Blick über den Teich, NBA
2 Teams sind im Titelrennen noch übriggebleben. Hier die San Antonio Spurs, dort die New York Knicks. Gerade im Big Apple lechzt man geradezu nach einer Meisterschaft, die letzte schaffte die selbsternannte Sporthauptstadt der USA (also der Welt!) im Basketball 1973(!). Die letzte Teilnahme an den NBA-Finals datiert ebenfalls aus dem vergangenen Jahrtausend, als die Knicks 1999 den Spours un terlagen.
Jetzt geht es also wieder gegen die Texaner, und Big City kann sich tatsächlich Hoffnungen auf eine rauschende Meisterschaftsfeier machen, die die gleichzeitige Fußball-WM (ab 11. Juni) völlig in den Schattens satellen würde. Zwar gelten die Spurs als Favoriten bei fast allen Experten und auch den diversen Wettportalen, aber gerade der vergangene Monat und der Siegeszug der Knicks durch die K.o.Runden der Eastern Conference (zuletzt 11 Siege in Folge) haben doch so manchen wankelmütig werden lassen in seiner Vorschau. Ist das wirklich nur die Schwäche der Ost-Gegner oder steckt mehr dahinter. Nämlich ein Team, das zusammengefunden hat, das den vor der Saison gekommenen Trainer Mike Brown und seine Spiele-Idee nach und nach verstanden hat. Dessen Stars sich nicht hinter denen de Spurs verstecken müssen. Nein, einen Wembanyama haben sie nicht in ihrem Kader aber durchaus einige Leute, die auch gegen San Antonio sehr viel Schaden anrichten können.
Die Topstars
Victor Wembanyama lässt Fans und Experten immer wieder fasssungslos zurück. Einen derartig bewegöichen 2,24-Mann hat die Liga noch nicht gesehen. In der Verteidigung eh eine Klasse für sich; mit seinen ewig langen Spinnenarmen hat er schon viele Angreifer zur Verzweiflung gebracht. Dazu mit einem vernüftigen Distanzwurf ausgestattet (die mehr oder weniger sinnlosen Dreier hat ihm der Trainerstab weitgehend ausgetrieben). Der Franzose kann dank seiner Länge Anspiele verwerten, die für andere außer Reichweite sind.
Andrereseits ist er halt auch erst 21 Jahre alt. Sehr reif für seine Jugend, aber eben längst noch nicht ausgereift. Auch in der bisherigen K.o.-Runde hat er nicht in jedem Spiel seinen Stempel aufgedrückt. Es wird sich zeigen, ob ihm das jetzt gegen die New Yorker Athleten vorbehaltlos gelingt.
Jalen Brunson ist der Primus inter pares bei den Knicks. Unfassbar, wie er trotz seiner nur 1,88 Meter (für Basketball-Verhältnisse fast schon zwergenhaft) immer wieder Wege zum Korb findet, immer wieder seine Würfe anbringt, immer wieder Mitspieler bedient. Längtst ist er in der Riege der absoluten Topstars der Liga, niemand wird ihn jetzt noch unterschätzen.
Die Co-Stars
Einer allein kann es schon länger nicht mehr richten. Jedes Team braucht eine zweite, fast gleichwertige Option (daran scheiterte unter anderem etwa Titelverteidiger Oklahoma City Thunder, weil Jaylen Williams verletzugnsbedingt ausfiel).
Stephon Castle ist bei den Spurs zu diesem extrem wichtigen zweiten Mann herangereift. Er sprüht vor Ideeen (manche allerdings führen auch zu nichts und absurden Ballverlusten). Kann werfen, kann zum Korb ziehen, hat viel Spielübersicht. Die Kombo Castle-Wemby funktioniert schon bestens, ich darf mir gar nicht ausmalen, wozu die in ein paar Jahren erst fähig sind, wenn sie denn zusammenbleiben.
Karl-Anthony Towns: die große (im Wortsinn) Unvbekannte. An guten Tagen ist der 2,1-Meter-Riese eine nicht zu verteidigende Waffe, weil er einen überdurchscnittlich guten Distanzwurf hat, aber eben auch unwiderlstehlich zum Korb zieht. An schlechten Tagen handelt er sich früh unnötige Fouls ein und kann nur bedingt eingesetzt werden. Dann fehlt es den Knicks schlicht an Größe.
Die X-Faktoren
Auch ein strahlendes Duo allein reicht natürlich nicht. Es braucht wichtige Rollenspieler, die auch über sich hinauswachsen können.
De’Aaron Fox: Er kam letztes Jahr mit großen Erwartungen von den im Sinkflug befindlichen Sacramento Kings. Ein Mann der wichtigen Punkte, ein Mann für die entscheidende Phase, weil er sich nicht scheut, Verantwortung zu übernehmen. Sein Dreier macht Sorgen, aber die Form ist stark im Aufwind. Knicks-Trainer Mike Brown und er kennen sich sehr gut aus gemeinsamen Kings-Zeiten, als Fox der Starspieler von Brown war.
