von Münchner Löwe | Juni 28, 2026 | Fußball, WM
Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika
Es ist vollbracht. Heute Nacht endete die schier endlose Vorrunde mit insgesamt 72 (!) Partien. Diese waren in 12 Vierer-Gruppen nötig, um aus 48 Teilnehmern 32 zu machen. Kein optimaler Wirkungsgrad, würden Techniker sagen.
Entsprechend spannungslos ging es meistens zu, zumal bei den jeweils dritten Partien. Wenige Ausnahmen gab es. Zum einen das 2:1 der Ecuadorianer gegen Deutschland, das die Südamerikaner trotz frühen Rückstands (nach irregulärem Tor von Leroy Sané) noch drehten und sich damit das Zwischenrunden-Ticket sicherten. Nebenher führte der Auftritt der Nagelsmann-Truppe zu längst vergessen geglaubten Diskussionen ums deutsche Team. Insbesondere um ihren zurückgeholten Schlussmann Manuel Neuer, der bei beiden Gegentreffern nicht glücklich aussah, um es noch vorsichtig auszudrücken.
Österreich in der Nachspielzeit: erst Rückstand, dann Ausgleich
Die verrückteste Partie der Vorrunde kam aber ganz zum Schluss: Österreich gegen Algerien. Schon zu Beginn war klar, dass beide Teams mit einem Remis weiterkommen würden (Österreich als Zweiter, Algerien als einer der besten acht Dritten), aber jedes Team bei einer Niederlage ausscheiden würde (also kein Spekulatius mehr, dass Österreich mit einer knappen Niederlage den vermeintlich schwächeren Zwischenrunden-Gegner Schweiz und nicht Spanien erwischen würde. Befürchtet wurde die Schande von Kansas: angelehnt an die Schande von Gijon, wo 1982 Deutschland und Österreich mit einem (angeblich unausgesprochenen) Nichtangriffspakt und einem beiden genehmen 1:0 Algerien aus dem Turnier kegelten. Doch daraus wurde nichts: Die Österreicher gingen zweimal in Führung, zweimal glich Algerien aus. 20 Minuten vor Schluss hatten sich die Mannschaften dann beruhigt, und nichts deutete auf eine verrückte Nachspielzeit hin.
Plötzlich aber ein tolles Zuspiel auf Algeriens Star Ryan Mahrez, der Alexander Schlager im Ösi-Tor bezwang. Plützlich unfelix Austria, weil ausgeschieden? Ein letztes hohes Zuspiel auf Michael Gregoritsch, Kopfballablage auf Sasa Kalajdzic, und der vollendet per Kopf ins Tor. Ausgleich, der ORF-Reporter wird mal wieder naarrisch! (O-Ton: „bist du deppert!“), und jetzt ist Österreich wieder glücklich – trotz des jetzt feststehenden Gegners Spanien – High Noon in LA 12 Uhr mittags am Donnerstag (Ortszeit).
Resümee der Vorrunde
Wenn ich aufs vorläufige Ergebnis meines Tippspiels schaue (großer Seufzer), hat es einige überraschende Resultate gegeben. Die aber zu einem insgesamt erwarteten 32er-Ko-Runden-Feld führten. Eine echte Sensation ist eigentlich nur das Aus des zweifachen Weltmeisters Uruguay in der vermeintlich einfachen Gruppe mit Capo Verde und Saudi-Arabien (neben Spanien). Ansonsten haben sich die Favoriten mit mehr Bauchweh (Belgien) und weniger (Argentinien) durchgesetzt.
Auf den ersten Blick mögen die 9 afrikanischen Teams in der Zwischenrunde überraschen (nur Tunesien blieb auf der Strecke), doch den Gruppensieg errang keines der Mannschaften. Maßlos enttäuschend dagegen die Asiaten. Allein die Japaner kamen weiter (und die Australier, die dem Kontinentalverband angehören). 7 Teams schieden aus, fünf davon als sieglose Gruppenletzte.
Das Abschneiden der Kontinente im Überblick
Europa: 13 von 16 Teams in der Zwischenrunde. Ausgeschieden Tswchechien, die Türke und Schottland. Die Tartan Army wieder tragisch. Ihre Fans gewinnen regelmäßig das Herz der Turnier-Gastgeber, aber sie schaffen es einfach nicht, wenigstens einmal die Gruppenphase zu überstehen. Der Kalauer „die Mannschaft ist früher daheim als die Postkarten“ findet die traurige Fortsetzung.
