von Münchner Löwe | Juli 10, 2025 | Tennis
Wimbledon-Wahnsinn, Viertelfinale
Frauen
Mit Abstand das spannendste der 4 Partien war die von Laura Siegemund gegen Aryna Sabalenka. Die 37-jährige Schwäbin hatte die Nummer 1 der Weltrangliste ganz nah an einer Niederlage, führte im 3. und entscheidenden Satz mit 3:1. Doch beim Stand von 15:15 und Aufschlag Sabalenka vergab Siegemunde einen nahezu sicheren Punkte, da ging ein Ruck durch die Weißrussin. Zwar schaffte Siegemund tatsächlich noch mal ein Break zum 4:3, doch dann hatte sie nichts mehr zuzusetzen. Sie war mit den Kräften sichtlich am Ende, und Bälle, die zuvor noch knapp im Feld landeten, segelten jetzt ins Aus
Dennnoch ein tolles Spiel und ein fantastisches Turnier für die Deutsche, die so anders spielt und so schlau. Ideal auf Rasen ist ihre Schnibbelei, wo die Bälle kaum noch „aufstehen), und die Sabalenka (sowie die Konkurrentinnen zuvor) regelrecht in den Wahninn blieben. So bleibt als Trost ein Scheck von mehr als 400.000 Dollar sowie der Eintritt in den exklusiven Club der „Top 8“, den jede(r) Viertelfinalist(in) erhhält (sowie alle Halbfinalisten im Doppel und Finalisten im Mixed).
Eine Anmerkung zu Sabalenka: Ihr Geschrei nach jedem ihrerSchläge ist unerträglich. Mich wundert, dass die Gegnerinnen nicht viel heftiger protestieren, denn die müssen sich doch gestört fühlen. Meine Lust, ihre Spiele anzuschauen, tendiert mittlerweile gegen Null, dabei spielt sie grandioses Tennis. So viele Regeln gibt es, warum nicht eine Anti-Schrei-Regel
Die anderen Partien waren mehr oder weniger klare Angelegenheiten. Amanda Anisimova krönte ihr Comebackjahr nach Burnout mit dem Halbfinaleinzug. Gegen Pawljuteschnkova machte es die Amerikanerin spanner als nötig, vergab 3 Matchbälle in Folge und musste ins Tiebreak. Dort wehrte sie insgesamt 5 Satzbälle ab und verwertete dann den insgesamt 5. Matchball zum Sieg.
Die (längst nicht mehr geheime) Geiheimfavoritin Iga Siatek setzte den souveränenen Erfolgslauf fort und ließ Ludmilla Samsonowa letztlich keine Chance. Sie wird am Donnerstag im Halbfinale auf die Schweizerin Belinda Bencic treffen. Die Schweizerin zeigt das beste Turnier nach der Geburt ihrer Tochter und eliminierte etwas überraschend die Rusin Mirra Andreewa, die schlicht planlos war gegen das sehr solida, aber keineswegs überragende Spiel von Bencic
Ansetzungen Halbfinale
Do. 14:30: Sabalenka – Anisimova
Sabalenka ist Favoritin, aber Anisimova hat mir sehr gut gefallen
danach: Swiatek – Bencic
Offenbar hat Swiatek ihre Freude am Rasentennis entdeckt. Ich sehe sie recht klar favorisiert gegen Bencic, die eh schon ein tolles Turnier hinter sich hat
Männer
Nach den vielen mehr oder weniger großen Überraschungen zu Beginn des Turniers lässt sich sagen: Die Besetzung des Halbfinals entspricht fast den Erwartungen. Sprich: Die absoluten Topspieler haben sich durchgesetzt.
Den schwierigsten Run hatte dabei Taylor Swift, der in der 1. Runde gegen Giovanni Mphetsi-Perricard fast schon draußen war, sich dann aber von Runde zu Runde steigerte und jetzt auch den gefählrichen Russen Karim Katschanow in 4 Sätzen besiegte. 4 Durchgange benötigte auch Novak Djokovic gegen den Außenseiter Flavio Cobolli. Nachdem der 7-fache Wimbledon-Triumphator den ersten Durchgang abgegeben hatte, steigerte er sich enorm und gewann die folgenden 3 Sätze gegen den nie aufgebenden Italiener.
Dessen Landsmann Jannik Sinner kam gegen Ben Shelton sogar in 3 Sätzen durch. Und doch: Jeder Durchgang war enorm knapp, und hätte der Amerikaner bei wichtigen Punkten etwas mehr Glück (und Können/Konzentration) auf seiner Seite gehabt, wäre es vielleicht noch knappe zugegangen.
