von Münchner Löwe | Aug. 11, 2026 | Fußball, Radsport, Wochenrückschau
Ein fantastischer Bodensee-Urlaub mit Traumwetter (fast schon zu heiß) liegt hinter mir. Allerdings führt der See so wenig Wasser wie noch nie, und alles ist sehr ausgetrocknet. Ich hab gelesen, dass der Bodensee in 20.000 Jahren versandet sein wird (man bekommt eine Ahnung, warum). Da wir sehr liebe Gäste hatten, habe ich das Sportgeschehen nur rudimentär verfolgt. Letztlich ist nur sehr wenig hängengeblieben. Dem Machtkampf FIFA-Präsident Gianni Infantino vs UEFA werde ich im Laufe der Woche noch ein paar Sonderzeilen widmen (großer Seufzer).
Demi Vollering Siegerin einer spannenden Tour
Alles ist bei den Frauen ein bisschen kleiner als beim Radspektakel der Männer. Nur gut eine Woche statt drei, 9 Etappen statt 21. Nicht zuletzt auch das Preisgeld: Der Tour-Sieger streicht 500.000 Euro ein, die Tour-Siegerin 50.000. Aber Jahr für Jahr steigt das Interesse an der Tour de France femmes. An der Strecke, bei den Einschaltquoten, auch wenn die ARD nicht jede Etappe im linearen Programm zeigte. Doch Eurosport Deutschland meldete zum Teil sogar mehr Zuschauer, als das bei den Männern der Fall war.
Warum? Weil die Frauen-Tour Spannung verspricht und auch hält – in diesem Jahr in der Tat bis zur letzten Bergwertung. Ganz anders also als bei der Pogacar-Triumphfahrt, als der Slowene bereits nach der ersten Woche als Gesamtsieger praktisch feststand. Bei den Frauen wechselte das Gelbe Trikot der Gesamtführenden hin und her. Nach der Königinnen-Etappe am Donnerstag hoch zum legendenumrankten Mont Ventoux sah noch die Polin Kasia Niewiadoma wie die Siegerin aus, als sie der Konkurrenz in einer beeindruckenden Solofahrt enteilt war. Doch die Holländerin Demi Vollering gab sich keineswegs geschlagen. Am „kahlen Berg“ hielt sie dank eines großartigen letzten Kilometers den Rückstand im Grenzen und auf den letzten beiden Teilstücken am Wochenenden in den Seealpen rund um Nizza schlug dann ihre Stunde.
Am Samstag übernahm die 29-Jährige das Gelbe Trikot, nur 8 Sekunden vor Niewiadoma, und dieses mittlerweile auch im Frauenradsport begehrteste Kleidungsstück verteidigte sie auch auf dem letzten Teilstück. Am letzten Anstieg trat die Holländerin unwiderstehlich an, distanzierte alle Konkurrentinnen und sicherte sich nicht nur den Etappensieg, sondern auch den Triumph in der Gesamtwertung, zum zweiten Mal nach 2023. Kasia Niewiadoma, Siegerin 2024, blieb nur der 2. Rang.
Das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin sicherte sich Antonia Niedermaier. Die 23-jährige Rosenheimerin wehrte auf dem letzten Teilstück alle Angriffe der Konkurrenz ab und beendete ihre erste Tour auf dem 4. Gesamtplatz. Diese Leistung ist umso höher einzuschätzen, da Niedermaier nicht auf eigene Rechnung fuhr, sondern im deutschen Team Canyon-SRAM als Edelhelferin für Niewiadoma eingeplant war; sich also oft in den Wind stellen musste und dabei Kräfte verbrauchte, die eine Mannschaftskapitänin im Windschatten schonen kann. Begonnen hatte sie ihre sportliche Karriere als Skibergsteigerin, erst 2022 sattelte sie im Wortsinn um. Erfolge stellten sich früh ein, und Experten und vor allem auch ihre Teamführung trauen Antonia Niedermaier in den kommenden Jahren durchaus einen Toursieg zu. Deutsche Radfans dürfen nun Wetten abschließen, wer zuerst die Tour gewinnt (nona): Antonia Niedermaier oder Florian Lipowitz. Der Vorteil der Bayerin: eine Überfahrerin wie bei den Männern Tadej Pogacar gibt es bei den Frauen nicht – trotz Vollering und Niewiadoma.
