Das wird molympico, Samstag

Anmerkung: So lang wie diesmal wird es nicht mehr werden können, wenn Ski und Rodel erst mal gut, sprich los  sind. Trotzdem noch mal der Hinweis: Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Das gilt vor allem auch für meine FavoritInnen.

 

Pflichtprogramm

 

11:30: Abfahrt der Männer (ARD und Eurosport) 

 

Paukenschlag mit der 1. Entscheidung überhaupt, oder: Das Beste kommt zuerst. Die Abfahrt gilt als Königsdisziplin der Alpinen, und für Österreicher wie Schweizer ist das vielleicht sogar der wichtigste Wettbewerb der gesamten Spiele. Hier ein Triumph, und die Bilanz ist schon mal gerettet. Wie 1976 in Innsbruck, als ebenfalls die Männer-Abfahrt der erste olympische Wettbewerb war. Alle Last lag auf Franz Klammer, der gewinnen MUSSTE! Tagelang gab es kein anderes Thema als seine Skier, ob er mit einem Lochmodell starten würde oder nicht (er tat es nicht). Irgendwie behielt der Kärntner die Nerven beisammen, stürzte sich verwegen den Patscherkofel hinunter und fing mit Startnummer 15 den führenden Bernhard Russi noch ab. Österreich jubelte, die Spiele waren gerettet!
Ganz so viel Seelenheil werden die Italiener hoffentlich nicht in ihre 4 Abfahrer legen, aber das Quartett gilt auf der schwierigen, wenngleich diesmal nicht ganz so eisigen Stelvio nach Bormio hinunter mit Sicherheit zu den Favoriten. Ob Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni, der 2-Meter-Riese Dominik Paris und die jederzeit zu beachtenden Mattia Cassia und Florian Schieder. Die Trainingszeiten sind zwar mit Vorsicht zu genießen, aber gerade Franzoni und Cassia trumpften mit Bestzeiten in den ersten beiden Läufen.
Und doch: Gold geht wohl nur über die Schweizer Franjo van Allmen und Marco Odermatt. Mich hat van Allmen zuletzt bei der Abfahrt in Crans Montana schwer beeindruckt, als er die Konkurrenz förmlich deklassierte, über Odermatts Ausnahmetalent auf (Abfahrts)-Skiern brauche ich hier nicht zu diskutieren.
Echte Außenseiter haben auf der anspruchsvollen Stelvio erfahrungsgemäß nichts zu melden, aber natürlich gilt es bei Großereignissen, immer auch die Nordamerikaner zu beachten, egal ob aus den USA (Ryan Cochran Siegle) oder Kanada (James Crawford, Cameron Alexander).
Und die Österreicher? Wandelt einer auf den Spuren vom Klammer Franz? Wenn überhaupt, dann Vincenz Kriechmayr, aber schon eine Medaille wäre ein Riesenerfolg.
Wer hier Deutsche vermisst: Ich such‘ auch noch … Luis Vogt ist ja nicht dabei (Platz 8 in Kitz war zu spät und zu wenig, grummel).

 

18:40, Skispringen Frauen, Normalschanze

 

Es gibt eine klare Favoritin. Nika Prevc aus Slowenien kann sich übertrieben gesagt nur selbst schlagen, was ihr in dieser Saison allerdings höchst selten gelungen ist. Die erst 20-Jährige aus der Prevc-Dynastie (ihr jüngster älterer Bruder Domen ist diese Saison bei den Männern das Um und Auf) dominiert auf kleinen und großen Schanzen die Konkurrenz nach Belieben. Aber gerade bei Olympia hat man schon die tollsten Überraschungen gesehen, man denke nur an den Sensationspoloen Woyzech Fortuna (sic!), der 1972 vom Winde begünstigt den heimischen und klar favorisierten Japanern auf und davon flog, eine Bö hatte ihn davongetragen.
MIt neuem Reglement (Windkorridor und Handicap-Punkten) versuchen Regelhüter seit ein paar Jahren zu verhindern, dass es eine komplette Windlotteri gibt, doch schiebt es von hinten, dann hat eben auch eine Nika Prevc keine Chance, wenns bei der anderen von vorn trägt.
Und dann? Dürfen sich auch Deutsche Hoffnungen machen. Wie Carola Vogt, die bei der Frauen-Premiere 2014 n Sotschi triumphierte. Jetzt rechnen sich vor allem Katharina Schmid und Selina Freitag Medaillenchancen aus. Schmid hat allerdings schon am Tag zuvor eine nicht zu unterschätzende Belastung vor sich. Sie trägt nämlich bei de Eröffnung die deutsche Fahne, hoch oben in Predazzo im bergigen Anteil dieser Eröffnungsfeier. Eine tolle Ehre, gewiss, aber eben auch eine Ehre, die Kräfte und Konzentration nimmt (vielleicht aber auch beflügelt?). Die Japanerinnen habe ich auf dem Zettel und auch die Österreicherin Lisa Eder

Gesprungen wird auf der ungebauten WM-Schanze von Predazzo. Dieser Umbau sorgt für erheblichen Unmut, weil im Sommer beim ersten herantasten mehrere Springerinnen stürzten, manche dbei so schwer, dass sie wegen Kreuzbandrissen die Saison beenden mussten (nicht jede ist eine Lindsey Vonn). Jetzt hat man nachgebessert, und tatsächlich verliefen die Trainings jetzt weitgehend störungsfrei.

 

Wird sicher spannend

 

13:00: Skiathlon der Frauen

 

Ein noch relativ neuer Langlauf-Wettbewerb. Die Nordischen Skisportler sind sehr tradtionsverbunden. Deshalb ist der Diagonalschritt noch nicht verschwunden, obwohl das Skaten, also die Freie Technik viel schneller ist (keiner käme allerdings auch auf die Idee, das Brustschwimmen abzuschaffen, weil Kraulen schneller ist). Skiathlon verbindet die beiden Techniken Los geht es im Massenstart im sog. Klassischen Stil (Diagonal), nach 10 Kilometern dann der Wechsel zur Freien Technik (Skating). Weil man hier andere Skier braucht als dort (anderes Wachs, andere Länge, anderer Schliff), gibt es einen Ski- und Stöckewechsel in einer klar festgelegten Zone: immer hübsch anzusehen, aber schon manche Hoffnung ist an einem total missglückten „Boxenstopp“ zerschellt.

