Ein Pokalwochenende ohne Sensation, aber mit einem veritablen Skandal, das Tennis-Masters in Cincinnati und eine äußerst stimmungsvolle Reit-WM.
Die Schande von Mannheim
Der SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserslautern, mehr Hass und gegenseitige Verachtung gehen kaum im deutschen Fußball. Dieser rührt schon aus den 90er-Jahren, als die Waldhöfer völlig überraschend n die Bundesliga aufgestiegen waren.
Man durfte also einiges befürchten seit der Pokalauslosung. Und doch schien die Partie eingiermaßen normal über die Bühne zu gehen mit nur kurzen Unterbrechungen wegen der unseligen Bengalischen Feuer, die ein Fan offenbar zünden muss, damit es schön raucht und stinkt. Doch kurz vor Anbruch der Verlängerung eskalierte die Sache komplett. Die Mannheimer Fans regten sich über eine angebliche Provokation des Lauterers Ritter auf und bewarfen die Gästebank, wo Trainer Torsten Lieberknecht stoisch dastand (das wurde ihm später ernsthaft vorgeworfen …). Als Reaktion zündeten Lauterer Fans Feuerwerkskörper, die sie in den Mannheimer Block fliegen ließen. Das nwiederum hatte einen versuchten Platzsturm der Waldhöfer zur Folge, der ein unfassbares Polizei-Aufgebot samt Pferdestaffel (man war tatsächlich auf alles vorbereitet) Herr zu werden versuchte. Minutenlang war die Partie unterbrochen, weil Mannheimer Fans fortwährend Feuerwerkskörper und andere Gegenstände aufs Feld schossen und warfen, die Mensch und Tier zum Teil nur knapp verfehlten. Für mich ein veritabler Skandal, dass Schiedsrichter Robert Schröder das Spiel dann fortsetzte. in der Verlängerung geschah dann sehr wenig, die Fans hatten sich wieder beruhigt, die Spieler waren eher apathisch, bis Ibrahim Kanaté in der 120. Minute mit einem feinen Schlenzer den Lauterrer Sieg herstellte.
Das allerdings war nebensächlich, alle sprechen nur über die mal wieder unfassbaren Szenen. Während Lauterns Sportdirektor Robert Hengen selbstkritisch anmerkte, die Szenen auf den Rängen „beider Seiten“ seine furchtbar, erging sich die Mannheimer Seite weitgehend in Schuldzuweisungen Sportdirektor Matthias Schober beschuldigte Lauterns Ritter, er habe durch seine „Provokationen“ das Desaster auf den Rängen provoziert. Noch schlimmer war für mich allerdings die indiskutable Reaktion von Gerhard Zuber, der die ganze Sache ins Lächerliche zog, nachdem er zunächst Waldhofs „großartige Fans“ huldigte. „Deswegen haben wir den Rasen gewechselt, damit die Pferde ein schönes Grün zum Grasen haben.“ Die äußerte dieser unselige Mensch nicht in erster Erregung, sondern lange nach den Geschehnissen. Offenbar genügte die Zeit nicht zum Nachdenken. Der DFB sollte diesem unfassbaren Menschen mit einer sehr, sehr langen Stadionsperre Zeit zur Besinnung geben!
Wie gesagt: Für mich unbegreiflich, dass die Partie nicht komplett abgebrochen wurde. Die Teams müssten aus dem Wettbewerb geschmissen werden (also auch der Sieger Lautern, für den einer der Erstrunden-Verlierer als Lucky Loser nachrücken sollte); vielleicht sogar für mehrere Jahre. damit vielleicht ein Umdenken stattfindet. Wildwest-Szenen wie diese gibt es tatsächlich nur im Fußball, die aber kein echter Fußball-Fan sehen will (leider tun diese aber auch zu wenig dageben). Um es mit Ex-Nationalspiler und dem heutigen Sportdirektor von Legia Warschau Fredi Bobic zu sagen: Offenbar muss erst jemand sterben, damit es wirklich Konsequenzen in Form eines Abbruchs gibt.