Munterer Saisonstieg im Unterhaus
In einem waren sich die Experten vor dem Start der 2. Fußball-Bundesliga einig. Es kann praktisch alles passieren. Zwar gilt Absteiger VfL Wolfsburg dank des mit Abstand höchsten Budgets und einer groß angelegten Einkaufstour als klarer Favorit, aber das Unterhaus hat seine Tücken, wie die Niederrsachsen schon am 1. Spieltag feststellen mussten, als sie zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern nicht über ein 0:0 hinauskamen. Wenn ich die prognose wagen darf: ein Durchmarsch wird auch den Wolfsburgern nicht gelingen, sie müssen froh sein, wenn der Wiederaufstieg überhaupt gelingt.
Es war ein durchaus munterer Auftakt, einer mit Überraschungen. Die wahrscheinlich größte gelang Aufsteiger Energie Cottbus, der im heimischen Stadion der Freundschaft Hannover 96 mit 3:1 Toren bezwang. Ich selbst hab die Partie nicht verfolgt (der heiße Bodensee), aber das Ergebnis entsprach offenbar absolut nicht dem Spielverlauf. Die 96er schafften mal wieder einen unglublichen Chancen-Wucher (der sie in der vergangenen Saison den Aufstieg kostete), scheiterten auch mit den besten Einschuss-Möglichkeiten am überragenden Schlussmann Marcel Lotka, der gleich acht zum Teil grandiose Paraden zeigte. Ich bin auf das weitere Abschneiden der Lausitzer sehr gespannt, zu denen ich ja seit meiner Zeit in Frankfurt (Oder) ein besonderes Verhältnis habe, weil ich sie mehr als ein Jahrzehnt aus beruflichen Gründen intensiv „betreut“ habe.
Bei Weitem nicht so gut ging es den anderen Ost-Clubs: Der 1. FC Magdeburg (1:6 gegen Braunschweig) und Dynamo Dresden (0:3 beim 1. FC Nürnberg) finden sich gleich am Tabellenende wieder. Panik sollte hier wie dort allerdings niemand schieben, genauso wenig wie die siegreichen Teams in allzugroße Euphorie verfallen dürften.
Und sonst?
- 3. Liga: Erfolgreicher Saisonstart für den Jahn Regensburg, der bei Victoria Köln gleich mit 5:2 gewann. Erstaunlicher Doppeltorschütze: Adrian Fein, der zum allerersten Mal in seiner Profi-Karriere gleich zweimal traf (und noch einen Assist gab). Den Werdegang des mittlerweile 27-Jährigen verfolge ich tatsächlich seit seiner Kindheit, denn er ist der Sohn eines meiner besten Freund (der es als Löwen-Fan für gut befand, dass der damals 11-jährige Adrian zum FC Bayern wechselte und dort die gesamte Ausbildung absolvierte).
- Golf: Sehr verspätet (der Bodensee) möchte ich Esther Henseleit rühmen. Die Deutsche wurde am vorvergangenen Sonntag bei den British Open Zweite. Erst im Stechen musste sich die Silbermedaillengewinnerin von Paris der Japanerin Shiho Kuwaki beugen. Als Trost bleiben ihr eine Million Dollar Preisgeld und der inoffizielle Titel „Schlag des Turniers“: der unfassbare Monsterputt am 18. Loch der Schlussrunde, mit dem sie das Stechen erreichte.https://www.n-tv.de/sport/mediathek/videos/sport/Henseleit-begeistert-mit-Monster-Putt-und-verpasst-Titel-dramatisch-id31151494.html
von Münchner Löwe | Aug. 10, 2026 | Allgemein
Europameisterschaften de olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Becken-Schwimmen, dazu die Entscheidung bei den Tennis-Masters in Kanada (Toronto respektive Montreal). Und die neue Fußball-Saison nimmt ganz langsam Fahrt auf, national und international.
Europameisterschaften – oft ein Muster ohne Wert?!
Mein Verhältnis zu EMs im Schwimmen und in der Leichtathletik ist zwiespältig. Einerseits sind das durchaus spannende Wettbewerbe, andrerseits oft ein Muster ohne Wert, weil die Allebesten eben nicht dabei sind. Besonders auffällig im Sprint, wo die schnellsten der Welt seit eher (oder sehr langer Zeit) aus der Karibik und den USA kommen. In der Langstrecke sind dagegen die Afrikaner das Maß aller Dinge.
