von Münchner Löwe | Sep. 10, 2026 | Tennis
Zwei Amerikaner auf Mission Titel und die Szene des Jahres
Was für ein Tennis-Tag, was für Dramen. Mittendrin die Amerikaner, die endlich seit 2003 (Andy Roddick) den Einzel-Titel bei den US Open erringen wollen. Zunächst das inner-US-Duell Alex Mikkelsen gegen Frances Tiafoe. Mehr als zweieinhalb Sätze dominierte der Außenseiter Mikkelsen die Partie, glänzte mit schnörkellosem, aber fast fehlerfreiem Tennis, das dem so kamptstarken Tiafoe die Luft zum Atmen raubte. Beim Stand von 7:5, 6:3 und 5:4 schlug er aufs Match auf, doch wie so viele Tennisspieler und vor allem auch Tennisspielerinnen verlor er die Nerven. Plötzlich zitterte die Hand, die zuvor so souverän auch die schwierigsten Schläge ausgeführt hatte. Tiafoe, der nie aufgab, witterte die Chance, holte sich nicht nur das Break zum 5:5, sondern kurze Zeit später auch den Durchgang zum 7:5.
Nachdem Tiafoe sich auch den 4. Satz sicherte, musste der 5. Satz entscheiden, und hier kulminierte die Spannung im sogenannten Matchtiebreak. Den gewinnt, der als erster 10 Punkte erreicht hat. Tiafoe erwies sich als der Bessere (der Glücklichere), und im Moment des Triumphes zeigte er seine ganze Größe. Mikkelsen nämlikch überwältigten die Gefühle. Eine Ewigkeit weinte er in den Armen seines Kontrahenten. Unvergessliche Bilder, die niemanden kalt lassen können; die wieder einmal zeigen, wie toll Sport sein kann, wenn die Beteiligten fair bleiben, wenn sie den Gegner achten. Der gegenseitige Respekt war schon während der gesamten Partie zu bemerken, jetzt merkte jeder mehr als 23.000 begeisterten Zuschauer und an den Fernsehgeräten im vollbesetzten Artur-Ashe-Stadium. Das waren Freunde. Wenn Sport und das Leben immer so fair wären, es wäre so viel einfacher auf der Welt (großer und pathetischer Seufzer).
Und doch war dieses großartiege Duell nur der Vorgeschmack auf das bisher vielleicht beste Tennismatch des Jahres mit so vielen Absurdidäten: Ben Shelton gegen Carlos Alcáraz. Hier der so auschlagsstarke Amerikaner, dort der spanische Titelverteidiger bei seinem Turnier-Comeback nach mehr als vier Monaten, bei dem er in den 4 partien zuvor nicht einen Satz abgegeben hatte. Die Vorzeichen waren allerdings ungewöhnlich, denn das Spektakel begann erst kurz nach 23 Uhr Ortszeit. Was dann die beiden im ersten Satz an Tennis-Feuerwerk und -Kunst ablieferten voller Traumschläge und begeisternder Ballwechsel, haben wir in diesem Jahr (und auch sonst sehr selten) nicht gesehen. Nach 62 Minuten sicherte sich Alcáraz den ersten Satz.
Doch gerade der Spanier konnte dieses Nieveau nicht halten. Geradezu vorgeführt wurde er in den folgenden beiden Durchgängen, die Shelton mit seinem grandiosen Aufschlag, aber auch tollen Grundschlägen dominierte. Da waren einige der 23.000 Zuschauer allerdings schon nach Hause gegangen. New York mag die Stadt sein, die niemals schläft, aber viele ihrer Einwohner brauchen doch zumindest ein paar Stunden in ihrem Bett, um für den nächsten Arbeitstag gewappnet zu sein.
Die die geblieben waren (es waren immer noch weit über 10.000 Menschen) sahen im vierten Satz, warum Alcáraz im Moment vielleicht der begabteste Tennisspieler ist. Obwohl er wegen seiner Handverletzung sicher nicht mit 100 Prozent aufschlagen kann, dominierte er seine Aufschlagspiele mit seinen faszinierendenen und fanstasievollen Grundschlägen und ließ den nur etwas nachlassenden Shelton nicht die geringste Chance.
