von Münchner Löwe | Juli 28, 2024 | Olympia, Paris
Nach dem ersten lebhaften Wochenende beruhigt sich das Geschehen en wenig. Nichtsdestotrotz gibt es Schmankerln.
Montag, 29/07
Pflichtprogramm
16.00: Tischtennis, Mixed, Halbfinale und Finale. Immer spektakulär anzuschauen. Fest in asiatischer Hand. Welches Paar dann letztlich gewinnt, ist fast zweitrangig
19.00: Turnen, Männer, Mannschaftsfinale. Spektakuläres, Teil 2. Hat mit Schulturnen nichts mehr zu tun. Die Muskelshow ist allerdings nicht jedermanns Sache
20.40/21.41: Schwimmen, 200 Meter Freistil, Männer: Ich mag die 200er-Strecken im Freistil, weil hier die Sprinter und Mittelstreckler aufeinandertreffen. Lukas Märtens hat nach seinem Olympiasieg gestern über die 400 Meter den Vorlauf souverän gemeistert. Heute Abend noch das Halbfinale. Eine Schwimm-Augenweide ist der Rumäne David Popivici, mein Favorit. Arjiane Titmus könnte das Doppelgold 200/400 Meter schaffen.
Spannende Momente
09.30: Rudern, Halbfinale Männer und Frauen. Besonders die Einer und Achter sind einen Blick wert.
21.00: Rugby, Frauen, Viertelfinale: Die 7er-Variante hat mich angefixt, und die Frauen werden nicht weniger attraktiv spielen, da bin ich sicher. Die Begegnungen werden heute und morgen Nachmittag ermittelt. Mal sehen, ob auch die Fiji-Frauen so gut sind wie ihre männlichen Pedants.Schon mal für Dienstag: Halbfinale (16.00) und Finale (19.00) werden Pflichtprogramm.
14.00: Tennis,, 2. Runde, Djokovic – Nadal, so früh sind die beiden wohl noch nie aufeinandergetroffen. Nadalwegen seiner Verletzungen ungesetzt. Der beste Sandplatzspieler aller Zeiten (14-mal sieger in Paris) gegen den 24-maligen GS-Gewinner Djokovic.
14.10: Mountainbike Männer. Über Stock und Stein, bergauf und bergab. Geschicklichkeit, Mut und Steuerküsste sind gefragt.
17.10: Kanuslalom, Canadier, Männer: Der Kurs gefällt mir sehr. Er erscheint mir auch fair. Fehler vermeiden und dennoch schnell sein.
Appetizer
19.00: Windsurfen in Tahiti, Männer. Bisher von mir unentschulddbar und sträflich vernachlässigt. Die Athleten suchen die Monsterwelle. Die Bilder praktisch mitten aus dem Ozean 15 000 Kilometer entfernt sind an Grandiosität, sagt man so?, nicht zu überbieten. Gefahrenmomente dazu eingepreist, aber die Herrschaften wissen meist, was sie tun. Dazu die herrlichen Bilder aus dem Pazifik.
🇩🇪Deutsch🇦🇹österreichische 👓
13.30: b Deutschland vs Belgien. Allein dass die Deutschinnen dabei sind, ist ein Riesenerfolg, den sie sich beim Wahnsinnsturnier in Brasilien redlich verdienten. .Sie haben allerdings mit Europameister Belgien und den Top-Gold-Favoritinnen USA (dazu die starken Japanerinnen) eine sehr schwere Gruppe erwischt. Leider ist eine ihrer besten Spielerinnen, Satou Sabally, nach ihrer schweren Schulterverletzung, zwar dabei, aber erkennbar nicht hundertprozentig fit.
19.45: Hockey Frauen, Deutschland vs Holland. Nach dem eher leichten 2:0 gegen Japan heute treffen die Olympiasiegerinnen von 2004 auf den Dauerrivalen Holland, eine der Hockey-Nationen bei Frauen und Männern
von Münchner Löwe | Juli 27, 2024 | Olympia, Paris
Das Beste kam zum Schluss
Was für eine tolle Idee, die Eröffnungsfeier nicht im Stadion, sondern auf der Seine und später vor all den Sehenswürdigkeiten abzuhalten. Und die Franzosen haben es ausgekostet; die 4 Stunden waren mit Sicherheit zu viel, aber die ergreifende und fantastische letzte Stunde entschädigte mich doch für manche Längen.
