Das war die Woche, die war

Ein Pokalwochenende ohne Sensation, aber mit einem veritablen Skandal, das Tennis-Masters in Cincinnati und eine äußerst stimmungsvolle Reit-WM.

 

Die Schande von Mannheim

 

Der SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserslautern, mehr Hass und gegenseitige Verachtung gehen kaum im deutschen Fußball. Dieser rührt schon aus den 90er-Jahren, als die Waldhöfer völlig überraschend n die Bundesliga aufgestiegen waren.

Man durfte also einiges befürchten seit der Pokalauslosung. Und doch schien die Partie eingiermaßen normal über die Bühne zu gehen mit nur kurzen Unterbrechungen wegen der unseligen Bengalischen Feuer, die ein Fan offenbar zünden muss, damit es schön raucht und stinkt. Doch kurz vor Anbruch der Verlängerung eskalierte die Sache komplett. Die Mannheimer Fans regten sich über eine angebliche Provokation des Lauterers Ritter auf und bewarfen die Gästebank, wo Trainer Torsten Lieberknecht stoisch dastand (das wurde ihm später ernsthaft vorgeworfen …). Als Reaktion zündeten Lauterer Fans Feuerwerkskörper, die sie in den Mannheimer Block fliegen ließen. Das nwiederum hatte einen versuchten Platzsturm der Waldhöfer zur Folge, der ein unfassbares Polizei-Aufgebot samt Pferdestaffel (man war tatsächlich auf alles vorbereitet) Herr zu werden versuchte. Minutenlang war die Partie unterbrochen, weil Mannheimer Fans fortwährend Feuerwerkskörper und andere Gegenstände aufs Feld schossen und warfen, die Mensch und Tier zum Teil nur knapp verfehlten. Für mich ein veritabler Skandal, dass Schiedsrichter Robert Schröder das Spiel dann fortsetzte. in der Verlängerung geschah dann sehr wenig, die Fans hatten sich wieder beruhigt, die Spieler waren eher apathisch, bis Ibrahim Kanaté in der 120. Minute mit einem feinen Schlenzer den Lauterrer Sieg herstellte.

Das allerdings war nebensächlich, alle sprechen nur über die mal wieder unfassbaren Szenen. Während Lauterns Sportdirektor Robert Hengen selbstkritisch anmerkte, die Szenen auf den Rängen „beider Seiten“ seine furchtbar, erging sich die Mannheimer Seite weitgehend in Schuldzuweisungen Sportdirektor Matthias Schober beschuldigte Lauterns Ritter, er habe durch seine „Provokationen“ das Desaster auf den Rängen provoziert. Noch schlimmer war für mich allerdings die indiskutable Reaktion von Gerhard Zuber, der die ganze Sache ins Lächerliche zog, nachdem er zunächst Waldhofs „großartige Fans“ huldigte. „Deswegen haben wir den Rasen gewechselt, damit die Pferde ein schönes Grün zum Grasen haben.“ Die äußerte dieser unselige Mensch nicht in erster Erregung, sondern lange nach den Geschehnissen. Offenbar genügte die Zeit nicht zum Nachdenken. Der DFB sollte diesem unfassbaren Menschen mit einer sehr, sehr langen Stadionsperre  Zeit zur Besinnung geben!

Wie gesagt: Für mich unbegreiflich, dass die Partie nicht komplett abgebrochen wurde. Die Teams müssten aus dem Wettbewerb geschmissen werden (also auch der Sieger Lautern, für den einer der Erstrunden-Verlierer als Lucky Loser nachrücken sollte); vielleicht sogar für mehrere Jahre. damit vielleicht ein Umdenken stattfindet. Wildwest-Szenen wie diese gibt es tatsächlich nur im Fußball, die aber kein echter Fußball-Fan sehen will (leider tun diese aber auch zu wenig dageben). Um es mit Ex-Nationalspiler und dem heutigen Sportdirektor von Legia Warschau Fredi Bobic zu sagen: Offenbar muss erst jemand sterben, damit es wirklich Konsequenzen in Form eines Abbruchs gibt.

Immerhin: Der DFB ermittelt, hohe Geldstrafen wird es mit Sicherheit geben. Ob es tatsächlich Ausshclüsse gibt, wage ich allerdings zu bezweifeln!

 

Durchmarsch der Bundesliga

 

Alle 16 Teams kamen durch (der FC Bayern und Borussia Dortmund spielen aufgrund des Supercups erst im September). Einen kompletten Durchmarsch des Oberhauses in der ach so gefürchteten 1. Runde hat es zuletzt 2009 gegeben. Nicht mal zittern mussten die meisten Clubs, die das Abenteuer Pokal mittlerweile äußerst ernst nehmen, auch weil hier mit vergleichsweise wenig Aufwand recht viel Geld zu verdienen ist. Einzig Schalke 04 musste gestern in Halle in eine Verlängerung, Mühe hatte auch der 1. FC Union nach zweimaligem Rückstand in Braunschweig. Am Ende siegte schlicht die bessere Klasse der Einzelspieler.

