von Münchner Löwe | Okt. 7, 2024 | bundesliga, Fußball, Tennis
Offensiv-Spektakel und ofene Fragen
Zweiter gegen Erster, Eintracht Frankfurt gegen Bayern München, das versprach viel und hielt fast alles. 3:3 ist ein merkwürdiges Ergebnis, aber letztlich vedient. Die Münchner waren hochüberlegen, hatten teilweise mehr als 75 Prozent Ballbesitz, ihre Tore fielen fast zwangsläufig, wobei mit Min Jae Kim und Dayot Upamecano zwei Verteidiger erfolgreich waren, während der vermeintliche Goalgetter Harry Kane ohne Abschluss blieb und zu allem Überfluss auch noch angeschlagen das Feld vorzeitig verlassen musste.
Doch in die Offensiv-Herrlichkeit, die die 3 Treffer nur unzureichend widerspiegeln, auch aufgrund der vortrefflichen Leistung von Eintracht Schlussmann Kaua Santos, der den verletzten Stammtorwart Kevin Trapp (fast) vergessen lässt, mischt sich Befremden in die defensive Anfälligkeit. Jeder wusste oder ahnte sehr wissend, dass sich die Franfurter aufs Konter verlegen würden, auch dank ihrer großartigen und pfeilschnellen Angreifer Omar Marmoush und Hugo Ekitiké. Und auch wenn die Bayern viele der Konter durch schnelles Gegenpressing im Keim erstickten, ein paar mal kamen sie halt durch hatten gegen die letzten verteidigenden Mohikaner Upamekano und Kim eher leichtes Spiel. Und da auch Manuel Neuer außerstande war, auch nur einen der 3 Schüsse zu entschärfen, stand m Ende ein 3:3 auf der Ergebnistafel. Alles kein Problem außer das Ergebnis, wiegelte Sportvorstand Max Eberl ab. Aber die frage darf schon gestellt werden, ob ein Team nicht wenigstens in der Nachspielzeit mit wenigstens ein bisschen Verteidigung einen Vorsprung über die Zeit spielen sollte. Die nächsten Gegner zu Hause heißen nach der durch Länderspiele bedingten Pause VfB Stuttgart und FC Barcelona. Dort treffen sie das Tor bisweilen auch ganz hübsch.
Noch ein statistisches Schmankerl: Die von mir hinreichen entwürdigten extended Goals wiesen bei Eintracht Frankfurt den Wert 0,89 auf. Bei drei Toren nach Schüssen frei vor Neuer eine wirklich erstaunliche Zahl (pro Tor nicht einmal 30 Prozent?).
Spitzenclubs suchen Spitzenform
Was haben Meister Leverkusen, der Zweite VfB Stuttgart und der Champions-League-Finalist und derzeitige Tabellenführer der Königsklasse Borussia Dortmund gemeinsam? Es flutscht nicht so richtig.
Nehmen wir Bayer, den ungeschlagenen Titelträger. 2:0 führten sie nach 8 Minuten gegen Holstein Kiel, man durfte sich sorgen um den Aufsteiger. Ein weiteres Tor von Boniface wurde wg hauchzarten Abseits zurückgenommen, und die Herrlichkeit schwand von Minute zu Minute. Vor der Pause durfte Max Geschwill nach einer Holtby-Ecke völlig ungehindert am Fünfmeterraum einköpfen, in der 2. Halbzeit verursachte Jonathan Tah in bemitleidenswert hilfloser Art einen Elfmeter, den Lewis Holtby verwandelte. In de Schlussphase hatten die Kieler sogar die größte Torchance, die aber Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky mit einem vfantastischen Reflex abwehrte. „Uns fehlt der letzte Biss“, moserte der Finne.
Zu mosern hatten auch die Dortmunder – drei Tage nach der 7:1-Gala in der Champions League gegen Celtic. Beim 1. FC Union zeigten sie in der 1. Halbzeit eine unterirdische Leistung. Nationalverteidiger Nico Schlotterbeck verursachte täppisch einen Elfmeter, den Kevin Vogt verwandelte zu seinem ersten Treffer nach fast 10 Jahre (damals mit dem 1. FC Kön auch gegen den BVB. Der steigerte sich im zweigten Durchgang, aber mehr als der Treffer des Ex-Unioners Jonas Ryerson sprang nicht mehr heraus. Es grummelt vernehmlich am und um den Borsigplatz.
