von Münchner Löwe | Juli 14, 2026 | Allgemein
Da sage noch einer, dass die Fußball-Weltrangliste erratisch zusammengewürfelt ist nach nicht nachvollziehbaren Kriterien (so wie ich es wiederholt tue). Die Top 4 jedenfalls sind im Halbfinale unter sich, auch weil die FIFA in einem erstaunlichen Anflug von Weisheit eine Setzung vorgenommen hat. Sprich: Sie hat die Gruppen so gelegt, dass Frankreich, Spanien, England und Argentinien nicht aufeinandertreffen konnten, wenn sie denn ihre Gruppe als Erste abschließen (was allen Vieren mehr oder weniger souverän gelungen ist). Mir persönlich gefällt dieses Setzen sehr, es gibt aber auch Gegenstimmen, beispielsweise in der SZ. Ich sage nur (jenseits von subjektiven Vorlieben): Ich finde es gut, dass wir jetzt im Halbfinale zwei absolute Top-Begegnungen erwarten dürfen; ob es dann auch Top-Spiele werden, bleibt dann abzuwarten
Frankreich – Spanien
Di., 21.00 in Dallas (ZDF und Magenta sowie ORF 1 und SRF)
Die Partie findet in Dallas statt, Spielbeginn 14 Uhr Ortszeit. Die texanische Hitze ist allerdings kein Problem, denn das Stadion ist voll überdacht und voll klimatisiert. Das letzte Aufeinandertreffen war ein wildes 5:4 der Spanier im Halbfinale der Nations League 2025. 4:0 und 5:1 führten die Spanier, ehe die Franzosen noch auf 4:5 herankamen, ehe ihnen die Zeit ausging. Auch ein Jahr zuvor im EM-Halbfinale hatten die Spanier mit 2.1 das bessere Ende für sich.
Was das fürs heutige Halbfinale bedeutet? Nichts, nada, rien. Denn gerade die Franzosen sind ein ganz anderes Team. Eines, das endlich seine Angriffs-Power auch auszunutzen geruht und sein Heil in der (kontrollierten) Offensive sucht. Die Spanier verlassen sich dagegen weiter auf ihre tolle Deckungsarbeit und ihr hervorragendes Kombinationsspiel.
Die Stars
Kylian Mbappé: Für mich bisher der Spieler des Turniers. Der selbst Chancen kreieren kann und auch selbst vollenden. Der auch die vortrefflichsten Zuarbeiter hat, vor allem Michael Olise, der allerdings in den vergangenen Partien gegen Paraguay und Marokko nicht mehr ganz so auffällig agierte. Mbappé hat wieder das Selbstvertrauen, lässt sich auch durch einen ziemlich erbärmlich vergebenen Elfmeter nicht aus dem Konzept bringen. Und wenn er an die Kette gelegt wird, dann ist da auch noch ein gewisser Ousmane Dembélé, der amtierende Weltfußballer.
Bei den Spaniern sehe ich nicht den herausragenden Einzelspieler. Lamine Yamal war für diese Rolle vorgesehen: Der 18-jährige Außenspieler spielt auch gut, mannschaftsdienlich, aber nicht überragend. Zumindest nicht so überragend und mit so tollen Treffern, wie wir ihn schon im spanischen Dress und beim FC Barcelona gesehen haben.
Wenns nicht so abgedroschen klingen würde: Der Star der Spanier ist die Mannschaft, herausheben würde ich dennoch einen Dani Olmo, ein Mann mit so vielen schlauen Einfällen. Und auch wenn vorne Mikel Oyarzabel nicht ganz so auffällig spielt wie die Stürmerstars Kane und Haaland und Co., aus den Augen darf ihn niemand verlieren.
Die Verteidiger
Wirklich geprüft wurden die französischen Abwehrspieler bisher noch nicht, egal ob Dayot Upamecano innen oder Lucas Digne außen. Für mich wirkt der Abwehrverbund nicht hundertprozent sicher, das ist eher ein Gefühl, als dass ich es belegen könnte. Aber wann immer sich gegnerische Mannschaften nach vorne aufgemacht hatten (was selten genug vorkam), es kam Gefahr auf.
Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Digne und auch Kounde mit den bärenstarken Außenstürmern Yamal und vielleicht sogar Nico Williams zurechtkommen.
Die Spanier haben den vielleicht besten Innenverteidiger des Turniers in ihren Reihen. Pau Cubarsi, erst 19 Jahre alt und dennoch strahlt der Jungspund des FC Barcelona eine Ruhe und Abgeklärtheit und Klasse aus wie ein schlachtenerprobter Haudegen. Marc Cucurella ist der beste Linksverteidiger des Turniers, wobei „Verteidiger“ angesichts seine Dauer-Vorstöße eine sehr unzureichende Bezeichnung ist.
