von Münchner Löwe | Juli 6, 2026 | Fußball, WM
Mr. President hatte sich lange zurückgehalten bei der Heim-WM. Weder besuchte er die Spiele der USA, noch tönte er auf seinem Kanal Truth, wie supertoll doch alles sei.
Bis Sonntag. Jetzt ist die WM endlich „sein“ Turnier, dank eines Einsatzes darf die USA im Achtelfinale heute Nacht gegen Belgien höchstwahrscheinlich auch den besten Mann einsetzen.
Was war passiert. Imn Zwischenrundenspiel USA vs Bosnien-Herzegowina sah der Stürmer Folarin Balogun (ein Name wie Musik) die Rote Karte, weil er einem Bosnier böse auf den Knöchel gestiegen war. Eine harte Entscheidung (keine Absicht erkennbar), vielleicht sogar eine falsche (weil erst nach Konsultation des VAR getroffen). Aber auf keinen Fall eine skandalöse (der Fuß traf unstrittig den Knöchel).
Auch zu zehnt gewannen die Amis mit 2:0 und zogen ins Achtelfinale (in de Nacht zu Dienstag vs Belgien) ein; in dem würde Balogun fehlen wegen der obligatorischen Sperre, die nach Roten Karten fällig ist. So weit, so normal wäre es gewesen.
Am Sonntag dann die komplett überraschende Nachricht. Balogon dürfe spielen, teilte die FIFA in dürren Worten mit. Die Sperre werde auf Bewährung ausgesetzt, hieß es, Paragraph soundso ließe das zu. Diesen Passus gibt es tatsächlich, wurde aber seit 1962 (!) noch nie (!!) angewandt. Was steckte also dahinter?. Mr. President himself, wie sich schnell herausstellte. Der hatte sehr bald nach dem Spiel zum Telefon gegriffen und mit seinem guten Freund „Johnny“ geredet. Gianni Infantino, der FIFA-Boss. Ob man wegen der Sperre was machen könnte? Flankiert wurde das Ganze von einer beispiellosen Kampagne hölchstrangiger US-Lobbyisten und -Top-Anwälte, die eine – in diesem Fall unmögliche – Berufung vorbereiteten. Der FIFA-Boss, Best Buddy von Trump, konnte, natürlich! Per ordre de mufti befahl also Infantino seinen zuständigen FIFA-Gremien, die Sperre auszusetzen. Oder das Schiri-Team um den absurd verkommenen Boss Pierre-Luigi Collina handelte im vorauseilenden Gehorsam, das lässt sich nicht exakt feststellen.
Egal wie der unfassbare Freispruch zustandekam: Am Ende bleibt die Tatsache, dass ein Staatsoberhaupt sich aktiv in einen sportlichen Wettkampf eingemischt und der oberste Verbandsfunktionär geltende Regeln außer Kraft gesetzt hat. Das erinnert an finsterste Zeiten: Etwa an 1934, als Mussolini vorm Halbfinale mit dem Schiedsrichter tafelte (der dann skandalös Italien-hörig pfiff; an 1978, als Argentiniens Schlächter die Spiele beeinflussten. Trump selbst jubelte! „Danke an die Fifa, dass sie das Richtige getan und ein großes Unrecht wiedergutgemacht hat!“ Auch US-Trainer Pocchettino findts toll! Statt demütig auf seinen Stürmer zu verzichten, tönte der Argentinier: „Das ist eine fantastische Entscheidung. Wir müssen sie feiern.“
Wie „fantastisch“ die Entscheidung ankam, zeigten die Reaktionen: Allgemeines Entsetzen – nicht nur bei den betroffenen Belgiern, dessen Trainer Raul Garcia „an einen Aprilscherz“ glaubte. Sogar der Europäische Verband, der bisher alle FIFA-Sauereien in Sachen WM tatenlos abnickte, tritt auf den Plan. „Eine Rote Linien ist überschritten“, schrieb die UEFA. „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“ Belgiens Verband hat mittlerweile offiziell Protest eingelegt, über den ein neutrales Gremium (nicht aus nordamerikanischen oder europäischen Verband) entscheidet, aber offenbar nicht zwingen vor dem Spiel, häh?
Ich sags jetzt mal etwas pathetisch, wie viele andere auch: Die Integrität des Sports steht auf dem Spiel, zumindest der winzig kleine Rest, der bei all dem Geldverdienen und FIFA-Schweinigeleien noch übriggeblieben ist.
Nur Verlierer bleiben übrig
- das Spiel selbst: Das mit so großer Spannung erwartete Achtelfinale USA – Belgien in der US-Soccerstadt Seattle ist komplett überschattet. Es wäre die größte Partie des US-Verbandes gewesen (ja, ich weiß: 1:0 gegen England 1950). Jetzt ist es die Balogun-Skandal-Partie, egal ob er letztendlich mitmacht oder nicht.
- Sollte Balogun spielen und die USA gewinnen (möglichst noch mit Balogun-Toren), wird es heißen, nur wegen unzulässiger Hilfe. Das angeschlagene Turnier, das wider Erwarten durchaus Spaß macht, wäre komplett ruiniert
- Sollte Balogun nicht spielen und die USA ausscheiden, wird es heißen: nur weil die FIFA wieder eingeknickt ist.
- Das US-Team hat jede (in Europa ohnehin recht kleine) Sympathie verloren, die es mit durchaus ambitionierten Auftritten verdient hätte. Jetzt gilt es elendiger Trickser-Versammlung, die eine neue Kategorie geschaffen hat.
Bisher gab es schlechte Verlierer und auch schlechte Gewinner. Die USA sind das ersten schlechte „bevor-es-überhaupt-los-geht-Team“.
- Balogun selbst: ein herausragender Stürmer, der bei der WM begeistert hat. Jetzt ist er nur noch ein erbärmlicher Wicht, der die Hilfe eines der anerkannt größten Schurken des Welt bedarf. Willst Du so jemanden in Deinem Verein (zurzeit AS Monaco) haben?
Funfact: Balogun gar kein Amerikaner (nach Trumpscher Lesart)
Kurz vor seiner Geburt von Balogun weilte die Mutter zum Urlaub in New York City. Die Nigerianerin wollte dann nach England zurückkehren, doch da spielte die Airline nicht mit. Der Airline war der Babybauch wohl schon zu groß, das Risiko einer Geburt während des Fluges sei zu groß gewesen. Deshalb wurde Balogun schließlich in New York geboren, hat automatisch die Staatsbürgerschaft des Landes. Später reiste seine Mutter mit ihm zurück nach England, wo er beim FC Arsenal die Jugendmannschaften durchlief.
