Italien – oder der Boykott der Fascho-WM auf elegante Art

Die WM in Amerika wird ohne Italien stattfinden. Der vierfache Weltmeister scheiterte in der 2. Play-off-Runde an der Großmacht Bosnien-Herzegowina. Im schmucken Stadion von Zenica entschied das Elfmeterschießen, das Geschrei und die Trauer in der Heimat sind groß.
Ebenfalls am letzten Schritt scheiterten Kosovo (gegen die Türkei), Polen (in Schweden) und Dänemark (in Tschechien). Die beiden allerletzten WM-Tickets schnappten sich die DR Kongo (gegen Jamaika) und der Irak (Bolivien).

Bei aller sportlicher Tristesse, die jetzt die Squadra Azzurra umgibt, nachdem sie zum dritten Mal hintereinander nach 2018 und 2022 das Endturnier verpasste: Vielleicht war diese Niederlage die eleganteste Art und Weise, das Trumpel-Turnier zu boykottieren. Es besteht also nicht die Gefahr, dass der Verbandspräsident wie in Deutschland Bernd Neuendorf sich komplett lächerlich macht und den FIFA-Chef Gianni Infantino devot umschmeichelt, auf das er noch ein bisschen mehr vom rech gedeckten Spesentisch abgreifen darf. Kein italienischer Spieler wird sich blamieren, wenn er angesichts der Kriegsnation USA sich allein aufs Sportliche („Krieg?! interessiert mich nicht!“)konzentriert und dabei wie ein Volldepp wirkt, dessen Hirn allein aus Fußball und dem damit verbundenen Geldverdienen besteht; dem der Rest des Weltgeschehens völlig am Allerwertesten vorbei geht.

Aus deutscher Sicht muss ich sagen: Was DFB-Präsident. Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Bundestrainer Julian Nagelsmann diesbezüglich an Komplett-Ignoranz und Wurschtigkeit zum Schlechtesten gegeben haben, beschämt mich zutiefst. Entsetzlich fand ich vor allem, wie der Infantino-hörige Bernd Neuendorf auch nur die Idee eines WM-Boykotts der großen europäischen Nationen abgekanzelt hat, den sein Vize Oke Göttlich ins Spiel gebracht hatte.
Entlarvend dazu die Magenta-Werbesendung vor gut einer Woche: Was der alle 104 (!) WM-Partien da an Superlativen und Vorfreude fürs angeblich „beste Turnier aller Zeiten“ von sich gegeben wurde, war schlicht entsetzlich und lässt Entsetzliches erahnen: nämlich dass es allein um Fußball gehen wird, egal welche (Kriegs)-Sauereien sich der WM-Gastgeber USA noch leistet und welche Gräueltaten sich die Drogen-Mafia in Mexiko leistet. Erwachsene und eigentlich respektable Menschen wie Red-Bull-Super-Sport-Koordinator Jürgen Klopp, MLS-Export Thomas Müller und die Reporterin-Geheimwaffe Laura Wontorra überboten sich an Superlativen zum anstehenden Turnier. Zu Trump und sein rechtswidriges Kriegsgemetzel im Iran (immerhin ein WM-Teilnehmer): kein Wort. Ebensowenig zu der unsicheren Sicherheitslage wegen des Drogenkrieges in Mexiko und zu der indiskutablen Hatz auf Migranten in den Staaten. Alles wird super, duper, tralala.

Ach, was beneide ich die Italiener, die dieses unwürdige Spektakel bestenfalls distanziert betrachten, wenn sie es überhaupt interessiert. Unsereiner setzt sich dann halt doch vor den Fernseher (weils halt WM ist).

Der König von Giesing ist im Löwen-Himmel

Nur 2 Jahre war Karsten Wettberg Cheftrainer bei 1860 München, doch kein Löwen-Fan, der zwischen 1990 und 1992 schon dabei war, wird diese Zeit je vergessen. Den knapp verpassten Aufstieg in die 2. Liga 1990, die ungeschlagene Saison 90/91 samt Aufstieg, und das jähe Erwachen samt Rausschmiss, der allerdings den Abstieg nicht vermeiden konnte.

