Frühes Favoritensterben

Wunderliches Wimbledon, 2. Runde

 

Ein Fazit sowie einige Anmerkungen zu Alexander Zverevs bemerkenswerter Pressekonferenz nach seiner Niederlage

 

Draper und Paolini schon raus

 

Auch in der 2. Runde hatten es die Favoriten auf dem noch grünen Rasen schwer, und manche Stars mussten ihre Hoffnungen  schon begraben. Von den insgesamt 64 gesetzten Frauen und Männer haben bereits sage und schreibe 37 (17 Frauen, 20 Männer, wenn ich mich nicht verzählt habe), bereits die Segels streichen müssen. In manchen Setzvierteln herrscht schon eine sehr große Leere, und so wäre es wenig verwunderlich, würden wir im Halbfinale Akteure antreffen, die sich selbst dort nichtn in ihren kühnsten Träumen shene würden. So erwischte es in der 2. Runde den Amerikaner Tommy Paul gegen Sebastian Ofner aus Österreich, noch überraschender kam das Aus des britischen Lokalmatadoren Jack Draper gegen Marin Cilic; eigentlich hat der Kroate seine besten Tage (US-Open-Sieg, Wimbledonfinale) schon längst hinter sich, doch er scheint einen Jungbrunnen gefunden zu haben.
Wenigstens die Top-Favoriten gaben sich keine Blöße. Carlos Aláraz, Jannik Sinner und Novak Djolovic landeten glatte 3-Satz-Erfolge, Tayler Fritz brauchte wie in der 1. Runde die volle Distanz gegen den aufschlagstarken Kanadier Gabriel Diallo.

Auch bei den Frauen ging der Aderlass der Stars weiter. So erwischte es die tschechische Wimbledonsiegerin 2023, Marketa Vondrousova, die gegen die englische Lokalmatadorin Emma Raducanu ihre Meisterin fand. Jasmine Paolini aus Italien, Finalistin in Wimbledon 2024, zog gegen die Russin Kamilla Rakhmowa den Kürzeren.

Und die Deutschen? Trugen zum Favoritensterben bei, denn sowohl Laura Siegemund (gegen Leyla Fernandez) als auch Jan-KLennard Struff (Felix Auger-Allisasime) zogen durch Erfolge gegen Gesetzte aus Kanada in die 3. Runde ein. Dort wird Struff mit einem Spiel auf dem Center Court gegen Alcáraz belohnt, während es Siegemund mit der amerikanischen Australian-Open-Siegerin Madison Keys zu tun bekommt.. Ein echter Schlager beschließt den Tag auf dem Center Court. Die Britin Emma Raducanu darf sich gegen die Nummer 1 Aryna Sabalenka durchaus Chancen einräumen (kann allerdings auch von der Weißrussin abgeschossen werden!).

 

Zverevs Geständnis

 

Die Worte des Hamburgers nach seiner Niederlage gegen Arthur Rinderknech

https://blickueberdenteich.de/zverev-macht-zverev-dinge/

waren ein einziger Hilfeschrei. Und  beleuchteten sehr viel mehr als nur eine schnöde Niederlage im Tennis. Er habe zurzeit keine Freude mehr am Leben, bekannte Alexander Zverev. Fühle sich einsam auf dem Platz, aber auch außerhalb. „Es ist nicht nur Tennis. Ich fühle mich insgesamt sehr allein und sehr, sehr einsam im Leben.“
Die Finalniederlage von Melbourne wirkt offenbar immer noch nach, wo er gegen Jannik Sinner absolut chancenlos war. Gut 5 Monate ist das her, aber seitdem spielt Zverev für seine Verhältnisse äußerst bescheidenes Tennis, ungeachtet des Turniererfolgs in München Ende April.
Es war kein Vorwurf gegen bestimmte Personen, aber das Verhältnis gerade zum Vater ist offenbar belastend. „Niemand spricht mit mir. Mein Vater hat nach 20 Jahren genug von mir und geht direkt nach dem Match nach Hause. Mein Bruder hat hier seine Kinder dabei und hat zu tun. Ich stehe allein vor dem Spiegel und spreche mit mir selbst.“ Zverev wurde deutlich: „Nur meine vierjährige Tochter macht mich glücklich.“ Die allerdings weit weg bei der getrennt lebenden Mutter lebt.