Völlig problemlos löste dagegen Titelverteidiger und Turnierfavorit Carlos Alcáraz das Halbfinal-Ticket. Er erteilte dem britischen Lokalmatadoren Cameron Norrie eine Tennis- Lehr- ja Trainerstunde und brauchte für den Dreisatz-Sieg nur gut 100 Minuten.
Ansetzungen Halbfinale
Fr., 14:30: Alcáraz – Fritz
danach: Djokovic – Sinner
Ich würde Alcáraz und Djokovic leicht favorisieren, wen. sie denn ihr bestes Tennis auf den Center Court bringen. Fritz hat seine Klasse auf Rasen schon oft gezeigt (2 Siege in Vorbereitungsturnieren), jetzt kriegt er die PS auch auf den Wimbledonrasen. Und zu welchen Taten Sinner fähig ist, bewies er zuletzt beim jetzt schon legendären Finale in Paris gegen Alcáraz, als er 3 Matchbälle vergab und am Ende erst im Tiebreak des 5. Satzes verlor.
von Münchner Löwe | Juli 8, 2025 | Fußball, Golf, Leichtathletik, Motorrad, Radsport, Tennis, Wochenvorschau
1. Tour-Woche, 2. Wimbledon-Woche, Frauen-EM und (tatsächlich!) die Club-WM
Pogacar schon auf der Lauer nach Gelb
Die Tour-Woche steht erst mal im Zeichen des Zeitfahrens morgen in Caen. Ein Kurs ohne große Erhebungen, also wie gemacht für die Rolleure im Feld.(Klarer) Favorit auf den Tagessieg ist Remco Evenepoel, der Zeitfahr-Olympiasieger und -Weltmeister. Zumal der vermeintlich härteste Konkurrent im Kampf gegen die Uhr, Fillipo Ganna, bereits in der 2. Etappe aufgegeben hat.
Doch für Evenepoel wird der Sprung ins Gelbe Trikot schwerer als geplant, den er bei Bekantgabe des Tour-Kurses sicher im Blick hatte. Denn auf der 1. Etappe verlor der Belgier 45 Sekunden auf Tadej Pogacar, und diesen Vorsprung aufzuholen, wird auch für den ausgemachten Zeitfahrer schwierig. Pogacar selbst hat als Gesamtzweiter nur 4 Sekunden Rückstand auf Gelb-Träger Matthew van de Poel. Für ihn gilt es, auf seinen wohl härtesten Konkurrenten Jonas Vingegaard nicht allzuviel Zeit zu verlieren, wenn überhaupt.
Doch schon heute steht eine knackige Etappe an, die mit ihrem Profil durchaus mit einem Ardennen-Klassiker ähnelt und mit einem heftigen Anstieg endet. Ansonsten sind in der Woche die Sprinter gefordert und gefragt. Nicht mehr dabei ist allerdings der zurzeit beste Spurter Jasper Philipsen, der gestern schwer stürzte und aufgeben musste.
Auch der Tennis-Nachwuchs kämpft um Wimbledon-Krone
Zur Frauen- und Männerkonkurrenz habe ich schon geschrieben
Auch ohne Gwinn auf Viertelfinal-Kurs
Etwas mühsam sind die deutschen Fußball-Frauen ins EM-Turnier gestartet, heute können sie schon einen großen Schritt in Richtung Viertelfinale machen. Ab 18 Uhr treffen sie in Basel auf Dänemark, das die erste Patie knapp gegen die Schwedinnen verlor. Ein Sieg der Truppe von Christian Wück, und das Viertelfinale ist (so gut wie) sicher. Und auch wenn die Kapitänin Giulia Gwinn wegen ihrer Verletzung fürs gesamte Turnier ausfällt: Das müsste gegen die Däninnen, die zurzeit längst nicht mehr so stark sind wie vor ein paar Jahren noch, zu machen sein. Die 3. Partie findet dann. am Samstag gegen Schweden statt. Im Idealfall sind dann beide Teams schon für die Runde der besten Acht qualifiziert.
Große Spannung in der Gruppe D. Nachdem England zum Auftakt gegen Frankreich mit 1:2 verlor, ist der Titelverteidiger unter Zugzwang. Eine Niederlage morgen gegen Holland, und das Viertelfinale wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verspielt. Selbst ein Remis wäre vielleicht zu wenig.