Gerade der Schluss des Fackellaufs, als französische, aber auch internationale Sportlegenden das olympische Feuer einander übergaben, war berührend. Wunderbar zum Beispiel, Rafael Nadal einzugliedern. Der ist zwar Spanier, aber als 14-maliger Gewinner der French Open in Roland Garros ein halber Pariser. Als dann der 100-jährige im Rollstuhl sitzende Charles Coste, ältester noch lebender französischer Olympiasieger, die Fackel an Marie-José Perec, dreimalige Goldmedaillengewinnerin, und den zweimaligen Judo-Champion Teddy Riner übergab war er da, der magische olympische Moment. Die beiden entzündeten letztlich das Feuer – in der Dunkelheit illuminiert vom laserbeleuchteten Eiffelturm. Und die Idee, dass das Feuer nicht wie üblich in einer Schale brennt, sondern eingedenk der Montgolfier-Brüder in einem 7 Meter Durchmesser großen Ring an einem Ballon hängend zu entzünden, ist nur als brillant zu bezeichnen. Da schwebt der Ballon jetzt über dieser wunderbaren Stadt. Als dann Celine Dion in ihrem ersten großen Auftritt nach einer schweren Krankheit auf dem Eiffelturm stehend ein Lied von Edith Piaf zum allerbesten gab, da blieb bei manch hartgesottenem Reporter kein Auge trocken. So rang Eurosport-Legende Sigi Heinrich sichtlich um Fassung und um Worte, obwohl er seit 30 Jahren Eröffnungs- und Schlussfeiern kommentiert und vermeintlich alles gesehen hat. Wunderbar sein Spruch ein paar Stunden vorher: Die Seine ist sauberer als so mancher Athlet.
Aber das Spektakel war zu lang, und leider hatte der Wettergott kein Einsehen. Pünktlich zu Beginn begann es zu regnen, die Bootsfahrt mit den Athleten noch bei Tageslicht wurde dadurch doch sehr beeinträchtigt. Meine Anmerkung: So ein Einmarsch in ein Stadion hat zumindest für die Zuschauer doch mehr Grandezza als ein Blick auf fähnchenschwingende Athleten in großen und kleinen Schiffen. Aber für die Athleten war es wahrscheinlich ein unvergessliches Erlebnis, auf der Seine entlang der ganzen Sehenswürdigkeiten zu schippern. Ansonsten gab es einen Querschnitt durch die französische und Pariser Kultur mit all den Facetten und Hinweise auf die größten Persönlichkeiten des Landes.. Viel Tanz, viel Musik, nicht immer mein Geschmack, herrliche und nicht so herrliche Darbietungen. Manch Kunststück fiel dem Dauerregen zum Opfer.
Insgesamt lässt sich sagen: Ein wunderbarer Auftakt in einem wunderbaren Ambiente. Jede Eröffnungsfeier hat ihre spezial Moments, ich denke gerade an den Rocket Man von LA 1984 oder den Fallschirmsprung von James Bond mit der Queen 2012 ins Olympiastadion. Aber dieses Gesamtkunst wird unvergessen bleiben. Und die Stadt Paris hat fantastische Werbung für sich gemacht. Da muss ich hin!
von Münchner Löwe | Juli 26, 2024 | Olympia, Paris
Heute beginnen sie also offiziell, 33. Olympischen Sommerspiele, in der wunderbaren Stadt Paris. Die Arenen sind heruasgeputzt, die Stadt gesäubert, leider auch von den Clochards, die die Behörden in die Bretagne oder sonstwo verbrachten. Ansonsten wächst bei mir die Vorfreude, immer eingedenk der Tatsache, was für ein verachtenswerter Haufen die IOC-Granden mit ihrem Präsidenten Thomas Bach sind. Sie selbst denken nur ans Geldvermehren und erpressen die Ausrichterstädte zu Steuererleichterungen, ganz abgesehen davon, dass sie die Stadt zu ihrem Eigentum machen, siehe auch die Obdachlosenverbringung.
Spezielle Eröffnungsfeier
Was für ein tolles, ja einmaliges Szenario: Nicht in einem schnöden Olympiastadion, sondern auf der Seine soll die Eröffnung stattfinden. Mit Künstlern noch und nöcher, der Einmarsch der Athleten wird zur Einfahrt per Schiff auf dem nicht mehr ganz so reißenden Fluss. Klingt toll, wird sicher auch toll angesichts der grandiosen Lulisse mit Eiffelturm im Blickfeld. Und doch habe ich Bachgrimmen. Denn die Sicherheit ist in einem so großen Areal natürlich viel schwieriger zu gewährleisten als in einem abgeschlossenen Stadion, und gerade Paris ist ein Anziehungspunkt für Terroristen, siehe 2013 im Bataclan und der Anschlag auf Charlie. Bereits im Vorfeld wurde die Zuschauerzahl von 600 000 auf 300 000 reduziert. Die Stadt versucht es mit hermetischer Abriegelung, einige Orte sind für Touristen unzugänglich, und die Anwohner müssen sich langwieriger Überprüfungsprozeduren unterziehen. Die Gefahr ist trotzdem immanent, viele Sportler wollen aus Aungst um ihr Leben nicht teilnehmen. Schade für sie, die um ein unvergessliches Ereignis gebracht werden.