Afrika: 9 von 10 Teams in der Gruppenphase. Ausgeschieden sind nur die Tunesier; mit der verheerenden Bilanz von 0 Punkten und 2:12 Toren. Auch ein Trainerwechsel während des Turniers brachte keine Besserung.
Nordamerika/Karibik: 3 von 6 Teams in der Gruppenphase. Der zweigeteilte Kontinentalverband. Während die Co-Gastgeber Mexiko, USA und Kanada souverän die Zwischenrunde erreichten, gewannen die Karibikstaaten Haiti, Curacao und Panama insgesamt nur einen Punkt (den Curacao gegen Ecuador ermauerte) bei einem Torverhältnis von insgesamt 3:21. Panama blieb als einzige Mannschaft ohne jedes eigene Tor.
Südamerika: 5 von 6 Teams in der Gruppenphase. Nur Uruguay scheiterte, auch wegen der kapitalen Fehler von Torwart-Legende Muslera, der gleich bei drei Gegentreffern mehr als unglücklich aussah. Brasilien, Argentinien und Kolumbien schafften den Gruppensieg, sind jetzt aber alle in einer Turnierhälfte, was ein südamerikanisches Finale ausschließt (und ein rein europäisches ziemlich sicher auch).
Asien: 2 von 9 Teams weiter (inklusive Australien). Gemessen an den Einwohnern mag Asien unterrepräsentiert sein, gemessen an der fußballerischen Klasse eher nicht. Sehr unglücklich das Aus für den Iran, der ungeschlagen blieb, aber eben auch kein Spiel gewann. Neuntbester Dritter und damit knapp raus. Hätten die Algerier ihre Führung gegen Österreich behalten, hätte sich das Team trotz widriger Begleitumstände (Einreise ins Feindesland USA jedes Mal ein kräftezehrendes Abenteuer) für die Zwischenrunde qualifiziert. Tragisch: Ein vermeintlicher Iraner Treffer vs Ägypten im letzten Spiel in der Nachspielzeit wurde wegen einer ganz knappen Abseitsstellung nachträglich vom VAR (zu Recht) zurückgenommen.
Ozeanien: Der einzige Vertreter Neuseeland scheiterte als Letzter in einer keineswegs überstarken Gruppe mit Belgien, Ägypten und Iran.
Jetzt gehts aber los, oder?
In der Tat. Ab heute die 16 Zwischenrundenpartien, in denen das Feld bis einschließlich Freitag (Ortszeit) auf 16 Mannschaften halbiert wird. Aber einige Partien habern doch einen arg klaren Favoriten: Argentinien vs Kap Verde oder England vs Kongo. Auch Deutschland sehe ich klar als Sieger gegen Paraguay (nona). Weniger wegen einer überzeugenden Nagelsmann-Truppe, schon eher, weil ich Paraguay nach den Vorrunden-Auftritten für das schwächste der verbliebenen Mannschaften halte: klare Niederlage gegen Gastgeber USA, ein absurdes 1:0 gegen die Türken, weil der Gegner. trotz einstündiger Überzahl nicht einen seiner 32 Schüsse im Tor unterbringen konnte und letztlich ein 0:0 gegen Australien – ein Ergebnis, das beiden Teams weiterhalf.
