Dsa wird die Woche, die wird

Entscheidungen in Paris

 

Die Viertelfinali stehen ab Dienstag an. Bei den Frauen haben sich acht Ost-Europäerinnen durchgesetzt, das hat es in einem Grand-Slam-Viertelfinale noch nie gegeben: 3 aus Russland, 2 aus der Ukraine (Svitolina und Kostyuk treffen heute aufeinander), dazu je eine Rumänin, Weißrussin und Polin (nicht Swiatek, sondern Chwalinska). Abwechslung sieht anders aus, und wenn dann die beiden von mir bevorzugten Ukrainerinerinnen (aus Gründen!) sich gegenseitig eliminieren müssen, leidet das Turnier zumindest aus meiner Sicht umso mehr.

Und die Männer? Tennis sucht den neuen Grand-Slam-Sieger, heißt es nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Sinner, Djokovic (und Wawrinka). Die besten Chancen werden allgemein und vor allem von den Wettern Alexander Zverev eingeräumt. Bisher hat der Hamburger überzeugt, hat auch in den vier Runden die wenigste Kraft gelassen auch dank einer ihm recht gnädigen Auslosung. Zverev trifft am heutigen Dienstag auf den spanischen Aufsteiger des Jahres, Jodar (Wortspiele mit Meister Jodar sind herzlich willkommen). Wenn man so will, der erste Härtetest.
Es ist ein absolut faszinierendes Turnier bisher mit mehreren Begegnungen, die das Zeug zum Klassiker haben. Wie gestern Nacht der packende Fünfsatz-Thriller zwischen Tiafoe und Arnaldi, der fünfeinhalb Stunden dauerte, ehe Arnaldi seinen dritten Matchball verwandelte. Er hat damit 2 Fünfstunden-Matches in Folge gewonnen, mitr ist nicht erinnerlich, dass es das im Profitennis überhaupt schon mal gegeben hat außer vielleicht im Daviscup.

Arnaldi ist damit der dritte Italiener in der Runde der besten Acht, und das, obwohl die nominell besten Landsleute Sinner, Musetti und Darderi schon ausgeschieden sind respektive gar nicht dabei waren (Musetti). Am Mittwoch bekommt Arnaldi es mit dem ehemaligen Wimbledon-Finalisten Berrettini zu tun; dessen Comeback nach schier endloser Verletzungshistorie auch so eine wunderbare Geschichte dieser French Open.

 

Formel 1 kommt nach Europa

 

So spät wie noch nie im Jahr, für gleich mit dem Klassiker: dem Grand Prix von Monaco. Die Fahrt durch die Häuseschluchten des Fürstentums ist ein Anachronismus. Es gibt keinerlei Auslaufzonen, wer von der Strecke abkommt, landet in der Leitplanke. Überholen ist nach wie vor praktisch unmöglich, wenn der Vordermann keinen Fehler macht. Trotz allem ein Faszinosum, auf die niemand ernsthaft verzichten will. Wie jedes Jahr zitiere ich den dreimaligen Weltmeister Nelson Piquet aus den 80er-Jahren. Hubschrau erfliegen im Wohnzimmer, hat der Brasilianer das Spektakel genannt.
Als klar WM-Führender geht Kimi Antonelli ins Rennen. Desen Mercedes ist immer noch das überlegene Fahrzeug im Feld, auch wenn insbesondere die McLarens um Titelverteidiger Lando Norris aufgeholt haben. Der 19-jährige Italiener hat derzeit seinen erfahreneren Teamkollegen George Russell im Griff, die beiden leifern sich derart beherzte Zweikämpfe, dass die Teamleitung bestimmt graue Haare bekommt. Noch allerdings greift sie zumindest offiziell nicht lenkend ein, sondern lässt die beiden machen. Bis es knallt?

 

Und sonst?

 

  • Letzte WM-Tests. Am Dienstag macht sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf zur WM nach Nordamerika. Im abgeschiedenen, abe lxuriösen Wionston-Salem wird sie ihr Lager aufschlagen, am Samstag (20:30 MESZ) kommt es zum letzten Test gegen Co-Gastgeber USA. Dann wird sogar Manuel Neuer im Tor stehen.
    Alle WM-Teilnehmer haben noch Generalproben zu bestehen. Möge sich jeder „sein“ Team herauspicken.
  • Basketball: Die beiden BBL-Halbfinals haben am Donnerstag (und Sonntag) ihre jeweils dritten (und wenn nötig vierten) Spiele. Der FC Bayern und Alba Berlin führen gegen Bonn und Bamberg jeweils mit 2:0.
  • Leichtathletik: Doppelte Diamond League: Ein Teil der Welteilite trifft sich am Donnerstag in Rom und am Sonntag in Stockholm.