Also genau die Art von Staatsbürgerschaft, die Trump mit aller Macht und bis zum Supreme Court anfechten wollte
In diesem Sinne: Alle guten Wünsche für BELGIEN
von Münchner Löwe | Juli 5, 2026 | Fußball, WM
Wo soll ich nur anfangen bei all den widerlichen Aktionen der Paraguayos im WM-Achtelfinale gegen Frankreich. Der Schlag gegen Kylan Mbappé weit jenseits des Balles. Das Ellenbogenrempler in den Magen von Upamecano. Der absurde Versuch von gleich zwei Paraguay-Spielern, den Elfmeterpunkt zu zerstören, damit Mbappé einen völlig berechtigten Strafstoß verschießen möge (was er nicht tat). Die fortwährenden Provokationen, Meckereien, Streitereien, angezettelte Raufereien? Die allein den Sinn hatten, dass einem oder mehreren Franzosen im Glutofen von Philadelphia (40 Grad) die Nerven verliert und zurückschlägt und Rot bekommt.
Nein, es würde den Rahmen sprengen, all die Sauereien der Paraguayos zu benennen. Aber diese Untaten hätten sich nicht so dramatisch angehäuft, wäre ein Unparteiischen-Team auf dem Platz gestanden. Offiziell lief da zwar ein Mann im Schiedsrichter-Gewand herum, doch Ilgiz Tantashev hatte offenbar genau ein Ziel: irgendwie die bisher so großartigen Franzosen aus dem Turnier zu befördern. Der Usbeke tat wirklich alles dafür, außer den Ball selbst ins Tor zu schießen und die alte Luftregel wieder anzuwenden*. Er ignorierte die übelsten Schläge, „übersah“ klarste Fouls. Sogar den Tritt im Strafraum an Desire Doué, obwohl es einen Meter vor seiner Nase stattfand. Das reichte sogar dem ansonsten vor sich hin dämmernden VAR aus Katar, und es gab tatsächlich Elfmeter, den Mbappé trotz zerstörten (naja, das gelang nicht) Elferpunkt sicher verwandelte. Womit wirklich „die Guten“ weiterkamen, denn dieses Tor stellte schon den Endstand her. Noch nie hat ein Außenseiter so viel Widerwillen erzeugt – nicht nur bei mir, man sehe sich die weltweiten Reaktionen an.
Wer allein die Statistik anschaut, wird sich wundern und relativieren, dass alles nicht so schlimm gewesen sei. 0 Gelbe Karten für Paraguay, dafür 3 für Franzosen. Eine davon sah der Münchner Michael Olise. Sein Vergehen: Er stand daneben, als Matias Galarza – der absolut unsportlichste der erbärmlich-unsportlichen Paraguayos – zu Boden sank. Ach ja: eine Gelbe Karte gabs dann doch, für Paraguay: Der Assistenstrainer hatte nach dem Spiel den Schiedsrichter angemeckert – weil dieser den Ball nicht ins Franzosen-Tor geschossen hatte? 0 Gelbe Karten für die Paraguyer??? – nie wurde ein Spielverlauf so verhöhnt
Es war ein regelrechtes Wunder, dass die Franzosen angesichts der Dauer-Benachteiligung plus der sengenden Hitze nicht die Nerven verloren (Schweden-Legende Zlatan Ibrahimovic: „Ich hätte fünfmal Rot gesehen“). Wahrscheinlich ist so ein Sieg auch über sich selbst viel mehr wert als ein Zaubertriumph gegen überforderte Schweden. Mbappe brachte es auf den Punkt. „Sie dachten, dass wir kommen würden, um im Smoking zu spielen, dass wir nur kommen würden, um schöne Aktionen und Eins-Zwei zu machen. Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt.“
Was bleibt, ist ein zerstörtes Fußballspiel. Für mich die große Frage, warum die Paraguayer dermaßen übertrieben haben. Sie sind ja überragende Verteidiger (wie wir Deutschen bestätigen können). Das zeigten sie in vielen Szenen, in den fair geführten zweikämpfen (die gabs tatsächlich auch) gegen Mbappé und Co. Abwehrspieler wie Caceres, auch Galarza sind herausragend. Gerne auch mit Haken und Ösen, gerne leicht übers erlaubte Maß hinaus (mit einem Schiri, der schon Einhalt fordert), gerne Trashtalk. Geschenkt. Das gehört zum Fußball wie eine Torwartparade. Eine Begründung, warum sie sich so entsetzlich verhalten haben, blieben die Südamerikaner schuldig. Tenor: wir sollen uns alle nicht so anstellen, das sei doch „normal“ gewesen. Vielleicht sollten wir alle mehr Paraguay-Liga gucken, damit wir nicht so entsetzt sind.
Während Paraguay Gott sei Dank nach Hause fliegt (und sich dort ausgiebig für den Deutschland-Sieg feiern lässt), geht das Turnier für Frankrecih weiter. Am Donnerstag wartet Marokko. Es ist die Wiederholung des Halbfinals von Katar 2022, in dem die Franzosen 2:0 gewannen. Die Afrikaner setzten sich nach durchwachsener ersten Halbzeit am Ende doch sicher mit 3:0 gegen Kanada durch. Es gehört zu den Absurdidäten dieses Turniers, dass der Co-Gastgeber Kanada weit weg von der Grenze in Houston/Texas antreten musste – Spielplan ist Spielplan.
*Regelkunde: Bis vor ein paar Jahren galt der Schiedsrichter als Luft. Wenn er angeschossen wurde, ging es weiter, als sei nichts passiert. Es gibt Tore, bei denen der Schiri als Letzter am Ball war. Diese Regel gibt es aber seit der Saison 2019/2020 nicht mehr, jetzt gibt es Schiedsrichterball.
von Münchner Löwe | Juni 30, 2026 | Fußball, WM
Bevor es zum allgemein erwarteten Achtelfinal-Showdown gegen Frankreich kommt, müssen die deutschen Fußballer schon die Koffer für den Rückflug packen. Ein beschämendes Aus gegen die Maurermeister aus Paraguay bedeutete das Ende der hochfliegenden Pläne von Bundestrainer Julian Nagelsmann („Wir werden Weltmeister“). Eine ohnehin absurde Behauptung angesichts der oft trostlosen Vorstellungen der vergangenen Jahre.
Die Partie gegen die extrem defensiv eingestellten Südamerikaner offenbarte alles, was dem deutschen Angrffsfußball fehlt. Esprit, Ideen, Schnelligkeit, Spielfreude. Klar war der Abwehrriegel extrem dicht, aber ein bisschen mehr als die ständigen Halbflanken (56 wurden gezählt) hätte es schon sein dürfen; bessere Standards, überraschende Seitenwechsel, fliegende Kombinationen – all das vermisste ich. Es ist ja nicht so, dass allein unglückliche Umstände, vergebene Top-Chancen und ein überragender Torwart den Erfolg verhindert hätten. Bei Lichte betrachtet, hatten die Deutschen neben Havertz‘ Treffer bestenfalls noch 2 gute Einschuss(köpf)möglichkeiten – keine unter der Rubrik „Sitzer“ einzuordnen.