 

Arthur Fils schafft Debüt-Sieg

 

Erstmals siegte der Profi bei einem Tennis-Masters-Turnier. Im Finale von Cincinnati bezwang der Franzose den US-Amerikaner Francis Tiafoe in 3 Sätzen. Eine höchst merkwürdige Partie, denn sie dauerte nicht mal 90 Minuten, was für eine komplette Dreisatz-Partie extrem selten ist, erst recht in einem Finale. Schon länger warte ich auf den Durchbruch des hochveranlagten Arthur Fils, doch immer wieder werfen ihn Verletzungen zurück, zuletzt konnte er wegen anhaltender Hüftbeschwerden nicht bei den French Open antreten, wo die Franzosen so sehnlich auf einen Triumph eines Einheimischen warten.
Jetzt gilt Fils als einer der Anwärter für den Triumph bei den US Open ab Sonntag. Wie allerdings gut 2 Dutzend Männer (ohne große Übertreibung), nachdem Jannik Sinner die Teilnahme für New York schon abgesagt hat und Titelveretidiger Carlso Alcáraz zwar antritt, aber nach 4 Monaten Wettkampfpause nicht in Top-Form sein kann.

Bei den Frauen schaffte Coco Gauff in Cinci den umjubelten Heimsieg und schaffte endlich den ersten Turniererfolg in diesem Jahr. In einem höchst einseitigen Finale bezwang sie ihre Landsfrau Jessica Pegula. Hier gilt Ähnliches wie bei den Männern. Das Favoritinnenfeld für die US Open ist sehr weit, wirklich belastbare Vorhersagen sind hier wie dort nahezu unmöglich (ich versuche es trotzdem, wahrscheinlich am Sonntag).

 

Aachener Festspiele im Reitsport

 

Das Publikum war begeistert über die Leistungen von Ross und Reiter bei der WM, die SportlerInnen waren begeistert über das fachkundige und faire und enthusiastische Publikum. Kurz: Die Reit-WM war ein voller Erfolg. Sie bot spannenden Sport und eben die Fairness gegenüber allen Teilnehmern, die ich im Fußball oft vermisse.
Natürlich wurden die deutschen Erfolge besonders gefeiert. Vor allem den des Springreiter-Quartett, das in einem tollen Wettbewerb am Freitag die Mannschaftswertung für sich entschied. Am Ende hatten Marcus Ehning, Sophie Hinners, Daniel Deußer und Richard Vogel einen klaren Vorsprung auf die Vertretungen aus Belgien und Großbritannien.

Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigte sich 2 Tage später in der Einzelkonkurrenz, als die Deutschen ohne Medaille blieben. Die erneut 40.000 Zuschauer in der Aachener Soers waren natürlich etwas enttäuscht, nichtsdestotrotz feierten sie Weltmeister Steve Guerdat, der mit mit Dynamix vor dem Belgier Thibeau Spits mit Impress Gold gewann. „Aachen hat Maßstäbe für kommende Weltmeisterschaften gesetzt, “ zeigte sich Verbands-Präsident Ingmar de Vos mehr als angetan. Und, wie ich anmerken will, ein echtes Statement für die Olympia-Bewerbung von Rhein/Ruhr, wo die pferde-Wettbewebe eben in Aachen stattfinden sollen.

 

Und sonst?

 