Es musste also auch hier der fünfte Satz entscheiden. Shelton brachte dabei seine Aufschlagsspiele locker durch, Alcáraz nur mit Mühe, wobei ihm Shelton mit inigen dummen Fehlern half. Die Diskrepanz beim Service war unverkannbar, hier der Ami mit bis zu 150 Meilen pro Stunden, dort der Spanier mit meist nicht einmal 120. Trotzdem fanden sich die beiden Profis ebenfalls im Matchtiebreak wieder, mittlerweile war es in New York weit nach 3 Uhr morgens; die Ränge hatten sich weiter gelichtet, und die Spieler standen bereits mehr als 4 Stunden auf dem Platz. Bis zum 6:6 war auch der Decider völlig ausgeglichen, ehe ein eher überflüssiger Fehler von Alcáraz dem Amerikaner den entscheidenden Vorteil gab. Kurze Zeit später verwandelte er seinen zweiten Matchball und durfte den vielleicht wichtigsten Sieg seiner Karriere feiern. Alc#araz erwies sich als großer Verlierer. Als er die Arena verließ, da umspielte ein Lächeln seine Lippen. So erleichtert war er, dass er nach diese langen Pause wieder mit den Besten der Besten mithalten kann. Und das zeichen an die Tennis-Welt war eindeutig: Mit Alcáraz ist in zukunft wieder zu rechnen
Am Freitag kommt es aber zum inneramerikanischen Halbfinal-Showdown. Tiafoe gegen Shelton, eine Vorhersage scheint fast unmöglich
Die beiden anderen Viertelfinali fielen gestern doch gewaltig ab. Die Sieger Karen Katschanow (gegen Alexander Blockx) und Alexander Zverev (gegen Boric van de Zandschulp) hatten wenig Mühe. Katschanow profitierte im 3. Durchgang gar von der Aufgabe seines belgischen Kontrahenten, der nach seinen Kraftakten in den Runden zuvor schlicht nicht mehr konnte und aufgeben musste. Zverev wiederum war für Überraschungsmann van de Zandschulp eine Nummer zu groß, und er ist auch im Halbfinale gegen den Russen klarer Favorit.
Top-Frauen unter sich
Das hat es seit 2009 (Wimbledon) nicht mehr in einem Grand-Slam-Turnier gegeben. Die besten Vier der Setzliste stehen auch im Halbfinale. In denen treffen nun Aryna Sabalenka und Jessica Pegula sowie Lena Rybakina und Coco Gauff aufeinander. Wer den Titel letztlich gewinnt, vermag ich nicht zu prognostizieren, aber eines steht jetzt schon fest: Rybakina wird unabhängig von Turnierausgang die neue Nummer 1 der Welt, sie wird ab Montag als dann 51. Spielerin die Rangliste anführen.
Frauen, Halbfinale
Fr., 01:00: Sabalenka (Weißrussland) – Pegula (USA)
anschließend: Rybakina (Kasachstan) – Gauff (USA)
Zweimal also USA gegen Osteuropa, zweimal dürften also die Sympathien im Stadion klar verteilt sein. Mich würde allerdings wenig wundern, wenn sich dennoch die (noch) Weltranglistenerste Sabalenka und ihre Nachfolgerin Rybakina durchsetzen würden. Wenn die Weißrussin und die Kasachin jeweils ihre Nerven trotz der feindlichen Atmosphäre im Griff behalten.
Männer, Halbfinale (Freitag, Nacht auf Samstag, die Partien sind noch nicht angesetzt)
Shelton (USA) – Tiafoe (USA)
Zverev (Deutchland) – Katschanow (Russland)
Im US-Duell sehe ich keinen klaren Favoriten. Shelton ist der etwas begabtere Spieler, hat mit Sicherheit den besseren Aufschlag. Aber den Kämpfer Tiafoe darf niemand zu keinem Zeitpunkt abschreiben, das hat er gerade bei diesem Turnier scho des öfteren bewiesen.
Zverev ist auch gegen Katschanow der klare Favorit. Er würde mit einem Sieg zum dritten Mal in Folge in ein Grand-Slam-Finale einziehen (Sieg gegen Cobolli in Paris, Niederlage gegen Sinner in Wimbledon).
von Münchner Löwe | Juli 12, 2026 | Fußball, WM
Frankreich, Spanien, Argentinien und England: Wer auf diese 4 Mannschafften im WM-Halbfinale gesetzt hat, ging auf Numer sicher und behielt recht. Es waren die Top-4 der Weltrangliste. Erstmals wurden sie so in die Gruppen gesetzt, dass sie erst im Halbfinale aufeinandertreffen würden, wenn alles nach Plan geht.
Hätte man sich also den ganzen Spaß sparen können und gleich mit dem Halbfinale beginnen? Das hätte uns doch einiges sehr unterhaltsame Fußballspiele gekostet, seltsame Irrungen und Wirrungen.
