Es lebe der Sport live vor Ort

Die Gelegenheit für den Besuch in der modernen neuen Münchner Halle bot sich an: Basketball-Bundesliga, 5. und entscheidendes Spiel der Finalserie am Sonntag zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin, den beiden deutschen Vorzeigeclubs. Dass es dazu kam, stand erst am Freitag fest, am Samstagmorgen der Kartenkauf (virtuell, versteht sich). Der Platz in der Verlängerung einer Spielfeld-Ecke nicht perfekt, aber doch gut genug, um die knisternde Atmosphäre im vollbesetzten SAP Garden einzusaugen. Große Aktien hatte und habe ich weder bei den Münchnern noch bei den Berlinern. Nur spannend möge es sein, war meine Hoffnung.

Danach sah es nach der 1. Halbzeit wahrlich nicht aus. 47:27 führten die Gastgeber, insbesondere ein desaströses 2. Viertel der Berliner hatte dazu beigetragen, als ihnen gerade mal 7 Pünktchen gelangen. Zarte Hoffnung auf eine Aufholjagd, als Alba im 3. Viertel zunächst auf 6 Punkte herankam, doch vor dem Schlussabschnitt stand es 66:53; da ging nichts mehr – oder?

Nun sollte ich durch die NBA und speziell des diesjährigen Champions New York Knicks Aufholjagden auch nach zweistelligen Rückstand gewohnt sein. Aber was jetzt im Garden (SAP, nicht Madison Square) geschah, erstaunte und faszinierte zugleich. Binnen 3 Minuten hatte Alba mit einem 14:0-Lauf den Rückstand nicht nur wettgemacht, sondern in einen Vorsprung verwandelt. Plötzlich fiel jeder Wurf, während bei den Münchnern überhaupt nichts mehr ging. Immehin rafften sie sich noch zu einem Schlagabtausch auf, die Führung wechselte mehrfach, aber am Ende hatten die Gäste tatsächlich das bessere Ende für sich. Vielleicht auch, weil die Münchner arg früh begannen, den Gegner per Fouls an die Freiwurflinie zu schicken anstatt zu versuchen, die Angriffe regulär zu stoppen. Aber weiß ich es wirklich besser als ein Trainerguru? *

Gut 500 mitgereiste Berliner Fans feierten ausgelassen den letztlich unerwarteten Meistertitel, während viele Heim-Anhänger geradezu fluchtartig die Halle verließen. Verstummt war auch der elende Hallensprecher, der mich praktisch das gesamte Spiel extrem nervte mit seinen Einpeitschern und mich veranlasste, meine zunächst eher neutrale Haltung aufzugeben und klar Partei für Alba zu ergreifen (ich habs ohnehin eher mit den Außenseitern, Löwenfan, ihr versteht?). Zittern für ein Team/Spieler gehört für mich beim Sport grundlegend dazu, es gibt kaum etwas Verlogeneres und Langweiligeres wie „der Bessere möge gewinnen“. Wo bleibt da der Spaß?

Während die Berliner einen wahrlich unerwarteten Titel feierten, bilanzieren die Münchner eine an ihren Ansprüchen gemessen missglückte Saison. Kein Titel in Deutschland (schon der Pokalsieg wurde im Februar in eigener Halle vergeigt) trotz des mit Abstand höchstem Budget. Die Euroleague mit dem klaren Verpassen der Play-offs war ein Desaster. Noch nicht einmal der Trainerwechsel konnte etwas bewirken.