Der VfB Stuttgart bleibt ebenfalls hinter den Top-Leistungen der vergangenen Saison zurück, zumindest manchmal. Wie am Sonntag, als die sehr kriselnde TSG Hoffenheim ein 1:1 aus. Und schon das Unentschieden kam letztlich glücklich zu Stande durch einen Elfmeter, den Ermedin Demirovic erst im Nachschuss verwandelte. Scheint eine Stuttgarter Spezialität zu sein, den Gleiches gelang vor Wochenfrist Enzo Millot.
Trainereffekt bei Coco Gauff
Die Tennisspielerin hatte knapp einem Monat bekanntgegeben, dass sie künftig auf die Dienste von Brad Gilbert verzichte. Matt Daly soll neuen Schwung bringen. Gilbert hatte sie zwar im vergangenen Jahren bis zum US Open Titel gecoacht, aber in diesem Sommer wollte es nicht so recht laufen. Beim ersten großen Turnier ohne den Ex-Profi mit den üblen Tricks (Winning ugly heißt sein Buch) gewann die Amerikanerin gleich das Masters-Turnier von Peking, bei dem bis auf Iga Siatek die komplette Weltelite am Start war. Ihr erster Triumph seit Januar! Nachdem sie im Turnier durchaus ihre Mühe hatte und unter anderem im Achtelfinale von einer Aufgabe von Naomi Osaka profitierte, zeigte sie gegen die Tschechin Karolina Muchova eine herausragende Leistung, die fürs Saisonfinale vieles erhoffen lässt. Muchova ihrerseits kehrt mit Riesenschritten zurück in die Weltelite, wo sie mit ihrem wunderbaren vielseitigen Spiel einfach hingehört.
Die Männer sind bei Masters in Schanghai noch mitten im Turnier. Mit dabei ist auch Alexander Zverev, obwohl er geradde erst eine Lungenentzündung auskuriert hat und sichtlich noch nicht vollends auf dem Damm ist. Angeblich aber kann aktives Spielen keine gravierenden Spätfolgen zeitigen, wollen wir das mal glauben und hoffen.
Jannik Sinner steht im Achtelfinale: Seine Doping-Affäre ist ja jetzt beim CAS anhängig. Dort lässt man sich aber offenbar zeit, was ich unerträglich finde für alle Beteiligten. Für Sinner, weil er das Damoklesschwert einer Sperre über sich hat, vor allem aber für die Konkurrenz, der Sinner mit seinen Siegen Punkte und Geld wegnimmt. Ich würde schon hoffen, dass spätestens bis zu den ATP Finals in Turin so oder so eine Entscheidung getroffen wird.
von Münchner Löwe | Okt. 5, 2024 | Allgemein, Fußball
Wenn sich ordentliche Gerichte mit Sport beschäftigen, ist die Aufregung meist groß. Die Verbände pochen auf ihre Eigenständigkeit, in die man sich bitte nicht einzumischen hat. Wie wunderbar das klappt, sehe ich regelmäßig bei der internen Aufarbeitung von Skandalen, die gerne unter den Teppich gekehrt werden. Schlimmstenfalls kann man ja den allzu eifrigen Ermittler seiner Aufgaben entbinden. Und welcher Verband hat schon gerne Doping-Sünderunter seinen Spitzensportlern. Doping??? Hilft bei uns doch nicht weiter, argumentieren besonders gern Fußballer und Tennisartisten, obwohl das Gegenteil längst bewiesen ist.
Geradezu Magenkrämpfe bekommt der Fußball und seine Verantwortlichen, wenn sich der Europäische Gerichtshof mit Urteilen einschaltet, was selten genug vorkommt. So 1995, als der Belgier Jean-Marc Bosman das damalige Transfersystem aushebelte. Seitdem gehören die damals auch bei Vertragsende üblichen Transfersummen, die nach einem komplizierten Schlüssel errechnet wurden und Wechsel erscwerten wenn nicht unmöglich machten, der Vergangenheit an.