  • Super-Cup: Erster Titel für den FC Bayern. Die Münchne siegten bei Borussia Dortmund mit 2:0. Neuzugang Brown und Olise erzielten die Tore ür den FCB, für Dortmund war Silva erfolgreich.
  • Internationale Ligen: Der FC Arsenal ist in England der große Gewinner des 1. Spieltag (hört, hört). Die Londoner siegten klar mit 3:0 gegen Aufsteiger Coventry City. Dagegen kam der FC Liverpool bei Newcastle united nicht über ein 2:2 hinaus. Noch über erging es Manchester United und den Tottenham Hotspur, die mit empfindlichen Niederlagen bei Hull City gespektive Brentford starteten. Erster Tabellenführer ist brighton an Hove Albion: Das Team des deutschen Trainers Fabian Hürzeler siegte gleich 4:0 gegen Champions-League-Teilnehmer Aston Villa. Leon Goretzka wird genau hingeschaut haben, denn sein Wechsel zu den Villans steht seit dem Wochenende fest.
    In Spanien heißt der 1. Tabellenführer FC Barcelona, das Elche beim 5:0 nicht den Hauch einer Chance ließ. Unter den Torschützen war auch de Ex-Dortmunder Karim Adeyemi, der etwas überraschend in der Startelf stand. Er hat ja viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen, weil Barca doch ein, zwei Nummern zu hoch für ihn sei. Warten wir mal ab!
  • Formel 1: Zum letzten Mal auf absehbare Zeit fand der Grand Prix von Holland in Zandvoort statt, weil die Veranstalter die horrenden Startgebühren nicht zahlen können. Für Lokalmatador Max Verstappen endete das Rennen desaströs, denn schon in der 1. Runde verlor er auf leicht feuchter Strecke die Kontrolle über seinen Red Bull, knallte in die Mauer, blieb aber unverletzt. Es siegte Weltmeister Lando Norris im McLaren vor dem WM-Führenden Kimi Antonelli, der seinen Vorsprung auf seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell auf 59 Punkte ausbaugte.
  • Basketball: Missglückter Test der deutschen Frauen vor der Heim-WM in Berlin ab 4. September. Beim 62:68 gegen Ungarn leistete sich das Team zu viele Ballverluste. Da ist noch viel zu tun bis zum Turnier in anderthalb Wochen, immerhin dürften dann die noch fehlenden Frida Bühner und Leonie Fiebich wieder dabei sein.
    Die deutschen Männe gewannen den Supercup in Hamburg durch zwei Siege gegen Tschechien und Kroatien. Nach klarer Füührung machte es das Team um Kapitän Denis Schröder im Finale gegen Kroatien noch mal spannend, siegte aber mit 96:87.
  • Leichtathletik: Herausragende Leistungen bei den Diamond-League-Meetings in Lausanne und Silesia. Die Einheimische Audrey Werro gewann in Lausanne vor Femke Bol-Broeders, die in 1:55,42 Minuten in ihrem ersten jah nach dem Umstieg gleich einen nationalen Rekord aufstellte.
    In Silesia schleuderte der Litauer die 2-Kilo-Diskusscheibe gleich auf 72,58 Meter, Rekord für die Diamond League und wahrscheinlich auch Bestleistung für Wettkämpfe jenseits von besonders günstigen „Segelwiesen“ wie zurzeit Ramona n den USA. In einem grandiosen Rennen über 400 Meter hatte der Brasilianer Alison de Santos in 46,43 Sekunden (Weltjahresbestleistung) knapp die Nase vor Europameister und Weltrekordler karsten Warholm (46,52). zweimal brillierte auch Mondo Dupbantis, der mit dem Stab in Lausanne 6,21 Meter und in Silesia 6,20 überwand.

Was so übrigbleibt

Zur Leichtathletik und Schwimmen habe ich mich schon geäußert (ich wills dabei belassen), aber es gab noch sehr viel mehr Interessantes in den vergangenen Tagen.

 

Dascha Varfolomeev liefert auch zu Hause ab

 

Darja Varfolomeev ist und bleibt die beste Gymnastin der Welt. Zwar gelang der 19-Jährigen bei der Heim-WM in Frankfurt/Main kein Titel-Durchmarsch wie 2023 in Valencia, als sie in allen fünf Disziplinen gewann, aber sie eroberte immerhin dreimal Gold: im Olympischen Mehrkampf sowie mit Ball und Band. Dazu noch Bronze mit dem Reifen, nur knapp hinter der Ukrainerin Taisiia Onofriichuk und Titelverteidigerin Sofia Raffaeli aus Italien. Nur in der Entscheidung mit den Keulen blieb die Mehrkampf-Olympiasiegerin ohne Medaille, nachdem sie ihre Kür im Vorkampf völlig verpatzt hatte. Sie sei am Anfang der WM sehr nervös gewesen, berichtete Varfolomeev.
Die Stimmung in der wunderschönen Frankfurter Festhalle war großartig;  (Tennisfans werden wehmütig an Daviscup-Schlachten (googelt Michael Westphal und Teppich) und ATP-Finals in den 80er- und 90er-Jahren gedacht haben). Das Niveau der jungen und so gelenkigen Damen atemberaubend. Unfassbar, wie sie ihre Geräte sehr hoch (10 Meter und mehr) in die Luft warfen, sich drehten und wirbelten und verrenkten und danach Ball oder Reifen oder Band oder Keulen (meist) sicher auffingen, dass mancher Fußball-Torwart vor Neid erblassen müsste. Erstmals seit Jahren waren auch die Russinnen trotz des fortwährenden Angriffskrieges wieder dabei, die vom Publikum eher zurückhaltend empfangen wurden (es gab allerdings eine lästig lärmende Fankolonie), letztlich aber ohne Titel blieben.

