Ein fantastischer Bodensee-Urlaub mit Traumwetter (fast schon zu heiß) liegt hinter mir. Allerdings führt der See so wenig Wasser wie noch nie, und alles ist sehr ausgetrocknet. Ich hab gelesen, dass der Bodensee in 20.000 Jahren versandet sein wird (man bekommt eine Ahnung, warum). Da wir sehr liebe Gäste hatten, habe ich das Sportgeschehen nur rudimentär verfolgt. Letztlich ist nur sehr wenig hängengeblieben. Dem Machtkampf FIFA-Präsident Gianni Infantino vs UEFA werde ich im Laufe der Woche noch ein paar Sonderzeilen widmen (großer Seufzer).

 

Demi Vollering Siegerin einer spannenden Tour

 

Alles ist bei den Frauen ein bisschen kleiner als beim Radspektakel der Männer. Nur gut eine Woche statt drei, 9 Etappen statt 21. Nicht zuletzt auch das Preisgeld: Der Tour-Sieger streicht 500.000 Euro ein, die Tour-Siegerin 50.000. Aber Jahr für Jahr steigt das Interesse an der Tour de France femmes. An der Strecke, bei den Einschaltquoten, auch wenn die ARD nicht jede Etappe im linearen Programm zeigte. Doch Eurosport Deutschland meldete zum Teil sogar mehr Zuschauer, als das bei den Männern der Fall war.

Warum? Weil die Frauen-Tour Spannung verspricht und auch hält – in diesem Jahr in der Tat bis zur letzten Bergwertung. Ganz anders also als bei der Pogacar-Triumphfahrt, als der Slowene bereits nach der ersten Woche als Gesamtsieger praktisch feststand. Bei den Frauen wechselte das Gelbe Trikot der Gesamtführenden hin und her. Nach der Königinnen-Etappe am Donnerstag hoch zum legendenumrankten Mont Ventoux sah noch die Polin Kasia Niewiadoma wie die Siegerin aus, als sie der Konkurrenz in einer beeindruckenden Solofahrt enteilt war. Doch die Holländerin Demi Vollering gab sich keineswegs geschlagen. Am „kahlen Berg“ hielt sie dank eines großartigen letzten Kilometers den Rückstand im Grenzen und auf den letzten beiden Teilstücken am Wochenenden in den Seealpen rund um Nizza schlug dann ihre Stunde.

Am Samstag übernahm die 29-Jährige das Gelbe Trikot, nur 8 Sekunden vor Niewiadoma, und dieses mittlerweile auch im Frauenradsport begehrteste Kleidungsstück verteidigte sie auch auf dem letzten Teilstück. Am letzten Anstieg trat die Holländerin unwiderstehlich an, distanzierte alle Konkurrentinnen und sicherte sich nicht nur den Etappensieg, sondern auch den Triumph in der Gesamtwertung, zum zweiten Mal nach 2023. Kasia Niewiadoma, Siegerin 2024, blieb nur der 2. Rang.

Das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin sicherte sich Antonia Niedermaier. Die 23-jährige Rosenheimerin wehrte auf dem letzten Teilstück alle Angriffe der Konkurrenz ab und beendete ihre erste Tour auf dem 4. Gesamtplatz. Diese Leistung ist umso höher einzuschätzen, da Niedermaier nicht auf eigene Rechnung fuhr, sondern im deutschen Team  Canyon-SRAM als Edelhelferin für  Niewiadoma eingeplant war; sich also oft in den Wind stellen musste und dabei Kräfte verbrauchte, die eine Mannschaftskapitänin im Windschatten schonen kann. Begonnen hatte sie ihre sportliche Karriere als Skibergsteigerin, erst 2022 sattelte sie im Wortsinn um. Erfolge stellten sich früh ein, und Experten und vor allem auch ihre Teamführung trauen Antonia Niedermaier in den kommenden Jahren durchaus einen Toursieg zu. Deutsche Radfans dürfen nun Wetten abschließen, wer zuerst die Tour gewinnt (nona): Antonia Niedermaier oder Florian Lipowitz. Der Vorteil der Bayerin: eine Überfahrerin wie bei den Männern Tadej Pogacar gibt es bei den Frauen nicht – trotz Vollering und Niewiadoma.