* Womit ich bei einem ganz Großen der Branche bin. Svetislav Pesic auf der Bayern-Bank coachte sein letztes Spiel. Wobei „Bayern-Bank“ der völlig falsche Ausdruck ist, denn der Serbe steht während einer Partie die kompletten 40 Minuten an der Seitenlinie (und gerne auch auf dem Spielfeld), rudert mit den Armen, brüllt Anweisungen, beschimpft die Schiedsrichter, tobt und tröstet; allein das mitanzusehen, lohnt den Hallenbesuch. 76 Jahre ist er alt (die man ihm nicht ansieht und erst recht nicht anmerkt) – eine Trainerlegende in Europa. Der die Deutschen 1993 zum EM-Titel führte, der mit Serbien/Jugoslawien Triumphe feierte (Weltmeister 2002, Vizeweltmeister 2023 nach der Finalniederlage gegen Deutschland), aber auch mit Clubs wie dem FC Barcelona (Triple 2003) und eben den beiden deutschen Vorzeigevereinen Alba Berlin und dem FC Bayern. Angeblich ist jetzt wirklich Schluss, aber es würde mich nicht groß wundern, wenn wir ihn nächstes Jahr irgendwo in Europa an der Seitenlinie herumtoben sehen würden.

„Es lebe der Sport live vor Ort“, habe ich getitelt. Nichts ist vergleichbar mit dem Erlebnis vor Ort. Man sieht und hört viel mehr als vor dem Fernseher. Erst recht im Basketball mit dem eher kleinen Spielfeld. Ich muss mich selbst für meinen kurzfristig gefassten Entschluss am Samstag beglückwünschen. Auch wenn ich da natürlich nicht wissen konnte, dass ich eine historische Partie sehen würde.

Woltemade zu den Bayern? oder wie man alles falsch machen kann

Schon die Nachricht an sich hat mich ziemlich verstört. Letzte Woche meldete der FC Bayern, dass man sich mit Nick Woltemade einig sei, auf das der 23-jährige „ab sofort“ bis 2030 beim Fußball-Rekordmeister auf Torejagd gehe. Sogar das jährliche Salär (bis zu 10 Mio/Jahr) gaben die Münchner bekannt. Meine erste Reaktion: Was zur Hölle will Woltemade beim überragend besetzten Meister, wo Harry Kane und Jamal Musiala seine bevorzugten Positionen ganz vorne oder als Verbindung besetzen und vorerst mit Sicheheit nicht zu verdrängen sind.

So weit, so ungut in diesem Millionengeschäft. Gäbe es da nicht das klitzekleine Problem, dass besagter Nick Woltemade schon einen gültigen Vertrag hat. Allerdings nicht beim FC Bayern, sondern beim Liga-Konkurrenten VfB Stuttgart. Bis 2028 und ohne jede Ausstiegsklausel. Den VfB aber haben Bayern weder um Erlaubnis gebeten, dass sie mit ihrem Angestellten über eine Abwerbung sprechen dürfen, geschweige denn erhielten sie die Erlaubnis dafür, wie die Stuttgarter unwidersprochen darlegten. Was gängigen und ziemlich strengen Regeln der Verbände völlig widerspricht. Die besagen nämlich, dass solche Gespräche höchstens in den letzten 6 Monaten der Vertragslaufzeit stattfinden dürfen.

Die Stuttgarter waren verständlicherweise alles andere als amused, und schnell war klar, dass dieser Transfer nicht so einfach über die Bühne gehen würde. Die Bayern selbst hatten das Ganze ja an die Öffentlichkeit gebracht, und so durfte es niemanden verwundern, dass hochbezahlte Experten wie Lothar Matthäus sich dazu äußerten. Der tat etwas für sein Geld und setzte eine Ablösesumme von 80 bis 100 Millionen Euro in die Welt. Und siehe da: Der vfB setzte eben diese Summe als Verhandlungsbasis an, um über einen vorzeitigen Wechsel überhaupt zu reden.

Was wiederum Uli Hoeneß über die Maßen erregte: Lothar Matthäus habe nicht mehr alle Tassen im Schrank, polterte der Ehren-Präsident und Graue Eminzenz derr Bayern. Nur wegen ihm habe der VfB die Summe so hoch angesetzt, und Woltemade sei diese doch nie im Leben wert. Eine These, die nicht nur Matthäus beleidigte (so die Hoeneßsche Intention), sondern auch die Intelligenz der Stuttgarter Vereinsführung, die im Zweifel selbst darauf gekommen wäre, dass sie alle Trümpfe in der Hand haben und diese Summe aberwitzig hoch ansetzen könnten.

