von Münchner Löwe | Sep. 10, 2024 | Fußball, NFL, Radsport, Tennis
Es war eine wunderbare Woche in Kressbronn am Bodensee. Und tatsächlich mal weitgehend sportfreie Tage, da fernsehlos und nur mit Laptop bewaffnet. Hat gut getan, gerade nach dem olympischen Marathon nach der Heim-EM. Ein paar Sachen sind dann doch hängengeblieben, allerdings eher nachgelesen als geschaut, schon gar nicht live.
Ich muss zu meine Schande gestehen, dass ich von den am Sonntag beendeten Paralympics nichts gesehen und auch nur wenig gelesen habe. Ich bewundere die Sportler sehr, aber ich kenne sie eben nicht und kann sie mit ihren verschiedenen und unübersichtlichen Schadensklassen kaum einordnen. Ich bin auch Olympia-müde wie so viele andere. Vielleicht würde es helfen, wenn sie vor den Olympiern ihre Spiele abhalten dürften. Dann hätten sie die Ehre, die fantastischen Sportstätten als Erste zu benutzen, und allein die Neugier darauf würde mich zum Einschalten bringen.
Das ging ja gut los für die deutschen Fußballer
Sprich, der Start in den WM-Zyklus, getarnt durch die Nations League. Und da gelang den Nagelsmännern durchaus ein gelungener Start beim 5:0 gegen Ungarn. Die Torwartfrage hat Julian Nagelsmann ja schon vorher beantwortet mit der Inthonisierung des Kronprinzen Marc-André ter Stegen. Der ist erst mal in der Vorhand, was den Platz im Kasten bei der WM betrifft. Der Abgang der etablierten Kroos, Müller, Gündogan und Neuer ist aufgefangen worden, schon heute in Amsterdam bei den Holländern wird sich zeigen, wie resistent die Mannschaft tatsächlich ist. In Glanzform befindet sich schon Jamal Musiala, der einen treffer selbst erzielte und drei vorbereitete.. Insgesamt war das ein sehr stimmiger Auftakt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Bella Italia
Die Azzurri waren vielleicht die größte Enttäuschung bei der Europameisterschaft mit dem frühen Achtelfinal-Aus. Damals fehlten allerdings auch wichtige Spieler, und was die können, haben sie gleich beim 3:1 im Pariser Prinzenpark gegen Frankreich gezeigt. Nicht einmal von einem Blitzgegentor nach nur 15 Sekunden ließen sie sich schochen, erzeielten selbst drei wunderbare Treffer und nahmen hochverdient die 3 Punkte mit. Gestern legten sie nach und siegten gegen Israel mit 2:1. Die Partie fand in Budapest statt wg des Gaza-Krieges. Frankreich rehabilitierte sich mit einem starken 2:0 gegen Belgien.
Ansonsten in der Nations League:
– Cristiano Ronaldo erzielte seinen 900. Pflichtspieltreffer
– San Marino gewann gegen Liechtenstein mit 1:0 und damit seit 10 Jahren wieder ein Länderspiel.
– Österreich erreicht in Slowenien ein 1:1 und verlor am Montag 1:2 in Norwegen. EM-Kater bei derer Rangnick-Truppe
Sabalenka und Sinner siegen in New York
Das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres ging an die Favoriten. Jannik Sinner setzte sich im Finale klar in 3 Sätzen gegen Taylor Tritz durch, der bei seinem Parforceritt ins Endspiel nichts mehr zuzusetzen hatte. Ihm bleibt der Trost, als erster Amerikaner seit Andy Roddick 2005 das Endspiel der US Open erreich zu haben. Auch Sabalenka gewann ihr Finale gegen eine Amerikanerin, nämlich Jessica Pegula. Die Weißrussin gab im gesamten Turnier nur einen Satz ab und war letztlich nie gefährdet. Wie im vergangenen Jahr siegten die beiden Gewinner des Masters in Cincinatti. Damals hatten Coco Gauff und Novak Djokovic triumphiert, die dieses Jahr früh scheiterten.
Bei Sinner habe ich leider immer noh ein sehr ungutes Gefühl, weil er aus seiner Dopingsache praktisch ungeschoren davongekommen ist, obwohl diese zum Himmel stinkt.
https://blickueberdenteich.de/tag/sinner/
Roglic in den Bergen stark
Der Slowene entriss in der letzten Vuelta-Woche mit vielen anspruchsvollen Anstiegen Ben O´Connor noch das Rote Trikot des Gesamtführenden und brachte es letztlich sicher nach Madrid. Es war bereits sein 4. Triumph bei der Spanien-Rundfahrt, der damit zum Rekordsieger avancierte. Allerdings fehlten die Topfahrer Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Renco Evenepoel. Trotzdem ein toller Erfolg des Bora-Rennstalls, bei dem sich dieses Jahr Red Bull eingeklingt hat.