Mag sein, dass er im ersten Frust über die Niederlage allzu drastische Worte gefunden hat, Tatsache allerdings ist auch, dass auch er jetzt Veränderung anstrebt. Sogar eine Therapie, die er bisher kategorisch ausschloss, steht offenbar zur Debatte. Er habe sich noch nie so leer gefühlt. Er hoffe, beim Masters-1000-Turnier im kanadischen Toronto Ende Juli weitere Antworten geben zu können.

Ich bin nicht unbedingt der größte Zverev-Fan. Aber allergrößten Repekt, dass er so offen über die Einsamkeit im Profitennis sprach, die wahrhaftig nicht nur den Deutschen befällt. Es gibt wohl keinen Sport, wo der Athlet/die Athletin so allein auf sich gestellt ist, wo jede Regung über Stunden auf dem Platz von der Öffentlichkeit (und natürlich vom Gegner) registriert wird. Keine Minute dort zum Verstecken wie beim Mannschaftssport. Ewiges Herumreisen von Ort zu Ort, wo sie dann doch nur die Hotelzimmer und Tennisanlagen sehen. Kein Zweifel, die Topstars werden mehr als üppig belohnt, aber der Preis scheint manchmal arg hoch. Wie schrieb Andre Agassi in seiner fantastischen Autobiographie „Open“? Er habe Tennis gehasst. Offenbar steckte in diesen Worten sehr viel mehr Wahrheit als von mir angenommen und war nicht nur Koketterie.

 

 

 

Woltemade zu den Bayern? oder wie man alles falsch machen kann

Schon die Nachricht an sich hat mich ziemlich verstört. Letzte Woche meldete der FC Bayern, dass man sich mit Nick Woltemade einig sei, auf das der 23-jährige „ab sofort“ bis 2030 beim Fußball-Rekordmeister auf Torejagd gehe. Sogar das jährliche Salär (bis zu 10 Mio/Jahr) gaben die Münchner bekannt. Meine erste Reaktion: Was zur Hölle will Woltemade beim überragend besetzten Meister, wo Harry Kane und Jamal Musiala seine bevorzugten Positionen ganz vorne oder als Verbindung besetzen und vorerst mit Sicheheit nicht zu verdrängen sind.

So weit, so ungut in diesem Millionengeschäft. Gäbe es da nicht das klitzekleine Problem, dass besagter Nick Woltemade schon einen gültigen Vertrag hat. Allerdings nicht beim FC Bayern, sondern beim Liga-Konkurrenten VfB Stuttgart. Bis 2028 und ohne jede Ausstiegsklausel. Den VfB aber haben Bayern weder um Erlaubnis gebeten, dass sie mit ihrem Angestellten über eine Abwerbung sprechen dürfen, geschweige denn erhielten sie die Erlaubnis dafür, wie die Stuttgarter unwidersprochen darlegten. Was gängigen und ziemlich strengen Regeln der Verbände völlig widerspricht. Die besagen nämlich, dass solche Gespräche höchstens in den letzten 6 Monaten der Vertragslaufzeit stattfinden dürfen.

Die Stuttgarter waren verständlicherweise alles andere als amused, und schnell war klar, dass dieser Transfer nicht so einfach über die Bühne gehen würde. Die Bayern selbst hatten das Ganze ja an die Öffentlichkeit gebracht, und so durfte es niemanden verwundern, dass hochbezahlte Experten wie Lothar Matthäus sich dazu äußerten. Der tat etwas für sein Geld und setzte eine Ablösesumme von 80 bis 100 Millionen Euro in die Welt. Und siehe da: Der vfB setzte eben diese Summe als Verhandlungsbasis an, um über einen vorzeitigen Wechsel überhaupt zu reden.

Was wiederum Uli Hoeneß über die Maßen erregte: Lothar Matthäus habe nicht mehr alle Tassen im Schrank, polterte der Ehren-Präsident und Graue Eminzenz derr Bayern. Nur wegen ihm habe der VfB die Summe so hoch angesetzt, und Woltemade sei diese doch nie im Leben wert. Eine These, die nicht nur Matthäus beleidigte (so die Hoeneßsche Intention), sondern auch die Intelligenz der Stuttgarter Vereinsführung, die im Zweifel selbst darauf gekommen wäre, dass sie alle Trümpfe in der Hand haben und diese Summe aberwitzig hoch ansetzen könnten.