Klare Favoritin ist Jonna Sundling (wie wahrscheinlich in allen Langlaufwettbewerben). Die Schwedin hat bei der letzten WM in Trondheim mächtig abgeräumt, und das im „feindlichen“ Norwegen. In dieser Saison hat sie sich allerdings nicht sehr oft sehen lassen, fehlte etwa bei der Tour de Ski. Dort triumphierte Jessie Diggins, die Amerikanerin gilt im Skiathlon als einige seriöse Kontrahentin. Dahinter kämpfen die restlichen Schwedinnen (Ebba Andersen?), natürlich die Norwegerinnen um die Medaillen. Sehr zu beachten ist die Österreicherin Theresa Stadlober, die vor 4 jahren in dieser Disziplin Bronze holte (die große Frage hier: was macht Mama Roswitha Stadlober, für die als ÖSV-Präsidentin eigentlich die Männer-Abfahrt Pflicht ist?).

 

19:30: Big Air Männer

 

Spannung bedeutet hier weniger Fingernägelkauen, wer gewinnt (mir wurscht, welcher Aussie), sondern ob wie alle Athleten ihre artistischen Sprünge landen können. Ein visuelles Highlight der Spiele, in dem die Australier (!) und Nordamerikaner den Ton angeben.
Mit dem Snowboard fahren sie (in wenig sportlich aussehende Pluderhosen gewandet, man ist ja locker) ein gutes Stück bergab, eine Schanze wirft sie hoch in die Luft, und dann beginnen sie zu saltieren und schraubeln, dass es eine wahre Lust ist. Der Reporter behauptet mitzuzählen und brüllt „1080“ oder mittlerweile auch „1440“ in den Äther. Uns Zuschauern wird schon beim Zuschauen schwindlig, doch die Sportler finden sich (meist) gut in den Lüften zurecht und landen mehr oder weniger sicher im Schnee. Danach unbedingt lächeln, wie beim Eiskunstlauf, denn hier wie dort entscheiden Kampfrichter und verteilen Noten, die dann mit dem Schweirigkeitsgrad (je höher, desto besser) verrechnet werden.
Eine Besonderheit: Alle Wettbewerber haben sich ganz doll lieb und klatschen, wenn dem Kontrahenten mal was ganz Dolles gelungen ist. Eine große, glückliche Sport-Familie.

 

Und sonst?

 

  • Die Eishockey-Frauen sind schon mitten im Turnier. Deutschland hat das erste Spiel gegen Schweden verloren, jetzt (12:10) steht die Partie gegen Japan an.
  • Erste Entscheidung im Eisschnelllauf: Die Frauen bestreiten die 3000 Meter. Im Zweifel wird Oranje (Niederlande) bowen sein.

Endlich Tennis-Dramen – und das gleich doppelt

Australian Open, Halbfinale

 

Was habe ich mich beschwert, dass es zu glatt läuft bei den Männern. Nun, angesichts der beiden 5-Satz-Thriller am Freitag bin sicher nicht nur ich besänftigt, sondern jeder Tennis-Fan. 2 Halbfinals, 2 Fünfsatz-Thiriller, zweimal Drama ohne Ende, zweimal siegte nicht unbedingt mein Favorit.

Zunächst Carlos Alcáraz vs Alexander Zverev. Der Weltranglistenerste gegen den Deutschen, der noch nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. Relativ beschaulicher Beginn, Fehler auf beiden Seiten, Carlitos nutzt die erste Aufschlagschwäche zum Break und kurze Zeit später tütet er den ersten Satz ein.

Im 2. Satz wird Zverev stärker, gerade sein 1. Service bereitet dem Spanier unlösbare Probleme. Selbst schafft er ein Break, doch gerade beim Game, als er beim Stand von 5:3 auf den Satz aufschlägt, verlässt ihn der Aufschlag, gegen den überragenden Retournspieler Alcáraz darf man sich so etwas nicht leisten. Break Alcáraz, Zverev verzweifelt und gleich noch mal Break Alcáraz und gleich darauf die 2:0-Satzführung. Wohl niemand in der Rod-Laver-Arena und an den Bildschirmen, der jetzt noch viel Chips auf den Hamburger gesetzt hätte.

Doch die Tennisgötter wollten Drama. Dieses bahnte sich an, als Alcáraz plötzlich sehr viel langsamer agierte und beim eigenem Aufschlag nicht mehr hochsprang. Typischer Fall von Krämpfen, der verzweifelte Alcáraz wankte, war sichtlich gehandicapt, nahm sich eine Pause und rief den Physio. Wass den Regeln zuwiderläuft, denn nach denen darf man wegen einer körperlichen Erschöpfung kein medical timeout nehmen, diese Erschöpfung ist gewissermaßen im Spiel impliziert. Der Stuhlsichiedsrichter gewährte sie dennoch, wegen eine „Adduktorenverletzung“, wie es später zur (lahmen) Begründung hieß.

Zverev regte sich auf, doch er besann sich und gewann diesen am Ende sehr merkwürdigen Satz im tiebreak. Merkwürdig deshalb, weil sich Alcáraz zwar kaum bewegen konnte, Zverev aber nicht so recht wusste, wie er mit dieser Bewegungslosigkeit umgehen sollte. Aus dem Stand knallte Alcáraz einige unerreichbare Bälle, aber irgendwie rettete sich Zverev im Tiebreak.

Der vierte Satz wogte dann hin und her mit dem sich zunehmend erholten Alcáraz. Zverev aber hatte jetzt sein Spiel gefunden und gewann auch diesen Durchgang im Tiebreak. Und als er im fünften Satz als Erster ein Break schaffte, schien er tatsächlich auf der Siegesstraße.

Wenn nur diese verdammte Müdigkeit nicht gewesen wäre, kein Wunder, denn zu diesem Zeitpunkt waren weit mehr als viereinhalb Stunden gespielt. Längst war der Aufschlag des Deutschen nicht mehr so wuchtig und effizient. Dennoch schaffte es Zverev, irgendwie seinen Aufschlag zu halten, weil Alcaraz – auch nicht mehr der Frischeste – einige glasklare Breakmöglichkeiten vergab. Und weil Zverev mit einem unfassbaren Vorhandschuss (mein Schlag des Turniers) aus dem Lauf das Game zum 5:3 machte. Andrerseits tat er beim Aufschlag des Spaniers viel zu wenig, um sich noch ein weiteres Break zu besorgen.