Und jetzt? Droht ein zweiter Fall Bosman, der die Existenz der Vereine bedroht. So las es sich zumindest in einigen Berichten auch seriöser Zeitungen. Was war passiert (arg verkürzt:? Der Franzose Lassana Diarra hatte 2013 bei Lok Moskau einen 4-Jahres-Vertrag abgeschlossen. Ein Jahr später kam es zu Unstimmigkeiten, und Diarra quaittierte den Dienst. Lok klagte und erhielt auch Recht. Diarra wurde zu 10 Mio Schadenersatz verurteilt. Wohlgemerkt: Zu diesem Zeitpunkt war Russland trotz des Einmarsches auf die Krim 2014 ein geachtetes Mitglied der Fußball-Familie und kommender Gastgeber der anstehenden WM 2018.
So weit, so schlecht. Lassana Diarra begab sich auf Vereinssuche, doch weil jeder mögliche Interessent automatisch in die Haftung genommen wurde nach FIFA-Recht, also die 10 Mio gesamtschuldnerisch aufbringen muss, fand sich kein Verein, obwohl der belgische Erstligist Charlerloi großes Interesse zeigte.. Gegen diese Gesamtschuldner-Regelung ging Diarra vor, und der Fall landete jetzt vorm EuGH. Dieser erklärte die Klausel für unzulässig und befreit den interessierten Verein auch von der Beweislast, dass er den Spieler, in diesem Fall Lassana, nicht zum Vertragsbruch ermuntert oder dahingehend beeinflusst hat. Nicht-Handeln zu beweisen ist, wie wir alle wissen, eine der schwierigsten Übungen.
Das erste Geschrei war riesig, ohne dass wir bisher eine Urteilsbegründung kennen. Jetzt könne jeder Spieler jederzeit den Verein wechseln. Vertragsbrüche seien programmiert, und die Vereine könnten die möglichen Ablösesummen nicht mehr in ihren Bilanzen aufführen. Bosman 2, wehklagte es.
Ich sehe riesige Unterschiede. Keineswegs erlaubt das Urteil Vertragsbruch ohne zwingenden Grund. Klar werden manche Spieler aus für sie vermeintlich ungünstigen Kontrakten jetzt vielleicht besser herauskommen, aber ohne jede Entschädigung wird das nicht vielen gelingen (bis der nächste Profi vielleicht auch das aushebelt). Schon jetzt müssen sich ja Spieler erklären und sinken schnell in der Gunst, wenn sie mit vollem Einverständnis aller Beteiligten zu einem vermeintlich oder tatsächlich besseren Verein wechseln, siehe gerade Waldemar Anton, der von den Stuttgarter Fans vehement ausgepfiffen wurde, als er dort für den BVB antrat. Klar, das wird sich legen, aber in Zukunft wird noch genauer hingeschaut, mit welchen Mitteln ein Profi seinen Wechsel forciert. Und der abgebende Verein bekommt erstens die Entschädigung und kann zweitens in die Verträge eine Ablösesumme hineinschreiben, die auch im Fall einer vorzeitigen Vertragsauflösung gilt. Und bis diese Klausel auf Rechtmäßigkeit bis zur letzten Instanz geklärt ist, werden einige Jahre vergehen.
Szenarien, dass interessierte Vereine auf Teufel komm raus einen Spieler aus einem Vertrag holen und gegebenenfalls auch alle Strafen bezahlen, sind zwar nicht ausgeschlossen, dürften sich aber auf wenige Fälle beschränken. Vielleicht aber bin ich auch zu blauäugig und unterschätze immer noch die Riesengier von Fußball-Profis und ihren Beratern. On verra.
von Münchner Löwe | Okt. 4, 2024 | basketball, Fußball, NFL, Tagesrückschau, Tennis
Bayer nur auf Platz 15!
Alarm! So schlecht standen die Münchner seit ewigen Zeiten nicht mehr in einer Tabelle! Und auch nur wegen des guten Torverhältnisses, punktemäßig hat der FCB so wenige wie der 23. Atlético Madrid nach dem 2. Spieltag der Champions League so wenige Schaue ich näher hin, ist allerdings Hoipfen und Malz noch NICHT verloren, nur halt dieses eine Spiel bei Aston Villa, bei dem der vor dem Tor herumirrende Manuel Neuer überhoben wurde und in seiner Analyse alles der Taktik zuschrieb, die tatsächlich eher Harakiri gleicht denn einer gesicherten Verteidigung. Was am Herumirren dennoch nichts ändert.