Mittlerweile 14 WM-Titel hat Varfolomeev gesammelt und gleich 31 Medaillen bei internationalen Wettbewerben. „Ich brauche bald einen größeren Trophäen-Schrank“, lässt sie weitere Großtaten erahnen. Ein gar nicht so weites Fernziel sind die Olympischen Spiele in Los Angeles. Pech für sie und die anderen Gymnastinnen, dass dort Gold nur im Mehrkampf und in einem Teamwettbewerb vergeben wird. Angesichts der Medaillenflut in anderen Sportarten (allein im Schwimmen kommen im Vergleich zu 2024 gleich sechs Disziplinen hinzu), ist das beschämend wenig.

 

Dressur ohne Werth – undenkbar und wertlos (sorry, muss sein)

 

Die Reiter-Weltmeisterschaften in Aachen – das sind Festspiele im Mekka des Pferdesports.  Seit Jahrzehnten in der Weltspitze dabei ist Dressur-Spezialistin Isabell Werth. Mit einem fulminanten Ritt sicherte sich die 57-Jährige auf Wendy de Fountain als letzte Starterin Bronze in der Kür und begeisterte die 40.000 Zuschauer im ausverkauften Hauptstadion der legendären Soers. Nur die großartigen Charlotte Fry aus England auf Glamourdale und Catrine Laudrup-Dofour (Dänemark/Mount St. John Freestyle) waren noch einen Hauch besser, wie das fachkundige und hellauf begeisterte Publikum fair anerkannte. Werths tolle Leistung verhalf zudem der deutschen Mannschaft zu Team-Gold, es ist ihr 10 WM-Titel, wenn ich mich bei der schier endlosen Reihe bei Wikipedia (ja, ich musste nachschauen) nicht verzählt habe …
Isabell Werth ist ein Phänomen: Vor 20 Jahren eroberte sie an gleicher Stelle WM-Gold, als sie mit Satchmo triumphierte. Sie ist Deutschlands Rekord-Olympionikin mit 8 Gold-Medaillen (dazu sechsmal Silber), die sie seit 1992 (!) mit diversen Pferden (Satchmo, Gigolo, Weihegold, Bella Rose) geholt hat.

Isabell Werth hat noch lange nicht fertig. Bei dieser WM nicht, wo am Mittwoch und Donnerstag noch Einzel- und Mannschaftstitel im Grand Prix Spezial (also ohne Musik) vergeben werden. Langfristig ebenfalls nicht, denn die ausgebildete Voll-Juristin (ich glaub nicht, dass sie noch praktiziert) ist weiter voller Tatendrang und ihr derzeitiges Paradepferd Wendy mit 12 Jahren im besten Dressuralter. Zumindest Olympia 2028 in LA kann dieses Paar in Angriff nehmen.

Gold auch in der Vielseitigkeit

Seit diesem Jahr heißen die Weltreiterspiele wieder Reit-WM, bitte nicht fragen, warum. Fester Bestandteil hier wie dort waren und sind die Vielseitigkeitsreiter. Einer der Hauptdarsteller in dieser Disziplin ist seit Jahren der Deutsche Michael Jung. Mit seinem Chipmunk eroberte er seinen zweiten WM-Titel nach 2010 (damals mit Sam). Der Führende nach Dressur und Gelände-Prüfung blieb im abschließenden Springen ohne Fehler und sicherte damit nicht nur den Einzeltitel, sondern auch hinter Großbritannien Mannschafts-Silber fürs deutsche Team. „Chipmunk ist eine Legende, das ist unwahrscheinlich. Wie er Dressur gehen, springen, im Gelände rennen kann“, schwärmte Jung über seinen Partner, mit dem er schon 2024 Einzelgold bei Olympia geholt hatte. 2022 hatte Jung bei der WM in Pratoni ebenfalls vor dem Springen geführt, als Chipmunk die Stange am letzten Hindernis abwarf und die Gold- und Medaillenträume sich in Nichts auflösten.
Chipmunk ist bereits 18 Jahre alt. Keine Ahnung, ob er mit dann 20 die Olympischen Spiele in Angriff nehmen kann, für die das deutsche Team das Ticket bereits fix hat.

