von Münchner Löwe | Juli 13, 2026 | Allgemein
Es war ein faszinierendes Wimbledon-Finale, sicher nicht das Beste alle Zeiten oder auch nur dieses Jahrzehnts, aber doch eines der Besseren, Interessanteren, Spannenderen, eines, an das man sich auch noch in Jahren erinnern wird. Hier Jannik Sinner, der Titelverteidiger, die Nummer 1 der Welt. Der Italiener, der dieses Tennisjahr beherrscht (5 Masters-Turniersiege), aber ausgerechnet bei den beiden bisherigen Grand-Slams in Melbourne und Paris geschwächelt hatte.
Dort Alexander Zverev. Vor einem Jahr gebeutelt vom Erstrunden-Aus und nachfolgendem Seelenstriptease. Der ebenfalls ein faszinierendes Tennisjahr hinter sich hat mit dem Höhepunkt des French-Open-Triumphes in Paris vor gut einem Monat. Als ihm aber die ewigen Kritiker vorwarfen, ja wirklich vorwarfen!, er habe ja nur gewonnen, weil Sinner vorher ausgeschieden war und der andere überragende Mann auf der Tour, Carlos Alcáraz, wegen einer Handverletzung gar nicht dabei war.
Jetzt hatte das Schicksal Sinner und Zverev ins Wimbledon-Finale geführt, erneut in Abwesenheit des hand-verletzten Alcáraz; beide mehr (Zverev) oder weniger (vor allem anfangs: Sinner) souverän. Sinner galt als leichter Favorit: wegen des überzeugenden Halbfinalerfolgs gegen den ewigen und alterslosen Novak Djokovic, vor allem aber wegen des unglaublich anmutenden direkten Vergleichs. Die letzten neun Duelle mit Zverev hatte allesamt der Südtiroler für sich entscheiden, allein fünf in diesem Jahr – und jedes Mal war Zverev absolut chancenlos geblieben.
Es entwickelte sich eine vom jeweiligen Aufschläger dominierte Partie. Der erste Satz ging in den Tiebreak, den Zverev gewann. Der zweite Durchgang ging ebenfalls ohne Aufschlagverlust in den Tiebreak – und diesmal hatte Sinner das bessere Ende für sich. Vielleicht die Vorentscheidung beim Stand von 3:3 im dritten Satz. Zverev hatte einen der raren Breakbälle, doch als er den Stop von Sinner erlaufen wollte, rutschte er aus und schlug aufs Knie. Er verlor nicht nur den Punkt, sondern kurze Zeit später auch das Spiel und danach auch den eigenen Aufschlag. „Ich konnte nicht mich nicht mehr ganz so abdrücken beim Service, deshalb fehlte es an Geschwindigkeit“, bekannte er hinterher. Ansonsten habe er sich aber problemlos bewegen können.
Ähnlich der 4. Durchgang. Ein Break genügte Sinner letztlich zum Triumph. Obwohl Zverev wirklich alles versuchte. Beim Stand von 4:5, 30:30 aus seiner Sicht vielleicht der Ballwechsel der Partie. Zverev dominierte, und gegen jeden anderen Spieler hätte er mit Gewissheit den Punkt gemacht. Aber Sinner vermag Bälle auszugraben wie kein Zweiter, und wie kein Zweiter kann er bei der geringsten Möglichkeit in den Angriffsmodus umschalten. Er gewann also den Punkt, das Spiel und das insgesamt hochklassige Match. Zverev war ganz nah, so nah wie vielleicht in keinem der andere Duelle (unter anderem eine Art Hinrichtung im Australian-Open-Finale 2025). Er hatte sich diesmal nichts vorzuwerfen. „Er wird besser und besser“, konstatierte auch Sinner. Das ist nicht nur so dahergesagt, sondern zeugt von tiefem und ehrlichem Respekt. Auch dem größten Zverev-Kritiker müsste aufgefallen sein, dass der Hamburger in den vergangenen zwölf Monaten sein Spiel wesentlich verbessert hat, dass er viel aggressiver agiert und viel näher an der Grundlinie steht.
Tschechinnen-Finale an Noskova
Den Sieg bei den Frauen holte sich Linda Noskova, die in einem inner-tschechischen Duell in drei Sätzen gegen Karolina Muchova erfolgreich war. Eine verrückte Partie. Insgesamt fünf Matchbälle vergab Noskova im zweiten Satz, ehe sie ihn mit 5:7 abgeben musste. Die 21-Jährige verschwand zur Toilettenpause, und kehrt zurück, als sei nichts geschehen. Ihr gelang sofort das Break zum 2:0, und diesen Vorsprung transportierte sie bis zum Triumph. Den sie mit einem krachenden Aufschlag sicherte. Die eigentlich untröstliche Muchova zeigte bei der Siegerehrung Humor. „Meine Ex-Freundin“, rief sie in Richtung Noskova; jeder weiß, wie gut sich die beiden verstehen, die ja auch schon einige Doppel miteinander bestritten hatten.