Besser steht der BVB da, mämlich auf Platz 1, mit 6 Punkten und 10:1 Toren. Was diese eine Tabelle mit 36 Teams tatsächlich so interessant machen könnte: Mit Ausnahme der Engländer haben alle sogenannten großen Nationen schon echte Sorgenkinder (Leipzig, Girona, Milan).
Glänzend stehen die deutschen Teams in Europa und Conference League da. Sogar die kriselnden Hoffenheimer gewannen, und Heidenheim feierte in der Conf League im 2. Spiel schon den 2. Sieg. Betrüblich: Nicht einmal ihr eh nichtgroßes Stadion (15 000 Zuschauer) war ausverkauft (12 800).
Alcaraz schlägt Sinner
Dieses Duell wird auf absehbare Zeit die Tennis-Spitze beherrschen (ein droht allerdings eine Sinner-Sperre wg Doping-Affäre). In Peking beharkten sich die beiden im Finale mehr als 3 Stunden lang, ehe Alcaraz im Tiebreak im 3. Satz das auf höchstem Niveau befindliche Match mit 7:3 für sich entschied.
Bei den Frauen ist die an Nummer 1 gesetzte Aryna Sabalenka (Iga Siatek war nicht dabei) im Viertelfinale an Karolina Muchova gescheitert, die wieder mit äußerst variantenreichem Spiel verzückte.Ihre Rückkehr in die Top 10 ist nur eine Frage der Zeit, wenn sie gesund bleibt.
Falcons gewinnen NFL-Thriller
Das Team aus Atlanta gewann ein Offensiv-Spektakel (vor allem in der 1. Halbzeit) gegen die Tampa Bay Buccaneers mit 36:30 in Overtime. Zur Pause führten die Bucs schon 24:17. In der servierte Kirk Cousins seinen 4. Touchdown-Pass auf Kha-Darel Hodge und krönte eine fast makellose Leistung. 509 Yards erwarf er, Franchise-Rekord und Bestleistung eines über 36-Jährigen. Eine Diskussion über die ungerechte Regel, dass nach einem Touchdown in der Overtime der Gegner kein Angriffsrecht mehr hat, wäre mal wieder angebracht.
Es war insgesamt ein fantastisches Spiel, denn Baker Mayfield auf der anderen Quarterback-Seite erwischte einen Sahnetag. Spannend genug war es auch, denn erst mit ablaufender Uhr schaffte Koo mit einem Field Goal aus 51 Yards den Ausgleich für die Falcons. Zuvor hatte de Kicker zweimal danebengeschossen.
Debütspiel mit Hindernissen
Am Donnerstag eröffneten die Bayern den neuen SAP Garden auch für den Basketball. In der EuroLeague gelang ihnen ein spektakuläres 97:89 gegen Real Madrid und entschied dabei das letzte Viertel mit gleich 33:16 für sich. Sportlich lief also alles nach Wunsch, doch es hakte in der Halle. Der Tribünenumbau vom Eishockey zu Basketball verlief nicht nach Wunsch, und plötzlich hatten die Zuschauer auf den teuersten Plätzen schlecht Sicht. Vor dem 4. Viertel machte eine Anzeigentafel samt Shotclock (wie viel Zeit bleibt noch für einen Wurf?) über einem Korb schlapp, es wussten also Bayern-Offense und Real-Verteidigung nur über Umwege Bescheid. Was offenbar den bayern nicht schadete, siehe die 33 Punkte. Ein böser Brief an den Hallen-Eigentümer Red Bull dürfte trotzdem folgen.
