht zum MvP der Serie gewählt wurde

 

Stark beim Verlierer

 

Shai Gilgeous-Alexander: Fast wirkte es so, als habe sich der MvP der Saison sein Bestes  für die wichtigste Partie der Saison aufgespart. 31 Punkte hatte er in den ersten drei Vierteln gesammelt und sein Team teilweise im Alleingang im Spiel gehalten. Doch in der entscheidenen Phase hatte er wenig zuzusetzen (nur 4 Zähler im Schlussabschnitt), die sehr starke Verteidigung gegen ihn hatte zu viele Kräfte gekostet.

 

X-Faktoren

 

De’Aaron Fox: Mit Abstand sein bestes Spiel der Serie. 15 Punkte und 5 Assists hatte der 28-Jährige. Genau diese Unterstützung hatten die Spurs bei seiner Verpflichtung im vorvergangenen Winter (von „meinen“ Kings, seufz) im Auge.
Julian Champagnie: Seine Dreier trafen die Thunder ins Mark. 6 von 10 waren erfolgreich, eine außergewöhnlich hohe Quote bei dieser Quantität. Allein dass er draußen steht, macht das Spiele der Spurs so gefährlich, weil sich die Defense dann nicht allein auf die Mitte konzentrieren darf.
Dylan Harper: Es mag noch bessere und talentiertere Rookies (Neuprofis) in diesem Jahrgang geben (Cooper Flagg, Kon Knüppel), aber bestimmt keinen abgezockteren. Der trotz der so starken und aggressiven Thunder-Abwehr toll auf den Ball aufpasst (nur zwei Turnovers bei Dauerdruck gegen ihn). Die trotz seiner „nur“ 1,96 Meter in de Schlussphase zwei eminent wichtige Offensiv-Rebounds schnappt und gleich zu Punkten verwandelt. Die Spurs-Verantwortlichen wurden durchaus kritisiert (zumindest argwöhnisch betrachtet), als sie im vergangenen Juni Dylan Harper als 2. Draft-Pick aufriefen – diese Stimmen sind längst verstummt.

 

🇩🇪👓

 

Isaiah Hartensten hat vielleicht nicht die denkwürdigsten Zahlen aufgelegt (7 Punkte, 5 Rebounds). Aber mit seiner Länge und Spielübersicht ist er defensiv und offensiv kaum noch wegzudenken. Bedenklich diesmal allerdings seine Flutschfinger, als er einige Pässe von SGA durch die Hände rutschen ließ.
Ein Trost trotz der Niederlage: Er wird Posterboy des Jahres sein, wenn auch unfreiwillig (siehe Aktion der Partie)

 

Ausblick der Sieger

 

Die Spurs im NBA-Finale, trotz allen Talents und Klasse kommt das für mich überraschend. Ich sehe die Endspielserie gegen die New York Knicks relativ ausgeglichen, mit kleinen Vorteilen für die Spurs, wenn überhaupt (eine ausführliche Vorschau folgt …).

 

Und die Verlierer?

 

Klar, das Verpassen der Finalserie ist eine große Enttäuschung. Viel vorzuwerfen hat sich das Team nicht, und wer weiß, wie es mit Jaylen Williams und Ajaj Mitchell ausgesehen hätte. Wobei ebenfalls anzumerken sei, das Leistungsträger wie Chet Holmgren (4 Pünktchen) und Lou Dort (weit) unter ihren Möglchkeiten geblieben sind.
Ein Jahr dürfte die Mannschaft in ihrem Kern noch zusammenbleiben (danach wird es kaum noch zu finanzieren sein), und dank einiger Draft-Picks können sie mit hochveranlagten Talenten nachlegen.

Showdown in Oklahoma

Blick über den Teich, NBA

 

San Antonio Spurs – Oklahoma City Thunder 118:91 (3:3)

 

Die Basketball-Fans und alle, die es werden werden wollen, können sich freuen. Denn die Conference Finals zwischen den Spurs und Thunder bekommen ihr 7. und dann alles entscheidende 7. Spiel – in der Nacht zu Sonntag, wenn also in Europa viele Menschen ausschlafen können.