Das war die Woche, die war

Titelverteidigung für PSG, Triumph für Finnland im Eishockey-„Feindes“-Land und ein bemerkenswerter Europarekord eines deutschen Hindernisläufers.

 

Sieg für PSG – und den Fußball

 

PSG brauchte im Champions-League-Finale gegen Arsenal in Budapest ein Elfmeterschießen, und doch war der Erfolg mehr als verdient. Der französische Meisetr nämlich wollte Fußball spielen, der englische Titelträger nur Fußball verhindern. Die Londoner liefeeten nach ihrer frühen Führung durch Kai Havertz eine veritable Abwehrschlacht, auf die jeder italienische Catenacchio-Trainer stolz gewesen wäre. Zeitspielen, wo es geht, bei jdem Einwurf, jdem Freistoß, zwei eng gestaffelte Fünferkette vorm eigenen Strafraum. Effektive Zerstörung, denn den französischen Ballkünstlern fiel wenig ein gegn dieses Bollwerk. Es brauchte schon einen Foulelfmeter nach einem eher täppischen Einsatz von Mosquera gegen Kvaratskelia; so täppisch und unbeholfen, dass der vorzügliche deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert sogar auf die in solchen Fällen obligatorische Gelbe Karte verzichtete (die Gelb-Rot und Platzverweis bedeutet hätte). Ousmane Dembélé verwandelte sicher. Danach änderte sich an der Verteiddijgungshaltung von Arsenal wenig, so dass es nach torloser und auch recht ereignisloser Verlängerung ins Elfmeterschießen ging.

Dort schoss zunächst Arsenals Eze am Tor vorbei, Nuno Mendez scheiterte and Arsenal-Schlussmann Raya. Als letzter musste das Arsenals Abwehrass Gabriel antreten – und jagte den Ball in die Wolken: Triumph für PSG, Tragödie für Arsenal. Während fast alle  Franzosen in ihre Fankurve stürmten, um zu feiern, eilte ihr Abwehrchef Marquinos zu seinem brasillianischen Landsmann, um ihn zu trösten. Wahrer Sportsgeist eines großen Sportsmannes – und das bestimmt nicht nur im Hinblick auf die gemeinsame WM in zehn Tagen mit der Selecao.

 

Erneut scheitert die Schweiz im Finale

 

Bei der Heim-WM sollte es endlich mit dem Titel klappen für die Eidgenossen. Acht zum Teil beeindruckende Siege hatten sie auf dem Weg isn Finale gefeiert vor stimmungsvollen Zuschauern in Zürich. Darunter auch in der Vorrunde gegen den Endspielkontrahenten Finnland (3:2). Es entwickelte sich eine extrem intensive Partie, sehr unterhaltsam trotz fehlender Tore. 0:0 stand es nach 60 Minuten, die Verlängerung musste entscheiden. Plötzlich aber nur noch bei 3 gegen 3 Spieler (anstatt 5 vs 5), das ist eine völlig andere Sportart mit viel weniger Körperkontakt. Nach 10 Minuten Schlagabtausch mit Bedacht (nur nicht in einen Konter laufen), schnappte sich der junge Konsta Helenius die Scheibe, zog an einem Abwehrmann vorbei und schlenzte das Spielgeraät unhaltbar in die Maschen. Grenzenloser Jubel bei den Suomis, die zuletzt 2022 den Titel geholt hatten. Große Betrübnis bei den Schweizern. Zum dritten Mal hintereinander hatten sie ein Endspiel erreicht, zum dritten Mal blieben sie ohne eigenes Tor. Das boshafte Wort der „Zweitgenossen“ macht die Runde. Despektierlich und unangebracht für ein Team, das zuvor mit sehr schönem Eishockey (aber auch mit überrtriebener Härte/Meier) beeindruckt hatte.