Und nicht zuletzt beleidigte Hoeneß auch noch seinen Wunschspieler Woltemade, als er ihm absprach, diese Summe wert zu sein. Der ist in diesem Sommer so etwas wie der heißeste Scheiß im deutschen Fußball. Aus dem Nichts spielte er eine herausragende Rückrunde beim VfB, avancierte zum Nationalspieler und glänzte gerade bei der U-21-EM, die er als Torschützenkönig abschloss. Apropos U-21-EM: Der Zeitpunkt, als die Bayern mit dem angeblich gesicherten Transfer an die Öffentlichkeit gingen, war brillant gewählt; nämlich unmittelbar vor dem Finale gegen England. Dort spielte der bis dato so starke Woltemade geradezu unsichtbar, und ich muss kein Psychologe sein, dass er sich in den Tagen zuvor auch mit anderen Dingen beschäftigt hatte als mit dem bis dahin wichtigsten Spiel seiner Karriere. Woltemade selbst ist bis jetzt wohl der ganz große Verlierer: Der nach nur einem halben Jahr dem Verein den Rücken kehren will, der ihn förderte und an ihn glaubte; der mit seiner Bezahlung (nur 2,5 Millionen Euro) unzufrieden ist, der unbedingt zum Branchenprimus wechseln will (warum auch immer).

Die Bayern stehen auch miserabel da: Ohne Not haben sie den Transfer herausposaunt. Offenbar sahen sie Bedarf, ihre Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, nachdem die anvisierten Wechsel von Florian Wirtz und Nico Williams und Barcola nicht zustande kamen. Ein teures Posaunen: Entweder sie zahlen die 80 oder 100 oder 120 Millionen, die der VfB letztlich aufruft oder sie verzichten und verzichten damit auf einen verheißungsvollen jungen Stürmer, der ihnen zumindest in mittelfristiger Zukunft weiterhelfen kann. Der VfB kann sich dagegen relativ beruhigt zurücklehnen. Sie haben den wasserdichten Vertrag. Entweder sie werden über die Maßen hoch entschädigt oder sie behalten den Angreifer, der mit seiner Entwicklung auch noch längst nicht am Plafond angekommen ist. Bedenken, dass Woltemade beleidigt ist ode gar seinen Wechsel durch „Streik“ forcieren will, sehe ich nicht. Woltemade scheint zum einen nicht der Typ dafür zu sein, zum anderen muss er erst mal seine Leistung bestätigen. Und letztlich steht 2026 die WM in Amerika an, bei der er unbedingt dabei sein will.

Uns objektiven Betrachtern bleibt ein unterhaltsames Bauern-Theater (zumindest die Vorwürfe zwischen Hoeneß/der Bayern Entourage) und Matthäus, die ja eine jahrelange Feindschaft pflegen. Unendlich viele Experten und Kommentatoren fühlen sich bemüßigt, ihren Senf dazu abzugeben. Ich hoffe nur, dass Nick Woltemade einigermaßen schadlos aus der (auch von ihm) eingebrockten Not herauskommt.

Zverev macht Zverev-Dinge

Zverev raus, Maria raus. Die beiden großen deutschen Hoffnungen mussten schon in der 1. Runde reichlich überraschen und noch viel enttäuschender die Segel streichen. Während Tatjana Maria nach verlorenem Tiebreak im 2. Satz (dort nach 4:2- und 5:4-Führung) mit ihren Kräften bei sengender Hitze am Ende war und im letzten Durchgang gegen die Außenseiterin Katie Volynets schlicht nichts mehr zuzusetzen hatte, zog Zverev gegen den zwar starken, aber keineswegs übermächtigen Arthur Rinderknech in 5 Sätzen den Kürzeren.

Es war ein Zverev, wie er leibt und lebt in einer Partie, die über 2 Tage ging, weil in Wimbledon ohne Ausnahme um 23 Uhr Ortszeit die Lichter ausgehen (also zumindest die Spiele abgebrochen werden). Schon gestern Abend hatte sich Zverev gegen den Franzosen schwer getan, doch alles schien sich zum guten zu wenden, als er mit gewonnenen Tiebreak im zweiten Satz (und abgewehrten Satzball) den 1:1-Ausgleich herstellte. 1:1 führt er, konstatierte auch Expertin (und leider auch ziemliches Fangirl) Andrea Petkovic.

Nach offenbar unruhiger Nacht am Nachmittag die Fortsetzung: Zverev wirkte verschlafen, ließ sich fast ohne Gegenwehr den Aufschlag abnehmen und ließ den 3. Satz wegrauschen. Im 4. nutzte Zverev einige Breakbälle nicht, und so kam es zum nächsten Tiebreak. Und beim Stand von 5:5 nahm Zverev allen Mut zusammen und drosch Rinderknech einen unerreichbaren 2. Aufschlag (der zweithärteste des gesamten Spiels) nur so um die Ohren, holte sich kurze Zeit den Satz.