Erschreckend erneut die Defensive – nicht nur beim Gegentor, das der nur 1,68 Meter große Enciso dermaßen frei vom Elfmeterpunkt köpfen durfte (in feinster Manier überwand er den chancenlosen Neuer), als hätte er eine höchst ansteckende und tödlich verlaufende Krankheit. Bei jedem der sehr wenigen Offensiv-Aktionen hatte ich das mulmige Gefühl, das etwas geschehen könnte (nur die absolute Unzulänglichkeit/Unwillen des destruktiven Gegners und ein aufmerksamer Manuel Neuer verhinderten dies.
Tahs Kopfballtor, das nicht zählte
Und doch hätte alles gut ausgehen können (wenn wir ein Achtelfinale höchstwahrscheinlich gegen ein in allen Belangen überlegenes Frankreich „gut“ finden wollen). Eine mal ausnahmsweise von Nathaniel Brown und nicht von Joshua Kimmich geschlagene Ecke brachte nämlich den vemeintlichen Siegtreffer durch Jonathan Tahs herrlichen Kopfball nach tollem Laufweg. Alle jubelten, kein Paraguayer protestierte, noch nicht mal ein Reklamierarm des von Waldemar Anton behinderten Schlussmanns Orlando Gill. Allein der VAR, die in Wirklichkeit eine DIVAR war (Senora Tatiana Guzman aus Nicaragua), hatte etwas zu bemängeln (nämlich die Behinderung des Keepers durch Anton) und schickte Schiedsrichter Jayed vor den Kontrollmonitor. Und siehe da: Herr Jayed erkannte ein jetzt strafwürdiges Vergehen und aberkannte den Treffer. Eine Fehlentscheidung, erst recht das Überstimmen, auch angesichts der sonst sehr großzügigen Spielleitung des Schiedsrichters. Allerdings auch kein „Voll-Skandal“, wie Bundestrainer Julian Nagelsmann im ZDF beim Betrachten der Bilder schäumte. So blieb es beim 1:1, und es kam zum denkwürdigen
Elfmeterschießen
Die Deutschen sind in dieser Disziplin Spezialisten. Viermal in der WM-Geschichte setzen sie sich mit dieser Art der Entscheidung durch. Bis gestern gab es nur einen einzigen Fehlschuss (durch Uli Stielike 1982 vs Frankreich). Meist war es so: Der deutsche Spieler stiefelte entschlossen zum Punkt, schnappte sich selbstbewusst den Ball, lief ohne Federlesens an und versenkte unhaltbar.
Und an diesem unseligen Montag? Ein Bild des Jammers. Der erste Schütze Kai Havertz, extrem sicher vom Punkt, scheiterte jämmerlich an Gill. Ebenso Nick Woltemade, dessen zögerlicher Anlauf nichts anderes erwarten ließ. Trotzdem wurde es noch mal spannend. Zwei Schützen der Paraguayos hätten nur verwandeln müssen fürs Weiterkommen: Sanabria schoss kläglich vorbei, und der eigens eingewechselte Fabian Balbuena scheiterte an Manuel Neuer.
Also doch die Wende? Mitnichten! Jonathan Tah lief zwar konsequent an, drosch aber ebenso konsequent den Ball himmelhoch betrübend in die deutsche Fankurve. Ein Fieldgoal, wie es der Kicker des heimischen Football-Teams der New England Patriots nicht sicherer hätte verwandeln können. Eine Entschuldigung für den Abwehrmann: Noch nie in seiner langen Laufbahn hat er in einem Profispiel einen Elfer geschossen. Jetzt hatte also José Canale die große Chance – und verwandelte sicher. Canale Grande halt – und ein Land jubelte (am Dienstag rief der paraguayische Staatspräsident tatsächlich einen kurzfristigen Feiertag aus).
Die Gründe fürs Aus
Zum dritten Mal hintereinander ist also ein deutsches Team schon vor einem WM-Achtelfinale gescheitert. Der Ruf der Turniermannschaft ist endgültig passé (den sich der vierfache Weltmeister zuvor durch insgesamt 8 Final- und 4 Halbfinalteilnahmen seit 1954 redlich verdient hatte).
Die Spieler
Ich muss es so klar sagen: Auf den allerwenigsten Positionen verkörpern deutsche Spieler zurzeit internationale Spitzenklasse, erst recht nicht Weltklasse. Florian Wirtz und Jamal Musiala, die einzigen sogenannten Unterschiedsspieler im offensiven Mittelfeld, konnten nie an ihre Bestform anknüpfen. Was kaum überraschen durfte, weil beide eine eher maue Saison hinter sich haben. Musiala wegen der Nachwirkungen des Schien- und Wadenbeinbruchs im vergangenen Sommer bei der Club-WM, Wirtz, der bei seinem neuen Team FC Liverpool immer noch die Leverkusen-Form sucht (obwohl er zeitweise ansprechend spielte).
Eklatant die Schwächen bei den Außenverteidigern, im kreativen Mittelfeld und auch in der Spitze. Vor allem aber auch die für ein deutsches Team erstaunliche Zweikampfschwäche gerade auch gegen harte, aber keineswegs unfaire Kontrahenten.
Julian Nagelsmann
Der Bundestrainer hat seine Bewährungsprobe klar nicht bestanden. Einst galt er als Supertalent, der schon mit 28 einen Bundesliga-Club anleiten durfte. Doch im gesamten Jahr 2026 hat er eine Serie von selbstverschuldeten Pleiten, Pech und Pannen hingelegt, die letztlich nur den Rauswurf bedeuten müssten. Sogar bei einem in dieser Beziehung sehr zurückhaltenden Verband, der auch nach den beiden WM-Enttäuschungen 2018 und 2022 zumindest vorerst an den Trainer Joachim Löw und Hansi Flick festhielt (ohne Erfolg).
Nach der letztlich erfolgreichen WM-Qulifikation im Herbst reihte der Bundestrainer seit März zumindest merkwürdige, wenn nicht abstruse und objektiv falsche Entscheidungen aneinander.
- Kritik an Denis Undav. Nach dem Siegestor des Stuttgarters im Test gegen Ghana Nagelsmann, die Leistung sei ansonsten schlecht gewesen. Undav sei für die Anfangself völlig ungeeignet. So ist wohl noch nie ein Matchwinner abgekanzelt worden.
- Neuers Rückkehr: Zur Erinnerung. Nach der EURO 2024 trat der Bayern-Schlussmann zurück, und Oliver Baumann verrichtete im deutschen Tor mehr als solide Arbeit. Dennoch hielt es Nagelsmann für nötig, im April Kontakte zu Neuer zu knüpfen (so zumindest die offizielle Version). Befeuert durch eine wirklich starke Leistung des Keepers bei Real Madrid, die aber eher die Ausnahme in diese Saison war. Ohne Not hatte Nagelsmann ein sehr tiefes Fass aufgemacht mit all den Diskussionen und unschönen Begleiterscheinungen; er vermittelte nicht nur Oliver Baumann den Eindruck, dass auf sein Wort nicht das Geringste Verlass ist. Nagelsmann schwafelte dann was von Neuers Aura, die den gegnerischen Spieler danebenschießen lassen würde. Davon war im gesamten Turnier wenig zu spüren, die Bälle schlugen gnadenlos und nicht immer unhaltbar ein. Im Elferschießen hielt Neuer zwar einen Versuch, im Gegensatz zu ihm ist Baumann ein echter Elferkiller. What if …?