Fluminense gegen drei Europäer
Tatsächlich, jetzt interessiert mich die Club-WM doch: Im Halbfinale treffen heute Fluninense und der FC Chelsea aufeinander, morgen das vom Papier her namhaftere Duell zwischen den „Deutschen“-Bezwingern Paris St. Germain (FC Bayern) und Real Madrid (Borussia Dortmund). Beide Spiele im Metlife-Stadium in New Jersey ab 21 Uhr, wo dann auch am Samstag das finale stattfindet. Ich sehe beide Partien völlig offen. Bei PSG gegen Real trifft mannschaftliche Geschlossenheit (Paris) auf höchstem Niveau auf individuelle Brillanz einzelner Spieler andererseits (Madrid).
Und sonst
- Motorsport: Zwei große Veranstaltungen in Deutschland. In Berlin gastiert die Formel E auf em Flughafen Tempelhof.
Zuschauermassen werden auf dem Sachsenring erwartet, wenn die besten Motorradfahrer ihre Läufe austragen. Marc Marquez liebt die Strecke bei Hohenstein Ennstal und dürfte seine Siegesserie in der MotoGP verlängern, zumal der Start seinen Bruders und schärfsten Rivalen Alx Marquez noch ungewiss ist nach dessen handbruch.
- Leichtathletik: Die Diamond League macht am Freitag Station in Monaco mit einem sicher erlesenen Feld in einem schmucken, aber nicht übermäßig vollen Stadion. Die ARD plant einen Livestream ab 20 Uhr.
- Golf: Die besten Profis machen sich auf zur britischen Tour, die wie immer in Schottland startet. Gespielt wird auf dem Renaissance Club in North Berwick. Nächste Woche folgt der Höhepunkt (vielleicht des ganzen Golfjahres): The Open, 2025 in Royal Purtrash/Nordirland.
von Münchner Löwe | Juli 8, 2025 | Tennis
Wimbledon-Wahnsinn, das Achtelfinale
Seit ein paar Jahren entfällt der freie erste Sonntag, sodass das Achtelfinale auf 2 Tage verteilt werden kann.
Am Sonntag setzte Laura Siegemund ihren Erfolgslauf fort. Gegen die Argentinierin Solana Sierra war die Deutsche erstmals Favoritin, und kam mit dieser Rolle glänzend zurecht, siegte fast locker in 2 Sätzen. Am heutigen Dienstag wartet eine ungleich schwierigere Aufgabe, denn auf dem Center Court trifft sie auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka. Kann Siegemunds ungewöhnliches Spiel mit viel Slice auch auf der Vorhand auch die Weißrussin irritieren und nerven? Siegemund rechnet sich offenbar Chancen aus. Um Kräfte zu schonen, zog sich die Schwäbin aus der Doppel-Konkurrenz zurück, wo sie mit Beatriz Haddad Maia im Achtelfinale stand.Alle Tennisfans mögen Ohropax bereithalten, denn Sabalenka schreit lauter als ein Laubbläser, und das bei jedem Schlag.
Natürlich ist Sabalenka Favoritin. Gleiches lässt sich in der unteren Tableau-Hälfte für die auf Rasen stark verbesserte Iga Swiatek, die sich ihrer bisherigen Aufgaben mehr oder weniger souverän entledigte.
Sinner mit viel Glück
Von Souveränität kann dagegen bei Jannik Sinner nicht die Rede sein – im Gegenteil. Im Achtelfinale lag der Italiener am Montagabend bereits mit 0:2 Sätzen gegen Grigor Dmitrov zurück, als der Bulgare wegen einer Bauchmuskelzerrung aufgeben musste. Herzzerreißende Bilder, als Sinner den weinenden Dmitrov versuchte zu trösten. Der begeisterte nicht nur gegen Sinner mit seinem wunderbar abwechslungsreichen Rasentennis, mit dieser sagenhaft schönen einhändigen Rückhand, die Sinner von einer Verlegenheit in die nächste stürzte.
Der verletzungsanfällige Dmitrov (35) ist und bleibt der Unglücksrabe bei Grand Slams. Auch in den 4 Turnieren zuvor musste er vorzeitig aufgeben, jeweils sogar in der 1. Runde.
Sinner hat es „überlebt“, jetzt trifft er auf Ben Shelton, der seinerseits gegen den widerspenstigen Italiener Lorenzo Sonego 4 Sätze brauchte. Wie im übrigen auch die Turnier-Favoriten Carlos Alcáraz (gegen einen bärenstarken Andrej Rublew) und Novak Djokovic (nach klar verlorenem 1. Satz gegen Alex de Minaur).