Das sind ja nur die kargen Fakten. Unvergessen bleiben 2 epochale Spiele. Wie das am 11. Mai 1990, ein Freitagabend, vor 30.000 Zuschauern im völlig verregneten Grünwalder im Aufstiegsendspiel gegen Schweinfurt 05. Das Auf und Ab der Gefühle der 90+ Minuten im Dauerregen, 2 tobende Trainer an der Seitenlinie: hier Wettberg, der Löwenfan von Kindesbeinen an, der 1965 mit nach Wembley zum Europapokal-Endspiel gegen West Ham mitgereist war; auf der anderen Seite ein gewisser Werner Lorant, damals schon extrem bärbeißig. Die Löwen brauchten einen Sieg, es wurde ein 3:3, auch weil für Schweinfurt ein gewisser Bernhard Winkler die Sechzig-Abwehr vor unlösbare Probleme stellte und 2 Tore erzielte. Das Remis war zuwenig, um die Schweinfurter noch von Platz 1 zu verdrängen, und natürlich herrschte extreme Enttäuschung bei den Anhängern. Aber kein Vorwurf an Trainer oder Spieler, nirgends. Danach zog es mich (wie wahrscheinlich jeden Fan) in eine Kneipe mit einem Referendars-Kollegen, das Bier floss mindestens so stark wie zuvor der Regen (an alle, die auf mich aufpassen! Das ist fast 36 Jahre her!). Irgendwie kam ich heim …

Wer weiß, wozu diese Enttäuschung gut war. Denn es folgte die märchenhafte Saison der Löwen ohne jede Niederlage. Da der Bayernliga-Meister damals noch in eine Aufstiegsrunde ging, nutzte das wenig. Doch Wunder über Wunder, auch dort reüssierten die Löwen, sodass es im Juni zu einem nächsten Aufstiegs-Endspiel kam. Wieder im Grünwalder, diesmal gegen Borussia Neunkirchen. Wieder prasselte der Regen, wieder echauffierte sich Wettberg an der Außenlinie; unter anderem drosch er einen unschuldigen Regenschirm zu Glump. Diesmal war das Glück und Können mit den Löwen, und sie gewannen mit 2:1. Die begeisterten Fans stürmten den Rasen und zogen Wettberg im Wortsinne bis auf die Unterhose aus. Heute wahrscheinlich undenkbar, aber Wettberg gab tatsächlich praktisch im Adamsgewand dem Bayerischen Rundfunk ein Interview, live und in Farbe im Fernsehen war der eher schmächtige Wettberg zu bewundern. Bei der Aufstiegsfeier tags darauf im Münchner Rathaus erhob OB Christian Ude den wieder formell bekleideten Karsten Wettberg zum „König von Giesing“. Wirklich niemand, der ihm widersprochen hätte.

In der 2. Liga stießen die Löwen dann schnell auf die Realität, und die hieß Abstiegskampf. Branchenüblich wurde der Trainer, also Wettberg gefeuert (trotz Königs-Status), aber auch mit dem Nachfolger Edi Stöhr (ich musste nachschauen) stiegen die Löwen ab. Wettberg kritisierte während und nach seiner Zeit die Vereinsspitze, erhielt von der damaligen Präsidentin Lilo Knecht sogar Platzverbot fürs Vereinsgelände. Angeblich wurde dieses offiziell nie aufgehoben, sogar als er Vizepräsident des Clubs wurde und dort ein- und ausging.

Jetzt ist Karsten Wettberg im Alter von 84 Jahren gestorben und im Löwen-Himmel. Auf einer Wolke wird er sich mit seinem Nach-Nachfolger Werner Lorant unterhalten, der vor einem Jahr von uns gegangen ist. Jener Lorant, der 1992 die Löwen als Cheftrainer übernahm, den gewissen Bernhard Winkler nach München lotste und den Club 2000 fast bis in die Champions League führte samt Derbysiegen gegen die Bayern. Lorants Erfolge mögen größer und strahlender als die von Wettberg gewesen sein, aber dieser hat wie kaum ein anderer in jetzt mehr als 50 Jahren Fan-Dasein mein Löwen-Herz erobert. Möge er in Frieden ruhen. Danke, Karsten Wettberg!

Das wird die Woche, die wird

Es ist die Osterwoche und damit wieder ein stader Freitag mit nur ganz wenig Sport. Wie überhaupt der Sportfan zumindest etwas Zeit zum Luftholen hat, bevor Mitte April zB die Play-offs in der NBA und NHL starten.

