Molympico, Bilanz II

Ich kann es natürlich nicht wissen, was bei mir tatsächlich für Jahre hängen bleibt, aber ein paar Höhepunkte (welche Wettkampf hat mich geflasht) und Momente (für Jahre, wenn nicht die Ewigkeit) werden sich bestimmt über den Tag hinaus in mein Gedächtnis eingegraben haben.

 

Absolute Höhepunkte (ohne Abstufung)

 

Abfahrt der Männer

 

Die erste Entscheidung überhaupt. Auf der monumentalen Stelvio (eh mein Liebling –  noch vor der Streif), die sich bei Kaiserwetter zwar als schwierig, aber doch fahrbar und fair präsentierte (das haben wir im Weltcup jeweils Ende Dezember schon anders gesehen). Mit dem grandiosen Sieger Franjo van Allmen und den zwei Italienern Giovanni Franzoni und Dominik Paris auf dem Podium. Besser konnte es nicht (los)gehen, zumal auch keiner der Starter zu Sturz kam. Die beste Olympia-Abfahrt aller Zeiten, hatte ich geschrieben, dieser Eindruck hat sich komplett verfestigt.

Franjo van Allmen gewann dann noch zwei Gold-Medaillen, ist vielleicht der größte Olympia-Held, den die Schweiz je hervorgebracht hat.

 

Big Air – tollkühne Männer auch ohne verrückte Kiste

 

Schon die Frauen lieferten ein grandioses Sprung-Spektakel ab, doch was die Männer zeigten, sprengte zumindest mein Vorstellungsvermögen. Passend das Winter-Ambiente, die verschneite Schanze in Livigno und die tanzenden Schneeflocken im Flutlicht. Und dann die 12 tollkühnen Männer auf ihren Skiern, die sich von der Riesenschanze in die Luft schleudern ließen und nach unzähligen Schrauben und Saltis (bis zu sechsfach, wie die Super-Slomo ergab) wieder zu landen, nicht immer sicher, aber fast immer gut drauf.
Was mir aber am besten gefiel: Wie locker die Aktiven miteinander umgingen, wie grandiose Leistungen des Anderen mit echter Freude quittiert wurden. Vielleicht manches auch aufgesetzt und geschauspielert, aber gerade hier, im eher abgelegenen Livigno, da tauchte er auf, der Olympische Geist. Jeder tat sein Bestes, freute sich, wenn ein zusätzliches Schräubchen hier und ein Saltolein mehr dort gelang, und die anderen freuten sich mit und klatschten ab (im Zweifel wird der Viertplatzierte trotzdem vor Ärger in ein Kantholz gebissen haben).
Wer am Ende gewann? Ich müsste nachschauen, ist auch egal. Bleiben wird der Eindruck einer der tollsten Olympia-Stunden (die tollste?), die ich in den vergangenen 2 Wochen erleben durfte.

 

(Eis)Kunst, zum Weinen schön

 

Mit Eiskunstlauf habe ich es nun wirklich nicht, aber bei Olympia gucke ich doch gerne den Besten zu. Beinahe hätte ich die Japaner Riku Miura und Ryuichi Kihara verpasst, weil sie schon als Fünftletzte zu ihrer Kür starteten. Es folgten 4 Minuten des Glücks, der technischen Perfektion und der großen Kunst, die die beiden aufs Eis zauberten. Kein Wackler, kein Auspendeln, dafür perfekte Harmonie und ganz leises Gleiten, Ausdruck höchster Klasse. Gott sei Dank auch wenig Dazwischengequatsche des Kommentators. Als es vorbei war, war Ryuichi Kihara völlig aufgelöst. Den Kampf gegen seine Tränen verlor er haushoch, aber er wusste halt, dass er und seine Partnerin einen der ganz großen Momente der olympischen Geschichte geschaffen hatten. Wie die Eistänzer Jane Torvill und Christopher Deans mit ihrem Bolero 1984 (!).
Gut eine halbe Stunde später stand dann auch fest, dass Riku Miura und Ryuichi Kihara Gold gewonnen hatten (auch weil die Deutschen Minerva Hase und Nikita Volodin gepatzt hatten). Doch das war an diesem magischen Abend fast schon egal. Domo Arigato.

3 Tage später die Frauen-Kür. Und hier Alysa Liu aus den USA. Die sehr viel durchgemacht und zeitweise sogar mit Leistungssport aufgehört hatte. Jetzt war sie wieder zurück, freiwillig, wie sie bekannte – und wie. Ein nahezu perfektes Programm gelang ihr, voller Esprit und sportlicher Höchstschwierigkeiten. Noch viel beeindruckender allerdings die Minuten danach. Normalerweise ist die Kiss-and-Cry-Szenerie so gar nicht mein Ding. Jetzt strahlte da eine junge Frau, vollkommen mit sich im Reinen. Sie hatte ihren Knoten aufgelöst und lange Haare mit abwechselnd braunen und platingoldenen Streifen fielen hinab („wie Jahresstreifen“, erklärte sie). „Ich liebe das Leben“, betonte Alysa Liu dann noch. Wenn ich irgendjemanden irgendetwas glaube, dann dieser wunderbaren 22-Jährigen – und zu diesem Glück, da wette ich, bedurfte es nicht der olympischen Goldmedaille.

 

Torwart Hellebuyck – Kanadas Nemesis (und damit meine …)

 

Die letzte Entscheidung am Sonntag: Eishockey der Männer, das Traumfinale USA gegen Kanada – die ohnehin heikle Partie zusäthlich aufgeputscht durch die Übernahmefantasien von Donald Trump. Für Kanada ist Eishockey-Gold das mit Abstand wichtigste bei jeden Spielen, manche sagen sogar: das einzige Gold, was zählt. Vor allem, weil 2026 zum ersten Mal seit 2014 wieder alle NHL-Profis (außer die Russen, aus Gründen) dabei waren.
Erzrivalen für die Ewigkeit, eine enorm umkämpfte Partie, insgesamt 62 Minuten Rasanz. Und schnell kristalliserte sich heraus: Es sollte das Match des Connor Hellebuyck werden, dem Giganten im US-Tor. Mit stoischer Ruhe, dafür unfassbaren Reflexen wehrte er auch die gefährlichsten Schüsse ab, ließ sich nur einmal bezwingen; chancenlos war er beim 1:1, das die Kanadier im 2. Drittel erzielten.
Gerade im 3. Drittel wuchs er über sich hinaus, als die Kanadier sich im Minutentakt die besten Chancen erarbeiteten und jedes Mal doch scheiterten. An Hellebuycks Schonern, an den Handschuhen, einmal sogar am Schläger (noch immer weiß niemand, wie Hellebuyck das geschafft hat). Sogar eine 3:5-Unterzahl überstanden die US Boys mehr als eine Minute, allein wegen Hellebuyck (und Nathan McKinnon, der das leere Tor nicht traf – ein nie mehrwegzulöschender kanadischer Albraumschuss).

So retteten sich die USA in die Overtime, wo sie dann nicht mehr 5 gegen 5 spielen, sondern 3 gegen 3. Eine komplett andere Sportart ist das, zwar äußerst  unterhaltsam, aber mit dem beinharten Hockey hat das absolut nichts mehr zu tun. Völlig andere Raumaufteilung. „Die USA werden gewinnen“, sagte ZDF-Expertin Kathrin Lehmann, und sie sollte recht behalten. Jack Hughes traf schon nach 1:41 Minuten – trotz zwei verlorener Zähne, wie sein Siegeslächeln verdeutlichte. Doch als strahlenden Helden und Matchwinner feierten die US Boy – Connor Hellebuyck.

Die Kanadier? Versteinert. Äußerst schweigsam. Leere Gesichter, als sie erst die Silbermedaille, dann noch das Plüsch-Hermelin überreicht bekamen. Conor McDavid, der Superstar der vielen Topstars: Wieder ohne Titel nach 2 verlorenen Finals im Stanley Cup mit den Edmonton Oilers. Wieder mal eine persönliche Auszeichnung als bester Spieler, aber die sind ihm völlig egal. In Erklärungsnot sind nicht nur die Spieler, sondern auch alle Trainer. Das ganze  eishockey-verrückte Land verlangt Aufklärung, warum dieses Spiel verloren ging. Die naheliegende Antwort  „Hellebuyck“ wird trotz aller Richtigkeit nicht genügen.

