Das war die Woche, die war

Wimbledon habe ich in einem gesonderten Text behandelt, Tour und Fußball-EM der Frauen schon in die Wochenvorschau gepackt. Ein übersichtlicher Rest bleibt dennoch.

 

Deutsche rennen wirklich gut

 

Am Freitag fiel in Monaco ein weiterer deutscher Uralt-Rekord. Mohamed Abdilaahi rannte die 5000 Meter in 12:53,63 Minuten und blieb damit gut eine Sekunde unter der bisherigen Bestleistung, die Olympiasieger Dieter Baumann 1997 in Zürich aufgestellt hatte. Der nächste deutsche Laufrekord über eine Mittel- oder Langstrecke, nachdem zuvor schon Frederik Ruppert (3000 Meter Hindernis) und Robert Farken (1500 Meter, Meile) ewig lang bestehende Marken verbessert hatten.
Ein Glanzlich in Monaco setzte 800-Meter-Olympiasieger Emmanuel Wanyonyi, der die 2 Stadionrunden in 1:41,44 Minuten bewältigte. Insgesamt blieben 6 Läufer unter der 1:43er-Marke. Auch Femke Bol stellte über 400 Meter Hürden mit 51,95 Sekunden eine Weltjahresbestleistung auf, blieb aber fast eine Sekunde unter ihrem Europarekord und anderthalb Sekunden unter dem Weltrekord von Sydney McLaughlin-Levronne (50,37).

 

Chelsea triumphiert, und Trump feiert mit

 

Die Club-Weltmeisterschaft fand endlich einen Sieger, und der heißt etwas überraschend FC Chelsea. Die Londoner überrannten im Finale in New York förmlich das favorisierte Paris Saint-Germain. Schon zur Pause hieß es 3:0 durch 2 Treffer von Cole Palmer, der auch das 3:0 brillant vorbereitete. Live vor Ort im MetLive Stadium war auch Donald Trump. Der wurde von FIFA-Boss Gianni Infantino unterwürfigst hofiert und ließ es sich nicht nehmen, bei der Siegerehrung den wahren Siegern die Schau zu stehlen (er blieb viel länger auf dem Podest als vorgesehen). Das weiß ich allerdings nur aus Berichten, selbst angetan habe ich mir nur das Spiel.
Damit ist ein Monat zusätzlicher Fußball auch vorbei. Zurück bleiben sehr erschöpfte Spieler, sehr reiche Vereine (Chelsea sackte insgesamt mehr als 100 Millionen Euro ein), ein zwiespältiges Publikum (in Deutschland wollte nur 1,7 Millionen das Endspiel sehen und damit gerade mal die Hälfte der Anzahl, die zum gleichzeitige Frauen-Vorrundenspiel Frankrech gegen Schweden einschalteten). Infantino allerdings zeigte sich hochzufrieden mit „seinem“ Turnier, das er höchstselbst aus de Taufe gehoben hat. Und ich muss es bei aller Skepsis zugeben: Zumindest in Südamerika war es tatsächlich ein großer Erfolg. Ich persönlcih alledings brauche es in etwa so dringend wie Zahnschmerzen (reingeguckt hab ich natürlich trotzdem 🦁).

 

Und sonst

 

  • Radsport: Isaac del Toro hat die Österreich-Rundfahrt für sich entschieden, die über 5 zum Teil sehr anspruchsvolle Etappen (14.000 Höhenmeter) führte. Der Mexikaner hatte den Giro als Zweiter beendet und war dort 11 Tage lang in Rosa gefahren.
  • Motorrad: Der Marquez-Festspiele fanden auch am Sachsenring ihre Fortsetzung. Der Spanier siegte erneut sowohl im Sprint als auch im Hauptrennen, das durch zahlreiche Stürze geprägt war. Er feietre seinen 69. Sieg in der Königsklasse und übertrumpfte damit den legendären Giacomo Agostini. Das Familienfest machte der jäüngere Bruder Alexis als Zwweiter des Hauptrennens perfekt.
  • Tennis: Nach ihrem schnellen Wimbledon-Aus machte sich Tatjana Maria auf nach Newport/USA, wo ein Challenger-Turnier auf Rasen anstand. Dort kam sie immerhin bis ins Finale, wo sie dann allerdings der Amerikanerin Caty McNally unterlag. Immehin sprang Maria in der Weltrangliste auf ihren Bestwert 36.