Und doch versprechen die Titelkämpfe in Birmingham (Leichtathletik) und Paris (Schwimmen) viel Spannung und auch tolle Leistungen.
Deutschlands Läufer wollen Medaillen
Das hatten wir schon lange nicht mehr, dass der DLV sehr aussichtsreiche Athleten in die Laufwettbewerbe schicken kann. Doch seit ein paar Jahren trumpfen gerade Männer in Disziplinen auf, die vorher geradezu Brachland waren. Ewig alte Rekorde wurden gebrochen, so zum Beispiel der von Harald Schmid über 400 Meter Hürden aus dem Jahr 1987 (!) , ehe ihn Emil Ageykum ablöste. Dieser gilt jetzt als Top-Kandidat für eine Medaille (neben seinem Landsmann Ole Fischer-Breiholz), für Gold dürfte es allerdings nicht langen hinter dem zumindest in Europa unantastbar scheinenden Weltrekordler Karsten Warholm aus Norwegen. Ähnlich verhält es sich über 1500 Meter, wo Robert Farken ganz vorne in der europäischen Elite mitmischt. Diese Lauf-Entscheidung könnte ein echter Höhepunkt der gesamten Veranstaltung werden, zumal hier die Briten mit dem frischgebackenen Meilen-Weltrekordler Josh Kerr einen Titelfavoriten stellen.
Ich will jetzt aber den Teufel tun, hier Wettbewerb für Wettbewerb durchzugehen. Insgesamt stehen 7 Tage (bis Sonntag) auf dem Programm, ARD und ZDF berichten episch sowohl im linearen Fernsehen als auch im Stream, wer sich allzu viel Deutschtümelei ersparen will (die erste Morgen-Session lässt diesbezüglich Böses erahnen), kann auf die App von Eurovisionsports zurückgreifen oder sich via VPN sich das Land der Wahl aussuchen.
Meine persönlichen Höhepunkte sind:
– Stabhochsprung de Männer wegen Armand Duplantis, eh klar. (So., 20:30)
– 800 Meter der Frauen: faszinierender Dreikampf zwischen Werro/Schweiz, Hodginson/GB und Bol/NL, die sich auf ihrer neuen Strecke schnell eingefunden hat (Fr., 22:45).
Natürlich auch die 100-Meter-Sprints der Frauen (Montag) und Männer. Neu im Programm ist die Sprint-Mixed-Staffel.
Becken-Schwimmen – und die Russen sind voll dabei
Noch eklatanter ist der Leistungs-Abfall der Europäer im Schwimmen, wo die (US-)Amerikaner, Australier und auch Asiaten zum Teil weit voraus sind. Ausnahme-Athleten wie der Franzose Leon Marchand sind wirklich nur die Ausnahme der Regel. Umso größer der Schock der französischen Gastgeber, dass ihr Gold-Aspirant wegen einer nicht ganz ausgeheilten Adduktoren-Verletzung seinen Start für die beiden Lagenstrecken (200 und 400 Meter) abgesagt hat, wo er den Titel nur hätte abholen müssen (und über 400 Meter auf Weltrekordjagd gehen wollte). Immerhin bleibt seine Nennung für die 400 Meter Freistil und 200 Meter Schmetterling bestehen, und auch einige Staffelstarts dürften eingeplant sein.
Deutschlands Starschwimmer Lukas Märtens will nach seinem Olympiasieg über 400 Meter, dem WM-Titel und dem Weltrekord auch den europäischen Titel. Er ist klarer Favorit. Ansonsten gibt es ein zahlenmäßig riesiges Aufgebot, die eine oder andere Medaille wird mit Sicherheit herausspringen (Langstreckler Johannes Liebmann, Brustspezialistin Anna Elendt, die Staffeln).
Die Wettbewerbe in Paris erstrecken sich ebenfalls bis Sonntag.
Sehr großes Manko: Die Schwimmer haben die russischen AthletInnen trotz des entsetzlichen Angriffsskrieges gegen die Ukraine wieder mit Glanz und Gloria (und offenbar auch wieder Hymnen) in ihrer Mitte aufgenommen. Sogar die Staffeln dürfen starten, bisher waren Mannschaftswettbewerbe für Russen ein absolutes Nogo und von allen Verbänden strikt abgelehnt. Die Schrecken des Krieges sind offenbar Normalität geworden, regelrecht abgestumpft heißen die Sportverbände Russland wieder willkommen. Ich bin regelrecht angewidert von dieser erbärmlichen Demut, die Gefühlslage der ukrainischen Sportler vermag ich mir gar nicht auszudenken. Die löbliche Ausnahme: die Leichtathletik, danke dafür!
