von Münchner Löwe | Juli 14, 2025 | Tennis
Wimbledon-Wahnsinn, die Endspiele
Die Sieger heißen also Iga Swiatek und Jannik Sinner. Die Polin spazierte geradezu durchs Turnier, gerade zum Ende. Sinner hatte deutlich mehr Mühe und revanchierte sich eindrucksvoll an Carlos Alcáraz, gegen den er vor gut einem Monat noch das Paris-Finale nach 3 vergebenen Matchbällen verloren hatte.
Iga Swiatek – Amanda Anisimova 6:0, 6:0
Eine sogenannte Brille hat es in einem Wimbledon-Finale seit mehr als 100 Jahren nicht mehr gegeben. Swiatek hatte kein Mitleid mit der völlig überforderten und am Ende der Partie aufgelösten Amerikanerin und erteilte ihr die Höchststrafe. In der modernen Tennis-Ära (seit 1968) hat es das bisher erst einmal gegeben, als 1987 Sgteffin Graf gegen Natascha Zwerewa mit 6:0, 6:0 gewann. Insgesamt hatte Swiatek ein grandioses Turnier, wie folgende Zahlereien bestätigen.
- In den 7 Spielen hat sie einen Satz abgegeben, den ersten in der 2. Runde gegen McNally, danach 6:2, 6:1.
- Nur in 2 ihrer 6 Zweisatzsiegen musste sie über 7:5 gehen. Ansonsten je einmal 6:4/6:3 und insgesamt achtmal 6:0 bis 6:2 (aloso insgesamt zehmnmal).
- Im Halbfinale und Finale insgesamt 4 Games abgegeben, das hats in Wimbledon noch nie gegeben, sag ich jetzt mal.
- Die höchstgesetzte Gegnerin war Anisimova als Nr. 13.
- Insgesamt nur 3 gesetzte Gegnerinnen. Neben Anisimova waren das Tauson/23 im AF und Samsonowa/19 im Viertelfinale. Die Kehrseite des amüsanten Favoritensterbens zu Beginn des Turniers.
Vor allem hat Swiatek ihre Allergie gegen Rasen-Tennis eindrucksvoll abgelegt, die sie in den vergangenen Jahren früh scheitern ließ. Nach einem äußerst durchwachsenen Frühjahr und dem schnellen Aus in Paris befand sie sich tatsächlich in einer Schaffenskrise. Wohl dem, der sich so daraus befreit. Und ein Extralob für Andrea Petkovic, die diesen Triumph in ihrer Wimbledon-Vorschau vorhergesagt hat. Mal sehen, was das Jahr noch bringt, das gilt auch für Anisimova: Wenn ihre Finaltränen getrocknet sind, wird sie auf ein extrem erfolgreiches Turnier zurückblicken, das sie in die Top Ten der Weltrangliste spülte.
Jannik Sinner – Carlos Alcáraz 4:6, 6:4, 6:6, 6:4
Das Ergebnis spiegelt gar nicht die Überlegenheit des Italieners vor allem in den Sätzen 3 und 4 wider. In jedem Durchgang gelang ihm das erste Break, nur im ersten Satz fand Alcáraz eine Antwort. Danach war er dem immer durchvollerem Spiel von Sinner fast ausgeliefert.
Das Spiel reichte längst nicht an das epische Duell der beiden vor einem Monat heran. Das war auch nicht zu erwarten, denn diese Partie gehört jetzt schon mindestens zu den Top 5, die die Tenniswelt je gesehen hat. Beide agierten äußerst fehlerhaft, was natürlich auch daran lag, dass sie im Angesichts der Stärke des Gegenübes sehr viel riskierten. Und da machte Sinne schlicht den besseren Job. In manchen Ballwechslen (so bei den jeweiligen Satzbällen in Durchgang 1 und 2 blitzte das Ausnahmekönnen der beiden auf.