Die Torhüter
Mike Maignan blieb zuletzt nahezu ohne Beschäftigung. Er verfügt über glänzende Reflexe, wirkt aber im Herauslaufen nicht immer souverän.
Unai Simon würde ich stärker einschätzen. Für viele ist ja schon überraschend, dass der unfassbar gute David Raya vom FC Arsenal nicht die Nummer 1 ist. Simon von Athletic Bilbao genießt das uneingeschränkte Vertrauen von Trainer de la Fuente.
X-Faktoren
Die Bankspieler:
Das sind die Spanier vielleicht noch breiter aufgestellt als die Franzosen, auf extrem hohem Niveau. Die Franzosen haben ihr A-Team, allenfalls die Frage ob Doué oder Barcola als vierte Offensivkraft aufgestellt wird, ist strittig.
Die Spanier haben sehr viel nachzulegen, gerade auch offensiv. An erster Stelle natürlich Mikel Merino, der Super-Joker. Nur jeweils fünf Minuten brauchte er gegen Portugal und Belgien, ehe er als Einwechselspieler das jeweilige Siegtor erzielte. Wenn Nico Williams als Linksaußen in die Partie kommen sollte, ist das ein weiterer sehr schwer zu stoppender Gefahrenherd.
Defensives Mittelfeld
Die Schaltstation: Es gilt die gegnerischen Angriffe abzufangen und seinerseits Offensiv-Aktionen zu innitiieren. Vielleicht der größte Vorteil der Spanier, denn Rodri ist mit der Beste auf dieser Position und mittlerweile auch wieder gut in Form. Bei den Franzosen fällt Rabiot dem gegenüber doch leicht ab.
🧠 Frankreich
Ich sehe die Equipe tricolore hauchzart vorn. Kleinigkeiten werden entscheiden (ich hoffe sehr, dass es keine Fehler der Unparteiischen sind). Mbappé wird den Unterschied ausmachen, doch wehe, das spanische Mittelfeld bekommt die Hand aufs Geschehen.
England – Argentinien
Mittwoch, 21 Uhr in Atlanta, ARD und Magenta sowie ServusTV und SRF
England gegen Argentinien, wer von den Älteren erinnert sich nicht an das WM-Viertelfinale 1986 im Aztekenstadion zu Mexiko-Stadt mit Hauptdarsteller Diego Maradona. Zuerst die Hand Gottes, dann das tollste Solo der WM-Geschichte. Am Ende stand es 2:1 für Argentinien, und eine Woche später waren die Südamerikaner Weltmeister.
Wenn die Neutralen das schon nicht vergessen, dann natürlich erst recht nicht die Beteiligten. Die Engländer fiebern dem Duell förmlich entgegen, Veteranen aus dem Falklandkrieg melden sich zu Wort. Kühlen Kopf zu bewahren und sich der aktuellen Aufgabe zu stellen, ist also gar nicht so einfach. Wenn es einer kann, dann doch der eher technokratische deutsche Trainer Thomas Tuchel!? Der das Spiel damals als Zwölfjähriger verfolgte (ich geh mal davon aus, dass er das tat). Und die Engländer haben ja schon eine Azteka-Nemesis überwunden, nämlich als sie im Achtelfinale in eben dieser Spielstätte den fulminanten 3:2-Erfolg über Gastgeber Mexiko bewerkstelligten.
Die Argentinier sind die letzten Nicht-Europäer im Feld. Von allen Halbfinalisten geben sie mir die meisten Rätsel auf, was ihr Leistungsvermögen betrifft. Einerseits Zittereien gegen die afrikanischen no names (nona) Kap Verden und Ägypten, und auch der Auftritt im Viertelfinale gegen die Schweiz offenbarte Schwächen. Ändererseits: Wenn sie denn gefordert waren, dann waren sie zur Stelle. Das Powerplay gegen Ägypten bei 0:2-Rückstand, den sie in ein 3:2 verwandelten, war faszinierend und sollte jedem eine Warnung sein, der dieses Team unterschätzen will.
Die Stars
Bei England sind es zwei, auf die sich alles konzentriert: Harry Kane und Jude Bellingham. zwei absolute Unterschiedsspieler. Hier der Torjäger des FC Bayern mit dem vielleicht besten Torschuss im Weltfußball, dort der eher filigrane, enorm ideenreiche Bellingham von Real Madrid. Wo er eine recht lausige Saison hinter sich hat und sich unter anderem mit dem inzwischen gefeuerten Xabi Alonso zerstritt.
Als Tuchel die Mannschaft und auch Bellingham kritisierte, trotz seiner jeweils zwei Tore gegen Mexiko und Norwegen, da schlug Bellingham zurück, stellte die Kompetenz von Tuchel in Frage (naja, so schlimm war es nicht, aber er sagte sinngemäß, der Trainer habe auf so hohem Niveau nie gespielt).
