Was so übrigbleibt

Zur Leichtathletik und Schwimmen habe ich mich schon geäußert (ich wills dabei belassen), aber es gab noch sehr viel mehr Interessantes in den vergangenen Tagen.

 

Dascha Varfolomeev liefert auch zu Hause ab

 

Darja Varfolomeev ist und bleibt die beste Gymnastin der Welt. Zwar gelang der 19-Jährigen bei der Heim-WM in Frankfurt/Main kein Titel-Durchmarsch wie 2023 in Valencia, als sie in allen fünf Disziplinen gewann, aber sie eroberte immerhin dreimal Gold: im Olympischen Mehrkampf sowie mit Ball und Band. Dazu noch Bronze mit dem Reifen, nur knapp hinter der Ukrainerin Taisiia Onofriichuk und Titelverteidigerin Sofia Raffaeli aus Italien. Nur in der Entscheidung mit den Keulen blieb die Mehrkampf-Olympiasiegerin ohne Medaille, nachdem sie ihre Kür im Vorkampf völlig verpatzt hatte. Sie sei am Anfang der WM sehr nervös gewesen, berichtete Varfolomeev.
Die Stimmung in der wunderschönen Frankfurter Festhalle war großartig;  (Tennisfans werden wehmütig an Daviscup-Schlachten (googelt Michael Westphal und Teppich) und ATP-Finals in den 80er- und 90er-Jahren gedacht haben). Das Niveau der jungen und so gelenkigen Damen atemberaubend. Unfassbar, wie sie ihre Geräte sehr hoch (10 Meter und mehr) in die Luft warfen, sich drehten und wirbelten und verrenkten und danach Ball oder Reifen oder Band oder Keulen (meist) sicher auffingen, dass mancher Fußball-Torwart vor Neid erblassen müsste. Erstmals seit Jahren waren auch die Russinnen trotz des fortwährenden Angriffskrieges wieder dabei, die vom Publikum eher zurückhaltend empfangen wurden (es gab allerdings eine lästig lärmende Fankolonie), letztlich aber ohne Titel blieben.

Mittlerweile 14 WM-Titel hat Varfolomeev gesammelt und gleich 31 Medaillen bei internationalen Wettbewerben. „Ich brauche bald einen größeren Trophäen-Schrank“, lässt sie weitere Großtaten erahnen. Ein gar nicht so weites Fernziel sind die Olympischen Spiele in Los Angeles. Pech für sie und die anderen Gymnastinnen, dass dort Gold nur im Mehrkampf und in einem Teamwettbewerb vergeben wird. Angesichts der Medaillenflut in anderen Sportarten (allein im Schwimmen kommen im Vergleich zu 2024 gleich sechs Disziplinen hinzu), ist das beschämend wenig.

 

Dressur ohne Werth – undenkbar und wertlos (sorry, muss sein)

 

Die Reiter-Weltmeisterschaften in Aachen – das sind Festspiele im Mekka des Pferdesports.  Seit Jahrzehnten in der Weltspitze dabei ist Dressur-Spezialistin Isabell Werth. Mit einem fulminanten Ritt sicherte sich die 57-Jährige auf Wendy de Fountain als letzte Starterin Bronze in der Kür und begeisterte die 40.000 Zuschauer im ausverkauften Hauptstadion der legendären Soers. Nur die großartigen Charlotte Fry aus England auf Glamourdale und Catrine Laudrup-Dofour (Dänemark/Mount St. John Freestyle) waren noch einen Hauch besser, wie das fachkundige und hellauf begeisterte Publikum fair anerkannte. Werths tolle Leistung verhalf zudem der deutschen Mannschaft zu Team-Gold, es ist ihr 10 WM-Titel, wenn ich mich bei der schier endlosen Reihe bei Wikipedia (ja, ich musste nachschauen) nicht verzählt habe …
Isabell Werth ist ein Phänomen: Vor 20 Jahren eroberte sie an gleicher Stelle WM-Gold, als sie mit Satchmo triumphierte. Sie ist Deutschlands Rekord-Olympionikin mit 8 Gold-Medaillen (dazu sechsmal Silber), die sie seit 1992 (!) mit diversen Pferden (Satchmo, Gigolo, Weihegold, Bella Rose) geholt hat.

Isabell Werth hat noch lange nicht fertig. Bei dieser WM nicht, wo am Mittwoch und Donnerstag noch Einzel- und Mannschaftstitel im Grand Prix Spezial (also ohne Musik) vergeben werden. Langfristig ebenfalls nicht, denn die ausgebildete Voll-Juristin (ich glaub nicht, dass sie noch praktiziert) ist weiter voller Tatendrang und ihr derzeitiges Paradepferd Wendy mit 12 Jahren im besten Dressuralter. Zumindest Olympia 2028 in LA kann dieses Paar in Angriff nehmen.