Im 4. Satz bäumte sich der Spanier noch mal auf, erzwang beim Stand von 3:4 2 Satzbälle, die Sinner souverän abwehrte. Aber insgesamt spielte er nicht so frei bei diesem Turnier, die zahlreichen Satzverluste (schon im Auftaktmatch gegen Fognini musste er über die volle Distanz gehen) sind vielleicht Beleg dazu.
Das ist allerdings auch die einzige Hoffnung der Konkurrenz, dass in den kommenden Jahren es nicht zur ewigen Wiederholung Sinner-Alcáraz kommt. Spielen beide auch nur annähern ihr bestes Tennis, kommt da keiner heran. Tja wäre Novak Djokovic ein paar Jährchen jünger, dann könnte er Sinner/Alcáraz sicher ärgern. Unfassbar genug, dass er mit seinen 38 Jahren in allen 3 Grand Slams dieses Jahres das Halbfinale erreichte.
Ein (Doping)Fakt zum Nachdenken
Sowohl bei Swiatek als auch bei Sinner fanden die Dopingfahnder im vergangenen Jahr positive Proben. Sowohl Swiatek (3 Wochen) als auch Sinner (3 Monate) kamen mit vergleichsweise glimpflichen Strafen davon, Sie überzeugten zumindest die zuständigen Sportrichter von ihrer Unschuld und den äußerst unglücklichen Umständen, die zu einem positiven Befund führten. Normalerweise hätten beide in diesem Jahr (also auch nicht in Wimbledon!) Turniertennis spielen dürfen. Erstaunlich die Nonchalance, ja Gleichgültigkeit, wie dieser Fakt in der Berichterstattung praktisch ausgeblendet wird. Aber Hauptsache, alle verdächtigen die Radsportler und vor allem Tadej Pogacar bei der Tour de France, die gerade läuft.
Wimbledon bei Amazon
Ich gebe zu: Ich habe Jeff Bezos nicht boykottiert und die Übertragung bei Amazon nicht nur stundenlang verfolgt, sondern regelrecht genossen. Wie im Vorjahr hatte der Streamingsender ein Riesenaufgebot an Top-Reportern und Top-Experten nach London beordert. Live vor Ort ist so eine Übertragung (der Tennistag ging immer über mindestens 10 Stunden) schlicht zwei Klassen besser, als wenn der Großteil aus einem Müncher Studio erfolgt, wie es leider Eurosport seit Jahren betreibt, sogar bei den French Open direkt vor der Pariser Haustür.
Die schon erwähnte Andrea Petkovic verdient als Beste vieler Guten den Preis des Münchner Löwen. Leider nicht dotiert, aber das hat die Tennis-Millionärin auch nicht nötig, hoffe ich doch schwer. Petkovic sticht gegen die ebenfalls sehr guten Barbara Schett (ich liebe ihren österreichischen Dialekt), Sabine Lisicki (ein bisschen viel ohh und ahhh und uhhh), Michael Stich (erzählt manchmal ein bisschen sehr viel auch in die Ballwechsel) sowie all die anderen, die das Wort bekamen.
Herausragend auch die Moderatorin Katharina Kleinfeld. Ihre unterhaltenden und gleichsam informativen gerade am Ende des Wimbledon-Tages begeisterten mich. Auch die Kommentatoren störten nicht (das ist bei mir schon ein Sonderlob): Jonas Friedrich gebührt ein weiterer Löwen-Preis. Ihn würde ich noch vor Marcel Meinert ansiedeln.
von Münchner Löwe | Juni 9, 2025 | Tennis
Zurzeit teilt sich die Tennis-Weltelite in 2 Teile auf: Vorn die beiden Ausnahmespieler und -Athleten Jannik Sinner und Carlos Alcáraz, dahinter der große Rest manche zurzeit besser in Form (Musetti, Shelton, Djokovic), manche weniger gut (Zverev, Fritz). Und so kam es am Sonntag zu einem legendären Finale Alcaraz-Sinner, das der Spanier nach 5:29 Stunden (Rekord für ein French-Open-Finale) instensivsten Sports für sich entschied, nachdem er im 4. Satz gleich 3 Matchbälle abwehren konnte.