 

Schröder macht das NBA-Dutzend voll

 

Der Kapitän der deutschen Basketball-Nationalmannschaft wechselt erneut innnerhalb der NBA. Dennis Schröder wurde von den Cleveland Cavaliers zu den Charlotte Hornets transferiert. Der Spielmacher sieht den Wechsel positiv und erhofft sich bei seinem neuen Team erheblich mehr Zeit auf dem Parkett als zuletzt bei den Cavs, als er hinter den Top-Stars Donovan Mitchell und James Harden nur dritte Wahl war. „In Charlotte kann ich so spielen, wie ich normalerweise spiele.“ Will heißen: Er sieht sich als Anführer des ansonsten sehr jungen, sehr verheißungsvollen Team mit Super-Talenten wie Kon Knüppel. Gerade auf seiner Position hatten die Hornets Bedarf, nachdem sie ihren Topstar Lo Ball abgegeben hatten. Vor allem aber sieht sich Schröder jetzt schon als Mentor seiner jungen Landsleute Hannes Steinbach und Christian Andersen, die die Hornets im jüngsten Draft (Auswahl der besten Talente) gezogen haben. „Für die beiden ist das natürlich ein Segen, dass sie jemanden haben, mit dem sie quatschen können. Ich glaube, es wäre auch toll gewesen, hätte ich das damals gehabt.“

Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) ist bereits die 12. Station des Braunschweigers in der NBA, seitdem er 2013 von den Atlanta Hawks gedraftet wurde. Nur ein Team fehlt noch zum (zweifelhaften?) Rekord, den der Noch-mehr-Reisende in Sachen Basketball Ish Smith mit 13 Stationen inne hat. Insgesamt spielen in der NBA 30 Teams, das dürfte Schröder dann doch nicht mehr schaffen …

 

Und sonst?

 

  • Turnen: Gold für Helen Kevric bei der EM in Zagreb. Silber holte ihre deutsche Landsfrau Karina Schönmaier am Sprungpferd.
  • 2. Liga: Nach dem 2. Spieltag sind nur noch der 1. FC Nürnberg (4:2 bei Greuther Fürth) und Hertha BSC (4:1 vs Heidenheim) ohne Punktverlust. Einen kompletten Fehlstart erlitten die Nordclubs VfL Osnabrück und Hannover 96, die noch ohne jeden Zähler am Tabellenende stehen.
  • Internationaler Fußball: Die Frauen Kameruns sicherten sich den Afrika-Cup. Im Endspiel bezwang das Team die Auswahl Malawis mit 3:0. Neben den beiden Finalistinnen qualifizierten sich auch Marokko und Algerien für die WM 2027 in Brasilien; Ghana und Südafrika haben noch die Chance bei einer interkontinentalen Ausscheidung.
  • England: Den Community Shield sicherte sich Meister FC Arsenal. Die Londoner bezwangen in Wembley Pokalsieger Manchester City mit 3:0. Und noch ein Rückschlag für die Cityzens. Der defensive Mittelfeldmann Rodri, genau vor einem Monat zum besten Akteur der WM gewählt, wechselt zum FC Barcelona. 55 Millionen Euro sind nur ein schwacher Gegenwert des Ausnahmespielers.

 

 

Das wird die Woche, die wird

Nach der gerade abgelaufenen Superwoche (morgen dazu ein langer Beitrag) ist das Programm ab heute doch relativ überschaubar. Die Reitersleute suchen in Aachen noch diverse Weltmeister, am Wochenende kommt es zur 1. Pokalrunde mit durchaus attraktiven Begegnungen. Dazu das Tennis-Masters in Cincinnati.

 

Die berühmte Soers im Blickpunkt

 

Die Aachener Soers gilt bei den Springreitern als der Heilige Gral. Ein Stadion extra für den Pferdesport mit 40.000 begeisterten wie fachkundigen Zuschauern, die jeden Ritt geradezu in sich aufsaugen und nicht nur die deutschen Pferd/Reiter-Paare feiern. Die Springprüfungen sind Höhepunkt jeder Reiter-WM (nix für ungut, Vielseitigkeit, Dressur und Voltigieren). Die besten Teams werden am Mittwoch und Donnerstag ermittelt und der beste Einzelreiter am Sonntag. Leider schon länger nicht mehr in einem Vierer-Turnier, als jeder Starter nicht nur mit seinem eigenem Pferd, sondern auch mit denen der drei Konkurrenten den Parcours meistern musste. Die Deutschen gehören sowohl im Team als auch im Einzel zu den Favoriten, obs dann wirklich zum Titel reich, bleibt abzuwarten.
Sehr stark dürften die deutschen Dressur-SpezialistInnen auftrumpfen. Isabell Werth hat weiter ein Spitzenpferd (Wendy), mit dem sie in der Kür Bronze hinter der unerreichbaren Olympiasiegerin Charlotte Fry (Glamourdale) und Caritne Laudrup-Dufour (Mount St. John Freestyle) Bronze eroberte und ihre 14. WM-Medaille holte. Von Mittwoch bis Freitag werden noch Mannschafts- und Einzelmedaillen im Grand Prix Special verteilt. Der Unterschied zur Freien Kür: Hier gibt es ein festes Programm mit genau geregelten Prüfungen für Pferd und Reiter, geritten wird ohne Musik. Und trotzdem dürften die gleichen Frauen vorn sein. Sach ich jetzt einfach mal