Gold auch in der Vielseitigkeit

Seit diesem Jahr heißen die Weltreiterspiele wieder Reit-WM, bitte nicht fragen, warum. Fester Bestandteil hier wie dort waren und sind die Vielseitigkeitsreiter. Einer der Hauptdarsteller in dieser Disziplin ist seit Jahren der Deutsche Michael Jung. Mit seinem Chipmunk eroberte er seinen zweiten WM-Titel nach 2010 (damals mit Sam). Der Führende nach Dressur und Gelände-Prüfung blieb im abschließenden Springen ohne Fehler und sicherte damit nicht nur den Einzeltitel, sondern auch hinter Großbritannien Mannschafts-Silber fürs deutsche Team. „Chipmunk ist eine Legende, das ist unwahrscheinlich. Wie er Dressur gehen, springen, im Gelände rennen kann“, schwärmte Jung über seinen Partner, mit dem er schon 2024 Einzelgold bei Olympia geholt hatte. 2022 hatte Jung bei der WM in Pratoni ebenfalls vor dem Springen geführt, als Chipmunk die Stange am letzten Hindernis abwarf und die Gold- und Medaillenträume sich in Nichts auflösten.
Chipmunk ist bereits 18 Jahre alt. Keine Ahnung, ob er mit dann 20 die Olympischen Spiele in Angriff nehmen kann, für die das deutsche Team das Ticket bereits fix hat.

 

Schröder macht das NBA-Dutzend voll

 

Der Kapitän der deutschen Basketball-Nationalmannschaft wechselt erneut innnerhalb der NBA. Dennis Schröder wurde von den Cleveland Cavaliers zu den Charlotte Hornets transferiert. Der Spielmacher sieht den Wechsel positiv und erhofft sich bei seinem neuen Team erheblich mehr Zeit auf dem Parkett als zuletzt bei den Cavs, als er hinter den Top-Stars Donovan Mitchell und James Harden nur dritte Wahl war. „In Charlotte kann ich so spielen, wie ich normalerweise spiele.“ Will heißen: Er sieht sich als Anführer des ansonsten sehr jungen, sehr verheißungsvollen Team mit Super-Talenten wie Kon Knüppel. Gerade auf seiner Position hatten die Hornets Bedarf, nachdem sie ihren Topstar Lo Ball abgegeben hatten. Vor allem aber sieht sich Schröder jetzt schon als Mentor seiner jungen Landsleute Hannes Steinbach und Christian Andersen, die die Hornets im jüngsten Draft (Auswahl der besten Talente) gezogen haben. „Für die beiden ist das natürlich ein Segen, dass sie jemanden haben, mit dem sie quatschen können. Ich glaube, es wäre auch toll gewesen, hätte ich das damals gehabt.“

Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) ist bereits die 12. Station des Braunschweigers in der NBA, seitdem er 2013 von den Atlanta Hawks gedraftet wurde. Nur ein Team fehlt noch zum (zweifelhaften?) Rekord, den der Noch-mehr-Reisende in Sachen Basketball Ish Smith mit 13 Stationen inne hat. Insgesamt spielen in der NBA 30 Teams, das dürfte Schröder dann doch nicht mehr schaffen …

 

Und sonst?

 

  • Turnen: Gold für Helen Kevric bei der EM in Zagreb. Silber holte ihre deutsche Landsfrau Karina Schönmaier am Sprungpferd.
  • 2. Liga: Nach dem 2. Spieltag sind nur noch der 1. FC Nürnberg (4:2 bei Greuther Fürth) und Hertha BSC (4:1 vs Heidenheim) ohne Punktverlust. Einen kompletten Fehlstart erlitten die Nordclubs VfL Osnabrück und Hannover 96, die noch ohne jeden Zähler am Tabellenende stehen.
  • Internationaler Fußball: Die Frauen Kameruns sicherten sich den Afrika-Cup. Im Endspiel bezwang das Team die Auswahl Malawis mit 3:0. Neben den beiden Finalistinnen qualifizierten sich auch Marokko und Algerien für die WM 2027 in Brasilien; Ghana und Südafrika haben noch die Chance bei einer interkontinentalen Ausscheidung.
  • England: Den Community Shield sicherte sich Meister FC Arsenal. Die Londoner bezwangen in Wembley Pokalsieger Manchester City mit 3:0. Und noch ein Rückschlag für die Cityzens. Der defensive Mittelfeldmann Rodri, genau vor einem Monat zum besten Akteur der WM gewählt, wechselt zum FC Barcelona. 55 Millionen Euro sind nur ein schwacher Gegenwert des Ausnahmespielers.