Das Lederei fliegt wieder
Mit Erfolgen der beiden Super-Bowl-Teilnehmer Kansas City Chiefs (vs Baltimore Ravens) und San Francisco 49ers (vs New York Jets. Bei denen feierte Aaron Rodgers quasi mit einem Jahr Verspätung sein Debüt, nachdem er sich am 1. Spieltag der vergangenen Saison beim 4. Spielzug die Achillessehne gerissen hatte. Ein bisschen rostig wirkte er noch, er ist mit 40 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, aber die Klasse blitzte einige Male auf.
„Meine“ Cincinatti Bengals erlebten eine überraschende Heimpleite gegen New England Patriots im Neuaufbau, die seit ewigen Zeiten (1999, um genau zu sein) ihr erstes NFL-Match ohne Headcoach Bill Belichik an der Linie bestritten. Das könnte für mich und die Bengals ein trauriges Jahr werden, hoffentlich nicht ganz so furchtbar wie in den späten 90ern und 2000ern
Große Überraschungen gab es ansonsten nicht. Die Dallas Cowboys siegten klar bei den Cleveland Browns. Der Erfolg geriet fast zur Nebensache, denn zuvor hatte Quarterback Dak Prescott einen Rekordvertrag unterschrieben. Für die nächsten 4 Jahre erhält er insgesamt 240 Millionen Dollar. Mit 60 Millionen/Jahr übertrifft er alles bisher Dagewesene, ohne dass die Joe Burrows, Lamar Jacksons dieser NFL-Welt am Hungertuch nagen müssen.
Wer hier übrigens die MLB vermisst, der sei auf morgen vertröstet. Und auf das Goodie bei „Und sonst?“.
Und sonst?
- Handballer wieder im Club-Einsatz: Während Meister SC Magdeburg und Vize Füchse Berlin mit souveränen Siegen starteten, gab es für den ambitionierten THW Kiel gleich einen Dämpfer. Der Rekordmeister unterlag bei den Rhein-Neckar Löwen mit 27:32. Kein Beinbruch bei den Heimstarken Mannheimern, aber ein Traumstart sieht anders aus
- Homerun-Kunststück: Pavin Joe Smith von den Arizona Cardinals war bisher nicht als Hit-König bekannt. Am Sonntag bei den Houston Astros erwischte er einen Traum-Abend und schlug gleich drei Homeruns, die ihm insgesamt 8 RBIs einbrachten, Teamrekord eingestellt. Er hatte sogar die Chance zu einem 4. Homerun und den überaus seltenen Homerun-Circle (Solo, 2Run, Three-Run, Grand Slam), doch mit einem Mann auf Base wurde er per Strikeout ausgemacht..
- Triumph für Thierry Neuville: Der Belgier gewann die Rallye Akropolis und baute seine WM-Führung auf Odd Tänak auf 34 Punkte aus..
von Münchner Löwe | Sep. 2, 2024 | bundesliga, Formel 1, Fußball, Golf, Tennis, Wochenrückschau
Vorbemerkung: Die vergangenen 10 Tage seit Solingen bis zu den Landtagswahlen mit dem verheerend hohen AfD-Ergebnissen lässt mich gerade verzweifelt und ratlos zurück. Zeit für Erholung am Bodensee die nächsten zwei Wochen. Die Wettervorhersage ist allerdings nicht so prickelnd.
Da merke ich, wie unwichtig der Pfostenschuss hier und ein vergebene Matchball dort in Wirklichkeit sind. Und dennoch: Gerade weil der Sport relativ unbelastend ist (gibt auch hier genug reichlich diskutable und äußerst unbefriedeigende Dinge, nicht wahr, Signore Sinner), möchte ich ihn nicht gänzlich außen vor lassen.
Endlich Serienende
Bayer doch besiegbar in Deutschland. Im 36. Bundesligaspiel hat es die Leverkusener erwischt, beim höchst unterhaltsamen 2:3 zu Hause gegen RB Leipzig nach 2:0-Führung. Spieler, Fans und Verantwortliche trugen es mit Fassung, Trainer Xavi Alonso wirkte fast erleichtert, dass das Zählen endlich beendet ist. Trotzdem ärgerlich, dass der Rekord des HSV von 36 ungeschlagenen Ligaspielen nicht erreicht wurde. Insgesamt wirkt das Konstrukt noch nicht sicher. Offensiv hui, defensiv pfui; die Rädchen passen noch nicht trotz nahezu unveränderter Mannschaft.