 

Masters als Generalprobe

 

Offiziell ist das Tennis-Turnier von Cincinnati das 7. Masters (von insgesamt 9) des Jahres. Inoffiziell die letzte Formüberprüfung vor den US Open, die am 30. August beginnen. Bei den Männern fehlen wie schon in Montreal mit Jannik Sinner und Carlos Alcáraz die beiden besten Profis. Sinner hat nach seinem Wimbledonsieg kein Turnier mehr bestritten, aber viel schlimmer steht es um Alcáraz. Wegen der Handverletzung fehlt er seit Mai, seinen ursprünglich für Cinci geplanten Start hat er abgesagt. Ob er in New York antreten kann, erscheint mittlerweile sehr fraglich.

Die ersten Runden haben die Topspieler schon absolviert, und mit Ben Shelton hat es schon einen Mit-Favoriten erwischt. Der gerade gekürte Turniersieger von Montreal musste sich dem Portugiesen Faria beugen. Ebenfalls schon raus ist Novak Djokovic, der sich während der Partie gegen Tirante übergeben musste. Die Top 2, Zverev und Auger-Alliasime sind dagegen noch im Rennen.

Bei den Frauen sind die ganz großen Überraschungen bisher ausgeblieben (das ist bei diesem auch in der Spitze unbeständigen Feld allerdings schon eine Überraschung). Gespannt bin ich auf die Toronto-Siegerin Iga Swiatek, die in Kanada endlich wieder zu alter Form gefunden hat.

 

Wem gelingt die Cup-Sensation?

 

Die 1. Runde des DFB-Pokals ab Freitag garantiert Überraschungen. Nur welchen der 18 Erstligisten es erwischt, das ist halt die Frage. Gefährdet scheint mir vor allem der VfB Stuttgart bei Hansa Rostock (Freitag, 20:30), auch weil die Drittligisten (wie die Zweitligisten) schon 2 Spieltage absolviert haben, während die Bundesligisten den Saison-Auftakt absolvieren, echte Wettkampf-Praxis also fehlt. Weitere besonders heikle Aufgaben stehen demnach dem FC Augsburg (Samstag beim Zweitligisten FC Energie Cottbus), Bayer Leverkusen (Samstag be Wehen Wiesbaden, das im vergangenm jahr die Bayern am Rade einer Niederlage hatte) und die Elversberg (beim Regionalligisten MSV Duisburg).

Meine Löwen empfangen am Samstag (18 Uhr) im Grünwalder Stadion Holstein Kiel, eine Überraschung ist erwünscht.

Die Auftaktpartien von Bayern München und Borussia Dortmund finden zu einem späeren Zeitpunkt statt: Der Meister und Vizemeister bestreiten am Samstag den Supercup (20:30 im Westfalenstadion)

 

Und sonst?

 

  • Fußball: Die Premier league beginnt am Samstag. Klarer Favorit ist Titelverteidiger FC Arsenal. Die Londoner scheinennnoch stärker und gefestigter als in der vergangenen Saison. Das 3:0 im Community Shield (englischer Supercup) am Samstag beeindruckte Fans und Experten. Näheres zur PL am Ende der Woche in einer gesonderten Vorschau.
  • Champions League: Hinspiele der 4. und letzten Qualifikationsrunde am Dienstag und Mittwoch. Wer diese übersteht, hat die Geldtöpfe sinder erreicht, die Verlierer sind zum Trost in der Europa League. Von den insgesamt 7 Partien sticht für mich die Partie zwichen Celtic Glasow und dem LASK ins Auge (Mittwoch im Celtic Park), also der schottische gegen den österreichischen Meister. Ein echtes Duell der Außenseiter werden die beiden Partien zwischen Beer Sheva (Israel) und Sabah (Aserbaidschan) sein.
  • Leichtathletik: Nach der EM ist vor der Diamond League. Ein erlesenes Feld wartet am Donnerstag in Lausanne auf, wenn Europameister auf die besten Athleten aus aller Welt treffen, respektive sich in einer Revanche mit knapp geschlagenen platzierten messen. Besdondere Aufmerksamkeit genießt natürlich die Schweizer 800-Meter-Meisterin Audrey Werro, auch wenn die Britin Odgkinsonoffenbar nicht am Start ist. Die Bahn in Lausanne ist ziemlich schnell, das Wetter muss halt mitspielen.
  • Golf: Schon die 2. Runde der Fedex-Ausscheidung in den USA. Startberechtigt bei den BMW Championships in St. Louis ab Donnerstag sind nur noch 70 Profis, nur 50 erreichen die nächste Runde.
  • Radsport: Die Vuelta beginnt am Samstag, nämlich mit einem 8-Kilometer-Zeitfahren in Monaco. Ziel wird nach 21 Etappen Granada im Süden des Landes sein, im zweifel nahe der Alhambra. Die Spanien-Rundfahrt ist die dritte der drei großen, dreiwöchigen Rundfahrten, hat aber längst nicht die gleiche Bedeutung wie die Tour de France und auch nicht die des Giro. Das könnte sich dieses jahr ändern, weil Tadej pogacar am Start sein wird. Denn der Vuelta-Sieg fehlt noch in de überreichen Sammlung des Slowenen. Alles andere als ein überlegener Erfolg wäre eine faustdicke Überraschung, einer der Konkurrenten wird der österreichische Giro-zweite Felix Gall sein, der für die Frankreich-Rundfahrt aussetzte (aussetzen mussteI.
    Typisch sind die sehr schwierigen Bergetappen mit extrem steilen Anstiegen, die Landschaft in Spanien kommt allerdings längst nicht so spektakulär und abwechlungsreich daher wie die in Frankreich.