Damit setzt sich eine erstaunliche Serie fort. Im zehnten Jahr hintereinander gab es auf dem Heiligen Rasen einen Premierensieg. Also zehn verschiedene Triumphatorinnen, die vorher noch nie in Wimbledon erfolgreich waren. Darunter gleich vier Tschechinnen: Petra Kvitona, Marketa Vondrousova, Barbora Krejcikova und eben Linda Noskova. Mich würde wenig wundern, wenn die hochbegabte Karolina Muchova im Juli 2027 die Serie auf 11 Jahre und fünf Tschechinnen ausbauen würde.
von Münchner Löwe | Juli 12, 2026 | Fußball, WM
Frankreich, Spanien, Argentinien und England: Wer auf diese 4 Mannschafften im WM-Halbfinale gesetzt hat, ging auf Numer sicher und behielt recht. Es waren die Top-4 der Weltrangliste. Erstmals wurden sie so in die Gruppen gesetzt, dass sie erst im Halbfinale aufeinandertreffen würden, wenn alles nach Plan geht.
Hätte man sich also den ganzen Spaß sparen können und gleich mit dem Halbfinale beginnen? Das hätte uns doch einiges sehr unterhaltsame Fußballspiele gekostet, seltsame Irrungen und Wirrungen.
Ich will jetzt gar nicht großartig auf die 4 Viertelfinals eingehen, in denen sich die jeweiligen Favoriten durchgesetzt haben. Außer vielleicht Frankreich gegen Marokko brauchten die Teams auch Glück, den besonderen Moment, den fatalen Fehler des Gegners
Frankreich – Marokko 2:0
Marokko erwies sich als der erwartet harte Kontrahent, zumindest in der Defensive. Offensiv hatte das letzte verliebene Team aus Afrika leider überhaupt nichts zu bieten. Kylian Mbappé erlaubte sich gar den Luxus und scheiterte mit einem Elfmeter an Schlussmann Bono (nach zuvor endloser Diskussion und VAR-Besichtigung, ob es wirklich eine elfmeterreifes Foul gewesen war). Groß beeindrucken ließ sich der Real-Star nicht: Mit feinem Schlenzer erzielte er das 1:0, und als Stürmerkollege Dembélé auf 2:0 erhöhte, waren alle Unklarheiten beseitigt.
Spanien – Belgien 2:1
Knackpunkt: Die Verletzung von Thibault Courtois (68). Der 1,98-Meter-Riese gilt als einer der besten Torhüter der Welt. Er schien zwar nicht in absoluter Topform, aber nach und nach schien er sich einzugrooven, und in den Köpfen der Spanier hat sich der Real-Madrid-Keeper eh eingenistet (Julian Nagelsmann würde es „Aura“ nennen). Als er nach 68 Minuten beim Stand von 1:1 das Spielfeld verlassen musste, war das mehr als ein Verlust eines sicheren Rückhalts. Die Belgier, ohnehin extrem verletzungsgeplagt, sackten regelrecht zusammen, während Spenien neues Selbstvertrauen gewann. Es gehört dann zu den Grausamkeiten des Fußballs, dass ausgerechnet Courtois-Ersatz Senne Lammens den entscheidenden Fehler vorm 1:2 machte, als er einen harmlos wirkenden Ball nach vorn abprallen ließ, und Superjoker Mikel Merino ohne Mühe vollendete.
England – Norwegen 2:1
Knackpunkt: Der Ausgleich für England noch vor der Pause. Norwegen war durch ein Traumtor von Schjeiderup in Führung gegangen und bastelte gar am 2:0. Dann ein Energie-Anfall von Englands Jude Bellingham, der im gegnerischen Strafraum sich gekonnt durchsetzte und unhaltbar einschoss.
So weit, so ärgerlich. Doch Norwegens Torwart Nyland protestierte lautstark und wies immer wieder nach oben. Was er monierte? Unmittelbar vor dem Tor soll der Ball nach einem Befreiungsschlag ein Kabel der Spider Cam berührt haben; jedenfalls fiel er nach erstaunlicher Flugkurve zu Boden, wo ihn die Engländer aufsammelten und das Tor vorbereiteten. Ob das tatsächlich der Fall war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ein paar Kamera-Einstellungen legen den Eindruck nahe. Wenn ja, dann hätte die Partie unter allen Umständen unterbrochen werden müssen. Die FIFA behauptet jetzt, am eingebauten Ball-Sensor habe es keinerlei Ausschläge gegeben. Aber wer der FIFA und insbesondere ihren Schiris nach all den Skandalen und Trump-Einmischungen noch ein Wort glaubt, ist selbst schuld.
Schiedsrichter Taupin hörte vielleicht aufmerksam zu, er dachte allerdings nicht mal daran, das Ganze überprüfen zu lassen.
In der 2. Halbzeit wurde dann ein Treffer de Norweger zu recht aberkannt, weil zuvor Haaland einen Verteidiger umgerissen hatte. Entschieden wurde auch hier das Ganze durch einen Torwartfehler. Ausgerechnet der bis dato starke Nyland ließ einen Schuss nach vorne prallen, und abermals Bellingham war zur Stelle.
Argentinien – Schweiz 3:1 n. V.