Jetzt aber doch Zverev, oder? Zumal der Franzose bei größter Hitze immer müder wurde. Doch der Hamburger verhühnerte ein 40:0 und gab den eigenen Aufschlag zum 1:2 ab. Un obwohl sich der wackere Rinderknech kaum mehr auf den Beinen halten konnte, blieb er in seinen Aufschlagspielen reichlich ungefährdet. Warum? Weil Zverev, der im 4. Satz noch so viel Cojones gezeigt hatte, jetzt jegliches Risiko scheute und dem Franzosen wie ein Tennislehrer die Bälle vor die Beine spielte auf dass dieser sich nicht mehr allzu sehr bewegen musste.

Der Matchball war Sinnbild. Rinderknech schubste einen Aufschlag ins Feld, Zverev schubste zurück. So ging es mehrere Schläge hin und her (als würden sich die Herrschaften einschlagen), dann ergriff Rinderknech nach einem allzu dürftigen Ball doch die Initiative und beendete das Match mit einer krachenden Rückhand. Sank zu Boden und feierte den wohl wichtigsten Sieg seiner Karriere, in der er noch nie einen Top-5-Spieler geschlagen hat. Unfassbar: In 5 langen Sätzen und 28 Aufschlagspielen gelang es Zverev kein einziges Break –  gegen einen zwar guten, aber keineswegs mit überragendem Service ausgestatteten Aufschläger.

Damit sind nach der 1. Runde 4 der 7 deutschen Starterinnen und Starter ausgeschieden. Neben Maria scheiterte auch Qualifikantin Ella Seidel, die böse umknickte und ihre Partie gegen die Spanierin Jéssica Bouzas Maneiro beim Stand von 3:6, 2:3 aufgeben musste. Bänderriss, lautet die niederschmetternde erste Diagnose. Auch Daniel Altmaier ist schon raus. Gegen den Argentinier Gabriel Diallo hatte er letztlich keien Chance.

Im Rennen sind noch noch Eva Lys, Laura Siegemund sowie Jan-Lennard Struff, die sich ihrer Erstrunden-Aufgaben souverän lösten. Morgen wird es für das verbliebene Trio schwer: Struff bekommt es mit Felix Auger-Aliassime aus Kanada zu tun, Siegemund in einem weiteren deutsch-kanadischen Duell mit Leila Fernandez. Lys letztlich trifft auf die starke Tschechin Linda Noskova, für viele eine Geheimfavoritin fürs Turnier.

 

Favoriten straucheln und fallen sogar

 

Die 1. Runde brachte schon viel Unterhaltung. So benötigte Titelverteidiger Carlos Alcáraz 5 Sätze und sehr viel mehr Mühe als erwartet, um den widerspenstigen Italiener Paulo Fognini aus dem Weg zu räumen. De befindet sich mit seinen 37 Jahren auf Abschiedstour und bat den Spanier hernach um ein Autogramm für seine Nichte.
Gerade noch von der Schippe des Ausfallens sprang Taylor Fritz. 0:2-Sätze lag er gegen den französischen Aufschlagriesen Giovanni Mpetshi Perricard zurück und nach gewonnenem 3. Durchgang im Tiebreak des 4. Satzes gar mit 1:5. Dann bekam der junge Franzose das Nervenflattern, sein Aufschlag verließ ihn, und er gab den Tiebreak ab. Auch hier Unterbrechung wegen Sperrstunde und heute die Forsetzung, in der Perricard beim Stand von 4:5 eine kleine Aufschlagschwäche erfuhr und Game und Satz und Match velor.

Tatsächlich draußen sind die hochgesetzten Lorenzo Musetti, Holger Rune und Daniil Medwedew. Auch der als sehr gefährliche Außenseiter Alxander Bublik ist nicht mehr dabei. Der Sieger des Turniers in Halle zeigte seine üble Seite und verlor am Ende ohne jede Lust gegen den Spanier Munar. Bei den Frauen erwischte es Jessica Pegula, eine Mitfavoritin auf den Turniersieg, die nach ganz schwacher Leistung der Italienerin Elisabetta Conciaretto (Nr. 116 der Welt) beugen musste. Die Italienerin trifft nur auf Maria-Bezwingerin Volynets. Auch Olympiasiegerin Qinwen Zheng (vs Katerina Siniakova) ist nicht mehr dabei.