monympia tous les jours

K.-o.-Spiele allenthalben, aber relativ wenige Entscheidungen, das war der Spieltag

Souveräne Basketballer

Erstaunlich genug ist schon die Tatsache, dass die deutschen Basketballer als Favorit in eine Partie gegen Griechenland gegangen sind, obwohl das Spiel in der Sportkultur in Hellas eine weitaus größere Bedeutung hat. So hat Panathinaikos Athen dieses Jahr die Euroleague gewonnen, während Bayern und Alba die Play-offs klar verpassten. Und was passierte gestern? Ließen sich die deutschen Weltmeiste nicht einmal von einem desaströsen Start und einem 6:18-Rückstand verrückt machen. Soll sich doch Giannis Antetokuomnpo, einer der Topstars der NBA, austoben. Die Deutschen behielten also weltmeisterliche Ruhe, kamen noch im 2. Viertel haran und setzten sich sukzessive ab, so dass ich das Ende fast schon beruhigt betrachten konnte. „Fast“ auch nur deswegen, weil ich im Basketball halt die tollsten Dinge gesehen können. Jetzt steht das Team im Halbfinale und trifft morgen auf Frankreich, das etwas überraschend Kanada, mE und vom Namen her das zweitstärkste Team im Turnier, eliminierte. Zwar haben die Deutschen das Vorrundenspiel gegen die Gastgeber klar für sich entschieden, aber jetzt scheinen Victor Wembanyama und Co. den olympischen Drive gefunden zu haben. Das andere Halbfinale bestreiten USA und Serbien, das nach einem Overtime-Thriller gegen Australien gewann. Alles andere als ein klarer Sieg der US-Stars morgen wäre eine absolute Sensation.

Am Ende blieb nur Blech

An Jakob Ingebrigsten scheiden sich die Geister. An seiner läufwerischen Klasse besteht kein Zweifel, aber er neigt zu Arroganz wie sein aufreizend lässiger Vorlauf bewies. Jetzt war der Norweger Hauptakteur an einem denkwürdigen 1500-Meter-Endlauf. er schlug ein wahsinnig hohes Tempo an, ungewöhnlich bei einer Mittelstrecke. Offenbar lautete sein Plan, der Konkurrenz einfach wegzulaufen weil sie schlicht nicht so schnell können. Das war eine fatale Fehleinschätzung. Nicht nur hielten drei Läufer mit bis zur letzten Kurve, dort hatten sie noch mehr zuzusetzen als der Titelverteidiger und sausten rechts und links vorbei. So blieb für den Favoriten nur Platz 4 – obwohl er schneller war als bei seinem Sieg in Tokio. Am Ende gewann der US-Amerikaner Cole Hocker iin 3:27,65 Minuten, drei Sekunden unter seiner bisherigen Bestzeit, vor Josh Kerr aus Großbritannien (PB) und seinem Landasmann Jakob Nuguse (PB). Es war mit Abstand das schnellste 1500-Meter-Rennen aller Zeiten, noch der 6. blieb unter den magischen 3:30.

