Kaum zu glauben, aber schon am Dienstag begann schon wieder die neue Saison. Die NBA ist immer noch meine Lieblingsliga in den USA, trotz der finanziellen Absurditäten und Obszönitäten. In der leider mehr und mehr die Investoren die Teams übenehmen, von denen aber viele mehr auf den wirtschaftlichen als den sportlichen Erfolg achten. Diese Entwicklung wird leider kaum umkehrbar sein, zu lohnend ist das Geschäft.

Und doch erwarte ich auch für die anstehende Spielzeit aufregenden Sport. Sehr gespannt bin ich, wie sich die neue Regel bewährt, dass das absichtliche Verlieren nicht mehr automatisch belohnt wird mit Top-Picks für die besten Talente. MIt anderen Worten: Zumindest in der Theorie gibt es weniger von vornherein abgeschenkte Partien, das Gewinnen wird also schwieriger. Und damit Siegesserien.

Der Modus ist gleichgeblieben: 82 Spieltage umfasst die reguläre Saison. Die ersten Sechs erreichen direkt die Play-offs, die Ränge 7 bis 10 spielen in einer gesonderten Runde zwei weitere Kandiaten aus. Der Rest hat ab Mitte April Urlaub.

Folgendes Procedere schwebt mir für die 30 Teams vor. Einteilung in 4 Leistungskategorien, kurzer Überblick. Star der Mannschaft, Fallstricke und am Ende eine Tabelle.

 

EASTERN CONFERENCE

 

Eines wage ich jetzt schon vorherzusagen. Im Osten wird es sehr viel spannender und vor allem aufregender als in den vergangenen Jahren; insgesamt gesehen wirds sogar besser als im Westen, wo bisher hauptsächlich die Musik spielte. Gerade die bis jetzt ganz schwachen Teams sind jetzt zumindest leidlich konkurrenzfähig, ich sehe kein einziges Fall-Obst.

 

Favoriten

 

Das sind jene Teams, denen ich mehr  (Knicks) oder weniger (Pistons) den Sieg in der Conference (samt entsprechend tiefen Play-off-Run) zutraue

 

New York Knicks

 

Einzig Offensiv-Rebound-Spezialist Mitch Robinson hat den Titelverteidger verlassen, die Starting Five blieb dagegen zusammen. Mit sehr viel Selbstvertrauen, aber auch noch genug Hunger, dass es nicht bei diesem einen Titel bleibt.

Unumschränkter Star ist weiter Jalen Brunson, der alle Kritiker verstummen ließ, die vor den letztjährigen Play-offs genau wussten, dass der nur 1,93 Meter Brunson zu klein für die ganz großen Dinge ist (wir sind beim Basketball). Eingespielt sind sie sowieso, und offensichtlich tatsächlich so etwas wie Freunde (so kompliziert das in diesem Geschäft ist).

Bleibt die offene Frage, ob nicht auch die Knicks der Titel-Blues ereilt. Eine Mischung aus geistiger und körperlicher Müdigkeit, auch weil die vergangene Saison bis Mitte Juni gegangen ist.

 

Philadelpha 76ers

 

Was für eine Off-Season. Zunächst schnappten sich die Sixers Jaylen Brown von den Boston Celtics (im Tausch für Paul George). Dann der ganz große Coup. LeBron James erlag dem Ruf spielt für die nächsten zwei Jahre in Philadelphia. das Interesse ist schlagartig in die Höhe geschnellt, die Kartenpreise sind förmlich explodiert.
Der Kader klingt erlesen: Neben Brown und James sind da noch der absolute Franchise-Spieler Tyrese Maxey und Center Joel Embiid, dazu noch Supertalent TJ Edgecombe im 2. Profijahr. Maxey halte ich dabei für den Begabtesten, der zudem im besten Basketball-Alter ist (25).

Wie gesagt, das klingt sehr erlesen. Die große Frage ist halt, ob das in der Praxis auch funktioniert. Zum Einen, weil gleich vier Spieler den Ball haben wollen, Aktionen kreieren, Würfe nehmen. Hier ist Coach Nick Nurse gefragt, und er könnte dieses Problem tatsächlich handhaben. Bleibt die Verletzungsanfälligkeit von Embiid und auch das Alter, von James, der im Januar immerhin schon 42 Jahre alt wird. Wir werden also in der regulären Saison viel Kräfte-Management (sprich: längere Pausen) sehen, und dann müssen die Sixers hoffen, dass im Frühjahr alle fit sind. Gerade bei Embiid habe ich da ernsthafte Zweifel. Und da ist es doppelt bitter, dass der deutsche Backup-Center Ariel Hukporti wegen eines Achillessehnenrisses die gesamte Saison ausfällt.