- Das völlige Überhöhen des 7:1 gegen Curacao und auch des eher glücklichen 2:1-Erfolgs gegen die Elfenbeinküste in letzter Minute. Das Deutschland hauptsächlich den eingewechselten Denis Undav und Nadiem Amiri zu verdanken hatte (siehe später).
- das komplett vercoachte Spiel gegen Ecuador. Damit meine ich nicht die Tatsache, dass er trotz des sicheren Gruppensieges die beste Elf aufstellte, die sich weiter einspielen sollte. Sondern seine abstrusen Wechsel während der Partie. Es kamen nämlich außer Undav nicht die Spieler der zweiten Garde (Amiri, Goretzka, Woltemade) zum Einsatz, sondern jede Ergänzungsleute, die im weiteren Turnierverlauf überhaupt keine Rolle mehr spielen sollten. Dass dann die Partie noch verloren ging und damit auch das Momentum und die gute Laune, war dann schon fast konsequent.
- die Paraguay-Aufstellung: plötzlich stand also doch Undav in der Startelf, ausgerechnet gegen ein Abwehr-Bollwerk, mit dem er immer Probleme hat (Nagelsmann hatte also seine März-Ahnung nicht getrogen). Dementsprechend unsichtbar blieb der Stuttgarter bis zur Auswechslung. Außerdem beließ der Coach Kapitän Joshua Kimmich auf der rechten Seite, die der Münchern eher schlecht als recht ausfüllte (weil ihm dazu Schnelligkeit und Klasse fehlen). Kimmich hätte (auch nur vielleicht) im defensiven Mittelfeld mehr Einfluss aufs Spiel nehmen können als die überforderten Pavlovic und Nmecha.
Für mich völlig unverständlich war auch der Umstand, dass Nagelsmann erst so spät Amiri brachte (110. Minute), seinen gegen die Ivorer so starken Mittelfeldmann mit Ideen, die so fehlten.
Neben diesen taktischen und menschlichen Fehlleistungen war auch das Verhalten von Nagelsmann gegenüber den Unparteiischen unwürdig, die er an der Linie in einem fort anpflaumte (absurderweise sogar das Team um die US-Amerikanerin Tori Penso, obwohl diese den Deutschen ein irreguläres Tor schenkte). Auch in den Interviews blieb er reichlich unsouverän, blaffte herum, obwohl ihm gerade ein Johannes B. Kerner wirklich nichts Böses wollte.
So bleibt ein grausiger Gesamteindruck. Es passt allerdings zum in jeder Hinsicht unwürdigen Verband, dass er Nagelsmann in einer ersten Stellungnahme Nagelsmann weiter das Vertrauen aussprach. Ob das zu halten sein wird beim Proteststurm der Medien, der jetzt schon eingesetzt hat, bleibt allerdings abzuwarten.
von Münchner Löwe | Juni 28, 2026 | Fußball, WM
Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika
Es ist vollbracht. Heute Nacht endete die schier endlose Vorrunde mit insgesamt 72 (!) Partien. Diese waren in 12 Vierer-Gruppen nötig, um aus 48 Teilnehmern 32 zu machen. Kein optimaler Wirkungsgrad, würden Techniker sagen.
Entsprechend spannungslos ging es meistens zu, zumal bei den jeweils dritten Partien. Wenige Ausnahmen gab es. Zum einen das 2:1 der Ecuadorianer gegen Deutschland, das die Südamerikaner trotz frühen Rückstands (nach irregulärem Tor von Leroy Sané) noch drehten und sich damit das Zwischenrunden-Ticket sicherten. Nebenher führte der Auftritt der Nagelsmann-Truppe zu längst vergessen geglaubten Diskussionen ums deutsche Team. Insbesondere um ihren zurückgeholten Schlussmann Manuel Neuer, der bei beiden Gegentreffern nicht glücklich aussah, um es noch vorsichtig auszudrücken.
Österreich in der Nachspielzeit: erst Rückstand, dann Ausgleich
Die verrückteste Partie der Vorrunde kam aber ganz zum Schluss: Österreich gegen Algerien. Schon zu Beginn war klar, dass beide Teams mit einem Remis weiterkommen würden (Österreich als Zweiter, Algerien als einer der besten acht Dritten), aber jedes Team bei einer Niederlage ausscheiden würde (also kein Spekulatius mehr, dass Österreich mit einer knappen Niederlage den vermeintlich schwächeren Zwischenrunden-Gegner Schweiz und nicht Spanien erwischen würde. Befürchtet wurde die Schande von Kansas: angelehnt an die Schande von Gijon, wo 1982 Deutschland und Österreich mit einem (angeblich unausgesprochenen) Nichtangriffspakt und einem beiden genehmen 1:0 Algerien aus dem Turnier kegelten. Doch daraus wurde nichts: Die Österreicher gingen zweimal in Führung, zweimal glich Algerien aus. 20 Minuten vor Schluss hatten sich die Mannschaften dann beruhigt, und nichts deutete auf eine verrückte Nachspielzeit hin.
Plötzlich aber ein tolles Zuspiel auf Algeriens Star Ryan Mahrez, der Alexander Schlager im Ösi-Tor bezwang. Plützlich unfelix Austria, weil ausgeschieden? Ein letztes hohes Zuspiel auf Michael Gregoritsch, Kopfballablage auf Sasa Kalajdzic, und der vollendet per Kopf ins Tor. Ausgleich, der ORF-Reporter wird mal wieder naarrisch! (O-Ton: „bist du deppert!“), und jetzt ist Österreich wieder glücklich – trotz des jetzt feststehenden Gegners Spanien – High Noon in LA 12 Uhr mittags am Donnerstag (Ortszeit).
Resümee der Vorrunde
Wenn ich aufs vorläufige Ergebnis meines Tippspiels schaue (großer Seufzer), hat es einige überraschende Resultate gegeben. Die aber zu einem insgesamt erwarteten 32er-Ko-Runden-Feld führten. Eine echte Sensation ist eigentlich nur das Aus des zweifachen Weltmeisters Uruguay in der vermeintlich einfachen Gruppe mit Capo Verde und Saudi-Arabien (neben Spanien). Ansonsten haben sich die Favoriten mit mehr Bauchweh (Belgien) und weniger (Argentinien) durchgesetzt.