Der Kicker – eine einzige Schande
Großereignisse in den olympischen Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik waren mal eine Domäne des Sportmagazins. Vorbei, vergessen, der Kicker ist zur reinen Fußballzeitschrift mutiert, und das, obwohl die 1. Liga noch gar nicht begonnen hat. In der Montag-Ausgabe steht zu Schwimmen und Leichtathletik: nicht eine einzige Zeile (immerhin eine Doppelseite handball …); früher gabs den komplette Zeitplan plus Medaillentipps des großartigen Leichtathletik-Experten Gustav Schwenk (nicht immer zutreffend, aber ein klarer Anhaltspunkt für den Gelegenheitsgucker). Und jetzt? Nichts, nada, niente! Was für eine Ignoranz, was für eine erbärmliche Schande! Die komplette Kapitilation vor der Vielfalt des Sport, sehr, sehr traurig!
Tennis-Entscheidung in Toronto und Montreal
Wie immer teilen sich die Frauen für die Masters-Turniere in Kanada auf. Diesmal schlagen die Männer in Montreal auf und die Frauen in Toronto. Die Besonderheit: Beide Endspiele finden in der Woche statt, nämlich jeweils am Freitag (Ortszeit). Grund. Schon in dieser Woche beginnt das Masters in Cincinnatti, ebenfalls auf Hartplatz.
Bei den Männern ist der Titelverteidiger noch im Rennen. Ben Shelton steht nach dem Sieg gegen Fonseca im Viertelfinale. Nach dem Ausscheiden un ter anderem von Alexander Zverev sowie der Nichtteilnahme von Jannik Sinner und Carlos Alcáraz ist er jetzt der bestklassierte Mann im Feld. Obs zum erneuten Sieg reicht, bleibt allerdings abzuwarten. Einen glänzenden Eindruck hat vor allem der junge Spanier Jodar hinterlassen.
Auch bei den Frauen ist die Nummer 1, Aryna Sabalenka, schon draußen. Jede der verbliebenen acht Spielerinnen hat Titelchancen, so verrückt ist dieses Tennis-Jahr. Wenn ich tippen müsste: die Amerikanerin Coco Gauff hat in kanada schon öfter sehr gut gespielt.
Und sonst?
- Fußball: Super-Cup-Finale in Salzburg. Parallel zu den Mozart-Festspielen treffen im ednlich mal wieder ausverkauften EM-Stadion (30.000 Zuschauer) Champions-League-Sieger Paris St. Germain und Europa-League-Champions Aston Villa aufeinander. Die Ligen haben weder in Frankreich noch in England begonnen, und viele Spieler sind auch noch im WM-Urlaub. Eine nette Spielerei um Europas Krone, nicht mehr, nicht weniger.
Ernst wird es dagegen für deinige Clubs in der Champions-League-Qualifikation, wo am Dienstag die Rückspiele der 3. Runde anstehen. So muss Sturm Graz gegen Fenerbahce Istanbul einen 0:2-Rückstand aufholen (20:30). Sollte das gelingen, wartet auf die steirer noch eine 4. Runde, ehe die Geldtöpfe sicher sind. Ansonsten gibt es als Trostpreis die Europa League.
- Rhythmische Sportgymnastik: Ab Mittwoch die WM in Frankfurt/Main, und mittendrin Darja Varfolommev. Ob die Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin in den Einzel-Geräten wieder den Durchmarsch schafft, bleibt abzuwarten. Denn auch bei den Gymnastinnen sind die Russinnen wieder startberechtigt, und die waren vor ihrem kriegsbedingten Ausschluss in dieser Sportart das maß aller Dinge. Ist halt die große Frage, ob die KampfrichterInnen gleich eine russische Titelflut zulassen.
- Pferdesport: Und noch eine WM, nämlich die der Reiter. In Aachen, so etwas wie de heilige Gral, zumindest der Spring- und Dressurreiter. Von morgen an bis Sonntag in einer Woche werden WM-Titel in insgesamt 6 Disziplinen vergeben. Die DeutschInnen sind überall zumindst MitfavoritInnen, auch wenn Dressur-Olympiasiegerin Jessica Bredow-Werndl fehlt, weil sie ohne Spitzenpferd dasteht, nachdem sie den überragenden Dalera in den Ruhestand geschickt hat.
