Vingegaard muss aufgeben

 

Aus der Traum vom Toursieg. Auf der 15. Etappe in den Vogesen stürzte Jonas Vingegaard in einem Kreisverkehr so schwer, dass er aufgeben musste. Einer ersten Diagnose zufolge erlitt der Däne einen Schlüsselbeinbruch, er wird eine längere Pause einlegen müssen.

Vingegaard galt als schärfster Verfolger des souveränen Gesamtführenden Tadej Pogacar. Wobei „scharf“ bei einem Rückstand von fast fünf Minuten relativ ist, normalerweise hätte er wohl keine Chance mehr gehabt, den Slowenen noch einzuholen. Zu souverän agierte Pogacar, der gerade in den Bergen bisher naheuzu unantastbar schien.

Am heutigen Montag ist Ruhezag, der zweite und letzte der Tour. Pogacar führt mit genau fünf Minuten auf Remco Evenepoel und schon 5:58 Minuten auf seinen mexikanischen Teamgefährten Isaac del Toro. Evenepoel macht dieses Jahr gerade in den Bergen einen viel stärkeren Eindruck als in den vergangenen Jahren, am Sonntag entschied er das sehr schwierige Teilstück mit der Bergankunft am Plateau de Solesan im Spurt vor Pogacar für sich. Die Frage ist, ob seine Form auch fürs Hochgebirge reicht, denn in der letzten Woche steht nach dem 21-Kilometer-Zeitfahren (in dem der Spezialist im Kampf gegen die Hhr noch aufholen kann) enorm schwierige Bergetappen in den Alpen an: Gleich zweimal geht es hoch nach Alpe d’Huez, allerdings nur einmal von der schwereren 21 Serpentiven langen Seite.
Zumindest vorerst aber hat Evenepoel auch im teaminternene Bora-Red-Bull-Duell die Nase vor Florian Lipowitz. Der Deutsche at schon 1:48 Minuten Rückstand auf Evenepoel und 6:48 auf Pogacar. Hinter dem potenziellen Toursieger (nona, ein Sturz kann schnell passieren) dürfte es einen beinharten Vierkampf um die Platze 2 und 3 geben,in den neben Evenepoel und Lipowtz auch del Toro (3./5:50 auf Pogacar) und das französische Supertalent Paul Seixas (4./6:23) eingreifen werden.

Überschattet wird aber alles vom Sturz Vingegaards und die Begleiterscheinungen. In der Nacht zuvor war der Däne nämlich um 2 Uhr nachts zur Dopingprobe gebeten (also befohlen) worden. Gerade vor eine solchen Etappe ein absolutes Unding, auch wenn sich Vingegaard bedeckt hielt. „Man kann wohl sagen, dass es nicht förderlich war.“ Auch Pogacar berichtete, dass er um 5 Uhr morgends vor einer Etappe zur Blutentnahme aus dem Bett geklingelt wurde. „Schlaf ist sehr wichtig. Gerade für die Konzentration.“

 

Deutsche Läufer überzeugen

 

Ein fantastisches Leichtathletik-Meeting erlebten 60.000 Zuschauer in London. Höhepunkt war der (angekündigte) Meilen-Weltrekord des Schotten Josh Kerr, der die 1609 Meter in 3:42,66 Minuten absolvierte. Damit blieb er um gut eine halbe Sekunde unter der bisherigen Bestmarke des algerischen Ausnahmeläufers Hicham El Guerrouj. Robert Farken aus Leipzig ließ sich von der fantastischen Stimmung im Olympiastadion bei diesem Rennen mitreißen und schaffte in 3:46,82 Minuten einen großartigen Deutschen Rekord.

Es war nicht die einzige nationale Bestleistung eines deutschen Läufers. Emil Agyekum brauchte für die 400 Meter Hürden nur 47,45 Sekunden und unterbot den (in der Tat) alten Rekord um drei Hundertstel. Dieser datiert aus dem Jahr 1982 (und 87) und wurde jeweils von der deutschen Lauflegende Harald Schmid aufgestellt. Zum Sieg reichte es für Agyekum allerdings nicht. Weltrekordler Karsten Warholm schwebte mit 46,61 Sekunden in ganz anderen Sphären (passend bei einem Hürdenlauf, oder?). Dennoch gelten sowohl Agyekum als auch Farken zu den heißesten Medaillenkandidaten aus Germany für die EM in Birmingham in knapp einem Monat (10. bis 16. August).

Das gilt auch für Malaika Mihambo. Mit der Einschränkung, dass die Weitspringerin auch den Balken trifft. Im 5. Versuch segelte die Olympiasiegerin von 2020 auf 7,05 (Bestleistung für diese Saison). Doch in einem EM-Wettkampf wäre sie gar nicht mehr dabei gewesen, denn ihr gelang das Kunststück und übertrat bei allen vier Versuchen. Statt salto nullo nach 3 Versuchen also Diamond-League-Sieg. Wenn das kein Omen ist.