Der Matchtiebreak im 5. Satz musste entscheiden, und da hatte Carlitos ganz klar die Nase vorn (10:2), der ganz finale Thrill kam also nicht auf.
Alcáraz und Sinner waren förmlich durchs Turnier geglitten wie das Messer durch die warme Butter. Alcáraz zwar mit Mühe etwa gegen Ben Shelton und Lorenzo Musetti, aber letztlich doch überzeugend, Sinner gar ohne Satzverlust. Jetzt duellierten sie sich auf dem Platz Philippe Chatrier auf Augenhöhe, zeigten zum Teil absolut spektakuläres Tennis, allerdings auch erstaunlich viele Fehler; die meines Erachtens aber vor allem dem Risiko geschuldet waren, das sie nehmen (mussten).
Es war das erste Final-Aufeinandertreffen der beiden in einem Grand-Slam-Turnier, und es dürfte längst nicht das letzte Mal gewesen sein, wenn beide gesund und bei Laune bleiben. Zu groß scheint der Unterschied zum großen Rest. Novak Djokovic reitet trotz seiner immer noch herausragenden Spielstärke dem Sonnenuntergang, sprich Karriere-Ende entgegen. Die mittlere Generation (Zverev, Tsitsipas, mittlerweile auch Medwedew), die zunächst an den Großen 3 Federer, Nadal und Djokovic zerschellt ist, scheint zu schwach, und was aus den ganz Jungen wird (Mensik, Fonseca, Fils), muss sich erst zeigen. Spannend wird die Entwicklung von Musetti und Shelton, ob diese beiden hochveranlagten Spieler noch einen Schritt zulegen können. Fakt ist: In den vergangenen 6 Grand-Slam-Turnieren triumphierten nur Sinner und Alcáraz, beide je
Was Besseres als diese (zurzeit noch sehr respektvolle und gar freundschaftliche) Rivalität kann dem Tennissport nicht passieren. Beide polarisieren: Alcáraz ist eher der Künstler mit den unfassbaren Schlägen, die einen staunend und juchzend zurücklassen, Sinner die Konstanz in Person, fast robotermäßig, wie Kritiker monieren. Am Ende dieses Thrillers zeigte auch der Italiener Emotionen, das gibt Anlass zu Hoffnung.
{Sinners verfluchte Doping-Geschichte und die lächerliche 3-Monats-Strafe versuche ich zu ignorieren. Es führt zu nichts mehr, wenn ich mich aufrege}
Ein anderer Aufreger sind dagegen Eurosport-Reporter Matthias Stach und sein Experte Boris Becker (nicht nur bei diesem Spiel). Die beiden reden praktisch ununterbrochen, zum Teil auch in die Ballwechsel hinein, ein absolutes No go. Sie glänzen mit dem absurdesten Wissen über die abstrusesten Nebensächlichkeiten, das sie immer und überall oft ohne jeden Bezug reinwerfen (das gefürchtete Stach-übrigens). Wie angenehm sind dagegen die englischen Kollegen, zu denen ich letztlich geflohen bin (danke Eurosport für diese Option)
von Münchner Löwe | Feb. 16, 2025 | Tennis
Als ob die Welt da draußen mit dem Irrsinn im In- und Ausland, den Kriegen und Terroranschlägen nicht schlimm genug wäre, zerfetzte sich auch die vermeintlich so heile Sportwelt, die natürlich nie sehr heile war, in die Bestandteile. Nein, kein Ergebnis regte mich über die Maßen auf, diese Zeiten sind gottlob vorbei: Sondern die Einigung zwschen Jannik Sinner und dem Sportgerichtshof in der Dopingcausa des italienischen Tennisprofis. Das Strafmaß steht jetzt fest: Drei Monate muss Sinner pausieren, ab jetzt bis zum 4. Mai.