Knackpunkt: die Gelb-Rote Schwalben-Karte für Embolo (69.). Gerade hatten die Schweizer ausgeglichen gegen extrem müde Argentinier. Alle Vorteile schienen bei den Eidgenossen zu liegen, da geschah die entsetzliche Dummheit von Embolo, die allerdings erst per VAR erkannt wurde. Nach einem Zweikampf mit Paredes ging Embolo zu Boden. Schiedsrichter Pinheiro erkannte auf Foulspiel und zeigte dem Argentinier die Gelbe Karte. Seit dieser WM gibt es nun die Regelung, dass Gelbe Karten bei Spielerverwechslung überprüft werden können. Und so meldete sich der VAR und monierte, dass hier gar keine Berührung von Paredes (in vielen anderen Aktionen wirklich kein Kind von Traurigkeit) vorgelegen habe. Vielmehr zeigten die Fernsehbilder, dass Embolo ohne Berührung abgehoben war und den sterbenden Schwan markierte. Pinheiro tat das einzig Mögliche, nahm Gelb für Paredes zurück und zeigte seinerseits Embolo den Gelben Karton. Und weil dieser schon verwarnt war, flog dieser mit Gelb-Rot vom Platz. Letztlich die richtige Entscheidung. Der Treppenwitz des Ganzen ist: Hätte Pinheiro Paredes nicht verwarnt, hätte er die Entscheidung Foul überhaupt nicht überprüfen dürfen. Embolo wäre auf dem Platz geblieben, und wer weiß was die Schweizer in Gleichzahl mit den wie paralysiert wirkenden Argentiniern angestellt hätten.
Die Schweizer schäumten henach und sprachen von Betrug. Niemand allerdings klagte Embolo an, der mit seiner extrem unsportlichen Schwalbe einen unerlaubten Vorteil herausschinden konnte.
Die Überzahl wirkte wie ein Boost für Argentinien. Plötzlich ein Spiel auf ein Tor der sich jetzt verbarrikadierenden Schweizer, allerdings ohne großen Druck oder gar Top-Chancen zu entwickeln. Es gehört zu den Aburditäten des Fußball, dass dann ausgerechnet Julian Alvarez mit einem Zauberschuss das vorentscheidende 2:1 erzielte. Ausgerechnet deshalb, weil Alvarez, einer der WM-Helden 2022 zuvor im gesamten Spiel (und wenn man ehrlich ist: im gesamten Turnier) wenig bis nichts zustandegebracht hatte. Das 3:1 war dann nur noch etwas für die Statistiker.
Der „Spiegel“ hat es recht treffend kommentiert: Von Spiel zu Spiel wird Argentinien und auch ihr Supersar Messi schwächer und müder: Trotzdem steht der Titelverteidiger im Halbfinale, wer weiß, wozu das noch hinführt..
von Münchner Löwe | Juli 9, 2026 | Fußball
Zehn Tage ist das beschämende Ausscheiden der deutschen Fußballer her, doch die Zukunft scheint golden. Denn unser Jürgen Klopp steht bereit, und vielleicht schon dieses, spätestens nächstes Wochenende wird auch vertraglich festgezurrt, was alle erhoffen: Dass nämlich der Wundertrainer das Team übernimmt, flugs alle Missstände im deutschen Fußball beseitigt und zu den gar nicht sooo lange vergangenen Hochzeiten zurückführt. Der EM-Titel 2028, noch dazu in Klopps zweiter Wahlheimat England, scheint da doch nur Formsache, oder?
Tolle sportliche Bilanz
An der sportlichen Expertise besteht kein Zweifel, das zeigen auch die Erfolge seiner drei Profiteams FSV Mainz 05 (Aufstieg und Etablieren in der 1. Bundesliga), Borussia Dortmund (2 Meistertitel und ein Pokalsieg, dazu ein verlorenes Champions-League-Finale) und dem FC Liverpool (u. a. 1 Meistertitel, Champions League und 2 verlorene Finals, 1 Pokalsieg). Klopp machte jedes seiner drei Teams deutlich besser, mit eine klaren und durchaus attraktiven Spielphilosphie. Bei all seinen Stationen war er extrem beliebt, in Liverpool steht er als Manager auf einer Stufe mit den Club-Legenden Bill Shankley und Bob Paisley; er war zeitweise in der Stadt mindestens so beliebt wie die Beatles (nona).
Der Charakter
Klopp gilt als Menschenfänger, als sehr guter Motivator. Aber auch als sehr selbstbewusst. Der auch nie verhehlte, dass ihn der Job des Bundestrainers reizen würde. Doch mir geht das alles jetzt viel zu schnell. Dass und wie hartnäckig Klopp sich geradezu aufdrängte über Magenta, wo er eigentlich nur als Experte angestellt war. Diesen Job missbrauchte geradezu schamlos als Eigen(be(werbung. Kaum dass Jonathan Tah den letzten Elfmeter in die Wolken von Boston gejagt hatte, war die Nachricht Klopp-Bundestrainer schon offiziell vermeldet auch von Klopp (noch vor Nagelsmann Rücktrittserklärung). Und das, obwohl er bei Red Bull „Head of Soccer“ einen bestens dotierten Job (10 Mios/Jahr) hat ohne Ausstiegsklausel, wie es heißt. Eine Lappalie, findet Klopp, um dann zu heucheln: „Ich halte Verträge liebend gerne ein.“ Besser lügen kann nur Fritze Merz.
