Vorhang auf also für die reichste Liga der Welt. Mit den fettesten Fernsehverträgen national und international, der größten Ansammlung von Top-Stars (trotz Real, Barca und PSG). Obs dann ein Spektakel gibt, ob wir Spannung im Meisterrennen haben, das bleibt abzuwarten. Und ebenso, ob nach Jahren der Dürre auch der Champions-League-Titel wieder auf die Insel kommt (zuletzt ManCity 2023), und damit meine ich nicht die Schotten von Celtic Glasgow.

Heute beginnt es also, wenn Titelverteidiger FC Arsenal im Emirates Aufsteiger Coventry City empfängt. Das Team aus Mittelengland kehrt nach 34 Jahren in die Premier League zurück, zeitweise krebste man in der 4. englischen Liga herum (die euphemistisch League 2 heißt). Der Traditionsclub ist ein Gewinn für die Premier League, ihr Trainer Frank Lampard eine Fußball-Legende. Zumindest beim FC Chelsea, wo er jahrelang Kapitän einer sehr erfolgreichen Mannschaft war, die unter anderem 2012 in München den Champions-League-Titel errang (sehr gerne streue ich Bayern-Fans das Salz in die Wunden, Finale dahoam und so)

 

Überblick der Meisterschafts-Aspiranten

 

Arsenal Top-Favorit auf die Titelverteidigung

Die Londoner sind nicht nur heute der haushohe Favorit, sondern für die gesamte Saison. Die Londoner haben den Kader quanititativ, vor allem  aber auch qualitativ weiter verstärkt, gerade Bruno Guimaraes und Christos Tzolis könnten eine wesentliche Verstärkung der ohnehin so starken Meistermannschaft darstellen, bei der Kai Havertz endlich mal eine komplikationsfreie Vorbereitung bestreiten konnte.

City ohne Guardiola und Rodri nur Außenseiter

Dagegen hat der härteste Konkurrent deutlich an Substanz verloren. Vor allem der Verlust von Trainer-Guru Pep Guardiola wiegt sehr schwer, und mit Rodri verließ der beste Spieler der WM den Verein in Richtung FC Barcelona. Wobei der Spanier aufgrund zahlreicher Blsssuren in den vergangenen Jahren bei den Cityzens nur sporadisch zum Einsatz kam. Auch die Mittelfeldakteure Reijnders und Bernardo Silva sind nicht mehr dabei, ob das die Neuzugänge Eliott Anderson und Mathys Detourbet kompensieren können, bleibt abzuwarten. Stars wie Schlussmann Gianluca Donnarumma und der außergewöhnliche Torjäger Erling Haaland bürgen allerdings weiter für allerhöchste Qualität und sollten ein echtes Absacken im Klassement vermeiden helfen.

 

United in Lauerstellung

 

Die Red Devils haben sich nach Jahren der Agonie zurückgemeldet und als Dritter sicher einen der letztlich fünf Champions-League-Plätze ergattert. Ob jetzt schon mehr drin ist, wage ich aber zu bezweifeln. Zum einen fehlt der Top-Torwart, denn der Belgier Senne Lammens hat noch nicht die Klasse eines Raya (Arsenal), Donnarumma (City) oder das Duo Allison/Mamardashivili vom FC Liverpool. Sehr gespannt bin ich auf Lammens‘ belgischen Landsmann Youri Tielemans, der von Aston Villa kam, die Liga also schon kennt. Auch vorne gibt es überdurchschnittliche Akteure: die beiden ehemaligen Leipziger Sesko und Cunha sowie Rückkehrer Marcus Rashford seien hier genannt.

 

Liverpool mit neuem Trainer und neuen Investoren

 

Arne Slot, der Meistercoach von 2025, musste nach einer enttäuschenden Saison schon wieder die Koffer packen, so ist das Geschäft in der reichsten Fußball-Liga der Welt (nicht nur dort). Und auch Mo Salah, im vergangenen Jahrzehnt der wichtigste Akteur auf dem Platz und  Publikumsliebling, hat den Club verlassen. Die Reds hoffen, dass der Schwede Alexander Isak und vielleicht sogar der Ex-Frankfurter Hugo Ekitiké zumindest sportlich die Lücke schließen können. Natürlich bauen sie zudem darauf, dass Florian Wirtz nach einem eher schwierigem ersten Jahr zu dem Unterschiedsspieler wird, der Bayer Leverkusen 2024 zum Bundesliga-Titel geführt wird.