 

6 Endspiele um die WM-Teilnahme

 

12 Länder dürfen noch auf ein Amerika-Ticket hoffen, am Dienstag werden vier Teams aus Europa und zwei weitere aus der übrigen Welt glücklich sein. Der Modus ist klar: Ein Spiel, eine Entscheidung, notfalls im Elfmeterschießen. Während es in Europa vier Partien mit Heimrecht gibt, gibt es in Mexiko 2 interkontinentale Ausscheidungsspiele.
Die FIFA hat für Europa alle 4 Endspielke für Dienstag, 20:45 terminiert. Das Heimrecht unterliegt einem für mich nicht nicht zu durchschauenden Mix aus Weltrangliste, bisherige Qualfikation und Losglück. Ich sehe in keiner Partie einen klaren Favoriten, alles kann passieren, alles hätte gute und schlechte Seiten.

Bosnien-Herzegowina – Italien

Spötter sagen ja, dass es für die Azzurri die eleganteste Möglichkeit wäre, sich diesem entsetzlichen Turnier in der kreigstreibenden Fascho-USA zu entsagen. Eine Niederlage in Zenica, und man ist diese Sorge los. Aber natürlich wollen die Fußballer dabei sein, die Aufgabe bei den Bosniern mit Alt-Torjäger Edin Dzeko ist heikel genug, denn in Zenica ist das Gewinnen schwer.
Für Italien wäre ein erneutes Scheitern fatal, denn schon 2018 und 2022 war der viermalige Weltmeister nicht dabei.

Kosovo – Türkei

Die Kosovaren waren noch nie bei einer WM-Endrunde dabei. Schon ihr Sieg im ersten Play-off-Spiel in Bratislava war eine Riesen-Überraschung, denn die Slowaken hatten im Oktober dort immerhin die Deutschen klar beherrscht und mit 2:0 bezwungen. Jetzt scheint alles möglich, die Hoffnungen der Türken rhen vor allem auf Real-Star Güler.

Schweden – Polen

Nur über den Umweg Nations League sind die Schweden überhaupt in den Play-offs, wo sie mit einem überzeugenden 3:0 gegen die Ukraine die erste Hürde übersprangen. Polen mühte sich zu einem 2:1 gegen Albanien, einmal mehr hieß der Retter Robert Lewandowski.

Tschechien – Dänemark

Erst im Elferschießen setzten sich die Tschechen gegen Irland in der 1. Runde durch. Dänemark erscheint sehr viel stärker und kompakter. Wenn überhaupt, hilft den Tschechen der Hemvorteil in Prag.

 

Ab 23:00 werden in Mexiko die zwei letzten Tickets verteilt. Zunächst spielen Jamaika gegen DR Kongo, ab 05:00 trifft der Irak auf Bolivien. Sollte der Irak verlieren: Es gäbe noch die Chance, für den Iran nachzurücken, für den aus naheliegenden Gründen eine WM-Teilnahme in den USA nicht in Frage kommt.

 

Tests in Freundschaft

 

Die meisten Teams nutzen die Pause, um in Freundschaftsspielen ihre Formation zu finden resepektive die Form zu überprüfen. Schon am heutigen Montag empfängt das deutsche Team in Stuttgart Ghana. Die Afrikaner bezogen am Freitag eine herbe 1:5-Klatsche gegen Österreich.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat bereits angekündigt, dass der Stuttgarter Alexander Nübel das Tor hütet. Hüchstwahrscheinlich wird auch der Vereinskollege Denis Undav im Sturm eine Chance erhalten, und wie es aussieht, bekommt das große Münchner Talent Lennart Karl einen Startelf-Einsatz.
Aus deutscher Sicht interessant könnte die Partie Holland gegen Ecuador werden (Di., 20:45). Die Südamerikaner sind einer der drei Gruppengegner in Nordamerika.

 

Pogacar auf Monumentenjagd

 

Die Flandern-Rundfahrt ist vielleicht das wichtigste Rennen in der Radsportnation Belgien (oder doch Lüttich-Bastogne-Lüttich). 278,5 Kilometer von Antwerpen bis Oudenagemit giftigen Anstiegen und kniffligen KpfsteinpflasterPassagen warten auf die Fahrer. Die gesamte Klassiker-Elite ist beim 2. Monument des jahres dabei, von San-Remo-Tadej Pogacar über Matthew van der Poel bis Wout van Aert. Oder schlägt die Stunde eines Sprinters, der irgendwie über die Steigungen gekommen ist?
Tag zuvor sind die Frauen am Start, allerdings ist ihre Strecke nur knapp 170 Kilometer lang.

