Europameisterschaften de olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Becken-Schwimmen, dazu die Entscheidung bei den Tennis-Masters in Kanada (Toronto respektive Montreal). Und die neue Fußball-Saison nimmt ganz langsam Fahrt auf, national und international.

 

Europameisterschaften – oft ein Muster ohne Wert?!

 

Mein Verhältnis zu EMs im Schwimmen und in der Leichtathletik ist zwiespältig. Einerseits sind das durchaus spannende Wettbewerbe, andrerseits oft ein Muster ohne Wert, weil die Allebesten eben nicht dabei sind. Besonders auffällig im Sprint, wo die schnellsten der Welt seit eher (oder sehr langer Zeit) aus der Karibik und den USA kommen. In der Langstrecke sind dagegen die Afrikaner das Maß aller Dinge.

Und doch versprechen die Titelkämpfe in Birmingham (Leichtathletik) und Paris (Schwimmen) viel Spannung und auch tolle Leistungen.

 

Deutschlands Läufer wollen Medaillen

 

Das hatten wir schon lange nicht mehr, dass der DLV sehr aussichtsreiche Athleten in die Laufwettbewerbe schicken kann. Doch seit ein paar Jahren trumpfen gerade Männer in Disziplinen auf, die vorher geradezu Brachland waren. Ewig alte Rekorde wurden gebrochen, so zum Beispiel der von Harald Schmid über 400 Meter Hürden aus dem Jahr 1987 (!) , ehe ihn Emil Ageykum ablöste. Dieser gilt jetzt als Top-Kandidat für eine Medaille (neben seinem Landsmann Ole Fischer-Breiholz), für Gold dürfte es allerdings nicht langen hinter dem zumindest in Europa unantastbar scheinenden Weltrekordler Karsten Warholm aus Norwegen. Ähnlich verhält es sich über 1500 Meter, wo Robert Farken ganz vorne in der europäischen Elite mitmischt. Diese Lauf-Entscheidung könnte ein echter Höhepunkt der gesamten Veranstaltung werden, zumal hier die Briten mit dem frischgebackenen Meilen-Weltrekordler Josh Kerr einen Titelfavoriten stellen.

Ich will jetzt aber den Teufel tun, hier Wettbewerb für Wettbewerb durchzugehen. Insgesamt stehen 7 Tage (bis Sonntag) auf dem Programm, ARD und ZDF berichten episch sowohl im linearen Fernsehen als auch im Stream, wer sich allzu viel Deutschtümelei ersparen will (die erste Morgen-Session lässt diesbezüglich Böses erahnen), kann auf die App von Eurovisionsports zurückgreifen oder sich via VPN sich das Land der Wahl aussuchen.

Meine persönlichen Höhepunkte sind:

– Stabhochsprung de Männer wegen Armand Duplantis, eh klar. (So., 20:30)
– 800 Meter der Frauen: faszinierender Dreikampf zwischen Werro/Schweiz, Hodginson/GB und Bol/NL, die sich auf ihrer neuen Strecke schnell eingefunden hat (Fr., 22:45).

Natürlich auch die 100-Meter-Sprints der Frauen (Montag) und Männer. Neu im Programm ist die Sprint-Mixed-Staffel.

 

Becken-Schwimmen – und die Russen sind voll dabei

 

Noch eklatanter ist der Leistungs-Abfall der Europäer im Schwimmen, wo die (US-)Amerikaner, Australier und auch Asiaten zum Teil weit voraus sind. Ausnahme-Athleten wie der Franzose  Leon Marchand sind wirklich nur die Ausnahme der Regel. Umso größer der Schock der französischen Gastgeber, dass ihr Gold-Aspirant wegen einer nicht ganz ausgeheilten Adduktoren-Verletzung seinen Start für die beiden Lagenstrecken (200 und 400 Meter) abgesagt hat, wo er den Titel nur hätte abholen müssen (und über 400 Meter auf Weltrekordjagd gehen wollte). Immerhin bleibt seine Nennung für die 400 Meter Freistil und 200 Meter Schmetterling bestehen, und auch einige Staffelstarts dürften eingeplant sein.

Deutschlands Starschwimmer Lukas Märtens will nach seinem Olympiasieg über 400 Meter, dem WM-Titel und dem Weltrekord auch den europäischen Titel. Er ist klarer Favorit. Ansonsten gibt es ein zahlenmäßig riesiges Aufgebot, die eine oder andere Medaille wird mit Sicherheit herausspringen (Langstreckler Johannes Liebmann, Brustspezialistin Anna Elendt, die Staffeln).
Die Wettbewerbe in Paris erstrecken sich ebenfalls bis Sonntag.

Sehr großes Manko: Die Schwimmer haben die russischen AthletInnen trotz des entsetzlichen Angriffsskrieges gegen die Ukraine wieder mit Glanz und Gloria (und offenbar auch wieder Hymnen) in ihrer Mitte aufgenommen. Sogar die Staffeln dürfen starten, bisher waren Mannschaftswettbewerbe für Russen ein absolutes Nogo und von allen Verbänden strikt abgelehnt. Die Schrecken des Krieges sind offenbar Normalität geworden, regelrecht abgestumpft heißen die Sportverbände Russland wieder willkommen. Ich bin regelrecht angewidert von dieser erbärmlichen Demut, die Gefühlslage der ukrainischen Sportler vermag ich mir gar nicht auszudenken. Die löbliche Ausnahme: die Leichtathletik, danke dafür!