Die Bayern landeten dagegen mit einem sicheren 2:0 den zweiten vollen Erfolg. Tabellenführer sind sie allerdings nicht, das schaffte der 1. FC Heidenheim nach dem beeindruckenden 4:0 gegen den FC Augsburg. Dazu noch der souveräne Einzug in die Conference League. Idealer Saisonstart nenne ich so etwas.
Am Tabellenende schon jetzt die allseits Vermuteten VfL Bochum, Holstein Kiel und St. Pauli mit jeweils 0 Punkten.
Wie gehabt gab es schon am 2. Bundesligaspieltag Riesenärger um den VAR. Vor allem bei Handspielen stößt die Auslegung, bei ausgestreckter Hand auf jkeden Fall zu pfeifen auf Ablehnung. Das Problem ist die viel zu hohe Strafe Elfmeter (75% Tor) gerade bei ungefährlichen Situationen. Mein Vorschlag: Der Schiri hätte Ermessen, auf kurze Ecke zu entscheiden. Oder die angreifende Mannschaft darf den Ball – ähnlich wie bei der Erhöhung im Rugby – im rechten Winkel zum „Tatort“ an eine beliebige Stelle außerhalb des Strafraums velegen und dort mit direkten Freistoß fortsetzen. Das könnte auch bei bei Fouls angewendet werden, wenn der Angreifer sich aus dem Strafraum wegbewegt wie beim Elfer von Mainz in stuttgart.
Spiele satt in Europa
Auf die Fußball-Fans wartet in den internationalen Club-Wettbewerben ein wahres Monsterprogramm. Unmöglich, alles zu sehen. In allen drei Kategorien das neue Format mit jeweils nur einer Tabelle mit 36 Teams. Von denen jeweils nur ein Drittel ganz ausscheidet nach der Vorrunde mit 8 (CL, EL) und 6 ConfL) Partien. Da das bisher noch gar nicht erprobt wurde, wird es interessant, wie und ob sich da Spannung aufbaut. Wirklich positiv ist, dass schon in der Vorrunde absolute Topteams wie Bayern und Real aufeinandertreffen. Andererseits wird es gerade für ein Topteam nahezu unmöglich werden, nicht die besten 24 und damit wenigstens die Zwischenrunde zu erreichen. Ein Trost: Langweiliger als bis jetzt mit den Vierergruppen kann es kaum werden.
Zwei Tennis-Favoriten schon raus
So früh wie noch nie seit 2006 scheiterte Novak Djokovic bereits in der 3. Runde gegen Andrej Popyrin. Nichts habe funktioniert, bekannte der Serbe. Sogar noch eine Runde früher musste der als Top-Favorit gehandelte Carlos Alcaraz die Segel streichen. Der Spanier unterlag dem Holländer Botic van de Zandschulp. Beide Überraschungssieger durften sich nur kurz ihres Erfolges erfreuen und verloren jeweils ihre nächste Partie gegen Jack Draper und Francis Tiafoe.
Schon im Viertelfinale steht Sascha Zverev, der sich trotz verlorenen ersten Satzes gegen den Lokalmatadoren Nakashima durchsetzte. In der Runde der besten Acht trifft er morgen auf Taylor Fritz, im Halbfinale würde Grigor Dmitrov oder Francis Tiafoe warten. In der anderen Turnierhälfte scheint der Weg ins Finale schon frei für Jannik Sinner, der offenbar unbelastet seines kruden Dopingfalls bisher durch seine Partien cruist.
Bei den Frauen hat sich die formschwache Titelverteidigerin Coco Gauff für mich nicht unerwartet schon im Achtelfinale verabschiedet. Hier läuft Vieles auf ein Finale zwischen Iga Swiatek und Aryna Sabalenka hinaus.
Ferrari-Sieg beim Heimspiel
Der Grand Prix in Monza ist immer etwas Besonderes für die Scuderia. Charles LerClerc gelang gestern das Meisterstück und siegte, obwohl sein Ferrari das langsamere Auto gegenüber den McLarens war. Aber seine risikoreiche Ein-Stopp-Strategie zahlte sich aus, und so siegte er vor Piastri und Norris. Der kommt in der Gesamtwertung dem WM-Führenden Max Verstappen langsam näher. Der Holländer wurde nur Sechster, und mehr war schlichtweg auch nicht drin. Der Abstand beträgt zwar noch 64 Punkte, aber es stehen immerhin noch acht Rennen aus.