Ablasshandel der übelsten Form
Was ist passiert (in aller Kürze): Im März und April 2024 wurde Jannik Sinner positiv auf das verbotene Mittel Clostebo, getestet. Davon erfuhr die überraschte Öffentlichkeit im Juli, also gut 3 Monate danach. Sinner hatte als Begründung angeführt, sein Masseur habe ihn mit einer Salbe kontaminiert, die dieser wegen einer Schnittverletzung genommen hatte. Eine Salbe, auf der in großen Buchstaben „Doping“ steht und besagter Masseur massierte den wertvollen Sinner-Körper ohne Pflaster.
Das glaubte offenbar der Tennis-Weltveband und beließ es bei einer ganz kurzen Sperre (4 Tage, die jetzt tatsächlich angerechnet werden!) plus Geldstrafe und Verlust der Wetranglistenpunkte von Indian Wells, wo der erste positive Test erfolgte). Dagegen legte Weltdoping-Agentur Wada Einspruch beim Sportgerichtshof ein, wo der Fall seit Herbst bis jetzt lag. Unterdessen durfte Sinner sehr erfolgreich Tennis spielen, gewann unter anderem die Grand Slams US Open und Australian Open sowie das ATP Finals und den Daviscup.
Gestern die mit Spannung erwartete Entscheidung, und die besagt: Wada und Sinner haben einen Vergleich geschlossen. Demnach akzeptiert der Italiener eine dreimonatige Sperre, die am 4. Mai abläuft. In dieser Zeit darf er keine Turniere bestreiten und auch nicht in einem Verbandstraining teilnehmen. Im Gegenzug verzichtet die Wada auf weiteres Vorgehen oder gar weitere Strafen.
Ich bin darob gleichermaßen entsetzt wie empört, und dabei habe bzw hatte ich absolut nichts gegen Sinner, wie ich schon oft betonte. Denn das Mindeststrafmaß in vergleichbaren Fällen waren mindestens ein, wenn nicht sogar zwei Jahre. Auch wenn der Sportler keine vorsätzliche Einnahme nachgewiesen werden konnte. Der Grundsatz lautete: Auch das engge Umfeld muss sich der Sportler voll und ganz zurechnen lassen und eben die „Sauberkeit“ seines Körpers. Um eben die findigen Erklärungen, von vornherein abzuschmettern, die erwischte Sportler so haben für ihren dopingverseuchten Körper. Und wer könnte enger bei Sinner sein als sein Masseur.
Jetzt habe ich das Gefühl, dass sich Sinner in einem Ablasshandel der übelsten Form hat freikaufen können. Zumal auch der Zeitraum der Sperre für ihn überaus günstig liegt, die am 4. Mai endet. Er vepasst also nur das Masters-Doppel Indian Wells/Miami und den Anfang der ohnehin von ihm nicht so geliebten Sandplatzsaison. Bei seinem Heimspiel in Rom Mitte Mai darf er ebenso wieder antreten wie in Paris, er verpasst also nicht ein einziges Grand-Slam-Turnier, und nur die sind für Spitzenspieler wirklich von Bedeutung.
Ich hab die Korrespondenz in dieser Causa förmlich vor Augen: Achtung, das ist Fiktion!
WADA: Lieber Jannik. Saubblöd gelaufen, wir müssen Dich (man duzt sich im Sport, d. A.) bestrafen, um uns nicht komplett zum Vollhonk zu machen. Kannst Du uns entgegenkommen?
JS: Porca miseria: Eine Geldstrafe, aber mit großem Bedauern, ich könnte eine 2 Millionen Dollar zahlen und vielleicht noch eine Stiftung für Behinderte unterstützen, das macht sich immer gut. (Anmerkung d. A.: Sinner hat vergangenes Jahr mehr als 10 Millionen Dollar allein an Preisgeld verdient)
WADA: Wir fürchten, eine Sperre muss schon sein. Vielleicht 4 Monate, dann müsstest Du nur auf Paris verzichten.