Das Wetter kippt noch, Regen ist nicht auszuschließen. Hoffen wir aufs beste und tolle Bilder.
Fiji wendet das Aus ab
Auch gestern gab es schon olympische Wettbewerbe, darunter die sehenswerten Viertelfinali im Männer-Rugby. Und der hohe Favorit Fiji, Olympiasieger 2016 und 2020, konnte nur mit Mühe ein Aus gegen Irland vermeiden. 7:15 lagen sie in der 2. Halbzeit schon zurück, aber sie konnten das Blatt noch wenden. Es wäre die erste Niederlage in einem Olympischen Turnier überhaupt gewesen. Jetzt trifft Fiji im Halbfinale morgen auf Australien, die andere Begegnung bestreiten Gastgeber Frankreich und Südafrika, das etwas überraschend die All Blacks aus Neuseeland eliminierte, die allerdings im 7er-Rugby nicht so dominant sind.
Böse Überraschung(en)
Die deutschen Handballerinnen haben durchaus Medaellenhoffnungen. Doch ihr Auftaktmatch gegen die als schlagbar angesehenen Südkoreanerinnen haben sie schon mal vergeigt. 22:23 hieß es am Ende, obwohl Emily Bölk und Co. schon mit 4 Toren geführt hatten. Gespielt wird übrigens in einer Sechser-Gruppe, die ersten Vier kommen ins Achtelfinale. Angesichts der weiteren Gegner Dänemark, Norwegen, Schweden und Slowenien wird das noch kompliziert.
Wer sich auf einen ZDF-Stream veließ, war am Ende verlassen. 5 Minuten vor Schluss war Ende Gelände, der Stream verabschiedete sich auf Nimmerwiedersehen. Es wird gemutmaßt, dass die vorher geplante Zeit von insgesamt 90 Minuten sich nicht so einfach verlängern ließ. Da muss die Technik schleunigst ran, denn man will doch wissen, wie so ein Sportereignis dann auch ausgegangen ist. Und wir sind noch in der Vorphase. Was ist, wenn wirklich wie geplant 9 Streams gleichzeitig laufen?
Pferdesport im Verruf
Ärger für den Springreiter Max Kühner: Pünktlich zu Olympia werden schon ältere Vorwürfe gegen den Österreicher hervorgeholt. Gegen ihn lief 2023 ein Verfahren wegen Tierquälerei, genauer wegen Barrens. Dabei wird eine Stange gegen die Beine eines Pferdes geschlagen, damit es Schmerzen empfindet und künftig höher springt. Diese Methode ist in Deutschland, wo der gebürtige Deutsche Kühner trainiert, verboten. Paul Schockmühle ist mir in diese Hinsicht in schlechtester Erinnerung. Gegen Kühner läuft ein Strafverfahren, der Reiter weist alle Vorwürfe von sich.
Der gesamte Pferdesport steht ja unter Beobachtung, spätestens wieder, seit ein schon älteres Video aufgetaucht ist, in dem zu sehen ist, wie die dreimalige britischeDressurolympiasiegerin Charlotte Dujardin ihr Pferd mit der Peitsche malträtiert. Natürlich geht so etwas gar nicht, aber eines möchte ich dazu anmerken: Das Video ist mehrere Jahre alt: Es wurde jetzt lanciert von einem Holländer. Und die Niederländer sind einer der Konkurrenten der Briten um Medaillen in der Dressur. Da ging es einem erkennbar nicht um Tierschutz, sondern um die gezielte Schwächung eines gegnerischen Teams – und das finde ich ziemlich schäbig.