Das wird die Woche, die wird

1. Tour-Woche, 2. Wimbledon-Woche, Frauen-EM und (tatsächlich!) die Club-WM

 

Pogacar schon auf der Lauer nach Gelb

 

Die Tour-Woche steht erst mal im Zeichen des Zeitfahrens morgen in Caen. Ein Kurs ohne große Erhebungen, also wie gemacht für die Rolleure im Feld.(Klarer) Favorit auf den Tagessieg ist Remco Evenepoel, der Zeitfahr-Olympiasieger und -Weltmeister. Zumal der vermeintlich härteste Konkurrent im Kampf gegen die Uhr, Fillipo Ganna, bereits in der 2. Etappe aufgegeben hat.
Doch für Evenepoel wird der Sprung ins Gelbe Trikot schwerer als geplant, den er bei Bekantgabe des Tour-Kurses sicher im Blick hatte. Denn auf der 1. Etappe verlor der Belgier 45 Sekunden auf Tadej Pogacar, und diesen Vorsprung aufzuholen, wird auch für den ausgemachten Zeitfahrer schwierig. Pogacar selbst hat als Gesamtzweiter nur 4 Sekunden Rückstand auf Gelb-Träger Matthew van de Poel. Für ihn gilt es, auf seinen wohl härtesten Konkurrenten Jonas Vingegaard nicht allzuviel Zeit zu verlieren, wenn überhaupt.
Doch schon heute steht eine knackige Etappe an, die mit ihrem Profil durchaus mit einem Ardennen-Klassiker ähnelt und mit einem heftigen Anstieg endet. Ansonsten sind in der Woche die Sprinter gefordert und gefragt. Nicht mehr dabei ist allerdings der zurzeit beste Spurter Jasper Philipsen, der gestern schwer stürzte und aufgeben musste.

 

Auch der Tennis-Nachwuchs kämpft um Wimbledon-Krone

 

Zur Frauen- und Männerkonkurrenz habe ich schon geschrieben

https://blickueberdenteich.de/schneckles-erfolgslauf-geht-weiter-auch-gegen-sabalenka/

so schaue ich hier auf die Nachwuchs-Wettbewerbe („Boys and Girls“). Da haben die deutschsprachigen SpiererInnen vor einen Monat toll abgeräumt. Max Schönhaus gewann das deutsche Finale gegen Niels McDonald, bei den Girls triumphierte die Österreicherin Lilli Tagger. Alle Drei sind noch im Wettbewerb, mal sehen, wie weit sie kommen.
Im Doppel ist dagegen das an 3 gesetzte Paar Kevin Krawietz/Tim Pütz überraschend schon gescheitert. Hier haben die Briten noch einige Asse im Ärmel: 2 rein britische Doppel stehen im Viertelfinale, sowie die britisch-finnische Paarung Patten/Helisivuora, die die Australian Open für sich entscheiden haben.

 

Auch ohne Gwinn auf Viertelfinal-Kurs

 

Etwas mühsam sind die deutschen Fußball-Frauen ins EM-Turnier gestartet, heute können sie schon einen großen Schritt in Richtung Viertelfinale machen. Ab 18 Uhr treffen sie in Basel auf Dänemark, das die erste Patie knapp gegen die Schwedinnen verlor. Ein Sieg der Truppe von Christian Wück, und das Viertelfinale ist (so gut wie) sicher. Und auch wenn die Kapitänin Giulia Gwinn wegen ihrer Verletzung fürs gesamte Turnier ausfällt: Das müsste gegen die Däninnen, die zurzeit längst nicht mehr so stark sind wie vor ein paar Jahren noch, zu machen sein. Die 3. Partie findet dann. am Samstag gegen Schweden statt. Im Idealfall sind dann beide Teams schon für die Runde der besten Acht qualifiziert.
Große Spannung in der Gruppe D. Nachdem  England zum Auftakt gegen Frankreich mit 1:2 verlor, ist der Titelverteidiger unter Zugzwang. Eine Niederlage morgen gegen Holland, und das Viertelfinale wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verspielt. Selbst ein Remis wäre vielleicht zu wenig.

 

Fluminense gegen drei Europäer

 

Tatsächlich, jetzt interessiert mich die Club-WM doch: Im Halbfinale treffen heute Fluninense und der FC Chelsea aufeinander, morgen das vom Papier her namhaftere Duell zwischen den „Deutschen“-Bezwingern Paris St. Germain (FC Bayern) und Real Madrid (Borussia Dortmund). Beide Spiele im Metlife-Stadium in New Jersey ab 21 Uhr, wo dann auch am Samstag das finale stattfindet. Ich sehe beide Partien völlig offen. Bei PSG gegen Real trifft mannschaftliche Geschlossenheit (Paris) auf höchstem Niveau auf individuelle Brillanz einzelner Spieler andererseits (Madrid).