Dem deutschen Team blieb in der K.-o.-Runde nur die Zuschauerrolle. um Verhängnis wurde die völlig überflüssige 0:2-Niederlage gegen Lettland. Wenig Werbung für die Heim-WM im kommenden Jahr. Eine Premiere feiete dagegen Norwegen. Durch das 3:2 nach Penaltyschießen gegen Kanada holten sich die Skandinavier die erste WM-Medaille überhaupt.

 

Frederik Ruppert bleibt unter den magischen 8 Minuten

 

Ein deutscher Läufer schreibt Geschichte. Frederik Ruppert brauchte beim Diamond-League-Meeting in Rabat für die 3000 Meter Hindernis nur 7:57,80 Minuten und stellte damit einen fulminanten Europarekord auf. Als Erster von Alten Kontinent blieb er unter den magischen 8 Minuten, die über diese Strecke bisher nur Afrikaner unterboten hatten. „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn sich all diese harte Arbeit endlich auszahlt“, sagte Ruppert, der vor Jahresfrist an gleicher Stelle schon mit 8:01,49 Sekunden und damaligen nationalen Rekord auf sich aufmersam gemacht hatte.
Zum Sieg reicht es allerdings nicht. Den sicherte sich der marokkanische Olympiasieger Soufinae Bakkali, der im Endspurt ds bessere Ende für sich hatte (7:58,41/WJB).

Ruppert ist damit zurzeit der  einzige Deutsche Mann mit einem Europarekord in der Leichtathletik – und ein ganz heißes Eisen für die EM im Sommer.

 

2 Schweizer Siege im Mehrkampfmekka

 

Das Meeting in Götzis erfreut sich seit Jahrzehnten reiseiger Beliebtheit. Auch diesmal kamen zahlreiche Weltklasse-Athleten ins Mösle-Stadion nach Vorarlberg. Am Ende hatten zwei Schweizer die Nase vorn, jeweils mit nationalem Rekord und Jahresweltbestleistung. Bei den Frauen siegte Annik Kälin mit 6726 Punkten, bei den Männern lag Simon Ehammer mit 8778 Zählern knapp vor dem Deutschen Weltmeister Leo Neugebauer. Ehammer schaffte dabei im Weitsprung mit 8,51 eine neue Bestleistung während eines Zehnkampfes.

 

Und sonst?

 

  • Fußball: Die deutsche Nationalmannschaft gewann den vorletzten Test vor der WM in Nordamerika mit 4:0 gegen Finnland. Denis Undav war dabei zweimal erfolgreich, zudem trafen Florian Wirtz und Jamal Musiala. Finnland ist allerdings wahrlich keine Fußball-Großmacht, sondern im Eishockey (siehe oben). Weil die Partien gleichzeitig stattfanden (welch grandiose Planung) schauten einige Ersatzspieler per handy aufs Geschehen in Zürich. Wahrscheinlich wie ein Großteil der Suomis zu hause eher Eishockey verfolgt hatten und nicht die Fußballer.
  • Handball: Die MT Meslungen feiete den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Im Finale der European League in Hamburg setzte sich das GTeam gegen den deutschen Kontrahenten THW Kiel durch.
  • Basketball: Heimsiege zum Auftakt der BBL-Halbfinals. Der FC Bayern gewann durch ein starkes letztes Viertel mit 83:78, Alba Berlin setzte sich mit 105:86 gegen die Baskets Bamberg durch. Schon heute jeweils die zweiten partien, wieder in München und Berlin.
  • Radsport: Triumphfahrt für Vingegaard: Der Däne sicherte sich souverän den Giro d’Italia, die zweitwichtigste Rundfahrt hinter der Tour. Am Ende hatt er mehr als 5 Minuten Vorsprung auf den Ösgerreicher Felix Gall, der für das beste Ergebnis seines Landes bei einer der drei großen Rundfahrten feierte. 5 Etappensiege feierte Vingegaard in den Bergen, fünfmal vor Gall. Jetzt ist die Tour de France das große Ziel des Dänen, dort allerdings wartet mit Tadej Pogacar ein Konkurrent ganz anderer Qualität, nichts für ungut, Herr Gall.