Auch wie der DFB allzu willfährig auf alle Forderungen von Klopp eingeht, gefällt mir nicht. So eilig ist es dann doch nicht, als dass man nicht in Ruhe auch Alternativen seriös prüfen könnte. Etwa das bisherige Undenkbare, nämlich einen ausländischen Trainer, der nicht mit dem ganzen DFB-Muff zu tun hat; den indiskutablen Funktionären, die jetzt offenbar alle ihren Job behalten dürfen. Ob sich dann wirklich so viel ändert, bleibt abzuwarten.
Rudi Völlers indiskutable Rolle
Offiziell war Rudi Völler Sportdirektor. Rudi Völler ist der Deutschen allerliebster Fußballer und Trainer, dem man alles verzeiht: auch und vor allem Abkanzeln von Kritikern. Inoffiziell war er so etwas wie das Kindermädchen und der Aufpasser von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Klang hervorragend: Der WM-erfahrene Völler (3 Turniere als Spieler/Weltmeister 1990 und Vizeweltmeister1986), eines als Trainer (Vize-Weltmeister 2002) sollte dem Turnier-Novizen Nagelsmann helfen. In der Praxis war es dann so, dass Völler sämtliche Fehler von Nagelsmann mittrug. Das begann mit der entsetzlichen Rückholaktion von Neuer und hörte mit den Spieler-Frauen im WM-Camp noch längst nicht auf. Kein Wort der Kritik seitens Völlers, alles schien supi: das Quartier, die Stimmung. Bis Paraguay.
Erst nach dem Ausscheiden motzte Völler und lederte gegen den Bundestrainer in schamlosester Weise, wie katastrophal alles gewesen sei. Die absurden Berichte aus Winston-Salem (die hochbezahlte Profis spielen aus purer Langeweile VERSTECKEN!) taten ihr Übriges. Völler tut jetzt so, als habe er damit absolut nichts zu tun gehabt. Zur Belohnung darf er weiter dilettieren, immerhin für ein Salär von 1 Million Euro/Jahr. (Disclaimer: Ich liebe Rudi Völler seit seiner Löwenstprmer-Zeit 1981 und 82. Falls das jetzt nicht ganz so rüber kam …)
Immerhin ist Rudi nazionale ein Schnäppchen im Vergleich zum Salär des sehr geschäftstüchtigen Klopp. Angeblich pocht dieser nicht auf jeden Euro und will nur ein bisschen mehr als 7 Millionen Euronen jährlich, also nur etwas mehr als Nagelsmann verdiente. Immerhin erspart sich der DFB offenbar ein Herauskaufen von Klopp aus dem Red-Bull-Vertrag. Der Brausegigant erkennt den irrsinnigen Werbewert von Klopp, der dem Vernehmen nach Werbebotschafter bleibt. Mit Werbung kennt Klopp sich ja aus: Von Autohersteller über Bier, Schokoriegel, Finanzberatung (sehr finster) bis hin zu Fitnessgeräten – keine Branche ist vor ihm und seinem künstlichem Zahn-Grinsen sicher.
Kann Klopp auch Bundestrainer?
Die Klopp-Teams zeichnete eine ganz spezielle Spielphilophie aus. Die sich allerdings nur in täglicher Zusammen- und Kleinstarbeit erschließen ließ. Trotzdem dauerte es sowohl in Dortmund als auch in Liverpool einige Zeit, bis die Rädchen ineinandergriffen und die Spieler begriffen, was Klopp wollte. Dieses tägliche Zusammenarbeiten fällt in Nationalteams praktisch aus. Zu Länderspielblocks kommt die Mannschaft gut eine Woche zusammen, in denen bestenfalls Feinjustierung gelingen kann. Dazwischen haben die jeweiligen Clubtrainer mit ihren eigenen, durchaus auch gegensätzlichen Vorstellungen das Sagen: Trainern, denen die Belange der Nationalspieler gleichgültig sind und im Vereinsinteresse auch sein müssen.
Was Klopp auch nicht kann: Spieler einfach dazukaufen. Beispiel FC Liverpool. Schnell war klar, dass dem Team ein überdurchschnittlicher Abwehrspieler fehlt. Die Engländer griffen tief in die Vereinsschatulle und eisten den Holländer Virgil van Dijk für 85 Millionen Euro vom Liga-Konkurrenten FC Southampton los.
Und doch: Positives überwiegt
Auch wenn Zweifel durchaus vorhanden und auch berechtigt sind. Klopp wird dem Nationalteam gut tun, schlimmer kann es auch wirklich nimmer werden nach jetzt drei Katastrophen-WMs mit ganz frühem Aus vorm Achtelfinale. Er genießt die uneingeschränkte Unterstützung der Bundesliga und auch die der Boulevard-Journalisten, die ihren Kloppo schon seit Jahren als Wunsch-Bundestrainer proklamieren. Interessant wird sein, ob und wie tief Klopp auch den Verband durcheinanderwirbeln kann. Wenn ich höre, dass praktisch alle Funktionäre weiterwurschteln dürfen wie bisher, trübt das meinen Optimismus. DFB-Chef Neuendorf müsste weg, ebenso Völler! Neue Männer und gerade auch Frauen braucht das Land!