Und nicht zuletzt beleidigte Hoeneß auch noch seinen Wunschspieler Woltemade, als er ihm absprach, diese Summe wert zu sein. Der ist in diesem Sommer so etwas wie der heißeste Scheiß im deutschen Fußball. Aus dem Nichts spielte er eine herausragende Rückrunde beim VfB, avancierte zum Nationalspieler und glänzte gerade bei der U-21-EM, die er als Torschützenkönig abschloss. Apropos U-21-EM: Der Zeitpunkt, als die Bayern mit dem angeblich gesicherten Transfer an die Öffentlichkeit gingen, war brillant gewählt; nämlich unmittelbar vor dem Finale gegen England. Dort spielte der bis dato so starke Woltemade geradezu unsichtbar, und ich muss kein Psychologe sein, dass er sich in den Tagen zuvor auch mit anderen Dingen beschäftigt hatte als mit dem bis dahin wichtigsten Spiel seiner Karriere. Woltemade selbst ist bis jetzt wohl der ganz große Verlierer: Der nach nur einem halben Jahr dem Verein den Rücken kehren will, der ihn förderte und an ihn glaubte; der mit seiner Bezahlung (nur 2,5 Millionen Euro) unzufrieden ist, der unbedingt zum Branchenprimus wechseln will (warum auch immer).

Die Bayern stehen auch miserabel da: Ohne Not haben sie den Transfer herausposaunt. Offenbar sahen sie Bedarf, ihre Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, nachdem die anvisierten Wechsel von Florian Wirtz und Nico Williams und Barcola nicht zustande kamen. Ein teures Posaunen: Entweder sie zahlen die 80 oder 100 oder 120 Millionen, die der VfB letztlich aufruft oder sie verzichten und verzichten damit auf einen verheißungsvollen jungen Stürmer, der ihnen zumindest in mittelfristiger Zukunft weiterhelfen kann. Der VfB kann sich dagegen relativ beruhigt zurücklehnen. Sie haben den wasserdichten Vertrag. Entweder sie werden über die Maßen hoch entschädigt oder sie behalten den Angreifer, der mit seiner Entwicklung auch noch längst nicht am Plafond angekommen ist. Bedenken, dass Woltemade beleidigt ist ode gar seinen Wechsel durch „Streik“ forcieren will, sehe ich nicht. Woltemade scheint zum einen nicht der Typ dafür zu sein, zum anderen muss er erst mal seine Leistung bestätigen. Und letztlich steht 2026 die WM in Amerika an, bei der er unbedingt dabei sein will.

Uns objektiven Betrachtern bleibt ein unterhaltsames Bauern-Theater (zumindest die Vorwürfe zwischen Hoeneß/der Bayern Entourage) und Matthäus, die ja eine jahrelange Feindschaft pflegen. Unendlich viele Experten und Kommentatoren fühlen sich bemüßigt, ihren Senf dazu abzugeben. Ich hoffe nur, dass Nick Woltemade einigermaßen schadlos aus der (auch von ihm) eingebrockten Not herauskommt.

Was vom Basketball so übrigbleibt

Bayern sind Meister

 