Ich will jetzt gar nicht großartig auf die 4 Viertelfinals eingehen, in denen sich die jeweiligen Favoriten durchgesetzt haben. Außer vielleicht Frankreich gegen Marokko brauchten die Teams auch Glück, den besonderen Moment, den fatalen Fehler des Gegners
Frankreich – Marokko 2:0
Marokko erwies sich als der erwartet harte Kontrahent, zumindest in der Defensive. Offensiv hatte das letzte verliebene Team aus Afrika leider überhaupt nichts zu bieten. Kylian Mbappé erlaubte sich gar den Luxus und scheiterte mit einem Elfmeter an Schlussmann Bono (nach zuvor endloser Diskussion und VAR-Besichtigung, ob es wirklich eine elfmeterreifes Foul gewesen war). Groß beeindrucken ließ sich der Real-Star nicht: Mit feinem Schlenzer erzielte er das 1:0, und als Stürmerkollege Dembélé auf 2:0 erhöhte, waren alle Unklarheiten beseitigt.
Spanien – Belgien 2:1
Knackpunkt: Die Verletzung von Thibault Courtois (68). Der 1,98-Meter-Riese gilt als einer der besten Torhüter der Welt. Er schien zwar nicht in absoluter Topform, aber nach und nach schien er sich einzugrooven, und in den Köpfen der Spanier hat sich der Real-Madrid-Keeper eh eingenistet (Julian Nagelsmann würde es „Aura“ nennen). Als er nach 68 Minuten beim Stand von 1:1 das Spielfeld verlassen musste, war das mehr als ein Verlust eines sicheren Rückhalts. Die Belgier, ohnehin extrem verletzungsgeplagt, sackten regelrecht zusammen, während Spenien neues Selbstvertrauen gewann. Es gehört dann zu den Grausamkeiten des Fußballs, dass ausgerechnet Courtois-Ersatz Senne Lammens den entscheidenden Fehler vorm 1:2 machte, als er einen harmlos wirkenden Ball nach vorn abprallen ließ, und Superjoker Mikel Merino ohne Mühe vollendete.
England – Norwegen 2:1
Knackpunkt: Der Ausgleich für England noch vor der Pause. Norwegen war durch ein Traumtor von Schjeiderup in Führung gegangen und bastelte gar am 2:0. Dann ein Energie-Anfall von Englands Jude Bellingham, der im gegnerischen Strafraum sich gekonnt durchsetzte und unhaltbar einschoss.
So weit, so ärgerlich. Doch Norwegens Torwart Nyland protestierte lautstark und wies immer wieder nach oben. Was er monierte? Unmittelbar vor dem Tor soll der Ball nach einem Befreiungsschlag ein Kabel der Spider Cam berührt haben; jedenfalls fiel er nach erstaunlicher Flugkurve zu Boden, wo ihn die Engländer aufsammelten und das Tor vorbereiteten. Ob das tatsächlich der Fall war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ein paar Kamera-Einstellungen legen den Eindruck nahe. Wenn ja, dann hätte die Partie unter allen Umständen unterbrochen werden müssen. Die FIFA behauptet jetzt, am eingebauten Ball-Sensor habe es keinerlei Ausschläge gegeben. Aber wer der FIFA und insbesondere ihren Schiris nach all den Skandalen und Trump-Einmischungen noch ein Wort glaubt, ist selbst schuld.
Schiedsrichter Taupin hörte vielleicht aufmerksam zu, er dachte allerdings nicht mal daran, das Ganze überprüfen zu lassen.
In der 2. Halbzeit wurde dann ein Treffer de Norweger zu recht aberkannt, weil zuvor Haaland einen Verteidiger umgerissen hatte. Entschieden wurde auch hier das Ganze durch einen Torwartfehler. Ausgerechnet der bis dato starke Nyland ließ einen Schuss nach vorne prallen, und abermals Bellingham war zur Stelle.
Argentinien – Schweiz 3:1 n. V.