Auf den ersten Blick mögen die 9 afrikanischen Teams in der Zwischenrunde überraschen (nur Tunesien blieb auf der Strecke), doch den Gruppensieg errang keines der Mannschaften. Maßlos enttäuschend dagegen die Asiaten. Allein die Japaner kamen weiter (und die Australier, die dem Kontinentalverband angehören). 7 Teams schieden aus, fünf davon als sieglose Gruppenletzte.
Das Abschneiden der Kontinente im Überblick
Europa: 13 von 16 Teams in der Zwischenrunde. Ausgeschieden Tswchechien, die Türke und Schottland. Die Tartan Army wieder tragisch. Ihre Fans gewinnen regelmäßig das Herz der Turnier-Gastgeber, aber sie schaffen es einfach nicht, wenigstens einmal die Gruppenphase zu überstehen. Der Kalauer „die Mannschaft ist früher daheim als die Postkarten“ findet die traurige Fortsetzung.
Afrika: 9 von 10 Teams in der Gruppenphase. Ausgeschieden sind nur die Tunesier; mit der verheerenden Bilanz von 0 Punkten und 2:12 Toren. Auch ein Trainerwechsel während des Turniers brachte keine Besserung.
Nordamerika/Karibik: 3 von 6 Teams in der Gruppenphase. Der zweigeteilte Kontinentalverband. Während die Co-Gastgeber Mexiko, USA und Kanada souverän die Zwischenrunde erreichten, gewannen die Karibikstaaten Haiti, Curacao und Panama insgesamt nur einen Punkt (den Curacao gegen Ecuador ermauerte) bei einem Torverhältnis von insgesamt 3:21. Panama blieb als einzige Mannschaft ohne jedes eigene Tor.
Südamerika: 5 von 6 Teams in der Gruppenphase. Nur Uruguay scheiterte, auch wegen der kapitalen Fehler von Torwart-Legende Muslera, der gleich bei drei Gegentreffern mehr als unglücklich aussah. Brasilien, Argentinien und Kolumbien schafften den Gruppensieg, sind jetzt aber alle in einer Turnierhälfte, was ein südamerikanisches Finale ausschließt (und ein rein europäisches ziemlich sicher auch).
Asien: 2 von 9 Teams weiter (inklusive Australien). Gemessen an den Einwohnern mag Asien unterrepräsentiert sein, gemessen an der fußballerischen Klasse eher nicht. Sehr unglücklich das Aus für den Iran, der ungeschlagen blieb, aber eben auch kein Spiel gewann. Neuntbester Dritter und damit knapp raus. Hätten die Algerier ihre Führung gegen Österreich behalten, hätte sich das Team trotz widriger Begleitumstände (Einreise ins Feindesland USA jedes Mal ein kräftezehrendes Abenteuer) für die Zwischenrunde qualifiziert. Tragisch: Ein vermeintlicher Iraner Treffer vs Ägypten im letzten Spiel in der Nachspielzeit wurde wegen einer ganz knappen Abseitsstellung nachträglich vom VAR (zu Recht) zurückgenommen.
Ozeanien: Der einzige Vertreter Neuseeland scheiterte als Letzter in einer keineswegs überstarken Gruppe mit Belgien, Ägypten und Iran.
Jetzt gehts aber los, oder?
In der Tat. Ab heute die 16 Zwischenrundenpartien, in denen das Feld bis einschließlich Freitag (Ortszeit) auf 16 Mannschaften halbiert wird. Aber einige Partien habern doch einen arg klaren Favoriten: Argentinien vs Kap Verde oder England vs Kongo. Auch Deutschland sehe ich klar als Sieger gegen Paraguay (nona). Weniger wegen einer überzeugenden Nagelsmann-Truppe, schon eher, weil ich Paraguay nach den Vorrunden-Auftritten für das schwächste der verbliebenen Mannschaften halte: klare Niederlage gegen Gastgeber USA, ein absurdes 1:0 gegen die Türken, weil der Gegner. trotz einstündiger Überzahl nicht einen seiner 32 Schüsse im Tor unterbringen konnte und letztlich ein 0:0 gegen Australien – ein Ergebnis, das beiden Teams weiterhalf.
Die Ansetzungen (Turnierbaum)
Mo., 22:30: Deutschland – Paraguay
Di., 23:00: Frankreich – Schweden
So., 21:00: Südafrika – Kanada
Di., 03:00: Holland – Marokko
Fr., 01:00: Portugal – Kroatien
Do., 21:00: Spanien – Österreich
Do., 02:00: USA – Bosnien
Mi., 22:00: Belgien – Senegal
Mo., 19:00: Brasilien – Japan
Di., 19:00: Cote d’Ivoire – Norwegen
Mi., 03:00: Mexiko – Ecuador
Mi., 18:00: England – DR Kongo
Sa., 00:00: Argentinien – Capo Verde
Fr., 20:00: Australien – Ägypten
Fr., 05:00: Schweiz – Algerien
Sa., 03:30: Kolumbien – Ghana
In jedem Quartett spielen die jeweiligen Sieger im Achtelfinale gegeneinander. Die willkürlich-unterschiedlichen Anfangszeiten resultieren aus den verschiedenen Zeitzonen und den klimatischen Begebenheiten der Gastgeberstädte. Trotzdem der helle Wahnsinn, wobei positiv anzumerken, dass die Ortszeit diesmal eher eine Rolle spielt und eher nicht die Wünsche der Europäer. Das war 1994 noch ganz anders
von Münchner Löwe | Juni 24, 2026 | Fußball, WM
48 Partien von insgesamt 104 sind beim Turnier in Nordamerika absolviert. Zum Teil unterhaltsam, zum Teil sterbenslangweilig. Ich habe beileibe nicht alles live gesehen und manches Spiel gar nur in der Kurz-Zusammenfassung.
Ich möchte gar nicht auf die einzelnen Begegnungen eingehen, auch nicht großartig über etwaige Turnier-Favoriten spekulieren oder gar darüber, wie weit die einzelnen Teams kommen. Aber ein paar allgemeine Eindrücke und ein Gesamtbild möchte ich doch gerne wiedergeben, das ich in den 2 Wochen via Fernsehen und Zeitungen/Online-Medien gewonnen haben.
Das Ambiente
Die erste Überraschung: Die Stadien sind voll – auch und vor allem in den USA. So mancher wird gehofft haben, dass angesichts der exorbitanten Preise viele Plätze leer blieben, diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. Sehr gut gefüllte Arenen auch bei vermein tlichen Außenseiterspielen. Zwar in den seltensten Fällen ausverkauft (ich beziehe mich auf die offiziellen Angaben), aber sehr wenige sichtbar freie Plätze.
Was sehr positiv auffällt: eine schöne Grundstimmung in den Stadien, mit mitgehenden Fans, die dem Spielverlauf folgen. Welch eine Erleichterung nach dem entsetzlichen Dauergesang vor allem in der Bundesliga. Naturgemäß haben die relativ nahen Südamerika-Teams den meisten Anhang mitgebracht. Viele Migranten in den USA nutzen (trotz ICE!) die Chance, um „ihr“ Team anzufeuern.