Nach den Titel für die Münchner Fußballer und Fußballerinnen hat jetzt auch der FC Bayern Basketball Grund zum Jubel. Sie bezwangen in einer spannenden Best-of-5-Serie ratiopharm Ulm mit 3:2. Gerade die 5. Partie zehrte an den Nerven von Fans und Faninnen. Matchwinner wurde letztlich ein deutscher Weltmeister: Johannes Voigtmann in der absoluten schlussphase verwandelte 3 entscheidende Dreier und ließ den SAP Garden dann doch ein bisschen überschäumen. Ansonsten ist der Münchner Basketballzuschauer eher ein stiller Genießer. Immerhin dabei waren auch die Bayern-Granden Uli Hoeneß samt seiner Ehefrau Susi (ohne den es dieses Projekt vor gut 15 Jahren wahrscheinlich nie gegeben hätte) und Herbert Hainer, der tapfer wenigsagend Fragen zum anstehenden Wec hsel von Nick Woltemade eher nicht beantwortete.
Für die Münchner bedeutete der Titel auch die Rettung der Saison, nachdem sie im Pokal sensationell gescheitert waren und vor allem auch in der Euroleague mit dem Verpassen der Play-offs das Ziel klar verfehlt hatten. In der Euroleague werden sie einen neuen Angriff wagen, im Gegensatz zu Alba Berlin, das freiwillig (?) sich aus der Königsklasse zurückgezogen hat und künftig in der Champions League (nur der drittwichtigste Wettbewerb in Europa) versuchen wird.

 

Cooper Flagg die Nummer 1

 

Wie angekündigt haben die Dallas Mavericks im Draft um die besten Nachwuchsspieler Cooper Flagg als ersten Pick gezogen. Die Mavs hatten ja in der Draft Lottery bei nur 1,8 Prozent Wahrscheinlichkeit das Glück des ersten Loses gezogen. Flagg gilt als Ausnahmetalent, der nach Meinung aller Experten den Basketball fürs nächste Jahrzehnt prägen wird. Ein Ballyhoo um ihn vielleicht nicht ganz so sehr wie vor zwei Jahren um Victor Wembanyama, aber nicht wenig dahinter.
Der Forward von der für seine starke Basketball-Ausbildung bekannten Uni Duke bringt alles mit, was ein guter Spieler braucht. Stark in Offensive und Defensive, mit gutem Wurf ausgestattet und auch robust genug gegen die Muskelpakete in der NBA. Mit 18 Jahren ist er noch blutjung.
Doch dass er bei den Mavericks gelandet ist, ist ein zweischeniediges Schwert. Die ambitionierten Texaner haben große Pläne, wollen in den Play-offs möglichst weit kommen. Sie haben mit Kyrie Irving (derzeit allerdings noch veletzt) und Anthony Davis zwei absolute Star-Spieler. Ob da Flagg sich wirklich ausprobieren kann, auch Fehler machen darf, das wird sich zeigen. Auch und vor allem, wie viel Verantwortung ihm Trainer Jason Kidd in heiklen Phasen überlassen will. Andererseits: Er kann beschützt von Klassespielern sich entwickeln, es geht gleich um etwas bei ihm. Anders als bei vielen Supertalenten, die in so schwachen Teams spielen, dass sie nicht und nicht weiterkommen

An zweiter Stelle holten sich die San Antonio Spurs Dylan Harper, dem ebenfalls eine glänzende Zukunft bescheinigt wird. Spurs und Mavs sind nun im ohnehin so starken Westen zwei weitere Aspiranten auf die Play-off-Plätuze, de Unterschied der beiden Konferenzen West und Ost ist ohnehin schon dramatisch hoch.

Auch 2 Akteure der BBL, beide von ratiopharm Ulm wurden in der 1. Runde gezogen. Die Chicago Bulls sicherten sich die Dienste des Franzosen Noa Essengue, die New Jersey Nets die des Israeli Ben Sharaf. Im Hinblick auf die Draft hatten die Ulmer gar die Liga und die Bayern um Verlegung der Partien 4 und 5 gebeten, damit sich die Speiler nicht zwischen Finale und Draft entscheidn müssten. Das Gesuch wurde schnöde abgelehnt. Essengue flog am Mittwoch nach New York und fehlte in der entscheidenen Meisterschaftspartie, Saraf blieb zwar zu Hause, dürfte aber die nacht vorm Fernseher verbracht haben und dementsprechend abgelenkt gewesen sein.

