Blick über den Teich, NBA

 

Drei Spiele, drei Heimsiege gab es diese Nacht für die Gastgeber. Die atlanta Braves und Minnesota kamen damit dem überraschenden Weiterkommen einen Erfolg weiter, doch der Weg ist noch lang

 

Atlanta Hawks – New York Knicks 109:108 (2:1)

 

Die Partie hatte alles, was man von einem Ost-Play-off-Spiel und speziell von dieser Serie erwarten durfte. Knallharte Defense und viel Spannung gerade am Ende mit mehreren Führungswechseln.
Dabei sah es lange Zeit für einen souveränen Erfolg der Hawks aus, die noch anfangs des vierten Viertels mit 10 Punkten Vorsprung führten. Doch wenn die Knicks eines können, dann kämpfen. OJ Amunoby traf gleich 2 fabulöse Dreier mit auslaufender Shotclock, und 1:03 Minuten vor dem Ende führten plötzlich die Knicks mit 108:105. Jalen Johnson verkürzte auf 107:108, die Hawks stoppten den nächsten Angriff, und es war CJ McCollum, der wiederum die Hawks mit einem Sprungwurf in Führung brachte. Der letzte Angriff der Knicks verpuffte, und die Halle von Atlanta feierte den zweiten Sieg der Hawks, der sehr viel mehr Nerven geraubt hatte als lange gedacht.

 

Bester der Sieger

 

CJ McCollum: Nicht nur wegen des entscheidenden Korbes. Der Routinier, der erst im Januar im Tausch mit Trae Young von den Washington Wizards kam, steuerte insgesamt 23 Punkte und 5 Rebounds zum Erfolg bei. Vor allem aber gibt er dem insgesamt jungen Team Halt mit der ganzen Erfahrung seiner 34 Jahren. Zeitweise erinnert er an Glanzzeiten zusammen mit Damian Lillard bei den Portland TrailBlazers, lang, lang ists her.

 

Stark beim Verlierer

 

OJ Amunoby: Sinnbild der Aufholjagd. Hätten die Knicks gewonnen, wären seine zwei unglaublichen Dreier in der Schlussphase Vereinslegende geworden und noch in Jahren bei jedem Rückblick gezeigt worden . So reichten sie  „nur“ dazu, dass sie das allumfassende Talent des 28-Jährigen dokumentierten. Isgesamt legte er 29 Zähler und 9 Rebounds auf und war damit Top-Scorer der Partie. Zudem extrem bissig in der Verteidigung (3 blockierte Würfe).

 

X-Faktor

 

Jonathan Kuminga: Falls Trainer Steve Kerr von den Golden State Warriors aus dem Urlaubsdomizil zugeschaut hat, werden ihm die Tränen gekommen sein. Tränen des Verlustes und vielleicht auch Wut über sich selbst, dass er es mit diesem zwar schwierigen (wechselwilligen), hochbegabten Basketballspieler nicht besser hinbekommen hat, so dass Kuminga Kalifornien in Richtung Atlanta verließ (im Tausch gegen den verletzungsanfälligen Kristaps Porzingis). Mit seiner unglaublichen Athletik schuf sich Kuminga immer wieder Räume, die er sehr gut zu nutzen wusste (21 Punkte 9/14 erfolgreiche Würfe aus dem Feld).

 

Zahlereien

 

2 verschiedene Korb-Schützen hatten die Knicks im ersten Viertel. Jalen Bruson (11 Punkte und OJ Amunoby (10). Der Rest (immerhin Größen wie Towns und Hart und Bridges hatte eine fette Null auf der Habenseite.

Nur 69,2 Prozent (18 von 26) der Freiwürfe verwandelten die Hawks. Ganz anders die Knicks, die zu 90 Prozent (18/20) erfolgreich waren. So kann man überlegene Partien auch wieder spannend machen.

 

 

Ausblick

 

Bereits in der Nacht zu Sonntag folgt ebenfalls in Atlanta das vorentscheidende Spiel 4. Die Knicks haben Kämpferherz bewiesen, müssen aber schauen, dass alle fünf Startspieler von Beginn an wirklich auch dabei sind. Wenn sie es dann noch schaffen, ihre Dreierquote wenigstens auf ein Drittel zu erhöhen (Freitag: 28,9 %), traue ich ihnen den dringend notwendigen Auswärtserfolg zu.

Nächstes Spiel: So., 00:00: Hawks – Knicks

 

Toronto Raptors – Cleveland Cavaliers 126:104 (1:2)

 

Drei Viertel war die Partie völlig ausgeglichen (83:81), doch im Schlussviertel brachen die Cavaliers komplett auseinader und kassierten alleine in diesen 12 Minuten rekordverdächtige 43 (!) Zähler. Damit verkürzte das einzige kanadische Team der Liga auf 1:2, und wenn die Cavs nicht schleunigst draufkommen, was da am Ende so schiefgelafen wird, könnte diese Serie sehr viel aufregender werden als nach den ersten beiden Partien anzunehmen war.

 

Beste Spieler der Sieger

 

Scottie Barnes und RJ Barrett kamen am Ende auf je 33 Punkte. Barnes war vor allem in den ersten drei Vierteln der Mann, der die Raptors im Spiel hielt. Als ihm im Schlussviertel etwas die Kräfte ausgingen, übernahm vor allem Barrett (16 Punkte und Jamison Battle/siehe X-Faktor.

 

Stark beim Verlierer

 

James Harden war mit 18 Punkten zumindest der treffsicherste. Dagegen blieb Donovan Mitchell (15) weit unter seinem Normaschnitt von etwa 28 Zählern.