OJ Amunoby: Wohl dem Team, der eine derartige dritte Option hat (für viele ist er wichtiger als Towns und fast so wichtig wie Brunson. Ein Bulle in der Abwehr, der den Offensivkräften das Leben schwer macht. Ein Arbeiter im Angriff, der Räume schafft. Selbst kann er jederzeit übernehmen. Er weiß, wie das geht mit Titeln, als er (in ähnlicher Rolle) 2019 mit den Toronto Raptors triumphierte.
Die Bankspieler
Die meisten Trainer vertrauen in den Play-offs auf eine Achter- oder vielleicht sogar Neuner-Rotation.
Luke Kornet: Einer der Schlüsselspieler der Spurs. Der Ersatz für Wemby. Enorm erfahren, wie Amunoby schon mit einem NBA-Titel-Ring ausgestattet (mit den Boston Celtics 2014). Natürlich ist er nicht so gut wie der Außerirdische, aber sowohl in Angriff als auch Abwehr mehr als zuverlässig, fragt mal Isaiah Hartenstein …
Derek Harper hat sich zu einem elementar wichtigen Teil der Spurs entwickelt. Ein Rookie-Spielmacher passt enorm gut auf den Ball auf, schon jetzt hat er eine glänzende Übersicht.
Mitchell Robinson: Der Spezialist für Abpraller. Seine Offensiv-Rebounds ermöglichen den Knicks viele zweite Wurfchancen. Er selbst beschränkt sich darauf, nur Bälle unmittelbar unterm Korb in die Reuse zu stopfen. Legendär sein desaströses Auftreten an der Freiwurflinie mit eine Quote von wiet unter 50 Prozent. Die Knicks nehmen diese Schwäche in Kauf, und sie werden mit nimmermüden Einsatz belohnt.
Landry Shamet: Der Scharfschütze der Knicks. Wenn er heißläuft, versenkt er die Dinger fast blind und ohne Nachzudenken auch aus den unmöglichsten Situationen (das berühmt-berüchtigte Catch-and-School).
Zusammenfassung
Kleinigkeiten werden entscheiden. Welche Dreier funktionieren besser, welches Team produziert weniger Ballverluste. Und natürlich: Gibt es verletzungsbedingte Ausfälle? Zumindest von den bisherigen Play-off-Zahlen sehe ich keine gravierenden Unterschiede
🧠 San Antonio Spurs
Der Sieg über den Titelverteidiger OKC ist schon der Ritterschlag. Mit 7-Meilen-Stiefel hat das junge Team in diesem Frühjahr mehrere Entwicklungsschritte genommen. Mangelnde Erfahrung wird also nicht den Ausschlag geben. Der Trumpf Wembanyama kann jederzeit stechen.
Die Knicks werden es den Texanern schwer machen. Sie konnten sich mehr als eine Woche ausruhen, ihre Wehwehchen pflegen, sich Matchpläne überlegen, während sich der Gegner körperlich und vor allem auch geistig in einer Monsterserie gegen die Thunder aufrieb. Mich würde nicht wundern, wenn sie glecih das erste Spiel in San Antonio klauen, und der heimische Madison Square Garden samt der ganzen A-Prominenten auf der Tribüne ist so was von bereit.
❤️ Knicks
Ich kann mit beiden Teams bestens leben und habe für beide Sympathien. Die bessere und schönere Geschichte ist New York, die Knicks haben aufgrund ihrer Teamstruktur auch nicht mehr so viel zeit wie die noch jungen Spurs, die noch viele sehr erfolgreiche Jahre haben dürften. Und New Yok ist eine demokratische Hochburg, Texas dagegen eine Staaten, die den unaussprechlichen Präsidenten am meisten unterstürtzen.
Ansetzungen
Gespielt wird nach dem Format 2-2-1-1-1. Also 2 Heimspiele Spurs, 2 Heimspiele Knicks, dann Wechsel von Partie zu Partie, immer mit einem zusätzlichen Reisetag. Die Spurs haben aufgrund der besseren Saisonbilanz Heimrecht im dann alles entscheidenden Spiel 7.
Prime wird alle Partien live und mit deutschem Kommentar übertragen, wahrscheinlich immer mit Komentator und Experte. Allerdings aus dem Studio in Unterföhring. Die Zeiten, in denen das DSF und Premiere in die Staaten flog zu diesem Anlass, sind längst vorbei.
Ansonsten schauen, was die Sender so machen. Vor allem Magenta, ARD und ZDF haben wegen der Fußball-WM ja mehrere Journalisten in den Staaten.
Do., 02:30: Spurs – Knicks
Sa., 02:30: Spurs – Knicks
Di., 02:30: Knicks – Spurs
Do., 02:30: Knicks – Spurs
So., 02:30: Spurs – Knicks *
Mi., 02:30: Knicks – Spurs *
Sa., 02:30: Spurs – Knicks *
* falls nötig
Anmerkung in eigener Sache: Ich verbringe die Zeit am Bodensee, wo ich die Spiele Gott sei Dank per WLAN verfolgen kann (wenn dieses stabil ist …). Ob ich darüber in aller Ausführlichkeit die Löwen-Ansicht zum besten gebe, ist dann auch stark vom Wetter abhängig.
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