 

 

Das wird die Woche, die wird

Nach der gerade abgelaufenen Superwoche (morgen dazu ein langer Beitrag) ist das Programm ab heute doch relativ überschaubar. Die Reitersleute suchen in Aachen noch diverse Weltmeister, am Wochenende kommt es zur 1. Pokalrunde mit durchaus attraktiven Begegnungen. Dazu das Tennis-Masters in Cincinnati.

 

Die berühmte Soers im Blickpunkt

 

Die Aachener Soers gilt bei den Springreitern als der Heilige Gral. Ein Stadion extra für den Pferdesport mit 40.000 begeisterten wie fachkundigen Zuschauern, die jeden Ritt geradezu in sich aufsaugen und nicht nur die deutschen Pferd/Reiter-Paare feiern. Die Springprüfungen sind Höhepunkt jeder Reiter-WM (nix für ungut, Vielseitigkeit, Dressur und Voltigieren). Die besten Teams werden am Mittwoch und Donnerstag ermittelt und der beste Einzelreiter am Sonntag. Leider schon länger nicht mehr in einem Vierer-Turnier, als jeder Starter nicht nur mit seinem eigenem Pferd, sondern auch mit denen der drei Konkurrenten den Parcours meistern musste. Die Deutschen gehören sowohl im Team als auch im Einzel zu den Favoriten, obs dann wirklich zum Titel reich, bleibt abzuwarten.
Sehr stark dürften die deutschen Dressur-SpezialistInnen auftrumpfen. Isabell Werth hat weiter ein Spitzenpferd (Wendy), mit dem sie in der Kür Bronze hinter der unerreichbaren Olympiasiegerin Charlotte Fry (Glamourdale) und Caritne Laudrup-Dufour (Mount St. John Freestyle) Bronze eroberte und ihre 14. WM-Medaille holte. Von Mittwoch bis Freitag werden noch Mannschafts- und Einzelmedaillen im Grand Prix Special verteilt. Der Unterschied zur Freien Kür: Hier gibt es ein festes Programm mit genau geregelten Prüfungen für Pferd und Reiter, geritten wird ohne Musik. Und trotzdem dürften die gleichen Frauen vorn sein. Sach ich jetzt einfach mal

 

Masters als Generalprobe

 

Offiziell ist das Tennis-Turnier von Cincinnati das 7. Masters (von insgesamt 9) des Jahres. Inoffiziell die letzte Formüberprüfung vor den US Open, die am 30. August beginnen. Bei den Männern fehlen wie schon in Montreal mit Jannik Sinner und Carlos Alcáraz die beiden besten Profis. Sinner hat nach seinem Wimbledonsieg kein Turnier mehr bestritten, aber viel schlimmer steht es um Alcáraz. Wegen der Handverletzung fehlt er seit Mai, seinen ursprünglich für Cinci geplanten Start hat er abgesagt. Ob er in New York antreten kann, erscheint mittlerweile sehr fraglich.

Die ersten Runden haben die Topspieler schon absolviert, und mit Ben Shelton hat es schon einen Mit-Favoriten erwischt. Der gerade gekürte Turniersieger von Montreal musste sich dem Portugiesen Faria beugen. Ebenfalls schon raus ist Novak Djokovic, der sich während der Partie gegen Tirante übergeben musste. Die Top 2, Zverev und Auger-Alliasime sind dagegen noch im Rennen.

Bei den Frauen sind die ganz großen Überraschungen bisher ausgeblieben (das ist bei diesem auch in der Spitze unbeständigen Feld allerdings schon eine Überraschung). Gespannt bin ich auf die Toronto-Siegerin Iga Swiatek, die in Kanada endlich wieder zu alter Form gefunden hat.

 

Wem gelingt die Cup-Sensation?

 

Die 1. Runde des DFB-Pokals ab Freitag garantiert Überraschungen. Nur welchen der 18 Erstligisten es erwischt, das ist halt die Frage. Gefährdet scheint mir vor allem der VfB Stuttgart bei Hansa Rostock (Freitag, 20:30), auch weil die Drittligisten (wie die Zweitligisten) schon 2 Spieltage absolviert haben, während die Bundesligisten den Saison-Auftakt absolvieren, echte Wettkampf-Praxis also fehlt. Weitere besonders heikle Aufgaben stehen demnach dem FC Augsburg (Samstag beim Zweitligisten FC Energie Cottbus), Bayer Leverkusen (Samstag be Wehen Wiesbaden, das im vergangenm jahr die Bayern am Rade einer Niederlage hatte) und die Elversberg (beim Regionalligisten MSV Duisburg).