Möglich gemacht haben das die Texaner mit einer von vorn bis hinten ziemlich beeindruckenden Vorstellung. Früh waren sie dank des blendend aufgelegten Victor Wembanyama in Führung gegangen. Die Verteidigung funktionierte, die Dreier fielen, die begeisterte Halle tat ihr Übriges. Dagegen waren die Gäste kaum wiederzuerkennen. Sie wehrten sich zwar nach Kräften (teilweise ähnelte das angeblich so körperlose Basketballspiel eher einem Wettkampf in griechisch-römisch); vor allem unter den Körben ging es sehr hart zur Sache, für meinen Geschmack zu hart. Ein Leidtragender war diesmal Thunder-Star Shai Gilgeous-Alexander, der nicht die Freiwürfe wie sonst erhielt, obwohl die Spurs-Defense mehr als anhänglich war gerade an seinen Armen. Warum da wann was abgepfiffen wird oder eben nicht, bleibt für mich ein Brief mit 7 Siegeln.

Die Entscheidung fiel dann im 3. Viertel, in höchst erstaunlichen 7 Minuten, als den Thunder kein einziger Punkt gelang, den Spurs aber 18 (wahrlich nicht perfekt in der Offensive), mit denen sie auf 91:64 davonzogen. In diesem Zeitpunkt verzeichnete der Titelverteidiger 13 Fehlwürfe, praktisch jeder eingesetzte Spieler durfte sich versuchen und scheiterte.

Der Rest war Schaulaufen, und am Ende kamen dann Spieler zum Einsatz, die wir bis dato in den Partien praktisch noch gar nicht gesehen haben. Eine äußerst ausgedehnte „Garbage Time“.

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Der Franzose hatte sich so viel vorgenommen, und er lieferte. Drei der ersten 4 Dreier saßen (in Spiel 5 kein einziger der 5 Versuche), in der Abwehr extrem aufmerksam, und diesmal zog er mit dem Ball auch zum Korb. 22 Punkte sammelte er in der 1. Halbzeit, am Ende waren es 28, obwohl weil er länger als üblich geschont wurde. Dazu 10 Rebounds und 3 blockierte Würfe.

 

Stark beim Verlierer

 

Jared McCain blieb wenigstens im Rahmen seiner Möglichkeiten mit 13 Punkten und 6 Assists.

 

X-Faktoren

 

Dylan Harper: So etwas wie der Seismograph bei den Spurs. Nach eher verhaltenen Auftritten bisher in der Serie knüpfte er an seine starken Vorstellungen zuvor an. Mit 18 Punkten zweitbester Scorer der Texaner, nervenstark an der Linie (4 von 4).

Shai Gilgeous-Alexander (negativ): Trotz der 15 Punkte ein sehr durchwachsener Auftritt. Keiner der 5 Dreier fand ins Ziel, und insgesamt reichte es für den MvP nur zu 15 Punkten (natürlich auch, weil er im letzten Viertel nicht mehr zum Einsatz kam).

 

Zahlereien

 

Nur 10 von 40 Dreiern der Thunder fanden ihren Weg in den Ring. Besonders fatal die Trefferquaote bei Lou Dort (1/9), SGA (0/5) und Jaylin William (0/4).

 

🇩🇪👓

 

Isaiah Hartenstein begann recht treffsicher (6 Punkte im 1. Viertel), doch in der Verteidigung hatte er sehr viel mehr Mühe als zuletzt und hatte nicht nur gegen Wembanyama das Nachsehen Trotz seiner Länge schnappte er sich nur 5 Rebounds (im 5. Spiel waren es noch 15).

 

Ausblick

 

Alles ist drin: ein klarer Sieg hier wie dort, aber auch eine knappe Partie, in der dann auch die Nerven entscheiden. Noch immer haben die beiden Trainer Antworten gefunden, wenn etwas nicht klappte, bis dann der Kontrahent an der Seitenlinie eine Gegen-Antwort fand. Der Heimvorteil und die Erfahrung in einem 7. Spiel sprechen für die Thunder, der Enthusiasmus und die jungen, kraftstrotzenden Kerle sind Trümpfe der Spurs.
Auf die Stars wird es natürlich ankommen; gerade wenn Gilgeous-Alexander ins Rollen kommt, ist er kaum zu verteidigen. Andererseits wird Wembanyama  nicht umsonst „Außerirdischer“ genannt.

Auf die neutralen Fans wartet ein Basketball-Fest, allerdings ohne Spannungs-Garantie. Nach der ersten Partie, die über 2 Verlängerungen ging, waren alle 5 Spiele dieser Serie doch eine mehr oder weniger klare und früh entschiedene Angelegenheit.

Ein Sieger steht jetzt schon fest: Es sind die New York Knicks, die gemütlich am Fernseher zuschauen können, wie sich der Finalgegner (ab Donnerstagmorgen) physisch und auch psychisch vorausgabt.

Spiel 7: So., 02:00 Thunder – Spurs (Sky)