 

Deutsche Frauen chancenlos

 

Wie erwartet war fürs DBB-Team im EM-Viertelfinale Schluss. Gegen Belgien verlor das Team um die WNBA-Profis Leonie Fiebig und Luisa Geisensöder letztlich klar und chancenlos mit 59:83. Konnte Deutschland in der 1. Hälfte noch einigermaßen mithalten (36:41), hatte es gegen den Titelverteidiger und haushohen Favoriten im 2. Durchgang nicht den hauch einer Chance. Vielleicht wäre es mit den Sabally-Schwestern Satou (WNBA) und Nyara (Aufbautraining) sowie der verletzten Kapitänin Marie Julich besser gelaufen. So wie vor einem Jahr bei Olympia, als die Mannschaft Belgien in der Vorrunde besiegte. Immerhin: Im ersten Platzierungsspiel gewannen die Deutschinnen gegen die Türkei mit 93:73, was ihnen eine Partie um Platz 5 gegen Tschechien beschert. Die K.o.Spiele finden allesamt in Piräus statt, doch die Atmosphäre in der höchstens zu einem Zehntel gefüllten Halle ist gespentisch. Der Grieche mag seine Männer-Teams frenetisch anfeuern, Frauen-Basketball lässt ihn gut klimatisierten halle offebar völlig kalt.

 

Und sonst

 

  • Der Verdacht bei Tyrese Haliburton auf Achillessehnenriss hat sich bestätigt. Der Spielmacher der Indiana Pacers, der sich im 7. Spiel der NBQ Finals gegen Oklahoma City Thunder nach 7 Minuten vverletzte, wird dem Team ungefähr ein Jahr lang fehlen.
  • Kevin Durant zu den Houston Rockets. Der 37-Jahre alte Forward, 15-mal im Allstar-Team arf zu einem seiner 3 Wunschteams wechseln. Die Phoenix Suns Suns erhalten im Gegenzug Dillon Brooks, Jalen Green, die Nummer 10 der Draft 25, also Khaman Maluach, ein sehr versierter Center, sowie noch 4 Second-Round-Picks. Wahrscheinlich das Beste, was die Suns kriegen konnten, nachdem bekannt war, dass sie Durant unbedingt loswerden wollten.

Owetschkin zieht mit Gretzky gleich

Dass die amerikanischen Sportfans statistikverrückt sind, ist hinlänglich bekannt. Das ist vielleicht ein Erfolgsgeheimnis von Baseball, wo es eben verlässliche Zahlen gibt, dass der rechtshändige Schlagmann X gerade an einem Mittwochnachmittag in einem Stadion mit Natürrasen gegen einen linkshändigen Werfer besonders erfolgreich ist. Man könnte Tage verbringen, um auf speziellen Seiten sich in Stats zu vergraben. Beim Fußball dagegen? Die Tore, vielleicht noch die Ecken, und dann wird es schon zäh, und nur künstliches wie die erstaunlichen expected Goals bringt noch ein wenig Futter.

Doch jetzt steht tatsächlich ein Meilenstein an: Alexander Owetschkin von den Washington Capitals erzielte gestern Nacht gegen die Chicago Blackhawks zwei Treffer und stellte den Allzeitrekord von Wayne Gretky mit 894 Toren ein. Das in den vergangenen anschwellende Interesse ist nun einem unfassbaren Hype gewichen: Jeder will dabei sein, wenn die historische Marke fällt. Schon in Washington war der Jubel atemberaubend, und die NHL- und sonstige Prominenz (samt Gretzky natürlich) sowie die gesamte Fanmilie war vor Ort in der Halle, die in riesigen Jubel ausbracht bei Tor Nr. 893 und erst recht Nmmer 894. Gretzky war begeistert, Owetschkin war angefasst: „Das ist etwas ganz Besonderes, ein historischer Moment“, bekannte der Russe. Irgendwie passt es zur russisch-amerikanischen Annäherung, dass ein in Moskau ausgebildeter Kufenstar das Land (allerdings auch das eishockey-verrrückte Kanada) in helle Aufregung versetzt.
Die jetzt natürlich noch größer wird, den die große Frage lautet: Wann überholt Ovi den großen Gretzky. Vielleicht schon morgen in New York, allerdings nicht im Madison Square Garden, sondern im UBC Denter, wo die Islanders ihre Heimspiele austragen. Zur besten europäischen Fernseheit ab 18.30 Uhr: Wer kurzentschlossen live vor Ort sein will, muss tief in die Tasche greifen. Unter 600 Dollar bekommt man gar keine Karten mehr, aufgerufen für die besseren Plätze werden 4200 $, Tendenz stark steigend. Die Eishockey-Prominenz wird auf jeden Fall wieder dabei sein.
falls es am Sonntag nicht klappen sollte, gibt es für Owetschkin in dieser Saison noch weitere 5 Möglichkeiten, darunter auch zwei Heimpartien gegen Carolina und Columbus.