Männer, Viertelfinale (gespielt wird jeweils auf Centercourt/14.30 und Court Nummer 1/14.00)
Mi. Sinner – Shelton (N.N)
Mi. Djokovic – Cobolli (N.N)
Di. Fritz – Katschanow (1. Spiel/Nr. 1)
Di. Alcaraz – Norrie (2. Spiel/CC)
Frauen
Di., Sabalenka – Siegemund (1. Spiel/CC)
Di., Anisimova – Pawljutschenkowa (2. Spiel/Nr. 1)
Mi. Andreewa – Bencic (N.N)
Mi. Swiatek – Samsonowa (N.N.)
von Münchner Löwe | Juli 4, 2025 | Tennis
Wunderliches Wimbledon, 2. Runde
Ein Fazit sowie einige Anmerkungen zu Alexander Zverevs bemerkenswerter Pressekonferenz nach seiner Niederlage
Draper und Paolini schon raus
Auch in der 2. Runde hatten es die Favoriten auf dem noch grünen Rasen schwer, und manche Stars mussten ihre Hoffnungen schon begraben. Von den insgesamt 64 gesetzten Frauen und Männer haben bereits sage und schreibe 37 (17 Frauen, 20 Männer, wenn ich mich nicht verzählt habe), bereits die Segels streichen müssen. In manchen Setzvierteln herrscht schon eine sehr große Leere, und so wäre es wenig verwunderlich, würden wir im Halbfinale Akteure antreffen, die sich selbst dort nichtn in ihren kühnsten Träumen shene würden. So erwischte es in der 2. Runde den Amerikaner Tommy Paul gegen Sebastian Ofner aus Österreich, noch überraschender kam das Aus des britischen Lokalmatadoren Jack Draper gegen Marin Cilic; eigentlich hat der Kroate seine besten Tage (US-Open-Sieg, Wimbledonfinale) schon längst hinter sich, doch er scheint einen Jungbrunnen gefunden zu haben.
Wenigstens die Top-Favoriten gaben sich keine Blöße. Carlos Aláraz, Jannik Sinner und Novak Djolovic landeten glatte 3-Satz-Erfolge, Tayler Fritz brauchte wie in der 1. Runde die volle Distanz gegen den aufschlagstarken Kanadier Gabriel Diallo.
Auch bei den Frauen ging der Aderlass der Stars weiter. So erwischte es die tschechische Wimbledonsiegerin 2023, Marketa Vondrousova, die gegen die englische Lokalmatadorin Emma Raducanu ihre Meisterin fand. Jasmine Paolini aus Italien, Finalistin in Wimbledon 2024, zog gegen die Russin Kamilla Rakhmowa den Kürzeren.
Und die Deutschen? Trugen zum Favoritensterben bei, denn sowohl Laura Siegemund (gegen Leyla Fernandez) als auch Jan-KLennard Struff (Felix Auger-Allisasime) zogen durch Erfolge gegen Gesetzte aus Kanada in die 3. Runde ein. Dort wird Struff mit einem Spiel auf dem Center Court gegen Alcáraz belohnt, während es Siegemund mit der amerikanischen Australian-Open-Siegerin Madison Keys zu tun bekommt.. Ein echter Schlager beschließt den Tag auf dem Center Court. Die Britin Emma Raducanu darf sich gegen die Nummer 1 Aryna Sabalenka durchaus Chancen einräumen (kann allerdings auch von der Weißrussin abgeschossen werden!).
Zverevs Geständnis
Die Worte des Hamburgers nach seiner Niederlage gegen Arthur Rinderknech
https://blickueberdenteich.de/zverev-macht-zverev-dinge/
waren ein einziger Hilfeschrei. Und beleuchteten sehr viel mehr als nur eine schnöde Niederlage im Tennis. Er habe zurzeit keine Freude mehr am Leben, bekannte Alexander Zverev. Fühle sich einsam auf dem Platz, aber auch außerhalb. „Es ist nicht nur Tennis. Ich fühle mich insgesamt sehr allein und sehr, sehr einsam im Leben.“
Die Finalniederlage von Melbourne wirkt offenbar immer noch nach, wo er gegen Jannik Sinner absolut chancenlos war. Gut 5 Monate ist das her, aber seitdem spielt Zverev für seine Verhältnisse äußerst bescheidenes Tennis, ungeachtet des Turniererfolgs in München Ende April.