 

Boston Celtics

 

Zwar ist Jaylen Brown weg, dafür ist Jayson Tatum, dessen kongenialer Partner im Meisterschafts-Jahr 2024, wieder völlig hergestellt. Auf ihn lastet allerdings extrem viel Verantwortung, denn es bestehen doch große Zweifel, dass ihm Paul George eine annähernd gleichwertige Hilfe sein kann. Ansonsten ist das Team zusammengebleben. der ewige Kämpfer Derrick White versucht seine eher schwache Saison zu kompensieren, die Scharfschützen Payton Pritchard und Sam Hauser stehen bereit. Und Mitch Robinson freut sich schon auf viele Abpraller, die er sich mit seinem unnachahmlichen Timing schnappen wird.

Aber reicht das? Jaylen Browns Abgang reißt doch eine erhebliche Lücke. Ein Knackpunkt wird sein, ob sich paul George ncoh einmal zu einer formidablen Saison aufraffen kann. Sein Können ist unbestritten, aber zuletzt in Philadelphia war davon recht wenig zu sehen.

 

Detroit Pistons

 

Die gute Nachricht: Center Jalen Duren bleibt ein Piston, nach eigener Auskunft sogar für lange Zeit. Dann muss er nur noch bessere Leistungen zeigen als in den vergangenen Play-offs, wo er offensiv nur mitgeschleppt werden musste und überhaupt kein Faktor war.

Anführer ist wie gehabt Cade Cunningham, der einen weiteren Leistungssprung machen dürfte. Die Verteidigung steht eh (auch dank der Riesen Duren und Thompson). Wenn die Scharfschützen wie Duncan Robinson heißlaufen, wirds für jeden Gegner ungemütlich. Falls nicht und Duren weiter so unproduktiv bleibt zumindest gegen starke Defense-Reihen, könnte es allerdings ungemütlich werden. Die Erwartungshaltung ist jedenfalls groß in Detroit

 

Play-off-Kandidaten

 

Für diese Teams sind die Top 6 (direkte Play-off-Qualifikation) das klar formulierte Ziel, wenn alles optimal läuft, darf sogar in Richtung Top 4 geschielt werden

 

Atlanta Hawks

 

Für mich eine der aufregendsten Mannschaften der gesamten Liga. Die es in der vergangenen Saison als einzige geschafft hat, die Knicks in den Play-offs in Bedrängnis zu bringen, bevor der Drive verlorenging (oder die Knicks aufwachten?).

Der ganz große Name fehlt im Kader, aber Jaden Johnson, Dyson Daniels und auch Altmeister CJ McCullom bürgen für höchste Qualität. Mit Lu Dort (von Oklahoma City gekommen) haben die Hawks einen extrem lästigen Verteidiger geholt, der auch über einen vernünftigen Dreier verfügt.

Schwachstelle könnte die Center-Position sein, vielleicht überrascht mich Onyeka Ogunkwo positiv.

 

Miami Heat

 

Trotz der Trades von Jalen Brown und LeBron James zu Philly – der Wechsel von Giannis Antetokuonpo zu den Heat war der spektakulärste Wechsel des Sommers. Die Hoffnungen in Florida sind riesig, denn der Grieche gehört zu den aktuell fünf besten Spielern der Liga, der in jeder Partie den Unterschied ausmachen kann.
Doch um den Griechen zu bekommen, mussten die Heat viel Tafelsilber, sprich Spieler hergeben. Vor allem der Abschied der Team-Ikone Tyler herro und des hochbegabten Spielmachers Jaime Jaquez tut weh. Erfahrene Leute wie Scharfschütze Klay Thompson (36) und Tim Hardaway (34) sollen den Verlust kompensieren.

Faustpfand ist die Defense mit den beiden Riesen Antetokuomnpo und Bam Adebayo, die auch in der Offensive viel Power generieren können. Ich bin trotz allem etwas skeptisch, ob das für ganz oben reicht, aber die Play-offs sind auf jeden Fall drin.

 

Orlando Magic

 

Das (hochveranlagte) Team ist weitgehend gleichgeblieben, aber der neue Trainer Sean Sweeney soll frischen Wind bringen in die etwas angestaubte Franchise. Der geschasste Jamahl Mosley hat es nie wirklich geschafft, die begabten Spieler Banchero, Franz Wagner, Suggs und Bane zu einer Einheit zu formen. Gerade das Duo Banchero/Wagner harmoniert nicht besonders gut, ich hatte oft das Gefühl, dass sie sich gegenseitig im Weg stehen (das zeigen auch die klar besseren individuellen Zahlen, wenn nur einer auf dem Parkett steht).
Ob das gelingt, wird die große Frage sein. Der Ballvortrag soll schneller werden, vielleicht sogar auf mehrere Schultern verteilt. Doch für das ganz große Manko der Vergangenheit hilft auch die tollste Trainerweisheit nichts: die schon notorsch schlechte Dreierbilanz fast aller Spieler. Leider auch des besten deutschen NBA-Profis Franz Wagner (das will niemand wirklich bestreiten, oder?).