 

Und sonst

 

  • Motorsport: Zwei große Veranstaltungen in Deutschland. In Berlin gastiert die Formel E auf em Flughafen Tempelhof.
    Zuschauermassen werden auf dem Sachsenring erwartet, wenn die besten Motorradfahrer ihre Läufe austragen. Marc Marquez liebt die Strecke bei Hohenstein Ennstal und dürfte seine Siegesserie in der MotoGP verlängern, zumal der Start seinen Bruders und schärfsten Rivalen Alx Marquez noch ungewiss ist nach dessen handbruch.
  • Leichtathletik: Die Diamond League macht am Freitag Station in Monaco mit einem sicher erlesenen Feld in einem schmucken, aber nicht übermäßig vollen Stadion. Die ARD plant einen Livestream ab 20 Uhr.
  • Golf: Die besten Profis machen sich auf zur britischen Tour, die wie immer in Schottland startet. Gespielt wird auf dem Renaissance Club in North Berwick. Nächste Woche folgt der Höhepunkt (vielleicht des ganzen Golfjahres): The Open, 2025 in Royal Purtrash/Nordirland.

 

 

 

Das war die Woche, die war

Tennis in Wimbledon, Musiala-Verletzung und Frauen-EM (Gwinn-Verletzung) sowie den schrecklichen Unfalltod von Liverpool-Stürmer Diogo Jota und dessen jüngeren Bruder Andre Silva habe ich schon aufgearbeitet
https://blickueberdenteich.de/schneckle-auf-grosser-erfolgstour/ und

Furchtbarer Unfall reißt Diogo Jota aus dem Leben

 

Ein paar Aktualisierungen der von mir verlinkten Texte:

Musiala hat sich wie befürchtet einen Wadenbeinbruch und Bänderverletzungen zugezogen und wird mindestens bis Jahresende fehlen.
Giulia Gwinn hatte noch Glück im Unglück und zog sich nur eine schwere Bänderdehnung zu. Die deutsche Kapitänin kommt zwar während de EM nicht mehr zum Einsatz, wird aber zum Saisonbeginn im August wieder spielfähig sein.
Auf der Trauerfeier für tödlich verunglückten Diogo Jota und dessen Bruder André Silva war fast das komplette Liverpool-Team  versammelt. Luis Diaz fehlte allerdings, er feierte lieber auf einer Influencer-Paty in seiner kolumbianischen Heimat. Was bei Fans zu einem Shitstorm erster Güte führte. Der FC Bayern ist angeblich an einer Verpflichtung interessiert, große Steine werden sie ihm in Liverpool wohl nicht in den Weg legen, wenn denn der Preis auch nur annähernd stimmt.
Apropos Jota und Silva: Einige Volldeppen (ich kann sie nicht anders bezeichnen) stürmten geradezu das Familiengrab und grinsten dann dümmlich grinsend in Selfie-Kameras. Was mag im Hirn von solchen Menschen nur vorgehen. Zeitweise musste far die Grabstätte abgeriegelt werden.

 

Unruhiger Tour-Auftakt

 

Von wegen lockeres Einfahren auf den ersten eher flachen Etappen. Schon im 1. Teilstück riss eine Windkante einen 49-Sekunden-Vorsprung zwischen der Spitzengruppe und einem prominent besetzten Verfolgerfeld auf. Während die Tour-Favoriten Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard ganz vorne dabei waren, veloren aussichtsreiche Kandidaten wie Remco Evenepoel, Primoz Roglich, Felix Gall und auch die deutsche Hoffnung Florian Lipowitz besagte 49 Sekunden.
Auf der 2. Etappe sprintete Tour-Verteidiger Tadej Pogacar sogar um den Tagessieg, musste sich aber dem starken Hllender Matthew van de Poel geschlagen geben, der auch das Gelbe Trikot übernahm. Gestern tatsächlich eine reine Sprintankunft. Vielleicht zurzeit der Beste in dieser Disziplin war allerdings nicht mehr dabei. Er stürzte bei einem Zwischensprint schwer und musste das Rennen aufgeben.
Schon jetzt scheint klar: Pogacar und Vingegaard sind in sehr starker Form, cih glaube nicht, dass ein Dritter (Evenepoel?, Lipowitz??), Roglic???) in diesen Zweikampf eingreifen kann.