Meine Löwen empfangen am Samstag (18 Uhr) im Grünwalder Stadion Holstein Kiel, eine Überraschung ist erwünscht.

Die Auftaktpartien von Bayern München und Borussia Dortmund finden zu einem späeren Zeitpunkt statt: Der Meister und Vizemeister bestreiten am Samstag den Supercup (20:30 im Westfalenstadion)

 

Und sonst?

 

  • Fußball: Die Premier league beginnt am Samstag. Klarer Favorit ist Titelverteidiger FC Arsenal. Die Londoner scheinennnoch stärker und gefestigter als in der vergangenen Saison. Das 3:0 im Community Shield (englischer Supercup) am Samstag beeindruckte Fans und Experten. Näheres zur PL am Ende der Woche in einer gesonderten Vorschau.
  • Champions League: Hinspiele der 4. und letzten Qualifikationsrunde am Dienstag und Mittwoch. Wer diese übersteht, hat die Geldtöpfe sinder erreicht, die Verlierer sind zum Trost in der Europa League. Von den insgesamt 7 Partien sticht für mich die Partie zwichen Celtic Glasow und dem LASK ins Auge (Mittwoch im Celtic Park), also der schottische gegen den österreichischen Meister. Ein echtes Duell der Außenseiter werden die beiden Partien zwischen Beer Sheva (Israel) und Sabah (Aserbaidschan) sein.
  • Leichtathletik: Nach der EM ist vor der Diamond League. Ein erlesenes Feld wartet am Donnerstag in Lausanne auf, wenn Europameister auf die besten Athleten aus aller Welt treffen, respektive sich in einer Revanche mit knapp geschlagenen platzierten messen. Besdondere Aufmerksamkeit genießt natürlich die Schweizer 800-Meter-Meisterin Audrey Werro, auch wenn die Britin Odgkinsonoffenbar nicht am Start ist. Die Bahn in Lausanne ist ziemlich schnell, das Wetter muss halt mitspielen.
  • Golf: Schon die 2. Runde der Fedex-Ausscheidung in den USA. Startberechtigt bei den BMW Championships in St. Louis ab Donnerstag sind nur noch 70 Profis, nur 50 erreichen die nächste Runde.
  • Radsport: Die Vuelta beginnt am Samstag, nämlich mit einem 8-Kilometer-Zeitfahren in Monaco. Ziel wird nach 21 Etappen Granada im Süden des Landes sein, im zweifel nahe der Alhambra. Die Spanien-Rundfahrt ist die dritte der drei großen, dreiwöchigen Rundfahrten, hat aber längst nicht die gleiche Bedeutung wie die Tour de France und auch nicht die des Giro. Das könnte sich dieses jahr ändern, weil Tadej pogacar am Start sein wird. Denn der Vuelta-Sieg fehlt noch in de überreichen Sammlung des Slowenen. Alles andere als ein überlegener Erfolg wäre eine faustdicke Überraschung, einer der Konkurrenten wird der österreichische Giro-zweite Felix Gall sein, der für die Frankreich-Rundfahrt aussetzte (aussetzen mussteI.
    Typisch sind die sehr schwierigen Bergetappen mit extrem steilen Anstiegen, die Landschaft in Spanien kommt allerdings längst nicht so spektakulär und abwechlungsreich daher wie die in Frankreich.

Nagelsmann – ohne Anstand, ohne Moral

Der Fall Neuer und WM erreicht eine neue Dimension. Wie Sky am Samstag vermeldete, hat sich Trainer Julian Nagelsmann entschlossen, den 40-Jährigen ins WM-Tor zu hieven. Eine unfassbare Kehrtwende, nachdem Neuer nach der EM 2024 seinen Rücktritt erklärt hatte. Nagelsmann akzeptierte (vielleicht sogar zufrieden), Oliver Baumann rückte ins Team und dieses schaffte mit ordentlichen, teils starken Baumann-Leistungen (in Nordirland!) am Ende souverän die Qualfikation. Niemand bezweifelte ernsthaft, dass er auch bei der WM das Tor hüten würde. Weder ließ Neuer auch nur ansatzweise erkennen, dass er von seinem Rücktritt zurücktreten würde, noch dass Nagelsmann in irgendeiner Weise daran interessiert wäre.