Das sollte sich rächen. Beim Stand von 5:4 schlug Zverev zum Match auf, doch diesmal ließ sich Alcáraz gegen das immer schwächere Service die Chance nicht entgehen – Break. Zverev war tatsächlich gebrochen (Break, gebrochen, hihi), auch wenn es nominell Unentschieden stand sah jeder im Stadion und vor den Fernsehgeräten, dass Zverev ein geschlagener Mann war. Der verwandelte Matchball von Alcáraz war dann nur noch die offizielle Bestätigung, dass alles vorbei war. 5:26 Stunden hatte das Drama gedauert, so lange wie noch nie ein Halbfinale bei den Australian Open. Und noch viel länger werden sehr viele Menschen erregt über dieses Spiel mit so vielen Wendungen reden. „We call it a Klassiker“.

 

Der unfassbare Djokovic

 

Das ewig lange Zverev-Match hatte zur Folge, dass das zweite Halbfinale zwischen Titelverteidiger Jannik Sinner und Novak Djokovic erst um kurz vor 22 Uhr Ortszeit begann und kurz vor 2 Uhr nachts endete.

Sinner startete furios, gleich mit einem Break, und sicherte sich ohne Probleme den ersten Satz. Doch Djokovic wollte sich nicht kampflos ergeben wie bei den letzten Aufeinandertreffen in den Grand-Slam-Halbfinals, als er keine Schnitte sah. Sein Aufschlag kam konstant gut und bereitete dem Italiener erhebliche Probleme. Mit dem dritten Breakball nahm der Serbe selbst Sinner den Aufschlag ab und konnte dieses Break trotz bester Chancen von Sinner zum Satzausgleich transportieren.
Satz 3 ging dann wiederum an Sinner, der vierte Durchgang an den Djoker. Und das nächste Drama begann mit dem Titel  „Jannik Sinner – oder wie vergebe ich Breakchancen“: je nach Fanlager Komödie oder Tragödie.

1. Beim Stand von 1:0 hat Sinner 2 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 1:1.
2. Beim Stand von 2:1 hat Sinner 3 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 2:2.
3. Zwei problemlose Aufschlagspiele – 3:3
4. Sinner kassiert das Break zum 3:4, Djokovic nutzt dabei die allererste (und letztlich einzige) Chance im Satz .
5. Beim Stand von 4:3 für Nole hat Sinner 3 Breakchancen, Djokovic wehrt ab und gewinnt den Aufschlag zum 5:3.
6. Djokovic führt 5:4, vergibt 2 Matchbälle in Folge, einen davon mit unfassbar schwachen Volley bei sperrangelweitem Platz. Noch mal Hoffnung für den Titelverteidiger? Nein. Djokovic bleibt stoisch, lässt einen Service-Winner folgen, und den dritten Matchball verwandelt er. Und wie Alcáraz im ersten Halbfinale sinkt er in die Knie, als habe er schon das Turnier gewonnen. Wobei dieses unfassbare Match dem 38-jährigen Djoker schon wie ein Turniersieg vorkommen musste.

 

Ach, die Frauen spielten auch …

 

Nämlich am Donnerstag. Ich machs kurz und schmerzlos – analog zu den kurzen und höchstens für die Verliererinnen schmerzhaften Partien. Aryna Sabalenka und Lena Rybakina setzten sich praktisch ungefährdet in je zwei Sätzen gegen Elina Svitolina und Jessica Pegula durch. Keine große Geschichte zu erzählen *

Ein kleiner, böser Vergleich der Halbfinali

Frauen:  2 Spiele, 4 Sätze, Spielzeit insgesamt 2:56 Stunden (2 schon vergessene Partien)
Männer: 2 Spiele, 10 Sätze, Spielzeit insgesamt 9:36 Stunden (2 unvergessliche Tennis-Klassiker)

 

Ansetzungen der Finali

 

Frauen, Sa., 09:30: Sabalenka – Rybakina (alle Sympathien für Lena)

* eine kleine Geschichte gabs beim Sabalenka-Match dann doch. Ich hab mich hier ja schon öfter über das meines Erachtens unsportliche Rumgeschreie von Sabalenka mokiert, das sie auch gezielt einsetzt, um die Gegnerin zu stören. Nun, tatsächlich erteilte die großartge Stuhlschiedsrichterin Louise Engzell Sabalenka wegen eines besonders fiesen Schreis verwarnt und erntete ungläubige Blicke. Ich hoffe auf eine Wiedeholung im Finale, gerne auch mit Punkt- und Spielabzug.

Männer, So., 09:30: Alcáraz – Djokovic (all but Nole)

Das wird die Woche, die wird

Abschluss der Champions-League-Vorrunde, Nachtslalom in Schladming, Handball-EM in Skandinavien und viel Liga-Sport. Dazu natürlich die Endphase der Australian Open, die ich gesondert behandle.

 

Slalomfest in Österreich

 

Der Nachtslalom in Schladming gilt als Nonplusultra der Torlauf-Artisten. Unter Flutlicht vor bis zu 50.000 Zuschauern, ein Großteil von ihnen recht angeheitert, wobei ich das „recht“ eher als Euphemismus betrachte. Der Sieg des Österreichers Manuel Feller am Ganslernhang in Kitzbühel war natürlich die beste Werbung, dass dder eine oder andere nationalbewusste Österreicher sich am Mittwoch aufmacht, um live vor Ort vielleicht sogar einen Heimsieg zu bejubeln.
Wie immer im Slalom ist der Kreis der Favoriten riesig. Neben Feller und dem Deutschen Linus Strasser sind gerade die Norweger und Franzosen zu beachten, dazu aber auch Einzelkämpfer wie der Finne Eduard Hallberg, der Bulgare Albert Popov und natürlich auch der Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen.

Als Prolog gibt es schon am heutigen Dienstag den Riesenslalom. Hier ist die grioße Frage: Wie hat Dominator Marco Odermatt die schallende Ohrfeige vom Samstag überstanden, dass er am Samstag auf der Kitzbüheler Streif als zweiter erneut den Sieg verpasste. Kommt er auch nur einigermaßen durch, dürfte ihm der Sieg nicht zu nehmen sein.