Geldregen für Scottie Scheffler
Der amerikanische Golfprofi brachte beim letzten Fedex-Turnier seinen Vorsprung, den er sich in den Turnieren zuvor erarbeitet hatte, ins Ziel. Dafür kassiert er 25 Millionen Dollar. 7 Turniere hat er in diesem Jahr gewonnen, dabei ein Preisgeld von insgesamt 62,5 Millionen Dollar, so viel wie noch nie ein Golfprofi. Dazu noch die Goldmedaille in Paris.
Und sonst?
- Mbappe trifft: Erstmals für seinen neuen Club Real Madrid. Beim 2:0 gegen Real Betis erzielte der Franzose beide Treffer. Souverän de FC Barcelona beim 7:0 vs Valladolld
- Spannung bei der Vuelta: Der Australier Ben O’Connor hat vor der letzten Woche der Spanien-Rundfahrt noch 43 Sekunden Vorsprung auf den aufholenden Primoz Roglic. De Slowene gilt als besserer Kletterer, und es stehen noch einige schwere Bergetappen an. Weiter glänzend schlägt sich der junge Florian Lipowitz (23) auf dem sechsten Gesamtrang.
- Triumph für Marc Marquez: Nach 1043 Tagen Siegpause war der spanische Ausnahmefahrer wieder erfolgreich. In der MotoGP siegte der Spanier in Aragon und feierte seinen 60 GP-Erfolg.
- Bestzeit für Gina Lückenkemper: Die Sprinterin rannte beim ISTAF in Berlin die 100 Meter in 10,93 Sekunden – so schnell wie noch nie und so schnell wie noch keine deutsche Athletin nach der Wende. Mit dieser Zeit hätte sie bei Olympia locker den Endlauf erreicht.
von Münchner Löwe | Aug. 30, 2024 | Tagesrückschau, Tennis
Alcaraz schon raus
Für viele galt de Spanier als der große Favorit der US Open. Die Auslosung schien es auch gut mit ihm zu laufen. Doch der Traum vom 3. Grand-Slam-Titel hintereinander ist ausgeträumt. Der Aufschlagrise Botic van den Zandschuip eliminierte den zweifachen Wimbledon-Gewinner, der mit dem Sevice des Holländers nie zurechtkam und überdies eine Unzahl vermeidbarer Fehler fabrizierte.
Die übrigen Favoriten sind allesamt noch dabei und entledigten sich ihrer bisherigen Aufgaben mehr oder weniger souverän. Ähnliches gilt auch für die Frauen, wo Aryna Sabalenka ihren Favoritenstatus eindrucksvoll bestätigt. Als letzte Deutsdche verabschiedete sich gerade Jule Niemeier gegen Olympiasiegerin Qin Zheng.
von Münchner Löwe | Aug. 21, 2024 | Tennis
Jannik Sinner gedopt, aber nicht gesperrt und kaum bestraft. Dieser Fall schreckt den Tenniszirkus seit ein paar Tagen auf.
Anmerkung: Jannik Sinner ist derzeit mein Lieblingsspieler auf der Profi-Tour. Umso schwerer fallen mir die folgenden Zeilen, vor allem meine Bewertung.
Was ist passiert?
Die International Tennis Integrity Agendy gab am Dienstag bekannt, dass der Weltranglistenerste Jannik Sinner im März zweimal positiv auf das verbotene Mittel Costebol getestet wurde. Ein unabhängiges Gericht habe ihn jetzt freigesprochen, da kein Vorsatz und nicht einmal Fahrlässigkeit vorliege. Folkgende Begründung hat der Italiener vorgebracht, die letztlich als glaubwürdig eingestuft wurde. Sein Masseur habe ihn mit dem verbotenem Mittel kontaminiert. Der Masseur habe in Italien frei erhältliche Spray verwendet, um eine eigene Wunde, zu behandeln, die er sich zugezogen hat. Über dessen Hände sei das Mittel in Sinners Körper gelangt. Deshalb entsprach die ITIA den Einsprüchen von Sinner gegen eine vorläufige Sperre.
Der erste positive Befund stammt vom 10. März während des Turniers von Indian Wells, die zweite bei einer Trainingskontrolle 8 Tage später, ebenfalls noch in den USA, da das Turnier in Miami bevorstand. Während dieser Zeit habe besagter Masseur Sinner täglich behandelt. Jetzt habe eine unabhängige Schiedsstelle nach Anhörung de Beteiligten entschieden, dass kein Veschulden vorliegt. Dennoch werden Sinner den Statuten gemäß das Indian-Wells-Preisgeld (300.000 Dollar) und die ATP-Punkte (400) aberkannt.