Herausragende junge Spieler geben mir Anlass zu Hoffnung, die Karls, El Malas und Co. Die U 21 wurde im vergangenen Jahr Vize-Europameister, die U 19 kämpft am Samstag im EM-Finale gegen Spanien um den Nachwuchs-Titel. Spieler aus diesen Teams hochzuziehen und in der Nationalmannschaft zu integrieren – wenn Klopp das gelingt, könnte es tatsächlich was werden, auch angesichts der hochbegabten Wirtz, Musiala und Co, die da so rumlaufen. Obs dann wirklich zum Titel reicht, ist fast nebensächlich, Spaß sollten deutsche Spiele wieder machen.
Bis zum ersten Länderspiel Ende September ist es gar nicht mehr so lang hin. Bis dahin werden alle Vertragsdetails fixiert sein. Gegner in Amsterdam wird Holland sein, wie die Deutschen extrem enttäuscht über das allzu frühe Aus in der Zwischenrunden. Wichtiger ist allerdings ohnehin das Fernziel: die EURO 2028 in Großbritannien, wo Klopp dank seiner Zeit beim FC Liverpool mindestens so viel Ansehen genießt wie hierzulande.
von Münchner Löwe | Juli 8, 2026 | Fußball, WM
Sieben Teams aus Nord- und Südamerika hatten sich fürs WM-Achtelfinale qualifiziert, nur Argentinien kam trotz des 0:2-Rückstands gegen Ägypten weiter. Auch weil der französische Schiedsrichter sehr großzügig mit Messi und Co. verfuhr. Ich will nicht von „Betrug“ sprechen, wie die am Ende total aufgebrachten Nordafrikaner, aber wie das Unparteiischen-Team um Monsieur Letexier Argentinien in praktisch jeder strittigen (und manches Mal auch unstrittigen) bevorzugt hatte, erzeugte bei mir schon einen üblen Geschmack, ein mulmiges Gefühl. Und angesichts der Irrsinnigkeiten der FIFA finden Verschwörungstheorien zurzeit halt sehr fruchtbaren Boden, zB diese: dass ein Messi fürs Turnier sehr viel gewinnbringender ist als ein Mo Salah und die Herrschaften Geldgeber ihn sehr gerne noch ein oder zwei oder sogar drei Spiele dabei hätten.
Ausgeschieden sind dagegen die drei Gastgeber (die ihre Schuldigkeit mit dem Achtelfinal-Einzug getan haben). Während Kanada gegen Marokko (0:3) und die USA gegen Belgien (1:4) praktisch chancenlos waren, lieferten die Mexikaner im bisher stimmungsvollsten Spiel des Turniers den Engländern einen fantastischen und mitreißenden Fight und verloren im legendären Azteka trotz langer Überzahl mit 2:3. Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte besiegten damit die Engländer einen WM-Gastgeber
Durchmarsch der Europäer
Der Alte Kontinent stellt jetzt sechs der acht Viertelfinalisten, und allein Marokko und Argentinien können ein rein europäisches (Halb)-Finale verhindern. Einzig Portugal scheiterte im Achtelfinale im Iberoclasssico an Spanien. Ob trotz oder wegen eines Cristiano Ronaldo, bleibt mal dahingestellt. Der Altsstar zeigt in manchen Szenen immer noch seine Klasse, aber meines Erachtens steht er der Entwicklung seiner hochbegabten (allerdings etwas müde wirkenden) Mitspieler im Weg.
Während ich den torlosen Südamerika-Teams aus Kolumbien (gegen die Schweiz im Elferschießen nach 0:0 trotz Verlängerung) und vor allem Paraguay (0:1 nach übelster Treterei vs Frankreich) keine Träne nachweine, verhält sich das mit Brasilien etwas anders. Die Selecao scheiterte mit 1:2 an der „Goldenen Generation“ Norwegens mit deren Überstürmer Erling Haaland. Der erzielte zwei unglaublich tolle Tore, wie sie zurzeit auf der Welt allenfalls noch Englands Harry Kane zustandebringt. Letztlich ein verdienter Sieg der Wikinger, aber wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, hätte zu Beginn Bruno seinen Elfmeter für Brasilien verwandelt. Das beliebte „was wäre, wenn“, ohne das kein Fußballfan auskommt …
Eines ist allerdings klar: Den Brasillianern fehlt es zurzeit an individuell überragenden Einzelspielern. Ein Grund dafür wird oft angegeben: Viel zu früh würden sich die Profis nach Europa aufmachen, um dort das große Geld zu verdienen. Sehr nachvollziehbar, auch angesichts der Armut, aus der sie häufig entfliehen, aber für die Entwicklung eben nicht gut.
Und jetzt, das Viertelfinale
Ansetzungen (MESZ)
Do., 22:00: Frankreich – Marokko in Boston (16 Uhr Ortszeit)
Fr., 21:00: Spanien – Belgien in LA (12 Uhr Ortszeit)
Sa., 23:00: Norwegen – England in Miami (17 Uhr Ortszeit)
So., 03:00: Argentinien – Schweiz in Kansas City (20 Ortszeit) in Argentinien: 22 Uhr.