Hellebuyck verdient sein Geld übrigens in Kanada – beim NHL-Team Winnipeg Jets. Mal sehen, ob sie ihn mit seinem Gold und der Auszeichnung „bester Torwart des Turniers“ überhaupt zurück ins Land lassen.

Leider hat es ein übles Nachspieltreten gegeben. Der Typ im Weißen Haus ließ es sich nicht nehmen, die Kanadier aufs Übelste zu verhöhnen. Fast noch schlimmer: Kein einziger US-Spieler erhob Einspruch, im Gegenteil: Sie können es gar nicht erwarten, der Einladung ins White House zu folgen. Widerliche Opportunisten. Die Frauen haben dagegen die Einladung abgesagt. Toughe Girls, muss ich sagen.

 

Die Unbesiegbare

 

Außerhalb der Eisrinne lief es für die deutschen SportlerInnen nicht so gut, um es noch nett zu formulieren. Daniela Maier allerdings legte im Ski-Cross eine Leistung hin, die mir allerhöchsten Respekt abnötigte. Wenn es nicht den ubezwingbaren Johannes Klaebo (damit ist der sechsfache Triumphator auch genannt) gegeben hätte, würde ich sogar sagen: Ihr Sieg war das überlegenste Gold der Spiele.

Ski-Cross, das ist eine extrem enge Angelegenheit. Ein sehr knapper Vierkampf um beste Positiionen, bei denen auch gedrängelt und gerempelt und geschoben werden kann. Nicht so bei den Läufen von Daniela Maier: Sie startete immer perfekt, raste als Erste in die erste Kurve und ward nicht mehr gesehen. Vier K.o.Runden gab es, viermal landete Daniela Maier einen Start-Ziel-Sieg, ohne dass ihr eine Konkurrentin auch nur nahe gekommen wäre. Keine hatte nicht mal den Hauch einer Chance, auch nur in ihren Windschatten zu kommen, um daraus zu profitieren.

Dass Daniela Maier auch noch eine besondere olympische Vergangenheit hatte, machte die Sache erst recht rund. Vor vier Jahren in Peking kam sie im Endlauf mit der Schweizerin Fanny Smith ins Gehege und wurde nur Vierte. Ein deutscher Protest hatte Efolg – doch noch Bronze, ein Gegenprotest ebenfalls – doch wieder Rang 4. Am Ende gab es das salomonische Urteil und zweimal Bronze. „Ich wollte schon aufhören“, bekannte Maier vor den Spielen. Sie ist das Paradebeispiel für alle, dass es die Möglichkeit zum Wiedergutmachen gibt, wenn man es nur erneut probiert. Das sollte allen Pechmaries und Pechvögeln dieser Spiele (siehe unten) ein Trost sein.

 

Momente, die bleiben

 

Fede, die Große

 

Das unglaubliche Comeback, das gelang. Im April zertrümmerte sich Federica Brignone bei den nationalen Meisterschaften das gesamte linke Bein: Schien- und Wadenbeinbruch, dazu ein Kreuzbandriss. Cortina nur 10 Monate danach? Das klang völlig utopisch. Doch der Gedanke ans Heim-Olympia mobilisierte alle Kräfte, ließ die schlimmsten Schmerzen ertragen. Im Januar die ersten zaghaften Schwünge im Weltcup, in denen Federica Brignone andeutete, dass sie nix verlernt hat. Nur gehen, oder gar hpüpfen, das konnte sie nicht.
Das Olympische Märchen. Sieg im Super-G, Sieg im Riesenslalom. Unten im Ziel warteten die beiden zeitgleichen Zweiten Thea Louise Stjernesund und Sara Hector. Als Fede mit klarer Bestzeit abschwang, gingen sie in die Knie vor Ehrfurcht, mehr Wertschätzung geht nicht. Wertschätzung, die sich die Italienerin in ihrer unfassbar erfolgreichen Karriere mit dem krönenden Abschluss (ist es wirklich der Abschluss?) mehr als verdient hat.

Wer immer Lindsey Vonn für ihren Comeback-Irrsinn kritisiert, muss auch das erfolgreiche Comeback der Federica Brignone im Hinterkopf behalten.

Apropos Lindsey Vonn. Alles gesagt und wie mir scheint auch von allen einschließlich mir. Die Bilder und Schreie des Schmerzes und der Enttäuschung (sehr leider) werden uns verfolgen.

 

Der Bronze-Endspurt

 

Viel war ja von den dauernden vierten Plätzen der Deutschen die Rede (siehe auch Teil III, wenn ich jemals dazu komme …). Reden wir lieber vom schönsten und ergreifensten Bronze, das Deutschland errungen hat.

Teamsprint der Frauen, letzter Wechsel. Coletta Rydzek übernimmt, die Schwedinnen und (sehr erstaunlich) Schweizerinnen sind uneinholbar, nicht aber die Norwegerin Julie Drivenes. Rydzek kämpft sich heran, gleichauf biegen die beiden in die Zielgerade, und es beginnt der wettbewerbs-übergreifend großartigste Schlussspurt dieser Spiele. Rydzek schiebt und skatet wie verrückt, Drivenes hält dagegen, doch die Deutschin hat die Nase vorn. 2 Zehntel entscheiden, mit dem bloßen Auge nicht erkennbar.
Viele deutsche Fans haben sich am Rand die Kehlen heiser geschrien, am lautesten wohl Bruder Johannes (mein Leser Alcides, der auch vor Ort war, wirds bestreiten …). Johannes Rydzek, der Kombinierer, vor vier Jahren selbst Gold-Triumphator. Jetzt hat auch die kleine Schwester ihre Medaille.

 

Und nun – das Wetter

 

(Zu) warm wars, kalt wars, sonnig wars, regnerisch wars, und geschneit hats auch. Der normale Februar-Winter in den italienischen Bergen. Meist alles im grünen (sic!) Bereich, außer …

… Skispringen, die Entscheidung im Super-Team-Wettbewerb der Männer. Zweier-Mannschaften. Alles scheint einen normalen Verlauf zu nehmen. Nach zwei Durchgängen führt Favorit Österreich vor den sensationellen Polen und Norwegen, Deutschland ist Vierter, in Schlagdistanz wenigstens zum Silber-Rang. Die Chancen verschlechtern sich, als Andi Wellinger bei seinem 3. Sprung an Boden verliert. Jetzt beginnt das Drama. Dem zweite Deutschen, Einzel-Olympiasieger Philipp Raimund, gelingt bei sich schon verschlechternden Verhältnissen ein grandioser Satz. Eine echte Kampfansage an die oben verbliebenen Springer, zumal sich das sekündlich Wetter verschlechtert. Die Jury wartet ab, und das ist der Riesenfehler. Denn aus dem „sich verschlechterndem Wetter“ wird ein veritabler Schneesturm. Irgendein irrer Mensch lässt den Polen Kacper Tomasiak vom Bakken, der bleibt chancenlos wegen der wegen des Schnees viel zu langsamen Anlaufspur. Weiteres Zuwarten, das Schneetreiben wird noch dichter. Jeder weiß, bei diesen Verhältnissen wird den Deutschen die Medaille nicht mehr zu nehmen sein, wenn denn gesprungen wird …
Plötzlich jubeln die Österreicher. Das kann nur bedeuten, dass der Wettbewerb abgebrochen wurde, das kommt im Skispringen ziemlich häufig vor. Es zählt also die Wertung nach Durchgang 2: Hinter Gold-Austria und Silber-Polen jubelt Norge über Bronze, um ganze 0,3 Punkte (das ist weniger als eine einzige minimal bessere Haltungsnote) haben die Deutschen die ersehnte Medaille verpasst. Sicher der unglücklichste der 14 vierten Plätze des Olympia-Teams.
Groß ist die Wut bei den Deutschen. Sportdirektor Horst Hüttel prangert an, sehr unsportlich, wie mir scheint. Er hat wohl gehofft, dass die Jury trotz der irregulären Verhätnisse die restlichen  Springer aus Norwegen, Slowenien und Österreich ins Elend hüpfen lässt, auch das hat es schon oft gegeben.
10 Minuten nach dem Abbruch haben sich die Verhältnisse wieder beruhigt, wie es im übrigen die Wetterkarten vorhergesagt. Warum die Jury nicht zugewartet hat, eines der größten Rätsel dieser Spiele.