Bestätigt hat Nagelsmann seine Kehrtwende und den Sky-Bericht (offenbar aus erster Hand vermeldet) nicht. Im Gegenteil. In einem bemerkensweert absurden Auftritt gestern im Sportstudio eierte der Mann in einer Weise herum, dass jeder um heikle Themen herumeiernde Politiker eigelb vor Neid werden müsste. Nein, er habe sich noch nicht entschieden. Nein, er könne nicht mal sagen, ob Neuer auf der 55er-Liste steht, die der DFB am vorvergangenen Samstag der FIFA schicken musste. Ja, er wisse eigentlich überhaupt nicht, wer denn auf dieser Liste stehe. Wohlgemerkt: hier sprach der Bundestrainer über die von ihm zusammengestellte Liste (die eine Shortlist für den endgültigen Kader ist, den Nagelsmann am Donnerstag benennt). Mehr Publikumsverarsche war noch selten. Dadurch, dass Nagelsmann nichts gesagt hat, hat er das Thema erst recht angeheizt. Keiner glaubt ernsthaft mehr, dass das kein Thema  ist. Ich bewundere Interviewer Jochen Breyer dafür, dass er nicht komplett die Contenance verloren hat (die Gesichtszüge waren ihm schon entglitten) angesichts der schamlosen Lügen (begleitet von überheblichem Grinsen), die ihm offen ins Gesicht geschleudert wurden.

Allein die Tatsache, dass das Thema wieder aufploppt und zwar im Sinne eines bisher nie dagewesenen Toornarounds, schockert mich zutiefst (nicht dass mich bei diesem komplett überschätzten, durch und durch charakterlosen, bösartig-egozentrischen Bundestrainer noch etwas schockieren sollte). Er hat ohne jede Not ein unendlich tiefes Fass aufgemacht. Er hat ohne jede Not einen untadeligen, vorzüglichen Sportsmann (Oliver Baumann) zertrümmert. Mehr Verachtung, mehr Herablassung war nie, und es hat schon gerade auf der Torwart-Psoition entsetzliche  Grabenkämpfe gegeben. Ich erinnere an Stein/Schumacher 1986 und den berühmten Steinschen „Suppenkasper“ in Richtung Bundestrainer Kaiser Franz, der ihm (Stein!) die vorzeitige Abreise aus Mexiko bescherte. Es gab auch immer auch beinharte Zweikämpfe wie Kahn/Lehmann vor der Heim-WM 2006, als Jürgen Klinsmann die beiden Kombatanten in ein offenes Duell schickte (sportlich versteht sich, obwohl Kahn wahrscheinlich gerne zur Waffe gegriffen hätte, erst recht, als das Klinsmann sich für Lehmann entschied). Aber noch nie wurde so perfide die Nummer 1 hinterrücks ermeuchelt, erst recht nicht so kurz vor einem großen Turnier.

Nicht verhehlen möchte ich die (für mich) indiskutable Rolle von Manuel Neuer. Noch bis nach seiner (glänzenden!) Leistung im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen PSG hat er das Thema nicht an sich herangelassen. Nie hat er ansatzweise zu erkennen gegeben, dass es ihn noch mal reizt, in einem WM-Tor zu stehen. Hat er auch nicht nötig. Er war viermal dabei, zweimal vorzüglich (2010 und mit dem Höhepunkt Weltmeister 2014), zweimal allerdings auch wirklich schlecht, als er 2018 und erst recht 2022 gewichtigen Anteil daran hatte, dass die Deutschen zweimal in der Vorrunde ausschieden. Niemand bezweifelt, dass Neuer in seiner Prime zu den besten Torhütern der Welt zählte (der Beste?). Aber trotz starker Leistungen in Madrid und gegen PSG: Er ist nicht mehr so gut, nicht mehr so (gedanken)schnell, und das macht seine Ausflüge außerhalb des Strafraums so gefährlich. Es besteht also noch nicht einmal eine sportliche Notwenidgkeit zu diesem radikalen Schritt. Und dabei lasse ich noch außen vor, dass Neuer in dieser Saison sehr oft angeschlagen war und pausieren musste; auch am Samsag wurde er (mit angeblich nicht so schlimmen Wadenbeschwerden) ausgewechselt. Neuer und die Bayern – das ist ein Thema für sich, über das ich mich jetzt nicht auch noch auslassen möchte …

Ich weiß natürlich nicht, werden ersten Schritt gemacht hat, der Bundestrainer oder der Torwart.