 

Nächster Erfolg des deutschen Basketballs

 

Dass der U-19-Jahrgang der Männer außergewöhnlich gut ist, wussten die Experten, wurden die jungen Kerle vergangenes Jahr U-18-Europameister. Jetzt, bei der WM in Lausanne, stürmten sie mit teilweise beeindruckenden Siegen ins Finale, wo sie dann allerdings gegen die USA nach einem Einbruch im 3. Viertl ohne jede Chance haben. Denoch werden sich einige von ihnen nachhaltig bei Spitzencubs in Europa und auch in der NBA empfohlen haben: allen voran Hannes Steinbach. Der hat schon für die Würzburg Baskets in der BBL gespielt, jetzt wechselt er zur University of Washington, und es wäre sehr verwunderlich, würde ihn nicht ein NBA-Team nächstes oder übernächstes Jahr an niedriger Stelle draften

Jahrelang fristeten die Basketballer ein recht erfolgloses Schattendasein, trotz eines Dirk Nowitzki. Jetzt sind gehen sie selbstbewusst in jedes Turnier und kämpfen tatsächlich jedes Mal um Medaillen. Macht mir, eher dem Baskketball als dem Handball zugeneigt, höllischen Spaß. Dass über eine Nachwuchs-WM berichtet wird auch in Nicht-Fachzeitschriften, tut sein Übiges.

 

Hülkenbergs späte Krönung

 

Nein, zum Sieg beim Formel-1-Rennen in Silverstone hat es nicht gereicht, dafür waren die McLarens von Lando Norris und Oscar Piastri zu stark, die dem Papaya-Rennstall den nächsten Doppelerfolg bescherten und dem Engländer Norris den heiß ersehnten Heimsieg. Aber gleich dahinter tatsächlich Nico Hülkenberg im vermeintlich so unterlegenem Sauber, der in seinem 239. Rennen erstmals aufs Podest fuhr. Nicht aufgrund glücklichster Umstände und zig Ausfällen, sondern weil er schlicht ein brillantes und fehlerloses und bestens gemanagtes Rennen fuhr. Und das von Platz 19! Sicher half der Regen und die damit verbundenen Unwägbarkeiten, aber wie Hülkenberg sich durch kluge Taktik und tolles Fahren nach vorne arbeitete und in der letzten Phase auf Platz 3 liegend die vermeintlich viel stärkere Konkurrenz der Ferraris und Mercedesse und Red Bulls souverän auf Distanz hielt, war schlicht ein Meisterstück des 37-Jährigen.

Und niemand im Fahrerlager missgönnte Hülkenberg diesen Erfolg. Da Sauber keinen Champagner dabei hatte, um diesen standesgemäß zu feiern, spendierten erst Austin Martin, später  McLaren ein paar Flaschen. Sogar der Teamkamerad, normalerweise der ärgste „Feind“, spendete ganz ehrlich größte Anerkennung: „„Nico, hier ist Gabi. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie happy ich für Dich bin. Du bist eine Legende!“, funkte Gabriel Bortolotto auf Hülkenbergs Auslaufrunde, der selbst in der 4. Runde ausschied, auf Hülkenbergs Auslaufrunde.

Für Sauber könnte dieser Podestplatz nicht günstiger kommen. Nächstes Jahr wird Audi diesen übernehmen und in die Formel 1 einsteigen. bessere Werbung und mehr Motivation könnte es nicht  geben.

 

Und sonst?

 

  • WNBA: Indiana Fever hat den Commisioner Cup gewonnen. Im Finale besiegte das Team die favorisierten Minnesota Lynx. Und das, obwohl die Caitlin Clark, die so gehypte Spielerin im 2. WNBA-Jahr, wegen einer Verletzung passen musste.
  • Leichtathletik: Zwei Weltrekorde durch kenianische Läuferinnen beim Diamond-League-Meeting in Eugene. Zunächst blieb Beatrice Chebet über 5000 Meter als erste Frau unter der 14-Minuten-Marke (13:58,06), zum Abschluss der Veranstaltung im US-Staat Oregon an der Westküste) verbesserte Faith Kigkegon über 1500 Meter ihren eigenen Weltrekord auf 3:48,68 Minuten. Aus deuter Sicht erfreulich: Tokio-Olympiasiegerin Malaika Mihambo übertraf mit 7,01 Metern erstmals in diesem Jahr die 7-Meter-Marke. Da spielte es keine Rolle, dass Paris-Olympiasiegerin Tara Davis-Woodhall  die Deutsche im letzten Durchgang mit 7,07 noch überflügelte.
  • MLB: Ein Glanzstück lieferte Pitcher Zach Wheeler von den Philadelphia Phillies ab. Am Sonntag gelang dem Werfer bei den Cincinnati Redsein sogenanntes Complete Game über 9 Innings, in denen er nur einen einzigen Hit und keinen Walk zuließ. 27 der 28 gegnerischen Schlagmänner machte er also aus, 12 von denen per Strikeout. Dieser eine Hit führte zwar gleich zu einem Homerun, dennoch siegten die Phillies, das Team von Max Kepler, mit 3:1. Mehr über die MLB wahrscheinlich morgen.