 

Ein Donnerwetter für die Thunder

Blick über den Teich, NBA

 

Oklahoma City Thunder – SAN ANTONIO SPURS 103:11 (3:4)

 

Der Titelverteidiger ist entthront. Von einem Team, das eigentlich erst in ein, zwei Jahren für das ganz große Ding bereit zu sein sollte. Doch die Spurs und deren Superstar Victor Wembanyama kümmern sich nicht um am Reißbrett entworfene Karriere-Pläne. Im Hexenkessel von Oklahoma City behielten sie im 7. und entscheidenen Spiel dieser aufsehenerregenden Serie stets die Nerven und schafften am Ende einen fast souveränen Auswärtssieg.

Wie so oft in dieser Serie hatten die Texaner den besseren Start, führten im 1. Viertel schon mit 14 Punkten. Doch die Thunder ließen sich auch diesmal kaum aus der Ruhe bringen und knabberten Punkt für Punkt weg. Gegen Ende des 2. Viertels gingen sie sogar selbst in Führung, aber jetzt bewahrte San Antonio die Ruhe und schafften dank einen 7:0-Laufes die knappe 56:53-Halbzeitführung.

Diese sollte auch nach dem 3. Viertel Bestand haben. Beide Teams hatten ihre Auf und Abs, keines konnte sich absetzen, keines fiel aussichtlos zurück. Brillante Aktionen wechselten sich mit stupiden Fehlern ab, ein typisches Game 7, das gleichzeitig das Beste und Schlechteste herauskehrt

Die Entscheidung fiel dann Anfang des 4. Viertels, als die Spurs 11 Zähler zwischen sich und dem Gegner legten, was trotz größter Benühungen des Titelverteidigers nicht mehr aufzuholen war. Fast schon erschreckend, wie cool das die fast durchgehend jungen Kerle der Gäste herunterspielten; wenn ich bedenke, dass das für fast alle im Kader das erste Spiel 7 in einer Play-of-Serie war: noch dazu auswärts, noch dazu beim Titelverteidiger und bestem Team der Saison. Das allerdings einen entscheidenden Nachteil hatte: Es musste auf seine beiden nominellen Spielmacher Jalen Williams und Ajaj Mitchell verletzungsbedingt verzichten.

 

Aktion des Spiels

 

Kormets Monsterblock: 4. Viertel, sechseinhalb Minuten sind noch zu spielen, die Spurs führen mit 97:91, also wahrlich nicht komfortabel. Thunder-Center Isaiah Hartenstein fängt einen Pass ab und strebt zum gegnerischen Korb. De Deutsche versucht einen Dunk, doch Luke Kornet ist zurückgeeilt und verhindert die sicheren Punkte. Ausgerechnet Kornet, im Kader immer „nur“ der Ersatz von Victor Wembanyama. Aber so wertvoll mit seiner Erfahrung aus seinen Zeiten bei den Boston Celtics, mit denen er 2024 den Titel holte. Jetzt der Block für die Ewigkeit.

https://www.nba.com/stats/events?CFID=&CFPARAMS=&GameEventID=622&GameID=0042500317&Season=2025-26&flag=1&title=Kornet%20BLOCK%20(1%20BLK)

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Fast sträube ich mich, für diese Partie einen Spieler der Spurs herauszupicken. Aber was der Franzose mit seinen 21 Jahren schon für eine Ausstrahlung hat und welchen Einfluss seine 2,24 Meter in der Verteidigung haben, ist bemerkenswert. Mit 22 Punkten war er auch Topscorer seines Teams, dazu 7 Rebounds.  Gute Zahlen, gewiss, aber gar nicht sooo herausragend in einer Mannschaft, in der 7 Profis zweistellig punkteten.
Kein Zweifel besteht darin, dass Victor Wembanyama völlig zu Recht zum MvP der Serie gewählt wurde

 

Stark beim Verlierer

 

Shai Gilgeous-Alexander: Fast wirkte es so, als habe sich der MvP der Saison sein Bestes  für die wichtigste Partie der Saison aufgespart. 31 Punkte hatte er in den ersten drei Vierteln gesammelt und sein Team teilweise im Alleingang im Spiel gehalten. Doch in der entscheidenen Phase hatte er wenig zuzusetzen (nur 4 Zähler im Schlussabschnitt), die sehr starke Verteidigung gegen ihn hatte zu viele Kräfte gekostet.