Es war kein Vorwurf gegen bestimmte Personen, aber das Verhältnis gerade zum Vater ist offenbar belastend. „Niemand spricht mit mir. Mein Vater hat nach 20 Jahren genug von mir und geht direkt nach dem Match nach Hause. Mein Bruder hat hier seine Kinder dabei und hat zu tun. Ich stehe allein vor dem Spiegel und spreche mit mir selbst.“ Zverev wurde deutlich: „Nur meine vierjährige Tochter macht mich glücklich.“ Die allerdings weit weg bei der getrennt lebenden Mutter lebt.
Mag sein, dass er im ersten Frust über die Niederlage allzu drastische Worte gefunden hat, Tatsache allerdings ist auch, dass auch er jetzt Veränderung anstrebt. Sogar eine Therapie, die er bisher kategorisch ausschloss, steht offenbar zur Debatte. Er habe sich noch nie so leer gefühlt. Er hoffe, beim Masters-1000-Turnier im kanadischen Toronto Ende Juli weitere Antworten geben zu können.
Ich bin nicht unbedingt der größte Zverev-Fan. Aber allergrößten Repekt, dass er so offen über die Einsamkeit im Profitennis sprach, die wahrhaftig nicht nur den Deutschen befällt. Es gibt wohl keinen Sport, wo der Athlet/die Athletin so allein auf sich gestellt ist, wo jede Regung über Stunden auf dem Platz von der Öffentlichkeit (und natürlich vom Gegner) registriert wird. Keine Minute dort zum Verstecken wie beim Mannschaftssport. Ewiges Herumreisen von Ort zu Ort, wo sie dann doch nur die Hotelzimmer und Tennisanlagen sehen. Kein Zweifel, die Topstars werden mehr als üppig belohnt, aber der Preis scheint manchmal arg hoch. Wie schrieb Andre Agassi in seiner fantastischen Autobiographie „Open“? Er habe Tennis gehasst. Offenbar steckte in diesen Worten sehr viel mehr Wahrheit als von mir angenommen und war nicht nur Koketterie.
von Münchner Löwe | Juli 1, 2025 | Tennis
Zverev raus, Maria raus. Die beiden großen deutschen Hoffnungen mussten schon in der 1. Runde reichlich überraschen und noch viel enttäuschender die Segel streichen. Während Tatjana Maria nach verlorenem Tiebreak im 2. Satz (dort nach 4:2- und 5:4-Führung) mit ihren Kräften bei sengender Hitze am Ende war und im letzten Durchgang gegen die Außenseiterin Katie Volynets schlicht nichts mehr zuzusetzen hatte, zog Zverev gegen den zwar starken, aber keineswegs übermächtigen Arthur Rinderknech in 5 Sätzen den Kürzeren.
Es war ein Zverev, wie er leibt und lebt in einer Partie, die über 2 Tage ging, weil in Wimbledon ohne Ausnahme um 23 Uhr Ortszeit die Lichter ausgehen (also zumindest die Spiele abgebrochen werden). Schon gestern Abend hatte sich Zverev gegen den Franzosen schwer getan, doch alles schien sich zum guten zu wenden, als er mit gewonnenen Tiebreak im zweiten Satz (und abgewehrten Satzball) den 1:1-Ausgleich herstellte. 1:1 führt er, konstatierte auch Expertin (und leider auch ziemliches Fangirl) Andrea Petkovic.
Nach offenbar unruhiger Nacht am Nachmittag die Fortsetzung: Zverev wirkte verschlafen, ließ sich fast ohne Gegenwehr den Aufschlag abnehmen und ließ den 3. Satz wegrauschen. Im 4. nutzte Zverev einige Breakbälle nicht, und so kam es zum nächsten Tiebreak. Und beim Stand von 5:5 nahm Zverev allen Mut zusammen und drosch Rinderknech einen unerreichbaren 2. Aufschlag (der zweithärteste des gesamten Spiels) nur so um die Ohren, holte sich kurze Zeit den Satz.
Jetzt aber doch Zverev, oder? Zumal der Franzose bei größter Hitze immer müder wurde. Doch der Hamburger verhühnerte ein 40:0 und gab den eigenen Aufschlag zum 1:2 ab. Un obwohl sich der wackere Rinderknech kaum mehr auf den Beinen halten konnte, blieb er in seinen Aufschlagspielen reichlich ungefährdet. Warum? Weil Zverev, der im 4. Satz noch so viel Cojones gezeigt hatte, jetzt jegliches Risiko scheute und dem Franzosen wie ein Tennislehrer die Bälle vor die Beine spielte auf dass dieser sich nicht mehr allzu sehr bewegen musste.