 

X-Faktoren

 

Jamison Battle: Hatte die besten Minuten seiner noch jungen Karriere. Alle seine 14 Punkte erzielte er im Schlussviertel, als er einen Dreier nach dem anderen versenkte (4/4, dazu ein verwandelter Zweier). Den hatten die Cavs in ihrer Spielvorbereiung nicht auf dem Zettel.
Offensichtlich auch nicht Rookie Collin-Murray-Boyles, der starke 22 Zähler beisteuerte und dabei 11 von 15 oft gar nicht so einfache Würfe traf und letztlich auf 22 Punkte kam.

 

Zahlereien

 

60,87 Prozent Dreier der Raptors waren erfolgreich, dagegen nur 57,1 der Freiwürfe. Wer will nicht über Verrücktheiten auf dem Basketball-Court verzweifeln?

 

🇩🇪🇦🇹👓

Dennis Schröder (Cavs): Traurige Zahlen für den Nationalmannschafts-Kapitän. Nur 5 Minuten Einsatzzeit gönnte ihm Trainer Kenny Atkinson. In denen sammelte er nur 3 Pünktchen (durch einen Dreier) und einen Rebound.
Jakob Poeltl (Raptors). Solide Leistung des Ösi-Centers mit 8 Punkten, 6 Rebounds und 2 Assists.

 

Ausblick

 

Noch sind die Cavaliers in der Vorderhand, aber sie müssen das schlimme Schlussviertel aus den Köpfen bekommen. Und eine Steigerung ihrer Topspieler Donovan Mitchell und James Harden täte ebenfalls gut. Die Raptors haben gezeigt, dass sie nicht das Schlachtvieh abgeben wollen, für das sie viele Experten gehalten haben.

Nächstes Spiel: So., 19:00: Raptors – Cavaliers

 

Minnesota Timberwolves – Denver Nuggets 113:96 (2:1)

 

Ein von vorn bis (fast) hinten komplett missratener Abend der Nuggets. Vor allem das erste Vietel werden sie in Denver in grausamer Erinnerung behalten, in dem sie gerade mal 11 Punkte sammelten. So schlecht habe ich einen gesunden Nikola Jokic wohl noch nie gesehen, der eine Fahrkarte nach dem anderen warf, absurde Ballverluste produzierte und auch in der Abwehr daneben lag. Mit dem 11:25 waren die Gäste im Target Center noch gut bedient, auch weil Wolfs-Star Anthony Edwards sichtlich gehandicapt war.
Der Vorsprung der Wolves wuchs und wuchs auf zeitweise 25 Punkte an. Riese Rudy Goberts räumte nicht nurn in der Abwehr auf, sondern zauberte vorne in selten gesehener Art und Weise.
So war die Partie zur Halbzeit entschieden (61:39), und auch wenn die Nuggets zeitweise auf bis zu 13 Zähler herankamen, ernstfhaft in Gefahr geriet der Heimsieg der Timberwolves nie. So bleibt den Gästen höchstens die Genugtuung, dass sie den zweiten Abschnitt mit 57:52 für sich entschieden. Ein schwacher Trost.

 

Bester der Sieger

 

Ayo Dosunmo: Erwischte einen Sahnetag mit 25 Punkten und 9 Assists. Sprang für Anthony Edwards in die Bresche, der wegen seines Knies nur 24 Minuten auf dem Parkett stand und dabei auf 17 Zähler kam.

 

Stark beim Verlierer

 

Nikola Jokic: 27 Punkte und 15 Rebounds lesen sich auch großartig. Doch nur jeder 4. Wurf des serbischen Ausnahmespielers fand sein Ziel (im ersten Viertel war es nur einer von 8).

 

X-Faktoren

 

Ausgeglichenheit der Wolves: Sechs Spieler trafen zweistellig

Rudy Gobert: Der Franzose errichtete in der Defensive meist gegen Jokic großartige Arbeit und zwang ihn zu schwierigen Würfen. Dazu erstaunliche  Aktionen auf der anderen Seite des Feldes wie ein Anspiel hinter dem Rücken.

 

Zahlereien

 

Nur 40 Prozent aller Würfe der Nuggets trafen zwischen die Reuse. Ein in der heutigen NBA nicht mehr wettbewerbsfähiger Wert. Die Wolfes hingegen waren zu fast 60 Prozent erfolgreich.

31 Assists gaben die Wolves, also Vorlagen, die direkt zu Punkten führten. Ausdruck des tollen Team-Basketballs von Minnesota (Nuggets 12)

 

Ausblick

 

Ähnliche Situation wie in Atlanta: Die Denver Nuggets brauchen in Spiel 4 unbedingt einen Auswärtserfolg, damit sie sich realistische Chancen bewahren. Jokic wird nicht noch mal so schwach beginnen, der zweite Top-Mann wird sich ebenfalls steigern (müssen). Vielleicht wird auch der schmerzlich vermisste Aaron Gordon wieder dabei sein, seine Körperlichkeit würden die Nuggets dringend gebrauchen.

Nächstes Spiel: So., 02:30: Timberwolves – Nuggets

 

Ansetzungen

 

Sa., 01:00: 76ers – Celtics (1:1)
Sa., 02:00: Rockets – Lakers (ohne Doncic und Reaves) (0:2)
Sa., 04:30: TrailBlazers – Spurs (ohne Wembanyama) (1:1)

Sa., 19:00: Magic – Pistons (1:1)
Sa., 21:30: Suns – Thunder (0:2)
So., 00:00: Hawks – Knicks (2:1)
So., 02:30: Timberwolves – Nuggets (2:1)