Getoppt wird allerdings alles durch die schottischen Fans, der „Tartan Army“. 50.000 haben sich in Richtung Boston aufgemacht, und die Stadt hat sie mit offenen Armen aufgenommen. Diese fantastischen Menschen, immer fröhlich, immer leicht angetrunken, und doch immer friedlich. Wir in Deutschland und eben auch in München hatten ja 2024 das Vergnügen mit den besten Fans der Welt. Wenn die FIFA schlau ist (sie ist es natürlich nicht!), vergibt sie für alle großen Turniere eine Wild Card an Schottland. Dass ihr Fußball überschaubar unterhaltsam ist, spielt da kaum eine Rolle.
Wohltuend und sicher beabsichtigt: ER hat sich bisher nicht blicken lassen. Natürlich hat Donald Trump auch anders zu tun wie den Iran-Krieg oder um eine Wasserfläche in Washington wieder blau zu bekommen (nicht mal ein Dekret hilft offenbar), aber es ist schon auffällg, dass das Staatsoberhaupt beim größten Sportereignis der Welt (FIFA-Eigenwerbung) bisher so gar nicht in Erscheinung tritt, nicht einmal bei den Partien des durchaus ansprechenden US-Teams. Das kann und wird sich noch ändern, aber jeder Tag ohne Mr. President ist ein gewonnener Tag.
Ähnliches gilt übrigens auch für die Staatenlenker der Co-Gastgeber Kanada und Mexiko
Sogar Gianni Infantino hält sich auffallend zurück (nona). Zwar jettet er per Privatflugzeug zu jeweils 2 Spielen pro Tag und verbraucht dabei Unmengen von Kerosin. Aber er sitzt eher still auf seinem Ehrenplatz. Sicher zieht Gianni im Hintergrund Fäden, die ihm und de FIFA noch mehr Geld versprechen, aber wer das alles nicht wissen will, kann sich dem durchaus entziehen.
Das Fernsehen
Magenta hat für Deutschland die Rechte für alle 104 Partien erworben und je 30 Spiele an ARD und ZDF sublinzensiert. Sie fahren ein unfassbares Star-Aufgebot an Experten vor Ort auf unter anderem mit Jürgen Klopp, Thomas Müller und Mats Hummels. Über Vor- und Nachberichterstattung kann ich allerdings nichts sagen, das läuft bei mir praktisch komplett vorbei.
Die Spiele werden durchweg in UHD ausgestrahlt, das ist in dieser Bildschärfe in der Tat ein völlig neues Fernseherlebnis. So toll Bild und auch Ton sind, so dürftig ist mancher Kommentator. Hier nämlich hat Magenta gespart: Aus Kostengründen sind nur 2 Reporter nach Amerika geflogen, der Rest kommentiert aus einem Studio in München; am falschem Ende gespart, denn man merkt einfach, dass jemand nicht live vor Ort ist. Manche sind schlichtweg unterirdisch (wie der entsetzlich rumbrüllende Christian Straßburger, obwohl dieser sogar nach Amerika mitfahren durfte. Der für mich Angenehmste ist Jonas Friedrich – trotz Studio; ausgerechnet dieser wird sich in einer Woche verabschieden, weil er zum Tennisturnier nach Wimbledon darf/muss.
Die Trinkpause
Diese Nacht hat sich Infantino dann doch gemeldet. Thema war der wahrscheinlich bisher größte Aufreger des Turniers: Die vom FIFA-Chef praktisch im Alleingang durchgepaukte Trinkpause. Nach etwa der Hälfte einer Halbzeit unterbricht der Schiri die Partie. Offizieller Grund: Trinkpause und Erholung wegen der Hitze. Inoffizieller Grund: Diese 3 Minuten sind eine Gelddruckmaschine für die übertragenden Sender. Obwohl das Ganze erst recht kurzfristig im Frühjahr endgültig beschlossen wurde, konnten auch die deutschen Rechte-Inhaber diese Zeit locker und offenbar für sehr viel Geld an Werbepartner verkaufen. Besser gehts ja auch nicht. Die 3 Minuten sind lang genug für einige Werbespots, aber für den Zuschauer zu Hause viel zu kurz, um etwas Sinnvolles damit anzufangen. Vor allem die Wettanbieter wittern das ganz große Geschäft – gruselig. Ich persönlich bediene wenigstens die Mute-Taste.
Die Pause gibt es selbstredend nicht nur bei Hitzespielen, sondern der Gerechtigkeit wegen bei jedem Spiel. Absurd wurde es gestern bei England gegen Ghana in Boston, als die Spieler bei 19 Grad und Dauerregen schauen mussten, dass sie nicht über Gebühr abkühlten.
Diese 3 Minuten Pause verändern das Fußball-Spiel extrem. Jetzt haben die Trainer tatsächlich Zeit und Ruhe, Änderungen an jetzt konzentrierte Spieler weiterzugeben (das Trinken selbst dauert ja nur Sekunden) anstatt sinnlos ins Spielfeld hineinzubrüllen (tun sie natürlich trotzdem noch!). Also eine Art Auszeit, wie sie in anderen Sportarten Ganz und Gäbe ist. Es gibt durchaus Stimmen, die dadurch einen positiven Effekt fürs Spiel an sich sehen. Ich bin zwiegespalten, aber eines wäre halt wichtig gewesen: Dass so eine gravierende Änderung nach einer langanhaltenden Diskussion offiziell eingeführt worden wäre und nicht aus kommerziellen Gründen durch die Hintertür von einem Mann (Gianni) beschlossen.
Die großen Ligen und auch der europäische Verband haben vorerst angekündigt, dass sie diese Pause nicht übernehmen; mal schauen, wie lange angesichts der potenziellen Mehreinnahmen (spätestens zur nächsten großen Rechte-Vergabe) dieses Ansinnen hält.
Die Hand-vor-dem-Mund-Regel
Mit Rot bestraft werden all jene, die in einem Disput mit einem Gegenspieler (also nicht: Absprachen mit dem Mannschaftskollegen) die Hand vor dem Mund halten. Das lex Vini jr.: Denn eine potenziell rassistische Beleidigung eines Benfica-Spielers gegen den brasilianischen Real-Star ist der Grund für diese Regel. Gianluca Prestianni hatte in einem Champions-League-Spiel Vini nach dessen Aussage rassistisch beleidigt. Zu beweisen war das nicht, weil Prestianni eben die Hand vorm Mund gehalten hatte (und hinterher zumindest den Rassismus dementierte). Trotzdem sperrte die UEFA den Verteidiger, und jetzt zog die FIFA nach (ebenfalls handstreichartig). Bisher gab es allerdings nur einen Spieler, der in die Mund-Falle stolperte. Der Paraguayo Miguel Almiròn hielt bei einem Disput mit einem Türken die Hand vorm Mund und flog prompt vom Platz (nach freundlicher Intervention der Türken, hinter vorgehaltener Hand wohlgemerkt: sehr sportlich).