Im Zweifel werden die Wogen sich glätten. Dann hat England ein veritables Offensiv-Duo, das auch den Argentiniern viel Ärger machen könnte.
Bei den Argentiniern dreht sich natürlich alles um Lionel Messi. Ein Faszinosum. Der 39-Jährige rennt kaum, er kämpft kaum, er verteidigt kaum, oft steht er fast teilnahmslos herum. Stehgeiger nennen die Österreicher so einen Künstler. Doch wenn Messi am Ball ist, dann kann jederzeit Magisches geschehen. Nicht nur bei den Frei- und Eckstößen, die er so gefährlich wie kaum ein Zweiter zu treten weiß. Auch während des Spiels kann er jederzeit den Unterschied ausmachen. Wenn er etwa 25 Meter vorm Tor am Ball ist, herrscht allergrößte Gefahr. Die erste Pflicht der Engländer lautet also: Messi also erst gar nicht an den Ball kommen lassen.
Acht Tore hat Lionel Messi mittlerweile erzielt, nur bei der vermeintlich einfachsten Übung, dem Elfmeter versagt er („Messi“ und „versagen“, ich kann so etwas kaum schreiben). Zweimal trat er an, einmal schoss er daneben, einmal in die Hände des gegnerischen Torwarts.
Die Verteidigung
Im Mexiko-Spiel, als die Engländer nur noch zu zehnt waren, konnten sich die Engländer auf ihre Verteidger verlassen, die alle allerdings auch recht einfallslosen Angriffe der Gastgeber unschädlich machten. Im Mittelpunkt stand da zum Beispiel der eingewechselte Burn, der alle Bälle wegköpfte, die da in den Strafraum flogen. Auch den Norwegern gelang es gegen England nicht, ihren Starstürmer Erling Haaland einzubinden. Wie es allerdings aussieht, wenn der Gegner mit Tempo agiert, muss sich noch herausstellen.
Die Argentinier verteidigen hart, überhart monieren manche, und die eher laxe Spielleitung der Schiedsrichter kommt dem entgegen. Wirklich sicher wirken sie allerdings nicht, obwohl sie sich seit Jahren kennenwie die insgesamt fünf Gegentreffer in den drei K.o-Spielen zeigen (mit Abstand die meisten aller Halbfinalisten).
Im defensiven Mittelfeld sehe ich klare Vorteile für England, vielleicht sogar die spielentscheidenden. Während ein Paredes auf Argentiniens Seite zwar efensiv ordentliche Arbeit verrichtet, ist Elliot Anderson der Shooting Star der Three Lions. Ein Laufwunder (14,81 Kilometer gegen England in Miamis schwüler Hitze), sehr stark im Bälle erobern, mit denen er dann auch etwas Vernünftiges anzufangen weiß. Vor der WM wechselte er für sagenhafte 136 Millionen Euro von Nottingham Forest zu Manchester City, wo er der designierte Nachfolger von Rodri ist (den ich vorher so gelobt habe).
Die Torhüter
England und die Torhüter – ein Kapitel für sich. Jordan Pickford sehe ich als solide im besten Sinne des Wortes an, kein Hexer zwischen den Pfosten, keiner, der die „Unhaltbaren“ reihenweise entschärft, aber auch kein stetiger Unglücksrabe, der sich die Bälle selbst reinwirft. Überkritische Experten kreiden ihm das Zaubertor des Norwegers Schjelderup an (auch wegen seiner „nur“ 1,85 Meter Körpergröße), da würde ich allerdings nicht unbedingt mitgehen.
Emiliano Martinez hat Pickford vieles voraus, auf jeden Fall 10 Zentimeter Körpergröße. Vor allem ist er schon Weltmeister. Er hatte 2022 gehörigen Anteil daran, als er im WM-Finale zunächst mit einer fast unwirklichen Parade in letzter Minute ein fast sicheres Gegentor und die Niederlage verhinderte (Frankreichs Kolo Muani träumt heute noch davon) und dann auch im Elfmeterschießen den letztlich entscheidenden Versuch von Kingsley Coman entschärfte (leider file er durch einen verachtenden Jubel extrem negativ auf). Martinez ist wie Pickford ein Spezialist für Elfmeterschießen. Im WM-Viertelfinale 2022 wehrte er gegen Holland sogar zwei Schüsse ab, und bei der Copa 2021 setzte er sich im Halbfinale gegen Kolumbiens als Elfmeterkiller durch.