JS: Kommt nicht in Frage. Aber lass mal überlegen, wie es am besten passt. Wie wäre es moi 3 Monaten, ab Februar. Dann könnte ich in Rom wieder spielen, das würde dem Turnier dort sicher sehr helfen. Schade zwar um Indian Wells und Miami, aber das ist eh nur in diesem blöden Amerika. Und wenn ich richtig rechne, bleibe ich sogar die Nummer 1 der Weltrangliste.
WADA: Gute Idee. Wir können sagen, dass wir mit der ganzen Härte sogar den besten Spieler der Welt sperren, der auf die von ihm heißgeliebten Turniere in Amerika verzichten muss und um seinen Platz in der Weltrangliste bangen muss.
JS: Und ich kann sagen, unter großem Wehklagen der WADA entgegengekommen zu sein. Ich bin mir zwar keinerlei Schuld bewusst, aber ich weiß, dass ich auch für mein Umfeld verantwortlich ist. Lasst uns entsprechende Erklärungen abstimmen.
Soweit, so schlecht. Für mich ist diese lächerliche Drei-Monats-Sperre sogar noch schlimmer als ein kompletter Freispruch. Wenn die WADA und der CAS sagen: Wir glauben Signore Sinner, dass er nichts gewusst hat, und er ist nicht für sein Umfeld verantwortlich, dann könnte ich damit leben und alle Sportler hätten einen Präzendenzfall. So ist der Wada dem CAS das Kunststück gelungen, ein bisschen schwanger zu werden, und alle Welt weiß: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen, wenn sie nur tricky genug verhandeln mit den teuersten Anwälten, die nur sie sich leisten können. Ähnlich wie das im übrigen schon Ende letzten Jahres im Fall Iga Swiatek lief, die ebenfalls positiv getestet wurde und mit einer (noch) lächerliche(re)n Sperre davonkam.
Jetzt beginnt der Kampf um die Deutungshoheit. Hier das Relativieren, das „ist-doch-nicht-so-schlimm“, dort die Empörung, die hoffentlich nicht nur mich, sondern auch die Kistners und Seppelts dieser Welt packt, für die jeder Radsporter per se ob seiner Leistungen schon suspekt st. Apropos Leistungssteigerung: Dern unglaublichenLeistungssprung, den Sinner gerade letztes Jahr gemacht hat, seine deutlich verbesserten Fitness- und Kraftwerte möchte ich noch anmerken
„Der Fall Sinner stinkt zum Himmel“, schrieb ich im Juli, als die Causa bekannt wurde.
https://blickueberdenteich.de/der-fall-jannik-sinner-stinkt-zum-himmel/Jetzt weiß ich: Zumindest der Tennissport ist mit einer extrem stinkenden Kloake überzogen, die so schnell nicht wegzuwischen ist. Mir ist die Freude an dieser wunderbaren Sportart sehr vergällt.
von Münchner Löwe | Jan. 26, 2025 | Tennis
Die Australian Open sind zu Ende, doch für Alexander Zverev gab es kein Happy End. Im Finale unterlag er dem Weltranglistenersten Jannik Sinner 3:6, 6:7, 3:6. Er verlor damit das dritte Mal bei seinem dritten Grand-Slam-Finale nach den beiden Fünfsatz-Pleiten gegen Dominic Thiem (US Open 2020) und Carlos Alcáraz (French Open 2024). Drei Finalsniederlagen bei drei verschiedenen GS-Turnieren bei keinem eigenen Sieg, das hat es meiner Kurz-Recherche nach noch nie gegeben. Ivan Lendl hat allerdings sogar seine ersten 4 Finals verloren, bevor er 1985 in Flushing Meadows triumphierte.