 

Wer fordert Weltmeister Gukesh

 

Acht Weltklasse-Schachspieler haben sich fürs Kandidatenturnier auf Zypern qualfiziert. Im sogenannten Kandidatenturnier ermitteln sie bis zum 16. April den Profi, der Wletmeister Gunesh aus Indien fordern darf. Jeder spielt gegen jeden, jeweils einmal mit den weißen Steinen, einmal mit Schwarz. Für den Sieg gibt es einen vollen Punkt, für ein Remis einen halben für jeden. Wer am Ende die meisten Zähler hat, darf gegen Gunesh antreten.
Erstmals seit 35 (!) Jahren (Robert Hübner) ist wieder ein deutscher Schachprofi dabei. Allerdings nicht der recht bekannte Vincent Keymer, sondern Überraschungsmann Matthias Blübaum. Er hat allerdings bestenfalls Außenseitenchancen; sein ELO-Wert (mit diesem wird die Spielstärke gemessen) ist der niedrigste der acht verbliebenen Spieler.
Als Favorit gilt Fabiano Caruano aus den USA, der 2018 schon einmal ein WM-Finale bestritt, damals aber gegen Magnus Carlssen den Kürzeren zog. Apropos Carlsen. Der bleibt bei seinem WM-Boykott und der Veranstaltung aus Protest gegen den Weltverband und dessen Führung fern. Wer nicht will, der hat schon, es tut dem Wert der Veranmstaltung keinerlei Abbruch.

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Keine Karfreitagspartie am siebtletzten Spieltag. Nominelles Topspiel ist die Partie VfB Stuttgart – Borussia Dortmund (Sa., 18:30). Die Dortmunder sind schon sicher in der nächsten Champions-League-Saison dabei, der VfB benötigt dafür noch reichlich Punkte.
    Im Mittelpunkt steht der Abstiegskampf und die Frage, wer Heidenheim in de 2. Liga begleitet. Schlehct sieht es für den VfL Wolfsburg aus, bei Bayer Leverkusen müssen dringend Punkte her.
  • FA-Cup: Das Viertelfinale steht an unter anderem mit dem Top-Schlager Manchester City gegen FC Liverpool (Sa., 13:45). Der FC Arsenal ist beim FC Southampton klarer Favorit (Sa., 21:00) wie Chelsea gegen Vale (Sa., 18:15). Die Partie der beiden abstiegsgefähredeten Premier-League-Clubs West Ham und Leeds United (So., 17:30) beschließt die Runde der besgten Acht.
  • Spanien: Atlético Madrid empfängt den Tabellenführer FC Barcelona. Quasi als Generalprobe für die Champions League, wo am folgenden Dienstag  ebenfalls im Metropolitano die beiden Teams aufeinandertreffen. Real Madrid  spielt auf Mallorca und hofft natürlich auf Schützenhilfe des eigentlich ungeliebten Lokalrivalen.
  • Eishockey: Am Dienstag stehen die jeweils 4. Partgien der 1. Play-off-Runde an. Dabei können die Kölner haie (gegen Schwenningen) und Adler Mannheim (Bremerhaven) schon den Einzug ins Halbfinale perfekt machen. RB München ist in Ingolstadt gefordert, die Esbären Berlin empfangen die Straubing Tigers.
  • Handball: Zwischenrunde in der Champions League der Männer, wo vier Viertelfinalisten ermittelt werden. Die deutschen Vertreter SC Magdeburg und Füchse Berlin haben die Runde der besten Acht bereits direkt erreicht.
  • Basketball: Die Vorrunde der Euroleague geht in die entscheidende Phase. Der FC Bayern hat nicht einmal mehr theretische Chancen auf einen Play-In-Platz. Dennoch könnte die Heimpartie gegen Fenerbahce Istanbuls spannend werden, denn die Türken spielen als Tabellenführer noch um den Heimvorteil in den Play-offs.