von Münchner Löwe | Sep. 30, 2024 | bundesliga, Fußball, Radsport, Tennis, Wochenrückschau
Spitzenspiel war wenig Spitze
Rekordmeister gegen Meister, Tabellenerster gegen die Unschlagbaren. Viel hab ich mir versprochen, vergleichsweise wenig ist herausgekommen, aber zwei fantastische Tore, die allerdings fast folgerichtig mit Robert Andrich und Alexander Pavlovic zwei defensive Mittelfeldspieler erzielten und nicht die jeweis unsichtbaren Stürmer Harry Kane und Victor Boniface. Immerhin live vor Ort. Das ist doch eine ganz andere Perspektive als nur am Bildschirm. Mehr dazu hier
Erstmals in einer Bayern-Loge – was dort wirklich passiert
Marmoush – einfach klasse
Die Bayern sind nach dem Remis Spitzenreiter geblieben. Härtester Verfolger ist Eintracht Frankfurt, das mit 4:2 bei Holstein Kiel gewann und den vierten Sieg in Folge schaffte. Maßgeblich daran Anteil hatte Stürmer Omar Marmoush, der zwei Tore selbst erzielte und zwei auflegte für Igor Matanovic und Tuta. Der Ägypter führt die Torschützenliste mit 6 Treffer an vor Kane.
Pogacar krönt grandiose Saison
Nach Giro und tour gewann der Slowene auch das Straßenrennen bei der Rad-WM in Zürich. Standesgemäß im Alleingang von Ben O´Connor aus Australien. Zeitfahr-Weltmeister und Doppelolympiasieger Remco Evenepoel blieb nur der 6. Platz, auch weil seine Verfolgungsgruppe sich nicht immer einig in der Nachführarbeit war. Die Übelegenheit von Pogacar ist frappierend.
Bei den Frauen siegte am Samstag die Belgierin Lote Kopecky, die den Sprint einer Sechsergruppe für sich entschied. Knapp an einer Medaille fuhr die Deutsche Liane Lippert auf Platz 4.
Überschattet wurde die WM vom tödlichen Sturz der Schweizer Nachwuchsfahrerin Muriel Furrer, dessen Umstände und Hergang noch ungeklärt sind. Ich habe mir dazu schon ein paar Gedanken gemacht
Was so übrigblieb
Radsport ist und bleibt gefährlich, Stürze sind leider unvermeidbar, aber Veranstalter können gerade bei den allein schon wegen des enormen Tempos gefährlichen Abfahrten die heikelsten Abschnitte besser schützen.
Berufung im Fall Sinner
Die Welt-Antidoping-Agentur WADA hat Berufung gegen den Quali-Freispruch gegen den des Dopings überführten Jannik Sinner eingelegt. Beim Weltranglistenersten waren im Frühjahr in zwei Proben Spuren des verbotenen Mitels Clostebol gefunden worden. Der Italiener begründete das mit verschmutzten Händen seines Masseurs, der für eine eigene Wunde eine Salbe mit diesem Wirkstoff aufgetan habe. Eine unabhängige Kommission folgte dieser Begründung, sah von einer Sperre ab. Einzig das Preisgeld und die Punkte fürs Turnier in Indian Wells, wo die erste positive Probe gezogen wurde, wurden dem Tennisprofi wieder abgezogen. Es regte sich zwar hier und da Unmut über die praktisch nicht vorhandene Strafe, aber größtenteils folgten auch viele Experten der Einlassung. Sinner ist mit seiner offenen Art ein echter Sympathie-Träger und dazu einer der großen Hoffnungen für die Zukunft, wenn die Großen 3 abgetreten sind.
Jetzt also der Einspruch der Wada, der vorm CAS, der obersten Instanz der Sportgerichtsbarkeit. Nicht nur ist die Frage zu klären, ob man der Begründung von Sinner weiter folgt (ich stell mir immer vor, das hätte ein chinesischer Schwimmer von sich gegeben). Aber sogar wenn ich das glaube:Muss sich Sinner nicht das grobe Fehlverhalten eines Mitglieds des allernächsten Umfelds nicht zurechnen lassen? So wie ich glaubte, dass das gängige Praxis ist. Ein Glaube allerdings, von dem ich langsam abfalle, wenn ich sehe, wie auch die haarsträubendsten Begründungen durchgewinkt werden. 23 gedopte Chinesen, die leider, leider alle kontaminiertes Kantinenessen zu sich genommen haben sollen. Obwohl bei einigen von denen große Zweifel bestehen, ob sie im besagten Trainingscamp überhaupt waren.