 

X-Faktoren

 

De’Aaron Fox: Mit Abstand sein bestes Spiel der Serie. 15 Punkte und 5 Assists hatte der 28-Jährige. Genau diese Unterstützung hatten die Spurs bei seiner Verpflichtung im vorvergangenen Winter (von „meinen“ Kings, seufz) im Auge.
Julian Champagnie: Seine Dreier trafen die Thunder ins Mark. 6 von 10 waren erfolgreich, eine außergewöhnlich hohe Quote bei dieser Quantität. Allein dass er draußen steht, macht das Spiele der Spurs so gefährlich, weil sich die Defense dann nicht allein auf die Mitte konzentrieren darf.
Dylan Harper: Es mag noch bessere und talentiertere Rookies (Neuprofis) in diesem Jahrgang geben (Cooper Flagg, Kon Knüppel), aber bestimmt keinen abgezockteren. Der trotz der so starken und aggressiven Thunder-Abwehr toll auf den Ball aufpasst (nur zwei Turnovers bei Dauerdruck gegen ihn). Die trotz seiner „nur“ 1,96 Meter in de Schlussphase zwei eminent wichtige Offensiv-Rebounds schnappt und gleich zu Punkten verwandelt. Die Spurs-Verantwortlichen wurden durchaus kritisiert (zumindest argwöhnisch betrachtet), als sie im vergangenen Juni Dylan Harper als 2. Draft-Pick aufriefen – diese Stimmen sind längst verstummt.

 

🇩🇪👓

 

Isaiah Hartensten hat vielleicht nicht die denkwürdigsten Zahlen aufgelegt (7 Punkte, 5 Rebounds). Aber mit seiner Länge und Spielübersicht ist er defensiv und offensiv kaum noch wegzudenken. Bedenklich diesmal allerdings seine Flutschfinger, als er einige Pässe von SGA durch die Hände rutschen ließ.
Ein Trost trotz der Niederlage: Er wird Posterboy des Jahres sein, wenn auch unfreiwillig (siehe Aktion der Partie)

 

Ausblick der Sieger

 

Die Spurs im NBA-Finale, trotz allen Talents und Klasse kommt das für mich überraschend. Ich sehe die Endspielserie gegen die New York Knicks relativ ausgeglichen, mit kleinen Vorteilen für die Spurs, wenn überhaupt (eine ausführliche Vorschau folgt …).

 

Und die Verlierer?

 

Klar, das Verpassen der Finalserie ist eine große Enttäuschung. Viel vorzuwerfen hat sich das Team nicht, und wer weiß, wie es mit Jaylen Williams und Ajaj Mitchell ausgesehen hätte. Wobei ebenfalls anzumerken sei, das Leistungsträger wie Chet Holmgren (4 Pünktchen) und Lou Dort (weit) unter ihren Möglchkeiten geblieben sind.
Ein Jahr dürfte die Mannschaft in ihrem Kern noch zusammenbleiben (danach wird es kaum noch zu finanzieren sein), und dank einiger Draft-Picks können sie mit hochveranlagten Talenten nachlegen.

Die große Chance des Alexander Zverev

Plötzlich steht die Tür zum ersten Grand-Slam-Titel weit offen. Plötzlich gilt Alexander Zverev als der große Favorit auf den Triumph bei den French Open, und damit würde der beste deutsche Tennisspieler seit Boris Becker und Michael Stich in dern 90er-Jahren seine überaus erfolgreiche Karriere krönen.
Denn der in diesem Jahr Unbesiegbare Jannik Sinner ist raus aus dem Turnier (und der andere vermeintlich unbezwingbare Top-Mann Carlos Alcáraz fehlt wegen einer Handverletzung). Besiegt von einem Kontrahenten, gegen den der Italiener kein Mittel hat. Das Wetter, besser: die ungewöhnliche Hitze, die Paris in der ersten Turnierwoche heimgesucht hat. Dass der rothaarige und hellhäutige Sinner mit hohen Temperaturen seine Schwierigkeiten hat, ist schon länger bekannt; spätestens seit seinem Zweitrunden-Drama in Melbourne im Januar, als ihn nur glückliche Umstände, ein gnädiger Schiedsrichter und ein plötzlich zugezogenes Dach vor einem frühen Aus bewahrten.