Ich persönlich finde das bei Weitem überzogen (auch weil das Problem der vorgehaltenen Hand bis zum Vini-Fall nicht wirklich existent war); eine Gelbe Karte (gerne auch stellvertretend fürs Team als letzte Warnung): vor allem auch angesichts der Knochenbrecherfouls, die nicht mit glattem Rot bestraft werden (die es aber zum Glück wirklich selten gibt bei dieser WM).
Die Schiedsrichter
Womit wir bei den Unparteiischen sind: Die ihre Sache alles in allem sehr gut machen. Vor allem schaffen sie zumindest nach meiner Beobachtung eine sehr gute und vor allem meist auch schnelle Zusammenarbeit mit dem VAR (Video-Assistent). Die Prüfungen umstrittener Szenen dauern gefühlt und tatsächlich bei Weitem nicht so lange wie in der Bundesliga.
Natürlich gibt es auch unfassbare Fehlentscheidungen wie die beiden nicht geahndeten Fouls am Franzosen Mbappé (vs Irak) und dem Ghanaer Adu (vs England), aber im Großen und Ganzen bin ich mehr als zufrieden. Wobei die Spiele äußerst fair ablaufen, wirklich nickelig und rau geht es recht selten zur Sache; das könnte sich natürlich ändern, wenn die Partien endlich wichtig werden.
Das 48er-Format
Womit wir beim größten Übel der WM sind, nämlich dem überflüssigerweise weiter aufgeblähtem Turnier. 48 Teams (statt bisher 32() sind diesmal dabei. So sehr den Neulingen Kap Verde, Curacao, Jordanien und Usbekistan die WM-Premiere zu gönnen ist (gerade die Kap Verden begeistern wirklich!) oder den Rückkehrern nach langer Pause (jeweils 1998 zuletzt dabei: Norwegen, Österreich, Schottland), so schrecklich ist das Format. Denn es entwertet die Partien erheblich, weil auch die acht Gruppenbesten weiterkommen. Nicht nur werden dann Äpfel mit Birnen verglichen, einen großen Vorteil haben auch diejenigen Teams, die per Spielplan-Fügung spät und ganz spät ihren dritten Spieltag bestreiten. Während zum Beispiel die Gruppen A, B und C damit schon heute dran sind, spielt die Gruppe J erst am Sonntagmorgen: wo dann klar ist, wie viele Punkte und Tore der Dritte braucht, um weiterzukommen.
Aus reiner Profitgier (mehr Spiele= mehr Geld) wurde ein nahezu perfektes Format mit 32 Teams zerstört und das Turnier weiter aufgebläht – es dauert gut eine Woche länger als bisher. Und wenn man wirklich mehr Teilnehmern eine Turnier-Chance geben will: Warum dann nicht gleich auf 64 Teams erweitern? Auf die zusätzlichen 24 Spiele kommt es dann auch nicht mehr an.
Die Deutschen
Die deutsche Mannschaft hat nach zwei Siegen gegen Curacao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) bereits die K.o.-Runde sicher als Gruppenerster erreicht, die letzte Partie morgen gegen Ecuador ist für die Nagelsmann-Truppe also ohne sportlichen Wert (die Südamerikaner müssen dagegen gewinnen, um weiterzukommen). Auf wen sie im ersten K.o.Spiel (Montag in Boston) trifft, steht allerdings noch nicht fest. Es wird ein Gruppendritter sein: Wer das sein wird, steht erst nach Abschluss der Vorrunde fest, also Sonntagfrüh.
In den Vordergrund gespielt hat sich Denis Undav: Im März hat ihn der Bundestrainer noch beschimpft, jetzt erzielte er sls Einwechselspieler je 2 Tore gegen Curacao und die Ivorer. Gerade das Siegestor in der Nachspielzeit könnte das gesamte Turnier beeinflussen. Wie wichtig der Erfolg offenbar war, konnte ich dem ekstatischen (und weit übertriebenen) Jubel von Julian Nagelsmann entnehmen.
Ich hab nur das Spiel gegen die Elfenbeinküste gesehen: Offensiv durchaus gute Ansätze, defensiv allerdings bedenkliche Lücken, die ein abschlussstärkeres Teams als die Afrikaner vielleicht ausgenutzt hätten. Der Elefant im Raum heißt Frankreich: Einiges deutet auf ein Achtelfinale gegen den Titelträger 2018 hin. Wohl und Wehe?
Die Favoriten
Den zwingenden Weltmeister habe ich noch nicht gesehen (den eine Vorrunde auch noch nie gezeugt hat). Sehr gut gefallen die Franzosen mit ihrem Ausnahmestürmern Mbappé, Dembélé und Olise, die Argentinier wirken sehr gefestigt und pragmatisch, vorne entscheiden dann Messis Tore. 5 Treffer erzielten die Argentienier bisher, fünfmal war der bald 39-Jährige erfolgreich gegen Algerien und Österreich. Zu Defensiv-Arbeit fühlte er sich dagegen bisher nicht bemüßigt, solche Leute nannte man früher Stehgeiger.
Ansonsten nenne ich die üblichen Verdächtigen: England mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel, Spanien und Portugal sehe ich am ehesten vorn.
Geheimfavorit Norwegen mit dem sagenhaften Torjäger Erling Haaland in Glanzform (4 Treffer) wird bisher seiner Rolle mehr als gerecht, dürfte aber den Status „Geheim“ schon verloren haben.
Aber viel ist Spekulatius, mehr dann unmittelbara vor Beginn der K.-o.-Phase (1. Spiel am Sonntag um 21 Uhr zwischen A2/Südkorea? und B2/Schweiz?), dann steht auch der weitere „Turnierbaum“ und auch der Gegner der Deutschen fest, und die Spielereien, wie es wirklich weitergeht, machen erst Sinn und Spaß.
von Münchner Löwe | Juni 1, 2026 | basketball, Eishockey, WM, Wochenrückschau
Titelverteidigung für PSG, Triumph für Finnland im Eishockey-„Feindes“-Land und ein bemerkenswerter Europarekord eines deutschen Hindernisläufers.
Sieg für PSG – und den Fußball
PSG brauchte im Champions-League-Finale gegen Arsenal in Budapest ein Elfmeterschießen, und doch war der Erfolg mehr als verdient. Der französische Meisetr nämlich wollte Fußball spielen, der englische Titelträger nur Fußball verhindern. Die Londoner liefeeten nach ihrer frühen Führung durch Kai Havertz eine veritable Abwehrschlacht, auf die jeder italienische Catenacchio-Trainer stolz gewesen wäre. Zeitspielen, wo es geht, bei jdem Einwurf, jdem Freistoß, zwei eng gestaffelte Fünferkette vorm eigenen Strafraum. Effektive Zerstörung, denn den französischen Ballkünstlern fiel wenig ein gegn dieses Bollwerk. Es brauchte schon einen Foulelfmeter nach einem eher täppischen Einsatz von Mosquera gegen Kvaratskelia; so täppisch und unbeholfen, dass der vorzügliche deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert sogar auf die in solchen Fällen obligatorische Gelbe Karte verzichtete (die Gelb-Rot und Platzverweis bedeutet hätte). Ousmane Dembélé verwandelte sicher. Danach änderte sich an der Verteiddijgungshaltung von Arsenal wenig, so dass es nach torloser und auch recht ereignisloser Verlängerung ins Elfmeterschießen ging.