 

Thomas Müller sagt unfreiwillig Servus

 

Jetzt ist es offiziell: Nach dieser Saison wird der Weltmeister von 2014 nicht mehr seine Fußballschuhe schnüren – zumindest nicht für den FC Bayern. Wie das Münchner Urgestein (seit 2000 beim FCB) auf seinem Instagramm-Kanal schrieb, entschied sich der Verein bewusst gegen eine Vertragsverlängerung. „Auch wenn dies nicht meinen persönlichen Wünschen entsprach, ist es wichtig, dass der Verein seinen Überzeugungen folgt.“ Diese Überzeugung lässt sich beziffern: Teilzeitarbeiter Müller ist mit seinem Jahresgehalt von 17+ Mio schlicht zu teuer geworden. Eine Annäherung bei den Gehaltsvorstellungen gab es offenbar nicht.

Müller verzichtet bewusst auf eine direkte  Schuldzuweisung: Zu eng verwoben ist er mit dem Herzensvererein: Jetzt schon ist klar, dass er in einer anderen Position zum Club zurückkehren wird: Sportdirektor? Sportvorstand? Alle Türen stehen ihm offen. Andererseits ist eben ehrlich genug, mit seinem Unmut und seiner Traurigkeit nicht hinter dem Berg zu halten.

Die Münchner ihrerseits haben sich – durchaus nachvollziehbar angesichts ihres irre teuren Kaders – gegen die weichen Faktoren entschieden, die Müllers Vertragsverlängerung durchaus gerechtfertigt hätten. Der immer freundliche und dabei aauch kritische Stürmer war das Gesicht des FC Bayern, kam bei Fans, aber auch den neutralen Fußballfreunden bestens an. Nach allem was ich weiß, war er immer noch der äußerst anerkannte Führungsspieler, der wenn es nicht so gut lef, auch aufrüttelte. Nicht umsonst wird er „Radio Müller“ genannt. Nie gab es auch den geringsten Zweifel, wie sehr ihm die Münchner am Herzen liegen. Diese Lücke muss der Club erst mal schließen, doch welche Identitätsfigur bleibt noch? Manuel Neuer vielleicht, aber auch dessen Karriere-Ende ist absehbar, außerdem ist er halt kein gebürtiger Münchner/Bayer. Die Jungen wie Alexander Pavlovic brauchen noch Zeit, müssen erst mal einen unumstrittenen Stammplatz finden.

Thomas Müller ließ vorerst offen, ob er noch für einen anderen Verein ein oder zwei Jahre anhängen will. Lust zum Fußballspielen hat er, das zeigte auch jeder seiner Auftritte in dieser Saison. Unvorstellbar scheint ein Wechsel innerhalb der Bundesliga, ja wahrscheinlich sogar Europa (Inter Mailand? Ernsthaft??). Aber Amerika lockt, gerade das Münchner Partnerteam der Los Angeles Galaxy in der MLS, wo er mit dem Ex-Dortmunder Marco Reus einen guten Bekannten treffen würde und wo auch ein durchaus ansehnlicher Fußball gespielt wird, wenn gleich nicht mir dem der Spitze in Europa.  Ein neuer Horizont würde sich da auftun, und ein, zwei Jahre im sonnigen Kalifornien und als Botschafter des WM-Gastgebers 2026 – es soll Schlimmeres geben trotz des irren Präsidenten. Die Frage ist halt, ob und in welcher Form seine Frau Lisa das mitmacht, die selbst an ihrer Dressurkarriere bastelt und mit der er eine gemeinsame Pferdezucht betreibt.