 

Crans Montana im Blickpunkt

 

Nur einen Monat nach dem schrecklichen Brand in einem Club in Crans Montana fällt der Skizirkus in diesen Wintersportort im Tessin ein. Der Weltcup-Kalender will es so, und eine Absage ist auch deshalb wohl nie ernsthaft überlegt worden, weil nächstes Jahr in Crans Montana die alpinen Weltmeisetrschaften stattfinden werden und gerade die Abfahrten als unabdingliche Tests gelten.
Also bestreiten die Frauen am Freitag und Samstag Abfahrt und Super-G, ehe am Sonntag mit der Männer-Abfahrt die letzte Generalprobe für die Winterspiele ab 6. Februar über die Bühne geht. Mal sehen, ob die SportlerInnen angesichts des Großereignisses tatsächlich das letzte Risiko gehen.

 

Handballer im Medaillenkampf

 

Bisher haben sich die Deutschen bei der Europameisterschaft in Dänemark, Schweden und Norwegen vorzüglich geschlagen. Morgen gegen Frankreich erwartet sie die ultimative Prüfung. Ein Unentschieden reicht für den Aufstieg ins Halbfinale und den Medaillenkampf.
Ich sehe die Chancen dazu nicht schlecht: Denn mit Torwart Andi Wolff steht einer der heerausragenden Akteure dieses Turniers zwischen den Pfosten. Seine Leistung gegen Norwegen, als er zwischendurch das Tor derart vernagelte, dass niemand der Nordeuropäer auch nur noch einen Versuch startete, war eine Außerirdische. Das Problem: Nicht einmal ein Wolff kann derlei beliebig wiederholen.
Handball, Deutschland vs Frankreich, da war doch was! Nämlich das absurde Viertefinale bei den Olympischen Spielen in Paris, als die Franzosen 5 Sekunden vor Schluss den Ball in die Hände der Deutschen beförderten und im wahrsten Sinne des Wortes den Sieg wegwarfen. Revanche ist also angesagt, die Franzosen machten ebenfalls einen vorzüglichen Eindruck (bis auf das eher enttäuschende Remis gegen Spanien). Fünfzig zu Fünfzig würde ich die Chancen sehen.

Klarer Turnier-Favorit sind allerdings die Dänen, zumal sie bis zum Finale im heimischen Herning spielen dürfen. Dem Aussetzer gegen Portugal folgen überzeugende Siege gegen  Frankreich und Deutschland.
Erstaunlich die Konstellation in der anderen Hauptrunden-Gruppe. Zwei Spieltage vor Schluss haben gleich vier Mannschaften 4 Punkte auf dem Konto: Schweden, Island, Kroatien und Slowenien. Ein Freudenfest für Hochrechner, wenn ich tippen müsste: Schweden und Island werden es packen.

 

18 Fußballspiele gleichzeitig

 

Der 8. und letzte Vorrundenspieltag der Champions League steht am Mittwoch anan, zum 2. Mal in der 36er-Liga und zum 2. Mal mit 18 spielen gleichzeitig, nämlich ab 21 Uhr. Fast unmöglich, da komplett den Überblick zu behalten und erst recht, im Vorfeld auf alle Eventualitäten einzugehen. Zumindest aus deutscher Sicht scheint die Lage recht eindeutig.

  • Der FC Bayern ist  schon direkt im Achtelfinale und hat bereits vor dem Gastspiel bei der PSV Eindhoven einen Top-4-Platz sicher, für die Setzung in den K.-o.-Runden von einer gewissen Wichtigkeit.
  • Eintracht Frankfurt kann auch mit einem noch so hohem Sieg die K.-o.-Runde nicht mehr erreichen.
  • Bayer Leverkusen braucht zum Abschluss einen Heimsieg gegen Nachzügler Villarreal. Dann hätte die Werkself mit Sicherheit die Zwischenrunde erreicht, in die Top 8 kann sie nicht mehr vorstoßen. Bei einem Remis und erst recht einer Niederlage beginnt eine elende Rechnerei. Ein Weiterkommen wäre dann aber eher (Remis) unwahrscheinlich respektive sehr unwahrscheinlich (Niederlage).
  • Borussia Dortmund hat zumindest die Zwischenrunde praktisch sicher. Bei einem Sieg gegen Inter können die Dortmund sogar noch aufs Vorpreschen in die Top 8 hoffen, da müsste allerdings einiges zusammenkommen. Für alle, die zu Dortmund halten hilft da nur: Neben dem Spiel auch einen Live-Ticker und möglichst auch noch eine Live-Tabelle bereithalten. Der echte Fußball-Fan ist schon längst multitaskingfähig, nämlich auf 4 Geräten: 1 Live-Spiel des Lieblingsvereins, 1 Konferenz, Live Results, Live Tabelle.

Wirklich relevant sind eh nur die Plätze 8 und 24. Die Top 8 stehen direkt im Achtelfinale, die Ränge 9 bis 24 spielen acht weitere Achtelfinalisten in zwei weiteren Partien aus (also noch mehr Spielstress). Es geht wie erwartet eng her. Zwischen Platz 6 und 15 ist nur ein Pünktchen Unterschied.

 

Und sonst?

 

  • Buundesliga: Schon heute stehen zwei Nachholspiele auf dem Programm: RB Leipzig und 1899 Hoffenheim können mit Erfolgen bei St. Pauli und Werder Bremen die Champions-League-Plätze 3 und 4 festigen. An mehr wird wohl niemand denken trotz des ersten Bayern-Strauchlers. Die Münchner müssen dann am Samstag im Volksparkstadion zeigen, dass sie die Niederlage gegen Augsburg gut verkraftet haben. Die Partie ist zwar das nominelle Topspiel des Spieltages, das ist aber eher eine Reminiszenz an die 80er-Jahre, als die beiden Teams auf Augenhöhe waren. Jetzt trifft ein Abstiegskandidat auf den designierten Meiser (nona).
    Borussia Dortmund will den gelungenen Start ins Jahr (3 Siege, 1 Unentschieden) am Sonntag verlängern. Im heimischen Westfalenstadion scheint der Tabellenletzte 1. FC Heidenheim ein mehr als machbarer Kontrahent zu sein.
  • England: Tabellenführer FC Arsenal scheint die Galaform verloren zu haben: Der Vorsprung auf Manchester City und Aston Villa beträgt nur noch 4 Punkte, kein allzu bequemes Ruhepolster. Am Samstag müssen die Gunners zu Leeds United: das Stadion an der Elland Road ist ein heißes Pflaster, ein Sieg Pflicht, denn am Sonntag dürften Villa (vs Brentford) und City (bei Tottenham) mit Siegen nachlegen.
  • Basketball: Der FC Bayern setzt das  nahezu aussichtslose Unterfangen „Play-Ins-erreichen“ in der Euroleague fort. Am Donnerstag steht die Partie bei Maccabi Tel Aviv an. Gespielt wird, zumindest lauf „flashscore“, tatsächlich in Israel, nämlich in Jerusalem. Nur ein Sieg hilft den Münchnern, wenn sie im Kampf wenigstens um Platz 10 noch eingreifen wollen.
  • Wintersport: Auch für die Skispringer sind kurz vor Olympia noch Wettbewerbe angesetzt, nämloich von der Großschanze von Winterberg. Diese lässt Weiten von bis zu 150 Metern zu, das kommt dem Skifliegen schon sehr nahe. Man muss sehen, ob kurz vor Olympia tatsächlich auch alle Top-Springer am Start sind.