Wieder vier verschiedene Anstoßzeiten (sogar nach Ortszeit). Auch nach einem Monat bin ich nicht dahintergestiegen, nach welchem Schema oder gar übergeordneten Sinn dieser Spiel“plan“ erstellt wurde.
Frankreich – Marokko
Die große Frage: Ist den Franzosen beim hartumkämpften 1:0 ohne Glanz gegen Paraguay ein Zacken aus der Zauberkrone gefallen oder braucht es für den Titel ein solches Schweinespiel? Ich neige zur zweiten These, und tatsächlich bleiben die Franzosen für mich Titelkandidat Nummer 1 – neben Spanien.
Die Aufgabe Marokko wird allerdings keineswegs einfach(er). Die Afrikaner haben sich als das klar beste/erfolgreichste Team ihres Kontinents etabliert und bestätgten letztlich eindrucksvoll ihre Halbfinal-Teilnahme 2022, in dem sie an Frankreich scheiterten …
Vielleicht fehlt Marokko der überragende Angreifer, der Knipser, der die Chancen auch verwertet (ein Grundübel aller afrikanischen Mannschaften), aber die Mannschaft ist glänzend organsiert und hat mit Hakimi den vielleicht besten (Außen)-Verteidiger des Turniers in ihren Reihen
🧠 Frankreich
Es wird wahrscheinlich extrem mühsam, aber letztlich dürfte die individuelle Ausnahmeklasse des Angriffs um Mbappé, Olise und Dembélé entscheiden. Ein Geistesblitz wird schon runterfallen …
Spanien – Belgien
In meinem „kicktipp“-Wettspiel vor dem Turnier erwählte ich die Spanier zum kommenden Weltmeister. Viele Gründe geben mir die Iberer nicht, warum ich davon abkommen sollte. Sie mögen nicht so zaubern wie die Franzosen, aber das fast perfekt zusammengestellte Team gibt kaum Angriffsflächen. Noch immer musste (der sehr starke) Schlussmann Unai Simon keinen Gegentreffer hinnehmen. Das kompensiert die vielleicht nicht ganz so großartige Offensive, weil einerseits Jungstar Lamine Yamal nicht in absoluter Top-Form ist (es reicht immer noch, um Abwehrspieler kirre zu machen) und Mittelstürmer Oyarzabal nicht an die überragenden Kane und Haaland heranreicht (wer tut das schon?).
Belgien hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Dass 4:1 gegen die USA war ungeachtet des Balogun-Irrsinns ein spielerisches und taktisches Meisterwerk. Es wäre sehr leichtfertig von den Spaniern, wenn man die „Roten Teufel“ unterschätzen würde, nur weil die USA vermeintlich nicht so gut waren. Für mich ist Belgiens Trainer Raul Garcia einer der Helden: Weil er es gewagt hat, die vermeintlichen Topstars mit klangvollen Namen De Bruyne, Doku und Lukako (erst mal) auf die Bank zu setzen. Das Team scheint gefestigt, auch fantasievoll im Angriff, und Torwart Thibault Courtois kann in einem Spiel ohnehin über sich und seine 1,98 Meter hinauswachsen.
🧠 Spanien
Es ist keine gmahde Wiesn, wie der Münchner so schön sagt. Aber mir fehlt dann doch die Fantasie, wie Belgien dieser perfekt eingespielten Seleccion ernsthaft gefährlich werden will.
Norwegen – England
Das ist viel mehr als das Duell der beiden Ausnahmestürmer Erling Haaland und Harry Kane. Den Trainern Sture Solbakken und Thomas Tuchel ist es gelungen, sehr gut aufeinander abgestimmte Teams zu bilden (im besten Sinne des Wortes). Will sagen: Da spielen jeweils elf Leute toll zusammen nach einem vorher aufgestellten Plan, der unter anderem beinhaltet, dem Superstürmer Chancen zu kreiieren.
Die Norweger haben gerade eine „Goldene Generation“ mit mehreren absolut herausragenden Akteuren wie der wunderbare Mittelfeldmann Martin Ödegaard, der gegen Braslien eingewechselte Schelderup und nicht zuletzt der vortreffliche Schlussmann Örjan Nyland. Und Haaland!
Thomas Tuchel seinerseits musste sich ja viel Kritik anhören, weil er Spieler mit klangvollen Namen (Foden, Palmer) zu Hause gelassen hat. Wer sein Team im Aztekenstadion hat kämpfen sehen (in Höhenlage, in Unterzahl, gegen fanatisch-feindliches Publikum im besten Sinn), der muss ihm jetzt Abbitte leisten. Was die Experten at home schon längst getan haben; die ihm Blumen streuen und vom besten K.o-Spiel seit der WM 1966 (!) sprechen (schon erwähnt, dass der Engländer im Fußball zu Superlativen neigt?).
Natürlich wird derselbe (Boulevard-)Experte Tuchel und sein Team verdammen nach einer Niederlage, erst recht gegen Norwegen, aber hier kann wirklich etwas entstehen.