 

Das war die Woche, die war

Tolles Turnier ohne Happy end

 

Während die Club-WM so vor sich hinmäandert, haben die Nachwuchsfußballer richtig Spaß gemacht bei der EM in der Slowakei. Nicht nur, aber vor allem auch das deutsche U-21-Team mit 5 teilweise rauschhaften Siegen (vor allem das 3:0 im Halbfinale gegen Frankreich). Doch die Jungs um Nick Woltemade müssen ohne Pokal heimfahren, weil sie im Endspiel zu Bratislava sich dem Titelverteidiger England mit 2:3 nach Verlängerung beugen mussten. Ein frühes 0:2 glich die Truppe von Trainer Antonio di Salvo zwar durch Treffer der Mainzer Nelson Weiper und Paul Nebel, doch in der Verlängerung konnten sie ein erneut sehr frühes Gegentor nicht mehr antworten.
Natürlich waren die jungen Männer enttäuscht, allesamt schon bei hochklassigen Proficlubs angestellt. Doch so mancher gab eine tolle Talentprobe des großen Könnens, ich stelle mal Torwart Noah Atubolu (SC Freiburg), Mittelfeldmann Rocko Reitz (Gladbach) und Stürmer Nick Woltemade (Stuttgart) heraus. Aber keiner fiel ab, und jeder kann eine sehr gute Karriere vor sich haben.

Im Mittelpunkt stand Nick Woltemade. Nicht nur wegen seiner herausragenden Vorstellungen und der sechs Treffer, die ihn zum Torschützenkönig des Turniers machten. Nach dem Halbfinale sickerte durch, dass der Shooting Star sich einig sei über einen sofortigen Wechsel zum FC Bayern. Verhandlungen hat es offenbar zunächst ohne das Wissen des VfB gegeben, ein Unding! Jetzt streiten die beiden Clubs noch über die Ablösesumme des wechslewilligen Angreifers. Alle Trümpfe liegen dabei beim vfB, denn Woltemade hat noch einen Vertrag bis 2028 – offenbar ohne Ausstiegsklausel. Zu diesem Thema und den unschönen Begleiterscheinungen plane ich einen gesonderten Text für Dienstag oder Mittwoch.

 

Der Dopingfall Victoria Carl

 

Die Nachricht hat mich getroffen: In einem Dopingtest der Langläuferin wurde das verbotene Mittel Clenbuterol gefunden, das vor mehr als 30 Jahren der deutschen Sprintweltmeisterin Katrin Krabbe zum Verhängnis wurde. Vor allem die Umstände, wie sie gerade vom Verband kommuniziert werden, lassen mich tatsächlich glauben, dass sie eher Opfer extrem unglücklicher Umstände und eigener Nachlässigkeit geworden ist. Getestet wurde sie bei der Militär-WM, die Ende März und damit nach der Weltcup-Saison stattfand. Dort hatte sie wie so oft in ihrer Karriere schweren Husten, der zuständige Militärarzt verabreichte ihr einen Hustensaft zur Linderung. Blöderweise nicht den ohne Clenbuterol (den gibt es), sondern eine ganz ähnliche, aber offenbar stärkere  Version des gleichen Herstellers, in der allerdings das verbotene Mittel enthalten ist. Wohlgemerkt, es war nicht die gewohnte medizinische Begleitung, sondern ein dem Leistungssport eher fremder Arzt.
So lautet zumindest die offizielle Version, die der deutsche Skiverband, die Militärärzte und auch die Sportlerin bekannt machten. Die man jetzt glauben mag oder nicht: Ich bin zwar weit davon entfernt, dass ich per se alle deutschen AthletInnen bewusstes Doping nicht zutraue, aber neige in diesem Fall, dass ich diesen Sachverhalt glaube. Warum soll sie sich für eine Militär-WM bewusst dopen, bliebe die erste ungeklärte Frage.
So weit so ungut, und kein Zweifel. Eine wirklich aufmerksame Victoria Carl hätte das Mittel genauer inspiziert. Aber offenbar ging es ihr wirklich dreckig, sodass sie keine klaren Gedanken fassen konnte (und ein wenig Vertrauen in eine medizinische Begleitung muss auch einem Leistungssportler erlaubt sein). Die Frage ist jetzt die Sanktion, und so leid es mir für Victoria Carl, der Olympiasiegerin im Teamsprint 2022 mit Katharina Hennig. Um eine Sperre dürfte sie kaum herumkommen, die sie dann höchstwahrscheinlich die Olympia-Teilnahme 2026 kosten wird. Eine Ausnahme wäre schon sehr fragwürdig. Andererseits haben zuletzt die Verbände den absurdesten Ausreden geglaubt (kontaminiertes Essen für gleich 19 chinesische Schwimmer, die berühmt-berüchtigte Salbe des Masseurs von Tennis-Profi Jannik Sinner). Da habe ich mich auch in diesem Blog extrem aufgeregt, dass der Italiener mit einer lächerlichen Sperre davonkam. Konsequenterweise müsste ich mich auch über einen Freispruch von Carl aufregen. Wenn es dazu käme, würde ich mich dennoch für Victoria Carl freuen, so weit zu meiner komplizierten Gefühlslage.

