Blick üver den Teich, MLB

 

Los Angeles Dodgers – MILWAUKEE BREWERS 4:6 (Endstand 0:4)

 

Die Hoffnungen aufs Weiterkommen waren eh miserabel, jetzt sind sie endgültig vorbei. Auch die vierte Partie verloren die Dodgers – und das im heimischen Stadion – und müssen den Traum vom Three-Peat, den dritten Titel in Folge, begraben. Gescheiert sind sie zum Einen an einem in jeder Beziehung großartigen Gegner, aber auch an den eigenen Unzulänglichkeiten.

Spiel 4 im Dodger Stadium war eine Blaupause dafür. Das für die Gastgeber fantastisch begonnen hatte, denn im 2. Inning hatte endlich auch ihr Superstar Shohei Ohtani einen seiner wenigen lichten Momente in der Serie und drosch den Ball bei zwei eigenen Leuten auf Base über den zaun. Mit diesem 3-Run-Homer lag LA 4:0 in Führung, und das Stadion tobte. Träumte schon vom ersten Sieg, dem dann „nur“ noch drei weitere Erfolge folgen müssten, um das Wunder zu schaffen. So zumindest die Theorie.

Die Praxis sah dann so aus, dass die Gäste trotz des klaren Rückstands ruhig blieben. Grundsätzlich und vor allem an der Platte. Im. 4. Inning begannen sie ihre Aufholjagd, verkürzten durch zwei Doubles hintereinander durch Jake Bauers und Wilson Contreras auf 2:4. Im 5. Abschnitt dann das typische Small-Ball-Spiel: Zuerst der Walk von Christian Jelich, der rückt durch einen Steal auf die 2. Base vor, und mit einem weiteren Single bringt David Hamilton Jelich nach Hause – 3:4. In dieser Tonart geht es weiter – zum Entsetzen der LA-Fans. Nach zwei weiteren Walks sind die Bases geladen, und auch der eingewechselte Dodgers-Pitcher Alex Vesla findet gegen Jake Bauers nicht die Strke Zone. Erneuter Walk, und damit der Ausgleich zum 4:4.

Die vorher so gepriesene Dodgers-Offensive bringt in diesen mittleren Abschnitten überhaupt nichts Produktives mehr auf die Beine, auch weil der Bullpen der Brewers erneut brilliert. Im 6. Inning ist es Garrett Mitchells Homerun, der die Weichen auf sieg stellt. Die Dodgers haben zwar noch zweimal sehr gute Chancen auf den Ausgleich mit Läufer auf der 3. Base und jeweils nur einem Out, doch Closer Aaron Ashby befreit sich äußerst gekonnt aus den heiklen Situationen, unter anderem mit einem Strikeout gegen Ohtani.

 

Völlig verdientes Weiterkommen

 

Es gab durchaus Stimmen, die den Brewers den Sieg in der NLCS zugetraut hatten. Aber mit einem sogenannten Sweep (keine Niederlage) hatten auch die größten Fans aus Milwaukee nicht rechnen dürfen. Es war die geschlossene Mannschaftsleistung: Exzellentes Pitching (Starter und Einwechsler), großartiges und vor allem fast fehlerloses Feldspiel, und die gesamte Offensive vermochte zu punkten. Nicht immer alle natürlich, so funktioniert Baseball nicht, aber einer war halt immer zur Stelle.
Und doch: Einen möchte ich herausheben. Jake Bauers. Bisher ein äußerst solider Spieler, der in dieser Serie über sich hinauswuchs. In jedem Spiel landete er mindestens einen Hit. In zwei Spielen hintereinander trieb der den Starting Pitcher in schon epischen Werfer-Schlagmann-Duellen zur Verzweiflung, die er dann noch erfolgreich abschloss. Im entscheidenden 4. Spiel verbuchte er 3 RBIs, brachte also 3 Spieler auf die Homebase. Es hat mich sehr gefreut, dass die Journalisten so dachten wie ich und Bauers um MvP der Serie ehrten.

 

Ausblick der Sieger

 

Die Brewers stehen erstmals seit 1982 in den World Series, die sie damals in 7 Partien gegen die St. Louis Cardinals verloren. In ihrer jetzigen Verfassung sind sie für mich auf jeden Fall Favorit, egal ob die Cleveland Guardians oder die Tampa Bay Rays de Gegner sind. Zumal die jetzige Pause sicher ein zusätzlicher Vorteil ist, weil sich die Pitcher nahezu komplett erholen können. Während sich Rays und Guardians wahrscheinlich noch einige pfysisch und psychisch fordernde Partien abverlangen werden. Zurzeit steht es 2:1 für Cleveland, aber mich würde nicht wundern, wenn diese Serie über die volle Distanz von sieben Spielen geht.

 

Und die Verlierer?

 

… lecken die Wunden. Die Dodgers werden analysieren müssen, warum gerade die Offensive und hier vor allem die Top-Stars so kläglich abgeschnitten, ja versagt hat. Egal ob Ohtani, Freeman und Betts, nicht einer fand zu Normalform, und sie erreichten viel zu selten die Base. Die wenigen Chancen wurden meist vergeben. Mangelnde Geduld, manchmal etwas Pech und im Fall von Ohtani schlicht fehlende Form, auch weil er nicht hundertprozent fit ist. Die Unzufriedenheit war dem Japaner sichtlich anzusehen, und nicht einmal sein fantastischer Homerun konnte daran etwas ändern.

Im nächsten jahr werden die Dodgers wieder angreifen. Sie werden wieder Favorit sein, weil sie die mit Abstand bestbezahlte Truppe de Liga sind. Jetzt wissen sie es Schwarz auf Weiß: Unschlagbar sind sie nicht.

 

Ansetzungen (American League)

 

Sa., 02:00: Guardians – Rays (2:1)
So., 02:00: Guardains – Rays
Di., 02:00: Rays -Guardians *
Mi., 02:00: Rays – Guardians *

* falls nötig

Die World Series beginnen nächste Woche in der Nacht von Freitag auf Samstag in Milwaukee.