X-Faktoren
Argentiniens Weltmeister: Wie es aussieht werden gleich neun Spieler, die im WM-Finale 2022 begannen, auch am Mittwoch in der Startelf stehen, und auch die Auswechselspieler Lautaro Martinez und Otamendi waren in Katar schon dabei. Erfahrung für heikle Spiele haben sie also genug, fragt sich halt, ob sie auch genug Kraft und Energie aufwenden können. Wie schnell das dann geht mit einem positiven Erlebnis, hzeigte im Viertelfinale Julian Alvarez. Der Stürmer von Atlético Madrid spielte ein lausiges Turnier, und entschied die Partie mit einem sagenhaften Tor.
Die Kraft: Sowohl Argentinien als auch England brauchten im Viertelfinale eine Verlängerung zum Weiterkommen. Gerade die Argenitnier wirkten zeitweise gegen die Schweiz sehr müde. Sogar ihre Überzahl in der Verlängerung konnten sie kaum zu vernünftigen Angriffe nutzen.
🧠 England
Vieles spricht fürs Tuchel-Team. Und doch: Argentinien muss erst mal bezwungen werden. Keine Mannschaft ist außerdem dermaßen gut eingespielt – und kein anderes Team würde dermaßen ergeben und aufopferungsvoll versuchen, ihren nicht kämpfenden Starspieler zu kompensieren. Wie kein anderer Halbfinalist hangelte der Titelverteidiger schon am Abgrund, und zog sich doch immer wieder mit eigener Kraft heraus. Bösartige Kritiker behaupten allerdings auch, dass kein Team so sehr die Hilfe der Schiedsrichter in Anspruch genommen hat. Die pfiffen schon reichlich Argentinien-freundlich, um es in aller Vorsicht zu formulieren.
Geistesblitze der Argentinier sind immer drin, von Messi, von Àlvarez, von Lautaro Martinez; außerdem unfassbar gefährliche Standards, die man nicht alle vermeiden kann. De Engländer müssten mehr Frische in die Wagschale werfen können, und Standards können sie auch. Und sie haben Harry Kane, meinen potenziellen Matchwinner. Hier zuerst gelesen.
von Münchner Löwe | Juli 13, 2026 | Allgemein
Es war ein faszinierendes Wimbledon-Finale, sicher nicht das Beste alle Zeiten oder auch nur dieses Jahrzehnts, aber doch eines der Besseren, Interessanteren, Spannenderen, eines, an das man sich auch noch in Jahren erinnern wird. Hier Jannik Sinner, der Titelverteidiger, die Nummer 1 der Welt. Der Italiener, der dieses Tennisjahr beherrscht (5 Masters-Turniersiege), aber ausgerechnet bei den beiden bisherigen Grand-Slams in Melbourne und Paris geschwächelt hatte.
Dort Alexander Zverev. Vor einem Jahr gebeutelt vom Erstrunden-Aus und nachfolgendem Seelenstriptease. Der ebenfalls ein faszinierendes Tennisjahr hinter sich hat mit dem Höhepunkt des French-Open-Triumphes in Paris vor gut einem Monat. Als ihm aber die ewigen Kritiker vorwarfen, ja wirklich vorwarfen!, er habe ja nur gewonnen, weil Sinner vorher ausgeschieden war und der andere überragende Mann auf der Tour, Carlos Alcáraz, wegen einer Handverletzung gar nicht dabei war.
Jetzt hatte das Schicksal Sinner und Zverev ins Wimbledon-Finale geführt, erneut in Abwesenheit des hand-verletzten Alcáraz; beide mehr (Zverev) oder weniger (vor allem anfangs: Sinner) souverän. Sinner galt als leichter Favorit: wegen des überzeugenden Halbfinalerfolgs gegen den ewigen und alterslosen Novak Djokovic, vor allem aber wegen des unglaublich anmutenden direkten Vergleichs. Die letzten neun Duelle mit Zverev hatte allesamt der Südtiroler für sich entscheiden, allein fünf in diesem Jahr – und jedes Mal war Zverev absolut chancenlos geblieben.
Es entwickelte sich eine vom jeweiligen Aufschläger dominierte Partie. Der erste Satz ging in den Tiebreak, den Zverev gewann. Der zweite Durchgang ging ebenfalls ohne Aufschlagverlust in den Tiebreak – und diesmal hatte Sinner das bessere Ende für sich. Vielleicht die Vorentscheidung beim Stand von 3:3 im dritten Satz. Zverev hatte einen der raren Breakbälle, doch als er den Stop von Sinner erlaufen wollte, rutschte er aus und schlug aufs Knie. Er verlor nicht nur den Punkt, sondern kurze Zeit später auch das Spiel und danach auch den eigenen Aufschlag. „Ich konnte nicht mich nicht mehr ganz so abdrücken beim Service, deshalb fehlte es an Geschwindigkeit“, bekannte er hinterher. Ansonsten habe er sich aber problemlos bewegen können.