Als Löwenfan kann ich sagen, dass ich Thomas Müller und seine unverstellte Art immer gerne gemocht habe. Traumatische Lokalderbys mit für mich schmerzvollen Müller-Toren hat es allerdings auch nicht gegeben. Ich würde ihm von Herzen noch ein, zwei erfolgreiche Fußball-Jahre wünschen (wie immer er „Erfolg“ definiert), und bin überzeugt: Von diesem Thomas Müller werden wir noch einiges höchstwahrscheinlich sehr viel Gutes/Erfreuliches hören. Das kann ich wahrlich nicht von jdem Sportler/Fußballer behaupten.

Das war die Woche, die war

Offensiv-Spektakel und ofene Fragen

Zweiter gegen Erster, Eintracht Frankfurt gegen Bayern München, das versprach viel und hielt fast alles. 3:3 ist ein merkwürdiges Ergebnis, aber letztlich vedient. Die Münchner waren hochüberlegen, hatten teilweise mehr als 75 Prozent Ballbesitz, ihre Tore fielen fast zwangsläufig, wobei mit Min Jae Kim und Dayot Upamecano zwei Verteidiger erfolgreich waren, während der vermeintliche Goalgetter Harry Kane ohne Abschluss blieb und zu allem Überfluss auch noch angeschlagen das Feld vorzeitig verlassen musste.
Doch in die Offensiv-Herrlichkeit, die die 3 Treffer nur unzureichend widerspiegeln, auch aufgrund der vortrefflichen Leistung von Eintracht Schlussmann Kaua Santos, der den verletzten Stammtorwart Kevin Trapp (fast) vergessen lässt, mischt sich Befremden in die defensive Anfälligkeit. Jeder wusste oder ahnte sehr wissend, dass sich die Franfurter aufs Konter verlegen würden, auch dank ihrer großartigen und pfeilschnellen Angreifer Omar Marmoush und Hugo Ekitiké. Und auch wenn die Bayern viele der Konter durch schnelles Gegenpressing im Keim erstickten, ein paar mal kamen sie halt durch hatten gegen die letzten verteidigenden Mohikaner Upamekano und Kim eher leichtes Spiel. Und da auch Manuel Neuer außerstande war, auch nur einen der 3 Schüsse zu entschärfen, stand m Ende ein 3:3 auf der Ergebnistafel. Alles kein Problem außer das Ergebnis, wiegelte Sportvorstand Max Eberl ab. Aber die frage darf schon gestellt werden, ob ein Team nicht wenigstens in der Nachspielzeit mit wenigstens ein bisschen Verteidigung einen Vorsprung über die Zeit spielen sollte. Die nächsten Gegner zu Hause heißen nach der durch Länderspiele bedingten Pause VfB Stuttgart und FC Barcelona. Dort treffen sie das Tor bisweilen auch ganz hübsch.
Noch ein statistisches Schmankerl: Die von mir hinreichen entwürdigten extended Goals wiesen bei Eintracht Frankfurt den Wert 0,89 auf. Bei drei Toren nach Schüssen frei vor Neuer eine wirklich erstaunliche Zahl (pro Tor nicht einmal 30 Prozent?).