Schneckle auf großer Erfolgstour

Wimbledon, die 3. Runde

 

Das Rasenturnier in London bringt weiter riesige Überraschungen. Laura Siegemund fabrizierte am Freitag eine solche, als sie Australian-Open-Siegerin Madison Keys aus dem Turnier nahm. Mit ihrem abwechlungsreichen und zum Teil äußerst ungewöhnlichen Tennis (unterschnittene Bälle, Netzangriff nach Returns) raubte sie der hochgewetteten Amerikanerin den letzten Nerv und siegte letztlich souverän in 2 Sätzen. Belohnt wird die Schwäbin, liebevoll Schneckle genannt ob ihrer Lockenpracht, mit einer Partie gegen eine sogenannte Lucky Loserin: Die Argentinierin Solana Sierra scheigerte zwar in der Qualifikation, rückte aber nach einer Absage ins Hauptfeld nach, wo sie völlig überraschend gleich 3 Siege landete gegen Olivia Gadeckie, Katie Boulter und Christina Bucsa. Siegemund gilt für diese Partie als leichte Favoritin, aber was besagt das schon?
Denn gerade im Frauen-Turnier ist die Überraschung zur Normalität geworden. Nur noch 5 der besten 15 sind im Achtelfinale ab heute vertreten. So scheiterte Lena Rybakina, die Siegerin 2022, ebenso (an der Dänin Caterina Tauson) wie Titelverteidigerin Barbora Krejcikova (Emma Navarro). Keiner Blöße gaben sich allerdings Aryna Sabalenka und Iga Swiatek hin, die jetzt als Favoritinnen aufs Finale gelten müssen. wäre allerdings fast verwunderlich, wenn es dazu kommt.

Bei den Männern beruhigte sich das Geschehen nach den Sensationen im Dauerpack. Am Samstag gab es geradezu einen Durchmarsch der Favoriten, die sich geradezu mühelos in jeweils 3 Sätzen durchsetzten. Jannik Sinner, Novak Djokovic und Ben Shelton scheinen erst mal unaufhaltsam (bevor sie im Viertel-, und Halbfinale aufeinandertreffen.

 

Bayern verlieren Spiel – und Musiala

 

Im Viertelfinale der Club-WM für die deutschen Vereine, die jetzt endlich auch hier etwas breiter Erwähnung finden. Bayern München verlor gegen Paris Saint Germain etwas unglücklich mit 0:2, obwohl der Champions-League-Sieger am Ende nach 2 Platzverweisen nur noch zu neunt auf dem Feld stand. Das Aus wird zu verschmerzen sein; viel, viel schwerer wiegt der Ausfall von Jamal Musiala. Nach einem Zusammenprall mit PSG-Schlussmann Gianluigi Donnarumma zog sich der brillante Mittelfeldmann eine offenbar schwere Beinverletzung zu. Die Regie ersparte den Zuschauern Bilder vom fürchterlich abstehenden Fuß Musialas, die schockierten Gesichter der umstehenden Spieler sagten alles. Eine genaue Diagnose und die Ausfallzeit stehen offenbar noch aus, ersten Berichten zufolge erlitt Musiala einen Waden-Beinbruch und Bänderverletzungen, dürfte also mehrere Monate fehlen.
Nach dem ersten Schock erhoben die Münchner ziemlich schwere Vorwürfe gegen Donnarumma. Der Italiener sei allzu ungestüm vor und in die Beine von Musiala gefallen, monierte etwa Schlussmann Manuel Neuer (der selbst mehrere solcher Aktionen in seiner Laufbahn getätigt hatte). Donnarumma selbst, der unmittelbar nach dem Zusammenprall völlig schockert auf dem Rasen stand und getröstet werden musste, bat um Entschuldigung. „Alle meine Gebete und besten Wünsche sind bei dir, Jamal Musiala!“ Dieser trat mit seinen Spielern den Rückflug an.
Durch die schwere Verletzung trat in den Hintergrund, dass Thomas Müller sein letztes (Pflicht)spiel für die Bayern bestritt. Nach 25 Jahren schließt sich das Kapitel, das Müller als Zehnjähriger beim FCB begann, und es wird immer ein Besonderes in der Club-Historie bleiben. Ob Müller seine Karriere fortsetzt (vielleicht in Los Angeles oder gar in Miami an der Seite von Lionel Messi?), steht noch nicht fest. Lothar Matthäus rät den Münchnern gar, angesichts von Musialas Verletzung dem Mittelfeldspieler einen weiteren Vertrag anzubieten. Ob die Tipps des deutschen Rekord-Nationalspielers beim deutschen Rekord-Meister erwünscht sind oder gar befolgt werden, steht nach den jüngsten Auseinandersetzungen mit Club-Ikone Uli Hoeneß  https://blickueberdenteich.de/woltemade-zu-den-bayern-oder-wie-man-alles-falsch-machen-kann/ auf einem anderen Blatt.