Es wird eine wegweisende Entscheidung: Urteilt der CAS im Sinne von Sinner, können wir das Doping gleich völlig freigeben. So was wie den Masseur findet wohl jeder Spitzensportler, und ein Pflaster, das die Wunde beweisen soll, kann auch jeder tragen.
Und sonst?
- Fußball-Bundesliga: Erstaunliches in Hoffenheim, wo die heimische TSG bereits nach 13 Minuten 3:0 führte gegen Werder Bremen führte und doch noch verlor. Knackpunkt war die Rote Karte gegen Hoffenheims Stanley N´Soki wegen einer Notbremse. In Unterzahl wirkten die Gastgeber regelrecht hilflos, was ihn dieser Form nicht zwingend ist. Die Karten für Trainer Pellegrino Mattarazzo werden nicht unbedingt besser. Bis jetzt steht der Rauswurf allerdings aus. Für Werder traf der dänische Mittelfeldmann Jens Stage gleich dreimal. So viele Treffer waren ihm jeweils in den beiden vergangenen Spieilzeiten insgesamt für die Werderaner gelungen.
Die Überraschung des Spieltags war der 3:0-Sieg von Neuling St. Pauli beim bis dato so starken SC Freiburg.
Besonderheit: Die Torhüter hielten am Samstag 3 von 3. Deutsche Wertarbeit? Denkste, es waren der Leipziger Gulacsi aus Ungarn, der Wolfsburger Gabara aus Holland und der Paulianer Vasilj aus Bosh´nien-Herzegowina.
Die White Sox stellten mit ihrer Pleite einen traurigen Rekord auf, verloren ihr 121. Spiel, so viele wie noch nie ein MLB-Team.
- Internationaler Fußball: In England hat der FC Liverpool nach einemharterkämpften 2:1 bei Wolverhampton die Tabellenführung übernommen. ManCity kam ohne Rodri und Kevin de Bruyne nicht über ein 1:1 bei Newcastle United hinaus.
Ein Kunststück der besonderen Art schaffte Chelseas Cole Palmer, der beim 4:2 gegen Brighton gleich 4 Tore in der 1. Halbzeit gelang, das gab es noch nie in der Premier League.
Das nächste Desaster erlebte Manchester United. Das Team verlor zu Hause mit 0:3 gegen die Tottenham Hotspur und war mit dem Ergebnis noch gut bedient. Wie lange noch, Teamchef Erik ten Hag?
In Spanien kassierte der FC Barcelona beim 2:4 bei Osasuna Pamplona die erste Saisonniederlage in der Primera Division. Einen ganz starken Auftritt bei den Gastgebern legte der vom FC Bayern ausgeliehene Bryan Zaragoza hin, der ein Tor erzielteund eines vorbereitete. Das Madrider Derby Atlético vs Real endete 1:1 durch den Atleti-Ausgleich in der 7. Minute der Nachspielzeit und VAR. Die Party wurde gut 20 Minuten unterbrochen, weil sogenannte Fans von Atlético den Real-Schlussmann Thibault Courtois (ehemals auch bei Atlético zwischen den Pfosten) mit Wurfgeschossen eindeckten. Trainer Diego Simeone sah eine Mitschuld von Courtois, der zuvor schon übelst beleidigt wurde, wiel er die Fans nach der Real-Führung provoziert habe.
- Tennis: Ein französisches Finale gibt es morgen beim Turnier in Tokio. Die ungesetzten Ugo Humbert und Arthur Fils, Sieger in Halle/Westfalen) treffen aufeinander.
- Deutsche Ligen: Im Handball hat der THW Kiel nach dem beeindruckenden Auswärtssieg beim Meister SC Magdeburg eine herbe Heimklatsche gegen dMT Melsungen kassiert. Allein der diesjährige Titel-Kandidat SG Fensburg-Handewitt ist nach dem 4. Spieltag noch ohne Punktverlust, da die Rhein-Neckar Löwen in Leipzig verloren.
Im Basketball schaffte Meister Bayern München mit Müh und viel Not einen hauchzarten 81:80-Erfolg gegen die Hamburg Towers, den Devin Booker 12 Sekunden vor Schluss mit einem Wurf übers Brett sicherstellte. An der Spitze stehen mit 2 Siegen in 2 Spielen Ex-Meister ratiopharm Ulm und die Rostock Sea Wolves.