Am Donnerstag half ihm niemand, auch nicht die zunehmend verzweifelte Entourage auf der Tribüne. Er musste seinen Kampf allein ausfechten und er vorlor ihn auf fast tragische Weise. Mit 2:0 Sätzen und 5:1 hatte Sinner gegen den zähen Argentinier Juan Manuel Cerundolo geführt, ein winziges Game fehlte also noch zu einem eher lockeren Dreisatzsieg trotz brütender Hitze in Roland Garros mit Temperaturen weit über 30 Grad. Und dann? Der Komplett-Zusammenbruch. Sinner hielt sich nur noch mühsam auf dem Beinen, und Cerundolo kannte kein Erbarmen, holte Spiel für Spiel auf, sicherte sich den 3. Satz noch mit 7:5 und die folgenden Durchgänge jeweils mit 6:1. „Ich habe mich schon am Morgen schlecht gefühlt. Die Hitze war nicht der Grund“, behauptete Sinner, der sich nicht auf die Umstände herausreden wollte. Aber jetzt weiß jeder: Der unangreifbare Italiener hat eine riesige Schwachstelle.

Mit der Nummer 1 ist also der Top-Favorit aus dem Turnier, und da gestern auch der Rekord-Champion Novak Djokovic in einem sagenhaften Fünfsatz-Thriller (allein darüber könnte ich seitenlang schreiben) gegen den aufstrebenden Brasilianer Joao Fonseca die Segel streichen musste, scheint der Weg frei für Zverev. Kein einziger Grand-Slam-Sieger ist mehr im Rennen, so früh im Turnier hat es das seit der Open Ära (1968) noch nie bei einem Grand Slam gegeben, wie die offizielle Website der French Open schreibt. Überhaupt ist in diesem durchs Extrem-Wetter beeinflussten Turnier neben Zverev ist nur noch ein weiterer Top-10-Spieler im Rennen: der Kanadier Felix Auger-Alliasime, für Heldentaten in Paris wahrlich nicht bekannt.

Zverev selbst kam bisher sehr gut durchs Turnier, musste nur einen Satz abgeben gestern Abend gegen den Lokalmatadoren Quentin Halys und hat enorm Kräfte sparen können, auch weil er zweimal in der nicht mehr so heißen Nacht-Session spielen durfte. Geht es nach Papierform und den Wettanbietern, ist er nun der klare Favorit; die Quote ist auf 2,35 gefallen. Aber der Kopf muss mitspielen, mehr denn je gilt: Runde für Runde angehen, und die werden kompliziert genug, denn jetzt wittert quasi jeder im Feld die einmalige Grand-Slam-Chance, die durch „Sincaraz“ auf Jahre verbaut schien. Und das Wetter hat die nächste Pointe bereit. Ab morgen sinken die Temperaturen dramatisch, es wird regnerisch und kühl, und damit wird der Sport ein ganz anderer, die Bälle schwerer, die Plätze langsamer. Was Zverev wiederum gar nicht entgegenkommt, denn der Hamburger liebt die Hitze (Hamburger liebt Hitze: ein Treppenwitz für sich), die jetzt aber verschwindet. Bevor „wir“ also schon den ersten Grand-Slam-Triumph eines deutschen Mannes im Einzel feiern seit Boris Beckers Triumph in Melbourne 1996, sind noch 4 sehr komplizierte Spiele zu bewältigen, das erste am Sonntag gegen den erstaunlichen holländischen Lucky Loser Jesper de Jong.

Showdown in Oklahoma

Blick über den Teich, NBA

 

San Antonio Spurs – Oklahoma City Thunder 118:91 (3:3)

 

Die Basketball-Fans und alle, die es werden werden wollen, können sich freuen. Denn die Conference Finals zwischen den Spurs und Thunder bekommen ihr 7. und dann alles entscheidende 7. Spiel – in der Nacht zu Sonntag, wenn also in Europa viele Menschen ausschlafen können.

Möglich gemacht haben das die Texaner mit einer von vorn bis hinten ziemlich beeindruckenden Vorstellung. Früh waren sie dank des blendend aufgelegten Victor Wembanyama in Führung gegangen. Die Verteidigung funktionierte, die Dreier fielen, die begeisterte Halle tat ihr Übriges. Dagegen waren die Gäste kaum wiederzuerkennen. Sie wehrten sich zwar nach Kräften (teilweise ähnelte das angeblich so körperlose Basketballspiel eher einem Wettkampf in griechisch-römisch); vor allem unter den Körben ging es sehr hart zur Sache, für meinen Geschmack zu hart. Ein Leidtragender war diesmal Thunder-Star Shai Gilgeous-Alexander, der nicht die Freiwürfe wie sonst erhielt, obwohl die Spurs-Defense mehr als anhänglich war gerade an seinen Armen. Warum da wann was abgepfiffen wird oder eben nicht, bleibt für mich ein Brief mit 7 Siegeln.