Auch Borussia Dortmund scheiterte in der Runde der besten Acht. Gegen Real Madrid verlor das Team mit 2:3. 90 Minuten plätscherte die Partie so vor sich hin. Die Madrilenen erzielten durch Gonzalo Garcia und Francisco Garcia (nicht verwandt oder verschwägert) 2 Tore in der 1. Halbzeit. Im zweiten Durchgang berannten die Borussen das Tor der Spanier, die sich aufs Nötigste beschränkten. Eine wilde Schlussphase entschädigte für manche Länglichkeit. Zunächst verkürzte Maximilian Beier auf 1:2, der eingewechselte Kylian Mbappé stellte den alten Vorsprung wieder her. Der BVB wollte nicht aufgeben, und Serhou Guirassy vewandelte einen Foulelfmeter. Danach hatten die Borussen gar den Ausgleich auf dem Fuß, doch Real-Schlussmann Thibaut Courtois rettete mit einer Glanzparade gegen Marcel Sabitzers Schuss (nicht ganz genug platziert gegen den Weltklasse-Kepper?) den am Ende glücklichen Erfolg.
Die Madrilenen treffen am Mittwoch (21 Uhr) in New Jersey im Halbfinale auf PSG (Mbappés Ex-Verrein), tags zuvor zur selben Zeit emitteln Fluminense Rio und der FC Chelsea den Finalgegner.

 

Deutsche Frauen gewinnen, Giulia Gwinn muss abreisen

 

Die Auftaktspiele für ein Großereignis wie jetzt die Fußball-EM in der Schweiz sind immer knifflig. Die deutschen Frauen gewannen nach verhaltenem Auftakt letztlich sicher mit 2:0 Toren gegen Polen. abwehrschwächen waren nicht zu übersehen, und hätte der Gegner mehr Stürmerinnen vom Kaliber einer Eva Pajor gehabt, wäre das Team von Trainer Christian Wück nicht ohne Gegentreffer geblieben.

Auch hier überschattete eine verletzung die Partie. Kapitänin Giulia Gwinn erwischte es bei einer fulminanten Abwehr-Aktion und musste das Feld verlassen. Mit einer Innenbandverletzung kam die Spielerin von Bayern München zwar noch glimpflich davon, doch das Turnier ist für sie beendet. Sie verließ das Quartier am Sonntag, damit sie sich in München um die Reha kümmern kann. Ein herber Verlust für das Team, das ihre klare Anführerin und das Gesicht verlor. „Wir wollen jetzt für Giuli kämpfen“, gibt sich Team-Managerin Nia Künzer kämpferisch. Geplant ist offenbar, dass Gwinn zum dritten Vorrundenspiel gegen Schweden am Samstag wieder zur Mannschaft stößt, um diese von außen zu unterstützen. Zuvor müssen die Deutschinnen am Dienstag gegen Dänemark ran, das allerdings nicht mehr so stark wirkt wie in den vergangenen Jahren.

Top-Favorit des Turniers ist und bleibt Spanien. Die Weltmeisterinnen von 2023 untermauerten am 1. Spieltag ihre Position mit einem klaren 5:0 gegen Portugal (deren Spielerinnen sichtlich angefasst waren vom Tod ihrer Landsleute Diogo Jota und dessen Bruder André). Die Breite des Kaders ist beeindruckend wie furchteinflößend. So konnten es sich die Spanierinnen leisten, dass sie zunächst auf  Aitana Bonmati verzichteten. Die Weltfußballerin kam erst in der 81. Minute aufs Feld, um etwas EM-Luft zu schnuppern.
Eine (nicht sehr große) Überraschung gelang Frankreich. Les Bleues gewannen nach eine aufregenden Partie mit 2:1 gegen Titelverteidiger England. Die Gastgeberinnen aus der Schweiz unterlagen in ihrem Auftaktmatch trotz ansprechender Leistung ind 1:0-Führung zur Pause mit 1:2 gegen Gruppen-Favorit Norwegen

 

Furchtbarer Unfall reißt Diogo Jota aus dem Leben

Es sind Meldungen wie diese, die mich innehalten lassen. Die jeden Sportjournalisten zum Nachdenken bringen müssten, wenn er  „Katastrophe“. „tragisch“ oder „entsetzlich“ tönt, obwohl er nur über schnöde Sportergeignisse schreibt. Klar, es hängt viel dran, und die Befindlichkeit von Fans möchte ich keineswegs kleinreden (wie oft war mein Wochenende nach Löwen-Niederlagen versaut), aber Diogo Jotas tödlicher Unfall relativiert das doch alles.