 

Die dicke Frau hatte noch nicht gesungen

 

„It aint over, till the fat lady sing.“ Sprich: Es ist im Sportwettkampf erst mit dem Schlusspfiff, der -Sirene, dem -Gong, dem Matchball vorbei. Wieder und wieder höre ich diese Durchhalteparole, wieder und wieder staune ich über die unglaublichen Comebacks, die es im Sport so gibt. Wie jetzt bei der Basketball-EM der Frauen im Finale zwischen Titelverteidiger Belgien und Spanien.

España führte kurz vor Schluss mit 65:53, als dem Team völlig die Nerven versagten. Nichts ging mehr, schreckliche Ballverluste und fürchterliche Fehlwürfe. Belgien kam Punkt für Punkt voran, und doch schienen die Spanier den Sieg über die Zeit zu retten. Sie führten mit einem Punkt und hatten Ballbesitz. Da kann nicht mehr viel passieren, außer in eine in Basketball-Schlussphasen oft üblichen Freiwurf-Orgien die Nerven zu verlieren. Selten gesehen habe ich dagegen, dass eine Spielerin ohne Gegenwehr den Ball verliert. Eine Belgierin stibitzte den Ball und traf ihrerseits zur Führung. Noch eine Chance für Spanien, doch ein Schrittfehler (und weiterer Ballverlust) beendete alle Hoffnungen. „Maximale Grausamkeit“, titelte „As“ über das unfassbare Ende, das bei den Spanierinnen lange hängen bleiben dürfte.

 

Die starke Antwort von Lando Norris

 

Vor zwei Wochen kübelte aller Spott über den Briten, als er in Montreal seinem McLaren-Teamgefährten Oscar Piastri ins Heck fuhr und ausscheiden musste. Unreif sei er, es müsse sofort eine Teamorder her. Lando Norris antwortete in Spielberg auf seine Weise. Mit einer unfassbaren Qualifikationsrunde und einer halben Sekunde Vorsprung auf Piastri holte er de Pole Position. Im Rennen wehrte er alle Angriffe des Australiers souverän ab. Der Rest hatte ohnehin nichts zu melden, die Ferarris von Charles Leclerc und Lewis Hamilton landeten auf Platz 3 und 4.
Schon in der 1. Kurve zu Ende war das Rennen für Max Verstappen, zum Entsetzen seiner holländischen Landsleute, die  wie in den Jahren zuvor zu tausenden die Tribünen säumten. Er wurde vom übereifrigen Kimi Antonelli abgeschossen, wie man so unschön schreibt. Der zerknirschte Entschuldigung nutzt dem vierfachen Weltmeister herzlich wenig, einen erneuten Titel muss er wohl langsam abschreiben. Folgerichtig ranken sich Transfergerüchte (zu Mercedes, also anstatt oder mit Antonelli?). Dabei hat die sogenannte silly season, die Zeit im Spätsommer/Herbst,, noch gar nicht begonnen, wo es tagtäglich die heißesten Gerüchte rund um die Königsklasse gibt.

 

Und sonst?

 

  • Club-WM: Die Bayern haben sich mit einem 4:2 gegen Botafogo fürs Viertelfinale qualifiziert und treffen dort auf Cl-Sieger Paris Saint Germain. Der sportliche Wert ist überschaumbar, aber 50 Millionen sind den Bayern sicher. Geld für Woltemade?
    Sensaationell raus ist Manchester City, das in einer wilden Partie nach Verlängerung mit 3:4 sich dem saudischen Club Al Hilal beugen musste. Was für ein Triumph auch für Neutraine Simone Inzaghi.
    Borussia Dortmund spielt heute Nacht gegen Monterrey. Zuvor treffen noch Juventus und Real aufeinander.
  • Leichtathletik: Bei der Team-EM wurde die deutsche Mannschaft Dritter hinter Italien und Polen. Die ganz tollen Einzelleistungen blieben aus.
    Eine solche schaffte die Österreicherin Victoria Hudson in der B-Gruppe. Die Europameisterin schleuderte den Speer auf die Weltjahresbestenweite von 67,76, gleichzeitig auch nationaler Rekord.
  • Motorrad: Matc Marquez bleibt in der MotoGP unschlagbar. In Assen gewann er sowohl Sprint als auch das Hauptrennen am Sonntag. In diesem stürzte sein jüngerer Burder Alexis in de 5. Runde und blieb ohne WM-Punkte. Mittlerweile hat Marc Marquez 78 Zähler Vorsprung auf Alexis und gleich 126 auf Francisco Bagnaia.