– Nagelsmann, weil er mit Baumann nicht zufrieden war, weil er Bedenken hatte? Das wäre sogar noch akzeptabel, aber nicht auf diese perfide Weise. Nicht hinterrücks Oliver Baumann das Messer in den Rücken rammen!
Neuer, weil er aus Langeweile oder finanziellen Erwägungen oder sonstigen Gründen (sein fanatischer Ehrgeiz) doch noch mal WM-Torwart sein wollte? Dann hat er ebenfalls ein perfides Spiel gespielt, ohne Rücksicht auf Verluste sein eigenes Ding durchgezogen. Einen Keil ins Team getrieben, das ohnehin auf der Suche nach Zusammenhalt ist. Was nota bene wiederum, am nicht nur in der Torwartfrage erratischen Nagelsmann liegt, der nach dem letzten Testspiel gegen Ghana seinen Siegtorschützen (!)  Denis Undav aufs Schändlichste beschimpfte – nur wachsweich zurückgenommen „weil meine Frau dazu riet“ (Nagelsmann).

Eine ruhmlose, ja schändliche Rolle haben auch die Medien gespielt. Die immer wieder „Neuer! Neuer! schrien und schrieben, wenn dieser ein gutes Spiel ablieferten. Die ebenfalls Baumann aufs Übelste demontierten. Wer den völlig desillusionierten Schlussmann gestern gesehen und vor allem flüstern hören hat, weiß, dass diese Demontage brillant gelungen ist. Respekt, ihr Bild-Hetzer, Repekt, liebe SZ–Redakteure, die in einer einzigartigen Kampagne (aus München-patriotischen Gründen) Neuer ins WM-Team schreiben. Ihr könnt Euch den Baumann-Skalp ans Revers heften!

Schweiz I vor Schweiz II vor Schweiz IV – wer hats erfunden?

Alpine Ski-WM in Saalbach, VII

 

Team-Kombination der Männer

 

Mit dem totalen Triumph der Eidgenossen endete die Team-Kombi der Männer. Nur die beiden Jugendfreunde Jules Murisier und Daniel Yule schieden aus und trübten ein wenig die Laune. Abfahrtsweltweister Franjo van Allmen durfte über seinen zweiten Titel jubeln – gemeinsam mit Loic Mellard.

 

Die Abfahrt (Slalompartner)

 

Wenig zu gewinen, viel zu verlieren hieß es auf der Spezialstrecke. Hier legten die Schweizer schon den Grundstein als der WM-Dritte Alexis Monney (Tungay Nef) vor Franjo van Allmen (Mellaiard) einkam. Der WM-Zweite Vincent Kriechmayr (Manuel Feller) kam dagegen diesmal mit der Strecke nicht zurecht und landete nur auf Platz 13. Noch schlechter erging es dem Norweger Fredrik Möller (Atle McGrath), der mit Startnummer 30 gut unterwegs war, allerdings am Ende einen Reisenbock einbaute.
Der Deutsche Simon Jocher (Linus Straßer) hatte einen beherzten Anfang, dann verlor er zeitweise völlig die Idealinie und gut 2 Sekunden auf den Spitzenreiter.

 

Slalom (Abfahrtspartner)

 

Großangriff der hinteren Reihe war erst mal angesagt, und die endete in vielen Einfädlewrn. Ob Manuel Feller, Daniel Yule (Murisier) oder Clement Noel (Nils Allegre) – sie alle erreichten das Ziel nicht. Einen tollen Lauf erwischte Linus Straßer (Simon Jocher), der sein Team mit der zweitbesten Laufzeit immerhin auf Platz 8 brachte. Außer Konkurrenz brillant war der nach der Abfgahrt von Felix Monsén aussichtslos zurückliegende Schwede Kristoffer Jakobssen, der sage und schreibe noch mal 1,63 Sekunden schneller war als Straßer.
ERstaunlich war der US-Amerikaner Benjamin Ritchie ((Ryan Cochran Siegle) mit einem fast tehrlerlosen Lauf. Das reichte zu Platz 4 oder positiv ausgedrückt: zum besten Rang eines Nicht-Schweizers, die letztlich die Entschedung unter sich ausmachten.
Gar nicht auf dem Zettel hatte ich dabei Schweiz IV. Aber Slalomartins Marc Rochat fuhr wahrscheinlich sein bestes Rennen seit Jahren, rückte von Platz 8 kommend Rang für Rang vor, sodass schon vor den beiden letzten Fahrern feststand, dass der Titel an die Schweiz ginge.
Der Kampf um Gold auaf der nicht mehr perfekten Piste war dann hpchst spannend. Luc Meillard legte vor, aber jeder sah, dass da noch einiges drin wäre, zumindest in der Theorie. In der Praxis wechselte beim Schlussläufer Nungay Nef (Alelix Monney) die Führung von Zwischenzeit zu Zwischenzeit, am Ende fehlten Nef, Bruder der viel bekannteren Sonja Nef, 27 Hunderststel. Am Ende feierten die sechs sechs Schweizer Medaillengewinner gemeinsam und ausgelassen; die Männer siegten auch im dritten Wettbewerb nach Abfahrt (van Allmen) und Super-G (Marco Odermatt) führen mittlerweile den Medaillenspiegel klar an.