Nichtsdestotrotz hat die Tierschutz-Organisation Peta das olympische Aus für alle Pferdesport-Wettbewerbe gefordert. Dazu eine Anmerkung: Ich bin überzeugt, dass die meisten Reiterinnen und Reiter im Leistungssport ihre Tiere sehr gut behandeln. Dass sie eine echte Beziehung zu ihren Pferden aufbauen, weil sie am besten wissen, dass ein Pferd ohne Vertrauen zu gar nichts zu bewegen ist. Ja, es gibt schlimme Bilder, aber die sind letztlich gar nichts im Vergleich zu den entsetzlichen Zuständen in Hühner-, Schweine- und sonstigen Farmen. Und wie ich grade so lesen durfte/musste, werden Pferde gerade von Nicht-Profis weitaus schlimmer behandelt, nicht unbedingt aus bösem Willen, sondern aus Ahnungslosigkeit.
Und sonst?
– Haben die französischen Fußballerinnen einen erfolgreichen Auftakt. Sie gewannen eine turbulente Partie gegen Kolumbien mit 3:2. Die Deutschen siegten gegen die durchaus stark gehandelten Australier klar mit 3:0. Vor allem zwei Standrd-Tore machen Mut.
– Angie Kerber hat verkündet, dass sie nach Olympia ihre Karriere beenden will. In der ersten Runde kommt es zu einem Mama-Duell. Die dreimalige Grand-Slam-Siegerin Kerber und Silbermedaillengewinnerin von 2016 trifft am Samstagabend auf die viermalige GS-Gewinnerin Naomi Osaka aus Japan. Leider gibt es prominente Absagen fürs Tennisturnier: Jannik Sinner wird wegen einer Mandelentzündung ebensowenig dabei sein wie der Däne Holger Rune und die Wimbledonsiegerin von 2022, Lena Rybakina aus Kasachstan.
von Münchner Löwe | Juli 25, 2024 | Olympia, Paris
Samstag, 27/07/24: ARD und Eurosport
Der erste echte Wettkampftag. Wie immer bei Sommerspielen teilen sich die Kernsportarten auf: Erst die Beckenschwimmer, in der 2. Woche die Leichtathleten. Hier finden praktisch alle Entscheidungen am Abend statt in einer längeren Session. Für mich alles anschaubar, aber es gibt dann immer noch den einen Wettbewerb, der heraussticht. Insgesamt stehen am Samstag 13 Entscheidungen an. Anmerkung: Wenn ich von den Olympischen Spielen 2020 schreibe: So lautet die offizielle Bezeichnung, obwohl wegen Corona die Wettbewerbe in Tokio erst 2021 über die Bühne gingen.
Pflichtprogramm
19.45: Erster Höhepunkt der Spiele ist das Finale der Männer im 7er-Rugby. Wer das bestreitet, steht heute naturgemäß noch nicht fest, Fiji hat am Mittwoch sehr überzeugt, es wüde mich wundern, wenn dieses Team nicht dabei wäre. Die Insulaner haben auch die Wettbewerbe 2016 und 2020 für sich entschieden. 7er-Rugby ist viel schneller und abwechslungsreicher als das herkömmliche 15er. Nicht dabei ist diesmal ein gesamt-britisches Team, aber nur ein solches dürfte bei Olympia starten. Lust auf mehr Rugby? Schon um 16 Uhr sind die Halbfinals angesetzt, alles im Olympiastadion St. Denis.
21.37/21.50: Die 100-Meter-Freistilstaffeln bei Frauen und Männern. Ich liebe alle Teamwettbewerbe, bei den Schwimmern elektrisiert mich regelmäßig das Duell Australien gegen USA, in das dann gerne Briten, Franzosen und Chinesen eingreifen.
Spannende Momente
21.30: Basketball der Männer, Griechenland – Kanada. Das Duell zweier Medaillenkandidaten hinter den vermeintlich unbesiegbaren USA. Es ist auch das Duell zweier Top-5-Spieler der NBA, Giannis Antetoluonpo vs Shai Gilgeous-Alexander. Die Griechen sind eine Basketball-Nation, die Kanadier gespickt mit NBA-Profis.
16.32: Zeitfahren der Männer. Zur Tour-Revanche wird es nicht kommen, denn der Sieger Tadej Pogacar hat wegen Überbeanspruchung seine Teilnahme abgesagt. Mal sehen, wie sich die hnter ihm platzierten Jonas Vingegaard (er fehlt mir bisher in der Startliste) und Remco Evenepoel schlagen, vor allem gegeneinen ausgeruhten Spezialisten wie Filippo Ganna. Es geht über 32,4 Kilometer in meist flachem Gelände in Paris.
Appetizer
17.00: Skateboard Street, Entscheidung Männer. Ich habe nicht die leiseste Idee, was dahintersteckt. Ich will mich überraschennlassenKann lustig sein oder lahm.