Im Finale kann sich Zverev gar nicht viel vorwerfen. Sinner war an diesem Tag einfach der bessere Spieler, machte mit seinem eersten Aufschlag 83 Prozent der möglichen Punkte, ein unfassbar guter Wert. Folgerichtig musste der Italiener nicht einen einzigen Breakball abwehren. Dazu kam noch Glück hinzu wie sein unerreichbarer Netzroller im Tiebreak des 2. Satzes. Wenn (ja dieses Wen …) Zverev den gewonnen hätte, wäre die Partie vielleicht gekippt. Dadi wari, verschüttete Milch.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ein Zverev mit seiner eher abwartenden Spielweise gegen einen Sinner auch nur in guter Form ohne Chance ist (und wahrscheinlich auch gegen Carlos Alcáraz). Zverev steht jetzt vor der sehr schwierigen Entscheidung: Ändert er sein Spiel zu mehr Risiko, also ein, zwei Schritte näher zur Grundlinie, wie es objektive Beobachter schon länger fordern. Doch letztlich hat ihn dieses Spiel nicht nur dreimal in ein GS-Finale geführt (in Melbourne praktisch unangefochten); er ist auch die ganz klare Nummer 2 hinter einem seit einem Jahr schier unbezwingbaren Sinner.
Und damit komme ich zur eigentlichen Tragik des ganzen Turniers: Meines Erachtens nämlich dürfte es den Triumphator Sinner gar nicht geben nach seinen zwei positiven Dopingproben vom März 2024. Die der Tennisverband schlicht ignorierte (bzw. die Räuberpistole des händeverseuchten Masseurs glaubte). Und das Tun dieses engen Vertrauten nicht Sinner zurechnete, obwohl das in derlei Fällen zwingend ist. Dass der CAS bisher den Einspruch der Dopingagentur gegen diesen skandalösen Freispruch nicht entschied, sonden sich erst im März dazu bequemt, st en weiterrer Skandal. Sinner hat damit 2 Grand-Slam-Turniere gewonnen (auch die US Open 2024), an denen er nicht hätte teilnehmen können, wenn es auch nur ansatzweise mit rechten Dingen zugegangen wäre. Betrogen werden damit alle Zuschauer, all seine Gegner. Un er selbs hat zwei Sieger-Schecks in Höhe von insgesamt 5 Millionen Euro kassiert.
Gestern war Eva Lys im ZDF-Sportstudio: ohne Namen zu nennen hat sie auf die enorme Ungleichbehandlung nahmhafter Tennisstars und dem Rest verwiesen (auch ohne Namen zu nennen: Dass sie neben der Polin Iga Swiatek auch Jannik Sinner meinte, lag klar auf der Hand). Ich übersetze: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Widerlich, und das schreibe ich als Sinner-Fan, der ich bis zur Doping-Bekanntgabe war.
Fantastische Madison Keys
Während mich das Männer-Finale nicht vom Sofasitz riss, war das beim Frauen-Finale am Samstag zwischen Titelverteidigerin Aryna Sabalenka und Madison Keys ganz anders. Ein söektakuläres Endpiel, spannend bis zum tatsächlich entscheidnenden Matchball, den Keys mit einem brachialen Winner für sich entschied. Was im Tennis äußerst selten vorkommt. Beide Spielerinnen packten in der entscheidenden Phase der Partie ihr allerbestes Tennis aus. Dumme Fehler gab es kaum noch, dafür Traumschläge en masse auf beiden Seiten.
Disclaimer: Ich bin Fan von Madison Keys, seitdem sie mit 14 jahren in der Profitour aufschlägt. Ein Riesentalent, doch in entscheidenden Momenten nicht Herrin ihrer Nerven. Es gab Experten wie zum Beispiel Oliver Faßnacht von Eurosport, der sogar wetten wollte: Keys wird nie ein Grand-Slam-Turnier gewinnen, trotz ihrers fulminanten Aufschlags und krachenden Grundschläge. Weil sie nicht Herrin ihrer Nerven sei, in entscheidenden Phasen oft die falschen Entscheidungen treffe.