Immerhin: Der DFB ermittelt, hohe Geldstrafen wird es mit Sicherheit geben. Ob es tatsächlich Ausshclüsse gibt, wage ich allerdings zu bezweifeln!
Durchmarsch der Bundesliga
Alle 16 Teams kamen durch (der FC Bayern und Borussia Dortmund spielen aufgrund des Supercups erst im September). Einen kompletten Durchmarsch des Oberhauses in der ach so gefürchteten 1. Runde hat es zuletzt 2009 gegeben. Nicht mal zittern mussten die meisten Clubs, die das Abenteuer Pokal mittlerweile äußerst ernst nehmen, auch weil hier mit vergleichsweise wenig Aufwand recht viel Geld zu verdienen ist. Einzig Schalke 04 musste gestern in Halle in eine Verlängerung, Mühe hatte auch der 1. FC Union nach zweimaligem Rückstand in Braunschweig. Am Ende siegte schlicht die bessere Klasse der Einzelspieler.
Arthur Fils schafft Debüt-Sieg
Erstmals siegte der Profi bei einem Tennis-Masters-Turnier. Im Finale von Cincinnati bezwang der Franzose den US-Amerikaner Francis Tiafoe in 3 Sätzen. Eine höchst merkwürdige Partie, denn sie dauerte nicht mal 90 Minuten, was für eine komplette Dreisatz-Partie extrem selten ist, erst recht in einem Finale. Schon länger warte ich auf den Durchbruch des hochveranlagten Arthur Fils, doch immer wieder werfen ihn Verletzungen zurück, zuletzt konnte er wegen anhaltender Hüftbeschwerden nicht bei den French Open antreten, wo die Franzosen so sehnlich auf einen Triumph eines Einheimischen warten.
Jetzt gilt Fils als einer der Anwärter für den Triumph bei den US Open ab Sonntag. Wie allerdings gut 2 Dutzend Männer (ohne große Übertreibung), nachdem Jannik Sinner die Teilnahme für New York schon abgesagt hat und Titelveretidiger Carlso Alcáraz zwar antritt, aber nach 4 Monaten Wettkampfpause nicht in Top-Form sein kann.
Bei den Frauen schaffte Coco Gauff in Cinci den umjubelten Heimsieg und schaffte endlich den ersten Turniererfolg in diesem Jahr. In einem höchst einseitigen Finale bezwang sie ihre Landsfrau Jessica Pegula. Hier gilt Ähnliches wie bei den Männern. Das Favoritinnenfeld für die US Open ist sehr weit, wirklich belastbare Vorhersagen sind hier wie dort nahezu unmöglich (ich versuche es trotzdem, wahrscheinlich am Sonntag).
Aachener Festspiele im Reitsport
Das Publikum war begeistert über die Leistungen von Ross und Reiter bei der WM, die SportlerInnen waren begeistert über das fachkundige und faire und enthusiastische Publikum. Kurz: Die Reit-WM war ein voller Erfolg. Sie bot spannenden Sport und eben die Fairness gegenüber allen Teilnehmern, die ich im Fußball oft vermisse.
Natürlich wurden die deutschen Erfolge besonders gefeiert. Vor allem den des Springreiter-Quartett, das in einem tollen Wettbewerb am Freitag die Mannschaftswertung für sich entschied. Am Ende hatten Marcus Ehning, Sophie Hinners, Daniel Deußer und Richard Vogel einen klaren Vorsprung auf die Vertretungen aus Belgien und Großbritannien.
Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigte sich 2 Tage später in der Einzelkonkurrenz, als die Deutschen ohne Medaille blieben. Die erneut 40.000 Zuschauer in der Aachener Soers waren natürlich etwas enttäuscht, nichtsdestotrotz feierten sie Weltmeister Steve Guerdat, der mit mit Dynamix vor dem Belgier Thibeau Spits mit Impress Gold gewann. „Aachen hat Maßstäbe für kommende Weltmeisterschaften gesetzt, “ zeigte sich Verbands-Präsident Ingmar de Vos mehr als angetan. Und, wie ich anmerken will, ein echtes Statement für die Olympia-Bewerbung von Rhein/Ruhr, wo die pferde-Wettbewebe eben in Aachen stattfinden sollen.