Ähnlich der 4. Durchgang. Ein Break genügte Sinner letztlich zum Triumph. Obwohl Zverev wirklich alles versuchte. Beim Stand von 4:5, 30:30 aus seiner Sicht vielleicht der Ballwechsel der Partie. Zverev dominierte, und gegen jeden anderen Spieler hätte er mit Gewissheit den Punkt gemacht. Aber Sinner vermag Bälle auszugraben wie kein Zweiter, und wie kein Zweiter kann er bei der geringsten Möglichkeit in den Angriffsmodus umschalten. Er gewann also den Punkt, das Spiel und das insgesamt hochklassige Match. Zverev war ganz nah, so nah wie vielleicht in keinem der andere Duelle (unter anderem eine Art Hinrichtung im Australian-Open-Finale 2025). Er hatte sich diesmal nichts vorzuwerfen. „Er wird besser und besser“, konstatierte auch Sinner. Das ist nicht nur so dahergesagt, sondern zeugt von tiefem und ehrlichem Respekt. Auch dem größten Zverev-Kritiker müsste aufgefallen sein, dass der Hamburger in den vergangenen zwölf Monaten sein Spiel wesentlich verbessert hat, dass er viel aggressiver agiert und viel näher an der Grundlinie steht.
Tschechinnen-Finale an Noskova
Den Sieg bei den Frauen holte sich Linda Noskova, die in einem inner-tschechischen Duell in drei Sätzen gegen Karolina Muchova erfolgreich war. Eine verrückte Partie. Insgesamt fünf Matchbälle vergab Noskova im zweiten Satz, ehe sie ihn mit 5:7 abgeben musste. Die 21-Jährige verschwand zur Toilettenpause, und kehrt zurück, als sei nichts geschehen. Ihr gelang sofort das Break zum 2:0, und diesen Vorsprung transportierte sie bis zum Triumph. Den sie mit einem krachenden Aufschlag sicherte. Die eigentlich untröstliche Muchova zeigte bei der Siegerehrung Humor. „Meine Ex-Freundin“, rief sie in Richtung Noskova; jeder weiß, wie gut sich die beiden verstehen, die ja auch schon einige Doppel miteinander bestritten hatten.
Damit setzt sich eine erstaunliche Serie fort. Im zehnten Jahr hintereinander gab es auf dem Heiligen Rasen einen Premierensieg. Also zehn verschiedene Triumphatorinnen, die vorher noch nie in Wimbledon erfolgreich waren. Darunter gleich vier Tschechinnen: Petra Kvitona, Marketa Vondrousova, Barbora Krejcikova und eben Linda Noskova. Mich würde wenig wundern, wenn die hochbegabte Karolina Muchova im Juli 2027 die Serie auf 11 Jahre und fünf Tschechinnen ausbauen würde.
von Münchner Löwe | Juli 4, 2026 | Allgemein
Die nicht enden wollende Zwischenrunde ist überraschenderweise doch noch zu einem Ende gekommen. 16 Partien haben wir sehen dürfen, zum Teil eher müssen; bestenfalls eine Handvoll wird dem neutralen Betrachter in Erinnerung bleiben. Ansonsten hatte das Ganze sehr viel von einer 1. Pokalrunde, wenn ein mehr oder weniger engagierter und spielerisch limitierter Außenseiter den klaren Favoriten fordert. Vor allem mit einer extremen Defensive, und vorne möge der liebe Gott helfen.
Außerdem gab es dann Duelle, die übelst an einen mittelmäßigen Zweitliga-Kick erinnerten: einer musste halt gewinnen, und so zogen Kanada (vs Südafrika) und Ägypten (Australien) ins Achtelfinale.
Manchmal hatte das sogar Erfolg wie bei den unglaublich schwachen paraguayos, die mit ihrer Maurertaktik und dem erratischen Elfmeterschießen den hohen Favoriten Deutschland rauskickten. Meist aber blieb es beim Vorhaben, wie chancenlose Österreicher (vs Spanien), Algerier (Schweiz) und Bosnier (USA) ernüchtert feststellen mussten. Ein Sonderfall: die völlig überforderten Schweden, die dem Angriffswirbel der Franzosen schlicht nichts entgegenzusetzen hatten
Bleiben einige erinnerungswürdige Partien. Das sportlich hochwertigste war meiner Meinung nach das Duell Portugal vs Kroatien. Zwei Teams, die offensichtlich gewinnen wollten, die auch offensiv etwas zu bieten hatten und trotzdem die Verteidigung nicht vernachlässigten. Zu so einem Spiel gehört ein grausames Ende zwingend dazu, und hätte es katastrophaler (ja, wir reden vom Sport, ich weiß) ausgehen können für Kroatien. Es steht 1:2 aus ihrer Sicht, eine letzte Flanke fliegt in den Strafraum, wird verlängert und der aufgerückte Weltklasse-Verteidiger Guardiol schießt den Ball ins Tor! Verlängerung und 30 Minuten weiter hoffen? Nein, denn der Schütze stand im Abseits. Nicht beim Schuss selbst, aber bei einer Kopfball-Verlängerung, als die Ballberührung mit bloßen Auge nicht wahrnehmbar war. Der Chip im Ball hatte eine geringstfügige Berührung festgestellt, wollen wir dem Ausschlag glauben.