Sollte Sweeney hier Verbesserungen hinbekommen (haben), steht den Magic de Weg weit nach vorn offen, denn auf die Verteidigung war zuletzt fast immer Verlass.

 

Cleveland Cavaliers

 

Vor zwei Jahren waren sie das beste Team im Osten (bis zu den enttäuschenden Play-offs). Vergangene Saison ebenfalls eine Mannschaft, die Furore machte, aber wieder scheiterte sie relativ früh. Jetzt sind die Erwartungen in Cleveland geringer, nicht bei den Fans, aber bei den seriösen Analysten. Irgendetwas fehlt.
Nehmen wir Donovan Mitchell: Ein herausragender Spieler. Wenn er im Flow ist, kann ihn niemand stoppen. Aber er wirkt schnell resigniert, wenn es nicht so läuft. Oder Evan Mobley, 2025 noch zum besten Verteidiger der Liga gewählt, der aber in seiner Entwicklung steckenblieb.
Aber das Hauptproblem ist James Harden. Vor zehn oder meinetwegen auch noch fünf Jahren einer der Top-Männer der Liga. Aber jetzt ist er (noch) langsamer geworden, das Verteidigen war eh nie sein Ding. Trotzdem schleppt ihn das Team weiter durch (Dennis Schröder musste dagegen wieder gehen), was vielleicht im Grunddurchgang den einen oder anderen Sieg mehr bringt, aber spätestens in de Play-offs ist Harden mittlerweile mit seinem Latein am Ende. Und damit auch die Cavs?

 

Charlotte Hornets

 

Vielleicht zu hoch gegriffen, aber die Hornets waren vergangene Saison mein Aufsteiger. Der mit attraktivem Basketball viele Herzen eroberte nach Jahren der absoluten Dunkelheit. Ich wüsste nicht, warum sich dieser Aufstieg nicht fortsetzen soll. Junge Wilde wie Kon Knueppel (in seinem 2. Profijahr) und Brandon Miller (23) stehen erst am Anfang einer vielleicht ganz großen Karriere.
Zwar ging mit LaMelo Ball ein hochbegabter Spieler. Der war aber trotz aller Klasse auch sehr verletzungsanfällig. Neuzugang Naz Reed ist dagegen extrem verlässlich, seit Jahren einer der besten Bankspieler der gesamten Liga.

Die Hornets haben die Magic als „deutsches Team“ abgelöst. Nationalmannschaftskapitän Dennis Schröder kam im Sommer hinzu, seine mittlerweile 12. Station im NBA-Zirkus (eine fehlt noch zum Rekord). Nicht nur als sehr schneller Ersatz-Spielmacher wird Schröder gefragt sein, sondern als Mentor für seine jungen Landsleute Hannes Steinbach und Christian Anderson, die die Hornets beide in der ersten Draft-Runde verpflichteten. Ein weiterer Grund (aber wirklich nicht der einzige), die Hornets öfter zu begutachten.

 

Kampf um die Play-Ins

 

Der Sprung in die Top 6 scheint illusorisch, aber die Play Ins (mindestens Rang 10) sind realistisch. Das trotzdem für drei meiner Kandidaten am Ende nicht erreicht wird, wenn ich nur wüsste, welche das betrifft.

 

Toronto Raptors

 

Die einzige kanadische Mannschaft (und allein schon deshalb meiner Sympathie gewiss). Aber ich habe so meine Zweifel, trotz der Rückkehr von Kawhi Leonard, der die Raptors 2019 gar zum Titel geführt hat. Der immerhin schon 35 Jahre alt ist und dementsprechend mit seinen Kräften haushalten muss.
Was Hoffnung macht? Der herausragende Scottie Barnes (der erstaunlicherweise in Toronto verblieb) sowie äußerst talentierte Mitstreiter wie Immanuel Quickley und RJ Barrett.
Center jakob Poeltl müsste ich angesichts seines Gehaltes (25 Mio Dollar/Jahr) auch zu den Leistungsträgenzählen,aber ich hab bei aller Sympathie für Österreicher meine Zweifel, trotz Rebound- und Defensiv-Stärken. Aber in der modernen auf Dreier ausgelegten Offensive wirkt Poeltls Spielweise regelrecht antiquiert, einen Distanzwurf, gar einen Dreier wird er sich nicht mehr aneignen. Ein Unding und ein echter Hemmschuh.

