Trauer ist natürlich ein großes Wort, weil ich den Italiener nie persönlich kennengelernt habe. Aber bei jedem Fernsehauftritt, bei jedem Interview verbreitete er eine so große Freundlichkeit, so viel Lebensfreunde, so viel Freundlichkeit, dass es mir weh ums Herz wird, dass Alessandro Zanardi schon mit 59 Jahren von uns gegangen.
Der großen Öffentlichkeit bekannt geworden ist der in Bologna geborene Zanardi nicht durch seine überschaubar erfolgreiche Formel-1-karriere, sondern durch einen schrecklichen Unfall am Lausitzring 2001 in einem Rennen der damaligen ChampCar-Serie. Er lag in Führung, absolvierte einen turnusmäßigen Boxenstopp, doch bei der Rückkehr geriet er auf einen Grünstreifen und ins Schleudern und verlor die Kontrolle. Mit 300 Stundenkilometern raste der Kanadier Alexandre Tragiardi im rechten Winkel in Zanardis Fahrzeug und zerfetzte dieses in 2 Teile. Zanardi wurden beide Beine abgerissen, er verlor extrem viel Blut, aber die Ärzte retteten ihn das Leben. Es gibt bei Youtube mehrere Videos von diesem Crash, ich erspare mir und Euch den Link dazu.
„Ich bin jetzt ein halber Deutscher“, scherzte er, angesprochen auf die vielen Blutkonserven. Ein typischer Zanardi, der trotz des Verlustes der Beine nie den Lebensmut und nie seinen Humor verlor. 2003 kehrte er auf den Lausitzring zurück, fuhr in einem umgebauten Fahrzeug die 13 Runden zu Ende, die ihm zwei Jahre zuvor zum Sieg gefehlt hatten. Die Zuschauer erhoben sich von den Sitzen und applaudierten ihm. Aus den Boxen röhrte David Bowies „Heroes“. Wer live vor Ort oder wie ich am Fernseher dabei war, wird es kaum vergessen.
Auch wenn danach Alex Zanardi immer wieder in umgebauten Rennautos Rennen bestritt und sogar ein Rennen der Toruenwagen-WM gewann – das reichte ihm nicht. Er wurde zum fanatischen und extrem erfolgreichen Handbiker. Bei den Paralympics in London und Rio gewann er viermal Gold und zweimal Silber, er eroberte 12 Titel bei Weltmeisterschaften. Was er tat, das tat er gründlich, auch das war eine seiner Lebensweisheiten.
Ein weiterer schwerer Unfall beendete 2020 auch diese Karriere. Mit seinem Handbike kollidierte er bei einer Trainingsfahrt mit einem Lastwagen und schwebte mit schweren Kopfverletzungen tagelang in Lebensgefahr. Seitdem lebte er abgeschirmt und in Ruhe (Zanardi und Ruhe – ein Widerspruch an sich. Am Samstag ist er im Kreise seiner Lieben friedlich eingeschlafen. Damit wird es nichts aus seinem eigentlichen Lebenstraum. Das Zitat sagt viel aus über einen wunderbaren Sportler und noch tolleren Menschen, der für viele ein Vorbild war, wie er mit Rückschlägen umgegangen ist.
Vielleicht der erste Mensch auf dem Mars zu sein. Irgendetwas Einfaches halt.“
Du beweist mal wieder, mich wenig an Rennsport Interessierten, mit diesem Artikel einen Sportler nahe gebracht zu haben, der es wert ist zu würdigen. Danke.