Herzzerreißend auch Argentinien gegen die Kap Verden. Hier der Titelverteidiger und die gestandene Fußball-Nation aus Südamerika mit Lionel Messi, dem vielleicht besten Spieler aller Zeiten im xten Frühling und torhungrig wie nie zuvor bei eien WM. Dort die von den Einwohnern her kleinste Nation, die je an einer Endrunde teilgenommen hatte, wer könnte auf dem Globus genau benennen, wo diese Inselgruppe genau liegt? Die Führung von Messi in der 1. Halbzeit nach sensationeller Ballannahme und perfektem Abschluss, der Ausgleich in Durchgang 2. Biedere Argentinier; sie wirken müde, es ist ja fast das gleiche Team wie 2022 (offenbar herrscht im Land gerade Extrem-Mangel an Talenten). Trotzdem Chancen, die vernichtet der wieder großartige Torwart Vozinha. So einen 40-jährigben Keeper lasse ich mir gerne gefallen!
In der Verlängerung: eine hübsche Ecke von Messi (ansonsten mittlerweile fast abgemeldet und brotlos in seinen Dribblings) – Führung Argentinien. Ein Traumtor von Cabral Lopez, wer hat vom Trabzonspor-Profi noch nicht gehört?, wieder Ausgleich!. Noch eine hübsche Ecke von Messi, abermals die Führung. Die Kap Verden werfen alles nach vorn, Argentinien schwimmt, schindet zeit, wo es geht, und ihr großartige Torwart Emiliano Martinez (nicht 40, sondern erst 33) rettet mit zwei Super-Paraden den 3:2-Erfolg. Ich behaupte mal: Außerhalb von Argentinien hat die gesamte Fußballwelt ein Tränchen der Trauer verdrückt, dass diese heroischen Nobodies jetzt draußen sind. Sie waren tatsächlich eine echte Bereicherung für diese Weltmeisterschaft.
Ach ja, Frankreich!
Welcher Fußballfreund war nicht hellauf begeistert von diesem Auftritt. Das 3:0 gegen Schweden spielgelt die Übelegenheit ha ja nicht ansatzweise wider. Was das Offensiv-Quartett Mbappé, Osise, Dembélé und Barcola (anstelle von Doué) auf den Rasen zauberte, hat man lage nicht gesehen. Spielfreude, Technik, Tempo. Vielleicht wird der eine oder andere deutsche Fan nachträglich ganz froh sein, dass die paraguayos sich jetzt (heute, 23 Uhr) mit diesem übermächtigen Gegner herumschlagen dürfen und vielleicht nicht mit einem 0:3 herauskommen.
Können wir uns also den Rest des Turniers ersparen und den Franzosen gleich die Trophäe überreichen? Gemach, gemach! Zum einen sind die Ball-Zauberer Menschen, die vielleicht mal einen schlechten Tag haben, sich unwohl fühlen, gar verletz snd. Vor allem aber wirkt die Abwehr nicht hundertprozentig sattelfest, sogar die eher biederen Schweden hatten die eine oder andere Möglichkeit.
Trotz dieser kleinen Zweifel würde ich mich jetzt, also vor Beginn des Achtelfinals, festlegen: Frankreich wird Weltmeister. Nona, auf ins Wettbüro?
Gerupfte Afrikaner
9 Teams hatten die Zwischenrunde erreicht, und alle betonten, wie sehr der Kontinent fußballerisch aufgeholt habe. Ich wollte in diese Euphorie nicht einfallen, und der Realitäts-Check der Zwischenrunde fällt dann doch ernüchternd aus. Einzig Marokko und Ägypten schafften den Sprung ins Achtelfinale, sinnigerweise setzten sich beide Teams erst im Elfmeterschießen durch gegen Holland und Australien. Die übrigen 7 scheiterten teils knapp (wie gesagt: Kap Verden, aber auch die Elfenbeinküste, Senegal und DR Kongo hätten mit etwas mehr Spielglück und oder Erfahrung die Oberhand gegen Norwegen, Belgien und England behalten können), teils chancenlos (Algerien, Ghana, Südafrika).