- Tennis: Nach Kanada ist von Cincinnati. Doch die Männer-Konkurrenz leidet an verletzungsbedingten Absagen. So zog Carlos Alcáraz seine Nennung wieder zurück, die Handverletzung scheint immer noch nicht ausgeheilt. Ebenfalls nicht dabei ist der Weltranglisten-Erste Jannik Sinner, den der Oberschnekel zwickt. für beide Top-Spieler wirds jetzt für die US Open (ab 30. August) durchaus eng. Lokal-Matador Taylor Fritz fehlt ebenso.
Top-gesetzt ist somit French-Open-Sieger Alexander Zverev, gefolgt vom kanadier Felix auger-alliasime. zuletzt in Montreal zeigte sich der hamburger allerdings ziemlich müde.
Bei den Frauen ist dagegen alles dabei, was Rang und Namen hat. Vorhersagen sind dort allerdings fast unmöglich, in den Top Ten (oder auch Top 20) kann jede gegen jede gewinnen, aber auch verlieren. Zu schade, dass deutsche Spielerinnen schon länger mit der Spitze nichts mehr zu tun haben. Mit einem Auge schaue ich auf Top-Talent (und mehr) Österreichs Lilli Tagger, die sich allerdingfs in der Qualifikation beweisen muss.
von Münchner Löwe | Aug. 1, 2026 | Fußball
Diese Übernahme-Fantasie hat sich dann doch schnell erledigt. Nicht einmal eine Woche, nachdem Gianni Infantinos Plan, Teile der WM-Rechte an eine Investoren-Gesellschaft im Dunstkreis von Donald Trump zu verhökern, folgte der Rückzieher. Zu stark die Kritik: nicht nur die UEFA, die mit einem Boykott aller FIFA-Turniere drohte, solange dieser Plan nicht komplett abgeräumt werde, sondern auch von anderen Kontinental-Verbänden aus Nordamerika und Asien.
Infantino zog also gestern Nacht die Notbremse, erklärte das Unternehmen für beendet. Er bedauere die Unstimmigkeiten, er habe nur zum Wohle des Fußballs gehandelt. Das Ziel der Fifa sei es, stets zu vereinen und zu verbessern, sagte Infantino weiter. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“
Da sprach ein gescheiterter Herrscher, aber nicht aus Überzeugung, sondern allein, um den Schaden, den er angerichtet hat, zu minimieren. Den Schaden, den er persönlich erleiden könnte. Denn zumindest die UEFA will jetzt Blut sehen, Infantinos Blut. Das ohnehin schon angeknackste Verhältnis zwischen dem wichtigsten Kontinentalverband und der Infantino-FIFA ist jetzt komplett zerrüttet. Jetzt hat der umtriebige Schweizer aus Sicht der Verbände alles erträgliche Maß überschritten, sämtliches Vertrauen ist verspielt.
Es war ja nicht nur der aberwitzige Plan an sich von Infantino, die WM-Rechte zu verscherbeln. Sondern vor allem auch die Art und Weise, die extrem sauer aufstieß: nämlich die übelsten Hinterzimmer-Deals ohne irgendwelche konkreten Rechte und Pflichten, aber auch ohne jegliches Einbeziehen der wichtigsten Gremien. Das Ganze kam am Montag ja nur durch eine Indiskretion heraus. Offenbar wollte Infantino den Entscheidern (also den 211 FIFA-Verbänden noch weniger Zeit geben. Die 20 Millionen, die jedem Verband bei einem Ja zustehen würden, sollten jedwede rationale überlegung ausschalten. Platt gesagt: Infantino rechnete schlicht damit, dass viele Funktionärskollegen mindestens so skrupellos und geldgierig wären wie er, ganz falsch liegt er mit dieser Annahme wahrscheinlich gar nicht. Aber nicht nur für ihn kam die harsche und unwiderrufliche Reaktion samt Boykott-Androhung überraschend.