 

Munterer Saisonstieg im Unterhaus

 

In einem waren sich die Experten vor dem Start der 2. Fußball-Bundesliga einig. Es kann praktisch alles passieren. Zwar gilt Absteiger VfL Wolfsburg dank des mit Abstand höchsten Budgets und einer groß angelegten Einkaufstour als klarer Favorit, aber das Unterhaus hat seine Tücken, wie die Niederrsachsen schon am 1. Spieltag feststellen mussten, als sie zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern nicht über ein 0:0 hinauskamen. Wenn ich die prognose wagen darf: ein Durchmarsch wird auch den Wolfsburgern nicht gelingen, sie müssen froh sein, wenn der Wiederaufstieg überhaupt gelingt.

Es war ein durchaus munterer Auftakt, einer mit Überraschungen. Die wahrscheinlich größte gelang Aufsteiger Energie Cottbus, der im heimischen Stadion der Freundschaft Hannover 96 mit 3:1 Toren bezwang. Ich selbst hab die Partie nicht verfolgt (der heiße Bodensee), aber das Ergebnis entsprach offenbar absolut nicht dem Spielverlauf. Die 96er schafften mal wieder einen unglublichen Chancen-Wucher (der sie in der vergangenen Saison den Aufstieg kostete), scheiterten auch mit den besten Einschuss-Möglichkeiten am überragenden Schlussmann Marcel Lotka, der gleich acht zum Teil grandiose Paraden zeigte. Ich bin auf das weitere Abschneiden der Lausitzer sehr gespannt, zu denen ich ja seit meiner Zeit in Frankfurt (Oder) ein besonderes Verhältnis habe, weil ich sie mehr als ein Jahrzehnt aus beruflichen Gründen intensiv „betreut“ habe.

Bei Weitem nicht so gut ging es den anderen Ost-Clubs: Der 1. FC Magdeburg (1:6 gegen Braunschweig) und Dynamo Dresden (0:3 beim 1. FC Nürnberg) finden sich gleich am Tabellenende wieder. Panik sollte hier wie dort allerdings niemand schieben, genauso wenig wie die siegreichen Teams in allzugroße Euphorie verfallen dürften.

 

Und sonst?

 

  • 3. Liga: Erfolgreicher Saisonstart für den Jahn Regensburg, der bei Victoria Köln gleich mit 5:2 gewann. Erstaunlicher Doppeltorschütze: Adrian Fein, der zum allerersten Mal in seiner Profi-Karriere gleich zweimal traf (und noch einen Assist gab). Den Werdegang des mittlerweile 27-Jährigen verfolge ich tatsächlich seit seiner Kindheit, denn er ist der Sohn eines meiner besten Freund (der es als Löwen-Fan für gut befand, dass der damals 11-jährige Adrian zum FC Bayern wechselte und dort die gesamte Ausbildung absolvierte).
  • Golf: Sehr verspätet (der Bodensee) möchte ich Esther Henseleit rühmen. Die Deutsche wurde am vorvergangenen Sonntag bei den British Open Zweite. Erst im Stechen musste sich die Silbermedaillengewinnerin von Paris der Japanerin Shiho Kuwaki beugen. Als Trost bleiben ihr eine Million Dollar Preisgeld und der inoffizielle Titel „Schlag des Turniers“: der unfassbare Monsterputt am 18. Loch der Schlussrunde, mit dem sie das Stechen erreichte.https://www.n-tv.de/sport/mediathek/videos/sport/Henseleit-begeistert-mit-Monster-Putt-und-verpasst-Titel-dramatisch-id31151494.html