Die Ansetzungen (Turnierbaum)
Mo., 22:30: Deutschland – Paraguay
Di., 23:00: Frankreich – Schweden
So., 21:00: Südafrika – Kanada
Di., 03:00: Holland – Marokko
Fr., 01:00: Portugal – Kroatien
Do., 21:00: Spanien – Österreich
Do., 02:00: USA – Bosnien
Mi., 22:00: Belgien – Senegal
Mo., 19:00: Brasilien – Japan
Di., 19:00: Cote d’Ivoire – Norwegen
Mi., 03:00: Mexiko – Ecuador
Mi., 18:00: England – DR Kongo
Sa., 00:00: Argentinien – Capo Verde
Fr., 20:00: Australien – Ägypten
Fr., 05:00: Schweiz – Algerien
Sa., 03:30: Kolumbien – Ghana
In jedem Quartett spielen die jeweiligen Sieger im Achtelfinale gegeneinander. Die willkürlich-unterschiedlichen Anfangszeiten resultieren aus den verschiedenen Zeitzonen und den klimatischen Begebenheiten der Gastgeberstädte. Trotzdem der helle Wahnsinn, wobei positiv anzumerken, dass die Ortszeit diesmal eher eine Rolle spielt und eher nicht die Wünsche der Europäer. Das war 1994 noch ganz anders
von Münchner Löwe | Juni 24, 2026 | Fußball, WM
48 Partien von insgesamt 104 sind beim Turnier in Nordamerika absolviert. Zum Teil unterhaltsam, zum Teil sterbenslangweilig. Ich habe beileibe nicht alles live gesehen und manches Spiel gar nur in der Kurz-Zusammenfassung.
Ich möchte gar nicht auf die einzelnen Begegnungen eingehen, auch nicht großartig über etwaige Turnier-Favoriten spekulieren oder gar darüber, wie weit die einzelnen Teams kommen. Aber ein paar allgemeine Eindrücke und ein Gesamtbild möchte ich doch gerne wiedergeben, das ich in den 2 Wochen via Fernsehen und Zeitungen/Online-Medien gewonnen haben.
Das Ambiente
Die erste Überraschung: Die Stadien sind voll – auch und vor allem in den USA. So mancher wird gehofft haben, dass angesichts der exorbitanten Preise viele Plätze leer blieben, diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Sehr gut gefüllte Arenen auch bei vermein tlichen Außenseiterspielen. Zwar in den seltensten Fällen ausverkauft (ich beziehe mich auf die offiziellen Angaben), aber sehr wenige sichtbar freie Plätze.
Was sehr positiv auffällt: eine schöne Grundstimmung in den Stadien, mit mitgehenden Fans, die dem Spielverlauf folgen. Welch eine Erleichterung nach dem entsetzlichen Dauergesang vor allem in der Bundesliga. Naturgemäß haben die relativ nahen Südamerika-Teams den meisten Anhang mitgebracht. Viele Migranten in den USA nutzen (trotz ICE!) die Chance, um „ihr“ Team anzufeuern.
Getoppt wird allerdings alles durch die schottischen Fans, der „Tartan Army“. 50.000 haben sich in Richtung Boston aufgemacht, und die Stadt hat sie mit offenen Armen aufgenommen. Diese fantastischen Menschen, immer fröhlich, immer leicht angetrunken, und doch immer friedlich. Wir in Deutschland und eben auch in München hatten ja 2024 das Vergnügen mit den besten Fans der Welt. Wenn die FIFA schlau ist (sie ist es natürlich nicht!), vergibt sie für alle großen Turniere eine Wild Card an Schottland. Dass ihr Fußball überschaubar unterhaltsam ist, spielt da kaum eine Rolle.
Wohltuend und sicher beabsichtigt: ER hat sich bisher nicht blicken lassen. Natürlich hat Donald Trump auch anders zu tun wie den Iran-Krieg oder um eine Wasserfläche in Washington wieder blau zu bekommen (nicht mal ein Dekret hilft offenbar), aber es ist schon auffällg, dass das Staatsoberhaupt beim größten Sportereignis der Welt (FIFA-Eigenwerbung) bisher so gar nicht in Erscheinung tritt, nicht einmal bei den Partien des durchaus ansprechenden US-Teams. Das kann und wird sich noch ändern, aber jeder Tag ohne Mr. President ist ein gewonnener Tag.
Ähnliches gilt übrigens auch für die Staatenlenker der Co-Gastgeber Kanada und Mexiko
Sogar Gianni Infantino hält sich auffallend zurück (nona). Zwar jettet er per Privatflugzeug zu jeweils 2 Spielen pro Tag und verbraucht dabei Unmengen von Kerosin. Aber er sitzt eher still auf seinem Ehrenplatz. Sicher zieht Gianni im Hintergrund Fäden, die ihm und de FIFA noch mehr Geld versprechen, aber wer das alles nicht wissen will, kann sich dem durchaus entziehen.