14.00: Beachvolleyball, Vorrunde. Vor allem das Ambiente direkt unterm Eiffelturm klingt doch sehr vielversprechend. Die Beacher waren zuletzt immer mit die stimmungsvollsten Wettbewerbe
🇩🇪 Deutsch🇦🇹österreichische 👓
14.30: Zeitfahren der Frauen. Die Österreicherin Anna Kiesenhofer sorgte 2020 für den Paukenschlag, als sie schon am 1. Tag das 1. Gold fürs Austria-Team holte. Sie ist wieder am Start, wieder als Außenseiterin.
19.00: Handball Männer, Deutschland gegen Schweden. Es treffen zwei Medaillenkandidaten aufeinander. Ich sehe keinen echten Favoriten.
20.42: 400 m Freistil, Männer. Lukas Märtens könnte schon am 1. Tag die erste deutsche Medaille holen. Felix Auböck aus Österreich ist immerhin Europameister, aber schon die Endlaufteilnahme wäre sehr viel stärkere Konkurrenz ein Erfolg.
von Münchner Löwe | Juli 24, 2024 | Olympia
Vorbemerkung:
Bei mir wird es nicht den Ansatz einer vollständigen Berichterstattung geben bei mehr als 300 Entscheidungen und tausenden Vorentscheidungen. Ich suche mir meine Perlen heraus, rein subjektiv. Das kann das 100-Meter-Finale genauso sein wie eine witzige Begbenheit bei einem Volleyball-Vorrundenspiel. Einen besonderen deutschen Fokus wird es hier nicht geben, aber natürlich werde ich ein Augenmerk mehr auf sie und als austriaphiler auch auf die Österreicher werfen. Vielleicht gibt es auch einen täglichen Gimmick. Und auf jeden Fall werde ich verfolgen, wie sich die Fernsehsender so schlagen.
Fest geplant habe ich eine tägliche Vorschau in einem gesonderten Text, was mich aus dem Wust besonders reizt. Nach meiner Vorstellung werde ich meine Tipps immer am Nachmittag vor den übermorgigen Tag schreiben (also am Mittwoch für Freitag usf) mit der Wiederholung des jeweils morgigen. Da lasse ich mich übrigens selbst überraschen. Ich möchte in Pflichtprogramm, könnte spannend werden und Appetizer sowie eine deutsch-österreichische Brille unterscheiden. Erneut ohne jeden Anspruch auf nur ansatzweise Vollständigkeit. Näheres dann morgen fürs Wochenende.
Für mich sind Fixpunkte die Basketball-Turniere und (langweilig wie ich bin) die Schwimm- und Leichtathletik-Entscheidungen. Aber warum nicht auch ein Bogenschieß-Finale oder eine Judo-Entscheidung, das mich anfixt?
Erste Entscheidung – und ich bin schon genervt
Gestern hat das NOK die beiden deutschen Fahnenträger für die Eröffnungsfeier bekannt gegeben. Es sind Judo-Weltmeisterin Anna-Maria Wagner und Dennis Schröder, der Kapitän der deutschen Basketball-Weltmeister. So einverstanden ich mit Wagner bin, so sehr nervt mich Schröder, und das möchte ich kurz erklären. Ich glaube, noch nie in der Geschichte hat ein deutscher Athlet so offensiv für sich selbst als Fahnenträger geworben – und zwar seit dem WM-Triumph 2023. Das fand ich ziemlich peinlich. Zumal er keinerlei olympische Meriten vorweisen kann, 2021 war er aus versicherungstechnischen Gründen gar nicht dabei. Außerdem ist er Mannschaftssportler, und auch wenn er zum wichtigsten Spieler der WM gewählt wurde, finde ich es problematisch, einen aus diesem Team so herauszustellen. Zumal er in der NBA zwar eine ordentliche, aber keineswegs herausragende Rolle spielt und ein wahrer Teamhopper ist. Ganz anders also als Dirk Nowitzki, der Fahnenträger 2008, damals einer der besten Basketballer auf dem Planeten. Meinem zugegeben eher traditionellem olympischen Verständnis hätte es besser getan, wenn ein Sportler diese Ehre erhalten hätte, der sonst nicht so im Vordergrund steht, etwa der Schütze Christian Reitz oder mein persönlicher Favorit Sebastian Brendel, der Kanute aus Schwedt. Wenn ich über haupt etwas Positives entdecke, ist, dass erstmals ein Schwarzer das olympische Team anführt.
Und sonst?