Knackpunkt: die Gelb-Rote Schwalben-Karte für Embolo (69.). Gerade hatten die Schweizer ausgeglichen gegen extrem müde Argentinier. Alle Vorteile schienen bei den Eidgenossen zu liegen, da geschah die entsetzliche Dummheit von Embolo, die allerdings erst per VAR erkannt wurde. Nach einem Zweikampf mit Paredes ging Embolo zu Boden. Schiedsrichter Pinheiro erkannte auf Foulspiel und zeigte dem Argentinier die Gelbe Karte. Seit dieser WM gibt es nun die Regelung, dass Gelbe Karten bei Spielerverwechslung überprüft werden können. Und so meldete sich der VAR und monierte, dass hier gar keine Berührung von Paredes (in vielen anderen Aktionen wirklich kein Kind von Traurigkeit) vorgelegen habe. Vielmehr zeigten die Fernsehbilder, dass Embolo ohne Berührung abgehoben war und den sterbenden Schwan markierte. Pinheiro tat das einzig Mögliche, nahm Gelb für Paredes zurück und zeigte seinerseits Embolo den Gelben Karton. Und weil dieser schon verwarnt war, flog dieser mit Gelb-Rot vom Platz. Letztlich die richtige Entscheidung. Der Treppenwitz des Ganzen ist: Hätte Pinheiro Paredes nicht verwarnt, hätte er die Entscheidung Foul überhaupt nicht überprüfen dürfen. Embolo wäre auf dem Platz geblieben, und wer weiß was die Schweizer in Gleichzahl mit den wie paralysiert wirkenden Argentiniern angestellt hätten.
Die Schweizer schäumten henach und sprachen von Betrug. Niemand allerdings klagte Embolo an, der mit seiner extrem unsportlichen Schwalbe einen unerlaubten Vorteil herausschinden konnte.
Die Überzahl wirkte wie ein Boost für Argentinien. Plötzlich ein Spiel auf ein Tor der sich jetzt verbarrikadierenden Schweizer, allerdings ohne großen Druck oder gar Top-Chancen zu entwickeln. Es gehört zu den Aburditäten des Fußball, dass dann ausgerechnet Julian Alvarez mit einem Zauberschuss das vorentscheidende 2:1 erzielte. Ausgerechnet deshalb, weil Alvarez, einer der WM-Helden 2022 zuvor im gesamten Spiel (und wenn man ehrlich ist: im gesamten Turnier) wenig bis nichts zustandegebracht hatte. Das 3:1 war dann nur noch etwas für die Statistiker.
Der „Spiegel“ hat es recht treffend kommentiert: Von Spiel zu Spiel wird Argentinien und auch ihr Supersar Messi schwächer und müder: Trotzdem steht der Titelverteidiger im Halbfinale, wer weiß, wozu das noch hinführt..
von Münchner Löwe | Sep. 4, 2025 | Allgemein
US Open, Viertelfinale
Frauen
Groß war die Sorge, dass Amanda Anisimova zerbrechen nach dem geschichtsträchtigen 0:6, 0:6 im Wimbledonfinale gegen Iga Swiatek, im Tennis-Jargon auch als Brille bekannt. Tatsächlich hatte die Amerikanerin keine tolle Hartplatz-Saison, schied in Montreal und Cincinnati relativ früh aus. Doch jetzt bei den US Open, hat sie wieder die alte Stärke wiedergefunden. gestern Nacht kam es zum mit Spannung erwarteten Wiedersehen mit Swiatek, und letztlich siegte Anisimova souverän.
Sehr nervös begann sie zwar auf dem Arthur Ashe, wen wunderts. Doch als sie mit Hängen und Würgen ihr erstes Game gewonnen hatte (und damit die Brillen-Wiederholung vom Tisch war, war sie wie befreit.
Ein Mittel gegen die so starke Polin hatte sie sich zurechtgelegt: Den Return mölichst lang mittig vor die Füße von Swiatek spiel. Das gelang zum Teil außerordentlich gut, Swiatek geriet oft in Not, konnte die Ballwechsle längst nicht so dominierend wie erwünscht. Dazu kam das Spielglück, dass ihr im Wimbledonfinale gänzlich abging. Als sie nämlich 3 Matchbälle hatte, wurde plötzlich ihr Arm zentnerschwer. Bei zwei Versuchen scheiterte sie an ihrer Nervosität. Beim dritten zitterte sie den Aufschlag ins Feld, und beim folgenden Schlag blieb der Ball an der Netzkante hängen und fiel wie eine tote Maus und unerreichbar für Swiatek ins gegnerische Feld. Am verdienten Erfolg der Amerikanerin gab es allerdings keinerlei Zweifel
3 Tschechinnen waren im Viertelfinale angetreten, alle drei schiden aus. Barbora Kreijcikova hatte gegen Jessica Pegula ebenso weng Chancen wie Karolina Mucova gegen Naomi Osaka. verletzungsbedingt gar nicht antreten konnte Marketa Vondrousova gegen Titelverteidigerin Aryna Sabalenka.
Halbfinale
Fr., 01:00: Sabalenka – Pegula
Fr., 02:30: Osaka – Anisimova
Zweimal also eine US-Lokalmatadorin gegen eine wohl leicht favorisierte Gegnerin. Doch soll wohl die bisher im Turnier außergewöhnlich starke und fokussierte Pegula als auch Anisimova gehen keineswegs chancenlos in ihre Partien. Schön für die Zuschaer wäre es natürlich, wenn sie mal ein Dreisatz-Match sehen könnten.