🧠 England, Norwegen
Für mich eine komplett offene Partie. Gewinnen wird, wer den Top-Stürmer am besten in Stellung bringt. Oder das Elferschießen, und sogar das sollen die Engländer gelernt haben …
❤️ England
Die Norweger mögen es mir verzeihen. Aber England ist einfach mal dran. Nicht nur fürs Halbfinale, sondern für den ganz großen Wurf. Und wenn es doch die Norweger werden? Dann werde ich als Erster gratulieren und im Fitness-Center eine Ruder-Einheit einlegen. Eine tolle Anleitung habe ich ja
https://www.welt.de/sport/fussball/wm/video6a4adca2b183fd3b3d5cf49c/brasilien-norwegen-highlights-bewegende-szenen-hier-laesst-haaland-norwegen-rudern.html
Argentinien – Schweiz
„Die Schweiz wird Weltmeister“, sagte mein guter Freund F. vorm Turnier, als wir gemeinsam am Bodensee waren – ein Monat ists schon her. Wie ernst er es gemeint hat? – keine Ahnung. Aber das Team von Murat Yakin ist eines der großen Turnier-Gewinner, fast egal, wie es ausgeht. Im besten Sinne Teamarbeit verrichten die Granit Xhakas und Co, und wenn im Achtelfinale gegen Kolumbien (vor einer Auswärtskulisse in Vancouver) der bis dato auffälligste Offensivmann Manzambi vom SC Freiburg verletzungsbedingt fehlt, so what?
Ob das allerdings auch gegen Argentinien reicht? Zweifel sind dann doch angebracht, obwohl für mich die Südamerikaner immer noch nicht greifbar sind. Gegen Ägypten stand das Team nach 0:2-Rückstand und bis dato enttäuschender Leistung vor dem Aus, ehe man sich aufraffte und noch mit 3:2 gewann. Entscheidend die Füße dabei im Spiel hatte mal wieder Lionel Messi mit einer Torvorlage zum 1:2 und dem Tor (seinem achten Turniertreffer) zum 2:2.
Messi – das große Phänomen dieser WM. Minutenlang sieht man ihn gar nicht. Er läuft mit Abstand am wenigsten, aber wenn er mal am Ball ist, dann geschieht meist etwas Sinnvolles und für den Gegner Kreuzgefährliches. Ausschalten konnte bisher niemand diesen Ausnahmespieler, und jetzt soll das ausgerechnet ein Durchschnittskicker wie Nico Elvedi vom Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern schaffen?
Und das übrige Team: Zeigte Willen nach dem 0:2-Rückstand. Die Titelverteidigung bleibt das große Ziel (es wäre die erste nach Brasiliens Doppel 1958/62). Noch immer habe ich außerdem das dumpfe Gefühl, dass ein Julian Alvarez, ein Fernandez (Siegtor gegen Ägypten), auch ein MacAllister noch viel mehr auf dem Kasten haben.
🧠 Argentinien
Messi wirds richten oder Alvarez oder, oder. Und wenn alle Stricke reißen, Schlussmann Martinez im Elferschießen. Lieber F., es tut mir Leid …
von Münchner Löwe | Juli 7, 2026 | Fußball, WM
Das präsidiale Eingreifen ging also komplett nach hinten los. Ein furchtbares US-Team mit dem von Trump und Infantino begnadigten Balogun (offiziell war es eine unabhängige FIFA-Kommission, wers glaubt) hatte gegen wie aufgeputscht wirkende Belgier nicht den Hauch einer Chance und verabschiedete sich mit einem 1:4 als letzter der drei nordamerikanischen WM-Gastgeber aus dem Turnier.
Während Belgien hochkonzentriert und wegen des absurden Eingriffs von ganz oben in jede Sportgerechtigkeit besonders motiviert wirkte, schienen die bisher so lebhaften US-Boys wie gelähmt. Noch nicht mal ein geschenkter Freistoß des ansonsten vorzüglichen Schiedsrichters zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich half. Quasi im Gegenzug schafften die Belgier wieder die Führung, die sie in der 2. Halbzeit zunächst sicher verwalteten, dann nach 2 haarsträubenden US-Abwehrfehlern auf 4:1 ausbauten.
Balogun, um dessen skandalöse Spielberechtigung (trotz Roter Karte und damit zwingender Sperre für mindestens ein Spiel) war ein Schatten seiner selbst, dem praktisch nichts gelang. Er hatte ja dem Vernehmen nach selbst nicht mehr mit seiner Spielberechtigung gerechnet. Dass er jetzt doch auflaufen durfte (gar MUSSTE per präsdialem Dekret?), schien ihn und die gesamte Mannschaft weitaus mehr zu verunsichern als den Gegner.
Alle Sympathien verloren
Was Trump nachhaltig geschafft hat (und vielleicht war das tatsächlich seine Intention): aufkommende Sympathie zu zerstören mit den US-Spielern, die diese mit ihren munteren und fairen Auftritten (trotz der Roten Karte) zuvor gewonnen hatten.
Ich muss es ja klar sagen: Die WM ist trotz allen Unbills (Politik, Kartenpreise etc) ein Erfolg. Die mitgereisten Fans aus Europa und der Welt sind begeistert von den freundlichen Gastgebern, und die Amerikaner sind begeistert von den so toll und meist friedlich feiernden Fans (Boston wollte die Schotten dem Vernehmen nach gar nicht mehr aus der Stadt lassen, die New Yorker nicht die Ruder-Norweger). Überall Verbrüderung.