Ein paar Gedanken dazu
Ja, das kann so gewesen sein. Ist zwar sehr, sehr unwahrscheinlich, aber spätestens seit Douglas Adams‘ Reise durch die Galaxis wissen wir, dass auch extrem Unwahrscheinliches passieren kann. Wie auch die Ausrede des überführten Sprinters Dennis Mitchell (zu viel Sex), de chinesischen SchwimmerInnen (kontaminierte Küche) oder die berühmteste Zahnpasta der Welt (Dieter Baumann). Aber selbst wenn sich alles so zugetragen haben sollte, bleiben ein übler Nachgeschmack und einige offene Fragen. Und ein paar böse Gedanken habe ich leider auch
1. Warum erfährt die Öffentlichkeit jetzt erst von diesem Fall? Und nicht, wie sonst bei Dopingfällen mittlerweile üblich, sofort nach Bekanntwerden, also im März. Der Tennisveband selbst hatte sicher kein Interesse, dass der damals absolut heißeste Spieler der Tour in schlechtes Licht gerückt worden wäre. Außerdem gilt natürlich auch im Fall Sinner die Unschuldsvermutung.
2. Aus dem, was zumindest ich gelesen habe, wird nicht klar, wann man Sinner über die positiven Tests informiert hat. Besser gefragt: Wusste der Südtiroler zum Zeitpunkt der zweiten Probe von der positiven ersten Probe oder zumindest von einem Verdacht? Normalerweise brauchen die Tests nicht so lange.
3. Nehmen wir zu Sinners Gunsten an, er und sein Umfeld haben nichts gewusst. Wie lange hält sich das Mittel im Körper? Und können Hände so lange kontaminiert sein, obwohl gerade ein Masseur sie regelmäßig desinfiziert. Oder hat der seine Salbe wieder und wieder aufgetragen und das, obwohl zumindest er auf jeden Fall wissen musste, was für ein Zeug er da zu sich nimmt? Da passt meiner Meinung nach einiges überhaupt nicht zusammen.
Update: Sinner erfuhr am 10. April, also erst nach der 2. Probe, von der positiven ersten Probe. Und sein Masseur hat die Salbe seinen Darstellungen nach wiederholt auf seine verletzte Hand aufgetragen. Allerdings ist auf dieser ein Warnhinweis, dass es für Leistungssportler verbotene Substanzen erhält.
4. Und damit zu meinen sehr unschönen Gedanken: Sinner war ein Riesentalent und vieles mehr. Aber seit Herbst 2023 hat er einen unglaublichen Leistungssprung gemacht. Turniersieg in Wien, Triumph bei ATP-Final im November. Im Januar Sieg bei den Australian Open und weitere Turnier-Erfolge. Bis Indian Wells war er im Jahr 2024 unbesiegt. Vor allem sein Aufschlag hat sich klar vebessert, ist schneller geworden.
Der Tennissport ist anders als mittlerweile der Radsport für seine Intransparenz bekannt. Ob und in welchem unangekündigte Kontrollen wirklich stattfinden, wissen wir nicht. Die Profis selbst sind bei diesem Thema extrem schmallippig. Und dass beim Tennis Doping hilft, ist hoffentlich unstrittig. Ein Ballgenie wird man dadurch nicht plötzlich. Aber auf Kraft kommt es an und vor allem auf totale Fitness und dabei gerade gute Regeneration. Und genau dafür reichen offenbar auch geringe Mengen von Colestol, die auf die Haut aufgetragen werden.
Andere Verdachtsfälle im Tennis gibt es genug. Ich denke etwa an gerade Thomas Muster 1995 beim Turnier in Monte Carlo. Mit Hängen und Würgen gewann er damals ein Halbfinale gegen Andrea Gaudenzi und sah dabei am Ende wie ein wandelnder Leichnam aus. Nicht mal 24 Stunden rannte er Muster-typisch quickebendig über den Platz und siegte gegen Boris Becker. Dessen Umfeld sprach unverhohlen von Doping, dem wurde nicht nachgegangen. Unvergessen auch der Spruch der Williams-Schwestern, sie dächten nicht daran, morgens bei unangekündigten Kontrollen in einen Becher zu pinkeln.
Oder denken wir aktuell an Novak Djokovic. In Paris sagt er sein Viertelfinale ab, lässt sich am Knie operieren, und nur gut drei Wochen später spielt er in Wimbledon, erreicht das Finale und ist danach bei Olympia so gut wie lange nicht mehr. Überschwänglich dankte er seinen Ärzten. Wirklich nur deren legale Kunst? Und über Rafael Nadal und seine Fitspritzerei mit schwersten Schmerzmitteln will ich erst gar nicht anfangen.