Männer, Viertelfinale
Jannik Sinne erteilte die nächste Lehrstunde, diesmal gegen den Landsmann Lorenzo Musetti, den er bei seinem Dreisatzsieg (6:1, 6:4, 6:1) nicht den Hauch einer Chance gab. Wer will ihn stoppen, fragen sich die Fans nach einer Gala-Vorstellung nach der anderen?
Andererseits zeigten auch Carlos Alcáraz und Novak Djokovic bärenstarke Leistungen gegen Jiri Lehecka und Martin Fritz. Was der 38-jährige Serbe zum Teil auf den Arthur Ashe zauberte, erinnerte tatsächlich an seine besten Zeiten. Er ließ den fast 10 Jahre jüngeren Amerikaner keine Chance. Kaum zu glauben: Auch im 4. Grand-Slam-Turnier des Jahres hat der Djoker mindestens das Halbfinale erreicht. Es lohnt sich, dass er sich voll und ganz auf diese Highlights konzentriert.
Der vierte Halbfinalist in New York ist Felix Auger-Alliasime: Damit war nach einem eher furchtbaren Jahr tortz eines leichten Aufwärtstrends nicht unbedingt zu rechnen. Im Viertelfinale überwand er auch die Hürde Alex De Minaur, einfach weil er ein bisschen zielstrebiger und weniger fehlerbehaftet agierte als der Australier.
Halbfinale
Fr., 21:00: Alcaraz – Djokovic
Sa., 01:00: Sinner – Auger-Alliasime
Knüpft Djokovic an seine Leistungen von zuletzt an (und spielt der Körper mit) sehe ich ihn fast auf Augenhöhe. Alcáraz hat sicher die Mittel, um den Serben wie zuletzt in die Schranken zu weisen, aber er muss tatsächlich sein bestes Tennis abrufen ohne viel Firlefanz, damit er kein böses Erwachen erlebt. Auf die Tennisfans wartet ein fest zu guter deutsche Sendezeit.
Bei der anderen Partie wäre schon ein Satzgewinn von FAA eine Riesen-Überraschung.
Die Deutschen
Im Einzel eh nicht mehr vertreten, verabschiedeten sich zwei deutsche Männer-Doppel aus dem Wettbewerb. Dabei waren die an Nummer 4 gesetzten Kevin Kravietz/Tim Pütz klar favorisiert gegen die indisch-australische Paarung Bhambri/Venus. Auch Jakob Schnaitter/Mark Wallner schieden im Achtelfinale aus. Eine Runde weiter kam zwar Constantin Frantzen mit dem Holländer Robin Haase, doch im Viertelfinale war auch für diese Paarung Schluss.
Zahlereien
98 Minuten dauerte der 2. Durchgang, ehe Auger-Alliasime gegen de Minaur den Satzball zum 7:6 (9:7) verwandelte. Insgesamt dauerte de Viersatzpartie 4 Stunden 13 Minuten.
5/5: So lautet nun die Viertelfinalbilanz von Naomi Osaka bei Grandslam-Turnieren. Bisher hat sie auch jedes Mal das Turnier gewonnen.
von Münchner Löwe | Apr. 11, 2025 | Fußball
Jahr für Jahr ist es Dasselbe in de Champions League. Eine ziemlich langweilige Vorrunde (auch im neuen super-duper 36er-Ligen-Format), sanfte Steigerung in der 1. K.-o.-Runde – und absolut spektakulärer Fußball in den Viertel- und Halbfinali.
Die 4 Hinspiele am Dienstag und Mittwoch bestätigten eindrucksvoll diesen Trend. Ich wage mal die steile Behauptung: Besseren Fußball kann man in einer Saison nicht sehen, weder (international noch in Länderspielen. Diesmal bemerkenswert: So viele fantastisch schöne Tore in so entscheidenden Partien und in so schneller Abfolge habe ich selten gesehen. Die beiden Sensations-Freistöße von Declan Rice, die brillant herausgespielten Treffer von Barca, die fulminanten Schüsse von PSG, die klugen Konter von Inter – welches Fußballherz lacht da nicht voller Freude??? Vielleicht sogar das der jeweiligen Gegner (heimlich natürlich!).