Das wird die Woche, die wird

Anfang Juli, das heißt es wird Zeit für zwei Weltereignisse des Sports: die Tour de France und Wimbledon, die klaren Aushängeschilder des Radsports und Tennis. Wer dann immer noch nicht genug hat, dem bleibt ja die Club-WM …

 

Pogacar unschlagbar – oder vielleicht doch nicht?

 

Glaub man den Auguren, müssen die Fahrer die 3.000 Kilometer rund durch Frankreich ab Samstag in Lille gar nicht erst in Angriff nehmen. Denn klarer Favorit ist erneut Tadej Pogacar. Nach einem grandiosen Frühjahr mit Siegen un ter anderem bei den Monumenten Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich ersparte er sich sogar die Strapazen des Giros. Offenbar ist der Slowene in Top-Form.
Gefährlich werden kann ihm wohl allenfalls Jonas Vingegaard. Der Däne ließ wie gehabt die Frühjahrsklassiker aus und konzentriert sich allein auf die Tour. Dass er dort mit Pogacar wenigstens einigermaßen mithalten konnte, zeigte er beim beim Criterium Dauphiné, die er hinter Pogacar als Zweiter beendete und in den Bergen fast ebenbürtig war.
Beim Criterium zeigte auch ein Deutscher auf. Florian Lipowitz wurde hinter Pogacar und Vingegaard Dritter und ließ sogar Hollands Hoffnung Doppelolympiasieger Remco Evenepoel, hinter sich. Dennoch wird er in seinem Bora-Team nicht als Kapitän in die Tour gehen. Diese Rolle hat der 36-jährige Primoz Roglic inne. Ein starker Rundfahrer, gewiss, aber immer wieder für kräfteraubende Stürze gut. Kurios: Sowohl Roglic (Skispringen) als auch Lipowitz (Biathlon) begannen ihre Karriere als Wintersportler, bevor sie umsattelten.
Die Entscheidung wird wie immer in den Bergen fallen. Ins Auge fallen die Bergankünfte am Mont Ventoux (16. Etappe/22. Juli), Superbagneres (14./19.Juli) und das Dach der Tour in Col de la Loz (2320 m Seehöhe/18./24. Juli).
2 Einzelzeitfahren wird es geben: Rund um Caen (flach 33 km/5. Etappe/9. Juli) und das Bergzeitfahren hoch nach Peyragudesüber 10,9 Kilometer und der 16-prozentigen Rampe am Flughafen.
Nach dem olympia-bedingten Schlussakkord 2024 in Nizza wird die Tour wie immer auf dem Camps Elysee enden, und zwar am 27. Juli.

 

Alles spricht für Alcáraz – oder widerwpricht etwa ein Fritz (Sinner)?

 

Schon am Montag gebührt Alcáraz als Titelverteidiger die Ehre, auf dem Center Court von Wimbledon das Turnier zu eröffnen. Paolo Fognini dürfte zwar unterhaltsame Elemente einbringen, letztlich aber chancenlos sein. Wie Pogacar gilt auch Alcáraz bei fast allen Experten als mehr oder weniger klarer Fvorit auf den Einzeltitel, es wäre sein dritter in Folge auf dem heiligen Rasen. Nicht nur gewann er das epische French-Open-Finale vor knapp einem Monat in Paris gegen Jannik Sinner, sondern zwei Wochen danach auch die Generalprobe in Queens, praktisch ohne Eingewöhnung auf Rasen.
Zumindest nominell geht Jannik Sinner als Nummer 1 ins Rennen. Trotz leichter Rasenschwächedürfte der Italiener wieder weit kommen, ob es zum Finale oder sogar mehr reicht, bleicbt indes abzuwarten.
Als Best of the Rest hat sich Taylor Fritz empfohlen, der die Rasen-Turniere in Halle/Westfalen und zuletzt auch Eastbourne (dort allerdings gegen eher zweitklassige Konkurrenz) für sich entschied.
Fritz wäre ein möglicher Viertelfinal-Gegner von Deutschlands einzig seriöser Titelhoffnung (naja) Alexander Zverev. Der hat absurderweise in Wimbledon allerdings noch nie die Runde der besten Acht erreicht.
Nicht nur mein Dark horse ist Alexander Bublik. Der Kasache brillierte in Halle und hat das perfekte Rasenspiel. Und natürlich immer der ewige Novak Djokovic, der Finalist 2023 und 2024 und 24-malige Grand-Slam-Triumphator.