Einen Paukenschlag gibt es bei den Reiterinnen. Die dreimalige Dressur-Olympiasiegerin Claudine Dujardin hat ihre Teilnahme zurückgezogen und kam damit nur einer Supendierung zuvor. Es war ein Video aufgetaucht, in dem sie ihr Pferd mit der Peitsche misshandelt hat, die Rede ist von 24 Schlägen in einer Minute. Einen Link erspare ich Euch und mir.
Olympia im Fernsehen
Die Rechte für Deutschland haben ARD und ZDF sowie Eurosport. Geplant ist, dass alternierend ARD und ZDF den gesamten Tag (8 – 23 Uhr) linear begleiten. Hoffentlich viel live, aber auch Zusammenfassungen und Gespräche mit wahrscheinlich meist deutschen Athleten. Beide öffentlich-rechtlichen Sender haben angekündigt, dazu bis zu 9 Streams zu schalten, die dann jeweils von den Reportern des anderen Senders kommentiert werden. Eurosport ist mit ES1 und ES 2 linear live dabei, dazu gibt es beim kostenpflichtigen discovery+ jeden Wettbewerb in einem Stream. Live, relive und teilsweise auch die Höhepunkte. Tipp: Testabo abschließen.Ansonsten kann man (auch via VPN )auch zig ausländische Sender verfolgen, zum Beispiel simplitv.at aus Österreich.
Die nächsten 3 Tage
Ausnahmsweise gibt es jetzt in diesem Text schon eine Vorschau, was uns die nächsten 3 Tage erwartet. Die Eröffnungsfeier ist zwar erst am Freitagabend, doch schon heute und morgen finden erste Wettkämpfe statt, vor allem Vorrundenspiele im Fußball und Rugby.
Pflichtprogramm:
Selbstredend die Eröffnungsfeier. Erstmals nicht im Stadion, sondern auf der Seine. Spektakuläre Bilder garantiert, aber extrem nervend für die Anwohner wegen extremer Sicherheitsmaßnahmen. Die Teams laufen also nicht ein, sondern fahren auf Schiffen ein. Mal sehen, wie sie die Fahnenträger herausheben. Ab 18 Uhr, ARD und ES
Spannender Moment
Rugby7 war bei seinem Debüt 2016 für mich ein Knaller, gerade wegen der breit-wie-hohen Fidji-Jungs. Ab heute laufen die Vorrunden-Spiele.
Beim Männer-Fußball ab heute sticht die Partie zwischen Gastgeber Frankreich und den USA heraus (21.00). Wie bei Olympia ist es anders als bei den Frauen ein U-21-Turnier mit zusätzlich 3 frei auswählbaren Spielern jeden Alters.
Appetizer
Bogenschießen war mein Dark horse 2012. Ab morgen gibt es Qualifikationen bei den Frauen im Einzel und Mannschaft.
🇩🇪🇦🇹Deutsch-österreichische Brille👓
Die deutschen Handballerinnen, im erweiterten Medaillenkreis, spielen morgen gegen Südkorea (ZDF-Stream). Morgen Abend treten die Fußballerinnen gegen Australien an (19.00/ZDF).
von Münchner Löwe | Juli 15, 2024 | Leichtathletik, Olympia, Radsport, Tennis, Wochenrückschau
Zum Fußball (EURO und Copa) geht es hier entlanghttps://blickueberdenteich.de/1144-2/
Der übrige Sport kommt hier zu Wort.
Einseitig wie selten
Erneut hieß das Wimbledon-Finale der Männer Carlos Alcáraz gegen Novak Djokovic, aber im Vergleich zum Thriller 2023 war es diesmal eine sehr einseitige Angelegenheit. Die Alcáraz sogar ungewollt spannend machte, als er beim Stand von 6:2, 6:2, 5:4 40:0 bei eigenem Aufschlag drei Matchbälle in Folge versiebte und den Djoker tatsächlich zurück ins Spiel brachte. Doch der Serbe war längst nicht in Topform wie schon das ganze Turnier und ließ sich die Gelegenheit engehen, wenigstens den Satz zu holen.
So blieb es bei 3 Durchgängen und eines der einseitigsten Finals der letzten Jahre. Djokovic selbst hat in Wimbledon noch nie eine so herbe Klatsche erlebt, eine Partie, bei der er derart chancenlos war. Im Nachhinein hat sich mein Eindruck verfestigt, dass er nur aufgrund günstigster Umstände und einer einfachen Auslosung überhaupt erst ins Finale gekommen ist, wo er letztlich nix zu suchen hatte. Tommy Paul, Daniil Medwedew, Jannik Sinner und noch einige mehr wären auch zu stark für ihn gewesen. Djokovic ist also ein Mensch, auch er kann nicht mal einen Monat nach einer Knieoperation in Top-Form sein noch dazu in einem Jahr, in dem es bisher nach seinen Maßstäben überhaupt nicht läuft. Bisher noch kein Turniersieg und Wimbledon war das erste Finale, das hat es zu diesem Zeitpunkt seit 2006 (!) nicht gegeben. Jetzt läuft ihm die Zeit davon, und für ihn ist zu wünschen, dass er rechtzeitig den Absprung schafft. Nicht dass ich noch Mitleid mit ihm bekomme, Gott bewahre.