Gerade die besten Tennisspieler können sich die besten und teuersten Ärzte leisten, sie beschäftigen einen ganzen Stab der besten Spezialisten. Die loten im Zweifel die Grenzen legaler/illegaler Behandlung akribisch – und gerade das macht mich im Fall Sinner so stutzig.
5. Letztlich noch die Strafzumessung: Die ist ein Witz. Wenn das nächste Umfeld mindestens grob fahrlässig against the rules handelt, muss sich das der Sportler zurechnen lassen. In genug Fällen wurde auch so entschieden. Glashaus Tennis: Bisher haben nur 2 Profis, Nick Kyrgios und Denis Shapovalov Kritik geäußert.
6. Noch ein letztes, das mich stört: Wo ist der öffentliche Aufschrei der sogenannten Doping-Verfolger. Wo meckert also ARD-Mann Hajo Seppelt. Auch in der von mir so geschätzten Süddeutschen ist bisher nur eine Agenturmeldung zum Vorfall zu entdecken. Keine eigene Recherche der Kistners und Co, keine eigene Einordnung des Geschehens. Das sind aber dieselben, die die Leistungen der Radsportler per se anzweifeln auch ohne positiven Befund. Wofür sie natürlich auch gute Gründe haben.
Update: Jetzt gibt es einen eigenen Bericht der SZ von Tennis-Journalistin Barbara Klimke.
Und Hajo Seppelt hat sich auch geäußert. Braucht halt seine Zeit. https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3Nwb3J0c2NoYXUuZGUvc3BvcnRzY2hhdS1mZm1wZWctdmlkZW8tOGIzZGYxZGItZTgzMC00YjA3LWJhY2MtZGU4ZTgxYmY1YmQz
Conclusio: Der Fall Sinner (Sünder) stinkt zum Himmel. Die Wada will sich das Ganze mal anschauen. Bin echt in der Zwickmühle, ob ich für meinen Lieblingsspieler eine Sperre gutheißen will.
von Münchner Löwe | Aug. 20, 2024 | Tagesrückschau, Tennis
Triumphe für Sabalenka und Sinner
Zwei Tennis-Endspiele, zwei Favoritensiege, zwei US-Niederlagen. Das war der ereignisreiche, allerdings nicht allzu spannende Tennis-Montag in Cincinatti. Zunächst gewann die Weißrussin Aryna Sabalenka bei ihrem Comeback nach mehr als einem Monat Verletzungspause klar und deutlich gegen die reichlich chancenlose Jessica Pegula. In dieser Form gehört sie klar zu den Favoritinnen für die US Open ab kommenden Montag.
Das gleiche gilt auch für Jannik Sinner, der sich ebenfalls in zwei Sätzen mit 7:, 6:2 gegen Francis Tiafoe durchsetzte. Es war der bereits fünfte Turniererfolg des Jahres für den Italiener, der nach seiner Mandeloperation sich mehr und mehr zu seiner Top-Form von Beginn des Jahres annähert. Ganz hat er sie aber mE noch nicht erreicht.
Tiafoe hat ein ziemlich grauenhaftes Jahr hinter sich. Seine Matchbilanz vor Cinci lautete 19:18, eigentlich indiskutabel für so einen begnadeten Spieler.. Die Finalteilnahme ist sein mit Abstand bestes Abschneiden bei einem Masters oder Grand-Slam-Turnier.. Den ersten Satz hätte er durchaus auch gewinnen können, gerade sein Aufschlag war eine echte Waffe. Mal sehen, was die Auslosung bei den Open so für ihn bereitstellt; er ist so um die Nr. 20 gesetzt.
Und sonst
- Wout van Aert beflügelt: Im Roten Trikot des Führenden der Vuelta gewann er am Montag die 3. Etappe im Sprint. Heute geht es erstmals in die Berge.
- Pokal weiter ohne Überraschungen: Am MOntag gaben sich die Bundesligisten Werder Bremen (3:1 beim FC Energie), VfL Wolfsburg (1:0 bei TuS Koblenz) und Eintracht Frankfurt (4:1 bei Eintracht Braunschweig) keine Blöße. Zweitlgist 1. FC Magdeburg scheiterte alledings beim Viertligisten Kickers Offenbach. Manchmal hat der Biberer Beg noch seine Magie.
- Stanisic verletzt: Der Neuzugang des FC Bayern zog sich im Training einen Außenbandriss zu und fällt mindestens einen Monat aus. Mal sehen, ob auf dessen rechten Seite Joshua Kimmich wieder die Lücke schließen soll/darf/muss. Dann könnten Alexander Pavovic und Neuzugang Palinha das defensive Mittelfeld bilden.