Hitze-Pause rettet Sinner

Australian Open, 3. Runde

 

Jannik Sinner sah aus wie ein lebender Leichnam. Völlig apathisch lehnte er seiner Partie gegen den erstaunlichen Amerikaner Eliot Spizzirri an der Werbebande der Rod-Laver-Arena, beim Stand von 1:3 im 3. Satz nicht willens und offenbar auch unfähig, in der mörderischen Hitze von Melbourne auch nur einen weiteren Ballwechsel bestreiten zu können. Signale in die Spieler-Box: Soll ich aufgeben? Ratlosigkeit bei den Betreuern, was zu tun ist. Eine medizinische Auszeit war nicht mehr möglich, die hatte Sinner schon beansprucht. Und dann die Ansage des Stuhlschiedsrichters: „Play is suspended“ (Spiel ist unterbrochen). Ein Rettungsreifen, in dieser speziellen Situationin etwa so wahrscheinlich wie der für einen Schiffbrüchigen auf hoher See nach 2 Tagen.
Aber tatsächlich wahr: Es gab wegen der unerträglichen Hitze tatsächlich eine Pause, damit sie endlich das schützende Dach über die Rod-Laver-Arena zuziehen konnten. Diese reichte Sinner (samt dem einen oder anderen Mittelchen in der Kabine, vielleicht sogar vom berüchtigten Doping-Masseur): Merklich erholt kam der Italiener wieder auf den Platz und siegte doch noch in 4 Sätzen. Der Titelverteidiger war dem Aus gerade noch von der Schippe gesprungen.

Dass es zu einer Unterbrechung kommen würde, war angesichts der unzumutbaren Bedingungen nur eine Frage der Zeit. Die Organisatoren hatten dies schon tags zuvor und noch mal am Vormittag angekündigt und auch klare Regeln, wann das der Fall sein würde. Warum sie trotz der erwarteten Temperaturen von 40 Grad die Partien ohne Dach beginnen ließen, wird ihr Geheimnis bleiben. Doch der Zeitpunkt der Unterbrechung irritiert mich enorm – und entsprach meines Erachtens eben nicht den selbst aufgestellten Regeln. Normalerweise werden Wetterunterbrechungen wegen Hitze und (viel öfter) Regens direkt nach Ende eines Games verkündet, doch dies unterließ der Schiedsrichter. Erst als Sinner für alle ersichtlich sich als nicht mehr spielfähig zeigte, kam es zur Unterbrechung. Von „Lex Sinner“ muss da leider die Rede sein. Dass die Organisatoren unter keinen Umständen den zweimaligen Champion und Titelverteidiger wegen einer Aufgabe aus dem Turnier verlieren wollten. Die sie selbst verschuldet hätten, weil sie die Partie bei offenem Dach begonnen ließen. Das „lex Sinner“ lässt sich auch daraus schließen, dass die Partien auf den anderen Plätzen (wo es nicht weniger heißt war) erst 5 Minuten danach unterbrochen wurden. 5 Minuten, die Sinner allem Anschein nach nicht mehr hätte auf dem Platz stehen können. Der ja bekanntermaßen, mit Hitze nicht so gut zurechtkommt wie andere Profis. Ich wage die nicht sehr waghalsige Behauptung: Wären die Zeichen umgekehrt gewesen, und der Außenseiter Spizzirri wäre dermaßen in den Seilen gehangen, nie im Leben hätte es diese Unterbrechung zu diesem gegeben. „Quod licet Jovi, non licet bovi“, das wussten schon die alten Römer.

 

Turnier der Favoriten …

 

Sinner bleibt dem Turnier also erhalten, und wir dürfen davon ausgehen, dass er bis zu seiner nächsten Partie am Montag gegen seinen Landsmann Luciano Darderi wieder voll bei Kräften ist. Damit steht fest, dass es im Achtelfinale nur noch gesetzte Spieler gibt, von den Top 8 ist tatsächlich nur der Kanadier Felix Auger-Alliasime raus, den erwischte es schon in der 1. Runde wegen einer Verletzung. Eine solche Dominanz der Etablierten hat es meines Wissens noch nie gegeben. Der junge US-Amerikaner Leander Tien ist als Nummer 25 der am schlechtesten klassierte Profi in der Runde der besten 16. Für mich ist es Turnier-Sensation, dass es eben keine Überraschungen gegeben hat. die
Auch die beiden Oldies mit voller sentimentaler Unterstützung haben es nicht geschafft: Stan Wawrinka (gegen Taylor Fritz) und Marin Cilic (Casper Ruud) wehrten scih zwar nach (schwindenden) Kräften, mussten sich aber jeweils in 4 Sätzen beugen. Im besten Spiel des bisherigen Turnierverlaufs setzte sich der Italiener Lorenzo Musetti gegen den so starken Tomas Machac aus Tschechien nach 5 dramatischen Sätzen und vierteinhalbstunden Hitzekampf durch.
Geradezu Spaziergänge legte Altmeister Novak Djokovic hin, der nach 3 Partien noch ohne Satzverlust ist und sehr viele Kräfte sparen konnte. Die wird er brauchen, wahrscheinlich schon am Montag gegen den tschechischen Himmelstürmer Jakob Mensik.
Alexander Zverev hielt die deutsche Fahne hoch. Er gab zwar auch gegen Cameron Norris einen Satz ab, doch zeigte er eine klar verbesserte Vorhand, die er gegen den äußerst unangenehmen Argentinier Francisco Cerundolo auch brauchen wird. Die Partie findet am australischen Abend statt (morgen 9 Uhr MEZ), und auch die Hitze soll sich zumindest für Sonntag und Montag wieder verziehen. Eine Glatze will sich Zverev schneiden lassen – für den Fall dass er die nächste Runde erreicht das Turnier gewinnt.