Alcáraz dagegen hat das kleine Formtief nach seinem ersten Wimbledon-Triumph überwunden, hat jetzt das schwierige Doppel Paris/Wimbledon gewonnen, was nur einer Handvoll Spielern gelang. Der Zweikampf mit Jannik Sinner um die Vorherrschaft des Männertennis ist eröffnet, mit Kombatanten wie Daniil Medwedew, Sascha Zverev und anderen.
Tschechin folgt Tschechin
So erwartet der Triumph von Mitfavorit Alcáraz kam, so sehr überraschte mich die Siegerin Barbora Kreijikova. Die hatte zwar schon die French Open 2021 gewonnen, seitdem aber zumindest im Einzel herzlich wenig getroffen, auch weil sie viele Verletzungen hatte. Als Nummer 31 gehörte sie gerade noch zu den Gesetzten.
Dass sie Tennisspielen kann, wissen alle. Im Doppel feierte sie auch Triumphe, zuletzt bei den French Open, die sie zusammen mit Laura Siegemund gewann. Sie hat mit den besten Volley im Frauentennis und einen vernünftigen Aufschlag, ihr Spiel ist also prädestiniert für Rasen. So jemand ist dann halt zur Stelle, wenn die vermeintliche Spitze um Iga Swiatek, Coco Gauf und Lena Rybakina patzt oder wie Aryna Sabalenka verletzungsbedingt gar nicht antreten kann.
Im Finale siegte sie gegen die nicht minder überraschende Yasmine Paolini. Die Dreisatzpartie bot jetzt nicht das allerbeste Tennis, beiden Akteurinnen war zeitweise die Nervosität anzumerken bei ihrem jeweils größten Karrierespiel. Aber es war jederzeit spannend und bot insgesamt herausragenden Sport.
Kreijikova ist die nächste Tschechin, die sich in die Wimbledon-Siegesliste eintrug, und die ummittelbare Nachfolgerin von Marketa Vondrousova, die schon in der 1. Runde scheiterte. Paolini ihrerseits erreichte nach den French Open ihr zweites Grand-Slam-Finale hinterinander – ein später Durchbruch der Italienerin, die selbst am wenigsten glauben kann, wie ihr seit knapp zwei Monaten geschieht. Ihr wunderbares Lächeln hat sie nach kurzer Enttäuschung schnell wiedergefunden.
Pogacar in der eigenen Liga
In den Pyrenäen könnte eine Vorentscheidung bei der Tour de France fallen, schrieb ich vergangene Woche – und das tat sie auch. Bei beiden Bergankünften am Samstag und Sonntag war Tadej Pogacar strahlender Etappensieger, jeweils vor Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel. Wohl selten spiegelt sich die Gesamtwertung derart in den Einzeletappen wieder. In die letzte Woche geht Pogacar mit 3:09 Minuten Vorsprung auf Vingegaard und 5:19 auf Evenepoel – das sollte trotz eines Einzelzeitfahrens und zwei Alpenetappen reichen, wenn nichts passiert. Aber natürlich kann noch viel passieren, ein Sturz, ein schwarzer Tag oder, Gott verhüte, eine (Corona)Erkrankung, der Virus geht offenbar schon rum. Der Slowene hat offensichtlich den Giro bestens überwunden, während Evenepoel und vor allem Vingegaard aufgrund der schweren Sturzverletzungen im April vielleicht nicht ganz in Top-Form sind. Erstaunlich genug, wie stark sie sind.
Pech hatte Primoz Roglic, der nach zwei Stürzen und viel Zeitverlust aufgab. Für den 35-Jährigen dürfte es jetzt eng werden mit einem Toursieg.