Infantinos Zukunft sehr unsicher
Es ist gerade schwer vorstellbar, wie Infantino selbst auch nur ein einigermaßen normales Verhältnis mit dem europäischen Verband wiederherstellen will. Zu harsch die Kritik, und bei einigen, die bisher mit der Faust in der Tasche jede noch so große Sauerei Infantinos (der Friedenspreis für Trump fällt mir gerade ein) mitgemacht haben, knallt jetzt der ganze Frust ungefiltert heraus. Die UEFA warf Infantino vor, einen schäbigen und undurchsichtigen Deal eingefädelt zu haben. Dass dieser gescheitert sei, sei zwar ein Sieg für den gesamten Fußball. „Aber das darf nicht das Ende sein.“
Da der machtbesessene Infantino aus freien Stücken nicht abdanken wird, muss er eben abgewählt werden. Im März 2027 steht die Wahl zum FIFA-Präsidenten an. Noch immer kann sich Infantino im Normalfall auf sehr viele kleinere Verbände verlassen, deren Top-Funktionäre Geldgeschenken sehr zugetan sind. Um den Schweizer wirklich abzuwählen, braucht es jetzt einen starken Kandidaten (eine Kandidatin wäre leider in vielen Ländern immer noch nicht vorstellbar). Wenn die UEFA sich geschlossen auf einen geeigneten Mann einigen könnte (vielleicht ein Ex-Profi, der überall Sympathien gewonnen hat?), der auch für andere Kontinententalverbände wählbar ist, dann könnte tatsäclich das bis vor zwei Wochen Undenkbare geschehen: dass Infantino bald nicht mehr FIFA-Präsident ist. Dessen Widerstandfähigkeit darf aber niemand unterschätzen.
von Münchner Löwe | Juli 30, 2026 | Fußball, WM
Was für eine Gegenmaßnahme der UEFA!
Einstimmig haben die 55 Verbände am Donnerstag beschlossen, dass jedes FIFA-Turnier boykottiert wird, solange das Vorhaben der Veräußerung der WM-Rechte an Investoren auch nur „im Raum steht!“. Es wird verlangt: ein klares, unwiderlegbares und unwiderrufliches VERSPRECHEN seitens der FIFA (sprich: Infantino und seinen Mitstreitern), dass diese Pläne beerdigt werden. Kein Lavieren, kein Schaunmermal, auch kein Feilschen um mehr Anteile, sondern ein Junktim: Wir, die europäischen Länder, machen bei allen FIFA-Turnieren nur noch mit, wenn dieses Szenario weg ist – und zwar für alle Zeiten. Das gilt ab sofort, also schon für die U-20-WM der Frauen ab 5. September in Polen.
Ich hätte eine derartig klare und scharfe und unzweideutige Reaktion tatsächlich nicht erwartet; mein Vertrauen gerade auch in die europäischen (nationalen) Verband-Funktionäre ist sehr klein. Von der man auch nicht mehr so ohne Weiteres wieder runterkommt. Das ist auch als eindeutiger Fehde-Handschuh gegen Infantino selbst zu verstehen und als Selbstkritik, viel zu lange den Untrieben des mafiösen FIFA-Bosses zugeschaut zu haben. Zwischen den zeilen steht ebenso als Signal für die anderen Kontinental-Verbände: mit diesem Menschen wollen wir im Prinzip überhaupt nichts mehr zu tun haben
Ich gehe schwer davon aus, dass diese radikale Reaktion auch mit den Club-Vertretern und auch Spieler-Vertretern abgesprochen war (die von so einem Boykott am ehesten betroffen wären).
von Münchner Löwe | Juli 30, 2026 | Fußball, WM
Ich hatte ja sehr gehofft, nach dieser Weltmeisterschaft für ein paar Monate nichts von Gianni Infantino hören würde. Dass der FIFA-Boss höchstzufrieden in seinem FIFA-Schloss in Zürich oder Dubai oder sonstwo die Milliarden zählen würde, die dieses merkwürdige Fußball-Turnier in Nordamerika dem Weltverband beschert hat.
Eine trügerische Hoffnung, denn diese Woche platzte der Schweizer mit einem schamlosen Deal in die Vorbereitung für die neue Saison. Danach soll die Weltmeisterschaft an Investoren verkauft werden. Nicht vollständig, aber doch zu einem Viertel, die Rede ist von 20 bis 30 Prozent. Als Verkaufspreis stehen 20 Milliarden Dollar im Raum. Eine Riesensumme, die sich angesichts der unglaublichen Gewinne bei einer WM schnell amoritsieren dürfte.