 

Der Kicker – eine einzige Schande

 

Großereignisse in den olympischen Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik waren mal eine Domäne des Sportmagazins. Vorbei, vergessen, der Kicker ist zur reinen Fußballzeitschrift mutiert, und das, obwohl die 1. Liga noch gar nicht begonnen hat. In der Montag-Ausgabe steht zu Schwimmen und Leichtathletik: nicht eine einzige Zeile (immerhin eine Doppelseite handball …); früher gabs den komplette Zeitplan plus Medaillentipps des großartigen Leichtathletik-Experten Gustav Schwenk (nicht immer zutreffend, aber ein klarer Anhaltspunkt für den Gelegenheitsgucker). Und jetzt? Nichts, nada, niente! Was für eine Ignoranz, was für eine erbärmliche Schande! Die komplette Kapitilation vor der Vielfalt des Sport, sehr, sehr traurig!

 

Tennis-Entscheidung in Toronto und Montreal

 

Wie immer teilen sich die Frauen für die Masters-Turniere in Kanada auf. Diesmal schlagen die Männer in Montreal auf und die Frauen in Toronto. Die Besonderheit: Beide Endspiele finden in der Woche statt, nämlich jeweils am Freitag (Ortszeit). Grund. Schon in dieser Woche beginnt das Masters in Cincinnatti, ebenfalls auf Hartplatz.

Bei den Männern ist der Titelverteidiger noch im Rennen. Ben Shelton steht nach dem Sieg gegen Fonseca im Viertelfinale. Nach dem Ausscheiden un ter anderem von Alexander Zverev sowie der Nichtteilnahme von Jannik Sinner und Carlos Alcáraz ist er jetzt der bestklassierte Mann im Feld. Obs zum erneuten Sieg reicht, bleibt allerdings abzuwarten. Einen glänzenden Eindruck hat vor allem der junge Spanier Jodar hinterlassen.
Auch bei den Frauen ist die Nummer 1, Aryna Sabalenka, schon draußen. Jede der verbliebenen acht Spielerinnen hat Titelchancen, so verrückt ist dieses Tennis-Jahr. Wenn ich tippen müsste: die Amerikanerin Coco Gauff hat in kanada schon öfter sehr gut gespielt.

 

Und sonst?

 

  • Fußball: Super-Cup-Finale in Salzburg. Parallel zu den Mozart-Festspielen treffen im ednlich mal wieder ausverkauften EM-Stadion (30.000 Zuschauer) Champions-League-Sieger Paris St. Germain und Europa-League-Champions Aston Villa aufeinander. Die Ligen haben weder in Frankreich noch in England begonnen, und viele Spieler sind auch noch im WM-Urlaub. Eine nette Spielerei um Europas Krone, nicht mehr, nicht weniger.

    Ernst wird es dagegen für deinige Clubs in der Champions-League-Qualifikation, wo am Dienstag die Rückspiele der 3. Runde anstehen. So muss Sturm Graz gegen Fenerbahce Istanbul einen 0:2-Rückstand aufholen (20:30). Sollte das gelingen, wartet auf die steirer noch eine 4. Runde, ehe die Geldtöpfe sicher sind. Ansonsten gibt es als Trostpreis die Europa League.

  • Rhythmische Sportgymnastik: Ab Mittwoch die WM in Frankfurt/Main, und mittendrin Darja Varfolommev. Ob die Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin in den Einzel-Geräten wieder den Durchmarsch schafft, bleibt abzuwarten. Denn auch bei den Gymnastinnen sind die Russinnen wieder startberechtigt, und die waren vor ihrem kriegsbedingten Ausschluss in dieser Sportart das maß aller Dinge. Ist halt die große Frage, ob die KampfrichterInnen gleich eine russische Titelflut zulassen.
  • Pferdesport: Und noch eine WM, nämlich die der Reiter. In Aachen, so etwas wie de heilige Gral, zumindest der Spring- und Dressurreiter. Von morgen an bis Sonntag in einer Woche werden WM-Titel in insgesamt 6 Disziplinen vergeben. Die DeutschInnen sind überall zumindst MitfavoritInnen, auch wenn Dressur-Olympiasiegerin Jessica Bredow-Werndl fehlt, weil sie ohne Spitzenpferd dasteht, nachdem sie den überragenden Dalera in den Ruhestand geschickt hat.
  • Tennis: Nach Kanada ist von Cincinnati. Doch die Männer-Konkurrenz leidet an verletzungsbedingten Absagen. So zog Carlos Alcáraz seine Nennung wieder zurück, die Handverletzung scheint immer noch nicht ausgeheilt. Ebenfalls nicht dabei ist der Weltranglisten-Erste Jannik Sinner, den der Oberschnekel zwickt. für beide Top-Spieler wirds jetzt für die US Open (ab 30. August) durchaus eng. Lokal-Matador Taylor Fritz fehlt ebenso.
    Top-gesetzt ist somit French-Open-Sieger Alexander Zverev, gefolgt vom kanadier Felix auger-alliasime. zuletzt in Montreal zeigte sich der hamburger allerdings ziemlich müde.
    Bei den Frauen ist dagegen alles dabei, was Rang und Namen hat. Vorhersagen sind dort allerdings fast unmöglich, in den Top Ten (oder auch Top 20) kann jede gegen jede gewinnen, aber auch verlieren. Zu schade, dass deutsche Spielerinnen schon länger mit der Spitze nichts mehr zu tun haben. Mit einem Auge schaue ich auf Top-Talent (und mehr) Österreichs Lilli Tagger, die sich allerdingfs in der Qualifikation beweisen muss.