Ich hatte ja sehr gehofft, nach dieser Weltmeisterschaft für ein paar Monate nichts von Gianni Infantino hören würde. Dass der FIFA-Boss höchstzufrieden in seinem FIFA-Schloss in Zürich oder Dubai oder sonstwo die Milliarden zählen würde, die dieses merkwürdige Fußball-Turnier in Nordamerika dem Weltverband beschert hat.

Eine trügerische Hoffnung, denn diese Woche platzte der Schweizer mit einem schamlosen Deal in die Vorbereitung für die neue Saison. Danach soll die Weltmeisterschaft an Investoren verkauft werden. Nicht vollständig, aber doch zu einem Viertel, die Rede ist von 20 bis 30 Prozent. Als Verkaufspreis stehen 20 Milliarden Dollar im Raum. Eine Riesensumme, die sich angesichts der unglaublichen Gewinne bei einer WM schnell amoritsieren dürfte.

Mit einem Interessenten sind die Verhandlungen schon sehr weit gediehen. Es heißt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei bezüglich des Plans konsultiert worden, die Investmentbank JP Morgan wickele den Prozess ab. Infantino, der laut Statuten nur bis 2031 FIFA-Präsident bleiben darf, könnte anschließend Kommissar der neuen Organisation werden. Dann könnte sich sein Jahresgehalt verzehnfachen. Roger Goodell, der Commissioner der NFL, verdient gut 60 Millionen Dollar per anno. Der Unterschied: Goodell ist Angestellter der NFL, er muss das umsetzen, was die Owner mehrheitlich beschließen.

 

Erpressung mit Geldgeschenken

 

Infantino wäre nicht der mafiöse FIFA-Boss, würde er den Verbänden nicht die Pistorle auf die Brust setzen. Diese nämlich müssen bis September die Pläne absegnen, mit der einfachen Mehrheit bei einer Abstimmung der 211 Mitgliedsverbände. Damit sie das tun, werden sie mit Geld geködert, sehr viel Geld. Nach konservativen Berechnungen würden sie 5 Millionen Euro pro Jahr kassieren statt bisher etwa 2 Millionen. Das mag bei einem Riesenverband wie den DFB nicht die ganz große Summe sein, wohl aber für Winz-Verbände wie Vanuatu oder Fiji (nix für ungut). Die nach den one-country-one-vote-Regularien der FIFA aber die gleiche Stimmgewalt haben. Eine weitere Sauerei: Laut Infantino sollen nur die Verbände kassieren, die mit „Ja“ stimmen (offenbar ist keine geheime Wahl geplant).

Es droht also nicht anderes als der Total-Ausverkauf des Fußballs, falls denn eine Steigerung überhaupt noch möglich ist. Denn auch wenn die Investoren angeblich keinen direkten Einfluss auf die WMs haben dürfen (neben den Männern auch die der Frauen und die Club-WM), ihre rein finanziellen Interessen finden natürlich trotzdem Gehör, was Austragungsort und Modus betrifft. Und so schwirren schon die Szenarien von der WM alle 2 Jahre (natürlich mit dann 64 Teams), gerne auch mit weiteren werbe-freundlichen Regeländerungen, das hat ja schon bei der „Trinkpause“ prima geklappt.

 

Die UEFA schäumt

 

Die erste Reaktion des europäischen Verbandes war: glatte Ablehnung, ja Verurteilung der Pläne. Damit sei eine „rote Grenze“ überschritten, heißt es in einer Stellungnahme. Für Donnerstag  ist eine Dringlichkeitssitzung aller Verbände anberaumt. Einziges Thema: nicht mit uns. Und Europa hat ein sehr scharfes Verteidigungsschwert: den Austritt aus der FIFA, zumindest den Boykott der WM. Eine WM ohne europäische Länder wäre wirtschaftlich sinnlos, weil sportlich wertlos. Denn sogar wenn es ein Turnier ohne Europa geben würde, die Clubs müssten dann die Profis aus Afrika, Amerika und Asien nicht abstellen (wenn sich die UEFA vorher aus dem Weltverband abgekoppelt hat). Vielleicht könnten sie sogar Spieler für eine oder zwei Saisons sperren, wenn sie trotzdem teilnehmen. ja, das klingt drastisch, aber eine andere Sprache versteht der mafiöse Infantino nicht!

Um die Pläne von vornherein abzusägen (oder wenigstens abzumindern) wäre es heute schon sehr günstig, wenn eine breite Mehrheit sich klar dagegen aussprechen würde. Natürlich mit allen sehr weitreichenden Konsequenzen, die ein FIFA-Austritt oder Boykott mit sich bringen würde. Der eine oder andere Verbandhat schon leichte Sympathie für den Total-Ausverkauf bekundet (Tschechien ist mir zu Ohren gekommen). Dagegen hat sogar der Infantino-hörige Bernd Neuendorf den Plänen eine klare Absage erteilt.

Kritik gibt es aber nicht nur aus Europa, sondern auch aus Asien und sogar Nordamerika. Hier wird aber eher das Procedere angegriffen, nämllich dass Infantino und ein paar Getreue die quasi im stillen Kämmerlein so weit haben gediehen lassen.

 

Ich will nicht sagen, das die Zukunft des Fußballs auf dem Spiel ist, er ist sehr resistent. Aber ich erwarte heute eine ganz klares UEFA-Zeichen. Damit die Irrsinns-Pläne des Gianni Infantino und der Trump-Mafia möglichst schnell wieder verschwinden.