 

Riesenslalom der Frauen, Donnerstag, 10/13 Uhr (ZDF, ORF1, Eurosport)

 

Favoritinnen

 

Die Schwedin Sara Hector ist die Frau, die es meines Erachtens zu schlagen gilt. Sie gewann 2 der 5 Saisonrennen und wurde einmal Zweite. Sehr zu beachten ist auch die Neuseeländerin Alice Robinson, die nach eher durchwachsenen Jahren diese Saison an allerbeste Zeiten anknüpft und die Weltcupwertung vor Hector anführt. Federica Brignone und Lara Gut-Behrami haben schon oft gezeigt, auch in dieser Saison, dass sie im Riesenslalom top sind, aber gerade Gut-Behrami hat bisher eine eher enttäuschende WM hinter sich, terotz Silber in der Team-Kombi.

 

Außenseiterinnen

 

Zrinka Ljutic: Zwar ist die Kroatin im Slalom noch viel stärke einzuschätzen, aber genau deshalb kann sie es morgen ohne den ganz großen Nervendruck angehen. Auf dem Zettel habe ich auch Julia Scheib, wenn denn die Österreicherin wie schon so oft den ersten Durchgang nicht verschläft. Die Schweizerin Camille Rast hat eine geradezu unwirklich erfolgreiche Saison hinter sich, warum soll es dann nicht auch im RS flutschen?

 

Spannend zu sehen

 

Lara Culturi: Die 18-Jährige fuhr diese Saison Albanien auf die Ski-Landkarte, schaffte erste Podiumsplätze für dieses Land im Wintersport überhaupt. Ihre Mutter ist die frühere Olympiasiegerin Daniela Checharelli. Im Slalom sogar noch stärker einzustufen.

 

🇩🇪 👓

 

Lena Dürr nimmt den RS quasi als Test unter Wettbewerbsbedingungen für den Slalom in Angriff. Mehr als ein Top-10-Platz ist beim besten Willen nicht drin. Allrounderin Emma Aicher kann erneut zeigen, dass der Zwölferkogel ihr Lieblingsberg ist, fabiana Rodigo ist nur zum Lernen da und zum Atmosphäre-Schnuppern in einem ausverkauften Ski-Stadion.

 

Startfolge

 

1 Thea Louise Stjenesund (NOT)
2 Sara Hector (SWE)
3 Zrinka Ljutic (CRO)
4 Federica Brignone (ITA)
5 Alice Robinson (NZL)
6 Lara Gut-Behrami (SUI)
9 Julia Scheib (AUT)
11 Lara Culturi (ALB)
12 Camille Rast (SUI)
20 Lena Dürr (GER)
35 Emma Aicher (GER)

 

WM 2023 in Courchevel

 

1. Mikaela Shiffrin (USA)
2. Federica Brignone (ITA)
3. Ragnhild Mowinckel (NOR)

Shiffrin wird im Riesenslalom nicht starten, da sie nach ihrer Verletzung vor jnapp zwei Monaten sich noch nicht fit genug für RS-Schwünge fühlt (mit Kombi-Gold hat sie glänzenden Ersatz gefunden. Mowinckel hat nach der vergangenen Saison irhe Karriere beendet.

 

WM 1991 in Saalbach

  1. Pernilla Wiberg (SWE)
  2. Ulrike Maier (AUT)
  3. Traudl Hächer (GER)

Pernilla Wiberg war zu ihrer Zeit eine der besten Slalom- und Riesenslalomfahrerinnen der Welt. Drei weitere WM-Titel sollten folgen. Auch bei Olympia war sie äußerst erfolgreich, holte Gold 1992 im Riesenslalom und 1994 in der Kombination.
Ulli Maier krönte ihre tolle WM (vorher Sieg im Super-G). Ihr Tod 1994 bei der Abfahrt ist unvergessen.
Traudl Hächer gehörte in den 80er-Jahren zu den deutschen Top-Fahrerinnen, stand allerdings immer ein wenig im Schatten von Marina Kiehl und Michaela Gerg. Umso erstaunlicher ihr Ritt zu Bronze, fast fünf Jahre nach ihrem vierten und letzten Weltcupsieg und nach fast einem Jahr ohne Top-Ten-Platz im weltucp in dieser Disziplin.