 

Man will sie nur umarmen und trösten …

 

Wo Sieger sind, da sind auch Besiegte – das sind die brutalen Regeln des Sports. Manche sind leider schon wieder vergessen, manche werden immer in unserem Gedächtnis bleiben oder zumindest sehr lange

 

Der Einsame im Wald

 

Atle Lee McGrath wollte nur noch allein sein. Als klar Führender des ersten Durchgangs hatte er im zweiten Lauf eingefädelt, die ewige Drohung jedes Slalom-Artisten. Sieg weg, alle Gold-Träume weg.
Atle McGrath warf die Stöckle weg, dann begab er sich in Richtung des nahegelegenen Waldstückes und legte sich dort in den Schnee. Der Inbegriff des traurigen Verlierers, es wird bleiben. Hinterher erzählte er, dass sein geliebter Großvater kurz vor den Spielen gestorben sei. Eigens, damit er starten konnte, wurde die Beisetzung verschoben. Schicksal ist eine Bitch.

Ein ähnlich ikonisches Foto gibt es über Lena Dürr. Gerade war sie Zweite des 1. Durchgangs im zweiten Lauf am ersten Tor gescheitert, da stand sie fassungslos noch im Slalomhang. Hinter ihr der strahlend blaue Himmel und die fantastische Bergkulisse um Cortina. Selten habe ich so viel Schönheit und so viel Traurigkeit in einem Foto vereint gesehen.

 

Auch der Superstar ist nur ein Mensch

 

Wie gesagt, im Eiskunstlauf kenne ich mich nicht aus. aber natürlich war mirt Ilia Malinin und seine Quad-Kür ein Begriff. Jene vier Minuten, die er mit sieben Vierfachsprüngen samt Rückwärtssalto zum sportlichen Nonplusultra erhoben hatte. Laut ARD war seine (gelungene) Kür der meistgeklickte Sportclip 2025.

Er musste also das Gold „nur“ noch abholen, erst recht nach dem besten Kurzprogramm, also schon mit gewissem Vorsprung. Es wurden die wohl verheerendsten Minuten, die je ein Top-Favorit überstehen musste (ein sehr großes Wort, ich weiß). Nachdem der vierfache Flip missglückte, ging gar nichts mehr. Plötzlich war da nicht mehr ein absolute Superstar des Sports auf dem Eis, sondern ein verzweifelter Mensch, der plötzlich bei einfachsten Schrittpassagen ins Stolpern geriet. Irgendwie brachte er die Kür zu Ende (was für ein Wille, nicht einfach aufzugeben, sogar den Rückwärtssalto wagte und schaffte er) und wie ein Gespenst saß er mit den fassungslosen Trainern in der Kiss-and-Cry-Ecke und wartete stoisch auf die Noten, die nur verheerend werden konnten (und es auch wurden).
Wahrscheinlich zur Überraschung aller stellte sich Ilia Malinin hinterher den Medien, eine Erklärung hatte er natürlich nicht, wie niemand eine Erklärung für dieses Desaster hatte. Aber jener aufrechte, tapfere Malinin gibt Hoffnung, dass er an diesen schlimmen vier Minuten zuvor nicht zerbrechen wird.

 

Und da waren noch …

 

Selbstverständlich gab es noch viel mehr strahlende Sieger, (googlelt Philipp (sic!) Raimund) und traurige Verliererinnen (Ebba Andersson/Staffel samt Auferstehung im 50er). Aber vor allem gab es wie bei jeden Spielen die skurillen, (aber)witzigen Momente, die niemand vorhersehen kann. An die wir uns alle lange erinnern und die uns alle erinnern, dass hier Menschen (und sogar Tiere) am Werk sind.

 

Endspurt um Platz 27

 

Massenstart der Männer im Biathlon: Die Sieger und fast alle Platzierte sind schon längst im Ziel, da tauchen auch die Letzten in der Schlusskurve auf. Es sind Fabien Claude, Nicola Romanin und Campbell Wright: Plötzlich bleiben sie stehen, anstatt gemächlich auszutrudeln. Auf ein Zeichen fangen die Drei plötzlich an wie wild zu sprinten und zu endspurten, als hinge ihr Leben (oder wenigstens eine Medaille) davon ab. Ein Zielfoto musste letztlich entscheiden, und da hatte der Franzose Claude (Biathlon: klar ein Franzose!) die Nase Skibindung (diese ist maßgeblich) knapp vor Romanin aus Italien und dem Ami Wright. Einen schöneren Sprint um Platz 27 hat es wahrscheinlich noch nie gegeben, die begeisterten Zuschauer dankten es mit frenetischem Applaus.

 

Er will doch nur spielen

 

Langlaufsprint, Qualifikation. Die Besten sind schon durch, aber trotzdem wird noch (verbissen wollte ich schreiben, aber …) um jede Zehntelsekunde gekämpft. Normalerweise nimmt niemand mehr groß Notiz davon, aber plötzlich tauchte ein ungebetener Gast auf. „Nazgul“, ein zweijähriger tschechischer Wolfshund war vom nahen Zuhause ausgebüxt, und seine fassungslose Besitzerin sah am Fernseher, wie er die Läuferinnen Konstantina Charalampidou und Tera Hadzic ins Ziel begleitete. Die fanden das weniger lustig  – Hadzic: Ich wusste nicht, ob es ein Wolf ist“ (die es in den nahen Bergen gibt), wohl aber das Publikum, das regelrecht verzückt dem äußerst verspielten Nazgul beim Laufen, Toben und Schnüffeln zusah, bevor ihn ein mutiger Funktionär einsammelte. Der Sportwelt bleibt das tierische Tun beim Gott sei Dank nicht verbissenen Endspurt erhalten, es gibt sogar ein offizielles Zielfoto. Zumindest die Griechin hat ihren Frieden geschlossen. „Ich bin jetzt berühmt wegen eines Hundes, der über die Ziellinie gelaufen ist, und jetzt wollen alle mich interviewen. Es ist das erste Mal, dass ich überhaupt Interviews gebe“, sagte Charalampidou.

 

Der Curling-Brawl

 

Gemeinhin gelten Curling-SpielerInnen als extrem fair. Sogar WM-Partien bestreiten sie der Sage nach ohne Schiedsrichter, die Gentlemen und Ladies regeln das gerne selbst. So verwunderte es doch sehr, dass in einem Vorrundenspiel Schweden und Kanadier aneinandergerieten. Ein Schwede monierte einen Regelverstoß (eine zweite Berührung beim Anschieben), was der Kanadier mit einem herzhaften „Fuck off!“ antwortete (der überblendende Piep-ton bei derlei Beleidigungen war offenbar grade ausgefallen …). Ein heftiger Wortwechsel war die Folge, den das staunende Publikum wegen der verkabelten Spieler in den Wohnzimmern zuhause verfolgen durften.
Auch hinterher (die Kanadier hatten letztlich gewonnen) glätteten sich die Wogen nicht, die gegenseitigen Beschuldigungen hielten an. „Es ist Olympia“, hatte die ZDF-Expertin und aktive Curlerin Sara Messenzehl eine Erklärung. Immerhin fand der Kanadier Kennedy so etwas wie eine Entschuldigung. „Ich habe zwar Recht, aber die Wortwahl war nicht in Ordnung.“

 

Ich nehm mir die Ski, wie es mir gefällt

 