Zu guter Letzt:
Erwächst Mondo Duplantis etwa nationale Konkurrenz? Ingemar Stenmark, einer der größten schwedischen Sportler überhaupt, hat sich auf das schwierige Terrain begeben. Immerhin schaffte die 68-jährige Skilegende mit dem Stab eine Höhe 3,00 Metern, es fehlen also nur noch 3,25 Meter auf den Weltrekord von Duplantis. Was für ein grandioses Bewegungstalent ist dieser Stenmark, der einst seine Balance als Seittänzer perfektionierte. Gelernt ist halt gelernt.
von Münchner Löwe | Aug. 5, 2024 | Golf, Leichtathletik, Olympia, Paris, Schwimmen, Tennis
Was für ein Sonntag. Und einer der Sportstars, sei es Novak Djokovic, Scottie Scheffler und Noah Lyles. Und die deutschen Reitersleute schwimmen weiter auf der Goldwelle.
Djoker komplettiert die Titelsammlung
Ehre wem Ehre gebührt. Ich mag Novak Djokovic nicht besonders (um es noch vorsichtig auszudrücken), aber sein Tennisspiel ist ist immer noch erstaunlich. In einem hochklassigen Finale bezwang der Serbe den Spanier Carlos Alcaraz, der ihn in Wimbledon noch besiegt hatte. Zum Teil unfassbare Ballwechsel faszinierten die Zusschauer in Roland Garros. Vielleicht wollte der Djoker das Olympiagold etwas mehr als der junge Spanier, so engagiert hat er in diesem Jahr überhaupt noch nicht gespielt. Dieser Titel fehlte dem 37-Jährigen noch in seiner ansonsten kompletten Sammlung – und es war realistisch gesehen sein letzter Versuch. Es war Titel Nummer 99, Zahlenfetischisten rechnen schon weiter: Titel auch bei den US Open Anfang September, es wäre Nummer 100 und sein 25. Grand-Slam-Erfolg, womit er den Alltime-Rekord der Margaret Court übertreffen würde. Und dann darf er gerne aufhören …
Schefflers Aufholjagd
Nahezu gleichzeitig sicherte sich der Amerikaner Scottie Scheffler, zurzeit mit Abstand bester und konstantester Golfer der Welt, mit einer sagenhaften 62er-Schlussrunde noch das Gold, das er eigenntlich schon abgeschrieben hatte. Ein absolut olympiawürdiges Finale mit Traumschlägen, aber auch furchbaren Felhleinschätzungen. So versanken Rory McIllroys Hoffnungen in einem Wasserhindernis. Jon Rahm versemmelte bei schon 4 Schlägen Vorsprung die letzten 9 Löcher inklusive Triplebogey an der 14. Der Brite Tom Fleedwood holte Silber, Hideki Matsuyama aus Japan Bronze.
5 Millimeter entscheiden
Der schnellste Mann der Welt heißt Noah Lyles. Zumindest ist der Amerikaner 100-Meter-Olympiasieger geworden. Knapper hätte der Erfolg nicht ausfallen können, denn der lag bei 9,78 Sekunden nur 5 Tausendstel vor dem Jamaikaner Kishane Thompson. Diese Tausendstel-Entscheidungen finde ich nicht so prickelnd, sie gibt es auch etwa im Schwimmen nicht., wo es dann halt 2 Goldmedaillen gibt. Es war ein in der Breite unfassbar schnelles Rennen. Der Achte kam mit 9,91 Sekunden ins Ziel. So faszinierend der Sprint ist: Das unfassbare Buhei drumherum, Glitzer, Glamour, besondere Einlaufmusik finde ich völlig übertrieben; es wird meines Erachtens den anderen Disziplinen, wo das alles nicht stattfand, nicht gerecht.
Da wäre zum Beispiel Ethan Katzberg. Fast schon ein Hänfling für seine Disziplin Hammerwerfen. Im ersten Versuch schleuderte der schnauzbärtige Kanadier das Gerät auf mehr als 84 Meter, schon die Entscheidung, denn im letzten Jahrzehn hatte nur er diese Weite erzielt. Am Ende lag er mehr als Mehr Meter vor dem Zweiten Bence Halasz aus Ungarn, deutlicher geht es kam noch.