Das Fernsehen
Magenta hat für Deutschland die Rechte für alle 104 Partien erworben und je 30 Spiele an ARD und ZDF sublinzensiert. Sie fahren ein unfassbares Star-Aufgebot an Experten vor Ort auf unter anderem mit Jürgen Klopp, Thomas Müller und Mats Hummels. Über Vor- und Nachberichterstattung kann ich allerdings nichts sagen, das läuft bei mir praktisch komplett vorbei.
Die Spiele werden durchweg in UHD ausgestrahlt, das ist in dieser Bildschärfe in der Tat ein völlig neues Fernseherlebnis. So toll Bild und auch Ton sind, so dürftig ist mancher Kommentator. Hier nämlich hat Magenta gespart: Aus Kostengründen sind nur 2 Reporter nach Amerika geflogen, der Rest kommentiert aus einem Studio in München; am falschem Ende gespart, denn man merkt einfach, dass jemand nicht live vor Ort ist. Manche sind schlichtweg unterirdisch (wie der entsetzlich rumbrüllende Christian Straßburger, obwohl dieser sogar nach Amerika mitfahren durfte. Der für mich Angenehmste ist Jonas Friedrich – trotz Studio; ausgerechnet dieser wird sich in einer Woche verabschieden, weil er zum Tennisturnier nach Wimbledon darf/muss.
Die Trinkpause
Diese Nacht hat sich Infantino dann doch gemeldet. Thema war der wahrscheinlich bisher größte Aufreger des Turniers: Die vom FIFA-Chef praktisch im Alleingang durchgepaukte Trinkpause. Nach etwa der Hälfte einer Halbzeit unterbricht der Schiri die Partie. Offizieller Grund: Trinkpause und Erholung wegen der Hitze. Inoffizieller Grund: Diese 3 Minuten sind eine Gelddruckmaschine für die übertragenden Sender. Obwohl das Ganze erst recht kurzfristig im Frühjahr endgültig beschlossen wurde, konnten auch die deutschen Rechte-Inhaber diese Zeit locker und offenbar für sehr viel Geld an Werbepartner verkaufen. Besser gehts ja auch nicht. Die 3 Minuten sind lang genug für einige Werbespots, aber für den Zuschauer zu Hause viel zu kurz, um etwas Sinnvolles damit anzufangen. Vor allem die Wettanbieter wittern das ganz große Geschäft – gruselig. Ich persönlich bediene wenigstens die Mute-Taste.
Die Pause gibt es selbstredend nicht nur bei Hitzespielen, sondern der Gerechtigkeit wegen bei jedem Spiel. Absurd wurde es gestern bei England gegen Ghana in Boston, als die Spieler bei 19 Grad und Dauerregen schauen mussten, dass sie nicht über Gebühr abkühlten.
Diese 3 Minuten Pause verändern das Fußball-Spiel extrem. Jetzt haben die Trainer tatsächlich Zeit und Ruhe, Änderungen an jetzt konzentrierte Spieler weiterzugeben (das Trinken selbst dauert ja nur Sekunden) anstatt sinnlos ins Spielfeld hineinzubrüllen (tun sie natürlich trotzdem noch!). Also eine Art Auszeit, wie sie in anderen Sportarten Ganz und Gäbe ist. Es gibt durchaus Stimmen, die dadurch einen positiven Effekt fürs Spiel an sich sehen. Ich bin zwiegespalten, aber eines wäre halt wichtig gewesen: Dass so eine gravierende Änderung nach einer langanhaltenden Diskussion offiziell eingeführt worden wäre und nicht aus kommerziellen Gründen durch die Hintertür von einem Mann (Gianni) beschlossen.
Die großen Ligen und auch der europäische Verband haben vorerst angekündigt, dass sie diese Pause nicht übernehmen; mal schauen, wie lange angesichts der potenziellen Mehreinnahmen (spätestens zur nächsten großen Rechte-Vergabe) dieses Ansinnen hält.