 

Achtelfinale, Männer

 

So.: Alcáraz – Paul
So.: De Minaur – Bublik (mein Must see : Lokalmatador vs Zauberer)
So.: Zverev – Cerundolo
So.: Medwedew – Tien
Mo.: Musetti – Fritz
Mo.: Djokovic – Mensik
Mo.: Shelton – Ruud
Mo.: Sinner – Darderi

 

… und der Favoritinnen

 

Auch hier haben 7 der Top 8 das Achtelfinale erreicht, auch hier erwischte es die Nummer 7: nämlich die Italienerin Jasmine Paolini, und das kam gegen das US-Supertalent Iva Jovic nicht besonders überraschend. Iga Swiatek (Nr. 2) hatte zwar gegen die Russin Anna Kalinskaya einen Aussetzer-Satz, gewann aber mit 6:1, 1:6 und 6:1. Gewisse Mühe hate auch Aryna Sabalenka (Nr. 1) gegen die Neu-Österreicherin Anastasia Potapova, als sie zweimal einen Tiebreak benötigte.
Immerhin sind bei den Frauen noch 2 Ungesetzte im Wettbewerb: die Chinesin Wang Zin, die Kasachin Julia Putintsewa und die Sensations-Qualifikantin Maddison Inglis, die vom Nichtantreten der exzentrischen Japanerin Naomi Osaka (Bauchmuskelzerrung) profitierte. Dagegen erlebten die von mir noch so gelobten Tschechinnen einen schwarzen Samstag: 4 traten an, 4 schieden mehr oder weniger sang- und klanglos ohne Satzgewinn aus. So bleibt die wunderbar-vielseitige Karolina Muchova die letzte Verbliebene nach ihrem Freitag-Erfolg gegen die Polin Linette.

 

Achtelfinale Frauen

So.: Sabalenka – Mboko
So.: Jovic – Putintseva
So.: Gauff – Muchova
So.: Andreewa – Svitolina (Russin vs Ukrainerin, das wird sehr herzlich)
Mo.: Keys/TV – Pegula
Mo.: Anisimova – Wang
Mo.: Rybakina – Mertens
Mo.: Swiatek – Inglis

Gepflegte Langeweile bei den Australian Open

Souveräne FavoritInnen

 

Zwei Runden sind jetzt beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres 2026 gespielt, doch der sogenannte Happy Slam ist bisher eine arg dröge Angelegenheit. Zumindest für diejenigen, für die Überraschungen oder wenigstens Nailbiter-Thriller dazugehören. Davon konnte an den ersten 5 Wettkampftagen nicht die Rede sein. Die Favoriten gerieten noch nicht mal ins Stolpern, geschweige denn fielen sie über die Erst- und Zweitrundenhürden.

In Zahlen ausgedrückt: 15 der Top 16 gesetzten Männer sind noch im Turnier. Felix Auger-Alliasime (7) schied als einziger aus, körperlich angeschlagen gab er auf. In der 2. Runde musste nicht einer der verbliebenen 15  Top-16-Spieler mehr als 4 Sätze gehen, am heutigen Donnerstag gab es nur 3-Satz-Begegnungen. Ob Alcáraz, Sinner, ob Djokovic oder Shelton – sie alle cruisten geradezu durchs Turnier.
Mit am spannendsten machte es noch Alexander Zverev, der sowohl gegen den Kanadier Diallo als auch gegen den Franzosen Muller einen Durchgang abgab. Der Hamburger war aber nie ernsthaft in Gefahr, dass ihn eines seiner berüchtigten frühen Aus‘ ereilen würde.

 

Bei den Frauen das gleiche Bild. Favoritinnensiege, wohin man sieht. Die Überlegenheit war manchmal schon peinlich. Nur die Schweizerin Belinda Bencic tanzte aus der Reihe: Sie verlor am Donnerstag das wahrscheinlich unterhaltsamste Frauen-Match der ersten beiden Runden gegen die unglaublich aufspielende Nikola Bartunkova; eine tschechische Qualifikantin, die mir bis dato völlig unbekannt war, mich aber mit ihrem abwechlungsreichen (Angriffs)Tennis wirklich begeisterte.

Lags vielleicht am Wetter, das die FavoritInnen so souverän agierten?  Die gefürchtete australische Sommerhitze ist bisher jedenfalls ausgeblieben, die Sportlerkörper werdens dankbar aufgenommen haben. Erst für Samstag werden 38 Grad erwartet (und am Dienstag gar 40 Grad).

 

Stan, the Man

 

Und doch – völlig vertan war die Zeit via Eurosport respektive Discovery+ mit Tennis Down under natürlich nicht. Dafür sorgte etwa ein (ganz) alter Bekannter. Stan Wawrinka erinnerte in seinen beiden höchst unterhaltsamen Matches zunächst gegen Lajos Drere dann gegen Arthur Gea an glorreiche Zeiten: als er dank seiner so wunderschönen einhändigen Rückhand insgesamt drei Grand Slams gewann, darunter 2014 in Melbourne. Als Dank spendierten die Verantwortlichen dem 40-jährigen Schweizer jetzt nicht nur eine Wild Card, sondern Auftritte auf den großen Plätzen. Wo ihn ein Großteil der Fans stürmisch anfeuerten. Ob das dann auch am Samstag gegen Taylor Fritz reicht – ich setze ein kleines Fragmichzeichen.
Einen vorzüglichen Eindruck hinterließ auch Marin Cilic, mit 37 ist der Kroate geradezu ein junger Hüpfer im Vergleich zu Wawrinka. Er deklassierte nicht nur den Deutschen Daniel Altmaier (zwei Sätze endeten 6:0), sondern eliminierte auch den viel höher eingestuften Denis Shapovalov. Gelernt ist gelernt.

 

Deutsches Damen-Desaster 

 

Das „Damen“ nur der Alliteration wegen, bei mir sind es „Frauen“, die Tennis spielen. Am traurigen Abschneiden der Deutschinnen ändert das wenig, als Einzige erreichte Laura Siegemund wenigstens die 2. Runde, in der sie nach teilweise quälend langen dreieinhalb Stunden an der australischen Qualifikantin Maddison Inglis scheiterte. Die Australier halten von Miss Inglis so wenig, dass sie diese nicht mal mit einer Wild Card bedachten (die sonst quais jeder Aussie männlich oder weiblich erhält).
Auch ansonsten herrschte nur deutsche Trübseligkeit, obwohl sie alle keineswegs übermächtige Gegnerinnen hatten. Doch eine Olga Selekhmeteva (Ella Seidel), Petra Marcinko (Tatjana Maria), Sofian Cirstea (Eva Lys) erwiesen sich jeweils als zu stark für die deutsche Kontrahentin in der 1. Runde. Keine von den Bezwingerinnen hat übrigens die 2. Runde überstanden …

 

Und sonst? 