Reitfestspiele für Team Deutschland

Nämlich im sechsten Wettbewerb das vierte Gold. Dies schaffte Christian Kukuk auf Checker 47. Er blieb nicht nur im Grunddurchgang als einer von drei Reitern ohne Fehlerpunkte, sondern legte auch als erster Starter im Stechen einen Nullfehler-Ritt vor. In einer schnellen Zeit, weswegen Steve Guedat (Schweiz/Beauville Z) und Maikel van Vleuthen (Niederlande/Dynamix de Belheme) viel Risiko nehmen mussten und jeweils eine Stange abwarfen. Gold also für Kukuk; sein Checker 47 gehört übigens anteilig Fußball-Nationalspieler Thomas Müller, dessen Frau Lisa begeisterte Dressurreiterin ist. Den beiden gehört eine Pferdezucht. Endlich Fußball-Bezug auch hier …

Finale auf Tahiti

Endlich ließen Wetter und Wellen die Finali in den Surfwettbewerben zu. Der Franzose Kauli Vaast, auf Tahiti und praktisch im Ozean aufgewachsen, erwischte die Superwelle, die ihn zu Gold führte. Naja, er hat sie schon perfekt zu nutzen gewusst. Dem Australier Jack Robinson blieb da nur Silber. bei den Frauen setzte sich die Amerikanerin Caroline Marks hauchdünn gegen die Brasilianerin Tatjana Welton-Webb durch. Großartige Wettbewerbe sind damit zu Ende gegangen, es gibt schon Vorfreude auf LA 2028 – dort soll der Pazifik ja auch ganz hübsche Wellen bereitstellen …

🇩🇪👓

Medaille für die Hockey-Männer: Die haben sie nach dem harterkämpfen 3:2-Halbfinalsieg gegen Indien sicher. Zweimal gingen die Deutschen in Führung, zweimal konnte de Olympiasieger ausgleichen. Nach der erneuten Führung durch. Nach der erneuten Führung durch Marco Miltkau hatte Indien noch eine Riesenchance, doch der scharfe Schuss flog knapp übers deutsche Gehäuse. Im Finale trifft das Team auf Holland, das sich 4:0 gegen Australien durchsetzte.
– Die Fußballerinnen müssen ihren Goldtraum begraben. In einem weitgehend langweiligen Halbfinale verlor das Team von Horst Hrubesch den USA mit 0:1 nach Velängerung. Eine Unachtsamkeit in der Abwehr brachte die Entscheidung, eine Riesenmöglichkeit kurz vor Schluss wurde vergeben. Im Spiel um Bronze trifft die Auswahl nun auf Spanien, das etwas überraschend Brasilien mit 2:4 unterlag. Dieses Spiel hatte in der 2. Halbzeit sage und schreibe 18 Minuten Nachspielzeit. Das ist einfach lächerlich, wie das die FIFA handhabt. Erneut mein Wunsch, ja meine Forderung: Her mit der effektiven Spielzeit: Uhr anhalten entweder wie im Basketball bei jeder Unterbrechung oder wie im Handball bei jeder längerfristigen Pause. Funktioniert in beiden Sportarten glänzend, und am Ende gibt es wenigstens um den Schlusspfiff keinen Stress.
Letztlich ohne Chance waren die Handballerinnen im Viertelfinale gegen Frankreich. Sie zeigten allerdings trotz der 23:26-Niederlage ihre beste Leistung im Turnier und ärgerten den Gold-Favoriten bis in die 2. Halbzeit hinein.
Beach-Duo souverän: Nils Ehlers und Clemens Wickler gewannen das Viertelfinale gegen die Holländer Stefan Borman und Yorick de Groot mit 2:0 Sätzen. Auch eine Schwächephase im ersten Durchgang als das Paar einen hohen Vorsprung verspielte, änderte nichts am klaren Erfolg. Jetzt treffen die beiden auf das schwedische Paar/Ahman Helvig, das als Gold-favorit gilt.
Tischtennis-Männer gescheitert: Im Viertelfinale gegen Schweden mussten Dmitrij Ovcharov, Timo Boll und Co. sich Schweden klar mit 0:3 Spielen geschlagen geben. Für Boll was es der letzte Auftritt auf internationaler Bühne, dementsprechend wurde der 43-Jährige gefeiert.

Und sonst?

  • Holländischer Weltrekord: Im Bahnrad-Teamsprint gewann Oranje Gold vor Großbritannien
  • Olympischer Rekord! (für die Ewigkeit?): Ein Kunststück der besonderen Art gelang dem Ringer Mijain Lopez: Als erster Sportler in der olympischen Geschichte dem Schwergewichts-Greco-Ringer in ein und derselben Disziplin (bis 130 kg) das fünfte Einzel-Gold. Auf „nur“ viermal Gold kamen die US-Ikonen Michael Phelps (200 Meter Freistil) und Carl Lewis (Weitsprung). Sogar fünf Triumphe kann sogar Isabell Werth vorweisen – allerdings in der Dressur-Mannschaft mit unterschiedlichen Teamkolleginnen und-Kollegen. Mehr zu diesem faszinierendem Athleten hier.