Die Hand-vor-dem-Mund-Regel
Mit Rot bestraft werden all jene, die in einem Disput mit einem Gegenspieler (also nicht: Absprachen mit dem Mannschaftskollegen) die Hand vor dem Mund halten. Das lex Vini jr.: Denn eine potenziell rassistische Beleidigung eines Benfica-Spielers gegen den brasilianischen Real-Star ist der Grund für diese Regel. Gianluca Prestianni hatte in einem Champions-League-Spiel Vini nach dessen Aussage rassistisch beleidigt. Zu beweisen war das nicht, weil Prestianni eben die Hand vorm Mund gehalten hatte (und hinterher zumindest den Rassismus dementierte). Trotzdem sperrte die UEFA den Verteidiger, und jetzt zog die FIFA nach (ebenfalls handstreichartig). Bisher gab es allerdings nur einen Spieler, der in die Mund-Falle stolperte. Der Paraguayo Miguel Almiròn hielt bei einem Disput mit einem Türken die Hand vorm Mund und flog prompt vom Platz (nach freundlicher Intervention der Türken, hinter vorgehaltener Hand wohlgemerkt: sehr sportlich).
Ich persönlich finde das bei Weitem überzogen (auch weil das Problem der vorgehaltenen Hand bis zum Vini-Fall nicht wirklich existent war); eine Gelbe Karte (gerne auch stellvertretend fürs Team als letzte Warnung): vor allem auch angesichts der Knochenbrecherfouls, die nicht mit glattem Rot bestraft werden (die es aber zum Glück wirklich selten gibt bei dieser WM).
Die Schiedsrichter
Womit wir bei den Unparteiischen sind: Die ihre Sache alles in allem sehr gut machen. Vor allem schaffen sie zumindest nach meiner Beobachtung eine sehr gute und vor allem meist auch schnelle Zusammenarbeit mit dem VAR (Video-Assistent). Die Prüfungen umstrittener Szenen dauern gefühlt und tatsächlich bei Weitem nicht so lange wie in der Bundesliga.
Natürlich gibt es auch unfassbare Fehlentscheidungen wie die beiden nicht geahndeten Fouls am Franzosen Mbappé (vs Irak) und dem Ghanaer Adu (vs England), aber im Großen und Ganzen bin ich mehr als zufrieden. Wobei die Spiele äußerst fair ablaufen, wirklich nickelig und rau geht es recht selten zur Sache; das könnte sich natürlich ändern, wenn die Partien endlich wichtig werden.
Das 48er-Format
Womit wir beim größten Übel der WM sind, nämlich dem überflüssigerweise weiter aufgeblähtem Turnier. 48 Teams (statt bisher 32() sind diesmal dabei. So sehr den Neulingen Kap Verde, Curacao, Jordanien und Usbekistan die WM-Premiere zu gönnen ist (gerade die Kap Verden begeistern wirklich!) oder den Rückkehrern nach langer Pause (jeweils 1998 zuletzt dabei: Norwegen, Österreich, Schottland), so schrecklich ist das Format. Denn es entwertet die Partien erheblich, weil auch die acht Gruppenbesten weiterkommen. Nicht nur werden dann Äpfel mit Birnen verglichen, einen großen Vorteil haben auch diejenigen Teams, die per Spielplan-Fügung spät und ganz spät ihren dritten Spieltag bestreiten. Während zum Beispiel die Gruppen A, B und C damit schon heute dran sind, spielt die Gruppe J erst am Sonntagmorgen: wo dann klar ist, wie viele Punkte und Tore der Dritte braucht, um weiterzukommen.
Aus reiner Profitgier (mehr Spiele= mehr Geld) wurde ein nahezu perfektes Format mit 32 Teams zerstört und das Turnier weiter aufgebläht – es dauert gut eine Woche länger als bisher. Und wenn man wirklich mehr Teilnehmern eine Turnier-Chance geben will: Warum dann nicht gleich auf 64 Teams erweitern? Auf die zusätzlichen 24 Spiele kommt es dann auch nicht mehr an.
Die Deutschen
Die deutsche Mannschaft hat nach zwei Siegen gegen Curacao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) bereits die K.o.-Runde sicher als Gruppenerster erreicht, die letzte Partie morgen gegen Ecuador ist für die Nagelsmann-Truppe also ohne sportlichen Wert (die Südamerikaner müssen dagegen gewinnen, um weiterzukommen). Auf wen sie im ersten K.o.Spiel (Montag in Boston) trifft, steht allerdings noch nicht fest. Es wird ein Gruppendritter sein: Wer das sein wird, steht erst nach Abschluss der Vorrunde fest, also Sonntagfrüh.