 

 

 

 

 

 

Shiffrin rettet den Weltcup nach Hause

Zugegeben, das klingt dramatischer, als es letztlich war. Aber ein friedlicher Kehraus war das Saisonfinale der alpinen Skifahrerinnen in Hafjell auch nicht. Zumindest zur Halbzeit des letzten Rennens war es weit mehr als blanke Theorie, dass Emma Aicher der US-Amerikanerin die Kugel noch entreißen könnte.
Die Ausgangsposition war klar: Um den Gesamtweltcup zu gewinnen, musste Emma Aicher den Riesenslalom gewinnen, und Shiffrin durfte keine Punkte einfahren, also nicht unter die besten 15 kommen. Zur Pause war Aicher Dritte, durchaus in Schlagdistanz zur sensationell Führenden Valerie Grenier (die letztlich das Rennen gewann, eine wunderschöne Geschichte für sich). Shiffrin lag nach einer verpatzten Fahrt nur auf Rang 17.

Der Rest ist dann doch recht schnell erzählt, Shiffrin riss sich im 2. Lauf halbwegs zusammen, machte die nötigen Plätze gut. Ihr Triumph stand schon fest, als Aicher als Drittletzte aus dem Starthäuschen fuhr. Mit einem typischen Aicher-Fehler vergab die Deutsche dann alle Siegchancen, fiel sogar noch hinter Shiffrin auf Rang 12 zurück. Um 2 Hundertstelsekunden, und das wiederum war passend zur Saison. Wie oft scheiterte die 22-Jährige um Zeit-Winzigkeiten: Fünf Hundertstel fehlten bei Olympia zu Abfahrtsgold, vier Hundertstel fehlten zu Teamkombi-Gold, eine Hundertstel fehlte zu einem Sieg in Val di Fassa etc. etc. Es war, als wolle sich das Schicksal einen Scherz mit der Deutschen erlauben.

Für die blieb Platz 2 im Gesamtweltcup, gleichzeitig allerdings auch die verfestigte Erkenntnis: Wenn Emma Aicher in ihrer Entwickung auch nur ansatzweise so weitermacht wie in diesem Winter und sie zudem von Verletzungen verschont bleibt, dann ist der Triumph im Gesamtweltcup nur noch eine Frage der Zeit. Als einzige Alpine weit und breit kann sie in allen vier Disziplinen in die Top 5 fahren, mindestens. In dieser Saison ist ihr endlich auch im Riesenslalom der Knopf aufgegangen. Dass sie sich in diesem Winter noch mit Rang 2 begnügen musste (ein unglaublich toller Erfolg ohne Wenn und Aber), lag einzig und allein an einer im Slalom außerirdisch gut fahrenden Shiffrin, die sich in dieser Disziplin sogar selbst übertraf. 9 von 10 Rennen gewann sie, im 10. wurde sie Zweite hinter Camille Rast. Macht 980 Punkte von insgesamt 1410. Vielseitigkeit – das soll der Gesamtweltcup eigentlich belohnen – klingt irgendwie anders. Vielseitigkeit, die Shiffrin in vergangenen Wint4ern auch schon gezeigt hat, aber nach einem schweren Sturz wagt sie sich nicht mehr an die ganz schnellen Fahrten – wozu auch?

 

Kristallkugeln an McGrath und Braathen

 

Die finalen Technik-Wettbewerbe in Hafjell brauchten auch die letzten Entscheidungen um die Disziuplin-Wertungen. Im Riesenslalom entthonte Olympiasieger Lucas Braathen den Domnator der vergangenen Jahre, Marco Odermatt, der mit einem frühen Ausfall alle Chancen verlor. Die nächste Enttäuschung für den Schweizer, der in Bormio ohne Olympiasieg geblieben war. Bevor wir in Tränen des Mitleids ausbrechen: Odermatt bleibt der überlegene Triumph im Gesamtweltcup, im Abfahrtsweltcup und im Super-G-Weltcup.
Im Slalom hatte Braathens bester Freund Atle Lee McGrath die Nase vorn, dem im abschließenden Lauf ein achter Rang genügte. Einen Saison-Abschluss nach Maß feierte in seiner norwegischen Heimat Timon Haugan, der sich vor Loic Meillard aus der Schweiz und dem finnischen Aufsteiger Eduard Hallberg durchsetzte. Es war ein schweres Jahr für Haugen, der wegen einer äußerst schmerzhaften Schulterverletzung zeitweise wenig bis überhaupt nicht trainieren konnte.