Doch noch Weltrekorde im Schwimm-Becken
Nämlich zwei am Schlusstag durch den Amerikaner Bobby Finke über 1500 Meter und die US-Lagenstaffel der Frauen und damit insgesamt vier. Finke führte von Beginn an in einem faszinierendem Rennen gegen den bärenstarken Italiener Gregorio Paltinieri, auch lange unter der alten Rekordmarke, bevor ihm etwas die Luft ausging. Und der Staffelerfolg im letzten Wettbewerb ist für die Amis doppelt wertvoll, denn so konnten sie mit 8 Goldmedaillen noch den Medaillenspiegel im Schwimmen vor Australien für sich entscheiden, immer bei Großereignissen eine Prestige-Angelegenheit zwischen den beiden führenden Schwimm-Nationen. Und Sarah Sjöström, die unermüdliche Schwedin, sprintete zu 50-m-Gold im Freistil.
Doppelschlag von Jessica von Bredow-Werndl
Die deutsche Dressurreiterin eroberte auch Einzelgold mit ihrer großartigen Stute Dalera. Sie verwies Isabell Werth/Wendy, die ihre üppige Medaillensammlung weiter aufstockte, und Charlotte Fry/Glamourdale auf die Plätze. Die favorisierte Dänin Cathrine Laudrup-Dufour kam auf dem offenbar nicht mehr ganz frischen Freestyle nur auf Platz 5. Dressur ist und bleibt eine Frauen-Angelegenheit. Als einziger Mann kam der Brite Carl Hester/Fame unter die besten 10. Ein klarer Fall für eine eigene Wertung …
Ein Chinese zuviel
Das ist übehaupt nicht abwertend gemeint für diese fantastische Tischtennis-Nation. Es war ja schon überraschend dass es kein rein-chinesisches Finale gab. In dem aber sicherte sich Fan Zhengdong Gold gegen den Schweden Truls Moregard. Nach verlorenem ersten Satz zog Fan an und gewann letztlich sicher in fünf Sätzen.
Und sonst?
– eine Überraschungssiegerin im Straßenrennen. Die Amerikanerin Kristen Faulkner gewann im Alleingang. Sie setzte sich etwa 5 Kilometer ab und profitierte davon, dass sich die viel höher eingeschätzten Marianne Vos aus Holland und Lotte Kopecky (Belgien) gegenseitig belauerten. Keine der beiden wollte echte Nachführungsarbeit verrichten. Lieber auf Gold verzichten, als das die Kontrahentin (es lebe die niederländisch-beligsche Rivalität) gewinnt.
– Drama im Badminton: Goldfavoritin Carolina Marin aus Spanien war im Halbfinale auf dem besten Weg zum Sieg gegen die Chinesin Jing Bao He. Erster Satz gewonnen, Führung im 2. Satz. Dann brach bei einem. Ausfallschritt eine alte Knieverletzung wieder auf. Lange Behandlungspause. Mit einem Verband probierte es Marin noch mal, doch nach ein paar Ballwechseln musste sie aufgeben. In den Armen ihrer Betreuer weinte sie hemmungslos, die Chinesin tröstete und war sichtlich velegen ob des geschenkten Erfolgs, wusste nicht genau, was sie machen sollte. Ein Rollstuhl wurde herangekarrt, doch die stolze Spanierin wollte ihn nicht und verließ erhobenen Hauptes unter tosenem Applaus des Publikums den Court. Diese Bilder gingen mir unter die Haut und konnten niemanden kaltlassen.
– (Süd)Koreanischer Durchmarsch: Im Bogenschießen gab es in 5 Wettbewerben fünfmal Gold. Die Deutschen blieben bei einmal Silber im Mixed-Team leicht unter den Erwartungen. Florian Unruh erreichte zwar das Einzel-Halbfinale, hatte dort aber trotz guter Serien gegen den Amerikaner Brady Ellison und im Match um Platz 3 gegen den Koreaner Wooseok Lee keine Chance.
🇩🇪 👓
3 Erfolgreiche Ballsportler: Alle Teams haben die Vorrunde überstanden und stehen nun in der K.-o.-Runde. Dort kommt es zu deutsch-französichen Festspielen. Gleich viermal treffen die Vertretungen aufeinander: Männer und Frauen im Handball, Frauen im Basketball und Männer im Volleyball. Einerseits für jeden Athleten ein Festival der Gefühle bei unvergleichlicher Atmosphäre (zB 27.000 Zuschauer beim Handball in Lille), andererseits bliebe man bei einer Niederlage gegen die Gastgeber ohne Medaille. Mein Tipp: Die Handballer und Volleyballer schaffen es, die Handballerinnen nicht. Den Basketballerinnen gebe ich eine 50:50-Chance.
Schon im Halbfinale stehen die Hockey-Männer nach einem harterkämpften 3:2 gegen Argentinien. Dort wartet Rekordweltmeister Indien, gegen die das Team bei Olympia 2020 das Spiel um Platz 3 verlor.
Neueste Kommentare