In den Vordergrund gespielt hat sich Denis Undav: Im März hat ihn der Bundestrainer noch beschimpft, jetzt erzielte er sls Einwechselspieler je 2 Tore gegen Curacao und die Ivorer. Gerade das Siegestor in der Nachspielzeit könnte das gesamte Turnier beeinflussen. Wie wichtig der Erfolg offenbar war, konnte ich dem ekstatischen (und weit übertriebenen) Jubel von Julian Nagelsmann entnehmen.
Ich hab nur das Spiel gegen die Elfenbeinküste gesehen: Offensiv durchaus gute Ansätze, defensiv allerdings bedenkliche Lücken, die ein abschlussstärkeres Teams als die Afrikaner vielleicht ausgenutzt hätten. Der Elefant im Raum heißt Frankreich: Einiges deutet auf ein Achtelfinale gegen den Titelträger 2018 hin. Wohl und Wehe?
Die Favoriten
Den zwingenden Weltmeister habe ich noch nicht gesehen (den eine Vorrunde auch noch nie gezeugt hat). Sehr gut gefallen die Franzosen mit ihrem Ausnahmestürmern Mbappé, Dembélé und Olise, die Argentinier wirken sehr gefestigt und pragmatisch, vorne entscheiden dann Messis Tore. 5 Treffer erzielten die Argentienier bisher, fünfmal war der bald 39-Jährige erfolgreich gegen Algerien und Österreich. Zu Defensiv-Arbeit fühlte er sich dagegen bisher nicht bemüßigt, solche Leute nannte man früher Stehgeiger.
Ansonsten nenne ich die üblichen Verdächtigen: England mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel, Spanien und Portugal sehe ich am ehesten vorn.
Geheimfavorit Norwegen mit dem sagenhaften Torjäger Erling Haaland in Glanzform (4 Treffer) wird bisher seiner Rolle mehr als gerecht, dürfte aber den Status „Geheim“ schon verloren haben.
Aber viel ist Spekulatius, mehr dann unmittelbara vor Beginn der K.-o.-Phase (1. Spiel am Sonntag um 21 Uhr zwischen A2/Südkorea? und B2/Schweiz?), dann steht auch der weitere „Turnierbaum“ und auch der Gegner der Deutschen fest, und die Spielereien, wie es wirklich weitergeht, machen erst Sinn und Spaß.
von Münchner Löwe | Juni 22, 2026 | basketball
Die Gelegenheit für den Besuch in der modernen neuen Münchner Halle bot sich an: Basketball-Bundesliga, 5. und entscheidendes Spiel der Finalserie am Sonntag zwischen dem FC Bayern und Alba Berlin, den beiden deutschen Vorzeigeclubs. Dass es dazu kam, stand erst am Freitag fest, am Samstagmorgen der Kartenkauf (virtuell, versteht sich). Der Platz in der Verlängerung einer Spielfeld-Ecke nicht perfekt, aber doch gut genug, um die knisternde Atmosphäre im vollbesetzten SAP Garden einzusaugen. Große Aktien hatte und habe ich weder bei den Münchnern noch bei den Berlinern. Nur spannend möge es sein, war meine Hoffnung.
Danach sah es nach der 1. Halbzeit wahrlich nicht aus. 47:27 führten die Gastgeber, insbesondere ein desaströses 2. Viertel der Berliner hatte dazu beigetragen, als ihnen gerade mal 7 Pünktchen gelangen. Zarte Hoffnung auf eine Aufholjagd, als Alba im 3. Viertel zunächst auf 6 Punkte herankam, doch vor dem Schlussabschnitt stand es 66:53; da ging nichts mehr – oder?