Der Matchball war Sinnbild. Rinderknech schubste einen Aufschlag ins Feld, Zverev schubste zurück. So ging es mehrere Schläge hin und her (als würden sich die Herrschaften einschlagen), dann ergriff Rinderknech nach einem allzu dürftigen Ball doch die Initiative und beendete das Match mit einer krachenden Rückhand. Sank zu Boden und feierte den wohl wichtigsten Sieg seiner Karriere, in der er noch nie einen Top-5-Spieler geschlagen hat. Unfassbar: In 5 langen Sätzen und 28 Aufschlagspielen gelang es Zverev kein einziges Break – gegen einen zwar guten, aber keineswegs mit überragendem Service ausgestatteten Aufschläger.
Damit sind nach der 1. Runde 4 der 7 deutschen Starterinnen und Starter ausgeschieden. Neben Maria scheiterte auch Qualifikantin Ella Seidel, die böse umknickte und ihre Partie gegen die Spanierin Jéssica Bouzas Maneiro beim Stand von 3:6, 2:3 aufgeben musste. Bänderriss, lautet die niederschmetternde erste Diagnose. Auch Daniel Altmaier ist schon raus. Gegen den Argentinier Gabriel Diallo hatte er letztlich keien Chance.
Im Rennen sind noch noch Eva Lys, Laura Siegemund sowie Jan-Lennard Struff, die sich ihrer Erstrunden-Aufgaben souverän lösten. Morgen wird es für das verbliebene Trio schwer: Struff bekommt es mit Felix Auger-Aliassime aus Kanada zu tun, Siegemund in einem weiteren deutsch-kanadischen Duell mit Leila Fernandez. Lys letztlich trifft auf die starke Tschechin Linda Noskova, für viele eine Geheimfavoritin fürs Turnier.
Favoriten straucheln und fallen sogar
Die 1. Runde brachte schon viel Unterhaltung. So benötigte Titelverteidiger Carlos Alcáraz 5 Sätze und sehr viel mehr Mühe als erwartet, um den widerspenstigen Italiener Paulo Fognini aus dem Weg zu räumen. De befindet sich mit seinen 37 Jahren auf Abschiedstour und bat den Spanier hernach um ein Autogramm für seine Nichte.
Gerade noch von der Schippe des Ausfallens sprang Taylor Fritz. 0:2-Sätze lag er gegen den französischen Aufschlagriesen Giovanni Mpetshi Perricard zurück und nach gewonnenem 3. Durchgang im Tiebreak des 4. Satzes gar mit 1:5. Dann bekam der junge Franzose das Nervenflattern, sein Aufschlag verließ ihn, und er gab den Tiebreak ab. Auch hier Unterbrechung wegen Sperrstunde und heute die Forsetzung, in der Perricard beim Stand von 4:5 eine kleine Aufschlagschwäche erfuhr und Game und Satz und Match velor.
Tatsächlich draußen sind die hochgesetzten Lorenzo Musetti, Holger Rune und Daniil Medwedew. Auch der als sehr gefährliche Außenseiter Alxander Bublik ist nicht mehr dabei. Der Sieger des Turniers in Halle zeigte seine üble Seite und verlor am Ende ohne jede Lust gegen den Spanier Munar. Bei den Frauen erwischte es Jessica Pegula, eine Mitfavoritin auf den Turniersieg, die nach ganz schwacher Leistung der Italienerin Elisabetta Conciaretto (Nr. 116 der Welt) beugen musste. Die Italienerin trifft nur auf Maria-Bezwingerin Volynets. Auch Olympiasiegerin Qinwen Zheng (vs Katerina Siniakova) ist nicht mehr dabei.
von Münchner Löwe | Juni 29, 2025 | Fußball, Radsport, Tennis, Wochenvorschau
Anfang Juli, das heißt es wird Zeit für zwei Weltereignisse des Sports: die Tour de France und Wimbledon, die klaren Aushängeschilder des Radsports und Tennis. Wer dann immer noch nicht genug hat, dem bleibt ja die Club-WM …
Pogacar unschlagbar – oder vielleicht doch nicht?