Acht bestens besetzte und glänzend eingespielte Mannschaften trafen da aufeinander. Sicher: Nicht jedes Team genügte höchsten Ansprüchen, nicht wahr BVB? nicht wahr, ihr Königlichen? Doch gerade die Westfalen haben sich weit unter Wert verkauft. Das 0:4 beim FC Barcelona gibt nicht wider, dass der BVB gut eine Halbzeit ein fast gleichwertiger Gegner war. Danach ist man halt in einem unvergleichlichen Barca-Wirbel untergegangen, passiert auch anderen.
Die drei Mannschaften, die zurzeit den schönsten Fußball auf dem Kontinent spielen, stehen vor dem Einzug ins Halbfinale (alphabetische Reihenfolge).
1. FC Arsenal:
Seit Jahren für den herausragenden Kombinationsfußball bekannt. Verletzungen (Calafiori, Havertz, Jesus, Sterling) interessieren gerade nicht. Was die Londoner 90 Minuten gegen Real Madrid zeigten, war zum Verlieben, und die Fans wurde durch zwei Momente von Declan Rice belohnt: der erste Freistoß an der (vielleicht schlecht postierten Mauer) vorbeigedrhte, der zweite fulminant in den Winkel gehauen (for the eternity). Merinos 3:0 sorgte dann dafür, dass die Real-Aufholjagd nächsten Mittwoch noch ein bisschen schwieriger wird. Doch Bernabéu hat schon manch unfassbare „Remontada“ gesehen. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.
2. FC Barcelona:
Diese Offensiv-Power ist schlicht unfassbar: der brillante Jungstar Lamine Yamal, der abgezockte Robert Lewandowski und der Torjäger Raphinha – und dieses Trio infernale wird auch noch bestens bedient von den Jungstars um Pedri, Fermin Lopez oder den eingewechselten Fati und Gavi. Vermeintliche Abwehrschwächen, die sich jeder Gegner erhofft auszunutzen, werden so kompensiert (allerdings: wehe, wenn Guirassy trifft).
3. Paris St. Germain:
Der neue Liebling (nicht nur) der feuilletonistisch angehauchten Fußball-Fans. Vorbei das Stargehabe mit dem irrwitzigen Trio Messi, Neymar und Mbappé (äußerst namhaft, aber nicht harmonierend). Alle 3 sind entschwunden, und jetzt rockt PSG Europa im Achtelfinale die reife Leistung gegen den vermeintlich übermächtigen FC Liverpool, jetzt das Überrennen im Prinzenpark von Aston Villa trotz 0:1-Rückstand. Ein echtes Ensemble spielt auf höchstem Niveau zusammen, dirigiert vom Trainer Luis Enrique. Garniert mit den so aufregenden und sich perfekt ergänzenden Solisten Desiré Doue (die Entdeckung dieser Saison/welch ein Schuss zum 1:1), Kvitcha Kvaratshelia (Napolis Kvaradona/welch ein Solo samt krachenden Abschluss zum 2:1) und Ousmane Dembélé (endlich, endlich zeigt er seine ganze Klasse/welch ein Traumpass vor dem 3:1). Tout Paris und viele andere sind verliebt. Wird die Liebe mit einer Trophäe versüßt?
Und dann sind da noch die beiden „Alten Granden“ FC Bayern und Inter Mailand im vierten Viertelfinale. Die Münchner ereilt gerade jetzt ein unfassbares Verletzungspech (Neuer, Upamecano, Davies, Ito, Musiala, Coman, Pavlovic). Ausfälle werden ungern als Erklärung gebraucht (weil oft als Ausrede missbraucht), aber ein solches Septett kann auch der tollste Kader nicht adäquat ersetzen. Und doch bot man Inter in der heimischen Arena einen tollen Kampf, mit der kitschig anmutenden Müller-Story, der (gerade ausgesiebt für die nächste Saison ff) zum Ausgleich traf. Doch das war dem Drehbuchschreiber dieser Partie offenbar zu viel, und er fügte in sein Skript noch den die Arena verstummenden Siegtreffer der Mailänder zu, der die Aufgabe am Mittwoch im San Siro erheblich komplizierter macht.
Es ist also angerichtet für die Rückspiele und viele offenen Fragen: Gelingt Real der nächste unglaubliche Aufhol-Coup. Können die jungen Pariser auch im Villa Park bestehen (wer die Anfield Road rockt, den dürfte dieser nicht fürchten), und gelingt dem FCB ein erneutes „Wunder von Mailand“ (wie 1989, als die Münchner eben dort eine Hinspielniederlage kompensierte?