In der DEL gewann Red Bull München mit 6:2 bei den Straubing Tigers und schafften im 3. Spiel den 3. vollen Erfolg (ohne Verländerung oder Penaltyschießen). Sie haben offenbar die Eröffnungsfeierlichkeiten ihrer neuen Halle SAP Garden und der folgenden 0:5-Klatsche gegen die Buffalo Sabres am Freitag gut überstanden.
von Münchner Löwe | Sep. 29, 2024 | Fußball, Gesellschaft
Nicht nur war ich gestern beim Spitzenspiel Bayern gegen Bayer in der Münchner Arena, sondern durfte die Partie erstmals aus einer der 106 Logen verfolgen. Unfassbares ist von dort zu vermelden. *
Begin at the beginning, wie mein erster Englischlehrer Adamczyk mantramäßig zu sagen pflegte. Am Freitag rief mich meine Bankberaterin R. an, ob ich nicht Lust hätte, sie am Samstag zum Fußballspiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen zu begleiten. Ja, sehr kurzfristig, entschuldigte sie sich, aber sie habe gerade Karten bekommen für die Loge der HypoVereinsbank und wisse aus unseren Gesprächen , dass ich Fußballfan sei. Sie weiß auch von der Existenz dieses Blogs, auch wenn sie sich hier noch nicht geäußert ist. Ich sagte freudig zu, und es flimmerten Bilder von den sagenumwobenen Logen mit Hummer, Kaviar und Champagner satt vor meinem geistigen Auge, wo sich fußballfremde Menschen zu millionenschweren Deals treffen und nebenher ein bisschen Fußball gucken.
Die Wahrheit war sehr viel profaner. Ein länglicher Raum mit Bildern von Joshua Kimmich, Manuel Neuer und Robert Lewandowski an der Wand und tatsächlich ein Buffet mit schmackhaften, aber wahrlich nicht luxuriösen Speisen und Getränken, Gott sei Dank auch welche ohne Alkohol. Serviert von einer äußerst freundlichen Bedienung, die höchstverdient einiges an Trinkgeld einheimsen durfte. Und etwa 20 Personen mehr oder weniger fußball-affin, durchaus sympathisch (ich weiß jetzt zum Beispiel sehr viel über Einlagen in Sportschuhen), die aus ganz Deutschland (Cuxhaven!) zusammenkamen (es st auch Wiesn-Zeit), um ein tolles Fußballspiel zu sehen (na ja). Frau R. war auch da, meine persönliche Gastgeberin und Betreuerin. Sie hatte tatsächlich einen Bayern-Schal umhängen („Ich bin leidenschaftlicher Fußball-Fan“), und gerierte sich auch als Bayern-Anhängerin.
Die Gastgeber von der Hypo präsentierten Roy Makaay live vor Ort, ein fantastische und sogar mir als Löwen-Anhänger sehr sympathischer Stürmer der Münchner in den Nuller-Jahren. Der mir noch sympathischer wurde, als er auf die Frage antwortete, was sein größter Erfolg gewesen wäre: „Meine Meisterschaft mit Deportivo La Coruna“ und diese Worte auf die entgeisterte Nachfrage „Wirklich???“ bekräftigte und auch begründete, weil Depor eben als kleienr Verein in die Phalanx von Real und Barca eindrang. Makaay übrigens hat 2002 in der Champions League in einer Partie beim FC Bayern mit drei Toren erst die ganz große Aufmerksamkeit der Münchner auf sich gezogen.Jetzt ist der Holländer Bayern-Repräsentant und war Wiesn-stilecht in reichlich kuzen Lederhosen gewandet.
