Diesmal war der New Yorker Nachtarbeiter Alexander Zverev mit seiner Drittrundenpartie gegen den Chilenen Tabilo schon um etwas 1 Uhr Ortzeit fertig, nach nur knapp 2 Stunden und 30 Minuten, ein echter Spaziergang im Vergleich zu den beiden Fünfsatz-Thrillern bis weit nach 2 Uhr nachts gegen Lorenzo Sonego und Quentin Halys. Noch immer bin ich nicht vollständig überzeugt von der Form des Hamburgers, der im 2. Durchgang 2 Satzbälle abwehren musste (da half ihm Tabilo kräftig), aber das Wichtigste: Er beißt sich durch und gewinnt seine Partien; ganz im Gegensatz zu den Top-Leuten in seiner Tableau-Hälfte, die sich allesamt schon verabschiedet haben. So erwischte es in der 3. Runde den von mir hochgewetteten Taylor Fritz (nach 2:0-Satzführung gegen Fernando Cerundolo) und Franco Cobolli (French-Open-Finalist gegen Zverev), der am baumlangen Belgier Alexander Blockx scheiterte

Zverevs Weg ins Finale scheint fast vorgezeichnet, denn der nominell stärkste Profi, der das noch verhindern könnte, ist der junge Amerikaner Learner Tien als Nummer 14 gesetzt. Jetzt allerdings bekommt es Zverev erst mal mit Luciano Darderi zu tun (Nummer 21). Der Italiener hinterließ bei seinen bisherigen Auftritten in New York einen vorzüglichen Eindruck und hat Zverev bereits besiegt – im Halbfinale beim Masters-Turnier in Rom, allerdings auf Sand.

 

Alcáraz weiter ohne Satzverlust

 

Ganz nach Plan läuft es für den Titelverteidiger: Carlos Alcáraz gewann auch gegen Wu ohne große Mühe und ist im Turnier weiter ohne Satzverlust. Und das, obwohl er weiterhin bestenfalls mit 90 Prozent Härte aufschlägt, offenbar dem angeschlagenen Handgelenk geschuldet. Ansonsgten zeigt er allerdings schon wieder großes Tennis, gerade auch bei wichtigen Bällen. In dessen Hälfte allerdings sind noch einige Brocken und vor allem eine gefährliche  amerikanische Fraktion versammelt: Heute kommt es im Achtelfinale zum Duell mit Tommy Paul, sollte Alcáraz siegen, würde wahrscheinlich der extrem aufschlagstarke Ben Shelton warten (oder doch der aus tiefen Tälern wieder auferstandene Grieche Stefanos Tsitsipas?). Außerdem sind auch noch die beiden US Boys Francis Tiafoe und Alex Mikkelsen im Rennen. Ich vermag immer noch nicht einzuschätzen, ob sich der Nachteil des Aufschlags bei Alcáraz gegen einen Top-Mann wie Paul oder spätestens Shelton nicht doch einmal entscheidend negativ auswirkt. Denn das Gene Alcáraz macht Dinge, die nur Alcáraz kann.

 

Achtelfinal-Tableau 

Zverev – Darderi (Montag)
Gea – van de Zandschulp
Katschanow – Tien
Cerundolo – Blockx

Medwedew – Tiafoe (Sonntag)
Michelsen – Etcheverry
Shelton – Tsitsipas
Alcaraz – Paul

 

Favoritinnen mit souveränen Siegen

 

Auch in der 3. Runde gaben sich die Top-Spielerinnen keine Blöße. Von den nominell besten acht Frauen ist nur Wimbledon-Finalistin Karolina Muchova nicht mehr dabei, die an Emma Navarro scheiterte. Alle anderen landeten mehr (Sabalenka, Rybakina) oder weniger (Noskova) souveräne Siege. Und doch: Ob der Durchmarsch der Besten auch im Achtelfinale anhält, da gibt es doch noch ein paar Fragezeichen, denn einige sehr gefährliche Außenseiterinnen sind ebenfalls noch im Rennen

 

Jovic gegen Eala – ein Duell der Zukunft

 

An erster Stelle nenne ich da Iva Jovic. In einem begeisternden Match gewann die junge Amerikanerin gegen die aufstrebende Philippinin Alexandra Eala nach gut 3 Stunden mit 7:5, 3:6, 7:5. Für mich die bisher beste und aufregendste Partie des gesamten Turniers, auch weil die fantastische Kulisse im Arthur-Ashe-Stadium dazu betrug. Denn die Fans waren aufgeteilt in zwei fast gleichstarke Blöcke (Eala hat in ihrem Land und dem ganzen Kontinent eine wahre Tennis-Begeisterung ausgelöst). Sie sahen spektakuläre Ballwechsel und eine Partie, die bis zum verwandelten matchball in beide Richtungen hätte sich neigen können. Nachdem Jovic gesiegt hatte gab es eine innige Umarmung: Ich glaube, dass wir hier ein Duell der Zukunft gesehen haben. Zumal beide Spielerinnen noch längst nicht am Zenith ihres Könnens angelangt sind (ich denke an den jeweils verbesserungswürdigen Aufschlag).
Für Jovic setzt sich die Reise fort, und selbst ihre favorisierte Landsfrau Coco Gauff muss im Achtelfinale nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Ähnliches gilt für die zweimalige US-Open-Siegerin Naomi Osaka (vs Lena Rybakina) und mein persönliches dark horse Sofia Cirstea (vs Jessica Pegula).

 

Bermerkenswertes Comeback der Olympiasiegerin

 

Schwere Zeiten hat Qinwen Zheng hinter sich. Die Chinesin fiel aufgrund von zahlreichen Verletzungen und einer bis dato schrecklichen Saison (negativer Höhepunkt: Aus in der 1. Qualifikationsrunde für Toronto gegen eine gewisse Lanlana Taraduree aus Thailand) bis auf Rang 121 der Weltrangliste zurück. Doch jetzt hat die Chinesin offenbar (fast) zurück zu alter Form gefunden, die ihr immerhin den Olympiasieg 2024 in Paris einbrachte. In New York erweist Zheng (oder doch Qinwen?) als Comeback-Königin. In der 3. Runde schaffte sie jetzt das Kunststück und holte gegen Madison Keys im 3. Satz einen 0:5 (!)-Rückstand auf, wobei sie einen Matchball abwehrte. Schon in den Runden zuvor war sie gegen das 16-jährige Top-Talent Kristina Liutowa und die extrem lästige Yulia Putintzewa über die volle Distanz gegangen. Allerdings wird das Achtelfinale gegen die wiedererstarkte Iga Swiatek (für mich die Turnier-Favoritin, sic!) eine ganz andere Hausnummer werden.

 

Achtelfinal-Tableau

Sabalenka – Townsend (Sonntag)
Noskova – Kostyuk
Pegula – Cirstea
Kalinskaya – Navarro

Andreewa – Potapova (Montag)
Gauff – Jovic
Swiatek – Qinwen Zheng
Rybakina – Osaka