Ich fand das damals extrem anmaßend, gerade in dieser Endgüligkeit. Als ob sich ein 17-jähriger hochtalentierter Mensch nicht ändern könnte. Doch Faßnacht schien recht zu behalten. Einmal erreichte sie zwar in New York das Finale, das sie allerdings völlig wegwarf und absolut chancenlos gegen ihre gute Freundin Sloane Stevens.
In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Keys, auch weil sie viele Verletzungen hatte. Auch ich hatte die Hoffnung auf einen GS-Erfolg von ihr aufgegeben. Jetzt bei den Australian Open war sie bei kaum einem Experten auch nur im erweiterten Favoritenkreis, obwohl sie mit der Empfehlung eines Turniererfolges im Vorfeld nach Melbourne kam. Was ich dann früh sah, war eine etwas anders spielende Keys. Immer noch mit beeindruckenden Schlägen, aber taktisch schien sie viel reifer, und ihre Nerven schien sie auch im Griff zu habern. Es folgte der schier unglaubliche Lauf, die ihre Nerven und die ihrer Anhänger gehörig strapazierte. Schwerer hätte der Weg ins Finale kaum sein können: Schon in der 2. Runde hatte sie große Mühe gegen die Qualaifkantin Ruse und setzte sich e kanapp mit 7:5 im 3. Satz durch. Es folgten Siege gegen die weit höher aingestuften Danielle Collins und Elena Rybakina, ein Zittererfolg gegen die unglaubliche Ukrainerin Elina Svitolina: Im Halbfinale der Thriller gegen Iga Swiatek, als sie gar einen Matchball abwehren musste und dies mit einem perfekten Schlag auch tat. Dann der Showdown vs Sabalenka, zuvor in Melbourne 20-mal hintereinander als Siegerin vom Platz gegangen bei 2 Turnier-Triumphen 2023 und 2024.
Attraktives Tennis spielt sie sowieso mit unglaublich harten Grundschlägen (es gibt nicht so viele Männer, die durchgehend so hart spielen), wenn auch mit mehr Drall).
29 Jahre musste Madison Keys werden, es war ihre 47. Grand-Slam-Teilnahme. So gesehen hat Alexander Zverev noch ein bisschen Zeit
von Münchner Löwe | Jan. 24, 2025 | Tennis
Ich habe es befürchtet, aber erwartet: Jannik Sinner hat das Finale der Australian Open erreicht. Dass er da nacheinen Leistungen objektiv hingehört, möchgte ich gar nicht bestreiten. Aber es bleibt der Gestank seines immer noch nicht endgültig entschiedenen Doping-Falls. Warum de CAS es nicht geschafft hat, in der Causa wenigstens eine Entscheidung zu treffen, empfinde ich jetzt als noch ärgerlicher, weil aus dem virtuellen Australian-Open-Finalist Sinner ein tatsächlicher geworden ist. Der normalerweise schon längst zumindest für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen worden häte müssen, so wie normalerweise Dopingfälle bestraft werden. Meine Meinung zum Fall selbst habe ich schon öfter auch hier zum Ausdruck gegeben. Auch wenn die Räuberpistole der dopingverseuchten Masseur-hand zutrifft (was ich persönlich schon bezweifle), Sinner muss sich unbedingt den Fehler eines seiner engsten Vertrauten zurechnen lassen.
In dem Zusammenhang bleibt für mich der Super-Gau wenigst3ns aus, weil die zweite Dopingsünderin Iga Swatek nach einem grandiosen Halbfinale an Madison Keys gescheitert ist.
Meine persönliche Pest also gegen Alexander Zverev, meine Cholera. Ein Frauenschläger (ein Verfahren, das die Ex-Frau anstrengte, wurde eingestellt), dem doch der deutsche Boulevard (und nicht nur der) zu Füßen liegt. Der im übrigen ebenfalls beeindruckend spielt. Immerhin hat es die Cholera Zverev geschafft, meine persönliche Nemesis Novak Djokovic (also Corona) aus dem Weg zu räumen (wenn auch nur durch einen Aufgabesieg nach dem ersten Satz. Den mag ich halt persönlich überhaupt nicht, wegen seines überbordenden Nationalismus, seiner Attitüde des allseits verfolgten Stars, den niemand liebt, sondern bestenfalls respektiert. Nota Bene mag ich seine Art, Tennis zu spielen nicht, und nicht nur wegen seiuner chronisch unsportlichen ewigen Balltipperei vorm Aufschlag.