Am Schlusstag wurde die Welt noch Zeuge eines dreisten Diebstahls. Skilanglauf, 50 Kilometer, nicht nur olympische Premiere für die Frauen, sondern auch Stresstest für Mensch und Material. Weswegen die Regelhüter den Skiwechsel vorgesehen haben, in einer extra ausgewiesenen Wechselzone. Jeder Läuferin „gehört“ eine Wechselbox, in der frisch (und vielleicht besser) gewachste Skier bereitstehen. Die Startnummer entspricht der Boxennummer, so weit, so gut, so einfach.
Menschen irren, und die Russin Darja Neprajewa irrte. Nämlich zur Nummer 12 anstatt zur Nummer 14. Sie schnallte sich die Skier an und stob davon, nicht gerade unerkannt, doch uneinholbar. Blöd halt, dass die Skier weg waren für die tatsächliche Besitzerin Kathrin Hennig-Dotzler. Blöd vor allem für die deutschen Techniker, die sich nach vermeintlich getaner Arbeit (ein zweiter Skiwechsel ist nicht mehr vorgesehen) schon zurückgezogen hatten in ihren Truck und das Equipment schon abgebaut. Plötzlich also viel Hektik statt Ruhe nach dem äußerst anstrengenden Olympia. Irgendwie kriegten sie es hin und stellten Hennig-Dotzler noch ein paar Skier in die Box.
Und Neprajewa? Die wurde mit ihrer Beute auch nicht glücklich. „Ich merkte schnell, dass ich mit den Skiern nicht zurechtkam“, berichtete sie reichlich zerknirscht. Obwohl oder weil sie bestens präpariert waren. Den Regeln entsprechend wurde sie disqualifiziert (aber nicht aus dem Rennen genommen). Der deutsche Bundestrainer fand den treffendsten Vergleich. „Das war, als ob ein McLaren in die Ferrari-Box kommt, um sich dort frische Reifen abzuholen.“ Wers erratische Ferrari kennt: Sie hätten diese aufgezogen, wenngleich nur drei.

 

Das war dann der zweite Teil. Ob ich mich noch zu einer „deutschen“ Analyse aufraffe, ich bezweifle es und verweise auf die ausufernde Berichterstattung zu diesem Thema.

Apropos Ausruhen. Bis frühestens Sonntag ist dieser Laden nun geschlossen, deutscher Fußball-Clasico hin oder her.

 

 

 

 

 

 

 

Das wird Molympico, Wochenende

Die letzten beiden Tage fasse ich zusammen. Ein paar vielleicht hochinteressante Entscheidungen stehen noch an

 

Pflichtprogramm

 

Sa., 11:00/So., 10:00 Skilanglauf, 50 km klassisch, Männer und Frauen

Für den echten Langlauffan der Höhepunkt, allerdings seit ein paar Jahren entschärft. Denn es wird nun  im Massenstart gelaufen, was gerade bei den Männern bedeutet, dass sich 40, 45, ja 48  Kilometer wenig bis nichts tut und sich alle auf den Endspurt verlassen. Sollte es auch diesmal dazu kommen, dürfte Johannes Klaebo das 6. Gold der Spiele nicht zu nehmen sein. Früher liefen die Athleten im Intervallstart, also jeder für sich, da haben sich die 50 Kilometer schon gewaltig gezogen, für den Langlauffan war das das Nonplusultra.

Für die Frauen ist der 50er erstmals olympisch, überhaupt laufen sie diese Distanz erst seit ein paar Jahren. Was Emazipation so ausmacht. Erfahrungswerte gibt es also wenige, zumal auch joch im klassischen Diagonalstil gelaufen wird. Man muss aber kein großer Prophet sein, um die Schwedinnen ganz vorn und die Norwegerinnen vorne zu sehen. Gespannt bin ich auf die Österreicherin Theresa Stadlober, die in den bisherigen Rennen immer besser wurde, je länger es ging. Eine Medaille wäre allerdings eine Sensation

 

Sa., 14:15: Biathlon, Massenstart Frauen

 

Der letzte Wettbewerb der Ski-Zweikämpfer. Die Männer am Freitag haben gezeigt, dass gerade in dieser Disziplin Überraschungeneinkalkiuliert werden müssen. Eine dieser Überrschungen traue ich tatsächlich der Deutschen Vanessa voit vor. Sie schoss bisher ausgezeichnet und gefiel in der Staffel auch läuferisch. Favoritsiert sind dennoch die Französinnen um Lou Jeanmonnot.
Es wird das letzte Rennen in der Karriere von Franziska Preuß sein, sie wird also die Weltcups nach Olympia nichtmehr bestreiten, auch nicht den am Holmenkollen. Warum eigentlich nicht mit einer Medaille abtrete?

 

So., 14:10: Eishockey Männer, Finale

 

Kanada ist nach dem harterkämpften 3:2 über Finnland nach 0:2 erster Endspielteilnehmer und egal ob gegen die Slowakei oder die USA Favorit. Die Reihe McDavid, Celebrini und McKinnon st außergewöhnlich, obwohl sich die Drei erst zu Olympia gefunden haben, weil sie unterschiedlichen NHL-Teams angehören.
Finnland trifft schon tags (Sa., 20:40) davor im Bronze-Match auf den Verlierer USA vs Slowakei.

 

Wird sicher spannend

 

Sa., 16:40/17:15: Eisschnelllauf, Massenstart Männer und Frauen, Finali

 

Je 16 Männer und Frauen stürzen sich gleichzeitig auf die 400-Meter-Bahn, da wird es ähnlich eng zugehen wie im Shorttrack. Alle 4 Runden gibt es Zwischensprints mit Punkten für die ersten Vier (ähnlich wie im Punktefahren im Bahnradsport. Ein Rundengewinn ist natürlich möglich und würde besonders vergütet werden.
Favoriten? Ich sag mal Hlländer und Holländerinnen, das scheint mir die Chance am größten, richtig zu liegen. Ansonsten: komplette Ahnungslosigkeit meinerseits.

 

🇩🇪👓

 

Ganz am Schluss setze ich sie jetzt doch auf, um speziell auf die beiden verbliebenen Bob-Entscheidungen hinzuweisen. Am Samstag der Zweier der Frauen (4. und entscheidnender Lauf: 21:05) mit drei aussichtsreichen Bobs made in Germany, die vor allem mit den 3 US-Bobs um die 3 Medaillen kämpfen.
Am Sonntag (12:15) der Vierer, in denen wiederum Johannes Lochner und Francesco Friedrich aussichtsreiche Crews anführen.

 

Und sonst: 

 

  • Die Finali im Curling: Bei den Männern kämpfen Großbritannien und Kanada um Gold (Sa., 19:05), bei den Frauen Schweiz und Schweden (So., 11:05).
  • Schlussfeier: Diese findet in der Arena von Verona statt. Begründung für den außergewöhnlichen Ort: Es sollen halt wirklich Winterspiele für ganz Norditalien werden. Angesichts des Ortes würde ich mir die Wiederauferstehung von Luciano Paverotti wünschen.

 

Das wird Molympico, Freitag

Ohne Schifoan ist das alles nichts. Und trotzdem.

 

Pflichtprogramm

 

14:15: Biathlon, Massenstart Männer

 

30 Läufer, die besten dieser Spiele und des Weltcups nach einem speziellen Schlüssel, starten gleichzeitig auf die 15 Kilometer Strecke. Viermal muss geschossen werden, liegend, liegend, stehend, stehend. Keine Nachlader, pro Fehlschuss die Strafrunde. Extrem spannendes, schnelles Format. Der Erste im Ziel hat auch gewonnen.
Die Favoriten? Wie immer bei diesen Spielen kommen sie aus Frankreich, Norwegen und Schweden. Ich persönlich hoffe auf den Italiener Tommasso Giacomel, für den Heim-Olympia bisher ein veitables Disaster war. Die deutschen Starter können eigentlich nur positiv überraschend, aber sie können auch positiv überraschen.