 

Indiana Pacers

 

Vergessen wir die fürchterliche vergangene Saison, jetzt ist Spielmacher Tyrese Haliburton wieder fit. Ob er nach seinem Achillessehnenriss wieder die überragende Form findet, mit der er sein Team 2025 ins NBA-Final führte, ist die große Frage, auf die zurzeit noch niemand eine seriöse Antwort geben kann.
An bekannten und guten Mitstreitern fehlt es nicht (Pascal Siakam, Andrew Nembhard, Aaron Nesmith). Knüpft Center Ivica Zubac an beste Tag an, könnte den Pacers sogar ein echter Lauf gelingen.

 

Chicago Bulls

 

Die personifizierte Mittelklasse. Zuletzt immer im Dunstkreis der Top 10 im Osten, zu gut für einen ganz hohen Pick, zu schlecht für eine lange Plasy-off-Dauer. Vieles spricht dafür, dass da auch in dieser Saison icht viel anders wird.
Qualität ist vorhanden, an erste Stelle nenne ich Spielmacher HJosh Giddey und Maatas Buzelis. Norman Powell sorgt für Gefahr von außen. Und a ist noch Rookie Caleb Wilson, auf dem viele Hoffnungen ruhen.Der allerdings noch viel lernen muss, in erster Linie einen vernünftigen Dreier.
Das Schöne für all diese Spieler: Niemand erwartet Wunderdinge, und die Qualität insgesamt ist zu gut für den Total-Absturz.

 

Washington Wizards

 

Etwas Spekulatius, warum ich die Wizards noch in die drittbeste Kategorie stecke. Und die zumindest großen Namen Trae Young und Anthony Davis, die für Furore sorgen können. In der Theorie. Der eine (Young) ist erschütternd abwehrschwach, den anderen (Davis) plagen während einer Saison die verschiednesten Wehwehchen. Abe wenn beie fit sind, dann könnte die Hauptsatadt nach jahren der Basketball-Agonie endlich wiede Spektakel sehen, zumal die Wizards mit AJ Dybantsa den ersten Pick im Draft ziehen durften, der zumindest in der Summer League schon zeigte, was er kann.
Obs für die Play-Ins reicht? – fraglich. Doch wahrscheinlich wären alle Fans schon froh, wenn sie endlich wieder Zaubereien ihres Teams sehen dürfen, die der Name so verheißungsvoll verspricht. Nicht dass sie sich die Bullets wieder zurückwünschen …

 

Die Chancenlosen?

 

Das Fragezeichen ist eher Höflichkeit. Für mich käme es ziemlich überraschend, sollten wir diese Teams in der Post Season sehen. Auzuschließen ist natürlich nichts.

 

Milwaukee Bucks

 

Jahr 1 nach Giannis – und damit viel Mittelmaß im Mittleren Westen (gut dass es die Brewers in der MLB gibt). Die Bucks bekamen zwar für ihren Greek Freak von den Heat unter anderem die sehr ansprechenden Tyler Herro und Jaime Jaquez, aber das sind eben nicht die Unterschiedsspieler, die sich zudem auch noch in fremder und kühlerer Umgebung (Wisconsin statt Sunshine State Florida) zurechtfinden müssen.
Wenn überhaupt, dann hilft die Abwehr, wo immehin Miles Turner und Kel’el Ware aufräumen.Aber wer kreiert die Würfe, etwa Ryan Rollins oder gar der ewige Kyle Kuzma? Da nagen bei mir Zweifel wie Mäuse am Wisconsin-Käse.

 

Brooklyn Nets

 

Der Trost: Es wird sicher besser als in den vergangenen Jahren. Die Puzzle-Arbeit des Management hat tatsächlich ein verheißungsvolles Team zusammengeführt. Das jetzt noch ein, zwei Jahre braucht, umd ernsthaft vorne anzugreifen. Das Problem: Zeit bekommt man in der NBA selten, gleich gar nicht in New York mit Millionen anderen Möglichkeiten.
Und doch sind die Nets zu beachten, wo die neuverpflichteten Julius Randle und Moe Wagner mit Erfahrung die jungen anleiten sollen. Hauptziel ist nicht ein  Play-off-Platz, sondern die Entwicklung von Talenten wie Egor Demin und Mikel Brown.

 

DIE LÖWEN-TABELLE

 

  1. Knicks
  2. Sixers
  3. Pistons
  4. Celtics
  5. Hawks
  6. Cavaliers
  7. Magic
  8. Heat
  9. Hornets
  10. Pacers
  11. Raptors
  12. Wizards
  13. Bulls
  14. Bucks
  15. Nets

Der Westen folgt morgen …