 

Rekordsprinter droht Dopingsperre

 

Viel Aufregung um Owen Ansah. Der deutsche Rekordsprinter (9,98 Sekunden) hat ernsthaften Ärger mit der Doping-Agentur. Vor 10 Tagen suchten ihn Kontrolleure auf, doch der Sprinter verweigerte die Probe. Aus gutem Grund, wie er glaubte, denn er war auf dem Weg zum Meeting nach Monaco, wo er ganz kurzfristig eingeladen wurde. Er sei spät dran gewesen für sein Flugzeug und gerade auf der Toilette gewesen, begründete Ansah.
Die Strafe für eine verweigerte Probe ohne Grund sind hart: nämlich mindestens 4 Jahre Sperre,  also wie nach einem positiven Befund. Und die Regularien erlauben auch einen Überraschungsbesuch der Kontrolleure (die ja letztlich erst dem Ganzen einen Sinn geben, siehe oben beim Radsport). 2 Fragen drängen sich jetzt auf:

  • Ist ein wartendes Flugzeug für ein Meeting ein dringender Grund (bisherige Rechtsprechung: eher nein). Und: Hätte der Kontrolleur nicht anbieten müssen, zusammen mit Ansah zum Flughafen zu fahren und dort die Probe zu entnehmen?
  • Hat der Kontrolleur auf die Tatsache hingewiesen, dass ein verweigerter Test diese drakonische Folge hat. Im Gegensatz von einem sogenannten Missed Test, wo der Kontrolleur den Athleten trotz Anwesenheits-Pflicht nicht antrifft (davon darf sich jeder drei „leisten“).

Zur Wahrheit gehört außerdem, dass Ansah in den Tagen danach mehrfach kontrolliert wurde. Ob das hilfreich ist? Keine Ahnung, aber viele Dopingmittel sind ziemlich schnell nicht mehr nachweisbar. Also kein unbedingter Freispruch-Grund.

Die Nationale Dopingagentur hat den Fall zwar zur Anklage gebracht, doch bisher gibt es keine Suspendierung seitens des Deutschen Lei htathletik-Verbandes. Ob eine solche noch vor den Meisterschaften am Wochenende in Hannover ausgesprochen wird, bleibt zwar fraglich, aber so leicht wird Ansah diese Causa wohl nicht vom Tisch bringen.

 

Der Golfschlag seines Lebens – ganz schnell ausgeführt

 

Da stand Ryan Fox vorm wichtigsten Putt seines Lebens, und er musste erst mal warten auf seinen Flight-Partner Sam Burns, der noch zu Ende spielen wollte. Minuten des Wartens wurden wahrscheinlich zu Stunden, denn Fox würde mit einem eingelochten Schlag Golf-Geschichte schreiben. Der Putt hatte mit etwa 2 Metern Länge genau die Distanz, die die Profis so fürchten. Unter normalen Umständen meist kein Problem, doch wenn ein Major-Sieg wie am Sonntag dranhängt bei den Open Championships im englischen Royal Birkdale, dann erscheinen die 2 Meter eher wie 20.
Als Fox dann endlich dran war (Burns wurde letztlich Dritter), machte er es ganz schnell. Fix das Loch und den eigenen Ball fixiert, schon wer der Schlag ausgeführt, der wie an der Schnur gezogen im Ziel versank. Fox jubelte ungläubig, sein Caddy sank reichlich entnervt zu Boden, und die Golfwelt hat einen neuen, aber doch recht alten Helden. 39 Jahre ist Fox mittlerweile alt, er ist damit der älteste Premierensieger bei einem Major seit Hendrik Stenson (40) vor zehn Jahren; seine bisherigen Erfolge halten sich in Grenzen (Sieg bei den BMW Championships 2023). Jetzt ist er erst der dritte Neuseeländer, der eines der vier wichtigsten Golfturniere der Welt gewann.

Es war eine unterhaltsame Schlussrunde am Sonntag, die ich erst heute nachgeschaut habe (irgendwie hatte ich im Vorfeld eines nicht ganz unwichtigen Fußballspiels anderes vor). Mit einer grandiosen 64er-Schlussrunde war Cameron Young aus den Tiefen des Mittelfelds an die Spitze gestürmt. Eine gefühlte Ewigkeit verfolgte der Amerikaner im Clubhaus wahrscheinlich mit einigem Amüsement, wie die Konkurrenz unter den immer schwieriger werdenden (Wind)-Bedingungen (sowie den eigenen Nerven) litt und Schlag um Schlag verlor. Wie etwa Bryson DeChambeau, dem das Kunststück gelang, einen Ball trotz tausender Zuschauer und zig Fernsehkameras derart tief in ein mit dichtem Gras bewachsenen Feld zu versenken, dass dieser trotz angestrengter Suche nicht aufzufinden war (da muss man schon drauftreten, sagen die Golfer). Auch Fox hatte zu kämpfen (nach seiner 62er-Glanzrunde vom Vortag), doch er hielt sich immer in Schlagdistanz zum Führenden. Vor der letzten Bahn war er gleichauf mit Young. Ein Par würde ihn ins Stechen bringen (Young übte schon fleißig an der Driving Range), ein Birdie den schnellen Triumph. Also lieber einfach als kompliziert, wenns nur immer so zuginge im Leben.

 

Und sonst?

 

  • Formel 1: Kimi Antonelli im Mercedes wieder auf der Erfolgsspur. Nach ganzen drei Rennen ohne Sieg triumphierte der italienische WM-Führende im belgischen Spa-Franchorchamps vor Charles LeClerc aus Monaco und dem Holländer Max Verstappen. Antonelli führt nun inn der Fahrerwertung mit 45 Punkten Vorsprung auf Ferrari-Pilot Lewis Hamilton und gar 50 auf Teamkollege George Russell, der gleich zum Start nach einer Kollision ausfiel.
  • Tennis: Turniersiege feierten Barbora Kerejikova in Athen, Stefanos Tsitsipas in Gstaad und Alexander Rublew in Bastad.