 

16:40/21:10: Eishockey Männer, Halbfinali

 

Alles redet vom Traum-Endspiel Kanada vs USA (meines ist es bestimmt nicht), aber zuvor gibt es noch die Halbfinali. Da treffen zunächst (16:40) die hohen Favoriten aus Kanada auf Finnland, die ihr Team bis auf eine Ausnahme ebenfalls ausschließlich aus NHL-Stars rekrutiert haben. Ich halte seit jeher zu finnischen Eishockey-Teams und-Spielern, aber ganz objektiv sehe ich kaum Chancen gegen Team Canada, das über 4 nfassbar starke Sturmreihen verfügt. Ich lass mich gerne überraschen.
Danach (21:10) kommt es zum Duell USA gegen Slowakei. Wws die Slowaken können, wissen jetzt auch die Deutschen, die US-Boys hatten gegen Schweden auch viel Glück.

Gibt es nach 60 Minuten keine Entscheidung, gibt es 10 Minuten  Overtime mit sogenannten Sudden Death, das erste Tor entscheidet. Wieder im Format 3 gegen 3 (plus Torhütern). Für mich ein Wahnsinn, denn das ist eine komplett andere Sportart mit komplett anderer heransgehensweise. Äußest unterhaltsam, das schon, aber mit echten Hockey hat das nicht die Bohne zu tun. Zum bewundern/freuen/ärgern schon bei 3 Viertelfinali (außer dem Deutschland-Spiel, die allesamt auf diese Art entscheiden wurde. Die NHL und andere nationale Ligen wissen schon, warum sie in Play-off-Runden nicht vom regulären 5 vs 5 abgehen, acuh wenn das gerne mal Stunden dauern darf.
Gibt es nach 10 Minuten keine Entscheidung, kommt es zum Penaltyschießen. Viel schwerer zu verwandeln als etwa ein Elfmeter beim Fußball. Dennoch unfassbar spannend, wie Draisaitl senior zu berichten weiß. Eine der epischsten Szenen in der Olympia-Geschichte, die niemand vergessen wird, der dabei war.

 

Wird sicher spannend

 

12:00: Ski Freestyle, Cross Frauen,  K.-o.-Runde

 

4 Läuferinnen starten gleichzeitig in einen Parcours mit Steilkurven und Sprüngen. Berührungen sind erlaubt, allerdings in Grenzen. Die ersten zwei jeder K.o.Runde steigt in die nächste Runde auf. Im Finale um die Medaillen dann 4 Starterinnen, man muss kein Mathe-Genie sein, um auszurecnen, dass eine die echt Dumme ist (tote Rennen sind doch sehr selten).
Insgesamt stehen ab 12 Uhr 4 K.o.Runden an, in relativ schnelle Abfloge bis zum Finale (13:10).

 

14:05: Curling, Halbfinale

 

Na endlich, der Löwe findet die Steineschubser (Spaß). Die Paarungen stehen noch fest: Die Termingötter haben beschlossen, dass beide Partien gleichzeitig stattfinden. Schön für die Zuschauer vor Ort, nicht so gut für den Fernsehzuschauer, es sei denn er wählt den Splitscreen (sieht also von beiden wenig). Immerhin können wir dank Streaming frei auswählen, welche Partie wir bevorzugen.

 

16:30: Eisschnelllauf, 1500 Meter Frauen

 

Die gefürchtete Mitteldistanz, in der die Läuferin ein zu hohes Anfangstempo schmerzlich büßt. Wie immer kommen die besten Läuferinnen am Schluss, allerdings nur der Vorleistung nach und nicht der aktuellen Form. Die holländische 500-Meter-Olympiasiegerin allerdings beginnt, wenn sie einigermaßen duchkommt, könnte sie schon eine veritable Richtzeit setzen.

 

21:30: Shorttrack, Staffel-Finale (5000 Meter)

 

4 Teams a 3 Läufer: Einer ist „on“, also maßgeblich auf der Bahn, die anderen werden fliegend per handschub eingesetzt, immer von innen kommend. Einfach anschauen und schnell begreifen. Sehr unterhaltsam

 

 

 

 

 

 

 

Molympico Giorno

Das Drama der Lena Dürr

 

Verzweiflung, leerer Blick. Da stand Lena Dürr mit dem herrlichen Panorama der Dolomiten im Hintergrund. Doch die Gedanken kreisten nur um das Unfassbare, was geschehen war.

Ein fantastischer 1. Durchgang war Lena Dürr gelungen, zweitbeste Zeit hinter der außerirdischen Mikaela Shiffrin. Als Vorletzte stand sie vorm 2. Lauf im Starthäuschen, wohlwissend, dass jetzt die Olympiamedaille und der größte Karriere-Triumph ganz nah waren. Noch mal ging sie alle kniffligen Passagen durch, eine letzte Konzentration, sie startete – und blieb noch vor dem 2. Tor stehen. Eingefädelt beim 1. Tor – das Aus. Entsetzen überall, bei mir, bei den Fans, bei den Fans unten im Ziel, sogar bei den Konkurrentinnen um die Medaillen. „Eine Katastrophe“, befand sie einigermaßen gefasst. Eine Erklärung hatte sie nicht, wie das geschehen konnte.

Die hatte niemand. Nur Erinnerungen, dass die Germeringerin nicht die Erste war, der ein solches Malheur unterlief. Markus Wasmeier fiel mir sofort ein, der als Mitfavorit im Super-G von Calgary 1988 am ersten Tor scheiterte. Oder Helmut Höflehner. Der Österreicher war 1991 klarer Favorit für die Abfahrt der Heim-WM in Saalbach und verhedderte sich schon beim Start derart katastrophal und nachhaltig, dass das Rennen de facto vorbei war. Austria weinte.

Das wird Lena Dürr nicht trösten, zumal sie „Wiederholungstäterin“ ist. 2022 war sie ebenfalls im Slalom auf dem besten Weg zu Gold mit bester Zwischenzeit, ehe sie kurz vorm Ziel durch eine Ungenauigkeit gar aus den Medaillenrängen fiel und danach bittere Tränen vergoss. Vor 3 Tagen hatte sie einen bemerkenswerten Riesenslalom abgeliefert, wiederum klar auf Medaillenkurs, ein böser Fehler kurz vorm Ende vernichtete alle Hoffnungen. Man muss jetzt kein ausgebildeter Psycologe sein, um zu konstatieren, dass all diese Missgeschicke und Unglückseligkeiten der Lena Dürr vor ihrem wichtigsten Lauf der Karriere im Kopf herumspukten. Wer aber zu viel nachdenkt, hat schon verloren.

Lena Dürr ist 34 Jahre alt, Cortina war höchstwahrscheinlich ihr letztes Olympia, vielleicht hängt sie noch ein Jahr dran mit der WM 2027 in Crans Montana. Der Katastrophenfehler ist also nicht wiedergutzumachen, das unterscheidet sie etwa von der jungen Schwedin Cornelia Öhlund, die ebenfalls aussichtsreich im 2. Durchgang ausfiel, aber mit ihren 20 Jahren mindestens noch zwei-, dreimal bei Olympia dabei sein wird. Lena Dürr wird ohne Medaille bleiben, und wir werden immer an ihr Missgeschick denken, wenn wieder ein Slalom ansteht. Wie an Wasi 1988. Der aber sein Malheur gutmachen konnte mit seinen beiden Triumphen 1994 in Lillehammer.

 

Mikaela Shiffrin überragend

 

Als überzeugter Shiffrin-Afficionao seit mehr als als ein Dutzend Jahren hatte ich kein gutes Gefühl. Denn die Amerikanerin und Olympia, das war zuletzt kein Match. In Peking startete sie gleich sechsmal, sechsmal blieb sie ohne Medaille, darunter mit mich und alle Skifans verstörenden Ausscheidern im Riesenslalom und Slalom. Sie, die nie ausfiel! Auch jetzt in Cortina verbaselte sie ihre erste Gold-Chance, als sie den Teamslalom komplett verbremste und nach Abfahrtsbestzeit ihrer Freundin Breezy Johnson auf Platz 4 zurückfiel.

Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen. Die Shiffrin von Cortina war die überlegene Weltcup-Shiffrin, die in dieser Saison 7 von 8 Slaloms zum Teil haushoch überlegen gewonnen hatte. 2 fast perfekte Läufe zauberte sie in den Schnee, hatte letztlich die Ewigkeit von 1,5 Sekunden Vorsprung auf die Zweite Camille Rast und sogar 1,71 auf die überglückliche Bronzene Anna Swenn-Larsson. Welch unfassbarer Druck auf ihr gelegen haben muss, zeigte sich nach der Zieldurchfahrt. Kein überschäumender Jubel, nur grenzenlose Erleichterung, dass sie es geschafft hat. Sie hätte niemanden mehr beweisen müssen, dass sie die mit Abstand beste Skifahrerin der Welt ist. Aber es lag ihr immens viel daran, selbst ihren Frieden, ihre Versöhnung  mit Olympia zu schließen – und das ging nach ihrer Vorstellung nur mit der verdammten Goldmedaille; immerhin auch schon der dritten nach Slalom 2014 und Riesenslalom 2018.

Lena Dürr ließ es sich übrigens nicht nehmen, bei der Siegerehrung live vor Ort zu sein. Wo sich andere verkrochen hätten, gratulierte sie fair der Siegerin und den Platzierten. Die größte Tat überhaupt an diesem strahlenden Sonnentag, und ich nehme es Mikaela Shiffrin sofort ab, als sie sagte: „Ich hätte sie am liebsten umarmt.“

 

Ein Wort noch zu Emma Aicher, de zweiten aussichtsreichen Deutschen. Im ersten Durchgang war schien sie mir zu zaghaft, trotzdem lag sie als Achte noch in Schlagdistanz zu den Medaillen. Der Beginn des 2. Durchgangs war dann sehr verheißungsvoll, doch im flachen Teil, der ihr grundsätzlich nicht so gut liegt, scheute sie das letzte Risiko (ohne das es bei einem Slalom-Großereignis nicht geht) und fiel sogar noch um einen Platz zurück. Um das zu verdeutlichen: Die Laufbeste Paula Moltzan, die nach einem irren Fehler kurz vor Schluss des 1. Laufes nur 28. gewesen war, blieb satte 1,75 Sekunden vor Aicher. Diese wird allerdings mit den beiden Silbernen aus Abfahrt und Team (mit Kira Weidle) Cortina mehr als zufrieden verlassen, zumal sie mit 22 Jahren noch immer am Anfang ihrer verheißungsvollen Karriere steht.

 

Franzi Preuß und das Murmeltierschießen

 

Ganz schlau wollte es die deutschen Trainer machen, (ver)steckten Franziska Preuß als zweite Läuferin in die Staffel. Die nachvollziehbare Übetlegung: Dort hätte sie im letzten Schießen nicht mehr die Verantwortung wie als Schlussläuferin. Schön gedacht, doch die Praxis sah dann so aus, dass Preuß wie gehabt zwar das Liegendschießen fehlerlos absolvierte, doch den Stehendanschlag eben nicht – das Murmeltier grüßte hämisch. Sie verpasste den dritten Schuss und den fünften, und auch die drei Nachlader reichten nicht, dass sie eine Strafrunde vemeiden konnte. Damit verlor das deutsche Team nicht nur die Führung, sondern auch jeglichen Kontakt zu den Medaillenrängen, den auch Janina Hettich-Walz und die vorzügliche Vanessa Voigt nicht mehr herstellen konnten. Wie die Männer landeten die Frauen nur auf Platz 4, zum ersten Mal seit 1992, seit nämlich auch die Frauen im olympischen Programm sind, blieben beide deutsche Staffeln ohne Medaille, das Bronze im Mixed bleibt da nur schwacher Trost.
Den Sieg holten sich die Französinnen, obwohl deren Startläuferin Camille Bened in die Strafrunde (wie bei den Männern Fabien Claude). Aber Lou Jeanmonnot egalisierte den Rückstand, und Oceane Michelon und die unfassbare Schützin Julia Simon (insgesamt für beide Schießübungen nur unwirkliche 38 Sekunden) brachten den Sieg souverän nach Hause – vor Schweden und Norwegen. Den Team-Aufstellern wird ein Felsbrocken vom Herzen gefallen sein, hatten sie doch Top-Läuferin Justine Braisaz-Bouchet außen vor gelassen zu Gunsten von Bened. Für Frankreich ist das schon das fünfte Biathlon-Gold, zwei Massenstarts (Männer und Frauen) stehen noch aus.

 

Olympia-Aus und viele Fragen für die Eishackler

 

Das beste deutsche Team aller Zeiten, hieß es überall vor dem Eishockey-Turnier, nachdem feststand, dass Leon Draisaitl, Tim Stützle und 7 weitere NHL-Stars die Mannschaft verstärken würden. Was extrem ambitioniert klang angesichts des Olympia-Silbers von 2018 und dem WM-Silber 2023, allerdings eben ohne die ganz großen Superstars. Um es übertrieben böse zu sagen: Dass Draisaitl die deutsche Fahne unfallfrei bei der Eröffnungsfeier trug, war die größte Leistung der deutschen Eishackler. Das deprimierende 2:6 im Viertelfinale gegen die Slowakei war nur der traurige Höhepunkt eines Turniers, das niemand als Erfolg verbuchen darf, trotz der Siege gegen Dänemark und Frankreich. Nie trat da ein Team auf, nie hatte ich das Gefühl, dass da eine Einheit auf dem Eis stand. Trainer Harold Kreis schien völlig überfordert, die NHL-Spieler einerseits und die DEL-Profis andrerseits zusammenzubringen. Misstöne waren zu hören, Beschwerden über zu viel Eiszeit der NHL-Stars und die Begründung des Sportdirektors, die besten müssten halt länger spielen. Mag richtig sein, aber am Ende wirkte gerade ein Draisaitl völlig überspielt, auch weil er als klar bester Spieler ständiger Attacken der gegnerischen Verteidigungen ausgesetzt war.
Eis durch und durch missglücktes Turnier also: auch weil die Deutschen plötzlich glaubten, mitspielen zu müssen. Nicht mehr das Verteidigen war im Fokus, sondern das schöne Spiel, das andere Nationen aber so viel besser beherrschen. Noch nicht mal der vermeintlich einfachere Gegner Slowakei (im Gegensatz zu Kanada und USA nur ein Leichtgewicht) verhalf zu jener Euphorie, die etwa das Sensationssilber von Pyeonchang (und fast das Gold, seufz) möglich gemacht hatte.

So blieb das erhoffte Halbfinale Utopie. Dort treffen Kanada auf Finnland (beide jeweils erst nach Verlängerung siegreich über Tschechien respektive Schweiz) und die Slowakei auf die USA (3:2 n. V. gegen Schweden).

 

Mit purer Willenskraft zu Langlauf-Bronze

 

Coletta Rydzek hatte bei ihrer Schlussrunde im Langlauf-Teamssprint genau ein Ziel. Wenigstens die norwegische Kontrahentin Julie Bjervig Drivenes hinter sich lassen und Bronze sichern hinter den enteilten Schwedinnen und, ich staunte, Schweizerinnen. Auf der Zielgeraden mobilisierte sie alle Kräfte („Ich kann unglaubliche Gewichte stemmen“), und am Ende hatte sie mit ihrer  Kollegin Laura Gimmler doch noch die erhoffte Langlauf-Medaille fürs deutsche Team gesichert. Einer der sich am Pistenrand die Kehle heiser schrie, war ihr Bruder Johannes Rydzek, der tags darauf für die deutschen Kombinierer für den Team-Wettbewerb gemeldet war (nach Redaktionsschluss).

Bei den Männern siegte Norwegen, und Schlussläufer Johannes Klaebo holte sein insgesamt 10. Olympia-Gold. Sonderlich anzustrengt schienen er und sein Partner Einar Hedegart nicht zu haben, um die USA und Italien zu distanzieren.