Es waren zwei merkwürdige Halbfinali am Freitag: Zunächst Zverev vs Djokovic, am hellichten Tag und dementsprechenden Temperaturen in Melbourne. Losgelöst von meinen Vorlieben oder nichtlieben der betreffenden Spieler. Was einem bei Zverev oft in den Wahninn treibt, ist sein manches arg defensives Spiel meterweit hinter der Grundlinie. Weiß er selber, wie er hinterher zugab, aber warum es ihn seit Jahren kein Trainer beibringen kann die Bälle früher zu nehmen, öfter am ans Netz zu rücken (gut, dann müsste der betreffende Trainer ihm noch einen überdurchschnittlichen Volley beibringen), das verstehe ich nicht. So verpufft die unglaublich gute Rückhand, weil sie shclicht ewig unterwegs ist, bis sie beim Gegner ankommt. Gegerade gegen einen Djokovic, der an guten Tagen kaum Fehler macht, ist so etwas verheerend.
Verlassen konnte sich Zverev im Gegensatz zum Tommy-Paul-Match auf seinen Aufschlag. Der erste kam kam zu 76 Prozent und führte in 83Prozent der Fälle zum Punkt, also praktisch eine sichere Bank.
Djokovic konzentrierte sich darauf, seine Aufschlagsspiele durchzubringen. Er wirkte nicht fit, nach dem er in der voritgen Partie gegen Alcáraz sich am Oberschenkel behandeln ließ. Doch wie oft hat beim Djker der Schein getrügt und er trotz tatsächlicher oder vermeintlicher Malaisen ein Spiel noch gewonnen. Diesmal nicht, diesmal war es offenbar ernst. nach dem verlorenem Tiebreak gab Djokovic unvermittelt auf. Es war ihm klar, dass er nach 80 Minuten Spielzeit, in die er viel Energie gesteckt hatte, nie drei Sätze gegen Zverev hätte gewinnen können. Die einzelnen Pfiffe, mit denen er beim Abschied aus der Arena bedacht wurde, hätten isch die Pfeifenden auch sparen können, darauf wies im übrigen auch Zverev hin. Denn egal, wie man letztlich zu Djokovic steht: Das hat der 24-malige Grand-Slam-Gewinner (davon 10-mal in eben jeder Rod-Laver-Arena, nicht verdient.
Im Finale gegen Sinner am Sonntag (09:30, Eurosport) sehe ich Zverev tatsächlich leicht favorisiert, vor allem wenn sein Service so gut funktioniert. Der Italiener nämlich wirkte bei seinem jur dem Ergebnis klaren 7:6, 6:2, 6:2 gegen den Amerikaner Ben Shelton nicht immer souverän. Sheltonhatte die große Chance auf den ersten Satz, als er bei eigenem Aufschlag zwei Satzbälle vergab. Auch in der Folgezeit hielt Shelton mehr als mit, versagte aber wiederholt in den entscheidnden Szenen. Auch Sinner wirkte alles andere als topfit und ob er ein längeres Match durchgehalten hätte, schien sehr zweifelhaft. Am Ende schaffte er unter Aufbietung letzter Kräfte die entscheidenden Spielgewinne.
Wenn nicht jetzt, wann dann könnte es also für den besten deutschen Tennisspieler seit Boris Becker und Michael stich heißen. Ein Grand-Slam-Sieg würde zumindest seine Tennis-karriere rund machen nach 2 ATP-Finals und mehreren Masters-Triumphen. Vom Olympiasieg 2021 ganz zu schweigen. Lieben werde zumindest ich den Frauenschläger deshalb nicht mehr.
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