 

  • Fallgrube United Cup: Bei der Mixed-WM vor gut 2 Wochen Perth und Sydney spielten vor allem zwei Akteure groß auf. Belina Bencic gewann für die Schweiz alle 6 Einzel und 5 der 6 Mixed-Doppel, Hubert Hurkacz war bei den Männern das Maß aller Dinge, bezwang unter anderem Zverev und Fritz. Jeweils in der 2. Runde war jetzt Schluss mit lustig, zumindest die Einzelkonkurrenz ist jeweils vorbei für vermeintlich gefährliche „dark horses“, die in Wirklichkeit sehr, sehr dunkel blieben. Wahrscheinlich fehlte „Linda Belinda“ der weise Rat des Landsmannes Wawrinka.
  • Neuer Geheimfavorit: Dass der Tscheche Tomaz Machac mit dem Schläger umzugehen weiß (wie so viele seiner Landsmänner und vor allem -Frauen), ist bekannt. Dass der 25-Jährige aber die sehr schwierig erscheinenden Kontrahenten Grigor Dmitrov und Stefanos Tsistsipas mit zwei extrem beeindruckenden Vorstellungen geradezu vom Platz scheuchen würde, überraschte mich dann doch. Der zweifelhafte Lohn für ihn: Ich erhebe ihn zu meinem Geheimfavorit. Angesichts meiner brillanten Tipps in einem Turnier-Bracket kann das nichts Gutes bedeuten für den armen Mann (und Gutes für den kommenden Gegner Lorenzo Musetti?).

Das war die Woche, die war

Ski-Gott Odermatt, deutsches Handball-Glück und Absurdes vom Afrika-Cup

 

 

Brignones wundersames Comeback

 

Es war die Story des Riesenslaloms von Kronplatz, der am heutigen Dienstag ausgetragen wurde. Italiens Ski-Heroin Federica Brignone war nicht ur erstmals seit ihrem Schien- und Wadenbeinbruch im April wieder am Start, sie überzeugte auch durch zwei mehr als ansprechende Fahrten und wurde am steilsten hand der Saison (Neigung zum Teil 65 Prozent) erstaunliche Sechste, fuhr also als beste Italienein sofort wieder mitten in die Weltelite und landete unter anderem vor den Spezialistinnen Paula Moltzan und Valerie Grenier.
Nur mit dem Sieg und auch mit dem Podest hatte sie nichts zu zun. Den sicherte sich erneut Julia Scheib, mit der Österreich in seiner lange schwächsten Disziplin plötzlich eine absolute Siegläuferin hat und Gold-Favoritin fürs Rennen bei Olympia. Scheib raste von Rang 3 kommend noch an Camille rast und Sara hector vorbei und sicherte sich ihren vierten Saisonsieg.

 

Odi, Herrscher am Lauberhorn

 

Wenn es denn eine Abfahrt gibt, die Marco Odermatt auf dem Leib geschneidert ist, dann ist es Lauberhorn in Wengen. Obwohl wegen des Windes stark verkürzt (Start direkt am Hundsschopf), war der Schweizer eine Klasse für sich und triumphierte mit 79 Hunderststelsekunden Vorsprung auf Vincent Kriechmayr und den erstaunlichen Italiener Giovanni Franzoni.
Odermatt triumphierte im Schatten der Bergriesen Eiger, Jungfrau und Mönche zum vierten Mal in Folge und löste Landsmann Beat Feuz als Rekordmann ab. „Ich hab fast ein schlechtes gewissen“, bekannte er im SRF. Schon vor einer Woche hatte er in Adelboden eine Rekordmarke eier Skilegende eingestellt, als er zum fünften Mal den Riesenslalom an diesem traiditonshang für sich entschied. Da Odi noch einige Jahre Skifahren vor sich hat, dürfte er auch hier bald ganz allein ganz oben in der Liste der Sieger stehen.

Wenn ich schreibe, „erstaunlicher Franzoni“, bezieht sich das auf den Super-G. Tags zuvor hatte der Italiener in dieser Disziplin für mich reichlich überraschend gesiegt (trotz guter Trainingsergebnisse). Das Rennen war fast 15 Sekunden länger und mit allen Schweirigkeiten der Strecke gespickt, und Franzoni düpierte mit einer Glanzfahrt die Konkurrenz. Zweiter wurde Stefan Babinsky mit seinem besten Karriere-Ergebnis im Weltcup for Franjo van Allmen, der sich vor Odermatt den letzten Podestplatz sicherte.

Im Slalom dominierte ganz klar die norwegische Schiene: Atle McGrath triumphierte vor seinem besten Freund Lucas Braathen (für Brasilien startend) und Henrik Kristoffersen. Wie herzlich Braathen seinem Kumple gratulierte, so sieht Fairness aus. Best of the Rest wurde der Schweizer Weltmeister Loic Meillard, Linus Strasser klassierte sich als einziger Deutscher in den Weltcuprängen und wurde letztlich Elfter, mit 2,65 Sekunden Rückstand auf den Sieger (ohne eklatanten Fehler, die muss er bis zum Olympiarennen in einem Monat finden).

 

Aichers Triumphfahrt

 

Sie kann alles (außer Riesenslalom), das wissen alle. Am Sonntag brachte Emma Aicher im Super-G endlich mal wieder eine fast fehlerfreie Fahrt ins Ziel, und siehe da, die grüne „1“ leuchtete auf, und dies sollte an diesem strahlenden Wintertag keiner anderen Läuferin mehr gelingen. Es ist der zweite Saisonsieg der vielseitigen Deutschen mit schwedischen Wurzeln nach dem Abfahrtssieg Mitte Dezember in St. Moritz. Im Gesamtweltcup katapultierte sie sich auf Platz 3, allerdings mit Respektabstand zur Führenden Mikaela Shiffrin. Die hat zwar beschlossen, dass sie keine Abfahrten (und voererst auch keine Super-Gs) mehr fährt, dafür gewinnt sie (fast) jeden Slalom. Wie am vergangenen Dienstag den Nachtslalom von Flachau, als sie vor Landsfrau Paula Moltzan und der Österreicherin Katharina Truppe triumphierte, zum 7. Mal im 8. Saisonrennen.