Nun sollte ich durch die NBA und speziell des diesjährigen Champions New York Knicks Aufholjagden auch nach zweistelligen Rückstand gewohnt sein. Aber was jetzt im Garden (SAP, nicht Madison Square) geschah, erstaunte und faszinierte zugleich. Binnen 3 Minuten hatte Alba mit einem 14:0-Lauf den Rückstand nicht nur wettgemacht, sondern in einen Vorsprung verwandelt. Plötzlich fiel jeder Wurf, während bei den Münchnern überhaupt nichts mehr ging. Immehin rafften sie sich noch zu einem Schlagabtausch auf, die Führung wechselte mehrfach, aber am Ende hatten die Gäste tatsächlich das bessere Ende für sich. Vielleicht auch, weil die Münchner arg früh begannen, den Gegner per Fouls an die Freiwurflinie zu schicken anstatt zu versuchen, die Angriffe regulär zu stoppen. Aber weiß ich es wirklich besser als ein Trainerguru? *
Gut 500 mitgereiste Berliner Fans feierten ausgelassen den letztlich unerwarteten Meistertitel, während viele Heim-Anhänger geradezu fluchtartig die Halle verließen. Verstummt war auch der elende Hallensprecher, der mich praktisch das gesamte Spiel extrem nervte mit seinen Einpeitschern und mich veranlasste, meine zunächst eher neutrale Haltung aufzugeben und klar Partei für Alba zu ergreifen (ich habs ohnehin eher mit den Außenseitern, Löwenfan, ihr versteht?). Zittern für ein Team/Spieler gehört für mich beim Sport grundlegend dazu, es gibt kaum etwas Verlogeneres und Langweiligeres wie „der Bessere möge gewinnen“. Wo bleibt da der Spaß?
Während die Berliner einen wahrlich unerwarteten Titel feierten, bilanzieren die Münchner eine an ihren Ansprüchen gemessen missglückte Saison. Kein Titel in Deutschland (schon der Pokalsieg wurde im Februar in eigener Halle vergeigt) trotz des mit Abstand höchstem Budget. Die Euroleague mit dem klaren Verpassen der Play-offs war ein Desaster. Noch nicht einmal der Trainerwechsel konnte etwas bewirken.
* Womit ich bei einem ganz Großen der Branche bin. Svetislav Pesic auf der Bayern-Bank coachte sein letztes Spiel. Wobei „Bayern-Bank“ der völlig falsche Ausdruck ist, denn der Serbe steht während einer Partie die kompletten 40 Minuten an der Seitenlinie (und gerne auch auf dem Spielfeld), rudert mit den Armen, brüllt Anweisungen, beschimpft die Schiedsrichter, tobt und tröstet; allein das mitanzusehen, lohnt den Hallenbesuch. 76 Jahre ist er alt (die man ihm nicht ansieht und erst recht nicht anmerkt) – eine Trainerlegende in Europa. Der die Deutschen 1993 zum EM-Titel führte, der mit Serbien/Jugoslawien Triumphe feierte (Weltmeister 2002, Vizeweltmeister 2023 nach der Finalniederlage gegen Deutschland), aber auch mit Clubs wie dem FC Barcelona (Triple 2003) und eben den beiden deutschen Vorzeigevereinen Alba Berlin und dem FC Bayern. Angeblich ist jetzt wirklich Schluss, aber es würde mich nicht groß wundern, wenn wir ihn nächstes Jahr irgendwo in Europa an der Seitenlinie herumtoben sehen würden.
„Es lebe der Sport live vor Ort“, habe ich getitelt. Nichts ist vergleichbar mit dem Erlebnis vor Ort. Man sieht und hört viel mehr als vor dem Fernseher. Erst recht im Basketball mit dem eher kleinen Spielfeld. Ich muss mich selbst für meinen kurzfristig gefassten Entschluss am Samstag beglückwünschen. Auch wenn ich da natürlich nicht wissen konnte, dass ich eine historische Partie sehen würde.
von Münchner Löwe | Juni 21, 2026 | Wochenvorschau
Das Fußballturnier in Nordamerika setzt sich fort mit den 2. und 3. Vorrundenspielen. Nach Ende des 2. Spieltages (Mittwoch) raffe ich mich wahrscheinlich zu einer ersten Analyse auf. Bisher freut mich meine Ignoranz hier, auch wenn ich zumindest einige Partien gucke.
Und sonst?
- Formel 1: Am Sonntag der Grand Prix von Österreich in Spielberg. Trotz Aus in Barcelona ist Kimi Antonelli im Mercedes der Favorit. Sein Vorsprung in der WM-Wertung ist immer noch komfortabel (41 Punkte auf Lewis Hamilton, gar 50 auf Teamkollege George Russell.