 

 

Molympico Giorno

Nach einem Tag selbst auferlegter Olympia-Pause (na ja fast) gibt es einiges aufzuarbeiten.

 

Ein Slalom, sehr viel Ärger

 

Kurz zu den Fakten: Der Schweizer Loic Meillard triumphierte und bestätigte seinen WM-Titel aus dem vergangenen Jahr. Das gelang bisher nur dem großen Ingemar Stenmark und Benni Raich, also zwei Skilegenden. Zweiter wurde Fabio Gstrein, die die Ehre der Österreicher rettete mit der ersten Einzel-Medaille bei den Alpinen, vor dem norwegischen Altmeister Henrik Kristoffersen.

Geredet wurde aber über 2 andere Sportler

 

Atle McGrath – der Unglücksrabe

 

Mit klarer Bestzeit hatte der Norweger den 1. Durchgang absolviert. Doch ihn ereilte im 2. Lauf das Slalom-Schicksal, das alle fürchten und alle schon getroffen hat: den berühmt-berüchtigten Einfädler. McGrath erwischte es an einem vermeintlich ganz einfachen Tor, Chance aufs Gold weggeschmissen. Wie die Stöcke, die er wutentbrannt in die Gegend schleuderte. Danach machte sich McGrath auf, überwand einen Zaun und stapfte in Richtung Wald. Dort legte er sich in den Schnee, Leib und Seele brauchten Abkühlung. Es passt zur so unpersönlichen Organisation, dass sich alsbald ein Offizieller aufmachte und Meillard bedeutete, dass er dort nicht liegen bleiben dürfe. Anstatt ihn dort einfach in Ruhe (sich abkühlen) zu lassen.
In der Pk am Abend war McGrath schon wieder gefasst. Er erzählte von schrecklichen Wochen, weil kurz vor den Spielen sein geliebter Großvater gestorben sei. Nur der Gold-Triumph seines besten Skikumpels Lucas Braathen im Riesenslalom sei ein kleiner Silberstreif in den dunklen Tagen gewesen. Am Freitag ist die Besetzung in der norwegischen Heimat, extra für McGrath und „seinen“ Slalom wurde sie verschoben.

 

Die Wut des Ski-Löwen

 

In dürren Fakten: Linus Straßer beendete den Slalom als Neunter, nicht schlecht, aber doch weit weg von den ersehnten Medaillenrängen. Noch während das Rennen lief, ließ der Fahrer des TSV 1860 München, deshalb Ski-Löwe, Dampf ab und kein gutes Haar an Olympia allgemein und dem Austragungsort Bormio im Besonderen. „Zu steril, keine Emotionen, zu teure Karten, die Zuschauer zu weit weg“, schimpfte er. So wie er würden viele denken.
Natürlich schwang da viel Frust übers Verpassen der Medaille mit, aber es steckte auch viel Wahrheit drin. Der Slalomhang im Schlussteil der Stelvio war viel zu flach, absolut unwürdig fürs wichtigste Rennen des Jahres. Die Olympia-Organisatoren wollten Bormio unbedingt als Olympia-Ort präsentieren – mit dem Ergebnis, dass die alpinen Männer dort die einzigen Olympioniken waren; also kein Austausch mit anderen Sportlern. Ja nicht einmal mit den alpinen Frauen, denn die starteten in Cortina, wo es im übrigen auch Männer-taugliche Strecken (und für Slalom und Riesenslalom viel bessere!) gegeben hätte.
Bormio ist das Sinnbild dieser furchtbar zerstückelten Spiele. Wo es für normalsterbliche Fans (also diejenigen ohne Privat-Hubschrauber, Herr Skipräsident Eliasch!) unmöglich ist, mehrere Sportarten zu besuchen: was aber genau den Charme von Olympischen Spielen ausmacht.
In einem anderen Blog habe ich Straßer für seine beinharte Kritik kritisiert. Ich meinte vor allem den Umstand, dass er dies getan hat, während das Rennen noch lief, also seine Slalom-Gefährten noch um Medaillen kämpften (und er selbst wie ein schlechter Verlierer daherkam). Dazu stehe ich weiterhin, aber in der Sache gebe ich ihm völlig Recht (wobei ich die fehlende Stimmung im Ziel natürlich nicht wirklich vom Fernsehgerät beurteilen kann).

Was ich ja immer wieder betont habe, manifestiert sich: Für uns Zuschauer mag Olympia das Größte sein. Für die Aktiven und objektiv viel wertvoller ist ein Triumph im Gesamtweltcup, weil dieser den sportlichen Erfolg einer gesamten Saison und nicht nur eines Rennens honoriert. Zufalls-Olympiasieger (ein böses Wort) hats schon viele gegeben, aber noch nie einen zufälligen Weltcupsieger.

 

Ein Abbruch, viel Ärger und einige offene Fragen

 

Apropos Wut. Diese entlud sich vor allem seitens der deutschen Skispringer über die Organisatoren des Super-Team-Wettbewerbs. Gerade hatte Philipp Raimund mit einem tollen Sprung die Führung übernommen (mit Andi Wellinger), da setzte recht plötzlich heftigster Scheefall ein. Die Organisatoren warteten zu, ließen sogar noch den bedauernswerten wie chancenlosen Kacper Tomasiak vom Bakken, der weit hinter Raimund blieb und mit Polen vermeintlich alle Chancen auf eine Medaille verlor. Drei Athleten warteten noch oben, doch es war klar, dass bei diesen Verhältnissen kaum jemand Raimund und seinen Teamkollegen Wellinger würden einholen können. Denn sehr viel Schnee bedeutet: die Anlaufsspur wird erheblich langsamer, der Springer wird dadurch komplett chancenlos.
Die Jury hatte ein Einsehen und brach nach Minuten des Überlegens und Diskutierens den Wettbewerb ab. Gewertet wurden also nur zwei anstatt der drei vorgesehenen Durchgänge, und da lagen die Deutschen 0,3 Punkte hinter den bronzenen Norwegern und klar hinter den siegreichen Ösis und silbernen Polen. Also sprachen die Verantwortlichen von „Skandal!“ und „geraubter Medaille“.

Dazu ein paar Anmerkungen: Natürlich war es extrem unglücklich, dass das Springen abgebrochen wurde, zumal sich das Wetter recht schnell besserte. Die richtige Entscheidung wäre wahrscheinlich gewesen: zumindest alle zweiten Springer der acht verbliebenen Nationen den 3. Durchgang noch mal absolvieren zu lassen. Dies hat die Jury unterlassen mit der für mich schwer nachvollziehbaren Begründung, das sei auch Wunsch der Fernsehanstalten gewesen. Als ob es in der Olympischen Geschichte noch nie längere Unterbrechungen gegeben hätte. Noch besser wäre gewesen, den Wettbewerb angesichts des drohenden Schneefalls schneller ablaufen zu lassen …
Zum Punkt „geraubte Medaille“:  Zur Wahrheit gehört allerdings, dass die Deutschen vor dem entscheidenden Durchgang von Raimund schon sehr viel Rückstand hatten, der unter normalen Umständen kaum aufzuholen gewesen wäre. Die Deutschen trauern also einer (Gold)Medaille nach, die sie höchstens den Verhältnissen zu verdanken gehabt hätten (was es schon oft gegeben hat). Sportlich fair klingt anders, vor allem der Auftritt von Sportdirektor Horst Hüttel stieß bei mir sauer auf, der mehr oder weniger unverblümt sagte: sollen die anderen doch schauen, wie sie mit Drecksverhältnissen zurechtkommen, Hauptsache wir bekommen die Medaille.

Am verdienten Gold der Österreicher Jan Hörl und Stefan Embacher gab es eh nie den geringsten Zweifel. Sie erlösten das Springer-Team Austria, über dessen „Versager“ nach den bis dato medaillenlosen Spielen schon der Stab  gebrochen wurde.