Mit einem Interessenten sind die Verhandlungen schon sehr weit gediehen. Es heißt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei bezüglich des Plans konsultiert worden, die Investmentbank JP Morgan wickele den Prozess ab. Infantino, der laut Statuten nur bis 2031 FIFA-Präsident bleiben darf, könnte anschließend Kommissar der neuen Organisation werden. Dann könnte sich sein Jahresgehalt verzehnfachen. Roger Goodell, der Commissioner der NFL, verdient gut 60 Millionen Dollar per anno. Der Unterschied: Goodell ist Angestellter der NFL, er muss das umsetzen, was die Owner mehrheitlich beschließen.
Erpressung mit Geldgeschenken
Infantino wäre nicht der mafiöse FIFA-Boss, würde er den Verbänden nicht die Pistorle auf die Brust setzen. Diese nämlich müssen bis September die Pläne absegnen, mit der einfachen Mehrheit bei einer Abstimmung der 211 Mitgliedsverbände. Damit sie das tun, werden sie mit Geld geködert, sehr viel Geld. Nach konservativen Berechnungen würden sie 5 Millionen Euro pro Jahr kassieren statt bisher etwa 2 Millionen. Das mag bei einem Riesenverband wie den DFB nicht die ganz große Summe sein, wohl aber für Winz-Verbände wie Vanuatu oder Fiji (nix für ungut). Die nach den one-country-one-vote-Regularien der FIFA aber die gleiche Stimmgewalt haben. Eine weitere Sauerei: Laut Infantino sollen nur die Verbände kassieren, die mit „Ja“ stimmen (offenbar ist keine geheime Wahl geplant).
Es droht also nicht anderes als der Total-Ausverkauf des Fußballs, falls denn eine Steigerung überhaupt noch möglich ist. Denn auch wenn die Investoren angeblich keinen direkten Einfluss auf die WMs haben dürfen (neben den Männern auch die der Frauen und die Club-WM), ihre rein finanziellen Interessen finden natürlich trotzdem Gehör, was Austragungsort und Modus betrifft. Und so schwirren schon die Szenarien von der WM alle 2 Jahre (natürlich mit dann 64 Teams), gerne auch mit weiteren werbe-freundlichen Regeländerungen, das hat ja schon bei der „Trinkpause“ prima geklappt.
Die UEFA schäumt
Die erste Reaktion des europäischen Verbandes war: glatte Ablehnung, ja Verurteilung der Pläne. Damit sei eine „rote Grenze“ überschritten, heißt es in einer Stellungnahme. Für Donnerstag ist eine Dringlichkeitssitzung aller Verbände anberaumt. Einziges Thema: nicht mit uns. Und Europa hat ein sehr scharfes Verteidigungsschwert: den Austritt aus der FIFA, zumindest den Boykott der WM. Eine WM ohne europäische Länder wäre wirtschaftlich sinnlos, weil sportlich wertlos. Denn sogar wenn es ein Turnier ohne Europa geben würde, die Clubs müssten dann die Profis aus Afrika, Amerika und Asien nicht abstellen (wenn sich die UEFA vorher aus dem Weltverband abgekoppelt hat). Vielleicht könnten sie sogar Spieler für eine oder zwei Saisons sperren, wenn sie trotzdem teilnehmen. ja, das klingt drastisch, aber eine andere Sprache versteht der mafiöse Infantino nicht!
Um die Pläne von vornherein abzusägen (oder wenigstens abzumindern) wäre es heute schon sehr günstig, wenn eine breite Mehrheit sich klar dagegen aussprechen würde. Natürlich mit allen sehr weitreichenden Konsequenzen, die ein FIFA-Austritt oder Boykott mit sich bringen würde. Der eine oder andere Verbandhat schon leichte Sympathie für den Total-Ausverkauf bekundet (Tschechien ist mir zu Ohren gekommen). Dagegen hat sogar der Infantino-hörige Bernd Neuendorf den Plänen eine klare Absage erteilt.
Kritik gibt es aber nicht nur aus Europa, sondern auch aus Asien und sogar Nordamerika. Hier wird aber eher das Procedere angegriffen, nämllich dass Infantino und ein paar Getreue die quasi im stillen Kämmerlein so weit haben gediehen lassen.
Ich will nicht sagen, das die Zukunft des Fußballs auf dem Spiel ist, er ist sehr resistent. Aber ich erwarte heute eine ganz klares UEFA-Zeichen. Damit die Irrsinns-Pläne des Gianni Infantino und der Trump-Mafia möglichst schnell wieder verschwinden.
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