Der Stürmer des FC Liverpool verlor am Donnerstag aus noch nicht geklärten Umständen die Kontrolle über seinen Lamborghini, der über eine Böschung schoss und sofort in Flammen aufging. Jota (28) hatte keine Chance. Wie sein Bruder André (25) verbrannte er „bis zur Unkenntlichkeit“, wie der Polizeibericht vermeldete. Ich will mir nicht vorstellen, wie es den nächsten Angehörigen bei der Identifizierung erging. Besonders tragisch: Nur weil ihm sein Arzt wegen gesundheitlicher Probleme einen Flug nach Liverpool verboten hatte, befand sich Jota mit seinem Auto auf dem Weg zu einem spanischen Hafen, wo er mit einem Schiff die Rückreise antreten wollte.

So weit, so katastrophal. Jota hinterlässt seine Ehefrau Rute Cardoso und 3 gemeinsame Kinder. Erst 11 Tage vor dem Unfall hatten die beiden geheiratet, eine Jugendliebe aus der Schulzeit. Die Zukunft schien rosig. Beim FC Liverpool spielte der Angreifer eine sehr wichtige Rolle. Der deutsche Trainer Jürgen Klopp hatte ihn von 2020 von den Wolverhampton Wanderers geholt, wo er herausragende Leistungen gezeigt und den Club in die Premier League hatte. Auch bei den Reds war er sehr auffällig, trug wesentlich zur Meisterschaft 2025 bei. Erst vor 3 Wochen feierte er mit dem portugiesischen Nationalteam den Gewinn der Nations League, wo er als Auswechselspieler regelmäßig zum Einsatz kam.  „Diogo Jota war nicht nur ein fantastischer Spieler, der fast 50 Länderspiele für die Nationalmannschaft bestritten hat, sondern auch ein außergewöhnlicher Mensch, der von all seinen Mit- und Gegenspielern respektiert wurde, der eine ansteckende Freude ausstrahlte und ein Bezugspunkt in seiner eigenen Gemeinschaft war“, schrieb der Verband. Auch der jüngere Bruder André (25) war Profi-Fußballer. Er spielte zuletzt beim portugiesischen Zweitligisten Penafiel.

Wie in Südeuropa üblich, kam es sehr schnell zur Beisetzung. Am Freitag die traditionelle Totenwache, wo nicht nur das gesamte Team des FC Liverpool die letzte Ehre erwies, sondern auch viele portugiesische Nationalspieler, die aus der ganzen Welt sich in die kleine Stadt in der Nähe von Porto aufmachten, um ihren Mitspieler und vor allem Freund die letzte Ehre zu erweisen. Am Samstag die Beerdigung im engsten Kreis von Familie und Freunden in eben jener Kirche, wo sich Diogo und Ruta das Jahrwort gegeben hatten und wo sie sich offenbar kennen- und liebengelernt hatten. Zwei Rosenkränze in Form eines roten Dresses trug da Pool-Kapitän Virgil van Dijk, mit den Nummern 20 und 25, also diejenigen, die Diogo und André auf dem Rücken ihrer Trikots trugen.

Der FC Liverpool zeigte sich erkenntlich – und großzügig. Die Rückennummer „20“ wird nicht mehr vergeben. Und der Club will das Gehalt vertragsgemäß weiterzahlen, mehr als 500.000 Euro pro Woche für die nächsten 2 Jahre. Wenigstens wird die Familie also keine finanziellen Nöte haben. Ein ganz schwacher Trost für die Ehefrau und für die Eltern, die auf einen Schlag  2 Söhne verloren haben.

 

Woltemade zu den Bayern? oder wie man alles falsch machen kann

Schon die Nachricht an sich hat mich ziemlich verstört. Letzte Woche meldete der FC Bayern, dass man sich mit Nick Woltemade einig sei, auf das der 23-jährige „ab sofort“ bis 2030 beim Fußball-Rekordmeister auf Torejagd gehe. Sogar das jährliche Salär (bis zu 10 Mio/Jahr) gaben die Münchner bekannt. Meine erste Reaktion: Was zur Hölle will Woltemade beim überragend besetzten Meister, wo Harry Kane und Jamal Musiala seine bevorzugten Positionen ganz vorne oder als Verbindung besetzen und vorerst mit Sicheheit nicht zu verdrängen sind.

So weit, so ungut in diesem Millionengeschäft. Gäbe es da nicht das klitzekleine Problem, dass besagter Nick Woltemade schon einen gültigen Vertrag hat. Allerdings nicht beim FC Bayern, sondern beim Liga-Konkurrenten VfB Stuttgart. Bis 2028 und ohne jede Ausstiegsklausel. Den VfB aber haben Bayern weder um Erlaubnis gebeten, dass sie mit ihrem Angestellten über eine Abwerbung sprechen dürfen, geschweige denn erhielten sie die Erlaubnis dafür, wie die Stuttgarter unwidersprochen darlegten. Was gängigen und ziemlich strengen Regeln der Verbände völlig widerspricht. Die besagen nämlich, dass solche Gespräche höchstens in den letzten 6 Monaten der Vertragslaufzeit stattfinden dürfen.