Aufregung genug gibt es jenseits des Platzes. Ein Investoren-Team um Amazon-Chef Jeff Bezos hat sich Anteile von der Fenway Group gesichert, die Rede ist von gut 1,5 Milliarden Euro für 30 Prozent. Aufstocken dieses Anteils bis hin zur Mehrheit scheint nicht ausgeschlossen zu sein. Das ausgerechnet der vermeintlich so bodenständige Arbeiter-Club zum Spekulations-Objekt wird, sorgt am Mersey River schon jetzt für viel Aufregung, auch wenn alle Milliardäre beschwichtigen, sie hätten nur das beste für Club und Anhänger im Sinn. Was man halt so sagt …

 

Rückkehr der Enttäuschten aus London?

 

Damit meine ich die beiden  Clubs FC Chelsea und Tottenham Hotspur, die nach einer katastrophalen Saison das internationale Geschäft verpassten. Wobei die Spurs erst im letzten Moment gar den Abstieg in die 2. Liga verhinderten. Was die Vereinsbosse hier wie dort nicht hindert, jetzt wieder große Töne zu spucken.

Die namhafteste Verstärkung von Chelsea geschah auf der Trainerbank, wo jetzt Leverkusens Meistercoach Xabi Alonso Platz nimmt und beweisen will, dass sein Scheitern bei Real Madrid nicht an seiner Person lag (eher an völlig undisziplinierten Spielern, Vini jr.). Mit Morgan Rodgers kam ein hochveranlagter Mittelfeldspieler von Aston Villa, verlassen hat den Club der bei der WM so überzeugende spanische Weltmeister Marc Cucurella – ein herber Verlust!

Als alter Spurs-Fan (mein Lieblingsclub in der PL) hoffe ich natürlich auf eine weitaus bessere Saison als 25/26. Nicht nur sind die zahllosen Verletzten fast alle wieder fit, erheblich verstärkt wurde das (defensive) Mittelfeld mit Sandro Tonali und Mateus Fernandes. Top-Akteure wie Xavi Simons, James Maddison und Richarlison geben durdchaus zu Hoffnungen Anlass, dass die Champions-League-Plätze zumindest wieder in Reichweite kommen.

 

Deutsche Trainer-Invasion

 

Gleich 4 deutsche Coaches (und damit einer mehr als aus England selbst) werden zumindest zu Saisonbeginn das Sagen auf der Bank haben: wie gehabt Fabian Hürzeler (Brighton) und Daniel Farke (Leeds), neu dabei sind Matthias Jaissle (Newcastle) und Rückkehrer Marco Rose (Bornemouth). Vorreiter Jürgen Klopp, der den FC Liverpool zum Titel führte, hat also nach seinem Weggang 2024 durchaus noch Spuren hinterlassen im englischen Oberhaus. Wobei es mehr als vermessen wäre, vom jetzigen Quartett mehr zu erwarten als ein mehr oder weniger früh gesicherter Klassenerhalt. So hat zum Beispiel Newastle United seine Ambitionen gehörig zurückgefahren, wie der Ausverkauf der besten Mittelfeld-Spieler Tonali, Guimaraes und Gordon (für insgesamt fast 300 Millionen Euro) zeigt.
Bornemouth (Platz 7/Europa League) und Brighton (Rang 8/Conference League) haben eine außergewöhnlich gute Spielzeit hinter sich. Diese lässt sich nur schwerlich wiederholen, zumal die Clubs jetzt international gefordert sind (Brighton muss allerdings noch die Qualifikation für die Conference League schaffen/0:0 im Hinspiel in Tromsö).
Für Leeds United und Farke zählt erneut nur der Klassenerhalt, in dieser Preisklasse dürfte dann auch Coventry City anzusiedeln sein.