Und sonst?
- Super-Cup: Erster Titel für den FC Bayern. Die Münchne siegten bei Borussia Dortmund mit 2:0. Neuzugang Brown und Olise erzielten die Tore ür den FCB, für Dortmund war Silva erfolgreich.
- Internationale Ligen: Der FC Arsenal ist in England der große Gewinner des 1. Spieltag (hört, hört). Die Londoner siegten klar mit 3:0 gegen Aufsteiger Coventry City. Dagegen kam der FC Liverpool bei Newcastle united nicht über ein 2:2 hinaus. Noch über erging es Manchester United und den Tottenham Hotspur, die mit empfindlichen Niederlagen bei Hull City gespektive Brentford starteten. Erster Tabellenführer ist brighton an Hove Albion: Das Team des deutschen Trainers Fabian Hürzeler siegte gleich 4:0 gegen Champions-League-Teilnehmer Aston Villa. Leon Goretzka wird genau hingeschaut haben, denn sein Wechsel zu den Villans steht seit dem Wochenende fest.
In Spanien heißt der 1. Tabellenführer FC Barcelona, das Elche beim 5:0 nicht den Hauch einer Chance ließ. Unter den Torschützen war auch de Ex-Dortmunder Karim Adeyemi, der etwas überraschend in der Startelf stand. Er hat ja viel Hohn und Spott über sich ergehen lassen, weil Barca doch ein, zwei Nummern zu hoch für ihn sei. Warten wir mal ab! - Formel 1: Zum letzten Mal auf absehbare Zeit fand der Grand Prix von Holland in Zandvoort statt, weil die Veranstalter die horrenden Startgebühren nicht zahlen können. Für Lokalmatador Max Verstappen endete das Rennen desaströs, denn schon in der 1. Runde verlor er auf leicht feuchter Strecke die Kontrolle über seinen Red Bull, knallte in die Mauer, blieb aber unverletzt. Es siegte Weltmeister Lando Norris im McLaren vor dem WM-Führenden Kimi Antonelli, der seinen Vorsprung auf seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell auf 59 Punkte ausbaugte.
- Basketball: Missglückter Test der deutschen Frauen vor der Heim-WM in Berlin ab 4. September. Beim 62:68 gegen Ungarn leistete sich das Team zu viele Ballverluste. Da ist noch viel zu tun bis zum Turnier in anderthalb Wochen, immerhin dürften dann die noch fehlenden Frida Bühner und Leonie Fiebich wieder dabei sein.
Die deutschen Männe gewannen den Supercup in Hamburg durch zwei Siege gegen Tschechien und Kroatien. Nach klarer Füührung machte es das Team um Kapitän Denis Schröder im Finale gegen Kroatien noch mal spannend, siegte aber mit 96:87. - Leichtathletik: Herausragende Leistungen bei den Diamond-League-Meetings in Lausanne und Silesia. Die Einheimische Audrey Werro gewann in Lausanne vor Femke Bol-Broeders, die in 1:55,42 Minuten in ihrem ersten jah nach dem Umstieg gleich einen nationalen Rekord aufstellte.
In Silesia schleuderte der Litauer die 2-Kilo-Diskusscheibe gleich auf 72,58 Meter, Rekord für die Diamond League und wahrscheinlich auch Bestleistung für Wettkämpfe jenseits von besonders günstigen „Segelwiesen“ wie zurzeit Ramona n den USA. In einem grandiosen Rennen über 400 Meter hatte der Brasilianer Alison de Santos in 46,43 Sekunden (Weltjahresbestleistung) knapp die Nase vor Europameister und Weltrekordler karsten Warholm (46,52). zweimal brillierte auch Mondo Dupbantis, der mit dem Stab in Lausanne 6,21 Meter und in Silesia 6,20 überwand.
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