Glaub man den Auguren, müssen die Fahrer die 3.000 Kilometer rund durch Frankreich ab Samstag in Lille gar nicht erst in Angriff nehmen. Denn klarer Favorit ist erneut Tadej Pogacar. Nach einem grandiosen Frühjahr mit Siegen un ter anderem bei den Monumenten Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich ersparte er sich sogar die Strapazen des Giros. Offenbar ist der Slowene in Top-Form.
Gefährlich werden kann ihm wohl allenfalls Jonas Vingegaard. Der Däne ließ wie gehabt die Frühjahrsklassiker aus und konzentriert sich allein auf die Tour. Dass er dort mit Pogacar wenigstens einigermaßen mithalten konnte, zeigte er beim beim Criterium Dauphiné, die er hinter Pogacar als Zweiter beendete und in den Bergen fast ebenbürtig war.
Beim Criterium zeigte auch ein Deutscher auf. Florian Lipowitz wurde hinter Pogacar und Vingegaard Dritter und ließ sogar Hollands Hoffnung Doppelolympiasieger Remco Evenepoel, hinter sich. Dennoch wird er in seinem Bora-Team nicht als Kapitän in die Tour gehen. Diese Rolle hat der 36-jährige Primoz Roglic inne. Ein starker Rundfahrer, gewiss, aber immer wieder für kräfteraubende Stürze gut. Kurios: Sowohl Roglic (Skispringen) als auch Lipowitz (Biathlon) begannen ihre Karriere als Wintersportler, bevor sie umsattelten.
Die Entscheidung wird wie immer in den Bergen fallen. Ins Auge fallen die Bergankünfte am Mont Ventoux (16. Etappe/22. Juli), Superbagneres (14./19.Juli) und das Dach der Tour in Col de la Loz (2320 m Seehöhe/18./24. Juli).
2 Einzelzeitfahren wird es geben: Rund um Caen (flach 33 km/5. Etappe/9. Juli) und das Bergzeitfahren hoch nach Peyragudesüber 10,9 Kilometer und der 16-prozentigen Rampe am Flughafen.
Nach dem olympia-bedingten Schlussakkord 2024 in Nizza wird die Tour wie immer auf dem Camps Elysee enden, und zwar am 27. Juli.
Alles spricht für Alcáraz – oder widerwpricht etwa ein Fritz (Sinner)?
Schon am Montag gebührt Alcáraz als Titelverteidiger die Ehre, auf dem Center Court von Wimbledon das Turnier zu eröffnen. Paolo Fognini dürfte zwar unterhaltsame Elemente einbringen, letztlich aber chancenlos sein. Wie Pogacar gilt auch Alcáraz bei fast allen Experten als mehr oder weniger klarer Fvorit auf den Einzeltitel, es wäre sein dritter in Folge auf dem heiligen Rasen. Nicht nur gewann er das epische French-Open-Finale vor knapp einem Monat in Paris gegen Jannik Sinner, sondern zwei Wochen danach auch die Generalprobe in Queens, praktisch ohne Eingewöhnung auf Rasen.
Zumindest nominell geht Jannik Sinner als Nummer 1 ins Rennen. Trotz leichter Rasenschwächedürfte der Italiener wieder weit kommen, ob es zum Finale oder sogar mehr reicht, bleicbt indes abzuwarten.
Als Best of the Rest hat sich Taylor Fritz empfohlen, der die Rasen-Turniere in Halle/Westfalen und zuletzt auch Eastbourne (dort allerdings gegen eher zweitklassige Konkurrenz) für sich entschied.
Fritz wäre ein möglicher Viertelfinal-Gegner von Deutschlands einzig seriöser Titelhoffnung (naja) Alexander Zverev. Der hat absurderweise in Wimbledon allerdings noch nie die Runde der besten Acht erreicht.
Nicht nur mein Dark horse ist Alexander Bublik. Der Kasache brillierte in Halle und hat das perfekte Rasenspiel. Und natürlich immer der ewige Novak Djokovic, der Finalist 2023 und 2024 und 24-malige Grand-Slam-Triumphator.