Die Entscheidung fiel dann im 3. Viertel, in höchst erstaunlichen 7 Minuten, als den Thunder kein einziger Punkt gelang, den Spurs aber 18 (wahrlich nicht perfekt in der Offensive), mit denen sie auf 91:64 davonzogen. In diesem Zeitpunkt verzeichnete der Titelverteidiger 13 Fehlwürfe, praktisch jeder eingesetzte Spieler durfte sich versuchen und scheiterte.

Der Rest war Schaulaufen, und am Ende kamen dann Spieler zum Einsatz, die wir bis dato in den Partien praktisch noch gar nicht gesehen haben. Eine äußerst ausgedehnte „Garbage Time“.

 

Bester der Sieger

 

Victor Wembanyama: Der Franzose hatte sich so viel vorgenommen, und er lieferte. Drei der ersten 4 Dreier saßen (in Spiel 5 kein einziger der 5 Versuche), in der Abwehr extrem aufmerksam, und diesmal zog er mit dem Ball auch zum Korb. 22 Punkte sammelte er in der 1. Halbzeit, am Ende waren es 28, obwohl weil er länger als üblich geschont wurde. Dazu 10 Rebounds und 3 blockierte Würfe.

 

Stark beim Verlierer

 

Jared McCain blieb wenigstens im Rahmen seiner Möglichkeiten mit 13 Punkten und 6 Assists.

 

X-Faktoren

 

Dylan Harper: So etwas wie der Seismograph bei den Spurs. Nach eher verhaltenen Auftritten bisher in der Serie knüpfte er an seine starken Vorstellungen zuvor an. Mit 18 Punkten zweitbester Scorer der Texaner, nervenstark an der Linie (4 von 4).

Shai Gilgeous-Alexander (negativ): Trotz der 15 Punkte ein sehr durchwachsener Auftritt. Keiner der 5 Dreier fand ins Ziel, und insgesamt reichte es für den MvP nur zu 15 Punkten (natürlich auch, weil er im letzten Viertel nicht mehr zum Einsatz kam).

 

Zahlereien

 

Nur 10 von 40 Dreiern der Thunder fanden ihren Weg in den Ring. Besonders fatal die Trefferquaote bei Lou Dort (1/9), SGA (0/5) und Jaylin William (0/4).

 

🇩🇪👓

 

Isaiah Hartenstein begann recht treffsicher (6 Punkte im 1. Viertel), doch in der Verteidigung hatte er sehr viel mehr Mühe als zuletzt und hatte nicht nur gegen Wembanyama das Nachsehen Trotz seiner Länge schnappte er sich nur 5 Rebounds (im 5. Spiel waren es noch 15).

 

Ausblick

 

Alles ist drin: ein klarer Sieg hier wie dort, aber auch eine knappe Partie, in der dann auch die Nerven entscheiden. Noch immer haben die beiden Trainer Antworten gefunden, wenn etwas nicht klappte, bis dann der Kontrahent an der Seitenlinie eine Gegen-Antwort fand. Der Heimvorteil und die Erfahrung in einem 7. Spiel sprechen für die Thunder, der Enthusiasmus und die jungen, kraftstrotzenden Kerle sind Trümpfe der Spurs.
Auf die Stars wird es natürlich ankommen; gerade wenn Gilgeous-Alexander ins Rollen kommt, ist er kaum zu verteidigen. Andererseits wird Wembanyama  nicht umsonst „Außerirdischer“ genannt.

Auf die neutralen Fans wartet ein Basketball-Fest, allerdings ohne Spannungs-Garantie. Nach der ersten Partie, die über 2 Verlängerungen ging, waren alle 5 Spiele dieser Serie doch eine mehr oder weniger klare und früh entschiedene Angelegenheit.

Ein Sieger steht jetzt schon fest: Es sind die New York Knicks, die gemütlich am Fernseher zuschauen können, wie sich der Finalgegner (ab Donnerstagmorgen) physisch und auch psychisch vorausgabt.

Spiel 7: So., 02:00 Thunder – Spurs (Sky)