Die Stuttgarter waren verständlicherweise alles andere als amused, und schnell war klar, dass dieser Transfer nicht so einfach über die Bühne gehen würde. Die Bayern selbst hatten das Ganze ja an die Öffentlichkeit gebracht, und so durfte es niemanden verwundern, dass hochbezahlte Experten wie Lothar Matthäus sich dazu äußerten. Der tat etwas für sein Geld und setzte eine Ablösesumme von 80 bis 100 Millionen Euro in die Welt. Und siehe da: Der vfB setzte eben diese Summe als Verhandlungsbasis an, um über einen vorzeitigen Wechsel überhaupt zu reden.

Was wiederum Uli Hoeneß über die Maßen erregte: Lothar Matthäus habe nicht mehr alle Tassen im Schrank, polterte der Ehren-Präsident und Graue Eminzenz derr Bayern. Nur wegen ihm habe der VfB die Summe so hoch angesetzt, und Woltemade sei diese doch nie im Leben wert. Eine These, die nicht nur Matthäus beleidigte (so die Hoeneßsche Intention), sondern auch die Intelligenz der Stuttgarter Vereinsführung, die im Zweifel selbst darauf gekommen wäre, dass sie alle Trümpfe in der Hand haben und diese Summe aberwitzig hoch ansetzen könnten.

Und nicht zuletzt beleidigte Hoeneß auch noch seinen Wunschspieler Woltemade, als er ihm absprach, diese Summe wert zu sein. Der ist in diesem Sommer so etwas wie der heißeste Scheiß im deutschen Fußball. Aus dem Nichts spielte er eine herausragende Rückrunde beim VfB, avancierte zum Nationalspieler und glänzte gerade bei der U-21-EM, die er als Torschützenkönig abschloss. Apropos U-21-EM: Der Zeitpunkt, als die Bayern mit dem angeblich gesicherten Transfer an die Öffentlichkeit gingen, war brillant gewählt; nämlich unmittelbar vor dem Finale gegen England. Dort spielte der bis dato so starke Woltemade geradezu unsichtbar, und ich muss kein Psychologe sein, dass er sich in den Tagen zuvor auch mit anderen Dingen beschäftigt hatte als mit dem bis dahin wichtigsten Spiel seiner Karriere. Woltemade selbst ist bis jetzt wohl der ganz große Verlierer: Der nach nur einem halben Jahr dem Verein den Rücken kehren will, der ihn förderte und an ihn glaubte; der mit seiner Bezahlung (nur 2,5 Millionen Euro) unzufrieden ist, der unbedingt zum Branchenprimus wechseln will (warum auch immer).

Die Bayern stehen auch miserabel da: Ohne Not haben sie den Transfer herausposaunt. Offenbar sahen sie Bedarf, ihre Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, nachdem die anvisierten Wechsel von Florian Wirtz und Nico Williams und Barcola nicht zustande kamen. Ein teures Posaunen: Entweder sie zahlen die 80 oder 100 oder 120 Millionen, die der VfB letztlich aufruft oder sie verzichten und verzichten damit auf einen verheißungsvollen jungen Stürmer, der ihnen zumindest in mittelfristiger Zukunft weiterhelfen kann. Der VfB kann sich dagegen relativ beruhigt zurücklehnen. Sie haben den wasserdichten Vertrag. Entweder sie werden über die Maßen hoch entschädigt oder sie behalten den Angreifer, der mit seiner Entwicklung auch noch längst nicht am Plafond angekommen ist. Bedenken, dass Woltemade beleidigt ist ode gar seinen Wechsel durch „Streik“ forcieren will, sehe ich nicht. Woltemade scheint zum einen nicht der Typ dafür zu sein, zum anderen muss er erst mal seine Leistung bestätigen. Und letztlich steht 2026 die WM in Amerika an, bei der er unbedingt dabei sein will.

Uns objektiven Betrachtern bleibt ein unterhaltsames Bauern-Theater (zumindest die Vorwürfe zwischen Hoeneß/der Bayern Entourage) und Matthäus, die ja eine jahrelange Feindschaft pflegen. Unendlich viele Experten und Kommentatoren fühlen sich bemüßigt, ihren Senf dazu abzugeben. Ich hoffe nur, dass Nick Woltemade einigermaßen schadlos aus der (auch von ihm) eingebrockten Not herauskommt.