Die Eintracht stürmt erneut Europa
Zumindest erarbeiten sich die Frankfurter mit dem 1:1 bei den Tottenham Hotspur eine vorzügliche Ausgangslage fürs heimische Rückspiel nächsten Donnerstag. Eine gmahde Wiesn dürfte es allerdings nicht geben, denn dieses Unentschieden war letztlich doch recht glücklich und einzig und allein der brillanten Torwartleistung von Kaua Santos zu verdanken, der etliche Topchancen der Nordlondoner mit Weltklasse-Paraden zunichte machte. Und doch: Das Halbfinale winkt, wo dann mit Bodo Glimt oder Lazio Rom ein schlagbarer Kontrahent warten würde. Ich darf ja mal weit denken …, vielleicht sogar an einen Titel wie 2022? Wobei ich zugegebenermaßen auch für die Spurs viel übrig habe, meinem derzeitigen Lieblingsteam in der Premier League, großer Seufzer.
Auch im Viertelfinale der Europa League gibt es im übrigen tollen Fußball. Vielleicht nicht so starbesetzte wie die Königsklasse, aber auch hier tolle mannschaftliche Leistungen.. Und dieses erstaunliche Bodo Glimt aus Norwegen, das bei Eiseskälte Lazio mit 2:0 besiegte und vor dem Halbrinaleinzug steht. Eines dieser Fußball-Märchen, die trotz der Überkapitalisierung immer wieder passieren.
von Münchner Löwe | Juli 9, 2024 | Tennis
Nicht nur Euro und Copa biegen in die Zielgerade ein, sondern auch das Tennisturnier in Wibledon, wo heute und morgen bei Männer und Frauen die Viertelfinalei stattfinden. Und zwar an beiden Tagen je ein Spiel pro Geschlecht auf Centre Court und Court 1Nicht dabei ist allerdings Alexander Zverev, der gestern im Achtelfinale gegen Taylor Fritz eine 2:0-Satzführung verspielte. Er war allerdings klar gehandicapt durch seine im vorigen Spiel erlittene Knieverletzung. Längst nicht so beweglich wie sonst und klar beeinschränkt beim Aufschlag. Bei einem Nicht-GS-Turnier wäre er höchstwahrscheinlich gar nicht angetreten. Schade für ihn, denn er hat seinen Rasenstil gefunden und mit seinem Aufschlag eine unfassbare und kaum zu verteidigende Waffe gehabt, man verzeihe mir diesen kriegerischen Ausdruck.
Jetzt also die Viertelfinali, und alle, die jetzt noch dabei sind, haben auch die Aufnahme in die Elite 8 des Wimbledon-Clubs geschafft. Ich schau mal aufs Tableau.
Männer
Di., 14.30: Jannik Sinner (ITA/1) – Daniil Medwedew (RUS/5) Centre Court
Sinner hatte die härteste Auslosung mit dem echten Test, als er es bereits in, der 2. Runde mit seinem aufschlagsstarken Landsmann Matteo Berrettini zu tun bekam. Er entledigte sich seiner Aufgaben mit Bravour
Medwedew ist nicht der Rasenspezialist par excellence, aber mit seinem Konterspiel brandgefährlich. Er kann jederzeit Traumbälle spielen. Siehe das Tiebreak im 4. Satz gegen Jan-Lennard Struff
Di., 16:00: Carlos Alcaraz (ESP/2) – Tommy Paul (USA/13) Court 1
Auch Alcaraz hatte schon seinen Tester, als er gegen Francis Tiafoe in den 5. Satz musste. er kann Bälle wie kein anderer spielen und hat das Selbstvertrauen eines Titelverteidigers und frischgebackenen French-Open-Siegers.
Tommy Paul war für viele das Dark Horse schlechthin im Feld, prädestiniert für den ramponierten Rasen in Wimbledon. Ich glaube letztlich aber nicht, dass das für einen Alcáraz reicht.
Mi: Novak Djokovic (Ser/3) – Alex De Minaur (AUS/9) konkrete Ansetzung folgt
Djokovic hatte große Mühe, ins Turnier zu finden, kein Wunder nach der Bänderoperation nur 3 Wochen zuvor. Er hatte das Glück bei der Auslosung, dass ihm gefährliche ungesetzte Spieler wie Berrettini oder Struff erspart blieben und hatte somit Zeit, sich einzuspielen. Jetzt wird er besser und besser, und immerhin hat er schon 7 Wimbledonsiege auf dem Konto. In Bestform ist er noch nicht, aber die kann noch kommen …
Dass er von Alex De Minaur gestoppt wird, wage ich zu bezweifeln. Er ist sicher der Aufsteiger des Jahres, agiert extrem konstant. Aber er hat einfach nicht das Spiel, mit dem er Djokovic wirklich gefährlich werden kann.