 

Überblick der Sieger

 

Damit ist die internationale Saison beendet. Was auffällt. Nur 2 Olympiasieger, Mikaela Shiffrin im Slalom und Lucas Braathen im Riesenslalom, konnten sich auch die kleine Kristallkugel im Disziplinen-Weltcup sichern.

 

 Olympiasieg                                     Weltcupsieg

Männer

Gesamt:                      –                                                      Odermatt
Abfahrt                    van Allmen                                          Odermatt
Super-G                  van Allmen                                          Odermatt
Riesenslalom          Braathen                                              Braathen
Slalom                    Meillard                                                McGrath

Frauen

Gesamt                –                                                               Shiffrin
Abfahrt                  Johnson                                                 Pirovano
Super-G                Brignone                                                Goggia
Riesenslalom        Brignone                                                Scheib
Slalom                  Shiffrin                                                    Shiffrin
 

 

 

 

Das war die Woche, die war

Pogacars Husarenstück trotz Sturz

 

Der Monumenten-Klassiker Mailand-San Remo gehörte zu den ganz wenigen wichtigen Radrennen, die Tadej Pogacar noch nicht gewonnen hatte. Auch am Samstag sah es nicht gut aus für den Slowenen, denn nur 30 Kilometer vor dem Ziel kam er zu Sturz. Doch er bestätigte seine Ausnahmeklasse, holte den Rückstand fast spielend auf und bezwang mit zerrissenem Trikot und beschädigtem Rad gemeinsam mit dem Briten Thomas Pidcock den Anstieg um Poggio als Erster. Nach der rasenden Abfahrt hinunter nach San Remo erwies er sich im Schlussspurt als der Stärkere. Wie sehr ihm der Triumph bei der „Primavera“ am Herzen lag, zeigte sein ausgelassener Jubel, andere Siege nimmt er mittlerweile ja fast gleichgültig zur Kenntnis.

Von den ganz großen Rennen, egal ob Rundfahrt oder Eingtagesklassiker, fehlt Pogacar jetzt nur noch Paris-Roubaix in der Siegessammlung. Jenes Monument in der Hölle des Nordens mit den unberechenbaren Kopfsteinpflaster. Wer den wild entschlossenen Slowenen bei seiner Aufholjagd nach dem Sturz und dem unwiderstehlichen Anstieg zum Poggio gesehen hat, zweifelt nicht daran, dass Tadej Pogacar auch dieses Rennen für sich entscheiden wird, vielleicht schon am 13. April.

 

Englands Armada – ziemlich gebeutet

 

Gleich mit sechs Teams waren ins Achtelfinale der Fußball-Champions-League gestürmt, nur zwei haben diese Runde überstanden, der FC Liverpool gegen Galatasaray und der FC Arsenal gegen Bayer Leverkusen. Der Rest erlitt Schiffbruch. Vor allem die Auswärtsschwäche in Spanien war eklatant. Ob Manchester City bei Real Madrid (0:3), Tottenham bei Atlético (2:5) oder Newcastle bei Barca (2:7), es hagelte regelrecht Gegentore, was auch die Heimspiele nicht kompensieren konnten. Die Schadenfreude der Konkurrenz kam dann noch hinzu, die schon einen Durchmarsch der Premier League befürchtete angesichts der finanziellen Dominanz.

Sehr souverän löste der FC Bayern die Aufgabe Atalanta Bergamo. Dem 6:1 im HInspiel ließen die Münchner in der heimischen Arena ein 4:1 folgen. In der Form sehe ich den Deutschen Meister als (Mit)Favorit auf den Henkelpott, allerdings wartet jetzt die schwere Aufgabe Real Madrid, wo gerade im Santiago Bernabeu schon so manches Fußball-Wunder (oder überhaupt wunderliches Geschehen?) geschah, wie auch die Bayern leidvoll bestätigen können.
Außerdem habe ich ganz groß den Titelverteidiger auf dem Zettel: Paris St. Germain nahm die Hürde FC Chelsea sehr souverän. In einer Wiederholung des Club-WM-Finals setzten sich die Franzosen mit einem Gesamtscore von 8:2 durch. Offenbar pflegt PSG die Erfolgstaktik von 2025: sich bis zum Frühjahr irgendwie durchschlagen und dann fast unwiderstehlich auftrumpfen.