So klar die Sache bei den Männern scheint, so offen ist das Feld bei den Frauen. Wimbledon war zuletzt ein (H)ort der Überraschungen. Zuletzt siegten dort die Tschechinnen Barbora Krejcikova (2024), Marketa Vondrousova (2023) und Lena Rybakina aus Weißrussland (2022). Alles tolle Spielerinnen, gewiss aber auch aufgrund von Verletzungen keineswegs dominierend in der Tour. Dagegen sind die Top-Frauen Aryna Sabalenka, Iga Swiatek und Coco Gauff bisher nicht mal in die Nähe eines Turniersieges in Wimbledon gekommen. Schon in der 3. Runde könnte es zum Knaller Vondrousova vs Sabalenka kommen. Ich persönlich bin auch sehr auf das Abschneiden von Australian-Open-Siegerin Madison Keys gespannt, die grundsätzlich alles für ein gutes Rasenspiel mitbringt, es aber bisher nie auf den Rasen brachte.
Und Tatjana Maria? Der Queens-Siegerin (und gleich zur Königin gekürte) Schwäbin ist alles zuzutrauen, nach oben und unten. Nach einer machbar klingenden Erstrundenaufgabe gegen Katie Volynets wartet allerdings wahrscheinlich Jessica Pegula, gerade die Siegerin von Bad Homburg geworden.

Übertragen wird das Ganze bei Amazon Prime. Mir hat das im vergangenen Jahr hervorragend gefallen mit ihrem Studio vor Ort und auch den Reportern vor Ort. Das ist einfach was anderes, als wenn sich die Eurosport-Crew fast ausschließlich aus ihrem Studio in München meldet. Schaum wir mal, ob es wieder so gut wird.

 

Deutschinnen voller Hoffnung

 

Die Fußball-EM der Frauen in der Schweiz beginnt am Freitag. 16 Mannschaften haben sich qualifiziert.  Das deutsche Team rechnet sich durchaus Chancen aus, die Gruppe mit Polen, Dänemark und Schweden ist allerdingsh kein Selbstgänger, auch wenn gerade die Däninnen ihre wirklich gute Zeit hinter sich haben.
Ich kann tatsächlich zum Team wenig sagen, prägende Spielerinnen wie Torhüterin Almuth Schult und Stürmerin Alexandra Popp sind nicht mehr dabei, dafür hat sich Giulia Gwinn, so etwas wie das Postergirl, in den Vordergrund gespielt. Christian Wück ist der Bundestrainer, der in dieversen Jugendnationalmannschaften schon gezeigt hat, dass er mit frauen arbeiten kann.

Als große Favoritinnen schätze ich England und Spanien ein. Die Engländerinnen profitieren von der in allen Belangenbesten Liga zumindest in Europa, die Spanierinnen von ihren glänzenden Einzelspielerinnen, wobei ihre beste Akteurin, Aitana Bonmati  mit einer Meningitis ins Krankenhaus musste. Wann sie ins Turnier eingreifen kann, ist derzeit noch unklar. Wenn allerdings eine Mannschaft einen solchen Verlust kompensieren kann, dann die Weltmeisterinnen von 2023.

 

Und sonst

 

  • Die Fußball-Club-WM: Nach der ewigen Vorrunde werden gerade die Achtelfinali gespielt und dann am Freitag und Samstag die Viertelfinali. Wers braucht …
  •  Diamond League in Eugene: Mal sehen, welche Leichtathleten sich den Trip zur US-Westküste antun.
  • Formel 1 in Silverstone: Das Heimrennen für Lando Norris (McLaren), George Russell (Mercedes) und Lewis Hamilton (Ferrari). Obs was hilft gegen WM-Leader Oscar Piastri (McLaren) und Weltmeister Max Verstappen (Red Bull)?
  • Golf: BMW Open in München Eichenried. Die ganz großen Namen suche ich vergeblich, vielleicht Sergio Garcia und Matthew Fitzpatrick. Am Schlag ist immerhin die deutschen Top-Spieler Stephan Jäger und Matti Schmid wowie auch Martin Kaymer.