 

Eine Kür zum Träumen

 

Ich meine den wundeschönen Lauf des japanischen Paares Riku Miura und Kihara Ryuichi. 4 Minuten voller Poesie, voller Höchstschwierigkeiten, vielleicht das Beste, was die Eiskunstlauf-Welt je gesehen hat in dieser traditionsreichen Disziplin (sagt der Münchner Löwe, der Eiskunstlauf-Super-Auskenner …). Die Punktrichter jedenfalls sahen das Außergewöhnliche, vergaben so viele Punkte wie noch nie für eine Kür. Ausgemerzt war die verpatzte Kurzkür, die das Weltmeisterpaar auf Platz 5 noch recht glimpflich beendete (jaja, die Punktrichter …).
Schon bevor die Führenden Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin als Letzte zur Kür schritten, war klar: Nur ein absolut fehlerloser Lauf würde den Deutschen zu Gold reichen – wenn überhaupt. Doch schon beim dreifachen Salchow patzte Hase, sprang nur einfach, damit war der Goldtraum dahin. Es reichte letztlich zu Bronze, und nach einer ersten kleinen Enttäuschung waren beide auch hochzufrieden mit der Medaille.
Grotesk empfand ich die Überschriften all überall in den Online-Medien: „Gold verpasst“ anstatt „Bronze gewonnen“. Warum kann man nicht einfach eine großartige Leistung von anderen würdigen?  Zumal Medaillengewinner für detsche AthletInnen höchst rar gesät sind, außer …

 

Danke, lieber Eiskanal

 

Die Röhre in Cortina wurde ja gerade noch rechtzeitig fertig, zur Ver- und Bewunderung fast aller Beobachter. Aus deutscher Sicht kann man nur sagen: Gott sei Dank. Denn während in anderen Sportarten die hiesigen AthletInnen allzu oft  mehr oder weniger weit weg von der Spitze vorbeifahren und -springen, sammeln sie in Cortina Edelmetall im Überfluss.
Vorläufiger Höhepunkt der Erfolgsstory war der Zweierbob der Männer. Johannes Lochner siegte vor seinem Erzrivalen Francesco Friedrich und Adam Ammour (I love that name). Deutscher Dreifach-Erfolg, das hatten bei diesen Spielen nur die schwedischen Langlauf-Sprinterinnen geschafft. Nach der Silbermedaille von Laura Nolte im Monobob und den reich bedachten Rodlern und Skeletoni also der Meaillen-Sweep. Ein Sonderlob gebührt den Technikern vor allem denen des FES (Institut für Forschung und Entwicklung), das maßgeschneiderte Gefährte und Kufen gezimmert haben. Berliner Wertarbeit, wer in der Hauptstadt kann das noch von sich behaupten?
20 Medaillen hatten die deutschen SportlerInnen bis Dienstagabend gesammelt, 15 (!) davon im Eiskanal. Nough said zu diesem ungesunden Verhältnis, außer: Es stehen im Bob noch der Frauen-Zweier und Vierer-Männer an …

 

Und sonst?

 

  • Biathlon: Die 3 dominierenden Nationen machten die Männer-Staffel unter sich aus. Frankreich siegte trotz der Strafrunde für Startläufer Fabien Claude vor Norwegen und Schweden. Das deutsche Quartett wurde Vierter – immerhin Best of the Rest. Obs die Frauen am Mittwoch besser machen? Ich hab meine Zweifel.
  • Eisschnelllauf: Wieder was gelernt: Im Mannschaftswettbwerb gibt es keine Führungswechsel mehr. Eine fährt die gesamten 3000 Meter voran, die anderen beiden eng hinterher, zum Teil mit (erlaubter) Berührung. Führungswechsel, so die neueste Erkenntnis, würden zu viel Zeit kosten und wären zudem zu fehleranfällig. Es siegten die kanadischen Frauen und die italienischen Männer.
  • Ski Freestyle: Wer kann, möge sich in der Mediathek das Männer-Finale im Big Air anschauen. Schon beim Zuschauen wirds einem angesichts der Drehungen und Windungen (bis zu sechsfach!) schwindlig. Gewonnen hat ein allen Experten bis dato fast unbekannter Norweger namens Tormod Frostad vor dem US Boy Mac Forehand (wieso spielt der nicht Tennis, hihi?) und Matej Svancer aus Österreich.

Das wird Molympico, Dienstag

Pflichtprogramm

 

14:30: Biathlon-Staffel, Männer

 

4 Athleten pro Nation gehen nacheinander (Ablösung per Handauflegen) auf die 7,5 Kilometer, mit Liegend- und Stehendschießen. Je 5 Schüsse auf die Scheiben, wer nicht alle abräumt, bekommt jeweils 3 Nachlader, danach drohen Strafrunden. Immer wieder ein extremer Spannungsmoment, weil beim Stehen schnell die Beine das Zittern anfangen, weil der Puls zu tief sinkt, die berühmte Nähmaschine.

Es gibt 3 klare Favoriten auf die Medaillenränge: Frankreich, Norwegen und Schweden (alphabetische Reihenfolge, nicht meine Bewertung) dürften die Plätze 1 bis 3 unter sich ausmachen, wenn alles normal abläuft. Die Hoffnung der Hinteren (Deutschland, Italien): Wann läuft eine Biathlon-Staffel schon normal ab?

 

16:22/16:41: Eisschnelllauf, Mannschaftsverfolgung Finale, Männer und Frauen

 

2 Teams à 3 Läuferinnen (oder Läufer) laufen gegeneiander 3000 Meter. Möglichst dicht beeinander (sie dürfen sich sogar berühren) und mit Führungswechseln wegen Luftwiderstand. Jede halbe Runde wird der Abstand der Teams gemessen. Wenns knapp ist, ist die Spannung unerträglich.
Zuvor werden noch die Halbfinali ausgetragen;  bei den Frauen USA vs Kanada und Holland vs Japan, bei den Männern Holland vs Japan und USA vs China. Oranje zweimal bowen?, dem Holland-durchsetzen Publikum würde es gefallen …

 

Wird sicher spannend

 

10:00/13:30: Nordische Kombination, Großschnze und 10 Kilometer

 

Ein Sprung und dann wie gehabt die Gundersen-Methode. der Sprungbeste geht als Erster in die Loipe, die Platzierten folgen je nach ihren Sprung-Abständen. Das heißt: Der Erste im Ziel nach 10 Kilomtern ist auch der Goldmedaillen-Gewinner.
Athleten von 3 Nationen haben zuletzt fast alle Weltcups unter sich ausgemacht: Norweger, Deutsche und Österreicher. Tatsächlich AthletEN, denn Frauen sind in der Noko für Olympia nicht vorgesehen. Angeblich zu wenige aus zu wenigen Nationen. Was für eine Sauerei angesciths der lachhaften Rodel-Konkurrenzen mit 5 wettbewerbsfähgien Teams.
Für die Deutschen lief es im ersten Wettbewerb von der Noralschanze wenig berauschend, auch die Trainingsergebnisse vom Großen Bakken sind bestenfalls ordentlich zu nennen. Wieder gut sind die Ösis um Johannes Lamparter und Norge um Öftebrö. Und vielleicht wieder ein Finne, diesmal Herola?

 

12:10: Eishockey, Männer, Zwischenrunde

 

Obs wirklich spannend wird, sei mal dahingestellt. Das deutsche Team trifft auf Frankreich, und die NHL-Profis um Leon Draisaitl sind klarer Favorit. Auch die weiteren Partien Schweiz vs Italien (12:10), Tschechien Dänemark (16:25) und Schweden – Lettland (21:10) dürften für das jeweils erstgenannte Land klare Angelegenheiten werden. Für die heißt es auch: Kraft sparen, denn schon am Mittwoch stehen die Viertelfinali gegen dann ausgeruhte Teams an.

 

Und sonst?

 

  • Bob, Zweier der Männer: Vielleicht sogar ein deutscher Sweep, also Gold, Silber und Bronze für Team Germany. Zumindest führte nach 2 von 4 Läufen Deutschland (Lochner) vor Deutschland (Friedrich) vor Deutschland (Ammour). Zumindest die USA können den Dreier noch verderben.