 

Handballer plötzlich mit weißer Weste

 

Die beste Nachricht ereilte die deutschen Handballer schon vorm abschließenden Vorrundenspiel gegen Spanien. Da nämlich hatten die Österreicher Serbien bezwungen, und damit stand fest, dass die Mannschaft um die überragenden Torhüter Wolff und Späth auch mit einem knappen Sieg die Hauptrunde erreichen würde  und dies sogar ohne Punktverlust, weil aufgrund der EM-Arithmetik die Niederlage zuvor gegen Serbien aus den Ergebnissen fallen würde.
Die Partie gegen Spanien war dann die erwartet zähe Angelegenheit. Das deutsche Team lag zwar fast die gesamte zeit in Führung, aber nie mit mehr als drei Toren, was im Handball wahrlich kein geruhsames Polster ist. Doch in den entscheidenden Phasen konnten sich die Deutschen auf ihren Schlussmann verlassen (im Gegensatz zu den Iberern auf ihren Mann zwischen den Pfosten). Diesmal war es vor allem der junge David Späth, der mit ein paar Glanzparaden den spaniern den Zahn zog. Am Ende stand es 34:32, das reichte zum Gruppensieg.

In der Hauptrunde ab Donnerstag warten jetzt allerdings mit Dänemark, Frankreich, Norwegen und Portugal durchweg höher einzuschätzende Kontrahenten. Eine gewaltige Steigerung muss also her, soll das Ziel „Halbfinale“ Wirklichkeit werden, dafür wäre nämlich ein Platz unter den ersten zwei notwendig.

 

Skandal beim Afrika-Cup

 

Schon vor dem Finale beim Afrika-Cup zwischen Gastgeber Marokko und Senegal ging es hoch her. hier die Mahgreb-Staaten, dort Zentralfrika – mit gegenseitigen Vorwürfen. Einer lautete: Der afrikanische Verband würde alles tun, dass die Marokkaner auch den Titel holen würden.

Zunächst blieb im Finale am Sonntag in Rabat alles im Rahmen, bis sich in der Nachspielzeit der kongolesische Schiedsrichter zu einem der Hauptdarsteller aufschwang. Zunächst verweigerte er aus eher fadenscheinigen Gründen einen Treffer Senegals, und sein verfrühter Foulpfiff machte auch eine Video-Überprüfung unmöglich. Minuten später entschied er nach einem Zupferchen an Real-Star Brahim Diaz nach minutenlanger VAR-Konsultierung auf Strafstoß, mindestens umstritten, für mich indiskutabel. Die Situation eskalierte. Wutentbrannt verließen mehrere Senegalesen das Feld, angestiftet von ihrem Trainer. Ein Spielabbruch drohte – mit ungeahnten Konsequenzen für alle Beteiligten.

In solchen Fällen ist es notwendig, dass zumindest einige Akteure kühlen Kopf behalten. Hier war es Sadio Mané, der senegalesische Kapitän. Er blieb nicht nur auf dem Feld, sondern signalisierte zunehmend vehement, dass bitte auch seine Mitspieler die Wut runterschlucken sollten und die Partie würdig beenden sollten. Manes* Wort ist in Senegal Gesetz (seitdem er das Land vor 4 jahren als Kapitän zum Afrika-Sieger führte), und tatsächlich bequemten sich die Spieler zurück aufs Feld.

Dort begann das nächste Drama, der Elfmeter. Der marokkanische Superstar Diaz sollte es richten, Torschützenkönig des Turniers und einer der besten Spieler. Diaz lief also an im mittlerweile strömenden Regen zu Rabat, und er entschied sich zu einem „Panenka“. Jener unfassbar frechen Variante also, in dem der Ball nur in die Mitte geschlenzt wird ohne Tempo, in der Hoffnung der Torwart werde schon in eine Ecke fliegen. Der Tscheche Antonin Panenka wurde so berühmt 1976 in Belgrad im EM-Endspiel gegen Deutschlands Sepp Maier im Elfmeterschießen, nicht so aber Diaz. Senegals Schlussmann Fernando Mendy nämlich hatte den Braten gerochen, bleib stehen und hatte nicht die geringste Mühe, den Ball abzufangen.

„Alles abgesprochen“, hieß es später in den aszialen Netzen verdrossen, und das war tatsächlich auch mein erster Gedanke. Bis ich in die verzweifelten Augen von Diaz schaute. Verzweiflung darüber, dass er nicht Marokko zum ersten Afrika-Triumph sein 1975 (1975!) geschossen hatte. Wenn das geschauspielert war, dann herzliche Gratulation zum nächsten Oscar!

Also Verlängerung: Es kam fast, wie es kommen musste. Mit einem Gewaltschuss in den Winkel bezwang Senegals Pape Gueye Marokkos vorzüglichen Schlussmann Bono, und dieses eine Tor sollte reichen. Afrika-Triumph für Senegal, der zweite nach 2022.

Immerhin durfte sich Marokko über den Fairnesspreis freuen, und diese Auszeichnung ist mindestens so absurd wie der FIFA-Friedenspokal für Donald Trump. Mit Fairness hatte es nämlich wenig bis nichts zu tun, wie sich Marokko übers (gut organisierte) Turnier gerierte. Den Vogel schossen am Finaltag die Balljungen ab, die mit Unterstützung von Ersatzspielern immer wieder versuchten, das Handtuch von Senegals Torhüter Mendy zu stehlen, damit dieser sich nicht die regennassen Handschuhe abtrocknen konnte. Es ging so weit, das Senegal seinerseit den Ersatztorwart abstellte, der danach nichts anderes zu tun hatte, als die fortwährenden Angriffe auf Mendys Eigentum abzuwehren. Famos bewältigte er diese Aufgabe.
Das mag afrikanisch-folkoristisch klingen (wie wir diesen Afrika-Cup lieben gelernt haben), ist aber schlicht bodenlos und ein katastrophales Zeichen im Hinblick auf die WM 2030, die ja in Marokko, Spanien und Portugal stattfinden wird. Auf keinen Fall daaarf eine derartige Unverfrotenheit mit einem Fairnesspreis bedacht werden, wenn da nicht mein Freund Gianni Infantino seine widerwärtigen Schleimpfoten im Spiel hatte.