MIt Abstand das beste Team sind die Marokkaner, aber auch die benötigten gegen Holland erst Glück (Ausgleich in der Nachspielzeit) dann Können im Elfmeterschießen. Im Viertelfinale könnte es zum Duell gegen Frankreich kommen, ich schau mal etwas weiter voraus..
Das Achtelfinale (Turnierbaum, also nicht chronologisch)
Sa.,. 19:00: Kanada – Marokko (Houston)
Der Co-Gastgeber sinnigerweise in Houston/Texas, also weit weg von der kanadischen Grenze. Nicht nur deshalb würde ich Marokko klar favorisieren, das in allen Belangen überlegen scheint.
Sa., 23:00: Frankreich gegen Paraguay (Philadelphia)
Alles andere als ein Sieg von Mbappé und Co. würde mich unfassbar überraschen. Paraguay mag müde, langsame und einfallsarme Deutsche aufhalten können, dem französischen Angriffswirbel voller Tempo und Spielwitz sind sie nicht gewachsen.
Mo., 21:00: Spanien – Portugal (Dallas)
Das berüchtigte Iberer-Duell, im vergangenen Jahr siegte Portugal in München im Nations-League-Finale. Die Spanier wirken sehr gut eingespielt und scheinen in der Abwehr kaum überwindlich (bisher kein Gegentor). Portugal hat viel entgegenzusetzen, aber die Pariser Spieler um Vitnha wirken nicht wirklich fit. Deshalb kleiner Vorteil: Spanien.
Di., 02:00: USA – Belgien (Seattle)
Die US-Boys gefallen durch mannschaftliche Geschlossenheit und Begeisterung. Belgien war gegen Senegal schon geschlagen, kehrte aber trotz 0:2-Rückstand wundersamst zurück. Der Heimvorteil gerade in der Fußball-affinen Stadt Seattle im wunderschönen Lumen Field dürfte den USA letztlich helfen zum erstmaligen Aufstieg ins Viertelfinale.
So., 22:00: Brasilien – Norwegen (New York/New Jersey)
Beide Teams erreichten das Achtelfinale durch Tore in der Nachspielzeit (gegen Japan respektive Elfenbeinküste). Brasilien ist kompakt und hat individuell sehr starke Spieler (nicht nur Vini jr), die eine enge Partie entscheiden können wie Martinelli gegen die Ivorer. Norwegen hat eine Goldene Generation, beileibe nicht nur Superstürmer Erling Haaland. Ein klares 50/50-Match, macht also Trainerguru Carlo Ancelotti für Brazil den Unterschied?
Mo., 02:00: Mexiko – England (Mexiko Stadt)
Riesennachteil der Engländer: Sie müssen sich für die Höhe in Mexikos Hauptstadt (2200 Meter) erst akklimatisieren, kommen aus Atlanta (320 Meter) wo sie erst am Mittwoch die DR Kongo bezwangen. Dazu noch der Heimvorteil der Mexikaner im Aztekenstadion, wo sie noch ungeschlagen sind. An das die Engländer übrigens trübe Erinnerungen haben an die WM 86, als sie an Maradona gescheitert sind; an dessen Wahnsinn (Hand Gottes) und Genie (Solo für die Ewigkeit). Können diese Geister vertrieben werden? Es sind Gewitter angesagt, vielleicht wird die Partie vorgezogen. Leichte Vorteile für Mexiko.
Di., 18:00: Argentinien – Ägypten (Atlanta)
Trotz aller Kap-Verde-Qual: Argentinien ist der klare Favorit. Wegen Messi, wegen Martinez, wegen der mannschaftlichen Geschlossenheit. Und weil es halt „nur“ gegen sehr biedere Ägypter geht, die mich bisher trotz Achtelfinal-Einzugs überhaupt nicht überzeugt haben. Also Argentinien!
Di., 22:00: Schweiz – Kolumbien (Vancouver)
Ausklang in Kanada (die Schweizer besetzen den Platz der Ahornblätter). Die Eidgenossen sind für mich eine der positiven Überraschungen, zumal aus Europa. Bisher sehr souveräne Auftritte. Hinten stabil mit dem großartigen Schlussmann Gregor Kobel, und vorne wirbelt der junge Freiburger Manzambi mit dem nicht mehr ganz so jungem Ex-Gladbacher Embolo und anderen. Reicht das für Kolumbiens Abwehrrecken? Ich sehe zumindest gute Chancen für die Schweiz!
von Münchner Löwe | Juni 12, 2026 | Allgemein
Wer von mir Erörterungen zum vermeintlichen Sportereignis des Jahres erwartet, sucht vorerst vergebens. Ich bin zu angewidert von Trump, Infantino und dem ganzen Rest. Mindestens bis Beginn der K.o.Phase werde ich mich höchstens im Ausnahmefall äußern. Leider bin ich zu sportbegeistert, um auf die Spiele selbst gänzlich zu verzichten.