 

Kehl muss gehen

 

Borussia Dortmund wird den Vertrag mit ihrem langjährigen Spieler und jetzigen Sportdirektor nicht verlängern. Nachfolger wird Nils Ole Book, der aus dem völlig unbedeutenden Viertligisten SV Elversberg einen seriösen Aufstiegskandidaten zur Bundesliga formte (nicht allein, versteht sich!). Damit kappte der BVB seinen fast ehernen Grundsatz, nur altgediente Profis in die Teamführung zu integrieren. Frische Luft von außen soll den club-internen Mief und Muff vertreiben. Kehl wurde als Schuldiger einer insgesamt verfehlten Transfer-Politik ausgemacht. So fehlt zurzeit derzeit der Spieler im Kader, den man zu exorbitante Summen verkaufen könnte wie früher Dembélé, Bellingham, Haaland und Aubameyang. Angesichts der vielen Verantwortlichen, die bei den Dortmunder bei Transfers so mitmischen (neben Kehl: Ricken, Sammer, der geschasste Mislintat, vielleicht auch noch Vereins-Chef Watzke), vermag ich nicht zu urteilen, ob gerade Sebastian Kehl der Hauptschuldige ist. Zumal die Saison als ungefährdeter Bundesligazweiter auch nicht als Komplett-Desaster gelten kann.

 

Und sonst?

 

  • Bundesliga: Für den VfL Wolfsburg wird es im Abstiegskampf enger und enger. Die Niedersachsen verloren zu Hause das direkte Duell gegen Werder Bremen mit 0:1 – nach einer wenig mutmachenden Vorstellung. Der Rückjstand auf den Relegations-Platz 16 (St. Pauli) beträgt schon 3 Punkte und 13 Tore in der Differenz, Rang 15 (1. FC Köln) ist schon fünf Zähler entfernt.
    Apropos Köln: Die Rheinländer entschlossen sich vor der Pause wegen Länderspielen zum handelsüblichen Schritt in der Ergebniskrise und feuerten Trainer Lukas Kwasniok. Der trotz Tragens des Kölschen Spielertrikots offebar nie beim sehr eigenen FC angekommen schien. Nachfolger wird zumindest vorläufig der bisherige Assistent René Wagner, bisher noch ohne jede Erfahrung als Chefcoach. Mich würde also nicht wundern, wenn der FC bei einem Feuerwehrmann wie Friedhelm Funkel anfragt …
  • 3. Liga: Ein zartes Aufstiegsfünkchen flackerte bei mir als Löwen-Fan, es wurde durch eine Niederlage des TSV 1860 beim MSV in der Nachspielzeit jäh ausgetreten. Während der VfL Osnabrück als klar Erster schon die Aufstiegsfeier planen kann, gibt es dahinter zwischen 5 fast gleichaufen Teams ein wüstes Gerangel um den zweiten direkten Aufstiegsplatz und den Relegationsrang 3.
  • Wintersport: Auch beim Saisonfinale am Holmenkollen gab es keinen deutschen Sieg. Philipp Nawrath musste sich im Massenstart nur um 3,7 Sekunden dem Norweger Johan Botn beugen. Erstmals überhaupt blieb die Mannschaft komplett ohne Rang 1 bei einem Rennen. Norweger, Franzosen und Schwede sind bei Männern und Frauen in Quanitität, aber auch Qualität klar enteilt. Daran ändern auch vereizelte Siege einer Lisa Vitozzi (so am Sonntag im Massenstart nichts.
    2 prägende Österreicher bestritten am Holmenkollen ihre letzten Rennen. Lisa-Maria Hauser und Simon Eder, mit 43 Jahren eh schon in einem gesegneten Sportleralter. Hausers Rücktritt kam doch etwas überraschend, immerhin konnte sie in diesem Jahr noch einen Verfolger gewinnen. Aber sie sah nach dem eher enttäuschenden Olympia keine echte Motivation mehr.Während bei den Frauen junge Österreicherinnen wie Anna Gandler und Anna Andexer bereitstehen, schaut es bei den Männern für Austria zappenduster aus.