Grüße aus Helsinki, der ersten von drei Städten meiner Nordost-Reise, danach Tallinn und Riga. Als Finnen-Freund und Sportfan war es für mich geradezu Pflicht, ein Erstligaspiel zu besuchen in der größten Halle der Stadt.
von Münchner Löwe | Sep. 18, 2026 | Eishockey | 0 Kommentare
Grüße aus Helsinki, der ersten von drei Städten meiner Nordost-Reise, danach Tallinn und Riga. Als Finnen-Freund und Sportfan war es für mich geradezu Pflicht, ein Erstligaspiel zu besuchen in der größten Halle der Stadt.
Philipp Kaiser, geboren 1963 in München, abgeschlossenes Jurastudium und gelernter Journalist. 24 Jahre tätig in der Sportredaktion der Märkischen Oderzeitung. Lebt jetzt wieder in München.
Jokerit Helsinki. Klingt für den älteren Eishockey-Fan toll, die Mannschaft war in den 90ern (!) eine der besten Mannschaften Europas und insgesamt sechsmal finnischer Meister. 2 der besten und bestimmt bekanntesten Spieler Finnlands haben für dieses Team gespielt: Die späteren NHL-Legenden Jari Kurri und Teemu Selänne (sowie Tikkanen für ein Jahr), die allerdings allesamt nie Weltmeister wurden.
Doch die guten Zeiten sind schon lange vorbei, auch wenn sie vor dem Spiel unter großer Anteilnahme der Fans einen Meister-Wimpel an die Hallendecke zogen. Allerdings nur den der 2. Liga. Wohin das Team versetzt wurde, als das Abenteuer der russischen Profiliga KHL 2022 wegen des Angriffskrieges jäh beendet wurde und auch die Zeit der äußest spendablen russischen Geldgeber vorbei war.
Jokerit ist jetzt also ein biederer Aufsteiger, und trotzdem kamen an einem Donnerstagabend mehr als 9000 Zuschauer in die gar nicht mehr so neue Halle (eröffnet 1997), die endlich wieder Erstliga-Hockey sieht. Wo ein harter Kern von etwa 500 Menschen in einem Stehplatzsektor durchaus einen Heidenlärm machte, sich oft aber auch im Dauersprech-Gesang (mit zumindest gleichen Melodien wie in deutschen Fußballstadien) ergingen. Bei „ylivoima“ und „alivoima“ (Überzahl und Unterzahl) feuerten sie jedenfalls frenetisch an.
Es begann bestens, denn schon nach 14 Sekunden gingen die Gastgeber gegen JYP in Führung. Doch die Gäste aus Jyveskylä (die heimat des legendären Skispringers Matti Nykaenen) schlugen schnell zurück und siegten am Ende mit 4:2. Die Partie hatte ordentliches Niveau, gerade auch, was das Schlittschuhlaufen betrifft. Wirklich mitreißend war es nicht, auch die Zuschauer dämmerten leise weg. Nicht mal als der heimische Goalie etwa 5 Minuten vor Schluss umgerammt wurde, gab es kaum langhaltende Proteste. Da wäre in einer deutschen Eishockey-Halle die Hölle los gewesen.
Die Halle selbst gefällt mir gut. Trotz der Größe (Fassungsvermögen gut 13.000) durchaus kompakt, saubere Toiletten und eine ordentliche und gar nicht ausufernd teure Vepflegung (ich bin in Finnland und gewöhne mich augenrollend an absurde Preise …). Getränkedosen darf man nicht auf den Platz nehmen, wohl aber riesige Popcorn-Becher und Trinkbecher. Die Bande ist zwar durchsichtig, aber recht dicke Streben jeden Meter erschweren das alte Männeraugen eh komplizierte Verfolgen des Pucks erheblich.
Pro Drittel gab es 2 Powerbreaks, also längere Pausen (niemanden stören diese), in denen Nachwuchsspieler mit einer Schneeschaufel das Eis säuberten. Dazu Musik oder finnische Werbung zB für bussi.fi sowie ein Moderatorenpaar, das leidlich unterhaltsam moderierte. Die Show macht ohnehin Maskottchen Otto*, wie könnte es anders sein ein Joker. Da das Spiel nicht allzu viel hergab habe ich einiges nachgelesen und unnützes (?) Wissen angehäuft.
– Ein Spieler pro Teams trägt einen goldenen Helm. Das ist der gegenwärtige Topscorer des Teams, was mir am 4. Spieltag etwas lächerlich erscheint. Das gibt es auch in der 2. deutschen Liga.
– * Otto heißt nach einer Vereinslegende, die witzigerweise kein Finne ist. Der Tscheche Otokar Janecky hatte von 1991 bis 1999 in seinen Dreißigern noch eine formidable Zeit bei Jokerit, mit 2 Europapokalen und 4 Meistertiteln. Sein Trikot mit der “91” hängt ebenfalls an der Hallendecke. Ein paar Janeckys laufen immer noch herum …
Ein insgesamt schöner und interessanter Abend mit einem etwas zu langem Eishockey-Spiel (mehr als zweieinhalb Stunden). Es fängt relativ früh an (18:30 Uhr), und viele Restaurants schließen schon um 22 Uhr.