Spitzenclubs suchen Spitzenform

Was haben Meister Leverkusen, der Zweite VfB Stuttgart und der Champions-League-Finalist und derzeitige Tabellenführer der Königsklasse Borussia Dortmund gemeinsam? Es flutscht nicht so richtig.
Nehmen wir Bayer, den ungeschlagenen Titelträger. 2:0 führten sie nach 8 Minuten gegen Holstein Kiel, man durfte sich sorgen um den Aufsteiger. Ein weiteres Tor von Boniface wurde wg hauchzarten Abseits zurückgenommen, und die Herrlichkeit schwand von Minute zu Minute. Vor der Pause durfte Max Geschwill nach einer Holtby-Ecke völlig ungehindert am Fünfmeterraum einköpfen, in der 2. Halbzeit verursachte Jonathan Tah in bemitleidenswert hilfloser Art einen Elfmeter, den Lewis Holtby verwandelte. In de Schlussphase hatten die Kieler sogar die größte Torchance, die aber Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky mit einem vfantastischen Reflex abwehrte. „Uns fehlt der letzte Biss“, moserte der Finne.
Zu mosern hatten auch die Dortmunder – drei Tage nach der 7:1-Gala in der Champions League gegen Celtic. Beim 1. FC Union zeigten sie in der 1. Halbzeit eine unterirdische Leistung. Nationalverteidiger Nico Schlotterbeck verursachte täppisch einen Elfmeter, den Kevin Vogt verwandelte zu seinem ersten Treffer nach fast 10 Jahre (damals mit dem 1. FC Kön auch gegen den BVB. Der steigerte sich im zweigten Durchgang, aber mehr als der Treffer des Ex-Unioners Jonas Ryerson sprang nicht mehr heraus. Es grummelt vernehmlich am und um den Borsigplatz.
Der VfB Stuttgart bleibt ebenfalls hinter den Top-Leistungen der vergangenen Saison zurück, zumindest manchmal. Wie am Sonntag, als die sehr kriselnde TSG Hoffenheim ein 1:1 aus. Und schon das Unentschieden kam letztlich glücklich zu Stande durch einen Elfmeter, den Ermedin Demirovic erst im Nachschuss verwandelte. Scheint eine Stuttgarter Spezialität zu sein, den Gleiches gelang vor Wochenfrist Enzo Millot.

Trainereffekt bei Coco Gauff

Die Tennisspielerin hatte knapp einem Monat bekanntgegeben, dass sie künftig auf die Dienste von Brad Gilbert verzichte. Matt Daly soll neuen Schwung bringen. Gilbert hatte sie zwar im vergangenen Jahren bis zum US Open Titel gecoacht, aber in diesem Sommer wollte es nicht so recht laufen. Beim ersten großen Turnier ohne den Ex-Profi mit den üblen Tricks (Winning ugly heißt sein Buch) gewann die Amerikanerin gleich das Masters-Turnier von Peking, bei dem bis auf Iga Siatek die komplette Weltelite am Start war. Ihr erster Triumph seit Januar! Nachdem sie im Turnier durchaus ihre Mühe hatte und unter anderem im Achtelfinale von einer Aufgabe von Naomi Osaka profitierte, zeigte sie gegen die Tschechin Karolina Muchova eine herausragende Leistung, die fürs Saisonfinale vieles erhoffen lässt. Muchova ihrerseits kehrt mit Riesenschritten zurück in die Weltelite, wo sie mit ihrem wunderbaren vielseitigen Spiel einfach hingehört.
Die Männer sind bei Masters in Schanghai noch mitten im Turnier. Mit dabei ist auch Alexander Zverev, obwohl er geradde erst eine Lungenentzündung auskuriert hat und sichtlich noch nicht vollends auf dem Damm ist. Angeblich aber kann aktives Spielen keine gravierenden Spätfolgen zeitigen, wollen wir das mal glauben und hoffen.
Jannik Sinner steht im Achtelfinale: Seine Doping-Affäre ist ja jetzt beim CAS anhängig. Dort lässt man sich aber offenbar zeit, was ich unerträglich finde für alle Beteiligten. Für Sinner, weil er das Damoklesschwert einer Sperre über sich hat, vor allem aber für die Konkurrenz, der Sinner mit seinen Siegen Punkte und Geld wegnimmt. Ich würde schon hoffen, dass spätestens  bis zu den ATP Finals in Turin so oder so eine Entscheidung getroffen wird.