von Münchner Löwe | Juni 9, 2026 | Allgemein
Blick über den Teich, NBA
Alles schien schon angerichtet für den Triumphzug der New York Knicks. Was sollte schon noch viel passieren nach den beiden Auswärtssiegen beim Gegner der NBA Finals, den San Antonio Spurs. Ein flirrender Madison Square Garden wartete auf die Gefühlsexplosion. Die aufgerufenen und offenbar bezahlten Eintrittspreise erklommen stundenweise Rekordwerte (und lassen sie meisten Partien de Fußball-WM wie ein Billig-Vergnügen dastehen). Fünfstellige Dollarsummen mussten fürs günstigste Ticket berappt werden, Rekordpreis waren angeblich die dreiviertel Million Dollar.
Sogar der Präsident war live vor Ort, eingeladen vom Besitzer der Knicks und mit dem freundlichem Segen der Liga. Donald Trump war laut Angaben der NBA das erste US-Staatsoberhaupt live vor Ort in einem Finalspiel. Bei de Hymne wurde er kurz eingeblendet, auf das Herzlichste ausgebuht vom New Yorker Publikum. Die Pfiffe endeten erst, als die Nationalflagge gezeigt wurde. Die Amerikaner, ich werde sie wohl nicht mehr begreifen.
Vielleicht war das alles zu viel für die Knicks. Die begannen schrecklich nervös, auch wegen der eigenartgen Stimmung im Garden. Die beinharten Fans waren nicht da, dafür ein sogenanntes Opernpublikum, das sich gerne bespaßen lässt, aber nicht selbst für die Anfeuerung sorgt. Die größte Sorge vor Spiel 3 war ja, wie die junge Spurs-Truppe mit dem ganzen Tohuwabohu umgehen würde gerade nach dem Rückschlag der 2 knappen Heimniederlagen. Sie taten es glänzend, und in der starken Schlussphase sicherten sie sich Spiel 3, das die Best-of-7-Serie wieder völlig offen lässt.
Bester der Sieger
Victor Wembanyama: Vorne und hinten der Anker. Er begann mit 2 krachenden Dunks, und in der Verteidigung hatte er insgesamt 3 Blocks und 2 Steals. 32 Punkte sammelte er, verteilte 6 Assists und schnappte 8 Rebounds.
Stark trotz der Niederlage
Jalen Brunson (32 Punkte) und OJ Amunoby (28) stemmten sich am meisten gegen die drohende Niederlage. Amunoby war effizienter (9/13) und auch in der Abwehr stärker.
Diesmal allerdings fehlte die außerordentliche Unterstützung von der Bank, die in Spiel 2 den Ausschlag für die Knicks gegeben hatte.
X-Faktor
Stephon Castle: Beeindruckendes 1. Hälfte, als er gleich 18 seiner insgesamt 23 Zähler auflegte.Wichtig war, dass er nach einer schöpferischen Pause im 3. Viertel im Schlussabschnitt wieder zur Stelle war mit einem ganz wichtigen Dreier.
Ausblick
Alles ist wieder offen. Spiel 4 wird vielleicht nicht ganz so viel Brimborium bringen und erst recht keinen Präsidentenbesuch. Dafür aber wieder die echte Garden-Basketball-Atmosphäre, die die Halle so einzigartig macht. Die Spurs haben gezeigt, dass sie auch gewinnen können, sogar bei den Knicks, die zuletzt im April (!) eine Partie verloren haben.
Ansetzungen
Do., 02:30: Knicks – Spurs (2:1)
So., 02:30: Spurs – Knicks
Mi., 02:30: Knicks – Spurs *
Sa., 02:30: Spurs – Knicks *
* falls erforderlich
Insgesamt 44 Ballverluste leisteten sich die Teams, Ausdruck de großen Nervosität auf beiden Seiten, die die gesamte partie nie so richtig verschwand.
von Münchner Löwe | Mai 22, 2026 | Allgemein
Es ist also offiziell: Manuel Neuer fährt als Nummer 1 zur Fußball-WM. Eigentlch wollte ich launige, boshafte, vielleicht sogar bis bösartige Zeilen dazu schreiben. Ich habe nur noch abgrundtiefe Verachtung für N&N übrig
Nur die letzte Pointe will ich nicht vorenthalten. Manuel Neuer fehlt den Bayern im Pokalendspiel gegen Stuttgart wegen seiner dauernd maladen Wade. Er will sich für die WM schonen. Kannste Dir nicht ausdenken. Leider gut für die Bayern, weil Vertreter Jonas Urbig eh der viel bessere Torwart ist.
Neueste Kommentare