Dort schoss zunächst Arsenals Eze am Tor vorbei, Nuno Mendez scheiterte and Arsenal-Schlussmann Raya. Als letzter musste das Arsenals Abwehrass Gabriel antreten – und jagte den Ball in die Wolken: Triumph für PSG, Tragödie für Arsenal. Während fast alle Franzosen in ihre Fankurve stürmten, um zu feiern, eilte ihr Abwehrchef Marquinos zu seinem brasillianischen Landsmann, um ihn zu trösten. Wahrer Sportsgeist eines großen Sportsmannes – und das bestimmt nicht nur im Hinblick auf die gemeinsame WM in zehn Tagen mit der Selecao.
Erneut scheitert die Schweiz im Finale
Bei der Heim-WM sollte es endlich mit dem Titel klappen für die Eidgenossen. Acht zum Teil beeindruckende Siege hatten sie auf dem Weg isn Finale gefeiert vor stimmungsvollen Zuschauern in Zürich. Darunter auch in der Vorrunde gegen den Endspielkontrahenten Finnland (3:2). Es entwickelte sich eine extrem intensive Partie, sehr unterhaltsam trotz fehlender Tore. 0:0 stand es nach 60 Minuten, die Verlängerung musste entscheiden. Plötzlich aber nur noch bei 3 gegen 3 Spieler (anstatt 5 vs 5), das ist eine völlig andere Sportart mit viel weniger Körperkontakt. Nach 10 Minuten Schlagabtausch mit Bedacht (nur nicht in einen Konter laufen), schnappte sich der junge Konsta Helenius die Scheibe, zog an einem Abwehrmann vorbei und schlenzte das Spielgeraät unhaltbar in die Maschen. Grenzenloser Jubel bei den Suomis, die zuletzt 2022 den Titel geholt hatten. Große Betrübnis bei den Schweizern. Zum dritten Mal hintereinander hatten sie ein Endspiel erreicht, zum dritten Mal blieben sie ohne eigenes Tor. Das boshafte Wort der „Zweitgenossen“ macht die Runde. Despektierlich und unangebracht für ein Team, das zuvor mit sehr schönem Eishockey (aber auch mit überrtriebener Härte/Meier) beeindruckt hatte.
Dem deutschen Team blieb in der K.-o.-Runde nur die Zuschauerrolle. um Verhängnis wurde die völlig überflüssige 0:2-Niederlage gegen Lettland. Wenig Werbung für die Heim-WM im kommenden Jahr. Eine Premiere feiete dagegen Norwegen. Durch das 3:2 nach Penaltyschießen gegen Kanada holten sich die Skandinavier die erste WM-Medaille überhaupt.
Frederik Ruppert bleibt unter den magischen 8 Minuten
Ein deutscher Läufer schreibt Geschichte. Frederik Ruppert brauchte beim Diamond-League-Meeting in Rabat für die 3000 Meter Hindernis nur 7:57,80 Minuten und stellte damit einen fulminanten Europarekord auf. Als Erster von Alten Kontinent blieb er unter den magischen 8 Minuten, die über diese Strecke bisher nur Afrikaner unterboten hatten. „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn sich all diese harte Arbeit endlich auszahlt“, sagte Ruppert, der vor Jahresfrist an gleicher Stelle schon mit 8:01,49 Sekunden und damaligen nationalen Rekord auf sich aufmersam gemacht hatte.
Zum Sieg reicht es allerdings nicht. Den sicherte sich der marokkanische Olympiasieger Soufinae Bakkali, der im Endspurt ds bessere Ende für sich hatte (7:58,41/WJB).
Ruppert ist damit zurzeit der einzige Deutsche Mann mit einem Europarekord in der Leichtathletik – und ein ganz heißes Eisen für die EM im Sommer.
2 Schweizer Siege im Mehrkampfmekka
Das Meeting in Götzis erfreut sich seit Jahrzehnten reiseiger Beliebtheit. Auch diesmal kamen zahlreiche Weltklasse-Athleten ins Mösle-Stadion nach Vorarlberg. Am Ende hatten zwei Schweizer die Nase vorn, jeweils mit nationalem Rekord und Jahresweltbestleistung. Bei den Frauen siegte Annik Kälin mit 6726 Punkten, bei den Männern lag Simon Ehammer mit 8778 Zählern knapp vor dem Deutschen Weltmeister Leo Neugebauer. Ehammer schaffte dabei im Weitsprung mit 8,51 eine neue Bestleistung während eines Zehnkampfes.
Und sonst?
- Fußball: Die deutsche Nationalmannschaft gewann den vorletzten Test vor der WM in Nordamerika mit 4:0 gegen Finnland. Denis Undav war dabei zweimal erfolgreich, zudem trafen Florian Wirtz und Jamal Musiala. Finnland ist allerdings wahrlich keine Fußball-Großmacht, sondern im Eishockey (siehe oben). Weil die Partien gleichzeitig stattfanden (welch grandiose Planung) schauten einige Ersatzspieler per handy aufs Geschehen in Zürich. Wahrscheinlich wie ein Großteil der Suomis zu hause eher Eishockey verfolgt hatten und nicht die Fußballer.
- Handball: Die MT Meslungen feiete den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Im Finale der European League in Hamburg setzte sich das GTeam gegen den deutschen Kontrahenten THW Kiel durch.
- Basketball: Heimsiege zum Auftakt der BBL-Halbfinals. Der FC Bayern gewann durch ein starkes letztes Viertel mit 83:78, Alba Berlin setzte sich mit 105:86 gegen die Baskets Bamberg durch. Schon heute jeweils die zweiten partien, wieder in München und Berlin.
- Radsport: Triumphfahrt für Vingegaard: Der Däne sicherte sich souverän den Giro d’Italia, die zweitwichtigste Rundfahrt hinter der Tour. Am Ende hatt er mehr als 5 Minuten Vorsprung auf den Ösgerreicher Felix Gall, der für das beste Ergebnis seines Landes bei einer der drei großen Rundfahrten feierte. 5 Etappensiege feierte Vingegaard in den Bergen, fünfmal vor Gall. Jetzt ist die Tour de France das große Ziel des Dänen, dort allerdings wartet mit Tadej Pogacar ein Konkurrent ganz anderer Qualität, nichts für ungut, Herr Gall.
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