So klar die Sache bei den Männern scheint, so offen ist das Feld bei den Frauen. Wimbledon war zuletzt ein (H)ort der Überraschungen. Zuletzt siegten dort die Tschechinnen Barbora Krejcikova (2024), Marketa Vondrousova (2023) und Lena Rybakina aus Weißrussland (2022). Alles tolle Spielerinnen, gewiss aber auch aufgrund von Verletzungen keineswegs dominierend in der Tour. Dagegen sind die Top-Frauen Aryna Sabalenka, Iga Swiatek und Coco Gauff bisher nicht mal in die Nähe eines Turniersieges in Wimbledon gekommen. Schon in der 3. Runde könnte es zum Knaller Vondrousova vs Sabalenka kommen. Ich persönlich bin auch sehr auf das Abschneiden von Australian-Open-Siegerin Madison Keys gespannt, die grundsätzlich alles für ein gutes Rasenspiel mitbringt, es aber bisher nie auf den Rasen brachte.
Und Tatjana Maria? Der Queens-Siegerin (und gleich zur Königin gekürte) Schwäbin ist alles zuzutrauen, nach oben und unten. Nach einer machbar klingenden Erstrundenaufgabe gegen Katie Volynets wartet allerdings wahrscheinlich Jessica Pegula, gerade die Siegerin von Bad Homburg geworden.
Übertragen wird das Ganze bei Amazon Prime. Mir hat das im vergangenen Jahr hervorragend gefallen mit ihrem Studio vor Ort und auch den Reportern vor Ort. Das ist einfach was anderes, als wenn sich die Eurosport-Crew fast ausschließlich aus ihrem Studio in München meldet. Schaum wir mal, ob es wieder so gut wird.
Deutschinnen voller Hoffnung
Die Fußball-EM der Frauen in der Schweiz beginnt am Freitag. 16 Mannschaften haben sich qualifiziert. Das deutsche Team rechnet sich durchaus Chancen aus, die Gruppe mit Polen, Dänemark und Schweden ist allerdingsh kein Selbstgänger, auch wenn gerade die Däninnen ihre wirklich gute Zeit hinter sich haben.
Ich kann tatsächlich zum Team wenig sagen, prägende Spielerinnen wie Torhüterin Almuth Schult und Stürmerin Alexandra Popp sind nicht mehr dabei, dafür hat sich Giulia Gwinn, so etwas wie das Postergirl, in den Vordergrund gespielt. Christian Wück ist der Bundestrainer, der in dieversen Jugendnationalmannschaften schon gezeigt hat, dass er mit frauen arbeiten kann.
Als große Favoritinnen schätze ich England und Spanien ein. Die Engländerinnen profitieren von der in allen Belangenbesten Liga zumindest in Europa, die Spanierinnen von ihren glänzenden Einzelspielerinnen, wobei ihre beste Akteurin, Aitana Bonmati mit einer Meningitis ins Krankenhaus musste. Wann sie ins Turnier eingreifen kann, ist derzeit noch unklar. Wenn allerdings eine Mannschaft einen solchen Verlust kompensieren kann, dann die Weltmeisterinnen von 2023.
Und sonst
- Die Fußball-Club-WM: Nach der ewigen Vorrunde werden gerade die Achtelfinali gespielt und dann am Freitag und Samstag die Viertelfinali. Wers braucht …
- Diamond League in Eugene: Mal sehen, welche Leichtathleten sich den Trip zur US-Westküste antun.
- Formel 1 in Silverstone: Das Heimrennen für Lando Norris (McLaren), George Russell (Mercedes) und Lewis Hamilton (Ferrari). Obs was hilft gegen WM-Leader Oscar Piastri (McLaren) und Weltmeister Max Verstappen (Red Bull)?
- Golf: BMW Open in München Eichenried. Die ganz großen Namen suche ich vergeblich, vielleicht Sergio Garcia und Matthew Fitzpatrick. Am Schlag ist immerhin die deutschen Top-Spieler Stephan Jäger und Matti Schmid wowie auch Martin Kaymer.
https://blickueberdenteich.de/schneckles-erfolgslauf-geht-weiter-auch-gegen-sabalenka/
so schaue ich hier auf die Nachwuchs-Wettbewerbe („Boys and Girls“). Da haben die deutschsprachigen SpiererInnen vor einen Monat toll abgeräumt. Max Schönhaus gewann das deutsche Finale gegen Niels McDonald, bei den Girls triumphierte die Österreicherin Lilli Tagger. Alle Drei sind noch im Wettbewerb, mal sehen, wie weit sie kommen.
Im Doppel ist dagegen das an 3 gesetzte Paar Kevin Krawietz/Tim Pütz überraschend schon gescheitert. Hier haben die Briten noch einige Asse im Ärmel: 2 rein britische Doppel stehen im Viertelfinale, sowie die britisch-finnische Paarung Patten/Helisivuora, die die Australian Open für sich entscheiden haben.