Leichtathleten machen Lust auf Olympia
Zwei Europarekorde waren diese Woche der Höhepunkt in der olympischen Kernsportart. Jakob Ingebrigsten aus Norwegen gewann beim Diamond-League-Meeting in Monaco in 3:26,73, die viertbeste Zeit hinter drei Afrikanern. Femke Bol lief in Chaux-de-Fonds/Schweiz 50,95 die zweitbeste Zeit überhaupt hinter Sydney Mc-Laughlin. Das Duell zwischen der Holländerin und der US-Amerikanerin dürfte einer der Höhepunkte nicht nur in der Leichtathletik, sondern der gesamten Olympischen Spiele in Paris werden. Wer es sich vormerken will: Donnerstag, 8. 8. 21.25 Uhr.
Auch sonst gab es in Monaco herausragende Leistungen: Djamael Sedjati verbesserte sich über 800 Meter noch mal auf 1:41,46. Über 400 Meter Hürden blieben mit Rai Benjamin (46,67) und Carsten Warholm 46,73) gleich zwei Läufer unter der 47er-Marke. Sogar einen Weltrekord gab es. Über die recht selten gelaufenen 2000 Meter gewann die Australierin Jessica Hull in 5:19,70 Minuten. Kann diese Langstrecklerin den Afrikanerinnen in Paris tatsächlich gefährlich werden?
Fahnenträger-In gesucht
Die Deutschen ein Weiblein und ein Männchen für die (geplante) Fahrt auf der zurzeit noch so wasserreichen Seine. Ihr habt die Auswahl einerseits zwischen
Jessica von Bredow (Dressur), Alexandra Popp (Fußball) und Annemarie Wagner (Judo) sowie
Cristian Reitz (Schießen), Dennis Schröder (Basketball), Sascha Zverev (Tennis).
Wer mitstimmen will: https://www.teamdeutschland.de/iframe-ard-wahl-zum-fahnentraeger-duo-2024
Meine Anmerkungen dazu: Zverev und Schröder sind natürlich die Bekanntesten, aber für mich beide eher ungeeignet. Schröder ist zwar Kapitän der deutschen Basketball-Weltmeister, aber ohne jegliche olympische Erfahrung und als Mannschaftsspieler nicht so exponiert, als dass er allein diese Ehre verdient hätte. Außerdem ist er nie ein Ausnahmespieler wie Dirk Nowitzki gewesen, in der NBA eher ein Reisender von Team zu Team (mittlerweile sind es 7 in 11 Jahren). Was mir vor allem missfällt, wie offensiv er sich höchstpersönlich als Fahnenträger ins Spiel gebracht hat.
Sascha Zverev ist zwar Einzel-Olympiasieger, und er lebte in Tokio auch den olympischen (und deutschen Team)Geist. Doch neben sportlichen Erfolgen zählt ins Anforderungsprofil auch die Persönlichkeit, und da darf ich Zweifel anmelden wegen der nie ausgeräumten Vorwürfe wegen Gewalt an Frauen, ein absolutes NoGo. Ich frag mich schon, warum Leute wie der Kanute Sebastian Brendel und/oder Weitspringerin Malaika Mihambo nicht mal in der engeren Auswahl sind. Haben die selbst abgesagt oder was spricht gegen sie?
Ich würde übrigens auch sehr viel lieber eine Jessica von Bredow oder Katrin Wagner sehen als Alexandra Popp. Überhaupt nichts gegen Popp, aber als Traditionalist, seufz, habe ich halt andere Vorstellungen einer typischen Olympionikin. Und wäre es nicht schön, wenn nicht wieder die ohnehin schon so bekannten SportlerInnen im Rampenlicht stehen würden.
Und sonst?
– Bayern basteln: Zwei 50-Millionen+-Transfers sind perfekt. So kommt mit einem Jahr Verspätung Tuchels Wunschspieler Palhinha. Blöd halt, dass der damalige Trainer mittlerweile Ex-Trainer ist, sich also nicht an der von ihm erfundenen und geforderten „Holding Six“ erfreuen kann. Außerdem kommt auch Michael Olise, ein Flügelflitzer, als ob die Münchner von denen nicht schon genug hätten (Sané, Coman, Tel). Zurzeit hat der Kader mehr als 30 Speler: viel Spaß beim „Ausmisten“.
– Verheißungsvolle Tests: Die deutschen Basketballer zeigen Olympia-Form. Sie gewannen einen Test am Montag gegen Gastgeber Frankreich, das allerdings diesmal ohne Victor Wembanyama antrat. Am Samstag gab es ein klares 95:50 gegen die Niederlande, bei dem Andi Obst mit 6/8 Dreiern seine Treffsicherheit zeigte. Auch die Handballer gewannen gegen Frankreich, ebenfalls am Samstag mit 35:30. Möge jeder seine Schlüsse ziehen, was das für Olympia tatsächlich bedeutet.
Die Wochenvorschau folgt.
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