 

 

 

 

Si tacuisses, Herr Nagelsmann

„Wir haben in Katar gesehen, dass zu viele politische Themen eine Mannschaft schon belasten können. Da sollten wir alle draus lernen. Dass nicht alle Dinge top funktionieren in Saudi-Arabien, glaube ich, liegt auf der Hand. Aber das sind nicht unsere Bewertungsgrundlagen. Wir müssen uns sportlich so präparieren … dass wir ein gutes Turnier spielen.“ (Julian Nagelsmann, deutscher Bundestrainer)

Was für ein Armutszeugnis, was für ein Offenbarungseid eines doch intelligenten Mannes (muss ich dieses Attribut aus meinem Hirn löschen?). Deutlicher könnte einer seine Abgehobenheit nicht zum Ausdruck bringen. Da ist ein Mann, der in Deutschland als Bundestrainer durchaus ein Standing hat, dessen Worte Gewicht haben, der mit diesen eine Gesellschaft aufrütteln könnte. Dieser Mann hat sogar erkannt, dass die Menschenrechte und vieles andere mehr in Saudi-Arabien mit Füßen getreten werden. Nicht einmal diesen Umstand will er klar benennen, sondern euphemisiert („nicht alle Dinge top funktionieren“). Und zu was entscheidet er sich? Nichts dazu zu sagen und eben noch schlimmer: Auch noch zu sagen, dass er nichts sagt. Wie schrieb schon Erich Kästner sinngemäß?: „An allem Unrecht sind nicht nur die Schuld, die es begehen, sondern auch diejenigen, die es nicht verhindern.“

Dabei wäre genau jetzt der Zeitpunkt des Fußballs und seinen seinen Funktionären, den Sportdirektoren, den Trainern, dass sie dem vom geldgeilen FIFA-Chef Gianni Infantino ausbaldowerten WM-Teilnehmer 2034 (!) Saudi-Arabien den Stinkefinger zeigen. Denn höchstwahrscheinlich am 11. Dezember wird das Land offiziell gewählt, da es keinen Gegenkandidaten gibt (unter anderem aufgrund der irrsinnigen 3-Kontinente-WM 2030  – ein Trauerspiel für sich -, die am selben Tag kurz zuvor durchgewinkt werden wird. Und das, obwohl in Saudi-Arabien Bauarbeiter für Großprojekte laut Amnesty International noch furchtbarer behandelt werden als in Katar anlässlich zur WM 2022, ich kann es mir kaum vorstellen. Was wäre das für ein Zeichen, wenn der DFB mit seiner sportlichen Führung klar benennen würden, was für eine erbärmliche, indiskutable, menschenverachtende Entscheidung es ist, dieses zutiefst frauenfeindliche Land, das Morde im Ausland an kritischen Menschen beauftragt  (Kashoggi), zum WM-Gastgeber zu küren. Warum schaffen es die großen europäischen Verbände nicht, sich gemeinsam gegen den FIFA-Diktator Gianni Infantino zu stellen. Aber nein: Alle kuschen, freuen sich auf die blutgetränkten Milliarden-Einnahmen. Scheiß da doch auf die Menschenrechte, scheiß auch auf die erbärmliche Behandlung der Bauarbeiter, die die Stadien unter unwürdigsten Bedingungen hochziehen müssen, die wie Sklaven behandelt werden.

Natürlich wird ein einzelner Bundestrainer die Entscheidung nicht verhindern können. Aber was wäre das für ein Zeichen: Julian Nagelsmann und der Prädident des größten nationalen Fußball-Verbandes der (okay, bei diesem trostlosen, dafür von der FIFA-Mafia bestens dotierten DFB-Chef Bernd Neuendorff wäre das in etwa so wahrscheinlich, wie wenn die Hölle zufriert) geißeln die Entscheidung, geißeln Saudi-Arabien, geißeln Infantino und all seine geldgierigen Vasallen. Und suchen dafür wichtige Mitstreiter in Europa, in Südamerika, die noch einen Hauch Anstand in ihren Funktionärsseelen haben. Die muss es doch geben!, hoffe ich  – noch nicht völlig desillusioniert. Aber nein, hübsch diplomatisch bleiben, kuschen, vielleicht darf Deutschland ja bald wieder Gastgeber eines großen Turniers sein. Final Four der Nations League 2025 etwa. Neues Geld auch für die eigene Funktionärskasse, und die Geltungssucht kann erneut befriedigt werden.

Und ein heutiger Aufruhr würde wohl kaum das sportliche Abschneiden von 2034 belasten wie das unselige Binden-Theater 2022. Zumal es höchst unwahrscheinlich ist, das Julian Nagelmann bis dahin noch Bundestrainer ist. Und deswegen könnten mutige Menschen einen Aufstand anzetteln. Schade, dass ein Julian Nagelsmann diesen Mut, der ihm persönlich gar nicht viel abfordern würde, nicht aufbringen will.