Blick über den Teich, MLB

 

Tampa Bay Rays – MILWAUKEE BREWERS 1:4 (Endstand: 1:4)

 

Kein Drama, nirgends. das Ende der World Series war kurz und schmerzlos. Als wollten die Brewers der Welt noch mal zeigen, was für ein herausragendes Team sie sind. Das Ergebnis von 4:1, mit dem es den 4. Erfolg und damit den Titel auch rechnerisch festmachte, spiegelt die Überlegenheit nicht annähernd wieder. Diesmal gab es auch nicht den einen Moment, der die Partie hätte kippen können.

Das lag zunächst mal am Starting Pitcher. Jakob Misiorowski konnte endlich einmal in den Play-offs seinen überragenden Ruf bestätigen, den er sich in der Saison erarbeitet hatte. Bis dato hatte er nicht schlecht geworfen, bleileibe nicht, aber jetzt, in Spiel 5, da dominierte er die gegnerischen Schlagmänner fast nach Belieben. Nicht mit Strikouts, nicht mit Fastballs von 105 Meilen (nur 102 waren es), aber  in 5.2 Innings ließ er gerade mal 2 Hits und einen Walk zu. Und war vor allem Manns genug, den Stab weiterzureichen, als er selbst das geringste Zeichen von etwaigen Nachlassen spürte.

Sein Gegenüber tat es ihm allerdings nahezu gleich. Drew Rasmussen pitchte trotz kurzer Pasuse von nur 3 Tagen nach seinem letzten Start ebenfalls großartig. Zwar musste er im 2. Inning einen Run durch Cooper Pratts Single hinnehmen, ansonsten aber blieb er makellos. Trotzdem nahm ihn Manager Kevin Cash nach dem 4. Durchgang vom Mound, obwohl die Ersatzwerfer in den Tagen zuvor extrem viel Arbeit verrichten mussten und dabei nicht unbedingt souverän wirkten. War es übertriebene Vorsicht? Hatte Cash mal wieder zu viel auf Konstellationen geschaut, ein Thema, das sich durch die gesamten World Series zog?

Die Rays-Ersatzwerfer konnten das Unheil jedenfalls nicht abwenden. Die Brewers erhöhten im 5. Inning auf 2:0 und durch zwei. weitere Runs im 6 Durchgang auf 4:0. Das war mehr als die Vorentscheidung, denn warum sollte der bisher überragende Bullpen der Brewers ausgerechnet jetzt implodieren? Er tat es nicht, sondern sorgte kontiniuierlich für Aus um Aus. Kein Hit im 6. Inning, kein Hit im 7. Inning, kein Hit im 8. Inning. Zu langweilig, befand Closer Trevor Megill offenbar im 9. Inning, wenigstens ein bisschen Thrill muss sein. Zwei Doubles von Liam HIcks und Chandler Simpson brachte wenigstens den Ehrenpunkt. Dann machte Megill wieder und eliminierte Richie Palacios per Groundout – das 3. und entscheidende Aus, Sieg und World Series für Milwaukee.

Jubel nicht nur im Tropicana Field zu St. Petersburgh, wo sich erneut auffallend viele Brerwes-Fans versammelt hatten. Auch im zugeschalteten Milwaukee-Stadium war die Hölle los vor ausverkauften Rängen.

Spannung kam dann bestenfalls noch auf, als es um die Verkündung des MvP ging, denn so viele aus dem Brewers-Kader hätten diese Auszeichnung verdient gehabt. Am meisten jedoch tatsächlich William Contreras, der letztlich die Trophäe überreicht bekam. Die Krönung eines gigantscihen Jahres für den überragenden Catcher. Das ja mit dem WM-Titel für Venezuela im März für ihn und Mannschafts-Kollegen Jackson Chourio so verheißungsvoll begonnen hatte

 

Ein komplettes Team, eine großartige Mannschaft

 

Ich mag die Begriffe „verdienter Sieg“ oder gar „verdienter Titel“ nicht besonders (was ist schon unverdient?).. Und doch stelle ich fest, dass mit den Milwaukee Brewerss das mit Abstand beste Team des Jahres Meister geworden ist. Eine Mannschaft ohne den absoluten Superstar der Szene wie etwa Aaron Judge (NY Yankees) und Shohei Ohtani (L’A Dodgers). Eine Mannschaft, die keinen Superstar-Baseball spielt (also allein auf Homeruns ausgehend). Sondern eine, die die Essentials diess Sports beherrscht. Kontrolliertes, starkes Pitching, außerordentlich gute und nahezu fehlerlose Verteidigung, und jeder in der Schlagaufstellung ist jederzeit für Hits gut. Wie Cooper Pratt. Erst im Juni wurde der Rookie ins erste Team hochgezogen, wo er ordentlich agierte. Um plötzlich in den World Series sich als unüberwindbar zu zeigen mit einer Hit-Serie von fünf, noch nie war ein Neuling in World Series besser.

Die Ausgeglichenheit des Teams machte es aus. Und doch möchte ich einen weiteren Profi herausheben. Aaron Ashby, der beste der vielen guten im Bullpen der Brewers (Ersatzwerfer). In den gesamten Play-offs musste er nicht einen einzigen Run des gegnerischen Teams hinnehmen, in den 3 Einsätzen gegen die Rays ließ er in insgesamt 5.2 Innings genau einen (folgenlosen) Hit zu.

 

Große Zukunft mit einem großen Fragezeichen

 

Die Zukunft der Brewers könnte großartig werden. Eine großartige Mannschaft, deren Spieler meist noch recht jung sind und sich auch außerhalb des Felds glänzend verstehen, Team-Manager Pat Murphy, der zu den schlauesten und empathischten Vertretern seiner Zunft gehört. Doch ob es im nächsten Jahr überhaupt etwa zu feiern gibt, steht in den Sternen. Schon im Dezember läuft der Vertrag zwischen Spielergewerkschaft und Liga aus, derzeit gibt es wenig Anzeichen auf eine Annäherung, gar eine Einigung. Wohin das führt, wissen leidgeprüfte Baseball-Fans. Eine Jahr, in der nicht oder  weniger Baseball gespielt wird. Zumindest der verspätete Saisonstart wie 2020 scheint mittlwerweile unvermeidlich, so verfestigt sind die Standpunkte.