Einen längeren Spielbericht zum 1:1 erspare mir und Euch. Ich war von Bayer extrem enttäuscht, das von der 1. Minute an wie ein Abstiegskandidat das eigne Tor verrammelten und irgendwie einen Punkt ergatterten wollten. Ihr finnischer Torwart Lukas Hradecky zum Beispiel ließ sich von Beginn an aufreizend viel Zeit bei seinen Abschlägen.Die Bayern machten durchaus Druck, scheuten aber auch das letzte Risiko, hätten sich letztlich aber den Sieg verdient gehabt. Immerhin gab es zwei wirklich schöne Tore zu bewundern, die Robert Andrich zur Bayer-Führung und Alexander Pavlovic zum Ausgleich erzielten. Zwei Sonntagsschüsse am Samstagabend, fantastisch getroffen, wenngleich nicht absolut unhaltbar (kann man unhaltbar steigern?) wirkten. Die Doppel-Szene des Abends: Serge Gnabry traf mit einer herrlichen Direktabnahme den rechten Innenpfosten und drosch den Nachschuss an die Latte.
Die Stimmung war ausbaufähig, um es noch freundlich zu formulieren. Monotoner Sprechgesang über die gesamten 90+x Minuten aus dem Bayern-Fanblock, auf das Spiel in keiner Weise eingehend. Ich hab mal die Augen zugemacht, und es war mir unmöglich zu deuten, wo der Ball ist und wer ihn hat.
Insgesamt aber ein sehr erfreulicher Ausflug in die Arena. Vielen Dank, Frau R, für die Einladung und gerne auf eine Wiederholung.
* Wer sich die Spannung versauen will: Niemand tanzte auf den Tischen und es gab keine (Alkohol)-Exzesse oder andere Ausschweifungen.
von Münchner Löwe | Sep. 25, 2024 | EM, Fußball
Die UEFA in all ihrer Weisheit hat also zugestanden, dass Marc Cucurellas Handspiel im EM-Viertelfinale ein strafbares Handspiel war. Auf dem ersten Blick ist es ja ehrenhaft, einen Schiedsrichterfehler auch zu benennen, doch insgesamt erscheint mir dieses „Geständnis“ überflüssig wie ein Kropf. Warum jetzt (erst)?, stellt sich mir die Frage, also zweieinhalb Monate nach dem Vorfall? Und warum wird das Kriterium „Torchance verhindert“ plötzlich herangezogen, das nachweislich zu diesem Zeitpunkt laut FIFA (und allein die hat das Regel-Sagen) absolut kein Kriterium war. Das wurde ja allüberall auch heftig kritisiert, aber es zählt meines Wissens nach eben erst vor dieser Saison. Mal ganz davon abgesehen, dass die UEFA in ihrem Statement absolut nichts dazu geäußert hat, ob
a) Niklas Füllkrug bei seiner Kopfball-Vorlage auf den Schützen Jamal Musiala nicht doch wie die Fernsehbilder sehr vermuten lassen, im Abseits stand und
b) Florian Wirtz bei Musialas Schuss nicht im verbotenem passiven Abseits stand, weil er dem Torwart die Sicht nahm, womit das Kriterium „Torchance“ wieder wegfallen würde.
Gerade war die Betrugs-Diskussion abgeflaut, die das Land wochenlang beherrschte. Der Schaum vorm Mund eingetrocknet, bzw. notdürftig abgewischt. Die Wut auf Cucurella vorbei, die mit den micht tiefst beschämenden Pfiffen gegen den spanischen Verteidiger im Halbfinale und Endspiel gipfelten. Die warfen ein armseliges Licht auf die deutsche Nicht-Verlieren-Können-Fankultur (zumindest eines unüberhörbar großen Teils von ihr).
Wie es der Teufel will, gastiert Cucurella mit seinem FC Chelsea am 28. November in der Conference League beim 1. FC Heidenheim, da kann der Boulevard wieder hübsch stänkern gegen die“ Hand Lockes“. Allein die Gleichstellung mit Maradonas klar absichtlichem Hand 1986 ist dermaßen übertrieben und lächerlich. Diesen Vegleich stellten und stellen ja auch vermeintliche Qualitäts-Medien wie spiegelonline an, die Cucurellas Aktion und das Nicht-Ahnen in die Reihe der größten Fußball-Skandale aller Zeiten auflisten.
Was bleibt: Ein Schiri, der jetzt den Schwarzen Peter inne hat, ohne dass er sich wehren durfte und darf. Ein Verband, der sich wie eine Weide im Wind hin- und herbewegt ohne Sinn und Verstand. Eine wieder aufgebrachte Fußball-Nation Deutschland. Schuld sind ohnehin immer die Anderen.
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