Trump war ja bis dato bei der WM unsichtbar, er hatte noch nicht mal das Turnier als „seinen“ Erfolg reklamiert. Umso entsetzlicher die jetzige Zerstörung, die all die Freude fast zur Makulatur werden ließ. „Fast“, weil das US-Team ausschied.
Ich könnte mir also gut vorstellen, dass ich nicht der einzige bin, der trotz der Irrsinns-Politik zumindest Grundsympathie mit den USA (nur im Fußball!) entwickelt hatte, der allerdings angesichts der Umstände allerdings komplett ins belgische Lager geschwenkt ist. Zyniker sagen ja: So viel Zuneigung auch von neutralen Anhängern hat noch nie ein belgisches Team erfahren. Nicht nur aus Europa übrigens, sondern weltweit. Auch vielen US-Anhängern wird dieses unfassbare Einmischen peinlich gewesen sein. Sie legen ja im Sport noch viel mehr Wert darauf, dass Regeln eingehalten werden. Die der disruptive Trump dagegen immer bricht, in der Politik wie im Golf.
Der Fall muss heiß bleiben!
Will heißen: Mit dem Ausscheiden trotz unzulässigem Eingreifens hat sich die Sache nicht erledigt, wie vielleicht die FIFA hofft. Die europäischen Verbände müssen dran bleiben und das skandalöse Verhalten gerade des FIFA-Präsidenten beleuchten (Trump scheint dann doch außer Reichweite der Sportfunktionäre zu sein …). Gianni Infantino behauptet in einer nachgereichten Stellungnahme allen Ernstes, dass eine unabhängige Kommission entschieden habe, aufgrund besonderer Umstände die Sperre auszusetzen (welche Umstände das waren, wurde nicht gesagt). Mit dieser Erklärung darf sich niemand zufriedengeben.
Wenn sogar der ansonsten Infantino-hörige DFB-Chef Bernd Neuendorf um „Aufklärung“ bittet und „Rote Linien überschritten sind“, muss auch entsprechend gehandelt/nachgeforscht werden. Dass Infantino und sein FIFA-Machtzirkel allerdings ernsthaft in Gefahr geraten, wie hier und da suggeriert wird, bezweifle ich allerdings stark. Dazu ist seine Basis zu stark, sind seine Handlanger zu mächtig
Collinas erbärmliche Rolle
Vorweg: Ich liebe Pierluigi Collina, aber nur den fantastischen Schiedsrichter der Nuller-Jahre mit der markanten Glatze. Die trägt er immer noch (gestern in der Stadion-Box im Seattle-Stadion war eine erschütternde Ähnlichkeit mit dem ebenfalls barhäuptigen Infantino erkennbar), aber als Chef der Schiedsrichter-Kommission macht er seit Jahren eine entsetzliche Figur. Mit seltsamen SR-(Nicht)-Ansetzungen und noch seltsameren Erklärungen, warum diese oder jene haarsträubende Entscheidung doch richtig gewesen sei. Wie bei dem Tor der Deutschen gegen Paraguay (es scheint Lichtjahre her), als plötzlich eine strafbare Torwartbehinderung herhalten musste, die ansonsten wirklich niemand sah (Ähnliches bei der Partie Spanien vs Österreich).
Jetzt bisher kein Wort zu den Balogun-Vorkommnissen; auch nicht zum Skandal-Schiedsrichter aus Usbekistan bei der Partie Frankreich gegen Usbekistan, der offensichtlich die Anweisung hatte, die starken Franzosen zu eliminieren – anders ist diese (Nicht)-Pfeiferei schlicht nicht zu erklären. Nein, der sonst so wortgewaltige Italiener schweigt beredter als jede Mafia-Omertà.
Die Sperren-Regel selbst
Ein Gutes bringt dieser entsetzliche Vorgang, hoffe ich. Es wird vielleicht ernsthaft über die zwingende Sperre nach einer Roten Karte nachgedacht. Die ja weltweit gilt, in jeder Liga. Den einzelnen Verbänden ist es verboten, davon abzurücken: Abweichlern drohen drakonische Strafen (bis hin zum Ausschluss von FIFA-Wettbewerben). Egal wie ungerecht der Platzverweis gewesen ist, 1 Spiel Sperre war bisher absolut das Minimum und obligatorisch (einzige Ausnahme, aber auch nur vielleicht: Spielerverwechslung). Dass dieser Absolutismus jetzt aufgeweicht wurde, und seien die Umstände noch so skandalös, wäre doch ein Signal zum Nachdenken!
Die Gelegenheit dazu ergibt sich sehr früh. Im Achtelfinale England gegen Mexiko (3:2) sah Jarell Quansah die Rote Karte. Das Vergehen des Engländers war ganz ähnlich wie das von Balogun. Wie beim Amerikaner wurde auch hier erst nach Konsultation der Fernsehbilder überhaupt auf Foul erkannt, das zudem Rot-würdig gewesen sein soll. Wenn die FIFA-Kommission es ernst meint mit den „besonderen Umständen“: Hier liegen sie dann ebenfalls vor, und die Engländer haben Protest eingelegt. Das Blöde: Nicht durch King Charles, sondern den Regeln entsprechend nur durch den Verband, immerhin ist dort Prinz William Schirmherr.
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