Mi.: Taylor Fritz (USA/12) – Lorenzo Musetti (ITA/25)
Taylor Fritz kommt gerade von einem gedrehten Spiel(siehe oben), das er bei allem Respekt vor seiner vorzüglichen Leistung wahrscheinlich gegen einen fitten Zverev nicht gewonnen hätte. Aber er ist in vortrefflicher Form, hat das Vorbereitungsturnier in Eastbourne gewonnen und zeigt tolles Rasentennis.
Musetti habe ich bisher noch nicht gesehen, doch sein Weg ins Viertelfinale war jetzt nicht der schwerste, und er hat trotzdem schon 5 Sätze abgeben in 4 Spielen. Viele warten schon länger auf seinen Durchbruch,
Tipps, Viertelfinale:
Sinner – Medwedew
Alcaraz – Paul
Djokovic – De Minaur
Fritz – Musetti
Halbfinale:
Sinner – Alcaraz
Djokovic – Fritz
Finale: Sinner – Djokovic
Frauen
Di., 14:00: Lulu Sun (NZL/131) – Donna Vekic (CRO/37) Court 1
Was für ein Tennismärchen – für beide. Sun musste durch die Qualifikation, setzte sich dort in der 2. Runde erst im Matchtiebreak des 3. Satzes gegen die Tschechin Gabriela Knutson durch. Und jetzt nahm sie im Achtelfinale die frenetisch angefeuerte Lokalmatadorin Emma Raducanu aus dem Turnier. Toll, wie sie da die Nerven behielt. Jetzt im Vieretlfinale gegen die genauso erstaunliche Donna Vekic, scheinbar ewig schon dabei. Sie gewann in der 2. Runde gegen das russische Wunderkind Mira Andreewa.
Di., 16.30: Jasmine Paolini (ITA/7) – Emma Navarro (ESP/17) Center Court
Die French-Open-Finalistin Paolini hatte im Achtelfinale sicher großes Glück, weil Madison Keys sich bei eigener 5:2-Führung im 3. Satz verletzte und nicht zu Ende spielen konnte. Ich mag Paolinis attraktives Tennis mit den geraden Schlägen ohne großen Spin, ihr Kämpferherz, ihre erkennbare Freude an ihrem Spiel. Die Aufsteigerin des Jahres bekommt es jetzt aber gegen eine sehr gute Rasenspielerin zu tun. Navarro überzeugte mich sehr im Achtelfinale gegen Coco Gauff und warf auch zuvor Naomi Osaka aus dem Turnier.
Mi.: Jelena Ostapenko (LET/14) – Barbora Kreijcikova (TCH/32)
Das Duell zwweier ehemaliger French-Open-Siegerinnen. Zuletzt hier wie dort sehr schwankende Ergebnisse. Kreijikova tat sich ehre im Doppel hervor, zuletzt siegte sie mit Laura Siegemund in Paris und steht mit der Deutschen auch in Wimbledon im Achtelfinale (so wie Ostapenko an de Seite von Ludmilla Kitschenok aus der Ukraine). Ostapenko ist die Alles-oder-nichts-Spielerin. Wenn ihre Bälle ins Feld kommen, wird es für jede Gegnerin schwierig bis unmöglich, aber oft landen sie halt im Nirgendwo.
Mi.: Lena Rybakina (KAZ/4) – Elina Svitolina (UKR/21)
Die klare Turnierfavoritin gegen die Favoritin der Herzen. Hier Rybakina, Wimbledonsiegerin 22, die bisher ziemlich ungefährdet durchs Feld pflügt und nur gegen Siegemund einen Satz abgab, wahrscheinlich eher aus Leichtsinn. Toller Aufschlag, tolle Grundschläge – das ganze Rasenpaket.
Dort Switolina, mit den Gedanken in ihrer ukrainischen Heimat mit all den Gräueln. Sie wird nicht müde, daran zu erinnern, sogar ein schwarzes Zeichen, eher ein Mahnmal, trug sie und durfte sie auch tragen. So blöd das vielleicht klingen mag: Angesichts der furchtbaren Ereignisse in ihrer Heimat kann sie sportlich fast befreit aufspielen, denn was kann bei einem Tennisspiel schon Schlimmeres drohen als eben eine Tennisniederlage und nicht das eigene Leben. Sie spielt ja ausgezeichnet, glänzte etwa gegen Ons Jabeur.
Tipps, Viertelfinale
Sun – Vekic
Paolini – Navarro
Ostapenko – Kreijikova
Rybakina – Svitolina
Halbfinale
Sun – Navarro
Rybakina – Krejikova
Finale: Navarro – Rybakina
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