- Tennis: die letzten Vorbereitungsturniere für Wimbledon (ab 29.Juni). Die Frauen spielen in Bad Homburg mit bemerkenswert starkem Feld (u. a. Swiatek, Andreewa, Svitolina, Muchova sowie Eva Lys) und Eastbounre (Paolini, Keys, Ostapenko sowie Laura Siegemund und Tatjana Maria), die Männer treffen sich ebenfalls in Eastbourne (Fritz, Fonseca, Francisco Cerundolo, Etcheverry sowie Daniel Altmaier) und auf Mallorca.
In Roehampton beginnt am Montag das Qualifikationsturnier für Wimbledon. Wie gehabt sind 3 Runden zu überstehen, bevor Frau und Mann die Spielberechtigung für den „heiligen Rasen“ erworben hat.
- Leichtathletik: Diamond League in Paris am Sonntag. Immer ein stark besetztes Feld im Stade de France. Eine Attraktion könnte der Stabhochsprung mit Mondo Duplantis und Emmanouil Karalis werden. Die brillante Hürdenläuferin Femke Bol versucht sich wie geplant, aber wegen einer Verletzung verspätet, an den 800 Metern.
von Münchner Löwe | Juni 15, 2026 | Biathlon, Tennis, Wochenvorschau
Zumindest erwähnt sei, dass die Fußball-WM läuft. Mit 4 Spielen pro Tag (die Anstoßzeiten variieren zwischen 18 und 6 Uhr.
Wer wird Basketball-Meister: Bayern oder Alba
Nix wirds mit dem Durchmarsch für den Titelverteidiger Bayern.1:1 steht es nach den ersten beiden Partien in München. Die Berliner klauten Spiel 2 im SAP Garden und haben jetzt zweimal Heimrecht, allerdings nicht in der modernen Halle am Ostbahnhof (mittlerweile heißt sie Uber-Arena), sondern in der altehrwürdigen Max-Schmeling-Halle. Gespielt wird am Mittwoch und Freitag, jeweils um 20:30 Uhr. Sollten beide Teams je eine Partie für sich entscheiden, kommt es am Sonntag wiederum in München zum Entscheidungsspiel.
Zverevs Heimspiel
Erstmals seit seinem Triumph bei den French Open vor gut einer Woche tritt Alexander Zverev wieder bei einem offiziellen Turnier an. In Halle/Westfalen ist er an Nummer 1 gesetzt (der Weltranglistenerste Jannik Sinner konzentriert sich ganz auf Wimbledon/ab 29. Juni), inwieweit ihn die Feierlichkeiten berührt (oder zusätzlich motiviert) haben, wird man sehen.
Erstaunlicherweise ist Rasen nicht der Spezial-Belag des Aufschlag-Riesen, aber was heißen schon die Auftritte der vergangenen Jahre.
Das Teilnehmerfeld kann sich durchaus sehen lassen. An Nummer 2 ist der Kanadier Felix Auger-Alliasime gesetzt, an Nummer 3 der Ben Shelton. Der Amerikaner ist Spezialist für deutsche Turniere. Im April gewann er die Veranstaltung auf Sand in München, jetzt kommt er mit dem Sieg aus Stuttgart nach Westfalen. Paris-Finalist Flavio Cobolli aus Italien hat ebenfalls gemeldet.
Parallel treten die Männer auch beim Traditionsturnier in Queens an. Der Australier Alex di Minuar führt die Setzliste an vor den Tschechen Jiri Lehecka und Paris-Halbfinalist Jakub Mensik.
Ein absolutes Frauen-Weltklassefeld trifft in Berlin aufeinander. Allerdings haben French-Open-Siegerin Mirra Andreewa und Wimbledon-Finalistin Amanda Anisimova kurzfristig abgesagt. Doch die Top 2 Aryna Sabalenka und Lena Rybakina sowie die Deutsche Eva Lys geben sich im Steffi-Graf-Stadion die Ehre.
Besonderes Schmankerl: Serena Williams setzt ihre Comeback-Tour im Doppel fort, diesmal an der Site von Karolina Muchova
Außerdem spielen die Frauen in Nottingham unter anderem mit Tatjana Maria.
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